100 Jahre Militia Immaculatae – Das Jahr 1917 und der heilige Maximilian Kolbe

Militia Immaculatae
Militia Immaculatae

(Rom) 2017 jäh­ren sich nicht nur die Mari­en­er­schei­nun­gen von Fati­ma und die bol­sche­wi­sti­sche Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Ruß­land zum 100. Mal, son­dern auch die Grün­dung der Mili­tia Imma­cu­la­tae durch den hei­li­gen Maxi­mi­li­an Kol­be. Alle drei Ereig­nis­se ste­hen in einem Zusam­men­hang. Der 11. Febru­ar ist der Gedenk­tag Unse­rer Lie­ben Frau von Lour­des. Ein Anlaß, die Mili­tia Imma­cu­la­tae vor­zu­stel­len.

Vor 100 Jah­ren wur­de der spä­ter hei­lig­ge­spro­che­ne Mino­ri­ten­pa­ter zum Rit­ter der Unbe­fleck­ten, nach­dem er Augen­zeu­ge eines Frei­mau­rer­spek­ta­kels in Rom gewor­den war.

Maria in Lourdes: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“

Als am 25. März 1858, dem Tag der 16. Erschei­nung, die hei­li­ge Ber­na­det­te Sou­bi­rous die Got­tes­mut­ter nach ihrem Namen frag­te, wie es der Pfar­rer von Lour­des, Abbé Pey­ra­ma­le, ihr auf­ge­tra­gen hat­te, ant­wor­te­te Maria auf okzi­ta­nisch:

„Quesoy era Imma­cula­da Coun­cep­tiou“

Unbefleckte Empfängnis
Unbe­fleck­te Emp­fäng­nis

„Ich bin die Unbe­fleck­te Emp­fäng­nis.“ Ber­na­det­te wuß­te damit nichts anzu­fan­gen. Das Dog­ma von der unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis Mari­ens, das der seli­ge Papst Pius IX. am 8. Dezem­ber 1854 mit der Bul­le Inef­fa­bi­lis Deus (Der unbe­greif­li­che Gott) ver­kün­det hat­te, war dem damals erst 14 Jah­re alten Mäd­chen, das mit ihrem okzi­ta­ni­schen Namen eigent­lich Maria Ber­na­da Sobei­rons hieß, noch nicht bekannt.

Die Unbe­fleck­te, deren Gedenk­tag Beatae Mariae Vir­gi­nis de Lapur­do die Kir­che am 11. Febru­ar begeht, steht in direk­tem Zusam­men­hang mit den Erschei­nun­gen von Lour­des, und ihre Iko­no­gra­phie in direk­tem Zusam­men­hang mit den ihnen vor­aus­ge­gan­ge­nen Erschei­nun­gen in der Rue du Bac in Paris, wo Maria 1830 der aus Bur­gund stam­men­den hei­li­gen Cathe­ri­ne Labou­ré erschie­nen ist.

Die Bulle Ineffabilis Deus

Das Datum des 8. Dezem­ber, der Zeu­gung Mari­ens, liegt genau neun Mona­te vor dem 8. Sep­tem­ber, dem Datum, an dem die Kir­che das Fest Mariä Geburt fei­ert. Damit wird betont, daß sich das Fest der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis wirk­lich auf den ersten Augen­blick im Leben der künf­ti­gen Mut­ter Jesu bezieht, als sie gera­de von der hei­li­gen Anna und dem hei­li­gen Joa­chim gezeugt wur­de. Die Bul­le Inef­fa­bi­lis Deus schließt mit den Wor­ten:

