„Beten Sie für mich, besonders in der Josephskapelle!“

Vor 125 Jahren starb in Maria Laach in der Eifel Pater Anselm Schott OSB (1843–1896). Zugleich Überlegungen zum früheren Schutzfest des heiligen Joseph anlässlich des Josephsjahres, das Papst Franziskus ausgerufen hat

Das ursprüngliche Grab von P. Anselm Schott in der Krypta der Josephskapelle von Maria Laach, die heute allgemein wieder nach ihrem historisch älteren Patron als Nikolauskapelle bezeichnet wird.
Totentafel in der Josephskapelle von Maria Laach (heute allgemein wieder nach ihrem historisch älteren Patron als Nikolauskapelle bezeichnet). Als erster Benediktiner wurde P. Anselm Schott in der Krypta bestattet.

Ein Bei­trag von Cle­mens Vic­tor Oldendorf.

Hinführung

Am 23. April 1971 wur­de auf Burg Stau­fen­eck, die zur Gemein­de Salach unweit von Göp­pin­gen gehört, rechts von der Ein­gangs­tü­re des frü­he­ren Guts­päch­ter­hau­ses eine bron­ze­ne Gedenk­ta­fel ent­hüllt. Anlass war damals der 75. Jah­res­tag des Todes eines Prie­sters und Bene­dik­ti­ner­mönchs, der am 5. Sep­tem­ber 1843 dort als Fried­rich August Schott gebo­ren wor­den war. Als Bene­dik­ti­ner erhielt er den Ordens­na­men Anselm, und Pater Ansel­ms Nach­na­me soll­te ab 1884 mehr und mehr zum Syn­onym für das deut­sche Lai­en­mess­buch wer­den, zu dem er die Initia­ti­ve ergrif­fen und das er bis zu des­sen vier­ter Auf­la­ge 1894 eigen- und allein­ver­ant­wort­lich im Frei­bur­ger Her­der Ver­lag her­aus­ge­bracht hatte.

Die Initia­ti­ve zur Tafel am Anselm-Schott-Geburts­haus wie­der­um ging damals wesent­lich auf jenen Alo­is Dan­gel­mai­er zurück, der am 14. Novem­ber 1889 in Krumm­wäl­den gebo­ren und eben­dort am 21. Febru­ar 1978 ver­stor­ben ist. Dies wird des­halb so genau betont, weil er einen Namens­vet­ter hat­te, Vor- und Zuna­me in exakt iden­ti­scher Schrei­bung, eben­falls Jahr­gang 1889, wel­cher jedoch bereits am 9. Juli in Stutt­gart gebo­ren wur­de, dafür aber gan­ze zehn Jah­re frü­her ver­stor­ben ist. Die Ver­wechs­lungs­ge­fahr stei­gert sich zusätz­lich, weil bei­de katho­li­sche Prie­ster wur­den und als sol­che in ein und der­sel­ben Diö­ze­se Rot­ten­burg inkar­di­niert waren. Aber nur unser Alo­is Dan­gel­mai­er hat­te den glei­chen hei­mat­li­chen Bezug zur Pfar­rei Salach wie die Schott­fa­mi­lie und besuch­te dort von 1896 (Anselm Schotts Ster­be­jahr) bis 1899 die Schu­le und war im spä­te­ren Leben schrift­stel­le­risch pro­duk­tiv. Sei­nen Ruhe­stand ver­brach­te er ab 1966 in Salach selbst, dann jedoch spä­te­stens 1971 nach Krumm­wäl­den zurückkehrend. 

