Papst sagt Nein zu Maria Corredemptrix

Kein fünftes Mariendogma

Papstmesse zum Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe am 12. Dezember im Petersdom – mit einer Absage...
Papstmesse zum Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe am 12. Dezember im Petersdom – mit einer Absage...

(Rom) Nicht weni­ge Gläu­bi­ge, auch Kar­di­nä­le und Bischö­fe wer­den es als „Wat­sche“ emp­fin­den, um es baye­risch zu sagen, was Papst Fran­zis­kus ver­ab­reich­te. Das Kir­chen­ober­haupt stell­te klar, daß die Ver­kün­di­gung eines Dog­mas, daß Maria Cor­redemp­t­rix, also „Mit­erlö­se­rin“ sie, für ihn nicht in Fra­ge kom­me. Es wäre das fünf­te Mari­en­dog­ma.

Am 12. Dezem­ber wur­de das Fest Unse­rer Lie­ben Frau von Gua­da­lu­pe gefei­ert. Gua­da­lu­pe ist der größ­te Wall­fahrts­ort Mexi­kos und ganz Mit­tel­ame­ri­kas. Anläß­lich der Zele­bra­ti­on im Peters­dom hielt Papst Fran­zis­kus eine impro­vi­sier­te Pre­digt auf spa­nisch. Sie war nur sehr kurz, aber aus­rei­chend deut­lich, um sei­ne Ableh­nung eines neu­en Mari­en­dog­mas klar­zu­ma­chen.

Zunächst sag­te Fran­zis­kus:

„Der hei­li­ge Bern­hard sag­te uns, wenn wir über Maria spre­chen, ist das Lob nie genug, die Lobes-Titel, aber sie haben über­haupt nie die beschei­de­ne Jün­ger­schaft von Maria berührt. Jün­ge­rin.
Treu ihrem Mei­ster, der ihr Sohn ist, der ein­zi­ge Erlö­ser, woll­te sie nie­mals etwas von ihrem Sohn weg­neh­men. Nie­mals stell­te sie sich als Mit­erlö­se­rin vor. Nein, Jün­ge­rin.“

Dann sag­te er:

„Wenn sie uns mit Geschich­ten kom­men, daß wir das zu ver­kün­di­gen haben, die­ses Dog­ma oder jenes: Ver­lie­ren wir uns nicht in Unsin­nig­kei­ten. Maria ist eine Frau, sie ist Unse­re Lie­be Frau, Maria ist die Mut­ter ihres Soh­nes und der hei­li­gen, hier­ar­chi­schen Mut­ter Kir­che und Maria ist Mesti­zin, die Frau unse­rer Völ­ker, aber nicht mit Gott zu ver­wech­seln.“

Seit min­de­stens drei Pon­ti­fi­ka­ten bemü­hen sich Grup­pen von Gläu­bi­gen inten­siv um die Ver­kün­di­gung eines fünf­ten Mari­en­dog­mas, das Maria als Cor­redemp­t­rix, Media­trix und Advo­ca­ta defi­niert. Die Titel einer Media­trix, „Mitt­le­rin“ und einer Advo­ca­ta, „Für­spre­che­rin“ fin­den sich schon im älte­sten, von der Kir­che for­mu­lier­ten Mari­en­ge­bet Sub tuum prae­si­di­um, „Unter dei­nen Schutz und Schirm“, das aus älte­ster Zeit stammt und bereits im 3. Jahr­hun­dert als all­ge­mein ver­brei­tet anzu­se­hen ist.

Als Advo­ca­ta, „Für­spre­che­rin“ wird Maria auch im Sal­ve Regi­na, „Gegrüßt seist du Köni­gin“ bezeich­net, jener hym­ni­schen, maria­ni­schen Anti­phon, die der Bene­dik­ti­ner­mönch Her­mann der Lah­me vor bald 1000 Jah­ren schuf.

Seit dem 15. Jahr­hun­dert tritt auch der Begriff Cor­redemp­t­rix auf, wenn­gleich auch ihm eine älte­re theo­lo­gi­sche Ent­wick­lung vor­aus­geht.

Der Titel einer Corredemptrix

Einer der ersten Jesui­ten und Ordens­mit­brü­der von Papst Fran­zis­kus, Chri­sto­pho­rus a Vega (Cri­sto­bal de Vega, 1510–1573) war ein gro­ßer Ver­fech­ter der Anru­fung Mari­ens als Cor­redemp­t­rix. Ent­spre­chend oft fin­det sich die­ser Titels Mari­ens in sei­nen Schrif­ten.

