Was ist das – die Inkulturation nach Jesuitenart?

Pachamama, der Papst und die Areopagrede



Der Areopag von der Akropolis aus gesehen / Die Ruinen der Akropolis Der Areos pagos (dt. Ares-Fels) ist ein 115 m hoher Hügel inmitten Athens neben der Akropolis. In der Antike tagte hier der oberste Rat der Stadt, gleichfalls Areopag genannt.
Der Areopag von der Akropolis aus gesehen (links) / Die Ruinen der Akropolis (rechts). Der Areos pagos (dt. Ares-Fels) ist ein 115 m hoher Hügel inmitten Athens neben der Akropolis. In der Antike tagte hier der oberste Rat der Stadt, gleichfalls Areopag genannt.

Von Endre A. Bárdossy*

Der Anstoß für diese Arbeit war, wie es unter Aufzählung der Tatsachen § 3. angegeben ist, die 34. General­audienz am 6. November 2019. Zu seiner Rechtfertigung berief sich der regierende Papst im akuten Erklärungsnotstand zum PACHAMAMA-SKANDAL auf die Areopag-Rede des hl. Paulus und unterstellte ihm den Versuch einer „Inkulturation“ mit dem Schlußsatz:

„Bitten wir den Heiligen Geist auch heute, uns zu lehren, Brücken mit der Kultur zu schlagen, mit denen, die nicht glauben oder mit denen, die ein anderes Credo haben als wir. Bitten wir ihn um die Fähigkeit, die Botschaft des Glaubens zart zu inkulturieren [?] und denjenigen, die sich in der Unwissenheit Christi befinden, einen kontemplativen Blick zuzuwenden, bewegt von einer Liebe, die selbst die verhärtetsten Herzen erwärmt.“

Daraus geht klar hervor, daß es in der Missionierung der Heiden nicht auf das Credo ankommt, sondern auf die Herzlichkeit der Plauderei („DIALOG“) und auf die inhaltlose Philanthropie… Nichtglauben und etwas anderes Glauben sollten also mit dem wahren Glauben auf gleiche Augenhöhe nivelliert werden. Gegen die Verwässerung des Glaubens nach alter Jesuitenmanier haben wir seit eh und je unsere Vorbehalte einzuwenden – mit der gleichen Entschlossenheit des jungen Mannes, der die hölzernen Idole in den reißenden Tiber geworfen hat. 

Die empörende (zarte) „Inkulturation“ der PACHAMAMA möge zum Anlaß dienen, um den präzisen englischen Begriffen ENCULTURATION und ACCULTURATION nachzusehen. Dabei läßt sich feststellen, daß im Spanischen das Begriffspaar (lediglich orthographisch modifiziert) gleichbedeutend an die englische Version gut herankommt (inculturación, acculturación). Während der deutsche, modernistische Gebrauch der Inkulturation in geo­graphische (südamerikanische, afrikanische, europäische…) und in epochale Aufsplitterungen (präkonziliar… postkonziliar) zerstückelt ist.

Kultur ist die fleischgewordene Religion eines Volkes

Kultur ist nach T. S. Eliot nicht nur der Oberbegriff für die Produkte der Kunst, der Wissenschaft, der guten Manieren, oder der feinen Kulinarik („Eßkultur, Kochkunst“). Kultur ist also nicht das Inventar der sogenannten Kulturgüter der Griechen und Römer, der Phönizier, Kelten oder der Indianer, sondern die gesamte Lebensweise eines Menschen, welche selbstverständlich in die fleischgewordene Religion seines Volkes eingebettet ist. (Notes Towards the Definition of Culture, 1949) Kultur als Lebensweise ist immer wieder ein lebenslanger Prozeß der Einbindung des Kindes in die umgebende Kultur wie sie im englischen Lehnwort Enculturation vorbildlich geprägt ist, und in der Verbform enculturate („einkulturieren“) nochmals bekräftigt wird. Dem amerikanischen Autor Melville J. Herskovits verdanken wir diese Wortschöpfung, die aus seinem Werk um die Welt gegangen ist (Man and His Works: The Science of Cultural Anthropology, 1948). Im Internet findet man auch Hörbeispiele für die Aussprache dieser seltsamen Wörter.

ENCULTURATION ist somit ein „Hineinwachsen“ des Kindes in die „Condition humana“ wie es seiner Zeit, Raum und Lage entspricht. Es geht um einen Prozeß, in dem das Neugeborene zunächst von seinen Eltern allmählich den traditionellen Inhalt der umgebenden Kultur lernt und ihre Praktiken und Werte assimiliert.