„Nach­dem Wir also ohne Unter­laß in Demut und mit Fasten Unse­re per­sön­li­chen und auch die gemein­sa­men Gebe­te der Kir­che Gott dem Vater durch sei­nen Sohn dar­ge­bracht haben, auf daß er durch den Hei­li­gen Geist Unse­ren Sinn lei­te und stär­ke, nach­dem Wir auch den gan­zen himm­li­schen Hof um sei­ne Hil­fe ange­fleht und instän­digst den Hei­li­gen Geist ange­ru­fen haben, erklä­ren, ver­kün­den und ent­schei­den Wir nun unter dem Bei­stand des Hei­li­gen Gei­stes zur Ehre der hei­li­gen und unge­teil­ten Drei­fal­tig­keit, zum Ruh­me und zur Ver­herr­li­chung der jung­fräu­li­chen Got­tes­mut­ter, zur Aus­zeich­nung des katho­li­schen Glau­bens und zur För­de­rung der christ­li­chen Reli­gi­on, kraft der Auto­ri­tät Unse­res Herrn Jesus Chri­stus, der hei­li­gen Apo­stel Petrus und Pau­lus und Unse­rer eige­nen:
Die Leh­re, daß die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria im ersten Augen­blick ihrer Emp­fäng­nis auf Grund einer beson­de­ren Gna­de und Aus­zeich­nung von­sei­ten des all­mäch­ti­gen Got­tes im Hin­blick auf die Ver­dien­ste Jesu Chri­sti, des Erlö­sers der gan­zen Mensch­heit, von jedem Makel der Erb­sün­de bewahrt blieb, ist von Gott geof­fen­bart und muß des­halb von allen Gläu­bi­gen fest und unab­än­der­lich geglaubt wer­den.“

Das Dog­ma bekräf­tigt, daß die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria als ein­zi­ges Geschöpf, vom ersten Augen­blick ihrer Zeu­gung an, frei von der Erb­sün­de war und auch ihr gan­zes Leben lang vor jeder Sün­de, sowohl von Tod­sün­den als auch von läß­li­chen Sün­den, bewahrt blieb.

Maximilian Kolbe und das freimaurerische Rom

59 Jah­re nach jenem Ereig­nis von 1858 in Lour­des, bei dem sich die Got­tes­mut­ter als „Ich bin die Unbe­fleck­te Emp­fäng­nis“ zu erken­nen gab, wur­de der jun­ge Fran­zis­ka­ner-Mino­rit Maxi­mi­li­an Kol­be Augen- und Ohren­zeu­ge eines Frei­mau­rer­um­zu­ges durch die Stra­ßen von Rom.

Pater Maximilian Kolbe
Pater Maxi­mi­li­an Kol­be

Rai­mund Kol­be, so sein bür­ger­li­cher Name, wur­de 1894 im groß­pol­ni­schen Ort ZduÅ„ska Wola, nahe der dama­li­gen deut­schen Gren­ze, als Sohn einer deutsch-pol­ni­schen Fami­lie gebo­ren, wie es in der Gegend von Lodz nicht sel­ten der Fall war. Dem Vater nach war er deut­scher, der Mut­ter nach pol­ni­scher Her­kunft. Einen pol­ni­schen Staat gab es damals nicht. Die Hei­mat der Fami­lie Kol­be gehör­te als Kon­greß-Polen zum rus­si­schen Zaren­reich. Kol­bes Vater kämpf­te nach Aus­bruch des Ersten Welt­krie­ges in der Pol­ni­schen Legi­on an der Sei­te des Deut­schen Rei­ches und Öster­reich-Ungarns für ein unab­hän­gi­ges Polen gegen Ruß­land. Dafür wur­de er hin­ge­rich­tet. Auch zwei älte­re Brü­der Kol­bes gehör­ten einer anti­rus­si­schen, pol­ni­schen Unter­grund­or­ga­ni­sa­ti­on an.

Rai­mund war 1910, nach einem direk­ten Ruf Mari­ens, in den Mino­ri­ten­or­den ein­ge­tre­ten und nahm den Ordens­na­men Maxi­mi­li­an Maria an. Wäh­rend des Krie­ges hielt er sich zu Stu­di­en in Rom auf. Ita­li­en, das an der Sei­te Ruß­lands gegen die Mit­tel­mäch­te kämpf­te, wur­de seit der ita­lie­ni­schen Eini­gung von 1861 von kir­chen­feind­li­chen Kräf­ten regiert. Beson­de­rer Ein­fluß kam den Frei­mau­rern zu. Nur wer einer Loge ange­hör­te, hat­te gute Aus­sich­ten, im Staat und beim Mili­tär Kar­rie­re zu machen. Im Jahr nach Kol­bes Geburt errich­te­te die Stadt Rom Giu­sep­pe Gari­bal­di auf dem höch­sten Punkt des Gia­ni­co­lo ein Rei­ter­stand­bild aus Bron­ze. Der Bür­ger­mei­ster, der Vize­bür­ger­mei­ster und die Stadt­rä­te Roms waren aus­nahms­los Frei­mau­rer und stolz dar­auf. Gari­bal­di war 1864 Groß­mei­ster des frei­mau­re­ri­schen Groß­ori­ents von Ita­li­en gewe­sen, dann Ehren-Groß­mei­ster auf Lebens­zeit. Das Rei­ter­stand­bild war so auf­ge­stellt wor­den, daß es dro­hend auf den Vati­kan blick­te. Nach der Unter­zeich­nung der Late­r­an­ver­trä­ge zwi­schen Staat und Kir­che, im Jahr 1929, wur­de das Stand­bild vom faschi­sti­schen Regime umge­dreht, sodaß nun Gari­bal­di hoch zu Roß dem Vati­kan den Rücken zukehr­te. 1990 ließ die Stadt Rom unter Bür­ger­mei­ster Fran­co Car­r­a­ro, einem Sozia­list und Frei­mau­rer, das Denk­mal reno­vie­ren und wie­der in Rich­tung Vati­kan zurück­dre­hen.

