„Politiker werden moralinsaurer, Bischöfe werden immer politischer“? – Ein spontaner Kommentar

Kurze Anmerkungen zu Gedanken von Johannes Hartl

Christus als Pelikan, dargestellt im Kaiserdom zu Aachen.
Christus als Pelikan, dargestellt im Kaiserdom zu Aachen.

Von End­re A. Bár­d­os­sy

Johan­nes Hart­ls Skiz­ze hat durch­wegs vie­le sym­pa­thi­sche und rich­ti­ge Aus­sa­gen, wenn auch vier Punk­te kei­nes­wegs hin­ge­nom­men wer­den kön­nen:

  1. Es gebe kei­ne genu­in christ­li­che Poli­tik, son­dern nur christ­li­che Poli­ti­ker.
  2. Zudem erwähnt der illu­stre deut­sche Phi­lo­soph, katho­li­sche Theo­lo­ge, Buch­au­tor, Refe­rent, Kom­po­nist und Grün­der eines Gebets­hau­ses in Augs­burg mit kei­nem Wort, daß die­ser uner­träg­li­che Zustand vati­ka­ni­sche Wur­zeln im lau­fen­den Pon­ti­fi­kat hat.
  3. Die Mehr­heit der Bischö­fe rücke auf die fal­sche Sei­te des „zah­men Huma­nis­mus“ durch­aus weni­ger aus argu­men­tie­ren­der Über­zeu­gung, son­dern viel­mehr aus Kada­ver­ge­hor­sam: „Roma locu­ta cau­sa fini­ta“ (Sobald Rom gespro­chen hat, ist der Fall abge­schlos­sen). Oppor­tu­nis­mus, so Hart­ls Behaup­tung, sei immer schon eine römisch-katho­li­sche Schein­tu­gend gewe­sen!
  4. Deutsch­land und Öster­reich als welt­an­schau­lich neu­tra­le Staa­ten hin­zu­stel­len, und den Regie­run­gen Mer­kel & Kurz ihren säku­la­ren Cha­rak­ter abzu­spre­chen, zeugt, gelin­de gesagt, von Unkennt­nis oder Nai­vi­tät. Oder von bei­dem!

Nun, zur Sache selbst!

Unter der auf­rüt­teln­den Über­schrift „Poli­ti­ker wer­den mora­lin­saurer, Bischö­fe wer­den immer poli­ti­scher“ haben wir am 9. Juni 2020 eine tief­schür­fen­de Skiz­ze des Phi­lo­so­phen Johan­nes Hartl gele­sen, wor­in er nach Strich und Faden behaup­tet:

Es gibt kei­ne genu­in christ­li­che Poli­tik, son­dern nur christ­li­che Poli­ti­ker. Die Grund­werte haben wohl ‚etwas‘ mit dem Glau­ben zu tun, aber sie las­sen sich nicht 1:1 in poli­ti­sche Par­tei­en über­set­zen.

Das hie­ße auf gut Deutsch: Es gibt Fach­ar­bei­ter, aber die Pro­duk­ti­on wur­de ein­ge­stellt… Es gibt Pilo­ten, aber ohne Flug­ver­kehr… Das klän­ge zugleich nach dem Ein­be­kennt­nis, daß unse­re Fein­de genau wis­sen, was sie tun – wir aber, die ampu­tier­ten Chri­sten, die rei­fen Trau­ben vom Hören­sa­gen ‚mehr oder weni­ger‘ ken­nen, sie jedoch nicht wirk­lich pflücken kön­nen. Die­se irri­ge Mei­nung ist lei­der Got­tes gera­de unter lau­en Chri­sten als zurei­chen­der Ent­schul­di­gungs­grund für den sau­ren Most weit ver­brei­tet. Da aber J. Hartl als from­mer Christ und Den­ker, des­sen Lau­ter­keit weder bemän­gelt noch bezwei­felt wer­den kann, nicht unter Halb­her­zig­keit lei­det, müs­sen wir ihm in die­sem Punkt gera­de des­halb ener­gisch wider­spre­chen.