P. Anselm Schott (1843–1896)

Die­ser Pfar­rer Alo­is Dan­gel­mai­er ist es, dem wir die bis heu­te ein­zi­ge Schott-Bio­gra­phie ver­dan­ken: P. Anselm Schott – der Mensch, Prie­ster und Lit­ur­ge. Zum 75. Todes­jahr­tag ist ihr Titel, und sie ist nach wie vor anti­qua­risch recht leicht zu fin­den. Wäre vor fünf­zig Jah­ren die­ses Buch des auch anson­sten geschicht­lich und hei­mat­kund­lich inter­es­sier­ten Autors nicht erschie­nen, weit mehr als ohne­hin wäre die Per­sön­lich­keit Anselm Schotts heu­te in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Wie vie­le Doku­men­te und Zeug­nis­se aus Schotts Leben und Schaf­fen wären unge­nutzt in Archi­ven ver­sun­ken oder zwi­schen­zeit­lich unter­ge­gan­gen! Dies möch­te ich aner­ken­nend vor­aus­schicken, denn ohne Dan­gel­mai­ers Lebens­bild Anselm Schotts und die Wirk­ge­schich­te von des­sen Lai­en­mess­buch, die der publi­zi­stisch täti­ge Geist­li­che damit ver­bun­den hat, wären mei­ne eige­nen Bei­trä­ge vor weni­gen Jah­ren, anläss­lich des 175. Geburts­ta­ges des Bene­dik­ti­ner­pa­ters1, so nicht oder nur sehr viel schwie­ri­ger und auf­wen­di­ger mög­lich gewe­sen, wenn ich auch alle Quel­len selbst über­prüft und vie­le wei­te­re hin­zu­ge­zo­gen habe, was ver­gli­chen mit Dan­gel­mai­ers Dar­stel­lung durch­aus zu man­cher Berich­ti­gung oder Neu­be­wer­tung Anlass gege­ben hat.

Fünf­zig Jah­re spä­ter ist der 23. April 2021 mit Pater Anselm Schotts 125. Jahr­ge­dächt­nis ver­bun­den. Aus die­sem Grun­de habe ich mir aus dem Abtei­ar­chiv Maria Laach, wo Pater Schott seit der bene­dik­ti­ni­schen Wie­der­be­sied­lung am 25. Novem­ber 1892 leb­te, starb und bei­gesetzt ist, die Toten­chro­nik beschafft2, die sei­ne letz­ten Lebens­mo­na­te, Krank­heit und Tod, schil­dert, die aber auch sei­ne Wesens­zü­ge nach­zeich­net und sei­ne Per­sön­lich­keit wür­digt. Der Chro­nist hat sie sei­ner­zeit in der Kur­r­ent­schrift hand­schrift­lich ver­fasst, wie sie um die Jahr­hun­dert­wen­de üblich und Vor­läu­fe­rin des Süt­ter­lin gewe­sen ist. So wird die­se wich­ti­ge Quel­le 2021 erst­mals voll­stän­dig in unse­re heu­ti­ge Latein­schrift über­tra­gen, um sie zugäng­lich machen, erhal­ten und ver­öf­fent­li­chen zu können.

Dan­gel­mai­er hat Schotts Toten­chro­nik in sei­nem Buch über ihn wohl zwei­mal genannt (vgl. a. a. O., S. 82 f). Erst bei der Trans­li­te­ra­ti­on konn­te aber auf­fal­len, dass er sie auch gekannt und aus­ge­wer­tet hat. Dies geschieht ab S. 75 unten bis S. 78 sei­nes Buches, jedoch nennt Dan­gel­mai­er dort die Toten­chro­nik nicht als sei­ne Quel­le und schwankt zwi­schen Para­phra­se und dem aus­ge­dehn­ten, wört­li­chen Zitat, das er aber nicht als sol­ches kenn­zeich­net. Hin­zu kommt, unun­ter­scheid­bar vom Zitat, das zudem nicht immer in der Prä­zi­si­on etwa der Zeit­an­ga­ben sorg­fäl­tig und in der Wort­ge­treu­heit wie­der­holt unzu­ver­läs­sig ist, Dan­gel­mai­ers Kom­men­tie­rung und sub­jek­ti­ve Interpretation.

Die Jesuitengruft in Maria Laach

Schotts Lebens­weg hat­te auch nach 1868, als er in Beu­ron Postu­lant und spä­ter Novi­ze gewor­den war und 1870 die zeit­li­che, 1873 die fei­er­li­che Pro­fess abge­legt hat­te, vie­le wech­sel­haf­te Sta­tio­nen. Zuletzt war er 1892 unter den nach Maria Laach ent­sand­ten Beu­ro­ner Mön­chen. Die­ser Ort hat­te zwar eine gro­ße bene­dik­ti­ni­sche Vor­ge­schich­te, war als Bene­dik­ti­ner­klo­ster fast genau acht­hun­dert Jah­re zuvor, 1093, gegrün­det und erst­mals 1127 zur Abtei erho­ben wor­den, dann aber Napo­le­ons Säku­la­ri­sa­ti­on anheim­ge­fal­len. Von 1863 bis 1872 hat­ten die Jesui­ten ihn mit Leben erfüllt, dort ein Stu­di­en­haus von inter­na­tio­na­ler Strahl­kraft, ihr Col­le­gi­um Maxi­mum, unter­hal­ten und vor­über­ge­hend auch ihren deut­schen Pro­vinz­sitz gehabt.