1917 feierte die Freimaurerei ihr 200. Gründungsjubiläum

In Rom erleb­te Kol­be per­sön­lich die anti­kle­ri­ka­le Stim­mung und kir­chen­feind­li­che Kund­ge­bun­gen. Beson­ders betrof­fen mach­te ihn ein Frei­mau­rer­um­zug, der bis zum Vati­kan führ­te, der damals noch nicht Teil des Staats­ge­bie­tes eines von Ita­li­en unab­hän­gi­gen und sou­ve­rä­nen Staa­tes war. 1917 fei­er­te der Groß­ori­ent von Ita­li­en das 200. Grün­dungs­fest der Ver­ei­nig­ten Groß­lo­ge von Eng­land. Deren Grün­dung war am 24. Juni 1717 erfolgt und gilt als Ursprung der welt­wei­ten Frei­mau­re­rei. Mit Getö­se ver­an­stal­te­ten die Frei­mau­rer Kund­ge­bun­gen bis auf den Peters­platz, wo sie ihren Haß gegen die katho­li­sche Kir­che und gegen Papst Bene­dikt XV. laut­stark zum Aus­druck brach­ten. Ihr Zorn rich­te­te sich vor allem gegen die Frie­dens­be­mü­hun­gen des Pap­stes zur Been­di­gung des Ersten Welt­krie­ges.

Auf Spruch­bän­dern muß­te Kol­be die Auf­schrift lesen: „Satan wird im Vati­kan herr­schen, und der Papst wird ihm als Schwei­zer Gar­dist die­nen“. Dazu wur­den Ban­ner mit­ge­führt, auf denen in Nach­äf­fung der kirch­li­chen Iko­no­gra­phie Satan zu sehen war, der den Erz­engel Micha­el besieg­te. Das Spek­ta­kel festig­te in Kol­be den Ent­schluß zur Ganz­hin­ga­be an Maria und die Über­zeu­gung, daß es einer Gegen­wehr bedurf­te.

Der Groß­ori­ent hat­te 1908 allen Mit­glie­dern, vor allem den zahl­rei­chen Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten, die den Logen ange­hör­ten, die kate­go­ri­sche Maxi­me auf­er­legt, daß es „kei­ne Kom­pro­mis­se“ mit den Katho­li­ken geben dür­fe, die sich damals lang­sam als eigen­stän­di­ge poli­ti­sche Kraft zu orga­ni­sie­ren began­nen.

Reiterstandbild Garibaldis: von Freimaurern für ihren Großmeister
Rei­ter­stand­bild Gari­bal­dis: von den Frei­mau­rern für ihren Groß­mei­ster errich­tet (1895)

Sitz des Groß­ori­ents von Ita­li­en war seit 1899 der Palaz­zo Gius­ti­nia­ni, der 1925 vom Faschis­mus beschlag­nahmt und zum Sitz des Ita­lie­ni­schen Senats gemacht wur­de, der er heu­te noch ist. Heu­te befin­det sich der Sitz des Groß­ori­ents auf dem Gia­ni­co­lo, unweit von Gari­bal­dis Rei­ter­stand­bild. Nur zwei Wochen nach­dem der jun­ge Maxi­mi­li­an Kol­be sei­ne Mili­tia Imma­cu­la­tae gegrün­det hat­te, um die Kräf­te der Kir­che zu sam­meln und die Kir­che mit geist­li­chen Mit­teln gegen ihre Fein­de zu ver­tei­di­gen, war es im Palaz­zo Gius­ti­nia­ni zu einer Tra­gö­die gekom­men. Der Groß­ori­ent hat­te Roms Vize­bür­ger­mei­ster Achil­le Ball­ori zum näch­sten Groß­mei­ster gekürt. Am 31. Okto­ber 1917 wur­de Ball­ori am Sitz des Groß­ori­ents erschos­sen.

