Warum die Sexualmoral der Kirche in ihren Grundfesten nicht zur Disposition stehen darf!

Zeugnis eines Bekehrten

Sexueller Mißbrauch

von Dr. Markus Büning*

Anlass dieses Zeugnisses ist die nun immer stärker auftretende Perfidie, die Sexualmoral der Kirche in ihren Grundfesten, insbesondere was die moraltheologische Einordnung homosexueller Akte als schwere Sünde anbelangt, zur Disposition stellen zu wollen. So können wir im sogenannten 7-Punkte-Papier der erst jüngst zu Ende gegangenen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) folgendes lesen: Bei der nun anstehenden Aufarbeitung des Missbrauchs dürfe es „keine Tabuthemen geben“, sagte Kardinal Reinhard Marx. Auch „Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester und nach verschiedenen Aspekten der katholischen Sexualmoral“ müssten transparent diskutiert werden. Das Forschungskonsortium um den Mannheimer Professor Harald Dreßing hatte diese Punkte als wichtige Faktoren des sexuellen Missbrauchs im Bereich der Kirche benannt. (Siehe den Bericht in der Tagespost.)

Was mit „verschiedenen Aspekten“ – wieder so eine Nebelkerze im ach so typischen Pastoralsprech unserer verworrenen Zeit – gemeint sein könnte, ist klar: Es geht ganz offenkundig um die Liberalisierung der Homosexualität in der Moraltheologie und damit einhergehend in der kirchlichen Disziplin. So heißt es in der Missbrauchsstudie der DBK zu dieser Thematik wie folgt. „Homosexualität ist kein Risikofaktor für sexuellen Missbrauch. Die Studienergebnisse machen es aber notwendig, sich damit zu beschäftigen, welche Bedeutung den spezifischen Vorstellungen der katholischen Sexualmoral zu Homosexualität im Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zukommt. Die grundsätzlich ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Weihe homosexueller Männer ist dringend zu überdenken. Von der Kirche in diesem Zusammenhang verwendete idiosynkratische Terminologien wie jene einer ‚tief verwurzelten homosexuellen Neigung‘ entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Anstelle solcher Haltungen ist eine offene und toleranzfördernde Atmosphäre zu schaffen. Erkenntnisse der modernen Sexualmedizin müssen dabei stärkere Berücksichtigung finden.“ (MHG-Studie, S. 17; Damit ist klar, wohin der DBK-Zug nun droht zu rollen, in den Abgrund.)

Im Gefolge dessen sprach Herr Odendahl dieses Unterfangen bereits ganz unverblümt unter Bezugnahme auf den Missbrauchsbericht der DBK auf dem Portal katholisch.de aus. Man glaube doch bitte nicht, dass diesem leicht durchschaubaren Unterwandern der kirchlichen Lehre bischöflicherseits ein Widerspruch erfolgte. Nein, Odendahl ist ganz offenkundig die Vorhut der Schlachtreihen, die nun den Katechismus der Katholischen Kirche, insbesondere die Nummern 2357–2359 (Keuschheit und Homosexualität), schleifen wollen. Eine mutige Laiin aus Münster war es, die dieses Schauspiel sofort durchschaute. (Vgl. Homosexualität, Missbrauch und Päderastie: Sollen aus Tätern jetzt Opfer gemacht werden.)

Als ein Mensch, der selbst Opfer eines Missbrauches geworden ist, kann ich über diese schäbige Art der Instrumentalisierung des Themas mich nur wundern, ja mehr noch: Es verletzt mich wiederum aufs Neue! Nun soll also die schwere Sünde hoffähig gemacht werden, um die Verbrechen des Missbrauches zu bekämpfen. Diese „Afterlogik“ erschließt sich mir nicht, ja ich finde das geradezu beschämend und als erneuten Akt, die betroffenen Menschen zu verletzen.