Das­sel­be gilt für einen ande­ren, frü­hen Jesui­ten Alfon­so Sal­me­ron (1515–1585), der als päpst­li­cher Theo­lo­ge am Kon­zil von Tri­ent teil­nahm, auch in Ingol­stadt lehr­te und schließ­lich Gene­ral­vi­kar des Jesui­ten­or­dens wur­de. Er bezeich­net Maria in sei­nen Kom­men­ta­ren zu den Evan­ge­li­en und der Apo­stel­ge­schich­te als „Mit­erlö­se­rin“.

Als eines von zahl­rei­chen Bei­spie­len kann auch der deut­sche Jesu­it Maxi­mi­li­an Rei­chen­ber­ger (1613–1676) ange­führt wer­den, der in sei­nem Buch über die Mari­en­ver­eh­rung nach der Leh­re der Kir­che und dem Zeug­nis der Väter Maria Cor­redemp­t­rix nennt.

Maria, Dei genitrix, mediatrix, advocata und auch corredemptrix?
Maria, Dei geni­trix, Media­trix, Advo­ca­ta und auch Cor­redemp­t­rix?

Das­sel­be gilt auch für ande­re Orden, dar­un­ter die Kar­me­li­ten, wie das Buch für das Mari­en­lob von P. Isi­dor von St. Ägi­di­us, Pri­or des Kar­mels von Ant­wer­pen, aus dem Jahr 1685 zeigt.

Als Papst Pius IX. 1849 alle Orts­bi­schö­fe um ihre Stel­lung­nah­me zu sei­ner Absicht ersuch­te, ein drit­tes Mari­en­dog­ma, das der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis, zu pro­kla­mie­ren, reagier­te bei­spiels­wei­se der Bischof von Alme­ria, Msgr. Ana­cle­to Meo­ro Sán­chez, sehr posi­tiv und bezeich­ne­te Maria in sei­ner Stel­lung­nah­me als „Mit­erlö­se­rin“.

1859 ver­öf­fent­lich­te der spa­ni­sche Mis­si­ons­prie­ster Joseph Esco­la mit Appro­bie­rung und Druck­erlaub­nis der Riten­kon­gre­ga­ti­on (heu­te Kongre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung) und der Schirm­herr­schaft des hei­li­gen Anton Maria Cla­ret, Grün­der des Cla­re­ti­ner­or­dens und damals Erz­bi­schof von Sant­ia­go de Cuba, sowie wei­te­ren drei Erz­bi­schö­fen und acht Bischö­fen ein Bre­vi­a­ri­um Maria­num für das täg­li­che Mari­en­lob. Auch dar­in wird Maria, in der Kar­wo­che, als Vir­go mun­di cor­redemp­t­rix bezeich­net.

Der Umschwung

Die Angrif­fe gegen die Kir­che wegen der Ver­kün­di­gung des Dog­mas von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis im Jahr 1854 und beson­ders des vier­ten Mari­en­dog­mas von der leib­li­chen Auf­nah­me Mari­ens in den Him­mel von 1950 ver­schreck­ten Tei­le der Kir­che. Im Zuge der öku­me­ni­schen Bemü­hun­gen wur­de zudem die Mari­en­ver­eh­rung als Bela­stung gese­hen. Neue Mari­en­dog­men gel­ten daher in Tei­len der Orts­kir­chen, deren Völ­ker kon­fes­sio­nell gespal­ten sind, als ent­behr­lich, nicht wün­schens­wert, oder gar als inak­zep­ta­bel.

Karl Rah­ner zum Bei­spiel, eben­falls Jesu­it, lehn­te den Begriff der „Mit­erlö­se­rin“ ab „um die Unver­tret­bar­keit des einen Opfers Chri­sti am Kreuz nicht zu gefähr­den“, wie der Fun­da­men­tal­theo­lo­ge Mat­thi­as Reme­nyi in sei­nem Buch „Auf­er­ste­hung den­ken“ for­mu­liert.

Der Wunsch im Kle­rus und im gläu­bi­gen Volk, Maria zu ehren, kam des­halb aber nicht zum Erlie­gen.

Beim Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil spra­chen sich an die 500 Kon­zils­vä­ter dafür aus, Maria als Media­trix, „Mitt­le­rin“ zu defi­nie­ren, und immer­hin an die 50 auch als Cor­redemp­t­rix. Aus den genann­ten Grün­den, und wohl auch, weil das Kon­zil einen pasto­ra­len und kei­nen dog­ma­ti­schen Anspruch erhob, wur­de weder ein Dog­ma ver­kün­det noch Maria als „Mit­erlö­se­rin“ bezeich­net. Als Advo­ca­ta und Media­trix wird sie hin­ge­gen in der Dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um (Nr. 62) ange­spro­chen mit dem erklä­ren­den Zusatz: „Das aber ist so zu ver­ste­hen, daß es der Wür­de und Wirk­sam­keit Chri­sti, des ein­zi­gen Mitt­lers, nichts abträgt und nichts hin­zu­fügt“.