Der Täter stell­te sich als Loren­zo D’Ambrosio her­aus, ein Apo­the­ker aus Avel­li­no, der als Anar­chist bekannt war. Zunächst wur­de er von der Pres­se zum Ein­zel­gän­ger erklärt, dann vom Gericht für unzu­rech­nungs­fä­hig. Er ver­schwand auf Nim­mer­wie­der­se­hen in einer psych­ia­tri­schen Kli­nik. Die Hin­ter­grün­de des Atten­tats schei­nen mit dem Frei­mau­rer­kon­greß vom Juli 1917 in Paris zu tun zu haben. In Paris hat­ten sich Frei­mau­rer­de­le­ga­tio­nen der Entente-Staa­ten getrof­fen, um über die wei­te­re Kriegs­po­li­tik und die Nach­kriegs­ord­nung zu spre­chen. Das ita­lie­ni­sche Heer befand sich nach der Nie­der­la­ge von Kar­freit (ital. Capo­ret­to) flucht­ar­tig auf dem Rück­zug. Wei­te Tei­le Nord­ost­ita­li­ens waren von öster­rei­chi­schen und reichs­deut­schen Trup­pen besetzt wor­den. Die Front ver­lief kei­ne 30 Kilo­me­ter von Vene­dig ent­fernt.

D’Ambrosio war am 1. Novem­ber in der Nähe des Hau­ses von Roms Bür­ger­mei­ster Erne­sto Nathan fest­ge­nom­men wor­den. Nach der Ermor­dung Ball­oris wur­de Nathan erneut Groß­mei­ster des Groß­ori­ents, was er bereits von 1896 bis 1903 gewe­sen war. D’Ambrosio woll­te laut eige­nen Anga­ben auch ihn ermor­den.

Die Ritterschaft der Unbefleckten, Fatima und die Oktoberrevolution

Wäh­rend der Welt­krieg tob­te, die Frei­mau­rer der Kir­che und dem Papst spot­te­ten und inter­ne Macht­kämp­fe aus­tru­gen, sam­mel­te Maxi­mi­li­an Kol­be eini­ge Mit­brü­der, die mit ihm am inter­na­tio­na­len Fran­zis­ka­ner­kol­leg in der Via San Teo­do­ro in Rom stu­dier­ten. Mit ihnen grün­de­te er am 17. Okto­ber 1917 die Mili­tia Imma­cu­la­tae, die „Rit­ter­schaft der Unbe­fleck­ten“. Die Rit­ter soll­ten nach per­sön­li­cher Hei­lig­keit stre­ben, aber auch wehr­haft, wie es schon der Name aus­sag­te, den Glau­ben in der Öffent­lich­keit ver­tei­di­gen.

Erzengel Michael, Sieger über Luzifer
Erz­engel Micha­el, Sie­ger über Luzi­fer

Der jun­ge Kol­be wuß­te zu dem Zeit­punkt nichts von dem, was Hun­der­te Kilo­me­ter ent­fernt im por­tu­gie­si­schen Fati­ma geschah. Nur vier Tage vor der Grün­dung der Mili­tia war dort die Got­tes­mut­ter zum letz­ten Mal drei Hir­ten­kin­dern erschie­nen. Sie hat­te die­se dabei Wich­ti­ges schau­en las­sen und ihnen drei Geheim­nis­se offen­bart. Sie sprach auch über schwer­wie­gen­de Umbrü­che in Ruß­land. Genau drei Wochen nach der Mili­tia-Grün­dung in Rom soll­te in Ruß­land die bol­sche­wi­sti­sche Revo­lu­ti­on los­bre­chen. Als hät­te er es geahnt, hat­te Kol­be mit der Mili­tia bereits ein Gegen­in­stru­ment geschaf­fen. Die welt­wei­te Spal­tung der sozia­li­sti­schen Par­tei­en und der Grün­dung von kom­mu­ni­sti­schen Par­tei­en auf der einen Sei­te, und als Gegen­re­ak­ti­on das Ent­ste­hen von Faschis­mus, Natio­nal­so­zia­lis­mus auf der ande­ren Sei­te, waren die Fol­gen die­ser Revo­lu­ti­on. Kol­be hat­te sei­ne eige­ne Gegen­re­ak­ti­on geschaf­fen, die sich im Rah­men der Kir­che und auf dem siche­ren Boden ech­ter Mensch­lich­keit beweg­te. Zu einer Zeit, da Klas­sen- und Ras­sen­wahn Über­hand zu gewin­nen schie­nen, war das kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Maria, Besiegerin aller Häresien