Ebenso alarmierend ist die gegenwärtige Debatte um den „Theologie“professor Wucherpfennig, der meint, im Gefolge der neuen Agenda von Papst Franziskus, die Homosexualität gänzlich anders bewerten zu müssen, wie Schrift und Tradition es bisher aus guten Gründen immer getan haben. Viele Theologen, ja sogar Bischöfe erklären diesem Theologen gegenüber ihre uneingeschränkte Solidarität. Die Dreistigkeit ihrer Argumentation ist geradezu atemberaubend. So meint eine Theologin aus Kassel, dass die ganze Schrift keinerlei Zeugnis enthalte, die die Homosexualität verurteile. (Siehe hierzu die klare Bewertung von F. Küble.)

Geradezu abenteuerlich sind die Einlassungen des Mainzer Bischofs Kohlgraf zum Thema: „Eine exegetische Anfrage“ an Aussagen des biblischen Römerbriefs zur Legitimität von Homosexualität sei dem Neutestamentler Wucherpfennig „jetzt zum Problem geworden“, so Kohlgraf. Er selbst könne nicht sagen, ob die Deutung des Jesuiten richtig sei. Doch er setze sich für Möglichkeit zur Debatte ein, da sie bei der „Reifung der Erkenntnis in der Kirche helfen“ könne. Denn wenn jede Bibelstelle „direkt wörtlich geoffenbarte unveränderliche Wahrheit wäre, müssten wir aktuell Ehebrecher, Gotteslästerer, Wahrsager, ungehorsame Söhne und Töchter und Menschen, die am Sabbat ihr Auto waschen, steinigen“. Religiöse Bildung und theologische Forschung seien notwendig, „um das Verständnis der Heiligen Schrift zu retten und sie gegebenenfalls nicht der Lächerlichkeit preiszugeben“, so Kohlgraf, der vor seiner Wahl zum Mainzer Bischof im Jahr 2017 selbst „Theologie“professor war. Diese Argumentation wird bereits dadurch Lügen gestraft, dass die Bibel das Autowaschen gar nicht im Blick hatte, weil es ja bekanntlich zu biblischen Zeiten gar keine Autos gab. All dies ist nur noch als erbärmlich zu bezeichnen. Hier wird versucht, an Stellschrauben zu drehen, die der gesamten Tradition der katholischen Moraltheologie, ja dem Naturrecht und letztlich auch den Vernunftgründen zuwider laufen.

Ich selber sehe mich vor dem Hintergrund dieser neu aufkommenden Tendenz, die Sünde gut heißen zu wollen, gezwungen, von meiner Sündengeschichte zu erzählen. Nur so kann glaubwürdig deutlich werden, wie falsch diese sündenverharmlosende Tendenz ist. Hätte ich mich auf solche Stimmen als junger Mensch verlassen, wäre mein Leben völlig vom rechten Weg abgekommen. Hier spricht auch ein Mensch, der nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist, ein großer Sünder, der der Barmherzigkeit Gottes besonders bedarf. Nein, keine Sorge: Ich habe keine Kinder oder Jugendlichen missbraucht. Nein, ich habe diesbezüglich auch keinerlei Empfindungen gehabt. Aber ich bin in meinem Leben auf dem Gebiet der Sexualmoral sehr tief gefallen und habe mich vor Gott, der Kirche und den Menschen über einen langen Zeitraum schuldig gemacht. Während meiner Zeit im Theologenkonvikt, als ich mich auf den Weg machte, Priester zu werden, habe ich homosexuelle Erfahrungen mit einigen Studienkollegen, die ebenfalls Priesteramtskandidaten waren, gemacht. Völlig verunsichert über meine sexuelle Identität bin ich in einen Strudel geraten, den ich zuvor nicht für möglich gehalten hatte. Als Schüler hatte ich Freundinnen. Ich träumte von schönen Frauen und hatte Sehnsucht nach ihnen. Aber, da war ein Problem: Ich hatte zugleich den inneren tiefen Drang, Priester werden zu wollen. Frauen musste ich mir fortan aus dem Kopf schlagen. Aber es blieb das Verlangen nach körperlicher Nähe und Zuwendung. Das konnte ich nicht verdrängen. Es war immer da.

