Bürgermeisterwahl in der Stadt des Papstes

Weltstadt Rom: Wer lenkt die Stadt der Päpste ab 2021?

Papst Franziskus mit Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünfsternebewegung. Raggi strebt 2021 eine zweite Amtszeit an. Ob Santa Marta dazu den Segen gibt, steht noch nicht fest.
Papst Franziskus mit Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünfsternebewegung. Raggi strebt 2021 eine zweite Amtszeit an. Ob Santa Marta dazu den Segen gibt, steht noch nicht fest.

(Rom) In der Ewi­gen Stadt am Tiber begin­nen die ersten Manö­ver mit Blick auf die Kom­mu­nal­wah­len im kom­men­den Jahr. Den frü­hen Auf­takt mach­te Bür­ger­mei­ste­rin Vir­gi­nia Rag­gi, die bekannt­gab, ihre Wie­der­wahl anzu­stre­ben. Damit erwisch­te die Ver­tre­te­rin der Fünf­ster­ne­be­we­gung, die seit 2016 die Stadt der Päp­ste regiert, sogar man­chen ihrer eige­nen Weg­ge­fähr­ten auf dem fal­schen Fuß. Gleich­zei­tig zwingt sie die ande­ren Par­tei­en, Far­be zu beken­nen. Die Bür­ger­mei­ster­wahl in der Haupt­stadt der Chri­sten­heit spielt tra­di­tio­nell für die Ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz, mehr noch aber für den Vati­kan eine Rol­le. In vie­len Belan­gen sind Kir­che und Stadt mit­ein­an­der ver­wo­ben und auf­ein­an­der ange­wie­sen. Der freie Zugang zu den hei­li­gen Stät­ten und die unge­hin­der­te Abhal­tung reli­giö­ser Zere­mo­nien sind nur ein Bereich davon.

Die Kir­che und die Stadt waren 1.300 Jah­re lang eine Ein­heit. Ent­spre­chend ist das Stadt­bild kirch­lich durch­de­kli­niert. Kaum ein Stra­ßen­zug der Alt­stadt ohne Kir­che und ohne reli­giö­se Sym­bo­le ein­schließ­lich päpst­li­cher Hoheits­zei­chen. Vie­le städ­ti­sche und staat­li­che Insti­tu­tio­nen haben ihren Sitz in ehe­mals kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen. Der ita­lie­ni­sche Staats­prä­si­dent resi­diert im Win­ter­pa­last der Päp­ste. Selbst in einem lai­zi­sti­schen Staat hat das Aus­wir­kun­gen.

Nach dem Ende des Kir­chen­staa­tes, als sich das neu­errich­te­te König­reich Ita­li­en 1870 das Patri­mo­ni­um Petri gewalt­sam unter den Nagel riß, herrsch­te Eis­zeit zwi­schen den kir­chen­feind­li­chen Insti­tu­tio­nen des neu­en Staa­tes und der Kir­che. Der Papst war zum Gefan­ge­nen in der eige­nen Stadt gewor­den. Papst Pius IX. konn­te nur mit Mühe und mit meh­re­ren Jah­ren Ver­spä­tung in der Kir­che bei­gesetzt wer­den, die er testa­men­ta­risch als letz­te Ruhe­stät­te ver­fügt hat­te. Um die Jahr­hun­dert­wen­de präg­te mit Erne­sto Nathan, dem Groß­mei­ster des frei­mau­re­ri­schen Groß­ori­ents von Ita­li­en, ein erklär­ter Kir­chen­feind die Geschicke der Stadt. An die­ses bela­ste­te Kapi­tel von ins­ge­samt mehr als 50 Jah­ren erin­nert man sich im Vati­kan ungern. Ver­ges­sen hat man es nicht. Auch über die unan­ge­neh­me Tat­sa­che, daß Nathan Jude war, sieht man heu­te still­schwei­gend hin­weg und ver­weist auf die „neue Qua­li­tät“ der christ­lich-jüdi­schen Bezie­hun­gen.

