Angriff auf den Zölibat – damals die holländischen, heute die deutschen Bischöfe

Leuchtende Verteidigungsrede von Papst Paul VI. für den priesterlichen Zölibat

Papst Paul VI. verteidigte am 1. Februar 1970 mit einer bemerkenswerten Rede den priesterlichen Zölibat.
Papst Paul VI. verteidigte am 1. Februar 1970 mit einer bemerkenswerten Rede den priesterlichen Zölibat.

(Rom) Vor genau 50 Jah­ren hielt Papst Paul VI. eine bedeu­ten­de Ver­tei­di­gungs­re­de für den prie­ster­li­chen Zöli­bat. Grund dafür waren bereits damals Angrif­fe von Bischö­fen, die eine Zöli­bats­ab­schaf­fung errei­chen woll­ten. Die Par­al­le­len sind unüber­seh­bar: Damals waren es nie­der­län­di­sche Bischö­fe, heu­te sind es bun­des­deut­sche Bischö­fe. Die geo­gra­phi­sche und sprach­li­che Rich­tung, aus wel­cher der Angriff kommt, ist die­sel­be geblie­ben. Der Unter­schied besteht in der Hal­tung des regie­ren­den Pap­stes. Das Wort von Papst Fran­zis­kus bei sei­nem Kolum­bi­en-Besuch, er wer­de einer Zöli­bats­auf­he­bung nie zustim­men, war – wie die Erfah­rung lehrt – lei­der nichts wert. Die­se Aus­sa­ge ist hart und schmerzt. Wer hät­te gedacht, sie im Zusam­men­hang mit einem Papst berich­ten zu müs­sen, doch was ist ein Wort wert, wenn das Gegen­teil von dem getan wird, was in Wor­ten gesagt wird?

Das Feh­len eines for­ma­len Aktes der Zustim­mung ist letzt­lich irrele­vant, wenn in der Pra­xis ange­sto­ßen, ermu­tigt, geför­dert und gedul­det wird, was nach Wor­ten abge­strit­ten wird, sie­he das Ver­hal­ten im Zusam­men­hang mit der Zulas­sung durch Amo­ris lae­ti­tia von Per­so­nen im Stand schwe­rer Sün­de zur Kom­mu­ni­on, sie­he das Ver­hal­ten gegen­über der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz im Zusam­men­hang mit der Zulas­sung von pro­te­stan­ti­schen Ehe­gat­ten zur Kom­mu­ni­on, sie­he das Ver­hal­ten im Zusam­men­hang mit der Ama­zo­nas­syn­ode.

Im März 2017 erklär­te Fran­zis­kus in einem Inter­view mit der Wochen­zei­tung Die Zeit sei­ne Bereit­schaft, über die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster zu spre­chen. Der­sel­be Fran­zis­kus schien weni­ge Mona­te spä­ter, am 9. Sep­tem­ber 2017, in Kolum­bi­en vor einem Mas­sen­pu­bli­kum, das weni­ger libe­ral war als die Leser­schaft der Zeit, gera­de­zu ener­gisch das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum zu ver­tei­di­gen – und auch den Zöli­bat. Daß es in der heu­ti­gen Zeit kei­ne Beru­fun­gen gebe, sei ein „Mär­chen“, don­ner­te Fran­zis­kus:

„Und kommt nicht her, um mir zu erzäh­len: ‚Nein, natür­lich, es gibt nicht so vie­le Beru­fun­gen für eine beson­de­re Wei­he, weil – das ist klar – mit die­ser Kri­se, die wir erle­ben…‘. Wißt Ihr, was das ist? Das sind Mär­chen? Ist das klar? Auch inmit­ten die­ser Kri­se beruft Gott.“

Die Gläu­bi­gen waren begei­stert, und gut­gläu­bi­ge Medi­en berich­te­ten, der Papst habe damit einer mög­li­chen Ein­füh­rung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster eine Absa­ge erteilt. Katholisches.info schrieb damals:

„Papst Fran­zis­kus ist bekannt für Aus­sa­gen, die in ihrer Unschär­fe in direk­tem Wider­spruch zu ande­ren von ihm getä­tig­ten Aus­sa­gen ste­hen oder zumin­dest zu ste­hen schei­nen. Dar­über, ob es sich dabei um Unacht­sam­keit in einem impro­vi­sier­ten Rede­stil oder um bewuß­te Absicht han­delt, gehen die Mei­nun­gen in Erman­ge­lung offi­zi­el­ler Kor­rek­tu­ren, Demen­tis oder Inter­pre­ta­tio­nen aus­ein­an­der. Eine Aus­sa­ge, die er am ver­gan­ge­nen Sams­tag vor gro­ßem Publi­kum in Kolum­bi­en tätig­te, scheint in der zen­tra­len Fra­ge des Prie­ster­tums Klar­heit zu schaf­fen. Tut sie das aber wirk­lich?“

Die Wor­te von Papst Paul VI. sind hin­ge­gen ein­deu­tig und stel­len einen leuch­ten­den und zeit­lo­sen Ori­en­tie­rungs­punkt dar. Sie sind vor allem eine mehr­fa­che Auf­for­de­rung, die sich nicht zuletzt direkt an die Gläu­bi­gen rich­tet.

„Den priesterlichen Zölibat in Frage stellen kann man nicht“

Er äußer­te sie beim Ange­lus am 1. Febru­ar 1970 in Rom:

Papst Paul VI.
Papst Paul VI.

Lieb­ste Kin­der, wir brau­chen Eure Gebe­te. Sicher­lich erra­tet Ihr war­um.

Unter den gro­ßen Anlie­gen, die der Hil­fe Got­tes bedür­fen und auf die wir die Gebe­te der vie­len Guten und Treu­en len­ken, die sie für uns und für unse­re Inten­tio­nen an den Herrn rich­ten, gibt es eines, das uns jetzt sehr am Her­zen liegt, und von dem jetzt viel gespro­chen wird: der hei­li­ge Zöli­bat der Prie­ster.

Er ist ein Haupt­ge­setz unse­rer latei­ni­schen Kir­che.

Es auf­ge­ben oder in Fra­ge stel­len kann man nicht: Es wäre ein Rück­schritt. Man wür­de es an Treue in der Lie­be und im Opfer feh­len las­sen, die sich unse­re latei­ni­sche Kir­che nach voll­ende­ter Erfah­rung mit immensem Mut und mit evan­ge­li­scher Gelas­sen­heit durch die Jahr­hun­der­te im Bemü­hen um stren­ge Selek­ti­on und stän­di­ge Erneue­rung ihres prie­ster­li­chen Dien­stes, von dem die Vita­li­tät des gan­zen Got­tes­vol­kes abhängt, auf­er­legt hat.

Es ist sicher­lich eine sehr hohe und sehr anspruchs­vol­le Norm, deren Ein­hal­tung neben einem unwi­der­ruf­li­chen Vor­satz ein beson­de­res Cha­ris­ma ver­langt, das heißt, eine höhe­re und inne­re Gna­de (Mt 19,12; 19,29; 1 Kor 7,7). Das macht den Zöli­bat voll­kom­men kon­form mit der Beru­fung zur ein­zig­ar­ti­gen Nach­fol­ge Chri­sti und kon­form mit der ganz­heit­li­chen Ant­wort des Jün­gers, der alles auf­gibt, um Ihm allein nach­zu­fol­gen, und um sich ganz und aus­schließ­lich, mit unge­teil­tem Her­zen dem Dienst für die Brü­der und die christ­li­che Gemein­schaft zu wid­men.

All das macht aus dem kirch­li­chen Zöli­bat ein höch­stes Zeug­nis für das Reich Got­tes, ein ein­zig­ar­ti­ges und spre­chen­des Zei­chen der Wer­te des Glau­bens, der Hoff­nung und der Lie­be, eine unver­gleich­li­che Bedin­gung des vol­len pasto­ra­len Dien­stes und eine bestän­di­ge Aske­se der christ­li­chen Voll­kom­men­heit.