Wenn unchrist­li­che Poli­tik in extre­men Aus­for­mun­gen, sei es im natio­na­len Sozia­lis­mus, sei es im inter­nationalen Kom­mu­nis­mus, leicht zu erken­nen ist, so mahnt Hartl doch Vor­sicht ein. Da ihm bei total ver­faul­ten Posi­tio­nen die Kon­tu­ren kla­rer erschei­nen, glaubt er, daß sie in der Per­spek­ti­ve vom Schwer- zum Mit­tel- und Leicht­ge­wicht nicht wirk­lich wahr­nehm­bar sind. Aus christ­li­cher Sicht sind zum Bei­spiel eine Abtrei­bung unschwer als Mord, eine Leih­mut­ter­schaft als Ver­bre­chen gegen Kind & Mut­ter, die Öff­nung der gehei­lig­ten Ehe für sämt­li­che Per­ver­sio­nen, oder das Eutha­na­sie­ge­setz… und… und… als Blas­phe­mi­en zu erken­nen, trotz­dem befür­wor­ten die angeb­lich „christ­li­chen“ Poli­ti­ker, die sich sowohl in der CDU/CSU wie in der Öster­rei­chi­schen Volks­partei tum­meln, nicht ungern für alles, was in der tra­di­tio­nel­len Moral Namen und Bedeu­tung hat, einen fau­len Kom­pro­miß. Von christ­li­chen Grund­wer­ten aus­ge­hend kommt man so auch in dem Bevölkerungs­austausch der Migra­ti­ons­po­li­tik nicht „womög­lich“ (Hartl), son­dern schnur­stracks zu unchrist­li­chen Schluß­fol­ge­run­gen. Bei genau­em Zuse­hen wäre es den­noch nicht so uner­find­lich, wie hin­ge­gen von Hartl per­lu­diert wird, was das Geheim­nis ist, das sogar für x‑beliebige, ein­fa­che Fra­gen die rich­ti­ge, die christ­li­che Ant­wort fin­den läßt.

Päpst­li­che Unfehl­bar­keit in den Prin­zi­pi­en, aber Ahnungs­lo­sig­keit in der Akti­on des poli­ti­schen All­tags hie­ße die Leug­nung des Bei­stan­des des Hei­li­gen Gei­stes, des­sen Direk­ti­on und Trost sich nicht auf das Phi­lo­so­phen- und Theo­lo­gen­ge­zänk beschrän­ken, son­dern sich sehr viel mehr auf die Kno­ten­lö­sung in den klei­nen und klein­sten Fra­gen eines wahr­haft christ­li­chen Ver­hal­tens auch – und vor­nehm­lich – in der genu­in christ­li­chen Poli­tik kon­zen­trie­ren muß.

Als leuch­ten­des Bei­spiel die­ne die Erfolgs­ge­schich­te der soge­nann­ten „Visegrád-Staa­ten“ (Ungarn, Polen, Tsche­chi­en, Slo­wa­kei). Vik­tor Orbán, der unga­ri­sche Mini­ster­prä­si­dent als füh­ren­de Kraft unter sei­nen Ver­bün­de­ten, ist einer der letz­ten Christ­de­mo­kra­ten in Euro­pa über­haupt. Sein Dienst am Gemein­wohl wur­de seit 2010, 2014, 2018 vom Wahl­volk unun­ter­bro­chen mit Zwei­drit­tel­mehr­heit hono­riert. Wohl, eine benei­dens­wer­te Höchst­lei­stung unter den Ein­tags­flie­gen der Poli­tik! Ziel­be­wußt regiert er sein Land unter der Fah­ne dekla­rier­ter christ­li­cher Poli­tik: mit Klug­heit und Mut, Maß und höchst­mög­li­cher Gerech­tig­keit. Das Bonum com­mu­ne kann also wirk­lich erkannt und auch wirk­lich getan wer­den. Nicht ver­wun­der­lich, daß er vom „zah­men Huma­nis­mus“ (Hartl) des links­li­be­ra­len Westens bos­haft betratscht und ver­leum­det wird.

