Bis zu 175 Prozent Defizit – Vatikan nach den Corona-Maßnahmen

Papst Franziskus ordnet Sparmaßnahmen an

Vatikan rechnet wegen Corona mit einem großen Defizit. Im Bild Papst Franziskus am Ende des Gebets gegen die Epidemie am 27. März.

(Rom) Laut einem inter­nen Papier rech­net der Vati­kan mit einem Coro­na­vi­rus-beding­ten Ein­nah­me­aus­fall von 146 Mil­lio­nen Euro. Das ent­spricht dem hal­ben Jah­res­haus­halt.

In dem inter­nen Doku­ment des vati­ka­ni­schen Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats wer­den öko­no­mi­sche Aus­wir­kun­gen erho­ben, die Radi­kal­maß­nah­men der Regie­run­gen für den Vati­kan haben. Zu den Regie­run­gen zählt der Hei­li­ge Stuhl selbst, vor allem aber die ita­lie­ni­sche Regie­rung und jene ande­ren Län­der, die Aus­gangs­sper­ren und Rei­se­ver­bo­te ver­hängt haben.

Der Vati­kan gehör­te zusam­men mit Ita­li­en zu den ersten euro­päi­schen Staa­ten, die radi­ka­le Ein­schrän­kun­gen erlie­ßen. Am 10. März ver­bar­ri­ka­dier­te sich der Vati­kan. Mit Aus­nah­me der Apo­the­ke und des Super­markts wur­de der Kir­chen­staat dicht­ge­macht. Seit­her sind der Peters­platz abge­rie­gelt und der Peters­dom gespen­stisch leer.

Das errech­ne­te Loch, das in die Kas­sen des Vati­kans geris­sen wird, geht auf die­se Radi­kal­maß­nah­men zurück, zu denen das Coro­na­vi­rus nur der Anlaß war.

„Vati­kan: Der Haus­halt geht den Bach hin­un­ter. Ein Defi­zit von 175 Pro­zent erwar­tet.“

So titel­te die römi­sche Tages­zei­tung Il Mess­ag­ge­ro am ver­gan­ge­nen Sonn­tag.

Die Vati­kan­fi­nan­zen sind tra­di­tio­nell ein Schwach­punkt. Zahl­rei­chen Aus­ga­ben ste­hen weni­ge Ein­nah­men gegen­über. Die Haupt­ein­nah­me­quel­le sind die Vati­ka­ni­schen Muse­en, doch die sind seit mehr als zwei Mona­ten zuge­sperrt. Wo sich nor­ma­ler­wei­se Men­schen­mas­sen durch die zugäng­li­chen Tei­le des Apo­sto­li­schen Pala­stes schie­ben, herrscht seit zehn Wochen völ­li­ge Stil­le.

Damit stür­zen die Vati­kan­fi­nan­zen in tief­ro­te Zah­len ab. Die Finan­zen des Vati­kans „sind ein Desa­ster“, so Il Mess­ag­ge­ro.

Papst Fran­zis­kus ver­häng­te ver­gan­ge­ne Woche einen gene­rel­len Ein­stel­lungs­stopp und for­der­te alle Dikaste­ri­en­lei­ter auf, spar­sam zu sein und über­flüs­si­ge Aus­ga­ben zu besei­ti­gen, weder Tagun­gen zu pla­nen noch Rei­sen durch­zu­füh­ren.

Bemer­kens­wer­ter ist die im Doku­ment aus­ge­spro­che­ne Emp­feh­lung, die gesam­te Liqui­di­tät der Dikaste­ri­en bei der Apo­sto­li­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tung (APSA) zu kon­zen­trie­ren. Kar­di­nal Geor­ge Pell, der bis 2017 das Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at lei­te­te, von dem das inter­ne Papier stammt, hat­te sich durch sei­ne Reform­ver­su­che die APSA zum uner­bitt­li­chen Feind gemacht. Sie ent­zog sich erfolg­reich jeder Form der Kon­trol­le und Auf­sicht durch das Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at. Das geschah über Intri­gen, die Kar­di­nal Pell seit sei­ner Ankunft in Rom im Jahr 2014 zu spü­ren bekam. Der Macht­kampf mün­de­te für den Kar­di­nal, mut­maß­lich auch des­halb, in die Ent­fer­nung aus dem Vati­kan und einem drei­jäh­ri­gen Kal­va­ria, wäh­rend die APSA mit der Rücken­deckung von Papst Fran­zis­kus unan­ge­ta­stet blieb und inzwi­schen sogar auf Emp­feh­lung des umbe­setz­ten Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats zum unum­strit­te­nen Schatz­mi­ni­ste­ri­um des Vati­kans wer­den soll.

Drei Sze­na­ri­en wur­den errech­net. Die posi­tiv­ste Vari­an­te sieht einen Ver­lust von 30 Pro­zent vor, sofern die Spar­maß­nah­men kon­se­quent umge­setzt wer­den. Das mitt­le­re Sze­na­rio ist wesent­lich düste­rer und pro­gno­sti­ziert ein Defi­zit von 83 Pro­zent. Noch pes­si­mi­sti­scher ist das skiz­zier­te Sze­na­rio 3. Dabei wird davon aus­ge­gan­gen, daß die Erho­lung von den Coro­na-Maß­nah­men nur sehr lang­sam sein und die Spar­maß­nah­men nicht den gewünsch­ten Erfolg brin­gen wer­den: Das Defi­zit wür­de sich in die­sem Fall auf 175 Pro­zent belau­fen.

Nicht nur die Ein­nah­men der Vati­ka­ni­schen Muse­en bre­chen ein. Die Modell­rech­nung geht auch von einem deut­li­chen Rück­gang beim Peters­pfen­nig aus. Als Lösung der „Coro­na-Kri­se“ wird Papst Fran­zis­kus, so Il Mess­ag­ge­ro, die „Stär­kung der APSA“ emp­foh­len. Das liqui­de Ver­mö­gen aller Dikaste­ri­en soll bei der Apo­sto­li­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tung kon­zen­triert wer­den, auch das Geld, das auf „aus­län­di­schen Kon­ten“ liegt. Geprüft wird eben­so die Über­tra­gung der Dikaste­ri­en­gel­der, die sich auf Kon­ten der Vati­kan­bank IOR befin­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/Il Mess­ag­ge­ro (Screen­shots)

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