Der Prozeß ist teils ein ungesteuertes Wachsen und Gedeihen, das weitgehend unbewußt und unmerklich vor sich geht. Größtenteils ist er aber ein gelenktes Einbinden mit planvollen Intentionen der Familie, Schule, Kirche, Öffentlichkeit, mit dem machtvollen Instrumentarium geschriebener und ungeschriebener Gesetze, Sprache, Geschichte, Tradition, die ihre markanten Züge zur Erziehung und Verfestigung beitragen. Das ist die übliche, friedliche Entwicklung des natürlichen Menschen zu einer monoglotten Kultur der Massen.

In allen bekannten Kulturen gibt es für die Bewahrung des friedlichen Zusammenlebens zentral gelegene „Götter oder Güter“ und auch bei atheistischen Religionslosigkeit zumindest einige zentral gesetzte, eifersüchtig, nötigen­falls mit Waffengewalt verteidigte, profane „Werte“. Diese sind Hüter der Tradition und Ordnung, die jedermann unbedingt angehen und einer jeden Kultur ihre eigenartige Konsistenz verleihen.

Zwei Herzen in einer Brust

Eine gewaltige Änderung der fleischgewordenen, gut eingespielten („einkulturierten“) Ordnung ist möglich, aber konfliktgeladen. Im Erwachsenenalter heißt dann diese komplexe Umstellung

ACCULTURATION (ad-culturation) und bedeutet die freiwillige oder erzwungene Adaptierung eines Menschen oder Volkes an eine fremde Kultur, Glauben oder Verhaltensweise mit tiefgreifenden Folgen.

Das Wort wurde erstmals vom amerikanischen Soldaten, Entdecker und Geologen John Wesley Powell verwendet (Introduction to the Study of Indian Languages, 1880). Zu jener Zeit wurden die Amerikaner nicht nur auf Grund der Schwierigkeiten der sprachlichen Verständigung dessen gewahr, daß eine Akkulturation der heterogen durchgemischten Einwanderer zum amerikanischen „Way of life“ ein hochdramatisches, unkalkulierbares Problem mit vielfältigen Schlüssen ist. Dabei geht es nicht um aufregende Studien-, nützliche Geschäfts- oder niedliche Urlaubsreisen – sondern um eine Reise ohne Rückkehr, d. h. um die definitive Verlegung des Lebens­mittelpunktes auf Dauer nicht nur räumlich, sondern auch geistig. Die üblichen Beweggründe dafür sind

  • Flucht vor politischer Verfolgung, Krieg, Revolution oder Naturkatastrophen,
  • Auswanderung aus wirtschaftlicher Not,
  • Konversion aus Gründen der religiösen Überzeugung und Weltanschauung,
  • Liebesheirat zwischen Partnern aus zwei weit auseinander liegenden Welten… Diese kann unter kontinentalen, nationalen oder unter gewaltigen Standesunterschieden zustandekommen wie wir sie zwischen der „Königstochter & dem tüchtigen Bauernburschen“ aus der Märchenwelt noch gut in Erinnerung haben.

Dafür ist die Polyglottie oder zumindest die Übernahme einer Sondersprache (Jargon, Mundart, Fremd- oder Fachsprache) die mildeste Form der Akkulturation und die Vorstufe einer drohenden oder ersehnten, jedenfalls umgreifenden Anwandlung der zukommenden Lebensweise.

Entgegen einer verleitenden, falschen Volksetymologie das Wort „Indigena“ aus dem Lateinischen leitet sich nicht von den vorkolumbianischen „Indianern“ ab, sondern bedeutet schlicht und einfach „Inländer“ (lat. Ureinwohner, Einheimische, Eingeborene, Bodenständige).

Folglich, und sehr allgemein gesprochen, die „Indigenen“ (Inländer) und andererseits die „Immigranten“ (Ausländer, Zuwanderer, Fremde) können sich vielfach übereinander und miteinander, bunt gemischt werden, durch:

  • Anpassung der einen Kultur an die andere;
  • Anleihen von Merkmalen (borrowing traits) in die eine aus der anderen Kultur;
  • komplette Verschmelzung zweier Kulturen infolge längerer Kontakte des Zusammenlebens.

Je nach Konsistenz und Resistenz der In- und Ausländeranteile ist es vordergründig klar, was die interkulturellen Kontakte bewirken können:

Erstens eine Verdrängung, welche die Überzeugungen, Usancen und die traditionellen Praktiken der Unterlegenen mit dem Recht der Stärkeren und der Zahlreicheren unter Druck gravierend verändert, auslöscht oder zumindest relativiert, wobei die Gewalt oft bis zu einer politischen, demokratischen, aber auch bewaffneten Eroberung oder Expansion eskalieren kann und das Leben der Indigenen auch nicht unbedingt verschonen muß.

Zweitens ist dagegen die Angleichung (Assimilation) ein Prozeß unter Individuen und Gruppen fremder Herkunft, welche die grundlegenden Gewohnheiten, Einstellungen und Lebensweisen einer antagonistischen, stark unterschiedlichen Kultur friedlich annehmen und die vorherigen eigenen Positionen allmählich aufgeben.