Das Chri­sten­tum hat ein rea­li­sti­sches Men­schen­bild. Der Mensch wird weder erhöht, noch redu­ziert. Wir stim­men dar­in mit Hartl neu­er­lich und selbst­ver­ständ­lich über­ein. Dabei bleibt nicht zu ver­ges­sen: Es gibt auch ein hoch­ideo­lo­gi­sier­tes Chri­sten­tum unter aller­höch­ster Lei­tung im lau­fen­den Pon­ti­fi­kat. Ideo­lo­gen – auch dann, wenn sie im Vati­kan resi­die­ren – sind erstens nicht dis­kurs­fä­hig und zwei­tens sind sie Getrie­be­ne von ihrem rigo­ro­sen Uto­pis­mus und Fana­tis­mus. Somit han­delt es sich eben­falls um eine Bin­sen­wahr­heit des illu­stren Autors Hartl. Ideo­lo­gen aller Rich­tun­gen pfle­gen nicht die Ein­tracht und das Gespräch unter den Brü­dern der Einen, Uni­ver­sa­len Kir­che, son­dern das Feil­schen „an den Rän­dern“ mit den Fein­den und Abtrün­ni­gen, die uns das Grab schau­feln. Natür­lich alles im fein­sten „Öku­me­ni­schen & Inter­re­li­giö­sen Dia­log“. Hier liegt des Pudels Kern, wenn wir nach den wah­ren Ursa­chen des­sen suchen, war­um wir an der genu­in christ­li­chen Poli­tik ins Stol­pern gera­ten. Wie heißt es doch, am Kopf fängt der Fisch an zu … !

Inmit­ten die­ser Selbst­auf­lö­sungs­ten­den­zen wäre es höch­ste Zeit sich wie­der ein­mal Hans Urs von Bal­tha­sars „Cor­du­la“ (1966) ans Herz zu legen und somit den „Ernst­fall“ zu üben, anstatt ihn auf die leich­te Schul­ter zu neh­men.

Es ist kein Zufall im fin­ste­ren XX. Jahr­hun­dert, daß die Demo­kra­tie – falls über­haupt jemals – nur unter einer Hand­voll Christ­de­mo­kra­ten – Ade­nau­ers und Strau­ßens, De Gas­pe­ris und Schu­mans, Figls und Raabs – wirk­lich gut funk­tio­nier­te. Gott ist tri­ni­ta­risch und sel­ber ein gemein­schaft­li­ches Wesen. Das Die­nen am Bonum com­mu­ne war seit eh und je allen Poli­ti­kern auf­ge­ge­ben. Des­we­gen kann eine ideo­lo­gi­sche Hal­tung, die sich ganz und gar nicht auf die Gemein­schaft (com­mu­nio), son­dern ledig­lich auf die Mei­nun­gen und Inter­es­sen von locke­ren Gesell­schaf­ten (socie­tas) ein­läßt, nie christ­lich sein. Auch Pau­lus ver­lang­te in Athen auf dem Areo­pag nicht – wie Hartl es grob­ge­strickt for­mu­liert –, „daß alle Ungläu­bi­gen gehängt wer­den“, hat aber in der schar­fen Dis­kus­si­on nicht ein Jota bei­gege­ben.

Des­halb soll­ten auch wir stets eine prä­zi­se Spra­che wäh­len, auch wenn die Ungläu­bi­gen und Skep­ti­ker sie nicht ver­ste­hen kön­nen oder wol­len. Unse­re Argu­men­ta­ti­on braucht nicht Gott „fromm“ vor sich her­zu­tra­gen (Hartl), hat aber die Fun­da­men­te zu defi­nie­ren, wel­che für die über­lie­fer­ten Wer­te der Gemein­schaft frucht­bar und trag­fä­hig sind. „Da kommt man nicht umhin, irgend­wann zu beken­nen, wo man im Glau­ben steht“ (Hartl). Das stimmt wie­der­um. Das soll aller­dings auch in jedem Punkt des poli­ti­schen Tages­ge­schäf­tes erfol­gen, und nicht nur in grund­sätz­lich erha­be­nen The­sen. Hartl fin­det die Fra­ge sehr span­nend, wie lan­ge das öffent­li­che Leben ohne meta­phy­si­schen Bezug an den (über-) lebens­wich­ti­gen Wer­ten fest­hal­ten wird kön­nen. Die Athe­isten wol­len es dar­auf ankom­men las­sen, die Chri­sten blicken aber auf die Zeit der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on zurück und sind weni­ger opti­mi­stisch (Hartl). Ein­ver­stan­den! – kön­nen wir nur wie­der­ho­lend anfü­gen.