Ja, es ist schwie­rig, aber es ist genau die­ser Cha­rak­ter, der ihn für jun­ge und bren­nen­de See­len attrak­tiv macht, und er ist mehr denn je gül­tig für die Bedürf­nis­se unse­rer Zeit. Wir sagen noch mehr: Er kann leicht, fröh­lich, schön, katho­lisch wer­den. Wir müs­sen ihn bewah­ren und ver­tei­di­gen, und wir müs­sen dafür beten, daß der Herr ihn uns allen heu­te, beru­fen oder nicht beru­fen, immer tie­fer ver­ste­hen läßt, und daß ihm alle, Lai­en, Ordens­leu­te und Kle­ri­ker, Ach­tung und Ver­eh­rung zol­len.

Und daß die Jung­frau Maria uns, für die zum prie­ster­li­chen Amt Erwähl­ten, Wür­de, Mög­lich­keit und Not­wen­dig­keit ent­hüllt.

Schlagabtausch

Was folg­te, war ein hef­ti­ger Schlag­ab­tausch, denn bereits damals geschah etwas, das seit dem Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus in neu­er Form und Qua­li­tät auf­tritt. Papst Paul VI. wur­de noch am sel­ben Tag von welt­li­chen Mas­sen­me­di­en mas­siv attackiert. Ihm wur­de abge­spro­chen, für die Welt­kir­che gespro­chen zu haben. Sei­ne Aus­sa­gen habe er nur als Bischof von Rom und nicht als Papst getrof­fen, wes­halb sie für sein Bis­tum, aber nicht für die Welt­kir­che von Rele­vanz sei­en. Die­se Auf­spal­tung des Petrusam­tes in einen Bischof von Rom und einen Papst, der etwas ande­res sei, erreich­te unter Papst Fran­zis­kus einen bis­her unge­ahn­ten Höhe­punkt. Heu­te ist es das Kir­chen­ober­haupt selbst, das sie ver­tritt. Als Fran­zis­kus zwei Mona­te nach sei­ner Wahl, am Drei­fal­tig­keits­sonn­tag, dem 26. Mai 2013, die römi­sche Pfar­rei der Hll. Eli­sa­beth und Zacha­ri­as besuch­te, sag­te er dort:

„Der Papst ist im Vati­kan, [ver­stan­den?], heu­te ist der Bischof hier­her­ge­kom­men.“

Die offi­zi­el­le deut­sche Über­set­zung gibt die Aus­sa­ge nicht in ihrer gan­zen Deut­lich­keit wie­der. Die Über­set­zer haben mit den spon­ta­nen Wor­ten von Fran­zis­kus bis heu­te ihre Pro­ble­me.

Auf­grund der schar­fen Angrif­fe, die Papst Paul VI. wegen sei­ner Ver­tei­di­gung des Zöli­bats erleb­te, sah sich am 2. Febru­ar der Vati­kan­spre­cher ver­an­laßt, eine Erklä­rung abzu­ge­ben. Die­ses Amt hat­te damals Msgr. Ange­lo Val­lainc aus der fran­zö­sisch­spra­chi­gen ita­lie­ni­schen Regi­on Aosta inne.

Val­lainc „kri­ti­sier­te heu­te hart“ die Ver­su­che, wie die Pres­se­agen­tur EFE berich­te­te, die Bedeu­tung und Trag­wei­te „der gestern von Paul VI. über den kirch­li­chen Zöli­bat gehal­te­nen Rede her­un­ter­zu­spie­len“.