Das Motivbündel zum Priesterwerden war breit gefächert. Es gab lautere, aber auch unlautere Motive. Nun bin ich dann diesen Weg ins Theologenkonvikt gegangen. Und dann überwältigte mich diese schlimme Sünde der ausgelebten Homosexualität. Keine Angst, ich werde hier keinen „zwangsouten“. Das ist nicht mein Stil und entspricht auch nicht der Fairness. Ich werde auch keine Prozentzahlen mutmaßen. Allerdings, soviel muss schon gesagt werden, es war kein singuläres Problem. Ich hätte spätestens nach der ersten Erfahrung die Konsequenz ziehen und den Weg zum Priestertum abbrechen müssen. Doch meine Ratgeber, Priester, Freunde und auch Eltern, denen ich mich öffnete, rieten mir, durchzuhalten. Frei nach dem Motto: „Wird schon wieder! Du bist noch jung, das kann passieren. Wirst schon da raus kommen!“ Nein, auch das war im Nachhinein ein großer Fehler. Denn in meiner Seele ist etwas passiert, was ich als schiere Deformierung meiner selbst empfand. Dann war ich ganz glücklich, als ich mich während des Studiums wieder in eine junge Frau verliebte und mit dieser dann – heimlich – eine Beziehung begann. Diese Heimlichtuerei war schrecklich. Nun war ich innerlich wie erlöst, weil ich mich wieder einer Frau öffnen konnte. Und ich wollte nun wirklich meine Kandidatenlaufbahn abbrechen. Aber nein, auch nun riet man mir: „Halte durch! Mach mit der Frau Schluss und geh weiter Deinen Weg!“ Darauf hätte ich nicht hören dürfen. Wieder ein großer Fehler von mir!

In Münster konnte und wollte ich nicht mehr weitermachen. Nach der Admissio (das ist die offizielle Annahme der Weihekandidaten durch den Bischof zum Ende des Studiums) und dem Diplom nahm ich zunächst eine Promotion in Theologie in Angriff, um Zeit zu gewinnen. Dann sah ich den einzigen Ausweg, weiter Priester werden zu können im Eintritt in einen Orden, einen strengen Orden, so dachte ich. Da wird es wohl besser sein und solche Dinge nicht mehr passieren… Auch das war natürlich nicht richtig! Aber auch diesen Fehler habe ich gemacht und versuchte es dann noch einmal neu in einem Zisterzienserkloster, welches inzwischen aufgelöst ist. Vom Regen in die Traufe! Mehr sage ich dazu nicht. Was folgte: Der Ordensaustritt als Novize, noch rechtzeitig vor den zeitlichen Gelübden. Endlich ein konsequenter und richtiger Schritt!