Unse­re Wer­te stam­men näm­lich nicht aus der Auf­klä­rung. Das Gegen­teil zu behaup­ten wäre histo­risch mehr als eine Unter­stel­lung, viel­mehr eine gemei­ne Lüge. Dar­in sind wir alle einig.

Bereits im Hoch­mit­tel­al­ter wird von natür­li­chen Rech­ten aller Men­schen gespro­chen. In His­pa­no-Ame­ri­ka hat Bar­to­lomé de Las Casas (1484–1566) – in Über­ein­stim­mung mit der Spa­ni­schen Kro­ne – die unab­än­der­li­che Men­schen­wür­de zugun­sten der India­ner in die Poli­tik ein­ge­bracht – das unter­streicht Hartl empha­tisch. Wenn sich die krän­keln­de, schwäch­li­che Natur der Poli­ti­ker aller Zei­ten den­noch wenig dar­an gehal­ten hat, ist das eine ande­re Fra­ge. Die Inhal­te der höch­sten Ideen und Wer­te sind in hei­li­ger Rein­schrift im Evan­ge­li­um der Chri­sten­heit wie­der­zu­fin­den, die man nicht ver­tu­schen kann. Die soge­nann­te Auf­klä­rung sel­ber hat die besten Ansät­ze ihres theo­lo­gi­schen Kon­tex­tes ent­klei­det, um sie als anti­kirch­li­che und athe­isti­sche Slo­gans wie­der zu ver­wen­den. Selbst die „auf­ge­klär­te­sten“ Auf­klä­rer wol­len nicht wis­sen, war­um die „Auf­klä­rung“ ein­zig und allein im Scho­ße der christ­li­chen Völ­ker ent­stand, aber nicht im Bud­dhis­mus (Japan, Chi­na), Hin­du­is­mus (Indi­en), in den Stam­mes­re­li­gio­nen (Afri­ka) oder im Islam (Ara­bi­en). Rich­tig! Wie­der ein Voll­tref­fer von Hartl – aller­dings schon längst bekannt! Logisch und histo­risch ent­stand sie näm­lich als eine gewal­ti­ge euro­zen­tri­sche Häre­sie, wofür die Denk­ka­te­go­rien der grie­chisch-römi­schen Phi­lo­so­phie und des Chri­sten­tums miß­braucht wur­den, um ihren Ursprung und Sinn zu ver­leug­nen.

Deutsch­land und Öster­reich sei­en kei­ne säku­la­ren Staa­ten, son­dern welt­an­schau­lich neu­tral – wird von Hartl sug­ge­riert. Die Staa­ten des libe­ra­len (und zuneh­mend linkslibe­ral ent­hemm­ten) Westens sind jedoch welt­an­schau­lich alles ande­re als „unpar­tei­isch“, weil Neu­tra­li­tät in kei­nem Welt­bild mög­lich ist. Die christ­li­che Reli­gi­on im öffent­li­chen Leben darf heu­te bloß nach den Buch­sta­ben der Reli­gi­ons­frei­heit prä­sent sein, da sie tag­täg­lich bewußt nicht in Rech­nung gestellt, son­dern syste­ma­tisch igno­riert wird. Die Macht­ha­ber der Poli­tik fin­den den­noch an allen Ecken die Relik­te des vie­le Jahr­hun­der­te alten Kul­tur­chri­sten­tums als „fleisch­ge­wor­de­ne Reli­gi­on“ vor, des­sen Schät­ze sie hüten müß­ten, da sie uner­setz­lich sind. Wir ach­ten vie­le ver­trau­te Per­so­nen und Sachen erst, wenn wir sie ver­lo­ren haben.