Anhand der historischen Erinnerungen der Völkerwanderung in der Antike und der jüngeren Erfahrungen der massenhaften europäischen Auswanderungen zuerst nach Hispano- und später nach Anglo-Amerika, können wir heute auf analoge Weise unsere Zukunft unter veränderten Vorzeichen erahnen: Wer den Tenor der Einwanderer, wer die Statistenrollen der untergehenden Autochthonen spielen wird, das läßt sich schon heute erahnen. Diese Vorahnungen wurden bereits von Goethe in seinem Kophtischen Lied unwiderlegbar besungen:

Geh, gehorche meinen Winken,
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein:
Auf des Glückes großer Waage
Steht die Zunge selten ein;
Du mußt steigen oder sinken,
Du mußt herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboß oder Hammer sein
.

Amboß oder Hammer. Tertium non datur: Eine simple Koexistenz, die sich auf eine beliebige, wahllose Vermischung zweier (oder mehreren) antagonistischen Kulturen bezieht, die auf längere Zeit in der Schwebe verbleibend, sowohl auf ein verdrängungs– wie auch assimilationsfreies Nebeneinader großer Bevölkerungsgruppen abzielt, ist kaum denkbar und erst recht konfliktträchtig. Das Hinausschieben einer definitiven Lösung für grundlegende, unterschwellige Differenzen fördert nur ihre Relativierung mit den Risken vulkanartiger Ausbrüchen der Aggression.

Verballhornung der Begriffe

Das Stammwort des Kulturwandels infolge einer Konversion ist zweifelsohne der Begriff der „ACCULTURATION“ (1880), die ursprünglich – bei J. W. Powell, dem Erstanwender des Wortes – auch den Prozeß in sich schloß, durch den das Kind mit der Muttersprache die Kultur seiner bestimmenden Umgebung erlangt.

  • Die spätere Differenzierung dank M. J. HERSKOVITS (1948), welche die erste, natürliche „Ad-culturation“ des heranwachsenden Kindes unter dem Namen „En-culturation“ vom sekundären Kulturwechsel der Erwachsenen trennte, war eine spezifische Verbesserung des Begriffes, die nahtlos in die Humanwissenschaften eingegangen ist.
  • Auch die schlichten Lautanpassungen von „ENCULTURATION“ etwa auf Spanisch „Inculturación“ oder Deutsch „Inkulturation“ sind selbstverständliche Anwandlungen der Orthographie ohne jeden Abstrich der Bedeutung.
  • Einmaliger Sonderfall aller Zeiten war das Aneinanderprallen der jungen, weitgehend jüdisch geprägten Christen­heit mit der griechisch-römischen Kultur. Dank des Völkerapostels Paulus haben wir die altjüdischen Kleider und Gesetze rechtzeitig abgelegt. Der verfestigte christliche Glaube fand jedoch in der antiken Zivilisation einen kongenialen Resonanzboden, da die griechischen Märchen, Sagen und Götzenbilder seit Sokrates, Platon und Aristoteles bereits weitgehend angeschlagen und zunehmend entmythologisiert waren. Der fleischgewordene und wieder auferstandene Logos der jungen Christen, die Tugenden der Klugheit, Mäßigung, Gerechtigkeit und Tapferkeit des besinnlichen Griechentums, die Ratio der Römer hatten einen gemeinsamen Nenner und Resonanz­boden geboten. Diese gottgegebene, gemeinsame Wellenlänge, die wir heute unwiederholbar und uneinholbar unsere christliche Existenz nennen dürfen, ist die Garantie einer gesicherten Zukunft. Der Vorsprung der euro­zentrischen Geschichte ist so groß, daß die letzten primitiven Stammeskulturen sich daran nur belehren lassen, aber nicht zu Lehrmeistern erheben können. Neben oder ohne eurozentrische Christenheit kann es kein frei­schwebendes Sektierertum geben. Die Kirche kann in vielfacher Hinsicht geläutert, aber grundsätzlich nicht an der großen Tradition vorbei neugegründet werden. Jeder Versuch in der Hinsicht ruiniert sich selbst.

Die Konsequenzen einer Verschlimmbesserung der chaotisch ausufernden Enkulturations- und Akkulturations­prozesse begannen erst, als Missionswissenschaftler und Theologen des Zweiten Vatikanischen Konzils der orthographischen Neufassung der EN- und AD-KULTURATION als „INKULTURATION“ auch ihre inhaltlichen Modernismen inhalieren wollten.

