Bischof schafft Tauf- und Firmpaten ab

Auswahl erfolgt oft nicht nach den von der Kirche gewünschten Kriterien

Ab dem 1. August wird es im Bistum Sulmona keine Tauf- und Firmpaten mehr geben.
Ab dem 1. August wird es im Bistum Sulmona keine Tauf- und Firmpaten mehr geben.

(Rom) Ein am Don­ners­tag, 16. Juli, vom ita­lie­ni­schen Bischof von Sul­mo­na-Val­va, Msgr. Miche­le Fusco, erlas­se­nes Dekret besei­tigt Tauf­pa­ten und Firm­pa­ten. Die Maß­nah­me gilt vor­erst ad expe­ri­men­tum und soll drei Jah­re in Kraft blei­ben.

Die Kir­che, so der Bischof in sei­nem Dekret, „ist immer auf­ge­ru­fen, sich Ver­än­de­run­gen im sozio­kul­tu­rel­len Kon­text zu stel­len, in den sie hin­ein­ge­schrie­ben ist“. Dar­aus lei­tet der Bischof von Sul­mo­na in den ita­lie­ni­schen Abruz­zen sei­ne Ent­schei­dung ab, Paten aus den Zere­mo­nien zur Spen­dung zwei­er Sakra­men­te, der Tau­fe und der Fir­mung, zu eli­mi­nie­ren. Ent­spre­chend lau­tet die zen­tra­le Stel­le des Dekrets Nr 12/2020:

„Ich bestim­me ad expe­ri­men­tum für drei Jah­re die Abschaf­fung der Paten und Patin­nen in den Sakra­men­ten der Tau­fe und der Fir­mung.

Zur Begrün­dung des bei­spiel­lo­sen Schrit­tes führt Msgr. Fusco an, daß deren Anwe­sen­heit „oft eine Art for­ma­ler Pflicht­er­fül­lung scheint, in der die Dimen­si­on des Glau­bens wenig sicht­bar bleibt“.

Oft wür­den die Paten, so der Bischof, „nach ande­ren Kri­te­ri­en und Zwecken aus­ge­wählt (Ver­wandt­schaft, Freund­schaft, Inter­es­sen usw.), ohne die spe­zi­fi­sche Rol­le zu berück­sich­ti­gen, zu deren Erfül­lung Pate oder Patin geru­fen sind, d. h. den Glau­ben wei­ter­zu­ge­ben, der von ihnen selbst in erster Per­son gelebt wer­den muß, um wei­ter­ge­ge­ben wer­den zu kön­nen“.

Im bischöf­li­chen Dekret heißt es wei­ter:

„Dar­über hin­aus machen die kom­ple­xen fami­liä­ren Situa­tio­nen so vie­ler Men­schen, die die­se Posi­ti­on ein­neh­men möch­ten, die Ange­le­gen­heit noch heik­ler.“

Der Bischof ver­weist auf den Codex des Kir­chen­rechts, „der im Zusam­men­hang von Paten und Patin­nen von einer Mög­lich­keit, nicht aber von einer Pflicht spricht (vgl. can. 872)“.  Wich­ti­ger sei, so Msgr. Fusco, daß das Kir­chen­recht als „gefor­der­te Qua­li­tä­ten spe­zi­fi­ziert“, daß Paten „ein Leben im Ein­klang mit dem Glau­ben“ füh­ren müs­sen. Das sei 2003 auch von der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz in einer Pasto­ra­l­erklä­rung betont wor­den. Ein Pate soll „eine im Glau­ben rei­fe Per­son und reprä­sen­ta­tiv für die Gemein­schaft sein, vom Pfar­rer aner­kannt und fähig, den Kan­di­da­ten auf dem Weg zu den Sakra­men­ten zu beglei­ten und ihm im Leben durch sei­ne Unter­stüt­zung und sein Vor­bild bei­zu­ste­hen“.