Bittschriften von Gläubigen

Wäh­rend in theo­lo­gi­schen Krei­sen nach dem Pon­ti­fi­kat von Pius XII. zuneh­mend Abstand von Mari­en­dog­men und Dog­men ins­ge­samt genom­men wur­de, erhiel­ten die Bestre­bun­gen der Gläu­bi­gen just zur sel­ben Zeit einen star­ken Impuls für die Bemü­hun­gen, Maria als Cor­redemp­t­rix aus­zu­ru­fen, durch die Pri­va­tof­fen­ba­run­gen der Nie­der­län­de­rin Ida Peer­de­man. Die Got­tes­mut­ter Maria, die ihr von 1945–1959 erschie­nen sei, habe ihr ange­kün­digt, daß eines Tages das Mari­en­dog­ma der „gro­ßen Mit­erlö­se­rin, Mitt­le­rin aller Gna­den und für­bit­ten­den All­macht an Got­tes Thron vor den Augen aller Völ­ker“ ver­kün­det wer­de. Die Urtei­le der Kir­che über das Phä­no­men schei­nen mit ihren Sprün­gen und Brü­chen die Geschich­te der Kir­che in die­ser Zeit wider­zu­spie­geln. 1957 erklär­te der Orts­bi­schof von Haar­lem-Amster­dam: „Es steht nicht fest, daß es sich um Über­na­tür­li­ches han­delt“ (non cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te). Die römi­sche Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on wur­de 1974 deut­li­cher mit ihrer Fest­stel­lung: „Es steht fest, daß es sich nicht um Über­na­tür­li­ches han­delt“ (cons­tat de non super­na­tu­ra­li­ta­te). 2002 ver­an­laß­ten „neue Erkennt­nis­se“ den dama­li­gen Orts­bi­schof von Haar­lem-Amster­dam jedoch die Mari­en­er­schei­nun­gen anzu­er­ken­nen mit der Fest­stel­lung: „Es steht fest, daß es sich um Über­na­tür­li­ches han­delt“ (cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te). Die­se letz­te Ent­schei­dung ist der aktu­el­le Stand, wes­halb die Erschei­nun­gen kirch­lich aner­kannt sind.

ULF von Guadalupe: Papst Franziskus am 12. Dezember 2019 im Petersdom
U.L.F. von Gua­da­lu­pe: Papst Fran­zis­kus am 12. Dezem­ber 2019 im Peters­dom

Tat­sa­che ist, und das irgend­wann auch unab­hän­gig von den Pri­va­tof­fen­ba­run­gen und Ida Peer­de­man, die 1996 hoch­be­tagt ver­stor­ben ist, daß sich die Gebets­ak­ti­on „Frau aller Völ­ker“ inter­na­tio­nal aus­brei­te­te und die Ver­kün­di­gung eines fünf­ten Mari­en­dog­mas unter­stützt.

Eine wei­te­re Bewe­gung ent­stand seit Anfang der 90er Jah­re rund um den US-ame­ri­ka­ni­schen Mario­lo­gen Mark Mira­val­le, Pro­fes­sor an der Fran­zi­saner­uni­ver­si­tät Steu­ben­vil­le, die eine Nie­der­las­sung auch in Öster­reich hat. Mit sei­ner Frau rei­ste Mira­val­le bereits 1984, als 25-Jäh­ri­ger nach Med­jug­or­je, um das dor­ti­ge Phä­no­men angeb­li­cher Mari­en­er­schei­nun­gen zu unter­su­chen, die 1981 in dem her­ze­go­wi­ni­schen Dorf begon­nen hat­ten. Dar­aus wur­de dann sei­ne Dok­tor­ar­beit. Er ist Grün­der und Vor­sit­zen­der der maria­ni­schen Bewe­gung Vox Popu­li Mariae Media­tri­ci. Sie will die Mari­en­ver­eh­rung för­dern und setzt sich für die Pro­kla­mie­rung des Dog­mas von Maria als Media­trix und Cor­redemp­t­rix ein.

Seit 1993 star­te­te Mira­val­le meh­re­re Peti­tio­nen für die­ses Anlie­gen und sam­mel­te mit sei­ner Bewe­gung Unter­schrif­ten in der gan­zen Welt unter Bischö­fen und Gläu­bi­gen.