Sie möchten der unumgehbaren Alternative „Hammer oder Amboß“ des wahren Glaubens und der unterlegenen Götzenbilder der letzten Primitiven aus dem Wege gehen. Die Rudimente der unterlegenen, heidnischen Kulturen lassen sich jedoch mit der christlichen Zivilisation und Religion nicht mehr in Einklang und auf Vordermann bringen. Die nicht christlichen Religionen nehmen immer mehr – in Israel, Islam, Buddhismus, Hinduismus, und von den Amazonas-Indianern erst gar nicht zu reden – die Charakterzüge einer ethnischen Religion an. Ethnisch wird eine Religion genannt, wenn sie lediglich durch Rituale überleben kann, keinen nennenswerten doktrinären Inhalt hat und ihre Anhänger jeweils nur einer ethnischen Gruppe angehören; z. B. Angehörige der jüdischen Religion sind immer ethnische Juden. Ihr ethnischer Zusammenhalt ist um ein vielfaches kräftiger als die spirituelle Kohärenz ihrer theologischen Lehren. Je schneller die säkulare Zivilisation der globalisierten Welt voranschreitet, desto schneller werden die ethnisch verfestigten, aber inhaltlich-theologisch verarmten Religionsgemeinschaften dem säkularen Verfall, insbesondere unter den immer skeptischer werdenden Jugendlichen preisgegeben. Das hölzerne Eisen einer Amalgamierung einer „Pachamama“ mit der Zivilisation muß unweigerlich an ihrer Lächerlichkeit und Unverträg­lichkeit mit dem logischen Denken scheitern.

Aufgaben der Mission

Die authentischen Aufgaben der christlichen Mission aller Zeiten waren stets doppelter Art. Erstens im Zeichen des Kreuzes die frohe Botschaft der Auferstehung ohne Kompromiß zu verkünden und zweitens die Errungenschaften der europäischen Zivilisation für die Barbaren zu vermitteln. Es handelte sich um eine mühsame, nicht ungefährli­che, im höchsten Maße opferreiche Arbeit und um eine verantwortungsvolle, heikle Erziehung von Unmündigen und Primitiven zur Freiheit und zum Gebrauch der eigenen Vernunft. Somit gehörten zum vollständigen Bild einer jeder Missionsstation neben dem geweihten Tempel auch die Institutionen der Volksschulen, in geglückten Aus­nahmefällen sogar auch Mittel- und Hochschulen; und last not least die christlichen Spitäler, die ärztliche Versor­gung und die Sicherstellung der Ernährung im allgemeinen. Diese eurozentrischen, als „Invasion“ beschimpften Benefizien waren also eine geistige, somatische und eine im besten Sinne des Wortes einseitige Strömung, sozusagen eine Einbahnstraße der „guten, alten, weißen“ Ordensmänner und Ordensfrauen, die mit ihren vielseitigen Gaben die notleidende Welt ohne Gegenleistung reichlich beschenkten. Mutter Teresa darf in diesem Zusammenhang als leuchtendes Beispiel erwähnt werden.

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches an der Hand der Vandalen, und allerlei Horden von Ost-, West- und Visi-Goten mußte erst einmal, dank der innereuropäischen Mission der Benediktiner, die Rekonstruktion der Zivilisation begonnen werden, die mit dem Kreuz, dem Pflug und dem lateinischen Alphabet aus dem Trümmerhaufen der Völkerwanderung das Abendland wieder errichtet haben. Unter dem Motto des hl. Benedikts von Nursia (480-547) erstrahlte ein neues, blühendes Mittelalter: Ora et labora – Bete und arbeite! Ihre europaweit gelegenen Abteien und Bibliotheken sind bis zum heutigen Tage die lebendigen Zeugnisse ihrer unermüdlichen Missionsarbeit und großen Missionserfolge.

Missionierung der Jesuiten im Fernen Osten und in Lateinamerika

Die Abenteuer der Jesuiten in China und Japan wurden von Anfang an viel bewundert, aber bis zur höchsten Instanz der Päpste auch heftig bestritten und verboten. Die karnevaleske Vorliebe dieser erhabenen Männer für eine schauspielerische Verkleidungslust ist in der Tat erstaunlich. Indes legten die Eliten der fernöstlichen Völker samt aller Eingeborenen der Welt schneller einen Anzug mit Krawatte an, als die katholischen Nonnen einen Kimono. Die globale, insbesondere die technische Zivilisation überdeckte alle indigenen Völker, – ob in Afrika, Asien, Australien oder Hispano-Amerika, – so schnell mit den eurozentrischen Bräuchen, Gewohnheiten, Sitten und Unsitten, daß eine „Bereicherung“ der römisch-katholischen Religion durch die sogenannte Inkulturation aus dem antiquierten Brauchtum der primitiven Völker zweifellos ein Anachronismus geworden ist. Leider haben das die Jesuiten unter der Führung von Don Pedro Arrupe (Ordensgeneral 1965–1981) und Papst Franziskus bis heute noch nicht wahrgenommen.