Die ersten bei­den Sät­ze, mit denen das von Kol­be ver­faß­te Pro­gramm der Mili­tia beginnt, sind zwei Zita­te und geben ihren Zweck wie­der:

„Sie wird dir das Haupt zer­tre­ten“ (Gen 3, 15).

„Du allein hast alle Häre­si­en auf der gan­zen Welt besiegt“ (Röm. Bre­vier).

Die Mit­glie­der wei­hen sich der Unbe­fleck­ten und geben sich als Instru­ment in ihre Hand, damit die Got­tes­mut­ter sich ihrer bedie­nen kann, um zu voll­brin­gen, was in den bei­den zitier­ten Sät­zen aus­ge­sagt ist. Die Namens­wahl als Mili­tia, als Rit­ter­schaft, zeigt das Wesen der gei­sti­gen Wehr­haf­tig­keit der Ver­ei­ni­gung auf. Die Miliz beschränkt sich nicht auf die Hin­ga­be von Rit­tern und Damen an die Unbe­fleck­te. Sie will Maria auch die Her­zen der ande­ren gewin­nen, und das zu jeder Zeit bis ans Ende der Zei­ten.

„Das Ideal der Militia stärker verwurzeln, ist wahrer Fortschritt“

In einem Vor­trag für die Brü­der des von ihm 1927 in Tere­sin, unweit von War­schau, gegrün­de­ten Kon­vents von Nie­po­kal­a­now (Mari­en­stadt, eigent­lich „Stadt der Unbe­fleck­ten“), sag­te Pater Kol­be, der 1918 zum Prie­ster geweiht wor­den war:

„Besteht die Ent­wick­lung von Nie­po­kal­a­now viel­leicht dar­in, ihre Mau­ern zu erwei­tern und zu ver­grö­ßern? Nein! Nicht ein­mal die neu­en Häu­ser sind ein Indi­ka­tor für den Fort­schritt. Auch wenn in der Zukunft aller­neu­este und per­fek­te Maschi­nen kom­men wür­den, wird auch das nicht Fort­schritt im enge­ren Sinn sein. Auch wenn der Rit­ter (gemeint ist die von P. Kol­be her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift „Rit­ter der Unbe­fleck­ten“) sei­ne Auf­la­ge ver­dop­peln und ver­drei­fa­chen wür­de, selbst dann wird das nicht ein Fort­schritt für Nie­po­kal­a­now sein, weil das alles äußer­li­che Din­ge sind, die zu häu­fig trü­ge­risch sind. Wor­in aber besteht dann die Ent­wick­lung von Nie­po­kal­a­now? Wovon hängt sie ab? Nie­po­kal­a­now ist nicht nur äuße­re Arbeit, außer­halb oder inner­halb der Klau­sur, son­dern zual­ler­erst inne­re Arbeit in unse­ren See­len. Alle ande­ren Din­ge, auch die Wis­sen­schaft, sind Äußer­lich­kei­ten. In der Hei­li­gung unse­rer See­len liegt der wah­re Fort­schritt von Nie­po­kal­a­now. Jedes­mal wenn unse­re See­len eine grö­ße­re Über­ein­stim­mung mit dem Wil­len der Unbe­fleck­ten fest­stel­len, ist das ein wirk­li­cher Schritt vor­wärts, den wir in der Ent­wick­lung von Nie­po­kal­a­now schaf­fen. Daher: Auch wenn es pas­sie­ren soll­te, daß jede Akti­vi­tät zum Erlie­gen kom­men soll­te, daß alle Mit­glie­der der Mili­tia Imma­cu­la­tae feh­len und wir hier in Nie­po­kal­a­now wie die Blät­ter im Herbst zer­streut wer­den soll­ten, aber in unse­ren See­len das Ide­al der Mili­tia Imma­cu­la­tae stär­ker ver­wur­zelt wäre, könn­ten wir dann den­noch kühn sagen, daß das der Augen­blick der größ­ten Ent­wick­lung von Nie­po­kal­a­now sein wird.“