Die ver­schie­de­nen Bitt­schrif­ten an den Hei­li­gen Stuhl, die von genann­ter oder ande­rer Sei­te vor­ge­bracht wur­den, fan­den bis­her bei drei Päp­sten, Johan­nes Paul II., Bene­dikt XVI. und Fran­zis­kus, kein Gehör. Wäh­rend sich die bei­den Erst­ge­nann­ten offi­zi­ell nicht dazu äußer­ten, sen­det der regie­ren­den Papst erkenn­bar nega­ti­ve Signa­le aus.

Tat­sa­che ist, daß Johan­nes Paul II. die­se Titu­lie­rung Mari­ens nie gebrauch­te und Bene­dikt XVI. im Gesprächs­buch „Gott und die Welt“ von Peter See­wald Skep­sis wegen der „Miß­ver­ständ­lich­keit“ des Begriffs „Mit­erlö­se­rin“ anklin­gen ließ.

Namensänderung eines Ordens

Die­se Ableh­nung zeig­te sich 2017, wenn auch selbst in der katho­li­schen Welt kaum beach­tet. Auf „Emp­feh­lung“ der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker (ex Pro­pa­gan­da Fide) muß­te der in Viet­nam gegrün­de­te Män­ner­or­den Con­gre­ga­tio Matris Cor­redemp­t­ri­cis (Con­gre­ga­ti­on of the Mother Coredemp­t­rix) sei­nen Namen in Con­gre­ga­tio Redemp­to­ris Matris (Con­gre­ga­ti­on of the Mother of the Redeemer) abän­dern. Der Vati­kan begrün­de­te den Schritt mit der „theo­lo­gi­schen Mehr­deu­tig­keit“ des Titels Cor­redemp­t­rix.

Bittschrift vom Sommer 2019
Bitt­schrift vom Som­mer 2019

Dabei war der Orden 1941 gegrün­det wor­den und exi­stier­te zum Zeit­punkt der Namens­än­de­rung bereits 78 Jah­re. Gegrün­det wur­de er vom viet­na­me­si­schen Prie­ster Domi­nic Maria Tran Dình Thu im Bis­tum Bui Chu weni­ge Jah­re vor Aus­bruch der kom­mu­ni­sti­schen Revo­lu­ti­on. 1953 kano­nisch errich­tet, über­sie­del­te der Orden nach der Tei­lung Viet­nams, die 1954 auf den Indo­chi­na­krieg folg­te, aus dem kom­mu­ni­sti­schen Nor­den nach Süd­viet­nam. Als nach dem Viet­nam­krieg auch dort die Kom­mu­ni­sten die Macht über­nah­men, wur­de der Ordens­grün­der 1975 mit 52 Gefähr­ten ver­haf­tet. 1987 wur­de er wegen „sub­ver­si­ver Tätig­keit“ erneut ein­ge­sperrt und zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Das Urteil wur­de spä­ter auf 20 Jah­re her­ab­ge­setzt. 1993 erfolg­te sei­ne vor­zei­ti­ge Frei­las­sung ohne Nen­nung von Grün­den, wahr­schein­lich nach Inter­ven­ti­on aus­län­di­scher Diplo­ma­ten. Bis auf einen Schlaf­stät­te für Semi­na­ri­sten hat­te das Regime dem Orden alles genom­men. Heu­te zählt er 700 Mit­glie­der, zum größ­ten Teil in Viet­nam. Dort sind es 360 Prie­ster und 170 Brü­der, aber auch an die 500 Semi­na­ri­sten. In Viet­nam kön­nen die Klö­ster, Semi­na­re und Orden nicht alle Kan­di­da­ten auf­neh­men und unter­brin­gen, so groß ist der Andrang. Seit den 50er Jah­ren ist der Orden auch in den USA prä­sent.

Im ver­gan­ge­nen Som­mer erklär­te der Ser­vi­ten­pa­ter Sal­va­to­re Maria Per­rel­la, Dog­ma­ti­ker und Mario­lo­ge, daß die Kir­che „das Dog­ma der Cor­redemp­t­rix, Media­trix oder Advo­ca­ta nicht befür­wor­tet“. Er wider­sprach Behaup­tun­gen, Johan­nes Paul II. habe beab­sich­tigt, die­ses Dog­ma zu pro­kla­mie­ren.