Motiviert durch die romantischen Illusionen Jean-Jacques Rousseaus (1712-1778) bezüglich der Edlen Wilden und der Guten Sitten in einem glücklichen Urwald oder auf einer friedlichen Insel (Robinson Crusoe) glauben die Väter und Nachfolger des Zweiten Vatikanischen Konzis seit über 50 Jahren, daß man die Christliche Lehre ins Vakuum einer jedweden indigenen (Un- oder Sub-) Kultur hineinversetzen kann, ohne die „akkulturativen“ Prozesse in Gang zu setzen, die zu den unverzichtbaren Voraussetzungen bzw. Konsequenzen des Christentums gehören.

Internierung der Amazonas-Indianer in die Sippenhaft – dank der Befreiungstheologie

Um den Preis der kitschigen Übertreibung, die zu steigern nicht mehr möglich ist, sind die Amazonas-Indianer die letzten Opfer, die von Bergoglio in ein Reservat zivilisationsferner, musealer Isolierung eingewiesen werden. Aber wetten wir! Wenigstens die Jugendlichen unter ihnen sehnen sich eher nach einer heizbaren Stadtwohnung mit Fließwasser und Fernsehen anstelle eines Baumhauses oder Zeltlagers im Urwald.

Daraus folgen das Ärgernis und der schlichte Nonsens, wenn man den Versuch unternimmt, eine Religion (das Christentum, Judentum, den Islam oder eine andere Religionsgemeinschaft, ja sogar nur einen säkularen Lebensmittelpunkt z. B. den Sozialismus), ohne eine entsprechende Akkulturation der zugehörigen Werte oktroyieren oder freiwillig annehmen will. Wer Christ, Jude, Mohammedaner oder sonstwas werden möchte, der muß sich unweigerlich bereit befinden, seine Lebensweise, Einstellungen, Ansichten, Wertschätzungen – und somit sein Herz und seine komplette Kultur – signifikant zu reorganisieren, zu ändern und neuerlich „fleischwerden“ zu lassen. Er muß noch mal, neu geboren („einkulturiert„) werden wie es bei Johannes (3:3-4) verlangt wird:

Wahrlich wahrlich ich sage dir:
Wer nicht von oben her geboren wird, kann das Reich Gottes nicht sehen.

Darauf erwiderte der verdutzte Nikodemus:

Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er ein Greis ist?
Kann er etwa zum zweitenmal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden?“

Doch muß alles unter neuen Blickwinkeln „einkulturiert“ werden! Die alte, abgelegte Religion (oder Religionslosig­keit) samt vorheriger Lebensweise wird man neu ersetzen müssen. Jede Konversion zieht einen langen Prozeß der „Ad-kulturation…“ nach sich. Bei anspruchsvollen Religionen und grundverschiedenen Lebensweisn geht es also nicht nur um eine oberflächliche Anpassung der Konventionen. Der Apostel Paulus erklärt zur Sache:

Also: wenn einer in Christus ist, so ist er ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden. (2 Korintherbrief 5:17)

Es geht um eine existentielle Anwandlung: Adäquation (Angleichung) der fleischgewordenen Daseins an die Wahrheit der neu gewonnenen religiösen Lebensmitte.

Triumphzug des Relativismus und Synkretismus

Konversion, zu welcher Lebensmitte (=Religion) auch immer, gibt es also nicht ohne „Kulturrevolution“, ohne Erneuerung der kompletten Identität. Das wissen sogar die chinesischen Kommunisten! Tut der Konvertit das nicht, so bleibt er nur ein „Taufscheinkatholik“, ein Pseudo… Jude, ein Pseudo… Mohammedaner, ein Pseudo… Kommunist oder ein Pseudo… Sonstwas.

LEITKULTUR können wir also jene Kulturverfassung nennen, welche von der angestrebten Lebensmitte vermittelt wird. Je anspruchsvoller diese ZielReligion, und je anspruchsloser der abgelehnte Religionsersatz auch sein mag, umso radikaler wird auch der Lebens- und Kulturwandel sein. Der Prozeß ist kein Instantprozeß oder Zauberstab, sondern ein geistig-leibliches Hineinwachsen, teils ungesteuert (durch ungeschriebene Gesetze!), teils planvoll intendiert durch Familie, Schule, Sprache, Kirche und Staat, Politik und Gesetzgebung, Geschichte und Tradition, etc.

SUBKULTUR, in diesem Zusammenhang allgemein gefaßt, könnten wir die unterdrückte bzw. von sich selbst untergehende, alte Lebensweise des Götzendienstes nennen.