„Die Absicht, die ein­deu­tig aus den Kom­men­ta­ren eini­ger Medi­en zur Rede des Pap­stes her­vor­geht, den Wert der Wor­te des Hei­li­gen Vaters in Ver­tei­di­gung des Zöli­bats her­un­ter­zu­spie­len, als sei­en sie nicht Aus­sa­gen des Pap­stes, son­dern des Bischofs von Rom, ist unzu­läs­sig.“

Der Vati­kan­spre­cher wider­sprach den Ver­su­chen, „nach eige­nem Belie­ben“ die Auto­ri­tät des Pap­stes und das Gewicht sei­ner Wor­te „auf­zu­spal­ten“ zwi­schen dem „uni­ver­sa­len Pon­ti­fex“ und dem „Bischof von Rom“. Msgr. Val­lainc gab zu ver­ste­hen, daß man im Vati­kan sehr genau wuß­te, was die Absicht hin­ter die­sen Medi­en­be­rich­ten war, näm­lich „im kon­kre­ten Fall die Par­tei­gän­ger einer Abschaf­fung des ver­pflich­ten­den prie­ster­li­chen Zöli­bats“ zu unter­stüt­zen. Der Vati­kan­spre­cher stell­te klar, daß die am Tag zuvor aus­ge­spro­che­ne Ver­tei­di­gung und „Bekräf­ti­gung“ des prie­ster­li­chen Zöli­bats Gül­tig­keit für die gesam­te Welt­kir­che habe.

Holländischer Angriff

Der media­le Ver­such, die päpst­li­chen Wor­te zu ver­dun­keln, erfolg­te in einem prä­zi­sen Kon­text. Eine Rei­he von nach­kon­zi­lia­ren Neue­run­gen hat­te Paul VI. mit­ge­tra­gen und umge­setzt, ande­ren wider­setz­te er sich. Das ließ die Alli­anz mit dem lin­ken Rand zer­rüt­ten. Ver­ant­wort­lich dafür waren vor allem zwei päpst­li­che Doku­men­te: die Enzy­kli­ka Sacer­do­ta­lis Cae­li­ba­tus von 1967 über den prie­ster­li­chen Zöli­bat und die Enzy­kli­ka Huma­nae vitae von 1968 über die Wei­ter­ga­be des Lebens.

Die hol­län­di­schen Bischö­fe bil­de­ten damals die Speer­spit­ze beim Angriff auf den Zöli­bat. 1966 hat­ten sie, ange­führt von Kar­di­nal Ber­nard Jan Alfrink, dem Erz­bi­schof von Utrecht, den Hol­län­di­schen Kate­chis­mus her­aus­ge­ge­ben. Dar­in wur­de der prie­ster­li­che Zöli­bat als nicht mehr not­wen­dig abge­han­delt. Die prie­ster­li­chen Auf­ga­ben könn­ten über­haupt an eine „Gemein­de“ über­tra­gen wer­den. Alfrink war 1951 von Papst Pius XII. zum Erz­bi­schof-Koad­ju­tor für Utrecht ernannt wor­den. 1955 wur­de er dort Erz­bi­schof.

Paul VI. reagier­te dar­auf mit der genann­ten Enzy­kli­ka. In einem Schrei­ben an Kar­di­nal Alfrink, anläß­lich eines „Pasto­ral­kon­zils der Kir­che in den Nie­der­lan­den“, appel­lier­te er an die­sen, kei­ne Maß­nah­men zur Zöli­bats­ab­schaf­fung zu ergrei­fen. Jede Dis­kus­si­on über eine Abschaf­fung, so der Papst, „ist uns uner­wünscht“. Eben­so tadel­te er, daß der Hol­län­di­sche Kate­chis­mus den Zöli­bat als ein rein „welt­lich Ding“ abhan­del­te, und damit sei­ne Bedeu­tung und Trag­wei­te „mini­ma­li­siert“.

Die­ses „Kon­zil“ war zu einem Drit­tel von Kle­ri­kern und zu zwei Drit­teln von Lai­en besetzt. Auch dar­in zeigt sich die Par­al­le­le zum „Syn­oda­len Weg“ der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, die eine Blau­pau­se des hol­län­di­schen „Syn­do­da­len Wegs“ vor 50 Jah­ren zu sein scheint.