„La sindaca“

Vir­gi­nia Rag­gi, „la sin­da­ca“ (die Bür­ger­mei­ste­rin), wie sie genannt wird (der Gen­der­sprech ist in Ita­li­en noch wenig ver­brei­tet, die Anre­de daher mehr iro­nisch gemeint), inzwi­schen 42 Jah­re alt, war mit ihrer Wahl zur Bür­ger­mei­ste­rin 2016 die Vor­weg­nah­me des stei­len Auf­stiegs, den die Fünf­ster­ne­be­we­gung des Polit­ko­mi­kers Bep­pe Gril­lo seit­her erleb­te. Auf den aller­dings auch ein schnel­ler Abstieg folg­te. Rag­gi, von Beruf Rechts­an­wäl­tin, ist die erste Frau, die auf dem Kapi­tol regiert. Wenn es ihr vor vier Jah­ren gelang, die rech­te und lin­ke Kon­kur­renz um Län­gen abzu­hän­gen, war dies nicht zuletzt der wohl­wol­len­den Unter­stüt­zung durch den Vati­kan zu dan­ken.

Die Kon­tak­te in den Vati­kan pflegt Vir­gi­nia Rag­gi per­sön­lich

Eigent­lich hat­te Alfio Mar­chi­ni schon sicher mit der Unter­stüt­zung der Katho­li­ken gerech­net. Der wohl­ha­ben­de Unter­neh­mer, der für die Wahl eigens vom Fer­ra­ri auf einen Klein­wa­gen umstieg, galt man­chen als idea­ler Kan­di­dat. Sproß einer erfolg­rei­cher Bau­un­ter­neh­mer­dy­na­stie mit anti­fa­schi­sti­schem Groß­va­ter, der als Par­ti­san gegen den „Nazi­fa­schis­mus“ kämpf­te und der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens die Bot­teg­he Oscu­re, deren histo­ri­schen Par­tei­sitz in Rom, schenk­te; mit Eltern, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg den Kom­mu­ni­sten nahe­stan­den, der selbst aber mode­rat auf­trat, sich poli­tisch zurück­hielt, aber gute Kon­tak­te zu Isra­el und auf glo­ba­ler Ebe­ne unter­hielt.

Der Vati­kan unter Papst Fran­zis­kus ent­schied sich jedoch für die Fünf­ster­ne­be­we­gung, hin­ter den Kulis­sen waren neue Fäden gezo­gen wor­den. Die 337 Pfar­rei­en der Stadt wur­den zu einer ent­schei­den­den Basis für Rag­gis Auf­stieg. Sie lag in der ersten Run­de mit 35 Pro­zent an der Spit­ze, gefolgt vom Kan­di­da­ten der bis dahin regie­ren­den tra­di­tio­nel­len Lin­ken aus Links­de­mo­kra­ten (PD), lin­ken Christ­de­mo­kra­ten, Radi­kal­li­be­ra­len, Sozia­li­sten und Grü­nen mit 25 Pro­zent und der Kan­di­da­tin der Rech­ten, Gior­gia Melo­ni, mit 21 Pro­zent. Die Rech­te war aller­dings gespal­ten und trat mit Melo­ni und Mar­chi­ni mit zwei Bür­ger­mei­ster­kan­di­da­ten auf getrenn­ten Listen an. Gemein­sam hät­ten sie 32 Pro­zent erreicht und wären in die Stich­wahl gekom­men. Den Links­kan­di­da­ten besieg­te Rag­gi in der Stich­wahl mit 67 zu 33 Pro­zent. Die Kan­di­da­tin der Fünf­ster­ne­be­we­gung, einer poli­tisch kaum faß­ba­ren Grup­pie­rung, die damals noch als Anti-Estab­lish­ment-Par­tei auf­trat, konn­te in allen Lagern punk­ten.