Die IRREGELEITETE INKULTURATION der Jesuiten behauptet und reklamiert dagegen, daß die übergeordnete christliche Leitkultur auf die inadäquaten Gedanken und Ansichten der abgelegten, primitiven, indigenen Subkultur Rücksicht zu nehmen hat. Die Überlappungen des Neuen und Alten Menschen sollen die Rudimente und Reminiszenzen von Aberglauben und Verhaltensmustern parallel bewahren und pflegen. Inkulturation ist somit das zentrale Schlagwort Befreiungstheologie für Gleichheit und Demokratie unter den Religionen, für Relativismus und Synkretismus ohne Credo, nicht zuletzt freilich mit allen Ressentiments beladen gegen Kolonialismus und Imperialismus.

Fiasko der säkularen Aufklärung

Weder die französische Revolution (1789) noch die Terrorherrschaft Napoléons von Paris über das eingeknickte Wien als Hauptstadt des Deutsch-Römischen Reiches bis nach Moskau, aber schlußendlich bis zu seiner verdienten Vernichtung in Waterloo (1815) brachten die sogenannte säkulare „Aufklärung“ zum Durchbruch. James Watts Dampfmaschine (1773) und das weltweite Eisenbahnnetz der englischen Ingenieure von Manchester nach Liverpool, von Kapstadt in Richtung Mittelmeer, in Indien, Argentinien, Australien… waren die tatkräftigen Pioniere einer wirklich besser werdenden Welt – zumindest in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Damit landen wir beim weltlichen Arm der christlichen Missionsarbeit: dem berüchtigten, zu Recht kritisch beäugten Kolonialismus des christlichen Westens in der Welt. Mit partiellem Vorbehalt zugunsten des halbwegs erfolgreichen, maßvollen British Empire, die Ausbreitung der europäischen Zivilisation in der Welt war ein kolossaler Mißgeschick des moralischen, maßlosen, unchristlichen Versagens. Lassen wir jedoch die lange Geschichte der Schandtaten und schwarzen Legenden in den Fußstapfen der heute allseits verhaßten „alten, weißen Männer“, die immerhin nichts weniger als eine weltweit begehrte Zivilisation zuwege brachten.

Nach dem historischen Ablaufdatum der bösen Kolonialisten und Imperialisten haben wir ja nunmehr den kommerziellen Neo-Kolonialismus der Volksrepublik China in der Welt, vor allem in Afrika: Aber auch die schwedische Automarke Volvo gehört bereits den chinesischen Kommunisten! Wir haben auch den politisch korrekten Meinungsimperialismus der Grünen und die zugehörigen Migrantenströme, die aus den Elendsvierteln der Welt auf bemerkenswerte Weise immer wieder nur nach West-Europa und Nord-Amerika wandern. Denn in der verdammten „weißen“ Zivilisation zu leben ist nicht nur ein märchenhafter Traum, sondern auch ein „Menschenrecht…“ Kaum einer sehnt sich danach, in die Dritte Welt oder gar in den schattigen Dschungel des Amazonas abgeschoben zu werden.

Nun schauen wir also lieber genau an, was der heutzutage en vogue befindliche Rückschlag der negativen Zivilisation unter dem Banner der „Inkulturation“ speziell in der Kirche anrichten kann. Es ist eine brandneue Sünde der Romantisierung, wenn die in Wohlstand schwelgenden Modernisten einerseits den Armen und Ungebildeten der Welt die Segen der Zivilisation vorenthalten, andererseits aber ihre bunt schillernde Primitivität in gekünstelter Manieriertheit erhalten möchten.

Aufzählung der Tatsachen

§ 1. Mit Ausnahme der besten katholischen Blogger, die unverzüglich in Bild und Wort berichtet haben, herrschte tagelang ein großes Schweigen unter den Oberhirten und in der Medienlandschaft darüber, daß Papst Franziskus in den Vatikanischen Gärten, in seinen Amtsräumen, Kirchen und Synodalen Versammlungen genüßlich lächelnd der Verehrung der PACHAMAMA mit wohlwollender Toleranz zugeschaut hat. Das hölzerne Götzenbild der Erdgöttin, die in Südamerika landauf, landab bekannt ist, wurde in Anwesenheit des Papstes und hoher Prälaten in Prozession herumgetragen. Auf Anfrage ahnungsloser Europäer wurde aber die gebührende Auskunft über die Identität der Holzfigur zunächst einmal verweigert.

§ 2. Alsdann passierte die zweite Entgleisung des Papstes: Wie ein Gottesgericht aus heiterem Himmel, ein beherzigter junger Mann und seine Helfershelfer waren nicht mehr willens, dem Treiben mutlos weiter zuzusehen. Auf leisen Füßen, unter dem Schutz der Morgendämmerung entfernten sie das Sakrileg aus der Kirche und warfen es dorthin, wo es hingehört, nämlich in den reißenden Tiber. Vorsorglich hielten sie die Wohltat für die breite Weltöffentlichkeit auch filmisch fest. Bergoglio entschuldigte sich für das Malheur im nachhinein bei den Falschen, nämlich bei Pachamama’s beleidigten Verehrern.