Am 7. Janu­ar 1970 kam es zur Abstim­mung über den Zöli­bat. Kar­di­nal Alfrink wei­ger­te sich, den Brief von Paul VI. dem „Pasto­ral­kon­zil“ über­haupt vor­zu­le­sen. Mit 93 gegen zwei Stim­men wur­de die Zöli­bats­ab­schaf­fung „beschlos­sen“. Elf Dele­gier­te ent­hiel­ten sich der Stim­me, dar­un­ter, „vor­nehm“, auch die acht Bischö­fe.

Am 19. Janu­ar 1970 bekräf­tig­te die Hol­län­di­sche Bischofs­kon­fe­renz das Ergeb­nis und über­mit­tel­te es nach Rom. Man war bereit, hoch zu pokern, wie der Bischof von s’Her­to­gen­bosch Jan Bluys­sen sag­te:

„Die Mög­lich­keit, daß wir mit einem hohen Risi­ko spie­len müs­sen, ist drin. Aber ich habe den Mut, so hoch zu spie­len; aller­dings nicht auf Kosten einer Iso­la­ti­on von der Welt­kir­che.“

Die Ver­tei­di­gungs­re­de von Papst Paul VI. am 1. Febru­ar war die Ant­wort dar­auf.

Noch am sel­ben 2. Febru­ar 1970 mel­de­ten sich auch die auf­säs­si­gen nie­der­län­di­schen Bischö­fe zu Wort und schlu­gen den­sel­ben Ton der vom Vati­kan­spre­cher kri­ti­sier­ten Pres­se­kom­men­ta­re an. Die Pres­se­er­klä­rung wur­de vom Sekre­ta­ri­at der Hol­län­di­schen Bischofs­kon­fe­renz in Utrecht ver­öf­fent­licht:

„Die hol­län­di­schen Bischö­fe ste­hen immer in Kon­takt mit dem Vati­kan und haben nicht den Ein­druck, daß die Rede des Hei­li­gen Vaters die Absicht hat­te, eine Ant­wort auf die Pro­ble­me zu sein, die sie (die hol­län­di­schen Bischö­fe) ihrer Hei­lig­keit unter­brei­tet haben.“

Die Erklä­rung könn­te eben­so­gut heu­te vom Sekre­ta­ri­at der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz stam­men.

Was die hol­län­di­schen Bischö­fe zum Zeit­punkt, als sie die Pres­se­er­klä­rung ver­öf­fent­li­chen lie­ßen, noch nicht wuß­ten: Am sel­ben 2. Febru­ar schrieb Papst Paul VI. ihnen einen Brief, in dem er vom nie­der­län­di­schen Angriff gegen den prie­ster­li­chen Zöli­bat sag­te, daß er „uns tief­ste Schmer­zen“ zufüg­te.

Die „schwer­wie­gen­de Hal­tung“ der hol­län­di­schen Bischö­fe ste­he „im Wider­spruch zu der in unse­rer latei­ni­schen Kir­che gel­ten­den, sakro­sank­ten Norm“. Der Papst zeig­te sich ernst­haft besorgt „wegen der Aus­wir­kun­gen auf das gesam­te Got­tes­volk, beson­ders auf die Geist­li­chen und auf die Jugend­li­chen, die sich auf das Prie­ster­tum vor­be­rei­ten“, aber auch wegen der „beun­ru­hi­gen­den Fol­gen im Leben der gan­zen Kir­che und wegen der Reso­nanz, die sie bei allen Chri­sten und auch bei ande­ren Mit­glie­dern der Mensch­heits­fa­mi­lie her­vor­ru­fen“.

Letzt­lich schreck­ten die hol­län­di­schen Bischö­fe vor einer „Iso­la­ti­on von der Welt­kir­che“ doch zurück. Wird das auch für die deut­schen Bischö­fe gel­ten, nun, da durch Papst Fran­zis­kus die Rah­men­be­din­gun­gen in Rom gegen­über 1970 so ver­schie­den sind?