Was blieb? Das totale Durcheinander meiner Gefühlswelt! Hin- und hergerissen in Sachen Sexualität! Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Und nun glaube man bitte nicht, dass ich kirchlicherseits Hilfe bekam. Ich nahm mein Jurastudium auf mich und befand mich in großer seelischer Not. Meinen Eltern gegenüber konnte ich mich öffnen. Das war eine große Gnadenstunde. Ich werde ihnen nie vergessen, mit welch großer Liebe sie mir damals begegnet sind. Mein Vater war entsetzt und verärgert über meine Hilflosigkeit und die Art und Weise, wie die Kirche mich mit diesem Dilemma nun völlig allein ließ. War ja nur noch ein Abgesprungener! Er wandte sich damals telefonisch an einen unserer Familie gut bekannten Bischof, der im Rufe der Heiligkeit inzwischen längst verstorben ist. Dieser Bischof rief mich daraufhin an und vermittelte mir einen älteren Priester als Beichtvater, dem ich mich mit dieser Problematik öffnen könne. Er sagte mir, dass er mir mit seiner reichen Erfahrung sicher helfen könnte. Gesagt, getan und ich wandte mich an diesen Priester. Alles, wirklich alles habe ich ihm erzählt. Ich habe mich geöffnet, um einen Reinigungsprozess zu beginnen. Und was passierte dann? Man glaubt es kaum: Dieser alte Priester erzählte mir von der Schönheit des männlichen Körpers. Ich müsse lernen, dieses Gefühl in mir zu akzeptieren. Und dann sein Angebot: Es wäre gut, wenn wir mal zusammen schwimmen gehen würden. So eine ganzheitliche Erfahrung könne für mich nur hilfreich sein. Geht’s noch? Da war sie dann wieder. Eine neue Missbrauchserfahrung, die ich allerdings nicht beim zuständigen Ordinariat zur Anzeige gebracht habe, weil ich schon erwachsen war. Aber moralisch ist die Sache doch ein Hammer, oder nicht? Ich glaube allerdings, dass der empfehlende Bischof von diesen Lüsten des alten Priesters keine Ahnung hatte. Jedenfalls konnte ich darüber dann auch zunächst überhaupt nicht reden. Zuviel ist eben Zuviel! So ein traumatisches Erlebnis verdrängt man über Jahrzehnte, weil man sonst damit gar nicht leben kann. Wieder ein weiterer Raum in der Seele, wo „Mist“ gebunkert werden muss.

Nun hatte ich auf gut Deutsch gesagt „die Schnauze voll“ von allem, was katholisch ist. Ich konnte es in dieser Kirche nicht mehr aushalten. Um meinem Glauben nicht ganz an den Nagel hängen zu müssen, wurde ich während meiner Referendarzeit dann auch evangelisch. Es blieb aber meine innere Zerrissenheit und ich fasste in mir den Entschluss, dass ich aufgrund meiner homosexuellen Erlebnisse nicht mehr für eine Frau zumutbar bin. Ich wollte auf gar keinen Fall eine Frau „benutzen“, um mein Leben neu in den Griff zu bekommen. Das Thema Ehe und Familie war abgeschrieben. Das Thema Priestertum war abgeschrieben. Vieles in meinem Leben erschien mir sinnlos zu sein. Mein Ausweg: Ich stürzte mich in die Arbeit, die mir allerdings auch viel bedeutete.

Doch dann kam, ganz unerwartet die Wende. Ich stand schon im Beruf des Verwaltungsjuristen und machte als Protestant Tage der Einkehr im Kloster Helfta in Ostdeutschland. Und dort passierte dann das, was ich heute als Wunder von Helfta bezeichne. Ich lernte dort in der Gruppe sie kennen, meine Susanne, die seit zehn Jahren meine Ehefrau ist. Ich war recht schnell in sie verliebt. Wir gingen miteinander spazieren und unterhielten uns. Das großartige Gefühl, wieder eine Frau wirklich lieben zu können, wurde in mir immer stärker. Und nun wandte ich mich an Maria, die Mutter Jesu. In der Klosterkirche ist ein kleines Marienfenster, vor dem man sich auf Augenhöhe hinsetzen kann. Vor jeder Vesper in diesen Tagen, habe ich dann eine Stunde gesessen und Maria mein Anliegen vorgetragen: „Maria, ich bin zwar nicht mehr Mitglied der katholischen Kirche, aber ich bin doch immer noch dein Kind! Bitte hilf mir jetzt und zeige mir den Weg, wie ich dieser Frau meine Liebe eröffnen kann.“ Und dann ging alles wie von selbst. Im Mai des nächsten Jahres waren wir schon verheiratet. Vor der Eheschließung habe ich meiner Frau meine ganze Vorgeschichte offen gelegt. Das war eine schwere Stunde, aber sie war nötig. Ich hätte sonst das Jawort nicht geben können. Nach der Eröffnung meiner Geschichte lächelte sie mich nur liebevoll an und sagte: „Na und, glaubst Du etwa, dass ich Dich jetzt weniger liebe, nein ganz im Gegenteil!“ Und genau diese gegenseitige Offenheit und Ehrlichkeit ist es, welches als Fundament unsere Beziehung bis heute trägt.