Seit­her hat sich in Ita­li­en aber viel getan. Die Fünf­ster­ne­be­we­gung wur­de bei den Par­la­ments­wah­len 2018 zur stärk­sten Par­tei und stellt seit­her mit dem par­tei­lo­sen Giu­sep­pe Con­te den Mini­ster­prä­si­den­ten. Zunächst regier­te die Bewe­gung mit der iden­ti­tä­ren Lega von Matteo Sal­vi­ni, was in Brüs­sel und in glo­ba­li­sti­schen Krei­sen gar nicht gut ankam. Im Zuge der Wah­len zum EU-Par­la­ment und der neu­en EU-Kom­mis­si­on voll­zog die Fünf­ster­ne­be­we­gung einen poli­ti­schen Para­dig­men­wech­sel und füg­te sich dem Estab­lish­ment. Der logi­sche näch­ste Schritt war, sich des inter­na­tio­nal unge­lieb­ten Part­ners zu ent­le­di­gen, der durch die Links­de­mo­kra­ten (PD) ersetzt wur­de, die fester Bestand­teil des EU-Estab­lish­ments sind. In der Wäh­ler­gunst bedeu­te­ten die­se Wen­dun­gen aller­dings einen rapi­den Abstieg. Von den sen­sa­tio­nel­len fast 33 Pro­zent von 2018 sind laut Umfra­gen kaum mehr als 15 Pro­zent geblie­ben.

Die Links­de­mo­kra­ten wit­tern Mor­gen­luft. Sie sind bekannt für inter­ne Macht­kämp­fe, doch nicht alle Manö­ver enden erfolg­reich. Dadurch ver­spiel­ten sie 2001 und 2008 die Macht. Die Kon­trol­le von Rom ist ein begehr­tes Stück im ita­lie­ni­schen Macht­po­ker, wes­halb Rag­gis Kar­ten nicht mehr die besten sind.

Bis­her konn­te die Bür­ger­mei­ste­rin dar­auf zäh­len, für den Vati­kan, zu dem sie den Kon­takt per­sön­lich pflegt, man­gels Alter­na­ti­ven als klei­ne­res Übel zu gel­ten. Soll­te sich jedoch eine ande­re Opti­on zei­gen, könn­te sie schnell fal­len­ge­las­sen wer­den. Rag­gi hofft noch von den Katho­li­ken zwar nicht unter­stützt, aber auch nicht behin­dert zu wer­den. Die Paro­le nennt sich „Burg­frie­den“. Noch hält er. Andrea Mon­da, der Chef­re­dak­teur des Osser­va­to­re Roma­no, brach­te ihn so zum Aus­druck: „Es ist nicht die Zeit, die ver­gan­ge­nen Jah­re der Stadt­ver­wal­tung zu ana­ly­sie­ren“. Er füg­te jedoch hin­zu, daß man „abwar­ten muß, wen die Rech­te kan­di­diert, und sehen muß, wen die Links­de­mo­kra­ten vor­schla­gen“. Im Klar­text: Der Vati­kan war­tet ab und hält Aus­schau nach Alter­na­ti­ven.

Demon­stra­ti­ve Herz­lich­keit: Den­noch ist alles eine Fra­ge der Alter­na­ti­ven

In Rom sind sich offen­bar alle einig, daß Rag­gi geschei­tert ist, was nicht nur mit dem End­los­the­ma Müll zu tun hat. Sie gilt sogar als „schlech­te­ster Bür­ger­mei­ster“ seit Kriegs­en­de. Doch bis­her macht ihr das noch nie­mand zum Vor­wurf, was sich schnell ändern kann, zumal vor vier Jah­ren gro­ße Hoff­nun­gen in sie gesetzt wur­den. Die Kir­chen­ver­tre­ter geben sich sibyl­li­nisch. Mau­ri­zio Miril­li, ehe­ma­li­ger Diö­ze­san­ver­ant­wort­li­cher für die Jugend­seel­sor­ge und ein Prie­ster, „der gefällt“, sagt nur, daß die Bür­ger­mei­ste­rin an „eini­gen Rän­dern gut, an ande­ren weni­ger gut“ gear­bei­tet habe. Es sei aber noch ein Jahr bis zu den Wah­len, da kön­ne „eini­ges auf­ge­holt wer­den“. War­um die­se Zurück­hal­tung? Weil Rom eben Rom ist. Der Kle­rus weiß, daß nicht nur die Ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz, son­dern auch der Vati­kan mit­re­det, wenn es um das Rat­haus auf dem Kapi­tol geht. Zudem ist bekannt, daß Rag­gi „ein bevor­zug­tes Ver­hält­nis zu Papst Fran­zis­kus“ hat, wie die Tages­zei­tung Il Foglio anmerk­te.