Das Bei­spiel zeigt, daß bestimm­te Gebre­chen in der Kir­che, die wesent­li­chen Anteil an ihrer Kri­se haben, von weit her­rüh­ren.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

9 Kommentare

  1. Wenn Papst Ber­go­glio einer­seits sagt, er wer­de einer Zöli­bats­auf­lö­sung nie zustim­men, so stimmt das in sei­ner Welt- und Wahr­heits­wahr­neh­mung. Er lässt das eine bestehen: den Zöli­bat, für die­je­ni­gen, die in leben ‚wol­len‘ und löst ihn gleich­zei­tig auf, für die, die ihn nicht leben wol­len. Für den nor­mal den­ken Men­schen besteht dar­in ein Wider­spruch, für Ber­go­glio nicht, denn er sucht immer die Syn­the­se aus der Viel­falt des Bestehen­den. Die Syn­the­se ist für ihn die Wahr­heit im Sine einer sich selbst Bahn bre­chen­den, sich sel­ber defi­nie­ren­de Wahr­heit der Ist-Zustän­de. Was geschieht ist für ihn immer Offen­ba­rung Got­tes und es steht unter dem Wir­ken des hei­li­gen Gei­stes.

    Was er wirk­lich meint, kann nie aus dem direkt Gesag­ten erschlos­sen wer­den, son­dern ist immer aus sei­nem dia­lek­ti­schen Den­ken zu schlie­ßen.

    „Wer hät­te gedacht, sie [die Aus­sa­ge Ber­go­gli­os zum Zöli­bat sei nichts wert]im Zusam­men­hang mit einem Papst berich­ten zu müs­sen, doch was ist ein Wort wert, wenn das Gegen­teil von dem getan wird, was in Wor­ten gesagt wird?“

    Wenn man begrif­fen hat, was Ber­go­glio mit Pro­zes­sen meint, hat man ihn ver­stan­den. Wenn für Georg May der „Pro­te­stan­tis­mus das Prin­zip der Auf­lö­sung“ ist, ist er für Ber­go­glio Prin­zip der Neu­be­le­bung und Neu­wer­dung, ähn­lich den im Hin­du­is­mus ver­ehr­ten Gott­hei­ten Shi­va und Shak­ti. Der eine zer­stört, der ande­re baut auf. Ber­go­glio wer­tet nicht, son­dern beob­ach­tet, womit natür­lich der Teu­fel für ihn zu einer rein stra­te­gi­schen pola­ren, von Gott ein­ge­setz­ten und zu des­sen Wesen selbst gehö­ren­den Enti­tät wird.

    Ver­mut­lich stand Ber­go­glio auch zu lan­ge unter dem Ein­fluss der frei­kirch­li­chen cha­ris­ma­ti­schen Gemein­schaf­ten in Argen­ti­ni­en. Immer­hin ließ er sich von frei­kirch­li­chen Pasto­ren die Hän­de zur Gei­ster­tau­fe auf­le­gen. Das mag ihm den Rest Shak­ti­pa­ta ‚gege­ben‘ haben.

    Ver­mut­lich gibt es in der Theo­lo­gie des Pap­stes wirk­lich kei­ne Höl­le, wie Scal­fa­ri es behaup­te­te. Eher mag er wie Mar­tin Luther den­ken, der Mensch sei prä­de­sti­niert und Gott sün­di­ge zur Erken­nung sei­ner Selbst durch den Men­schen.

    Gemäß der Hegel­schen Dia­lek­tik fin­det Gott erst durch sei­ne ‚Unta­ten‘ an den Men­schen- beson­ders an sei­nem Sohn Jesus Chri­stus — zu sich selbst und wird barm­her­zig, wird sich als Barm­her­zi­ger selbst offen­bar. Vor die­sem Hin­ter­grund ist der Mensch für Ber­go­glio immer gut und nur Spiel­ball himm­li­scher ent­wick­lungs­be­dürf­ti­ger Mäch­te.

    Ich den­ke nicht, dass Ber­go­glio den Offen­ba­rungs­be­griff der Tra­di­ti­on teilt, oder bes­ser gesagt nicht und doch auch. Er will ihn nur als über­wun­den anse­hen. Er darf sein, darf über­schrit­ten wer­den, darf auch gleich­zei­tig zu sei­ner Über­win­dung noch sein; nur darf er nicht fix sein.