Josephskapelle/Nikolauskapelle

Die gro­ße Klo­ster­kir­che stand ihnen dabei noch nicht zum Got­tes­dienst zur Ver­fü­gung, und so nut­zen sie dafür die Niko­laus­ka­pel­le, deren Turm noch die Merk­ma­le der Roma­nik auf­weist und bis ins 13. Jahr­hun­dert zurück­reicht. Unter dem Ein­druck der Tat­sa­che, dass Papst Pius IX. den hei­li­gen Joseph 1870 zum Schutz­herrn der Gesamt­kir­che erklärt hat­te, wichen die Jesui­ten vom alten Patro­zi­ni­um ab und weih­ten die mit­nich­ten gar so klei­ne Kir­che dem hei­li­gen Joseph. Damals leg­ten sie unter die­ser Josephs­ka­pel­le eine Kryp­ta als Grab­le­ge ihrer Toten an. Die damals in Maria Laach ver­stor­be­nen Jesui­ten ruhen bis heu­te in die­ser Gruft, und der erste Bene­dik­ti­ner, des­sen Leich­nam und Sarg dort eine der Wand­ni­schen, ein soge­nann­ter Locu­lus, auf­nahm, war Ende April 1896 kein ande­rer als unser Pater Anselm Schott.

125. Wiederkehr des Todestages

In sei­nem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Patris cor­de hat der regie­ren­de Hei­li­ge Vater Fran­zis­kus den Zeit­raum vom 8. Dezem­ber 2020 bis zum 8. Dezem­ber 2021 zum Jubi­lä­ums­jahr zu Ehren des hei­li­gen Joseph erklärt und dafür beson­de­re Abläs­se ver­lie­hen mit der Ziel­set­zung, auf die­se Wei­se dar­an zu erin­nern, dass vor hun­dert­fünf­zig Jah­ren Pius IX. die Welt­kir­che dem beson­de­ren Schutz des hei­li­gen Joseph anemp­foh­len hat.

Schon 1847 hat­te die­ser epo­chebil­den­de Papst das soge­nann­te Schutz­fest des hei­li­gen Joseph auf die gan­ze Kir­che aus­ge­dehnt und sei­ne Fei­er auf den 3. Sonn­tag nach Ostern, den Sonn­tag Jubi­la­te, fest­ge­legt. Die­ses Fest konn­te im Unter­schied zum 19. März, der immer in die Fasten­zeit fällt, da der 22. März im gre­go­ria­ni­schen Kalen­der der frü­hest­mög­li­che Oster­ter­min ist, weit fest­li­cher und mit Oktav began­gen wer­den. Sei­nen Ursprung hat­te die­ses Schutz­fest im Orden der Unbe­schuh­ten Kar­me­li­ten und Kar­me­li­tin­nen, dem die hei­li­ge The­re­sia von Avi­la ihre eige­ne, beton­te Josephs­ver­eh­rung gleich­sam ein­ge­impft hat­te. In den Klö­stern die­ser Ordens­re­form wur­de das Fest bereits seit 1689 an Jubi­la­te began­gen und ver­brei­te­te sich so in vie­len spa­ni­schen Bis­tü­mern und dar­über hinaus.