§ 3. Wenn das noch nicht genug wäre, setzte der Papst in seiner Eigenschaft als gestandener Befreiungstheologe noch ein drittes Ungemach darauf. Kurze Zeit später, in akutem Erklärungsnotstand berief er sich auf die Areopagrede des hl. Paulus und interpretierte die Pachamama-Verehrung als „Inkulturation“. Am 6. November in der 34. Generalaudienz mißbrauchte Bergoglio diese berühmte Rede, eine der schönsten Stellen der Apostelgeschichte, als Vorwand für seine platten Inkulturationshypo­thesen. Denn dem hl. Paulus auf dem Areopag ging es keine Sekunde lang um die „Inkulturation“ (Verkleidung) des wahren christlichen Glaubens in die verlotterten Trachten der heidnischen Vorstellungswelt. Mit missionari­schem Mut und Klugheit, Höflichkeit und rhetorischem Geschick lud er die perplexen Griechen ein, um den einen, wahren Gott zu proklamieren, der in Athen freilich ganz und gar unbekannt war. Die evidente Absicht und Konsequenz der Paulinischen Mission war – wie es aus der Areopagrede klar hervorgeht, – die Konversion samt dem zugehörigen Lebenswandel seiner Zuhörerschaft zur Annahme der Botschaft Jesu Christi und Verdrängung der zahlreichen heidnischen Götzen.

Aus der Apostelgeschichte (Kapitel 17): Paulus in Athen in der Schilderung nach Lukas

16 Während Paulus auf [auf seine Begleiter] in Athen wartete, ward er innerlich tief erregt, als er die Stadt voller Götzenbilder sah. 17 Er hielt Ansprachen in der Synagoge an die Juden und Gottesfürchtigen, aber auch täglich auf dem Markte an jene, die er dort antraf. 18 Dabei gerieten einige epikureische und stoische Philosophen mit ihm in Streit. Einige meinten: „Was will dieser Schwätzer?“ Andere: „Er scheint ein Verkünder fremder Götter zu sein„, weil er Jesus und die Auferstehung verkündete.

19 Sie nahmen ihn nun, führten ihn auf den Areopag und fragten: „Dürfen wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du verkündest? 20 Du gibst uns ja seltsame Dinge zu hören. Darum möchten wir gerne wissen, was es damit auf sich hat.“ 21 Alle Athener und die dort ansässigen Fremden hatten ja für nichts mehr Zeit als Neuig­keiten zu erzählen oder zu hören.

22 So trat denn Paulus in die Mitte des Areopags und sprach: „Ihr Männer von Athen, ich finde, daß ihr in jeder Hinsicht sehr religiös seid; 23 denn als ich umherging und eure Heiligtümer betrachtete, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: Dem unbekannten Gott. Was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.

24 Der Gott, der die Welt und alles in ihr geschaffen hat, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand erbaut sind; 25 auch läßt er sich nicht von Menschenhand bedienen, als ob er etwas bedürfe, gibt er doch selber allem Leben, Odem und alles andere. 26 Er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht hervorgehen lassen, daß es wohne auf der ganzen Erde, und hat bestimmte Zeiten und die Grenzen für ihre Wohnsitze festgesetzt. 27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn fühlen und finden könnten, ist er doch nicht fern von einem jeden von uns. 28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. So haben ja auch einige von euern Dichtern gesagt: Wir sind von seinem Geschlechte.

29 Sind wir also von Gottes Geschlecht, so dürfen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich dem Gold, Silber oder Stein, einem Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.

30 Nun hat Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen; jetzt aber läßt er den Menschen kundtun, daß überall alle sich bekehren sollen. 31 Denn er hat einen Tag bestimmt, an dem er die Welt in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestellt und durch die Auferstehung von den Toten bei allen beglaubigt hat.“

32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten einige, andere sagten: „Darüber wollen wir dich ein anderes mal fragen.“ 33 So ging Paulus aus ihrer Mitte hinweg. 34 Einige aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen Dionysius, Mitglied des Areopags, eine Frau mit Namen Damaris und noch einige andere.