    Damit leug­net er selbst­ver­ständ­lich, dass es einen festen Wahr­heits­be­griff geben kön­ne. Für ihn wird es nie Hand­lun­gen geben, die immer und über­all in sich schlecht sind. Er wird immer noch Tei­le des Guten im Schlech­ten fin­den, und Schlech­tes im Guten.

    Die Bewah­rer des Glau­bens sind für ihn in ihrem Aus­schließ­lich­keits­den­ken die Fein­de des hei­li­gen Gei­stes. Ber­go­glio denkt immer in Ent­wick­lun­gen („Pro­zes­sen“), die er aber unwis­sent­lich und mög­li­cher­wei­se ver­blen­det für den Teu­fel und die Ver­damm­nis der See­len erst frei­schal­tet, wenn, ja ‚wenn‘ es den Teu­fel und die Höl­le am Ende doch gibt, und ganz anders wie sie sich Ber­go­glio in Gott selbst gedacht hat.

  2. Das alles ist doch nur noch rei­ner Wahn­sinn! Deutsch­land. Die­ses Land löst sich doch gera­de auf. Der Selbst­hass der Deut­schen geht ein­her mit dem kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­ren Bil­der­sturm chi­ne­si­schen Aus­ma­ßes. Nichts darf sein wie vor­her. Nichts, was Tra­di­ti­on bedeu­tet, darf über­le­ben. Auch nicht in der Kir­che. Damals hat Paul VI. — des­sen Rol­le ich per­sön­lich wider­sprüch­lich fin­de, auf sein Gewis­sen gehört, und der Abschaf­fung des Zöli­bats eine Absa­ge erteilt. Der jesui­ti­sche Papst, in Den­ken und Han­deln schon voll­ends ver­welt­licht, wird letzt­lich prag­ma­tisch han­deln, und sich der Frak­ti­on mit dem Geld und der Rücken­deckung durch die „Mehr­heit“ beu­gen. Ich sehe schwarz. Wenn das kom­men soll­te, und das wird es, steht jeder Katho­lik vor der Wahl. Es gibt dann kein „viel­leicht“ mehr. Der Ver­such, die Brü­che des Kon­zils mit der Tra­di­ti­on in Ein­klang zu brin­gen, ist geschei­tert! Die Lin­ke macht nicht auf hal­bem Wege einen Rück­zie­her — sie will die gan­ze Agen­da durch­set­zen, und danach tota­li­tär jeg­li­chen Wider­stand im Keim ersticken. Wir haben doch alles, was wir brau­chen. Wir haben das Evan­ge­li­um, die Tra­di­ti­on, und die Zusa­ge des Herrn, dass die Kir­che nicht unter­ge­hen wird. Das Schis­ma wird kom­men, und ich weiss, auf wel­cher Sei­te ich zu ste­hen habe. Gott wird schon dafür sor­gen, dass uns Bischö­fe und Prie­ster blei­ben, die recht­gläu­big sind!

  3. Ich bin Niederländerin.Ja es war schreck­lich hier. Aber eigent­lich seit Papst Bene­dikt haben wir wie­der etwas mehr Glau­bens­treue Priester.Die den Zöli­bat auch hal­ten.

  4. Ob man die­se Häre­ti­ker nicht bei der Rota anzei­gen kann? Ich Fra­ge mich ob ich das als ein­fa­cher Katho­lik tun kann? Kann mir da jemand hel­fen? Denn ich bin ab sofort bereit für mei­nen Glau­ben zu kämp­fen…! Ich hof­fe auf vie­le Mit­strei­ter. Herz­li­ches Ver­gelts Gott dafür.

    • Ja @Moselmann, ich wäre ger­ne bereit mit­zu­ma­chen, nur das wie ist wohl ein biss­chen schwie­ri­ger, nur ein guter Kir­chen­recht­ler könn­te da wei­ter­hel­fen.