Bischof Fusco unter­streicht, daß das Dekret das Ergeb­nis eines „Dis­kus­si­ons- und Dia­log­pro­zes­ses ist, der von Prie­stern, Kate­che­ten und Lai­en in den Pfarr­ge­mein­den mit­ge­tra­gen wird“. Der Prie­ster­rat sei­nes Bis­tums sprach sich im ver­gan­ge­nen Febru­ar „ein­stim­mig“ für die­sen Schritt aus.

Die Pfar­rer wer­den im Dekret ange­hal­ten, den Pfarr­ge­mein­den den damit ein­ge­schla­ge­nen Weg auf ange­mes­se­ne Wei­se dar­zu­le­gen.

Bischof Miche­le Fusco

Das Dekret tritt mit 1. August 2020 in Kraft.

Das Bis­tum Sul­mo­na-Val­va geht auf das 5. Jahr­hun­dert zurück, als erst­mals in der Stadt Val­va ein Bischof bezeugt ist. Für das 6. Jahr­hun­dert saß auch in der benach­bar­ten Stadt Sul­mo­na ein eige­ner Bischof. Für 475 ist eben­so ein Bischof in der Stadt Ofe­na über­lie­fert. Im Goten- und dann dem Lan­go­bar­den­sturm gin­gen meh­re­re Bis­tü­mer unter. Sicher ist, daß die Diö­ze­sen Sul­mo­na und Val­va seit dem 7. Jahr­hun­dert in der Hand eines Bischofs ver­eint waren. Das Gebiet des Bis­tums Ofe­na wur­de im Früh­mit­tel­al­ter Teil des Bis­tums Val­va, wenn­gleich sich die nähe­ren Umstän­de die­ses Über­gangs nicht mehr rekon­stru­ie­ren las­sen. Im 13. Jahr­hun­dert wur­den Sul­mo­na und Val­va offi­zi­ell ver­eint, was im Dop­pel­na­men bis zum heu­ti­gen Tag zum Aus­druck kommt. Das nicht genann­te Ofe­na wird seit 1970 als Titu­lar­bis­tum ver­lie­hen.

Msgr. Fusco wur­de 1988 für das Bis­tum Amal­fi zum Prie­ster geweiht. Im Novem­ber 2017 ernann­te ihn Papst Fran­zis­kus zum Bischof der Diö­ze­se Sul­mo­na-Val­va, von der er im Febru­ar 2018 Besitz ergriff.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Dio­ce­si di Sul­mo­na-Val­va

2 Kommentare

  1. So befremd­lich die­se bischöf­li­che Ent­schei­dung auch ist, aber ist an sei­nen Vor­wür­fen nicht auch etwas dran?
    Wird denn von den Eltern bei der Wahl der Paten tat­säch­lich dar­auf geach­tet, dass er gläu­big ist und das ihm mit-anver­trau­te Kind bzw. den Jugend­li­chen auf sei­nem Lebens­weg reli­gi­ös beglei­ten will und kann?
    Ich hat­te schon man­ches Mal den Ein­druck, der Pate ist in vie­len Fäl­len eher als gro­ßer Geschen­ke­geber zu Weih­nach­ten und Geburts­tag gefragt.

  2. Über­rascht nicht. Wenn die Lebens­wirk­lich­keit nicht mit den kirch­li­chen Gebo­ten über­ein­stimmt, muß man eben – um Ärger zu ver­mei­den – die Gebo­te ändern. Was denn sonst? Natür­lich nur als Expe­ri­ment, wel­ches dann still­schwei­gend als neue Norm über­nom­men wird – auch nix Neu­es.

    Sicher­lich denkt Sei­ne Exzel­lenz bereits dar­über nach, dann anschlie­ßend kon­se­quen­ter­wei­se Tau­fe und Fir­mung auch abzu­schaf­fen. Erschei­nen doch bei­de Sakra­men­te brei­ten Bevöl­ke­rungs­schich­ten auch „oft (als) eine Art for­ma­ler Pflicht­er­fül­lung, in der die Dimen­si­on des Glau­bens wenig sicht­bar bleibt“…

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