Und nun das Ende der Geschichte: Durch Susanne wurde ich endlich wieder Mensch, ein ganzer Mensch. Zum ersten Mal konnte und durfte ich die menschliche Sexualität als etwas wirklich Gutes erfahren. Warum? Weil sie in der Ehe zwischen Mann und Frau, und nur dort, ganzheitlich und schöpfungsgemäß in Treue gelebt werden kann. Das ist nicht nur trockene Theologie, nein das ist zutiefst meine beglückende Lebenserfahrung, die ich offenkundig aufgrund der Hilfe Mariens machen durfte und immer noch machen darf. Und durch diese Lebenswende fand ich auch wieder den Weg zur Kirche zurück. Danke Susanne! Danke, liebe Gottesmutter!

Und was muss ich nun erleben: Bischöfe, die dem Zeitgeist verfallen sind und ganz offenkundig nicht mehr die Unterscheidung der Geister besitzen. Ihnen ruf ich zu: Bekehrt Euch! Ja, als Bekehrter ruf ich Euch dies zu: Bekehrt Euch! Lasst ab von allen schlüpfrigen Wegen, die Lehre von der gottgewollten Sexualität zu verwässern und zu verfälschen. Nutzt bloß nicht die Vertuschungsverbrechen in Euren Reihen dazu, nun eine Legitimation für die Aufweichung der Sexualmoral zu treffen. Wenn ihr das tut, seid ihr auf dem Weg des Unheils, weil ihr Gottes gute Schöpfungsordnung durch Eure zeitgeistige Verkündigung verletzt. Schon vor Jahrzehnten hat ein tapferer Bischof gegen all das seine Stimme erhoben, was Ihr heute meint, anrichten zu müssen. Ich spreche von Erzbischof Albino Luciani, der heute auf den Tag genau vor vierzig Jahren als Papst Johannes Paul I. verstarb. Er war wie ein Meteor in dunkler Nacht, der nur kurz aufleuchten durfte in der damals bereits herrschenden Finsternis unserer Kirche. Prophetisch sind die Aussagen zu Fragen des schon damals aufkommenden moralischen Relativismus, der die naturrechtliche Ordnung durch teleologische Winkelzüge zerstören will. Er sah die Dinge ganz klar. Ein beredtes Zeugnis für diese Haltung finden wir in seinen wunderbaren Briefen an berühmte Personen der Welt- und Kirchengeschichte, hier in seinem Brief an den hl. Evangelisten Lukas, in dem er die Not der Bischöfe so beschreibt:

„Gesetze und Normen werden als eine Sache betrachtet, die man als Unterdrückung und Entfremdung ablehnen muss. Man empfindet sogar Freude dabei, wenn man über die Gesetze spotten kann. Das einzige, was heute verboten ist, sagt man, sei das verbieten. […] Selbst in kirchlichen Kreisen, wo ein Gesetz nach dem anderen abgeschafft wird, wendet man in leichtfertiger und unachtsamer Weise das ‚Quantum potes tantum aude‘ (‚Gehe, soweit du kannst‘) an. Man verbreitet Meinungsumfragen, die mehr oder weniger wissenschaftlich sind und die alle mit dem gleichen Schlusssatz enden: ‚Liebe Leute, Ihr seid in der gegenwärtigen Situation unglücklich; wenn Ihr glücklich sein wollt, müsst Ihr alles ändern und die Strukturen auf den Kopf stellen. Man bringt dann auch noch die Psychologie ins Spiel, die Wissenschaft, die die menschlichen Fakten erklärt. Die Ehebrecher, die Sadisten und Homosexuellen werden von den Tiefenpsychologen fast immer entschuldigt: die Schuld liegt bei den Eltern, die ihre zarten und engelhaften Sprösslinge nicht immer so geliebt haben, wie sie hätten sollen. Eine ganze Literaturgattung scheint als Losungswort zu haben: ‚Immer auf den Vater!‘ Der Vater ist für fast alles verantwortlich. Eine andere Literaturgattung möchte alle Gesetze abschaffen. Sie verlangt die unbegrenzte Geburtenregelung, die Freigabe der Abtreibung nach dem Willen der Mutter, Scheidung wie beliebt, voreheliche Beziehungen, Homosexualität, freien Drogenmissbrauch. Es ist eine Sturmflut, eine Art Wirbelsturm, der auf uns zukommt, lieber heiliger Lukas. Was kann ein armer Bischof dagegen tun? “ (Albino Luciani, Ihr ergebener Albino Luciani. Briefe an Persönlichkeiten, 4. Aufl., München 1979, S. 199 f.)

Das sind prophetische Worte, geschrieben im Jahr 1974! Man könnte meinen, er beschreibt unsere durch Genderismus und Libertinismus verdorbene Gesellschaft, die selbst bei vielen Kirchenoberen inzwischen ansatzweise an Akzeptanz gewonnen hat. Ja, die Sturmflut ist über uns hereingebrochen, doch nur wenige wollen oder scheinen es zu merken. Ihr Bischöfe, lasst Euch doch bitte wieder anzünden von der Glut, die diesen heiligmäßigen Bischof und Papst ganz offensichtlich durchdrang. Hört auf seine Prophetie und werdet endlich wieder selber zu Propheten unserer Zeit!

Ich bin froh und dankbar, dass ich nun auch in der Lage bin, diese Geschichte meiner Schuld offen zu legen. Ich tue dies sicher nicht leichten Herzens. Aber ich kann dies auch tun, weil ich eben eines nicht bin: Erpressbar! Meine Familie weiß eben Bescheid. Und ich möchte dadurch einen jeden, der sich wegen seiner Schuld aufgegeben hat, mitgeben: Bekehrung ist immer, wirklich immer möglich! Wende Dich an Maria, die allzeit Reine! Sie wird Dir sicher helfen, Dein Leben wieder zurück in die Spur ihres Sohnes zu versetzen. Ich hoffe und bete dafür, dass die Kirche befreit wird von den vielen verdorbenen Klerikern, die nun versuchen, den Weg des Irrtums zu gehen und dadurch viele Menschen in Versuchung bringen, ihr Seelenheil aufs Spiel zu setzen.

*Markus Büning, geboren 1966 in Ahaus (Westfalen), studierte katholische Theologie und Philosophie in Münster in Westfalen und München sowie Rechtswissenschaften an den Universitäten von Konstanz und Münster; 2001 Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften, zunächst Assistent an den Universitäten Konstanz und Münster, dann Eintritt als Jurist in den Verwaltungsdienst. Der ausgewiesene Kirchenrechtler veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu kirchenrechtlichen und theologischen Themen und über Heilige. Dr. Markus Büning ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Bild: Die Tagespost (Screenshot)

3 Kommentare

  1. „[…] Von der Kirche in diesem Zusammenhang verwendete idiosynkratische Terminologien wie jene einer ‚tief verwurzelten homosexuellen Neigung‘ entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Anstelle solcher Haltungen ist eine offene und toleranzfördernde Atmosphäre zu schaffen. Erkenntnisse der modernen Sexualmedizin müssen dabei stärkere Berücksichtigung finden.“

    Man soll es nicht glauben, dass ein solch hahnebüchener Schwachsinn in einem DBK-Papier steht: „‚‚tief verwurzelten homosexuellen Neigung‘ entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.“

    Wenn etwas wahr ist, dann sicher das Vorkommen tief sitzender verwurzelter Tendenzen.