Das Ziel der Mili­tia Imma­cu­la­tae ist das Ziel der Unbe­fleck­ten: die Früch­te der durch den Sohn erwirk­ten Erlö­sung auf die ganz Mensch­heit aus­zu­wei­ten. Der ein­zi­ge Wunsch Mari­ens besteht dar­in, das geist­li­che Leben eines jeden Men­schen hin­auf­zu­he­ben zu den Gip­feln der Hei­lig­keit. Grund­vor­aus­set­zung für jeden Apo­stel der Mili­tia ist die per­sön­li­che Bereit­schaft, sich in das Eigen­tum der Unbe­fleck­ten zu über­ge­ben. Die Rit­ter­schaft ver­eint Bereit­schaft zur per­sön­li­chen Hei­li­gung und zum apo­sto­li­schen Eifer.

Kirchliche Anerkennung

Pater Kolbe als Missionar der Unbefleckten in Japan
Pater Kol­be als Apo­stel der Unbe­fleck­ten in Japan

Am 2. Janu­ar 1922 erhielt die Mili­tia die kano­ni­sche Aner­ken­nung durch die Kir­che als „from­me Ver­ei­ni­gung“ (Pia Unio). Das Dekret wur­de von Kar­di­nal Basi­lio Pom­pilj, dem Vikar des Pap­stes für die Diö­ze­se Rom, aus­ge­stellt. Am 18. Dezem­ber 1926 erließ Papst Pius XI. ein Bre­ve, mit dem er den Mit­glie­dern der Mili­tia Imma­cu­la­tae groß­zü­gig zahl­rei­che Abläs­se gewähr­te. Am Tag der Auf­nah­me in die Rit­ter­schaft und an jähr­lich acht Tagen kön­nen die Mit­glie­der unter den übli­chen Bedin­gun­gen einen voll­kom­me­nen Ablaß gewin­nen. Seit 1927 ist die Mili­tia eine Pia Unio Pri­ma­ria. Dem Gene­ral­mi­ni­ster des Mino­ri­ten­or­dens unter­stellt, besitzt die Rit­ter­schaft seit­her das Recht, welt­weit Able­ger zu grün­den.

So grün­de­te Pater Kol­be 1930 in Naga­sa­ki, dem katho­li­schen Zen­trum Japans, eine zwei­te „Stadt der Unbe­fleck­ten“. Durch die US-Atom­bom­ben­ab­wür­fe am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­den Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki ver­nich­tet und mit ihnen auch der Groß­teil der Katho­li­ken Japans aus­ge­löscht. Pater Kol­bes Mari­en­stadt über­stand die Kata­stro­phe jedoch auf wun­der­ba­re Wei­se unver­sehrt.

Kolbe, der Märtyrer der Nächstenliebe

Pater Kolbe als KZ-Häftling in Auschwitz
Pater Kol­be als KZ-Häft­ling in Ausch­witz

Um die­se Zeit leb­te der Grün­der der Mili­tia schon nicht mehr. Mit der Beset­zung und Auf­tei­lung Polens zwi­schen dem natio­nal­so­zia­li­sti­schen Drit­ten Reich und der kom­mu­ni­sti­schen Sowjet­uni­on begann eine Lei­dens­pha­se für die Kir­che. Die deut­schen Besat­zungs­trup­pen ver­trie­ben die Brü­der aus Nie­po­kal­a­now und mach­ten das gro­ße Klo­ster zum Gefan­ge­nen­la­ger. Zahl­rei­che Fran­zis­ka­ner-Mino­ri­ten von Nie­po­kal­a­now kamen im Krieg um, eini­ge ver­schwan­den in NS-Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern oder sowje­ti­schen Gulags.

