Erinnerungen an Pater Anselm Schott zu seinem 175. Geburtstag

Anselm Schott (1843-1896)
Anselm Schott (1843-1896)

Von Mat­thi­as Schir­ra

Seit 1884 bis auf den heu­ti­gen Tag erscheint im Ver­lag Her­der in Frei­burg im Breis­gau das Schott­mess­buch, kurz der Schott genannt. Die­sen Namen ver­dankt es sei­nem Initia­tor, dem Bene­dik­ti­ner Pater Anselm Schott, der 1896 in der Abtei Maria Laach in der Vul­kan­ei­fel ver­stor­ben ist und bei­gesetzt wur­de.

Anselm Schott (1843-1896)
Anselm Schott OSB (1843–1896)

Gebo­ren wur­de er als Fried­rich August Schott am 5. Sep­tem­ber 1843. Er war das drit­te von ins­ge­samt sie­ben Kin­dern, sei­ne Geschwi­ster waren zwei älte­re Brü­der, denen noch ein jün­ge­rer sowie drei Schwe­stern folg­ten. Pater Ansel­ms Leben und Per­son sind hin­ter sei­nem Mess­buch fast ganz zurück­ge­tre­ten. Des­we­gen soll anläss­lich sei­nes 175. Geburts­tags an ihn und an wenig bekann­te Aspek­te zu sei­nem Hin­ter­grund und sei­ner Her­kunft erin­nert wer­den.

Sein Mess­buch war bis zur Lit­ur­gie­re­form im Gefol­ge des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils 1969 sicher­lich das popu­lär­ste katho­li­sche Lai­en­mess­buch im deut­schen Sprach­raum. Da ist es bemer­kens­wert und viel­leicht über­ra­schend, dass die Fami­lie Schott eigent­lich tra­di­tio­nell pro­te­stan­tisch war. In sie ist das katho­li­sche Ele­ment erst 1838 durch die Ehe­schlie­ßung des Vaters Edu­ard Sala­din (!) Schott mit Anto­nie Wey­land ein­ge­flos­sen.

Der Großvater Christian Friedrich Albert Schott (1782-1861)
Der Groß­va­ter Chri­sti­an Fried­rich Albert Schott (1782–1861)

Der Groß­va­ter des spä­te­ren Pater Anselm, der poli­tisch enga­gier­te Jurist Chri­sti­an Fried­rich Albert Schott, ließ sich 1804 in Paris sogar in die dor­ti­ge Frei­mau­rer­lo­ge des Grand Ori­ent de Fran­ce aufnehmen.((Der Groß­va­ter, der den erb­li­chen Adels­ti­tel ablehn­te, der sei­nem Vater 1822 ver­lie­hen wur­de, war 1848 auch Abge­ord­ne­ter zur Deut­schen Natio­nal­ver­samm­lung, wo er der poli­ti­schen Lin­ken ange­hör­te. Einer sei­ner Brü­der, August Chri­sti­an von Schott, ein Groß­on­kel von P. Anselm Schott, ging zunächst in die USA und dann in die Repu­blik Texas (1836–1845), in deren Dien­sten er starb.))

Harm­lo­ser, aber eben­falls schil­lernd, erscheint dem­ge­gen­über Schotts jün­ge­rer Bru­der Anton, der evan­ge­lisch wur­de und auch evan­ge­lisch hei­ra­te­te und als Opern­sän­ger zeit­wei­lig bis in die USA kam.

Schott ent­stamm­te also einer kon­fes­si­ons­ver­schie­de­nen Ehe mit welt­an­schau­lich dis­pa­ra­ten und auch unkon­ven­tio­nel­len, fami­liä­ren Ein­flüs­sen, und eben­so der Ort, in dem er gebo­ren wur­de, die zu Salach gehö­ren­de Domä­ne Stau­fen­eck zwi­schen Göp­pin­gen und Geislin­gen gele­gen, war durch die Glau­bens­spal­tung gekenn­zeich­net. Als der jun­ge Rot­ten­bur­ger Diö­ze­san­prie­ster am 15. August 1867 sei­ne Hei­mat­pri­miz fei­er­te, geschah dies in der Sala­cher Pfarr­kir­che St. Mar­ga­re­tha, die seit 1655 ein Simul­ta­ne­um war. Erst 1905 errich­te­ten die Katho­li­ken eine neue Kir­che. Seit­her ist die Kir­che, in der Anselm Schott getauft und wahr­schein­lich auch gefirmt wur­de und erst­mals als Prie­ster zum Altar schritt, evan­ge­lisch.

Bereits Ende Okto­ber 1868 wur­de Schott Postu­lant in Beu­ron. Sein Weg als Bene­dik­ti­ner war unzwei­fel­haft von größ­tem Ein­fluss für sein beweg­tes Leben, das ihn in nahe­zu alle Nie­der­las­sun­gen sei­ner Kon­gre­ga­ti­on führ­te, wie auch auf sei­ne edi­to­ri­sche und publi­zi­sti­sche Tätig­keit.

In der bel­gi­schen Abtei Mareds­ous wirk­te Schott an der Erar­bei­tung einer neu­en Aus­ga­be des Alt­ar­mess­bu­ches für den Bene­dik­ti­ner­or­den mit und kam dort eben­falls mit einer fran­zö­sisch­spra­chi­gen Aus­ga­be des Mis­sa­le für die Gläu­bi­gen in Berüh­rung, deren erste Auf­la­ge 1882 erschien. Die­ser Umstand wird häu­fig als die erste Anre­gung Schotts zu einem deutsch­spra­chi­gen Lai­en­mess­buch ange­se­hen. Es ist frei­lich wahr­schein­lich, dass er auch das Offi­ci­um Divinum des Main­zer Prie­sters Chri­stoph Mou­fang (1817–1890) gekannt hat, das erst­mals 1851 her­aus­kam und bis 1912 zwan­zig Auf­la­gen erleb­te. Es ent­hält den Ordo Mis­sae latei­nisch und deutsch, die Mess­tex­te der Sonn- und Fei­er­ta­ge jedoch aus­schließ­lich in Latein, aus­ge­nom­men Lesung und Evan­ge­li­um, die zusätz­lich mit Über­set­zung ange­bo­ten wer­den.

Das aller­er­ste deut­sche Taschen­mess­buch indes datiert sogar vom Jahr 1526 und erschien in Tirol, in der Sil­ber­stadt Schwaz: Ain Mis­sal od. Meß­pu­ech über das gantz jar.

Es trifft sich gut, dass für 2018, sozu­sa­gen wäh­rend des Jubi­lä­ums „175 Jah­re Pater Anselm Schott OSB“, vom Sar­to-Ver­lag in Bobin­gen eine Lizenz­aus­ga­be des Voll­stän­di­gen Römi­schen Meß­buchs latei­nisch-deutsch ange­kün­digt ist, die dem Stand von 1962 ent­spricht. Die­se Aus­ga­be wird erwei­tert um die Mes­sen für bestimm­te Orte erschei­nen, eine Kate­go­rie von Mess­for­mu­la­ren, die Schott selbst jeden­falls in die Auf­la­ge letz­ter Hand schon auf­ge­nom­men hat­te, die spä­ter aber nicht mehr berück­sich­tigt wor­den war.

Bild: Ebay (Screen­shot)

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