    Es geht hier um leibgeistige Zusammenhänge, die von sogenannten wisschenschaftlichen Grundlagen gar nicht erfasst werden können.

    Theophan der Klausner beschreibt in seinem Buch „Der Weg zur Rettung“, was genau passiert, wenn sogenannte ‚Tendenzen‘ – also die Todsünde der Unkeuschheit – gewohnheitsmäßig ausgeübt werden: Die Leidenschaften dringen in den gesamten Leib ein und überdecken das Leben der Gnade.

    Darum schlägt Theophan vor, dass Reinheitsgelübde bereits vor Beginn der Pubertät zu machen sind. Und er beschreibt, wie wichtig der Wert der Erziehung dabei ist.

    Wenn sich nämlich das Laster einmal festgesetzt hat, ist die Reinheit nur sehr schwer wieder zurückzuerlangen. Die Leidenschaften legen sich nämlich wie eine schwere Decke über das Licht der Gnade.

    Auch wenn es heißt: „Homosexualität ist kein Risikofaktor für sexuellen Missbrauch.“ ist das so nicht richtig. Denn bezogen auf das klerikale Milieu, wo vorwiegend Männer auf Männer treffen, ist es eben doch ein Risikofaktor.

    Dem, was der Autor hier sagt, ist vollumfänflich zuzustimmen: „Nun soll also die schwere Sünde hoffähig gemacht werden, um die Verbrechen des Missbrauches zu bekämpfen. Diese „Afterlogik“ erschließt sich mir nicht, ja ich finde das geradezu beschämend und als erneuten Akt, die betroffenen Menschen zu verletzen.“

    Es ist geradezu pervers, was die DBK sich hier ausdenkt. Die Bekämpfung soll geschehen durch eine Sexualisierung des Klerus!? Es ist einfach unfassbar. Sind das noch ‚Geistliche‘?

    Diese Vernebelungstaktik erinnert doch sehr an den Vorschlag eines Herrn Macron, der dem Missbrauch begegnen will, indem er das Missbrauchsalter von 18 auf 16 Jahre herabsetzt.

    Auch „[d]ie Dreistigkeit … [der] Argumentation [um den Fall Wucherpfennig] ist geradezu atemberaubend. So meint eine Theologin aus Kassel, dass die ganze Schrift keinerlei Zeugnis enthalte, die die Homosexualität verurteile.

    Die gesamte Plattform katholisch.de stinkt zum Himmel. Mir wird jedesmal schlecht, bevor ich sie öffne.

    Ich habe diese Argumentation auf katholisch. de selbst gelesen und war schockiert. Wenn wir solchen Argumenationen folgen, bleibt kein Stein der Moraltheologie auf dem anderen. Ich glaube, Papst Johannes Paul II. würde hier klare Lehrverbote aussprechen.

    Die Art und Weise des Anbiederns an die political corectness der Theologen und Bischöfe ist haaresträubend und beschämend.

    Auch Bischof Kohlgrafs Relativierungsversuche sind skandalös. Er greift einen Sachzusammenhang aus der Bibel heraus und instrumentalisiert ihn für eine Legitimation hinsichtlich einer Debatte über das Verbot praktizierter Sodomie:

    „Denn wenn jede Bibelstelle „direkt wörtlich geoffenbarte unveränderliche Wahrheit wäre, müssten wir aktuell Ehebrecher, Gotteslästerer, Wahrsager, ungehorsame Söhne und Töchter und Menschen, die am Sabbat ihr Auto waschen, steinigen“.

