Homosexuelle Priester drängt es an die Öffentlichkeit

Rom - Argentinien - Niederlande

Da ihm Homosexualität wichtige war, gab Pablo Garcia nach zehn Jahren das Priestertum auf.
Da ihm Homosexualität wichtige war, gab Pablo Garcia nach zehn Jahren das Priestertum auf.

(Rom/Buenos Aires) Die Däm­me, ob insti­tu­tio­nel­le oder selbst­ge­wähl­te, wer­den an der kirch­li­chen Homo-Front immer öfter durch­bro­chen. Dem Zeit­geist fol­gend, kommt das „Outing“ schwu­ler Prie­ster in Mode. Die Homo­se­xua­li­tät ist ihnen wich­ti­ger als ihr Prie­ster­tum, in den Nie­der­lan­den wie in Argen­ti­ni­en.

Seit Papst Fran­zis­kus regiert, wur­den zahl­rei­che Signa­le in Rich­tung Homo­se­xu­el­le aus­ge­sen­det. Homo­se­xu­el­le Prie­ster regi­strie­ren die Signa­le auf­merk­sam. Die Bot­schaft: Wer sich nicht an Min­der­jäh­ri­gen ver­greift, hat nichts zu befürch­ten. So wie AIDS zum Tür­öff­ner für die gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät wur­den, so scheint der Kampf gegen die Pädo­phi­lie zum Tür­öff­ner für die kirch­li­che Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät. Daß Pädo­phi­lie ein mar­gi­na­les Pro­blem im Miß­brauchs­skan­dal durch Kle­ri­ker ist, macht das Unter­neh­men voll­ends zum Para­dox.

Die erste Tür öff­ne­te Papst Fran­zis­kus auf dem Rück­flug vom Welt­ju­gend­tag in Bue­nos Aires, Ende Juli 2013, indem er den berühmt-berüch­tigt­sten Satz sei­nes Pon­ti­fi­kats­sag­te: „Wer bin ich, um zu urtei­len?“ Zudem zeig­te Fran­zis­kus seit­her wenig Eifer bei der Ver­fol­gung sexu­el­len Fehl­ver­hal­tens.

Den mas­siv­sten Ein­griff nahm Fran­zis­kus mit dem umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia vor, ohne daß die­ser Punkt beson­ders the­ma­ti­siert wor­den wäre. Sei­ne For­mu­lie­rung, mit er wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Zulas­sung zur Kom­mu­ni­on ermög­lich­te, betrifft nicht nur die­se Grup­pe, son­dern alle irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen, zu denen auch die Homo­se­xua­li­tät gehört.

Der fran­zö­si­sche Sozio­lo­ge Fre­de­ric Mar­tel, Autor des Buches Sodo­ma und selbst homo­se­xu­ell, gehört zu jenen, die die Kir­che zur Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät drän­gen wol­len. Er wirft der Kir­che „Heu­che­lei“ vor, weil sie Homo­se­xua­li­tät ver­ur­teilt, aber von homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern durch­setzt sei.

Das von Mar­tel beklag­te Dop­pel­le­ben, das im ver­gan­ge­nen Jahr Kar­di­nal Theo­do­re McCarrick sei­ne Kar­di­nal­s­wür­de und Juan Jose Pine­da sein Amt als Weih­bi­schof von Tegu­cig­al­pa koste­te, wird Prie­stern zuneh­mend lästig. Papst Fran­zis­kus ver­mied es bis­her aber die Homo­se­xua­li­tät als Ursa­che des Fehl­ver­hal­tens zu the­ma­ti­sie­ren. Der Ein­druck, den er beför­dert, bleibt auf den Miß­brauch von Min­der­jäh­ri­gen kon­zen­triert. Die Sün­de der Homo­se­xua­li­tät scheint nicht zu exi­stie­ren, obwohl sie von der Hei­li­gen Schrift „him­mel­schrei­en­den Sün­den“ gezählt wird, die nach der Rache Got­tes zum Him­mel schrei­en.

Am 29. März wur­de erst­mals in der Kir­chen­ge­schich­te eine Dele­ga­ti­on der inter­na­tio­na­len Homo-Lob­by vom Kar­di­nal­staats­se­kre­tär im Vati­kan als Gesprächs­part­ner emp­fan­gen wor­den.

Kurz vor der Fami­li­en­syn­ode 2015 gab der im Vati­kan beschäf­tig­te, pol­ni­sche Prie­ster Krzy­sz­tof Olaf Cha­ram­sa sein Prie­ster­tum auf. Die prak­ti­zier­te Homo­se­xua­li­tät war ihm wich­ti­ger als sein Prie­ster­tum.