Der jüng­ste Vor­stoß, von Papst Fran­zis­kus die Pro­kla­ma­ti­on eines fünf­ten Mari­en­dog­mas zu erbit­ten, erfolg­te am 22. August 2019 mit einer Peti­ti­on, deren Erst­un­ter­zeich­ner zwei Kar­di­nä­le und vier Bischö­fe aus ver­schie­de­nen Erd­tei­len stam­men. Es han­delt sich um Kar­di­nal Juan San­do­val aus Mexi­ko (Mit­tel­ame­ri­ka), Kar­di­nal Teles­fo­ro Top­po aus Indi­en (Asi­en), Erz­bi­schof Felix Job aus Nige­ria (Afri­ka), Bischof John Keen­an aus Schott­land (Euro­pa), Nischof David Ricken aus den USA (Nord­ame­ri­ka) und Bischof Anto­nio Baseot­to aus Argen­ti­ni­en (Süd­ame­ri­ka).

Die Peti­ti­on wur­de von wei­te­ren hohen Wür­den­trä­gern, zahl­rei­chen Ordens­leu­ten und vor allem Gläu­bi­gen unter­schrie­ben.

Am 12. Dezem­ber erfolg­te die Reak­ti­on von Papst Fran­zis­kus – ein deut­li­ches Nein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: vatican.va (Screen­shots)

22 Kommentare

  1. Vor vie­len Jah­ren habe ich mit eige­nen Augen in einem alten katho­li­schen Dog­ma­tik-Buch aus den 1920er Jah­ren den Satz gele­sen:
    „Maria ist Mit­erlö­se­rin, inso­fern sie uns den gött­li­chen Erlö­ser gebo­ren hat.“
    Dahin­ter stand in Klam­mern: „de fide“.
    Also ist die­ser Titel doch schon dog­ma­tisch fest­ge­stellt wor­den oder etwa nicht?

    Wer weiß hier­zu mehr?

  2. Für die Ver­wei­ge­rung eines Dog­mas, mit dem Maria zur „Mit­erlö­se­rin“ erklärt und erho­ben wür­de, habe ich Ver­ständ­nis. Gar nicht gefällt mir aller­dings, dass Fran­zis­kus Maria als „Mesti­zin“ bezeich­net.

    • Es steht in ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen geschrie­ben, dass Maria auf dem Gna­den­bild von Gua­da­lu­pe / Mexi­co, die Gesichts­zü­ge einer Mesti­zin hat. Des Pap­stes Bezeich­nung Mari­ens als einer sol­chen hat viel­leicht auch dar­in sei­nen Ursprung, hat er die­sen doch bei der Fei­er der Got­tes­mut­ter von Gua­da­lu­pe getä­tigt. Die Sta­tue der kirch­lich aner­kann­ten Erschei­nun­gen von Kibe­ho / Ruan­da trägt auch dunk­le Gesichts­zü­ge.

  3. Hier gebe ich dem amtie­ren­den Papst unbe­dingt recht:

    Es gibt kei­ne Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens — ein­zi­ger Erlö­ser ist und bleibt ein­zig und allein der Herr Jesus Chri­stus, der Sohn Got­tes!

    Aus­führ­lich habe ich dies­be­züg­lich das bereits frü­her hier im Forum begrün­det; z.T. gegen erbit­ter­te Wider­stän­de ein­zel­ner Kom­men­ta­to­ren.
    Für den inter­es­sier­ten Leser alles leicht nach­zu­le­sen unter fol­gen­dem Arti­kel:

    https://katholisches.info/2017/02/01/die-miterloeserschaft-mariens-ein-paradigma-fuer-jeden-christen/

    Ich erspa­re es mir daher, mei­ne damals vor­ge­brach­ten Argu­men­te erneut vor­zu­brin­gen und kann eigent­lich nur hof­fen, dass die­ses The­ma end­lich ein­mal abge­schlos­sen ist.

  4. Sicher ist aller­dings, dass Pach­a­ma­ma nicht Mit­erlö­se­rin ist.…das wäre künf­ti­gen Dis­kus­sio­nen schon mal vor­aus­zu­schicken.

  5. Ich bin Befür­wor­ter des fünf­ten Mari­en­dog­mas:
    Cor­redemp­t­rix, Media­trix, Advo­ca­ta !

  6. Ja mei, wenn man die Wun­der­tä­ti­ge Medail­le nicht anschaut, bleibt man unbe­lehrt. Die Rück­sei­te zeigt ein­deu­tig, daß das Kreuz nicht auf dem Boden steht, son­dern auf einem Bal­ken, der quer durch das M geht. Für mich ist dies das Zei­chen, daß ohne Maria die Erlö­sung so nicht mög­lich war.