Locu­li in der Kryp­ta der Josephskapelle

Dass wir dies hier etwas aus­führ­li­cher dar­stel­len und den vor­lie­gen­den Bei­trag heu­te, zwei Tage vor Anselm Schotts 125. Todes­tag, ver­öf­fent­li­chen, hängt mit der Bre­vier- und Mis­sa­le-Reform von Pius X. zusam­men. 1913 wur­de bestimmt, dass künf­tig kei­ne Feste mehr dau­er­haft auf einen bestimm­ten Sonn­tag gelegt wer­den oder blei­ben soll­ten (wo sie die Sonn­tags­lit­ur­gie stän­dig ver­drän­gen). Das Namen-Jesu-Fest und das Drei­fal­tig­keits­fest soll­ten als ein­zi­ge von die­ser Anwei­sung aus­ge­nom­men blei­ben. Frei­lich wur­de schon bei der gesamt­kirch­li­chen Ein­füh­rung des Festes der Hei­li­gen Fami­lie, das 1920 von Bene­dikt XV. auf den Sonn­tag in der damals noch bestehen­den Epi­pha­nie-Oktav gelegt wur­de, und 1925 durch Ein­füh­rung des Christ­kö­nigs­fe­stes am letz­ten Okto­ber­sonn­tag die­ser prin­zi­pi­ell so rich­ti­ge Grund­satz gleich zwei­fach igno­riert. An und für sich hat­te und behielt er in der Edi­tio typi­ca des Mis­sa­le Roma­num von 1920 sehr wohl Gel­tung. Um aber auch wei­ter­hin zumin­dest die Mög­lich­keit der Äuße­ren Fei­er am dar­auf­fol­gen­den Sonn­tag zu belas­sen, war 1913 ange­ord­net wor­den, dass Feste, die vor­her auf einen bestimm­ten Sonn­tag stän­dig fest­ge­legt waren, in Zukunft auf einen Werk­tag in der Woche vor die­sem ehe­ma­li­gen Fest­sonn­tag vor­ge­zo­gen wer­den soll­ten. Nach­dem der Mitt­woch jeder Woche in Lit­ur­gie und Fröm­mig­keit tra­di­tio­nell der Ver­eh­rung des hei­li­gen Joseph gewid­met ist, rück­te sein Schutz­fest mit Oktav auf den Mitt­woch nach dem 2. Sonn­tag nach Ostern vor. 1955 führ­te Pius XII. das neue Fest Joseph der Arbei­ter ein und mach­te den 1. Mai zu des­sen Fest­ter­min.3 Seit­her, und somit auch nach den lit­ur­gi­schen Büchern von 1962, ent­fällt das Schutz­fest mit sei­ner Oktav, aber eigent­lich wür­de es heu­te, am Mitt­woch, dem 21. April 2021, began­gen wer­den. Dies ist der Grund für das heu­ti­ge Erschei­nen die­ses Arti­kels, der aber doch auch schon vor­aus­blickt auf Schotts 125. Todes­tag. Damals – 1896 – war das Schutz­fest des hei­li­gen Joseph am Sonn­tag, der auf Don­ners­tag, den 23. April folg­te, näm­lich am 26. April. Ein­hun­dert­fünf­und­zwan­zig Jah­re spä­ter fällt der Jah­res­tag des Todes von Pater Schott in ein Jubi­lä­ums­jahr zu Ehren des hei­li­gen Joseph.

Anselm Schotts Beziehung zur Liturgie und Frömmigkeit – seine Verehrung für den heiligen Joseph

Die Toten­chro­nik Schotts umfasst acht hand­schrift­lich beschrie­be­ne, unpa­gi­nier­te Blät­ter, nicht, wie Dan­gel­mai­er angibt, „sie­ben Sei­ten“ (vgl. a. a. O., S. 83). Sie ent­hält ein­drucks­vol­le Pas­sa­gen zu Schotts stark lit­ur­gisch genähr­ter Fröm­mig­keit. Im Vor­aus­griff auf den Jah­res­tag sei­nes Todes sol­len aus­ge­wähl­te Zita­te vor­ab Ein­blick in die­se Aus­rich­tung geben. Auf Bl. 4 und 5 heißt es: 