Am 17. Febru­ar 1941 wird auch Pater Kol­be ver­haf­tet. Die Begrün­dung ist faden­schei­nig. Im Ver­hör wird er von SS-Ange­hö­ri­gen bru­tal zusam­men­ge­schla­gen und am 29. Mai in das KZ Ausch­witz gebracht. Als die Flucht eines Gefan­ge­nen ver­mu­tet wird, sol­len zur Ver­gel­tung zehn ande­re Gefan­ge­ne durch Hun­ger ster­ben. Auch der Fami­li­en­va­ter Fran­cis­zek Gajow­niczek soll ster­ben. Pater Kol­be mel­det sich frei­wil­lig: „Ich möch­te für einen der Häft­lin­ge in den Tod gehen. Ich bin katho­li­scher Prie­ster und habe kei­ne Fami­lie.“ Der für die Ver­gel­tung zustän­di­ge stell­ver­tre­ten­de KZ-Kom­man­dant, SS-Haupt­sturm­füh­rer Karl Fritzsch, ist ein­ver­stan­den. Kol­be kommt statt Gajow­niczek  in den Hun­ger­bun­ker. Die Qual beginnt am 31. Juli 1941. Kol­be über­lebt zwei Wochen, län­ger als alle ande­ren Häft­lin­ge. Er steht ihnen als Prie­ster zur Sei­te und berei­tet sie auf den Tod und die Ewig­keit vor. Am 14. August 1941, am Vor­abend zum Hoch­fest Mariä Him­mel­fahrt, wird Pater Kol­be mit einer Gift­sprit­ze getö­tet.

Am 17. Okto­ber 1971 wur­de Pater Kol­be, der „Mär­ty­rer der Näch­sten­lie­be“, von Papst Paul VI. selig­ge­spro­chen und am 10. Okto­ber 1982 von Papst Johan­nes Paul II. hei­lig­ge­spro­chen.

Der aus einer deutsch-pol­ni­schen Fami­lie stam­men­de Kol­be, der sich selbst als Pole fühl­te und zum Opfer eines deutsch-pol­ni­schen Gegen­sat­zes wur­de, gilt seit dem Krieg als beson­de­res Vor­bild und als Stif­ter von Frie­den und Aus­söh­nung zwi­schen Deut­schen und Polen. Johan­nes Paul II. bezeich­ne­te ihn als „Mär­ty­rer der Ver­söh­nung“. Papst Bene­dikt XVI. (2006) und Papst Fran­zis­kus (2016) besuch­ten Kol­bes Todes­zel­le in Ausch­witz.

Das Ziel: Persönliche Heiligung und „Bekehrung der Sünder“

MI International
MI Inter­na­tio­nal

Der jun­ge Kol­be und sei­ne Mit­brü­der, die zu den ersten Rit­tern der Unbe­fleck­ten wur­den, hat­ten die Kampf­an­sa­ge der Frei­mau­re­rei gehört, als die­se hoh­ner­füllt ihr 200. Grün­dungs­ju­bi­lä­um vor dem Peters­dom fei­er­te. „Wir kön­nen die katho­li­sche Reli­gi­on nicht durch Ver­nunft besie­gen, aber durch die Per­ver­tie­rung der Sit­ten“, lau­te­te die Kampf­an­sa­ge der Logen­brü­der.

In den ursprüng­li­chen Sta­tu­ten schrieb Kol­be daher zum Ziel der Rit­ter der Unbe­fleck­ten:

„Sich bemü­hen um die Bekeh­rung der Sün­der … beson­ders der Frei­mau­rer.“

Kol­be war sich der Bedro­hung der See­le durch fal­sche Ideo­lo­gi­en bewußt, wes­halb er Kom­mu­nis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus eben­so ablehn­te wie den kir­chen­feind­li­chen Libe­ra­lis­mus oder die Irr­leh­ren fal­scher Reli­gio­nen.