Franziskus und „seine“ Stadt

Fran­zis­kus war es, der 2015 den damals amtie­ren­den Bür­ger­mei­ster, den Links­de­mo­kra­ten Igna­zio Mari­no, fal­len­ließ, indem er bei der Pres­se­kon­fe­renz auf dem Rück­flug vom Welt­fa­mi­li­en­tref­fen in Phil­adel­phia zur dor­ti­gen Anwe­sen­heit Mari­nos sag­te: „Ich habe ihn nicht nach Phil­adel­phia ein­ge­la­den“. Durch die päpst­li­che Maß­re­ge­lung waren die Tage des links­ka­tho­li­schen Bür­ger­mei­sters gezählt (zur Wahl Mari­nos 2013 sie­he Die Schwie­rig­kei­ten, der Stadt des Pap­stes einen katho­li­schen Bür­ger­mei­ster „zu schen­ken“).

Rag­gi wur­de im Vati­kan nicht nur emp­fan­gen, weil Bür­ger­mei­ster und Bischof höf­li­che Bezie­hun­gen zuein­an­der pfle­gen sol­len. Fran­zis­kus nann­te ihre Anwe­sen­heit ein „Pri­vi­leg“ und roll­te der jun­gen Rechts­an­wäl­tin den roten Tep­pich aus. Die Bür­ger­mei­ste­rin zeig­te sich erkennt­lich. Im ver­gan­ge­nen Mai lei­ste­te sie einen finan­zi­el­len Bei­trag zur „Des­in­fi­zie­rung“ aller 337 römi­schen Pfarr­kir­chen. Eine „Lei­stung“, die frei­lich nicht von allen katho­li­schen Krei­sen aner­kannt wird, sehr wohl aber vom Vati­kan. Fran­zis­kus hat­te im März in sei­nem Bis­tum nicht nur alle öffent­li­chen Got­tes­dien­ste unter­sagt, son­dern woll­te über­haupt alle Kir­chen schlie­ßen. Schließ­lich blei­ben zumin­dest die Pfarr­kir­chen offen, die Fran­zis­kus – sobald Mit­te Mai die Kir­chen wie­der für den Got­tes­dienst geöff­net wur­den – vor­her auf­wen­dig des­in­fi­zie­ren ließ.

Rag­gi unter­stütz­te auch den von Fran­zis­kus gewoll­ten Fon­do del­la digni­tà (Fonds der Wür­de), der Per­so­nen zugu­te­kom­men soll, die durch die Coro­na-Kri­se arbeits­los gewor­den sind.

Vor weni­gen Tagen unter­zeich­ne­te Rag­gi zudem eine Über­ein­kunft mit der Diö­ze­se des Pap­stes, um Kir­chen aus­fin­dig zu machen, die von der Stadt­ver­wal­tung für Schul­zwecke genutzt wer­den kön­nen. Im Gegen­zug über­nimmt die Stadt Instand­hal­tungs­ko­sten.