„Wol­len wir das Bild unse­res lie­ben ver­stor­be­nen Mit­bru­ders uns noch ein­mal voll­stän­dig vor Augen füh­ren, so dür­fen wir vor allem nicht ver­ges­sen, sei­ner tie­fen und kern­haf­ten Fröm­mig­keit u. Reli­gio­si­tät Erwäh­nung zu thun, die sich wäh­rend sei­ner Krank­heit ganz beson­ders kund­gab. Mit wel­cher Lie­be hing er z. B. an der Fei­er der hl. Mes­se. Es war über­aus erbau­lich zu sehen, wie er sich trotz sei­ner gro­ßen Kör­per­schwä­che, wel­che durch die vie­len schlaf­lo­sen, aber qual­vol­len Näch­te her­bei­ge­führt wur­de, zur Sakri­stei schlepp­te u. zum Alta­re. Bis etwa 10 Tage vor sei­nem Tode hat er noch täg­lich cele­briert. Das Bre­vier bete­te er bis zu sei­nem Todes­ta­ge. Und als es ihm am Mor­gen des­sel­ben nicht mög­lich war, auch nur dem Vor­le­ser zu fol­gen, äußer­te er, er wol­le lie­ber bis zum Nach­mit­ta­ge war­ten, viel­leicht gehe es dann bes­ser. Denn es wäre ihm doch sehr leid, wenn er das Offi­ci­um der 2 hl. hl. [sic!, hier und fort­an kenn­zeich­nen Anmer­kun­gen in ecki­gen Klam­mern inner­halb von Zita­ten aus der Toten­chro­nik mei­ne erklä­ren­den Zusät­ze oder Erläu­te­run­gen, C.V.O.] Päp­ste Soter u. Kajus nicht per­sol­vie­ren könn­te. Es soll­te ihm nicht mehr mög­lich wer­den. Wir hof­fen aber, daß Gott ihm recht bald für die­sen sei­nen hl. Eifer einen Platz im Him­mel­scho­re anwei­sen wer­de, damit er dort in das gro­ße hl. Offi­ci­um ein­stim­men kann, das nim­mer ver­stummt. Sol­len wir auch von sei­ner Lie­be zur hl. Lit­ur­gie reden? Sei­ne Arbei­ten u. Schrif­ten spre­chen laut genug davon. Bis in sei­ne letz­ten Lebens­stun­den besprach er oft mit den Patres, die ihn besuch­ten, z. B. das Bedürf­niß, unser Kalen­da­ri­um dahin zu ändern, daß auch wie­der öfter im Jah­re das Pro­pri­um de tem­po­re [bereits im Ori­gi­nal in Latein­schrift] zur Gel­tung käme, beson­ders die Sonn­ta­ge. Eben­so stell­te er auf dem Kran­ken­bet­te noch ein Rei­se­bre­vier zusammen.“ 

Toten­chro­nik von P. Anselm Schott

Etwas spä­ter, auf Bl. 6, ist die Rede von sei­ner letz­ten hei­li­gen Mes­se, die er am 14. April las: 

„Sein Lei­den war ziem­lich peri­odi­scher Natur. Als der Stuhl­gang durch Anwen­dung der Medi­zin gere­gelt war, hat­te er viel­leicht 1 oder 2 Tage Ruhe, dann began­nen ihn die Schmer­zen wie­der fürch­ter­lich zu pei­ni­gen, oft 2–3 Tage lang. So ging es wech­sel­wei­se bis Mitt­woch in der Oster­wo­che [den 8. April 1896]. Dort hat­te er des Nachts einen hef­ti­gen Anfall unter Erbre­chen und gro­ßem Blut­fluß, so hef­tig, daß er ohn­mäch­tig wur­de. Aber schon 8 Tage dar­auf hielt er sich wie­der für so kräf­tig, daß er in der Josephs­ka­pel­le die hl. Mes­se lesen zu kön­nen glaub­te. Doch schon beim Staf­fel­ge­bet brach er zusam­men. Trotz allen Zure­dens ließ er sich nicht davon abbrin­gen, das hl. Opfer zu voll­enden. Mit vie­ler Mühe u. der Auf­brin­gung aller sei­ner Kräf­te gelang es ihm. Es war sei­ne letz­te hl. Mes­se am Feste des hl. Justi­nus. Der glei­che Tag war auch der Tag sei­ner hl. Ölung.“ 

Hier spricht der Chro­nist zum ersten Mal Pater Schotts beson­de­re Bezie­hung zu der dem hei­li­gen Joseph geweih­ten Kapel­le an. Von der Nacht, in der er starb, heißt es wei­ter auf Bl. 7, er habe „unzäh­li­ge­ma­le“ das Ave Maria gebe­tet und den hei­li­gen Joseph angerufen.