Am ver­gan­ge­nen 31. März ver­kün­de­te der nie­der­län­di­sche Prie­ster Pierre Val­ke­ring in der Sonn­tags­mes­se nicht die Fro­he Bot­schaft, son­dern sei­ne Homo­se­xua­li­tät. Val­ke­ring sprach von der Kir­che als „gro­ßem rosa Ele­fan­ten“, einer fik­ti­ven Chif­fre, mit der Homo-Krei­se ihr Milieu beschrei­ben.

Der Rest sei­ner Aus­füh­run­gen war die gewohn­te Stra­te­gie der Homo­se­xu­el­len, sich selbst als „Opfer“ von „sexu­el­ler Repres­si­on“ dar­zu­stel­len. Dazu ver­brei­te­te er die unre­flek­tier­te „Love is Love“-These kir­chen­fer­ner Krei­se. Das Bis­tum Haar­lem sus­pen­dier­te den 57-jäh­ri­gen Val­ke­ring als Pfar­rer der Frie­dens­kir­che von Amster­dam. Sei­ne Homo­se­xua­li­tät dürf­te aber schon zuvor bekannt gewe­sen sein, denn 2016 woll­te er mit einem „Boot der Welt­re­li­gi­on“ an der euro­päi­schen Gay Pri­de in Amster­dam teil­neh­men (sie­he auch EU-Kom­mis­si­on erst­mals bei Euro Pri­de).

Am 5. April sen­de­te der argen­ti­ni­sche Fern­seh­sen­der Canal 13 in der Sen­dung Teleno­che ein Inter­view mit dem 42 Jah­re alten Pablo Gar­cia. Gar­cia berich­te­te, wie er sein Prie­ster­tum für die Homo­se­xua­li­tät auf­gab. Die Schlag­zei­le:

„Ich hat­te Sex im Vati­kan.“

Pablo Gar­cia ist ein Lands­mann von Papst Fran­zis­kus. „Mei­ne Tan­ten sind sehr katho­lisch. Sie waren es, die mich auf den Weg der kirch­li­chen Kar­rie­re brach­ten.“

Homo­se­xu­ell kor­rum­piert wur­de er laut eige­ner Schil­de­rung im Prie­ster­se­mi­nar.

„Im zwei­ten Jahr kam ein Semi­na­rist aus Kolum­bi­en und in die­ser Woche ist es gesche­hen. Ich fühl­te mich sehr schlecht, weil ich wuß­te, daß das nicht mit dem über­ein­stimm­te, was von einem Prie­ster ver­langt wird.“

Spä­ter habe er Angst gehabt, dem zum Prie­ster geweih­ten Kolum­bia­ner erneut zu begeg­nen, aus Sor­ge, was dann pas­sie­ren könn­te. Es kam dann tat­säch­lich zu einer Begeg­nung, und zwar in Rom, nur weni­ge Meter vom Vati­kan ent­fernt.

„Wir hat­ten eine sexu­el­le Bezie­hung. Das Haus lag in der Nähe des Vati­kans, wir waren Nach­barn des Pap­stes.“

In der Kir­che wer­de „nicht über Sexua­li­tät gespro­chen, schon gar nicht über sexu­el­le Bezie­hun­gen zwi­schen Män­nern“. Es habe zahl­rei­che Bezie­hun­gen zu ande­ren Män­nern gege­ben. Der Kolum­bia­ner habe Homo-Chats fre­quen­tiert, „um mög­lichst vie­le Adep­ten“ anzu­zie­hen.

Auch Gar­cia beklagt, unter dem kirch­li­chen Zöli­bat und der „Homo­pho­bie“ der Kir­che gelit­ten zu haben. Nach­dem er zehn Jah­re als Prie­ster gewirkt hat­te, ent­schied er sich mit 40, eine „Homo-Ehe“ ein­zu­ge­hen. Dafür gab er das Prie­ster­tum auf und „hei­ra­te­te“ Oscar, einen ande­ren Argen­ti­ni­er, mit dem er seit zwei Jah­ren zusam­men­lebt.

Heu­te führt Pablo Gar­cia ein finan­zi­ell sor­gen­lo­ses Leben, arbei­tet als Koch in der argen­ti­ni­schen Pro­vinz „und träumt davon, ein eige­nes Restau­rant zu haben“, so Radio Mit­re von der Ver­lags­grup­pe Cla­rin.

„Das Leben führt dich auf Wege, die du dir gar nicht vor­stel­len kannst, und mich trifft es nun hier in der Vil­la Mer­ce­des zu sein mit Oscar, der mein Mann ist.“

In Wirk­lich­keit han­delt es sich wohl mehr um Ent­schei­dun­gen, die von Pablo Gar­cia getrof­fen wur­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Radio Mitre/Nos/Youtube (Screen­shots)