    • An „Mosel­mann“ und Sanc­ta“:
      Sie kön­nen ger­ne die Häre­ti­ker bei der Rota anzei­gen (egal mit wel­cher Rücken­deckung).
      Sie kön­nen es aber auch blei­ben­las­sen — es käme dann genau das glei­che dabei her­aus.
      Sie glau­ben mir nicht ?
      Also, ein­fach aus­pro­bie­ren !
      Ich zie­he die Kon­se­quen­zen ander­wei­tig.
      Spä­te­stens ab dem Jah­res­en­de bekommt die deut­sche Kir­che kei­nen Cent mehr von mir.
      Ich bin dann frei und kann wäh­len wel­che glau­bens­treue Ver­ei­ni­gung das Geld (wel­ches von der Höhe her der gespar­ten Kir­chen­steu­er ent­spricht) von mir dann bekommt.
      Ger­ne las­se ich mich dann von irgend­wel­chen Häre­ti­kern exkom­mu­ni­zie­ren. Die­se machen sich damit nur lächer­lich.

      Als Reak­ti­on wer­de ich denen einen Brief schrei­ben (kon­kret in mei­nem Fal­le an das Bis­tum Rot­ten­burg-Stutt­gart).
      In etwa so:

      Moder­ner Ablass­han­del!

      Sehr geehr­te Damen und Her­ren,
      durch mei­ne Nicht­zah­lung der Kir­chen­steu­er (durch Aus­tritt) soll ich nun exkom­mu­ni­ziert wer­den.
      (Das deut­sche und öster­rei­chi­sche Kir­chen­steu­er­sy­stem (von den Nazis ein­ge­führt) ist welt­weit in die­ser Form ein­zig­ar­tig und wie­der­spricht sowie­so derm Grund­satz „Gott zwingt nie­man­den“)
      Wür­de ich dage­gen zen­tra­le Glau­bens­wahr­hei­ten (Bsp.: die hei­li­ge Drei­fal­tig­keit, die Mensch­wer­dung Got­tes und dergl.) öffent­lich leug­nen, so geschä­he mir nichts.
      Sie stel­len die Din­ge voll­kom­men auf den Kopf. Das glei­che tut übri­gens auch der Teu­fel.
      Glau­ben Sie über­haupt noch, dass es ihn gibt ?
      Mit freund­li­chen Grü­ßen

      So in etwa wür­de mein Brief an das Bis­tum aus­se­hen.

      Im wesent­li­chen sieht es ein­fach so aus, dass die­se häre­ti­sche deut­sche Kir­che nicht mehr mein Geld bekom­men soll.
      Das mit der Rota, .…. nein, ich mag den Bock (den Gehörn­ten — er sitzt sicher auch da) nicht zum Gärt­ner machen.

    • Die Fra­ge habe ich mir auch schon gestellt, mehr­fach, und dann das Gespräch mit einem Juri­sten bei­der Rech­te gesucht. Es war aber des­il­lu­sio­nie­rend. Die Kir­che kennt kei­ne Stel­le, an die man sich wirk­lich wen­den kann. Es gibt kei­ne wirk­li­che Zustän­dig­keit oder gar eine Ver­fol­gungs­pflicht. Da ist der zustän­di­ge Bischof und der Nun­ti­us z.B. In der Regel bekommt man vom Bischof nicht ein­mal eine Ein­gangs­be­stä­ti­gung. Vom Nun­ti­us viel­leicht. Das war’s. Es gibt kei­nen nor­mier­ten Rechts­weg gegen Ver­ge­hen oder Ver­bre­chen (heu­te viel­leicht gegen sexu­el­len Miss­brauch schon, aber nicht wegen Häre­sie). Alles ist Inter­pre­ta­ti­ons­sa­che. Eine Gum­mi­wand. Lei­der.

      • Was habe ich gesagt ?
        Ein­ga­ben machen und sich beschwe­ren sind der fal­sche Weg.
        Es ist so gewollt.
        Die Sachen abha­ken die­ser häre­ti­schen Kir­che den Rücken keh­ren
        und die frei­ge­wor­de­nen Mit­tel glau­bens­treu­en Ver­ei­ni­gun­gen zukom­men las­sen.

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