Wir sind von seinem Geschlechte

Aratos von Soloi (310–245 vor Chr.), ein griechischer Autor aus dem kleinasiatischen Kilikien (heute Anatolien, Türkei), stammte aus einer vornehmen Familie und studierte in Athen stoische Philosophie, Physik (Naturkunde) und Mathematik. Seine Werke in lateinischer Übersetzung durch Cicero und Germanicus waren bewährte Schulbücher der antiken Wissenschaft. Seine Nomenklatur des Sternenhimmels ist größtenteils heute noch in Gebrauch. Aus dem Prolog des einzig erhaltenen Lehrgedichts „Phänomene“ (Hg. Manfred Erren, 1971, S. 7) entstammt das Zitat in der Areopagrede (Vers 28b), das unter den Gebildeten der damaligen Zeit geläufig war:

Gedenktafel der Areopagrede des hl. Paulus auf der gleichnamiger Felswand in Athen
Gedenktafel der Areopagrede des hl. Paulus auf der gleichnamiger Felswand in Athen

Mit Zeus laßt uns beginnen,
den wir Menschen niemals ungesagt lassen:
voll von Zeus sind alle Straßen,
voll alle Plätze der Menschen,
voll das Meer und die Häfen; überall brauchen wir alle Zeus.
Wir sind ja auch sein Geschlecht.
Er aber, den Menschen freundlich, gibt günstige Zeichen,
weckt das Volk zur Arbeit
und erinnert ans Lebensnötige;
er sagt, wann die Scholle am besten
ist für die Ochsen und für die Hacken,
sagt, wann die günstigen Zeiten,
die Pflanzen zu umhäufeln
und alle Saaten zu säen.

Aratos meint natürlich, daß wir vom Geschlecht des ZEUS sind; dagegen Paulus leitet unsere Deszendenz freilich von GOTTES Geschlecht ab. Doch welch gewaltiger Unterschied! Hier tut sich der ganze Riß zwischen dem christlichen Gott und den heidnischen Götzen auf:

Sind wir also von Gottes Geschlecht, so dürfen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich dem Gold, Silber oder Stein, einem Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung (Vers 29).

Paulus verlangt somit von den Griechen eine kompromißlose Abkehr vom Polytheismus und eine radikale Umkehr von der Bilderverehrung, die aber mit den hölzernen Figuren der Pachamama in den Vatikan Einzug gehalten hat. Von einer gegenseitigen Durchdringung, von Integration und Dialog paganer Elemente im christlichen Glauben und Brauchtum ist auf dem Areopag keine Rede.

Das endlose Geschwätz der Dialoge blieb sowohl in Athen wie im Vatikan höflich, aber letztlich zurückhaltend, ablehnend. Am Ende gibt es keine Übereinstimmung im sogenannten interreligiösen und interkonfessionellen Gespräch, weil es sie nicht geben kann. Der Erstfall ruft zur persönlichen Umkehr auf. Und die radikale Neubesinnung heißt ein Entweder – Oder jenseits der unverbindlichen Plauderei. Unsere Worte bleiben vage, solange sie nicht durch Werke und Taten bezeugt sind.

Text: Endre A. Bárdossy. Zum Autor siehe.
Bild: Gemeinfrei


Von Prof. Bárdossy zuletzt veröffentlicht: Christentum: Utopie und Realität. In Vorbereitung befindet sich der Aufsatz: Seltsame Zusammenhänge – Eine kleine Reflexion über die Christliche Demokratie, Kolonialismus, Imperialismus, Liberalismus und Sozialismus.

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2 Kommentare

  1. Er redet vom hl. Geist, scheint aber selbst von allen guten Geistern verlassen zu sein.
    Etwas Schlechtes wird nicht gut, nur weil eine Mehrheit davon redet und die Kritiker mundtot macht.
    Dieser Papst mag Papst sein, er benimmt sich wie ein Herrscher einer Bananenrepublik.

  2. Ein hervorragender Aufsatz. Besten Dank an den Autor und die Redaktion.
    Die Frage, die sich aufdrängt, ist ja wirklich: Was bezwecken bestimmte, offensichtlich seit den 60er Jahren im Jesuitenorden sehr einflußreiche Kreise. Die Wende stellte die Wahl von P. Arrupe zum Generalsuperior dar. Johannes Paul II. setzte zwar ein anderen Oberen ein, aber die Ausrichtung des Ordens änderte sich damit nicht. Der Orden achtete nur stärker darauf, sich keinen Bannstrahl aus dem Vatikan zuzuziehen. Das ist erfolgreich geglückt, mußte aber sofort wieder ins Gegenteil umschlagen, sobald sich die Rahmenbedingungen ändern, und das ist mit der Wahl von Papst Franziskus geschehen. Da mit Kardinal Martini und Kardinal Bergoglio gleich zwei Jesuiten als Papst-Kandidaten einer innerkirchlichen Richtung aufgeboten wurden, kann, ja muß daraus wohl der Schluss gezogen werden, dass die genannte Richtgung im Jesuitenorden auch wirklich selbst die höchste Stufe in der Kirche erklimmen und die Macht übernehmen wollte. Und auch das ist geglückt. Die „Jesuitenart“, von der der Autor spricht, wird nun der ganzen Kirche aufgedrückt.

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