Als erstes Kampf­mit­tel leg­te er fest:

„wenn mög­lich, wenig­stens ein­mal täg­lich die fol­gen­de Anru­fung beten: ‚O Maria, ohne Sün­de emp­fan­gen, bit­te für uns, die wir zu Dir unse­re Zuflucht neh­men, und für alle, die ihre Zuflucht nicht zu Dir neh­men, beson­ders für die Frei­mau­rer und für alle Dir Anemp­foh­le­nen‘.“

Seit 2000 gibt es auch eine Militia Immaculatae der Tradition

Ritter der Immaculata
Rit­ter der Imma­cu­la­ta

Auf Pater Kol­be beru­fen sich heu­te zahl­rei­che Wer­ke, dar­un­ter insti­tu­tio­na­li­sier­te Pro­gram­me in Zusam­men­ar­beit mit staat­li­chen Regie­run­gen. Bedeu­ten­der, weil leben­di­ger, sind die geist­li­chen Wer­ke. Eine Rei­he von katho­li­schen Ordens­ge­mein­schaf­ten hat ihn zum Vor­bild, dar­un­ter auch die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, die sich in beson­de­rer Wei­se auf Pater Pio und Pater Kol­be beru­fen, aber seit drei­ein­halb Jah­ren unter kom­mis­sa­ri­scher Ver­wal­tung durch die Ordens­kon­gre­ga­ti­on ste­hen.

1997 wur­de die Mili­tia vom Päpst­li­chen Rat für die Lai­en als inter­na­tio­na­ler Ver­ein von Gläu­bi­gen päpst­li­chen Rechts aner­kannt. Der inter­na­tio­na­le Haupt­sitz befin­det sich am Grün­dungs­ort in der Via San Teo­do­ro in Rom.

2000 kam es durch Pater Karl Steh­lin, einem deut­schen Prie­ster der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., der seit vie­len Jah­ren in Polen wirkt, zur Wie­der­be­le­bung der Mili­tia Imma­cu­la­tae im Geist der Tra­di­ti­on. Neben der neu­ri­tu­el­len Mili­tia mit den über­ar­bei­te­ten und 2015 vom Vati­kan appro­bier­ten Sta­tu­ten besteht seit­her auch eine alt­ri­tu­el­le Rit­ter­schaft, die sich an den ursprüng­li­chen Sta­tu­ten von Pater Maxi­mi­li­an Kol­be ori­en­tiert und inzwi­schen in zahl­rei­chen Län­dern mit mehr als 10.000 Mit­glie­dern ver­tre­ten ist.

Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen oder Kon­takt­auf­nah­me:

Sie­he auch: Mili­tia Imma­cu­la­tae – Exer­zi­ti­en mit Pater Steh­lin (FSSPX) und Pater Trutt (FSSPX)

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: militia-immaculatae.info/mi-international.org/MiL (Screen­shots)

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4 Kommentare

  1. Ich bin kein Mit­glied der Mili­tia Imma­cu­la­tae, habe mir aber ihr Gebets­heft besorgt.
    Dar­in sind Gebe­te für die ver­schie­de­nen Tages­zei­ten, begin­nend mit der Matu­tin bis zur Kom­plet.
    Sie wer­den durch wei­te­re Gebe­te (Lita­nei, Wei­he­ge­bet, Stoß­ge­bet, Fatimage­bet usw.) ergänzt.
    Seit Weih­nach­ten etwa habe ich das klei­ne Heft­chen in Gebrauch und bin schon sehr dar­an gewöhnt.

  2. P. Maxi­mi­li­an Kol­be wur­de übri­gens über Nacht durch einen Brust-Umschlag mit Lour­des­was­ser von sei­ner schwe­ren Lun­gen-Tbc geheilt und konn­te sich auf die­se Wei­se einen gefähr­li­chen ope­ra­ti­ven Ein­griff erspa­ren. (Bis zu 2l Lour­des­was­ser kann man übri­gens unter lourdes-france.org bestel­len).
    Bezeich­nend fin­de ich, dass die Namen bei­der Erschei­nungs­or­te Lour­des und Fati­ma auf mus­li­mi­sche Kon­ve­ri­ten zurück­ge­hen:
    Der Name Löur­des ist wahr­schein­lich eine Ablei­tung des Sara­ze­nen­für­sten Mirat, der sich nach sei­ner Tau­fe Lor­das nann­te (um 778) und bei Fati­ma han­delt es sich um eine mus­li­mi­sche Prin­zes­sin, die sich nach ihrer Ver­schlep­pung mit einem christ­li­chen Für­sten ver­mähl­te und eben­so tau­fen ließ. -
    Es ist bestimmt kein Feh­ler von der Imma­cu­la­ta, die Gna­de der Bekeh­rung vie­ler Mus­li­me zu erbit­ten.

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