Beim lei­di­gen The­ma der wil­den, sprich ille­ga­len Zigeu­ner­la­ger herrsch­te Ein­klang zwi­schen der Bür­ger­mei­ste­rin und dem Vati­kan. Die Zigeu­ner­la­ger sind vor allem nach dem Zusam­men­bruch des Ost­blocks durch die Grenz­öff­nun­gen und die West­wan­de­run­gen vor­wie­gend rumä­ni­scher Zigeu­ner ent­stan­den. Sie wer­den in Ita­li­en nicht Roma, son­dern „Rom“ genannt, um für sie nicht den ita­lie­ni­schen Namen der Haupt­stadt zu ver­wen­den. Offi­zi­ell sol­len es 4.500 Per­so­nen sein, in Wirk­lich­keit sind es aber wohl deut­lich mehr. Und ihre Zahl wird lau­fend auf­ge­füllt. Kri­tik auch im Zusam­men­hang mit Kri­mi­na­li­tät wird poli­tisch kor­rekt abge­würgt. Dies­be­züg­lich zogen Rag­gi und San­ta Mar­ta in den ver­gan­ge­nen Jah­ren am sel­ben Strang.

Die Bür­ger­mei­ste­rin ver­gaß auch nicht, sich am 26. Juli beim Fest der Madon­na de Noan­tri in Traste­ve­re sehen zu las­sen. Um genau zu sein, ver­hielt sie sich so, daß sie in der Pro­zes­si­on gar nicht über­se­hen wer­den konn­te.

Die Gemeinschaft von Sant’Egidio

In Traste­ve­re hat die Gemein­schaft von Sant’Egidio ihren Sitz. Rag­gis Besuch erfolg­te auch mit Blick dar­auf, denn von dort könn­te ihr die größ­te Gefahr dro­hen. Die Gemein­schaft ist bekannt für ihre Par­al­lel­di­plo­ma­tie und ihre poli­ti­schen Netz­wer­ke.

Wenn behaup­tet wird, die Kurz­zeit-Umwelt­stadt­rä­tin Pinuc­cia Mon­ta­na­ri sei das ein­zi­ge Bin­de­glied zwi­schen der Stadt­re­gie­rung und der katho­li­schen Kir­che, wer­den die per­sön­li­chen Kon­tak­te der Bür­ger­mei­ste­rin unter­schätzt. Mon­ta­na­ri, die ursprüng­lich aus den Rei­hen der Grü­nen stamm­te, über­warf sich 2019 mit der Bür­ger­mei­ste­rin und läßt seit­her an die­ser kein gutes Haar.

Mario Adi­nol­fi, Histo­ri­ker, inter­na­tio­nal bekann­ter Poker­spie­ler und Vor­sit­zen­der der Split­ter­grup­pe Par­ti­to del­la famiglia (Fami­li­en­par­tei) brach­te vor weni­gen Tagen den Vor­sit­zen­den der Gemein­schaft von Sant’Egidio, Mau­ro Impagliaz­zo, als Bür­ger­mei­ster­kan­di­dat ins Spiel. Adi­nol­fi, der aus den Rei­hen der ein­sti­gen Christ­de­mo­kra­ten stamm­te, dann dar­an mit­wirk­te, deren lin­ken Flü­gel mit der Mehr­heit der ehe­ma­li­gen Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei zu den Links­de­mo­kra­ten zu ver­schmel­zen, kehr­te die­sen 2016 den Rücken, weil sie die „nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te“ nicht aus­rei­chend ver­tre­ten.

Mau­ro Impagliaz­zo, Vor­sit­zen­der der Gemein­schaft von San­t’E­g­idio (zwi­schen dem Papst und Andrea Ric­car­di)

Mit Impagliaz­zo als Kan­di­dat der Links­de­mo­kra­ten könn­te sich ver­wirk­li­chen, was San­ta Mar­ta wünscht, näm­lich „Geschlos­sen­heit in den Rei­hen der Katho­li­ken“. Gemeint ist damit die Geschlos­sen­heit unter den Links­ka­tho­li­ken. Um die Katho­li­ken, die sich nicht mit Alli­an­zen mit den Links­par­tei­en anfreun­den kön­nen, küm­mert sich der­zeit nie­mand, schon gar nicht San­ta Mar­ta.