  7. Jeder kann ver­eh­ren wen er/sie will ‚zu jeder Zeit und so oft jeder will ‚dazu braucht man weder den Papst noch irgend­ei­nen Wür­den trä­ger zu fra­gen.

  8. Ist Maria auch die Cor­redemp­t­rix? Eine Fra­ge an der sich nicht nur die Gei­ster der Katho­li­ken schei­den. Die Argu­men­te sowohl dafür als auch dage­gen sind dem obi­ge Arti­kel ein­ge­hend beleuch­tet wor­den, sodass jeder sei­ne eige­ne Mei­nung dazu hat. Mei­ne Mei­nung ist, dass sie die Cor­re­dem­trix ist, dass dies aber erst in den letz­ten Tagen ver­kün­det wird. Die Anfor­de­rung einer Cor­re­dem­trix erfüllt zu haben, ist die höch­ste Aus­zeich­nung, wel­che der Mut­ter Chri­sti und unse­rer Mut­ter zu Teil wer­den kann. Die­se Aus­zeich­nung wird der Schlan­ge den Kopf zer­tre­ten und den Sitz der Hybris der Schlan­ge zer­stö­ren. Sie wird der Schlang am letz­ten Tage doku­men­tie­ren, dass die Mut­ter der Men­schen, Maria, die Anfor­de­run­gen Got­tes in vol­lem Umfang erfüllt hat, wel­che Luzi­fer zu erfül­len nicht bereit war. Vor die­sem Hin­ter­grund bin ich von der Cor­re­dem­trix, Vir­go Maria, über­zeugt.

  9. Dan­ke für die­sen Arti­kel. Ich dach­te bis­her, die „Mit­erlö­se­rin“ gehe erst auf die Pri­va­tof­fen­ba­run­gen in Hol­land zurück. In Wirk­lich­keit ist das viel, viel älter.

    Fran­zis­kus sagt Nein und wirft irgend­ein Argu­ment hin, das nicht Hand und nicht Fuß hat. So soll­te ein Papst nicht vor­ge­hen. Die­ses Niveau ist eines Pap­stes nicht wür­dig. Dann müss­te man auch sagen: Die Got­tes­mut­ter hat auch nie von sich gesagt, die Got­tes­ge­bä­re­rin zu sein. Der von Fran­zis­kus behaup­te­te Maß­stab lie­ße sich gegen alles anwen­den.

    Die Vor­be­hal­te die Bene­dikt XVI. hat­te, sind ja nicht ganz von der Hand zu wei­ßen, aber dazu ist die Theo­lo­gie ja da, um nach mög­lich­ster Klar­heit zu rin­gen. Die Gefahr von Miss­ver­ständ­nis­sen soll­te kein Grund sein, das Hand­tuch zu wer­fen.

    Der Grund für die Zurück­hal­tung ist eben viel­leicht doch eher, dass kein Papst seit Beginn des Kon­zils-Rum­mels mehr wagt, for­mal ex cathe­dra zu spre­chen, weil der Begriff der Unfehl­bar­keit der Welt ein Ärger­nis ist. Oder sagen wir, wie es ist: Er ist auch vie­len, wahr­schein­lich zu vie­len in der Kir­che ein Ärger­nis.

    Und noch eins: Zu vie­le Theo­lo­gen sit­zen zwar ver­be­am­tet auf gut­do­tier­ten Lehr­stüh­len, lei­sten aber mehr Wider­stand gegen die Kir­che, als ihr zu die­nen. Es fehlt, das will ich sagen, wohl auch dar­an, dass die Theo­lo­gie zu wenig mit der Kir­che fühlt und sich zu wenig bemüht, Fra­gen wie die mög­lichst kla­re Dar­stel­lung der Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens zu klä­ren.

    Dog­ma, ex cathe­dra, Unfehl­bar­keit, Dok­trin, ein Mari­en­dog­ma noch dazu? Da ren­nen­die Berufs­ka­tho­li­ken in unse­ren Brei­ten ja als erste ent­setzt auf und davon — und unse­re Medi­en gleich hin­ter­her.

  10. Mut­ter Got­tes ist Mit­erlö­se­rin, sie hat mit Ihrem Sohn gelit­ten, die Schmer­zen im Mut­ter­herz emp­fun­den. Durch Maria zum Jesus.