Poli­ti­ker glau­ben stets, einen brand­neu­en „Gesell­schafts­ver­trag“ (J.-J. Rous­se­au) eta­blie­ren zu kön­nen. Dar­an haben Marx, Engels, Lenin und Sta­lin gepfuscht, aber auch die links­li­be­ra­len US-Demo­kra­ten Woo­d­row Wil­son (Paris 1919/20) und Roo­se­velt (Jal­ta 1945) feder­füh­rend mit­ge­wirkt bei der Neu­ein­rich­tung Euro­pas. Nicht ein­mal ein Kon­ser­va­ti­ver wie Chur­chill war intel­li­gen­ter als sei­ne ame­ri­ka­ni­schen und sowjet­rus­si­schen Ver­bün­de­ten. Es ist viel­mehr ein christ­li­cher Gedan­ke, fest­zu­hal­ten, daß die Poli­ti­ker nicht all­herr­schend die kul­tu­rel­le Prä­gung der Völ­ker und Natio­nen erfin­den, son­dern sie in einer beach­tens­wer­ten Ver­fas­sung vor­fin­den, die man nicht auf dem Reiß­brett nach Belie­ben ver­än­dern kann. Auch in der Euro­päi­schen Uni­on ist ihre radi­ka­le Neu­erfin­dung – jeden­falls eine zutiefst unchrist­li­che Poli­tik –, eine bra­chia­le Gewalt­an­wen­dung und die per­ma­nen­te Fort­pflan­zung des Unfrie­dens.

Abschlie­ßend läßt sich sagen, daß die Mehr­heit unse­rer Bischö­fe in der Tat – auf der fal­schen Sei­te – immer poli­ti­scher, und die libe­ra­len Poli­ti­ker umso mora­lin­saurer wer­den, je weni­ger Erfolg ihnen beschie­den ist.

Bild: MiL


Bis­her von Prof. End­re A. Bár­d­os­sy bei Katholisches.info ver­öf­fent­lich­te Tex­te (hier). Zuletzt:

1 Kommentar

  1. Es liegt im Prin­zip, dass Öster­reich und Deutsch­land säku­la­re Staa­ten sind. Papst Bene­dikt hat das in sei­ner Rede vor dem Bun­des­tag her­ge­lei­tet.
    Gel­ten­des Recht ist eine Kom­bi­na­ti­on aus Natur­recht und posi­ti­vem Recht. Natur­recht ist begrün­det auf der Natur, also den Tat­sa­chen, die die Lebens­fä­hig­keit und Lebens­wür­dig­keit bedin­gen. Die Idea­li­sten sehen hier das gött­li­che Wir­ken ein­ge­schlos­sen. Die Rea­li­sten betrach­ten nur die mess­ba­ren Tat­sa­chen. Posi­ti­ves Recht hin­ge­gen ist die Umset­zung von Anlie­gen, die sich nicht aus Natur­recht erge­ben und schränkt mit­un­ter das Natur­recht ein.
    In die­sem Sin­ne wäre ein säku­la­rer Staat ein Staat, indem das posi­ti­ve Recht (die Inter­es­sen) das Natur­recht (das unab­än­der­li­che) ver­drängt.
    Wenn behau­tet wird, es gebe kei­ne christ­li­che Poli­tik, ist das schon falsch aus­ge­drückt. Christ­li­che Poli­tik gibt es nicht, son­dern Aner­ken­nung des Natur­rech­tes wie es ein Christ ver­steht. Viel­mehr bedeu­tet die Aus­sa­ge, es gäbe kei­ne christ­li­che Poli­tik, eine Miss­ach­tung der Tat­sa­che, dass es ein unab­än­der­li­ches Natur­recht gibt.

    Man kann hier­aus erken­nen, dass es nicht nur einen reli­giö­sen Staat gibt, der das Natur­recht als Schwer­punkt hat, son­dern auch einen säku­la­ren Staat, der die aku­ten Inter­es­sen als Schwer­punkt besitzt. Jetzt haben wir den drit­ten Schritt, die Behaup­tung, es gäbe kein Natur­recht (es gibt kei­ne christ­li­che Poli­tik). Das ist gleich­be­deu­tend mit der Ableh­nung der mensch­li­chen Natur an sich. Aus­druck fin­det sich in den Antrei­bern der Gen­der-Ideo­lo­gie bzw. der Diver­si­ty-Ziel­set­zun­gen. Fol­ge­rich­ti­ges Ergeb­nis der drit­ten Form einer Staats­ideo­lo­gie wäre die Aus­lö­schung des Men­schen in der natür­li­chen Form, was ja auch geschieht.

    Deut­sches Sprich­wort aus der Kai­ser­zeit um 1910: Erst hat­ten wir den grei­sen Kai­ser, dann den wei­sen Kai­ser. Jetzt haben wir den Rei­se­kai­ser.

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