Der Zeit­hi­sto­ri­ker Impagliaz­zo, Pro­fes­sor an der römi­schen Uni­ver­si­tät Roma 3, seit 2003 als Nach­fol­ger von Andrea Ric­car­di Vor­sit­zen­der der Gemein­schaft von Sant’Egidio, gilt als Aus­druck des poli­ti­schen Akti­vis­mus der katho­li­schen Kir­che, ins­be­son­de­re seit die Gemein­schaft Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL) unter Fran­zis­kus an Dyna­mik ein­büß­te. Die alten christ­de­mo­kra­ti­schen Kader gel­ten als poli­tisch ver­siert und geschickt im Tak­tie­ren, was bei den alten kom­mu­ni­sti­schen Kadern bereits für erheb­li­chen Unmut sorg­te, dem sie aber oft ohn­mäch­tig zuse­hen müs­sen. Was einen unab­läs­si­gen Exo­dus am lin­ken Flü­gel durch Neu­grün­dung eige­ner Par­tei­en zur Fol­ge hat­te, die bis­her aber nicht reüs­sie­ren konn­ten.

Die Karten werden gemischt

Vor­erst steht die Ent­schei­dung aller­dings noch aus, wen die Links­de­mo­kra­ten ins Ren­nen schicken wer­den. Die Par­tei­spit­ze möch­te einen inter­na­tio­nal bekann­ten Namen, um das Bekennt­nis zur „Welt­stadt“ zu unter­strei­chen. David Sas­so­li ist im Gespräch, eben­falls Links­ka­tho­lik, bzw. laut Eigen­de­fi­ni­ti­on „demo­kra­ti­scher Katho­lik“. Sas­so­li hat­te in der Ver­gan­gen­heit Inter­es­se am Bür­ger­mei­ster­stuhl bekun­det, war aber bei den Vor­wah­len geschei­tert. Seit 2009 sitzt er für die Links­de­mo­kra­ten im EU-Par­la­ment, des­sen Vor­sit­zen­der er seit Juli 2019 ist. Das dürf­te der Grund sein, wes­halb Sas­so­li nun auf eine Kan­di­da­tur ver­zich­ten könn­te.

Die links­ka­tho­li­sche Kom­po­nen­te der Links­de­mo­kra­ten besetzt über­pro­por­tio­nal vie­le Posten, weil in der Par­tei die Ansicht über­wiegt, mit gemä­ßig­ten Kan­di­da­ten grö­ße­re Aus­sicht auf Erfolg zu haben als mit akzen­tu­ier­ten Links­ver­tre­tern. Die Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel.

Viel wird vom Aus­gang der sie­ben Land­tags­wah­len, ein neu­er Rekord, abhän­gen, die am 20. Sep­tem­ber statt­fin­den wer­den. Gewählt wird in einer Regi­on mit Auto­no­mie­sta­tut, dem fran­zö­si­schen Aosta­tal, sowie in je zwei Regio­nen des Nor­dens, Mit­tel­ita­li­ens und des Südens. Ein Gebiet mit mehr als 21 Mil­lio­nen Ein­woh­nern. Fast 36 Pro­zent der Ita­lie­ner wer­den zu den Urnen geru­fen. Der Quer­schnitt gilt als reprä­sen­ta­tiv, um weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf natio­na­ler Ebe­ne haben zu kön­nen.

Die Fünf­ster­ne­be­we­gung mit Rag­gi läuft Gefahr, vom ersten auf den drit­ten Platz zurück­zu­fal­len und von Links- und Rechts­bünd­nis über­run­det zu wer­den. Es gilt als rea­li­stisch, daß sie den Ein­zug in die Stich­wahl ver­pas­sen könn­te.

Zumin­dest in „sei­ner“ Stadt will San­ta Mar­ta bei der Wahl des Stadt­ober­haup­tes mit­be­stim­men. Fin­det sich kei­ne Alter­na­ti­ve, wird man mit Rag­gi eine zwei­te Legis­la­tur­pe­ri­ode den „Burg­frie­den“ ein­hal­ten. Die Suche nach ande­ren Optio­nen ist jedoch eröff­net.