  11. War­um ist Maria Cor­redemp­t­rix etwa Ket­ze­rei? Oder Häre­sie? Viel­leicht ist die Katho­li­sche Maria Cor­redemp­t­rix eine Sün­de­leh­re?! Unse­re Selig Jung­frau Maria Mut­ter Got­tes hat viel für uns, Men­schen, getan. Als Dank wird die Maria Cor­redemp­t­rix Leh­re nicht zum Dog­ma erho­ben. Das gilt auch für Hl. Josef jung­fräu­li­cher Vater Got­tes, weil der Hl. Josef genau­so viel Recht haben soll wie die Seli­ge Jung­frau Maria Mut­ter Got­tes. Hl. Josef und Hl. Maria waren gegen­über Gott Vater gehor­sam als die Men­schen. Ich fin­de es abscheu­lich und trau­rig.

    • Rich­tig! Maria ist die mensch­li­che Mut­ter des mit ihrer aus­ge­spro­che­nen Zustim­mung Mensch gewor­de­nen Got­tes­soh­nes Jesus Chri­stus.

      Nicht mehr — aber auch nicht weni­ger!

  12. Ich habe mir ein Buch zuge­legt, das die­ses The­ma behan­delt:
    Titel: Maria, Mut­ter des Prie­sters, Mit­erlö­se­rin auf Gol­go­tha

    Ganz durch­ge­le­sen habe ich es noch nicht, aber die Mit­erlö­se­rin ist dar­in gut beschrie­ben, ange­fan­gen mit ihrem Fiat bis auf Gol­go­tha.

    Aus­zü­ge:
    Denn wie der Jesu­it August Den­ef­fe erklärt, sind in einem und ein­zi­gen Opfer Chri­sti zwei Inten­tio­nen zu ver­bin­den: In der ersten Inten­ti­on hat Chri­stus die gesam­te Fül­le der Erlö­sung aus­ge­gos­sen in die seli­ge Jung­frau Maria, die Frau und neue Eva, die Braut Chri­sti, das Urbild der Kir­che; in der zwei­ten Inten­ti­on hat er dann, ver­eint mit dem Wil­len der Jung­frau, für uns die Erlö­sung erwor­ben. Daher ist es auch kein Zufall, dass Pius XII gera­de an der Stel­le, wo er von Ihrer Teil­nah­me am Erlö­sungs­op­fer spricht, die unbe­fleck­te Emp­fäng­nis erwähnt: „Sie hat frei von jeder per­sön­li­chen oder erb­li­chen Ver­schul­dung und immer mit ihrem Sohn aufs innig­ste ver­bun­den, Ihn auf Gol­go­tha zusam­men mit dem gänz­li­chen Opfer ihrer Mut­ter­rech­te und ihrer Mut­ter­lie­be dem ewi­gen Vater dar­ge­bracht als neue Eva. Und des­we­gen konn­te sie uns wirk­lich all das de con­gruo ver­die­nen, was uns Chri­stus de con­di­gno ver­dient har.

    Wir erin­nern und auch an das Fati­ma Gebet, das der Engel mit­tel­te: … auf­grund der unend­li­chen Ver­dien­ste sei­nes hei­lig­sten Her­zens und des unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens bit­te ich um die Bekeh­rung der armen Sün­der.

    Papst Pius X (1904): .. alles, was Chri­stus und de con­di­gno ver­dien­te, ver­dien­te sie de con­gruo. Das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens hat also wirk­lich Anteil am gesam­ten Erlö­sungs­ver­dienst, soweit es unse­re Erlö­sung inten­diert.

    Das Buch ist inter­es­sant und zeigt, der Titel Mit­erlö­se­rin ist kei­ne Ket­ze­rei, Sün­den­leh­re oder wei­te­res.

    Also für mich ist die sanc­ta dei geni­trix die Mit­erlö­se­rin, allei­ne schon durch ihr Wir­ken.
    Ins Kon­zil passt das wohl nicht.

    https://www.sarto.de/product_info.php?info=p17396_Maria—Mutter-des-Priesters-und-Miterloeserin.html&XTCsid=heli0fv0i5tbpg4jpahh538mu1

  13. Wel­che Objek­ti­vi­tät? Man kann nicht Pach­a­ma­ma auf eine Stu­fe mit Maria stel­len wol­len (wenn auch unaus­ge­spro­chen), also bleibt die prä­gnan­te theo­lo­gi­sche Unter­schei­dung letzt­lich in ihrer Rol­le im Heils­werk der Erlö­sung festzumachen…Ich wäre vor­sich­tig das ein­fach weg­zu­schie­ben, in Zei­ten, wo uns nur benann­te Glau­bens­wahr­hei­ten auch im Glau­ben bewah­ren kön­nen.