Die Über­schrift, die wir die­sem Bei­trag zum Geden­ken an Pater Schotts Hin­schei­den vor hun­dert­fünf­und­zwan­zig Jah­ren gege­ben haben, ist ein wört­li­cher Aus­spruch des damals Heim­ge­gan­ge­nen. Der Chro­nist fragt selbst auf Bl. 8 nach der Moti­va­ti­on dazu: 

„‚Beten Sie für mich, beson­ders in der Josephs­ka­pel­le!‘ hat­te er noch vor kur­zem zu einem unse­rer Mit­brü­der gesagt, mag nun eine beson­de­re Ver­eh­rung zum hl. Joseph u. eine Vor­lie­be zu sei­ner fried­li­chen Kapel­le ihm die­sen Wunsch ein­ge­ge­ben haben, oder die Ahnung, daß man ihn bald dort dro­ben in die stil­le Gruft sen­ken wer­de, wir wol­len ihn [näm­lich die­sen Wunsch] als sei­ne letz­te u. an uns alle gerich­te­te Bit­te betrach­ten u. in der stil­len Josephs­ka­pel­le gern u. oft für sei­ne See­len­ru­he beten, wo er nun zu den Füßen sei­nes Erlö­sers ruhig schlum­mert, der Auf­er­ste­hung entgegenharrend.“

Ganz ohne Zwei­fel hat­te Schott bei die­ser Auf­for­de­rung auch das damals am 3. Sonn­tag nach Ostern bevor­ste­hen­de Schutz­fest des hei­li­gen Joseph im Blick und stand ihm das noch recht fri­sche, neue Patro­zi­ni­um der Kapel­le im Bewusst­sein, in der er sei­ne letz­te hei­li­ge Mes­se gele­sen hat­te. Heut­zu­ta­ge wird sie all­ge­mein wie­der nach ihrem histo­risch älte­ren Patron als Niko­laus­ka­pel­le bezeichnet.

1926, damals erschien das Schott-Mess­buch erst­mals als latei­nisch-deut­sche Voll­aus­ga­be, wur­de die Kapel­le restau­riert und der Zugang zur Gruft ver­schlos­sen. Seit 1984, zum hun­dert­sten Jubi­lä­um der Erst­auf­la­ge des Meß­buchs der hei­li­gen Kir­che, kann man wie­der zu Schotts letz­ter irdi­scher Ruhe­stät­te hin­ab­stei­gen. Aller­dings befin­det sich die Niko­laus­ka­pel­le längst im Bereich der Klau­sur der Mön­che, so dass ein exter­ner Besu­cher sich vor­her anmel­den müss­te, um vor Schotts Locu­lus beten oder eine Ker­ze ent­zün­den, um Blu­men nie­der­le­gen zu können.

Josephsjahr als Anregung und Anlass, das Schutzfest des heiligen Joseph für künftige Jahre wieder zu ermöglichen!

Eine eige­ne Präf­a­ti­on besitzt der hei­li­ge Joseph seit 1919.4 Man sagt, damals habe Papst Bene­dikt XV. sie per­sön­lich for­mu­liert. Das Schutz­fest wur­de noch zu Zei­ten Schotts nach dama­li­ger Rang­ord­nung der lit­ur­gi­schen Tage als Duplex II clas­sis began­gen. Pius X. hat es zum Ran­ge Duplex I clas­sis cum Octa­va com­mu­ni erho­ben, es zugleich im Titel auf­ge­wer­tet: Hieß es bis dahin Patro­ci­ni­um S. Joseph, lau­te­te der Titel nun­mehr In Sol­lem­ni­ta­te S. Joseph Spon­si B. M. V., Conf. et Eccle­siae uni­ver­sa­lis Patro­ni, unter dem es dann auch im Mis­sa­le Roma­num von 1920 erscheint, vor­ver­legt auf den Mitt­woch nach dem 2. Sonn­tag nach Ostern.5

Das Fest Joseph der Arbei­ter hat im Kalen­der der lit­ur­gi­schen Bücher von 1962 den Rang 1. Klas­se, ist damit obli­ga­to­risch. In der tech­nisch-kano­ni­stisch seit 2007 soge­nann­ten ordent­li­chen Form des Römi­schen Ritus ist es ledig­lich noch ein nicht­ge­bo­te­ner Gedenk­tag (Rang: m bezie­hungs­wei­se g). Die­se Dis­kre­panz könn­te über­wun­den wer­den, indem das Josephs­fest des 1. Mai in den lit­ur­gi­schen Büchern von 1962 zunächst auf die, dem nicht­ge­bo­te­nen Gedenk­tag ent­spre­chen­de, 4. Klas­se her­ab­ge­stuft wird.