Inter­na­tio­na­le Kon­tak­te: Impagliaz­zo und Ric­car­di, amtie­ren­der und vor­ma­li­ger Vor­sit­zen­der von San­t’E­g­idio, mit Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Avvenire/Vatican.va (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Viel­leicht bin ich ja nur ein klei­ner Narr der sich irrt, aber da sowohl die Redak­ti­on wie auch die Leser­schaft einen weit­aus über­dur­schnitt­li­chen Bil­dungs­grad besitzt stel­len sich mir eini­ge Fra­gen:
    1. Waren es nicht Republikaner/Demokraten (SPQR) die unse­ren Herrn getö­tet haben?
    2. Ist nicht die EU, also die Freunde/Verhandlungspartner des Pap­stes, das neue heid­nisch römi­sche Impe­ri­um so wie sie mit den Fas­ces über­all rum­prollt?
    3. Ver­hält der Papst sich nicht ähn­lich wie Mar­cus Anto­ni­us nach sei­ner Lei­chen­re­de Cae­sars gegen sei­ne eige­ne Sen­dung und übt Ver­rat durch Scha­che­rei mit den Mör­dern? Also Ver­rat, genau­so wie es bei Petrus geschah, bezüg­lich sei­nes Aus­ma­ßes?
    4. Ist es nicht so, damals hat­te die Repu­blik der Got­tes­mör­der einen Sul­la als Echo auf sei­ne Gesetz­lo­sig­kei­ten. Heu­te haben wir vie­le Sul­las, einen „Atti­la für Arme“ am Bospu­rus, oder den Wla­di­mir aus dem Lan­de Rosch, die Welt ist voll mit die­sen klei­nen Sul­las — suchen Sie sich Ihren per­sön­li­chen Sul­la aus wie es Ihnen beliebt. Sogar haben wir einen Magnus Gnae­us Pom­peus, die­sen Trump, ja aber die Repu­blik der Tem­pel­schän­der wird fal­len — oder? Ist es eines Pap­stes wür­dig in sol­chen Gewäs­sern zu segeln? Auch in Anbe­tracht der Hier­ar­chie und Gesetz?
    5. Irre ich mich oder bin ich irre wenn ich sage, der Papst wider­setzt sich den Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Hier­achien da ihm nicht die Schwer­ter der welt­li­chen Macht ange­hö­ren? (Man beden­ke die bei­den Erben, das des Apo­stels Petrus und das des Apo­stels Johan­nes, hier ver­sucht man bei­de zu ver­ei­nen, oder?)
    6.Könnte der Papst nicht ein­fach sagen: Alles was mit und nach dem Wie­ner Kon­gress geschah ist juri­stisch nicht legi­tim, da die Auf­lö­sung des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches nicht juri­stisch kor­rekt abge­han­delt wur­de (kein Reichs­tag wur­de zur Auf­lö­sung ein­be­ru­fen wie es erfor­der­lich gewe­sen wäre!) und so das Leid des Vatikanstaates/Lateranverträge (Vermischung/Aussatz der Gewal­ten­tei­lung) been­den wer­den könn­te und auch Deutsch­land so von die­sem Hexen­kult BRD*innen erlö­sen wür­de? Mensch des Geset­zes oder Mensch der Gesetz­lo­sig­keit?
    7. Ita­li­en und somit Rom wird stra­te­gisch sowie­so fal­len, und da die Erb/Gewaltenteilung exi­stent und unaus­löch­bar ist, hängt das Glück Roms/Christentum am sei­de­nen Faden ver­bun­den mit der Geschich­te Deutsch­lands bzw. bes­ser gesagt dem frän­ki­schem Erbe. Wäre es nicht sinn­vol­ler den Samen zu betrach­ten als Blü­ten die eh ver­ge­hen?

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