  14. Man beach­te doch bit­te im Lukas­evan­ge­li­um Lk11,27–28 die kor­ri­gie­ren­de Ant­wort des Herrn auf die über­schwäng­li­che Selig­prei­sung der Mut­ter­schaft Mari­ens durch eine Frau aus dem Vol­ke.

    Selig zu prei­sen sind sind dem gegen­über alle, die das Wort Got­tes hören und es befol­gen.

    Das trifft natür­lich auf Maria, sei­ne leib­li­che Mut­ter, voll und ganz und ohne Abstri­che zu.

    Aber auch auf z.B. den hl. Josef und unzäh­li­ge ande­re Befol­gen von Got­tes Wort und Wil­len.

    Erlö­ser der Men­schen ist und bleibt aber Jesus Chri­stus allein.

  15. Kei­ne Mensch hat Fleisch von sei­nem Flei­sche für die Erlö­sung der Men­schen gege­ben, ausser Maria und natür­lich der Sohn Got­tes selbst. Kei­ner kann­te ihn wie sie, nie­mand ist dem Geheim­nis der Mensch­wer­dung je so nahe gekom­men und hat eine ann­hä­hern­de Rol­le dar­in ein­ge­nom­men. Sie ist und bleibt ein­zig­ar­tig in der Mensch­heits­ge­schich­te.

    • Natür­lich trägt Jesus Chri­stus in sei­nem mensch­li­chen Erb­gut zur Hälf­te den Chro­mo­so­men­satz sei­ner mensch­li­chen Mut­ter Maria, und natür­lich ist er bis zu sei­ner Geburt in und mit Hil­fe ihres Lei­bes gewach­sen.

      Und natür­lich weiß sie, Maria, als sei­ne Mut­ter am besten und in wirk­lich voll­sten und ein­zig­ar­ti­gem Maße um die gött­li­che Her­kunft ihres Soh­nes mit Ein­wir­kung des Hl. Gei­stes.

      Bes­ser sicher­lich als jeder ande­re Mensch auf der Welt.

      Aber all die­ses, so her­aus­ra­gend und ein­zig­ar­tig wich­tig und bedeut­sam auch Mari­as Rol­le am gött­li­chen Heils­ge­sche­hen ist, bedingt nicht die Berech­ti­gung zum Füh­ren des Titels „Mit­erlö­se­rin“.

      Die Erlö­sung der Men­schen ist eine zutiefst gött­li­che Tat, die ganz eigen­stän­dig dem Wil­len des Vaters ent­springt und dem sich der Gott­mensch Jesus Chri­stus im Dia­log mit sei­nem Vater im Gar­ten Geth­se­ma­ne im Gehor­sam und im Ver­trau­en trotz sei­ner dort emp­fun­de­nen Todes­angst beugt und dann sein Erlö­sungs­werk ganz allein und eigen­stän­dig am Kreuz voll­bringt.

      Dass er da einst von Maria emp­fan­gen und gebo­ren wur­de, spielt nur inso­fern zu die­sem Zeit­punkt eine Rol­le, als dass Jesus Chri­stus bis zu sei­nem Tod am Kreuz ganz und gar ohne Sün­de — selbst ohne die Erb­sün­de — war, da sei­ne mensch­li­che Mut­ter auch bereits erb­sün­de­los gewe­sen ist.

  16. Die Erlö­sung des Men­schen war eine Koope­ra­ti­on von Gott und Mensch, das ist das Ent­schei­den­de. Gera­de im Abtrei­bungs­zeit­al­ter soll­te uns das kla­rer vor Auten tre­tenn. Und die­ses geheil­te Ver­hält­nis zwi­schen Gott und Mensch
    bil­det sich nicht aus­schliess­lich in der Gott­mensch­lich­keit Jesu Chri­sti ab, son­dern bereits im Ein­ver­neh­men
    der Maria mit dem Wil­len Got­tes, und auch dem Tra­gen der Kon­se­quen­zen, die­se sowohl hin­sicht­lich des Lei­des, des Ver­lu­stes, als auch der Erlö­sung.

  17. Vor ihrer Zustim­mung zur Emp­fäng­nis wuss­te Maria noch nichts von den auch für sie selbst leid­vol­len Kon­se­quen­zen ihres „Fiat“.

    Das erfuhr sie erst bei der Dar­stel­lung Jesu im Tem­pel durch die Pro­phe­zei­un­gen des grei­sen Sime­on.

    Nein, eine Mit­erlö­se­rin ist sie eben­so wenig, wie die Mut­ter etwa eines Nobel­preis­trä­gers eine „Mit-Nobel­preis­trä­ge­rin“ ist.

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