Schott-Aus­ga­be von 1884

Nach­dem schon in den letz­ten Jah­ren, in denen die Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei noch als selb­stän­di­ge Insti­tu­ti­on bestan­den hat, von Rom meh­re­re Erlaub­nis­se erteilt wor­den sind, auf Grund­la­ge der Bestim­mun­gen von Summorum Pon­ti­fi­cum immer­hin fakul­ta­tiv lit­ur­gi­sche Fei­ern und sogar Riten zu beob­ach­ten, die in die Zeit vor 1962 und 1955 zurück­ge­hen, wäre das momen­tan began­ge­ne Josephs­jahr eine pas­sen­de Gele­gen­heit, das Schutz­fest des hei­li­gen Joseph als Opti­on wie­der her­zu­stel­len. Wer es begeht, brauch­te dann den zeit­lich meist sehr dicht dar­auf fol­gen­den 1. Mai nicht als Joseph der Arbei­ter zu fei­ern. Bei einer all­fäl­li­gen Reform der lit­ur­gi­schen Bücher von 1962, bei der mög­lichst auch ande­re Okta­ven (und Vigi­li­en) wie­der zu rekon­stru­ie­ren wären, könn­te der 1. Mai als Gedenk­tag Joseph der Arbei­ter wie­der ganz ent­fal­len und wie ehe­dem Apo­stel­fest der hei­li­gen Phil­ip­pus und Jako­bus wer­den; das Schutz­fest jeden­falls im Usus anti­qui­or sei­ne Oktav zurückerhalten.

Es dort vor­erst am heu­ti­gen Mitt­woch nach dem 2. Sonn­tag nach Ostern wenig­stens wie­der jenen zu erlau­ben, die dies wün­schen, wäre umso leich­ter mög­lich, da das Mess­for­mu­lar des Festes iden­tisch ist mit jenem Pro­pri­um, das die Mitt­wochs­vo­tiv­mes­se zu Ehren des hei­li­gen Joseph wäh­rend der öster­li­chen Zeit im Mis­sa­le Roma­num von 1962 ohne­hin hat. Bei einer Äuße­ren Fei­er am dar­auf­fol­gen­den Sonn­tag hät­te sie außer dem Glo­ria auch Cre­do und wären Ora­tio, Secre­ta und Post­com­mu­nio des Sonn­tags jeweils an zwei­ter Stel­le einzulegen.

Am dies­jäh­ri­gen Datum ist eine Votiv­mes­se 4. Klas­se nicht mög­lich, da der hei­li­ge Anselm von Can­ter­bu­ry 3. Klas­se ist, aber in Jah­ren, in denen der Mitt­woch nach dem 2. Sonn­tag nach Ostern auf einen Tag 4. Klas­se fällt, könn­te man jetzt schon in Fei­ern nach Summorum Pon­ti­fi­cum die Votiv­mes­se vom hei­li­gen Joseph wäh­len, sie hät­te aber nor­ma­ler­wei­se kein Cre­do. In die­sem Jahr wol­len wir heu­te Pater Schotts Namens­tag nicht ganz ver­ges­sen, an dem er, wie die Toten­chro­nik auch noch zu berich­ten weiß, zum letz­ten Male die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen hat6, bevor er verstarb.

Auf­grund des Josephs­jah­res, das wir momen­tan fei­ern, kann man noch dar­auf hin­wei­sen, dass 2021 am heu­ti­gen Tag sogar die Mes­se Adiutor et pro­tec­tor noster als Votiv­mes­se 1. Klas­se mög­lich gewe­sen wäre, mit Glo­ria und Cre­do, (prin­zi­pi­ell sogar mit einer fak­ti­schen Oktav7). Dies hät­te der Codex Rubri­car­um von 1960 in sei­ner n. 338b ermög­li­chen kön­nen, nur hät­te man dazu recht­zei­tig ein Spe­zi­al­in­dult des Hei­li­gen Stuh­les ein­ho­len müs­sen.8

Dem Gebet aller Gläubigen und dem Memento der Priester am Altar empfohlen – der am 23. April 1896 in die Ewigkeit hinübergegangene Pater Anselm Schott

Locu­lus-Inschrift für P. Anselm Schott

Beten Sie für mich, beson­ders in der Josephs­ka­pel­le!“ Die­se Bit­te gilt am bevor­ste­hen­den Jahr­ge­dächt­nis Pater Anselm Schotts auch uns, die wir sei­ner geden­ken. Beten wir für den Prie­ster und Bene­dik­ti­ner, dem wir das Schott-Mess­buch ver­dan­ken, und wenn nicht in der Maria Laacher Kapel­le selbst, unter der er sei­ne letz­te Ruhe­stät­te gefun­den hat, so doch wäh­rend eines 150. Jubi­lä­ums­jah­res, das in spe­zi­el­ler Wei­se dem hei­li­gen Joseph als Patron der Uni­ver­sal­kir­che geweiht ist und das den 125. Jah­res­tag von Anselm Schotts Tod mit sich bringt, uns aber eben­so und mehr noch das ein­sti­ge Schutz­fest des hei­li­gen Joseph in Erin­ne­rung ruft, des­sen Wie­der­ein­füh­rung abschlie­ßend ange­regt und den zustän­di­gen Instan­zen, ins­be­son­de­re Papst Fran­zis­kus selbst, ganz aus­drück­lich ans Herz gelegt sei.

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1 Vgl. bes. die vier­tei­li­ge Rei­he: Olden­dorf, C. V., Gene­se des Schott-Mess­bu­ches bis zur Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils (1884–1963) – Teil I/IV « kath­news, aber auch ders., Anselm-Schott-Jubi­lä­ums­jahr geht zu Ende — Katho­li­sches, bei­des abge­ru­fen am 20. April 2021.

2 Der momen­ta­ne Pri­or-Admi­ni­stra­tor, Pater Petrus Nowack OSB, hat­te sie mir eigent­lich bereits 2018 in sei­ner Funk­ti­on als Biblio­the­kar dan­kens­wer­ter­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt, nur habe ich mich erst jetzt näher damit beschäftigt.

3 Die damit ein­ge­tre­te­ne Akzent­ver­schie­bung lässt sich an den Mess­for­mu­la­ren des alten und des neu­en Josephs­fe­stes viel­leicht nir­gend­wo deut­li­cher able­sen als in den jewei­li­gen Evan­ge­li­en­pe­ri­ko­pen. Frü­her das Evan­ge­li­um von der Tau­fe des Herrn nach Lk 3,21–23 mit dem Kern­vers 22 im Mun­de des himm­li­schen Vaters: „Tu es Fili­us meus dilec­tus, in te com­pla­cui mihi – Du bist mein gelieb­ter Sohn, an Dir habe ich mein Wohl­ge­fal­len!“ Am 1. Mai nach 1955 Mt 13, 54–58, wo berich­tet wird, dass Jesus in den Syn­ago­gen sei­ner Vater­stadt lehrt und damit die lapi­da­re Fra­ge auf­wirft: „Non­ne hic est fab­ri fili­us – Ist die­ser nicht des Zim­mer­manns Sohn?“ in V. 55.

4 Vgl. Brehm, F., Die Neue­run­gen im Mis­sa­le, Regens­burg 1920, lfd. Nr. 131, S. 286f.

5 Vgl. ebd., lfd. Nr. 332, S. 329.

6 Vgl. Chro­nik aus Maria Laach über den Tod Rev. P. Anselm’s, Bl. 6, die zum 125. Todes­tag am 23. April 2021 voll­stän­dig auf www.kathnews.de ver­öf­fent­licht wer­den wird.

7 Vgl. CR1960, n. 340. Ein Indult wäre ver­mut­lich aller­dings höch­stens für eine Votiv­mes­se I. Klas­se am heu­ti­gen Tag selbst gewährt wor­den, da durch eine acht­tä­gi­ge Fei­er wohl eine all­zu gro­ße Nähe zum – bei Ver­wen­dung des MR1962 – ver­pflich­tend zu fei­ern­den Josephs­fest am 1. Mai ent­stan­den wäre.

8 Vgl. ebd., n. 339.

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