    „All dies ist nur noch als erbärmlich zu bezeichnen. Hier wird versucht, an Stellschrauben zu drehen, die der gesamten Tradition der katholischen Moraltheologie, ja dem Naturrecht und letztlich auch den Vernunftgründen zuwider laufen.“

    Ja, es ist wirklich unfassbar und unglaublich, wie sich Bischöfe anbiedern, um zu sehen, was durchgeht. Wenn man solchen Hirten das Glaubensgut anvertraut, dann ist es wirklich schlecht bestellt um unser christliches Abendland. Fakt: es ist schlecht bestellt.

    Der Autor spricht hier sehr mutig an, was sexualpsychologisch bzw. leibgeistig mit dem Menschen passiert, wenn er sich der Unzucht hingibt:

    „Während meiner Zeit im Theologenkonvikt, als ich mich auf den Weg machte, Priester zu werden, habe ich homosexuelle Erfahrungen mit einigen Studienkollegen, die ebenfalls Priesteramtskandidaten waren, gemacht. Völlig verunsichert über meine sexuelle Identität bin ich in einen Strudel geraten, den ich zuvor nicht für möglich gehalten hatte.“

    Es handelt sich bei der Unzucht um nichts anderes als die Wiederholung des Sündenfalls. Brüning beschreibt es seelisch sehr anschaulich: „Ich bin sehr tief gefallen.“

    Das Zeugnis des Autors ist sehr wertvoll, da es genau und anhand einer eigenen Erfahrung beschreibt, was mit der Seele passiert: sie wird deformiet, das geistliche Leben stirbt. Und es braucht ewig, bzw. ist nach Theophan dem Klausner nie wieder gut zu machen. Die Unzucht bleibt in den Geistleib imprägniert. Und es ist sehr schwer fortan zu wiedersehen.

    Mit der Unzucht geht gewöhnlich die Berufung verloren. Brünig spürt dies tief in seinem Inneren.

    „Ich hätte spätestens nach der ersten Erfahrung die Konsequenz ziehen und den Weg zum Priestertum abbrechen müssen. Doch meine Ratgeber, Priester, Freunde und auch Eltern, denen ich mich öffnete, rieten mir, durchzuhalten. Frei nach dem Motto: „Wird schon wieder! Du bist noch jung, das kann passieren. Wirst schon da raus kommen!“ Nein, auch das war im Nachhinein ein großer Fehler. Denn in meiner Seele ist etwas passiert, was ich als schiere Deformierung meiner selbst empfand.“

    Nach Theophan dem Klausner ist nur der sicher und im Frieden des heiligen Geistes, der die Stürme der Jugendzeit unbeschadet übersteht. Ein unzüchtiger Mensch ist kaum mehr tauglich für den Zölibat. Das ist die Wahrheit. Darum ist der Zölibat im Grunde in der heutigen Zeit (im Rahmen der gegenwärtigen Erziehung und Laxheit) kaum mehr einzuhalten. Er ist oft eine Farce und pure Heuchelei und der Missbrauch ist nur die Spitze des Eisbergs. Gerade deshalb wünschen sich etwa 70% – 80 % der Priester, ihn zur Disposition zu stellen.

    Und dennoch ist er die Grundlage der Heiligkeit im Priesteramt und neuralgischer Punkt der Berufungsfrage.

    Das Weiterlesen der dargelegten Erfahrung durch den Autor verursacht fast Schmerzen… besonders an dem traumatischen Punkt, der in Missbrauchsnähe durch einen alternden Beichtvater geht. Dieser alte Herr, wahrscheinlich konzilsbegeistert, ist zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Niveau der Diskussion von heute: Lösung durch Entspannung. Wir schaffen das Gebot ab, und die Strafe und das Schuldgefühl hören auf zu existieren. Welch trügersiche Befreiung!

    Diese Kirche der Gegenwart ist mit ihrem Bodenpersonal leider fast vollständig in der Welt aufgegangen und mir scheint, es gibt nur einen Weg: sich sehr bedeckt zu halten gegenüber neuzeitlichen Geistlichen. Denn alle sind mehr oder minder infiziert.

    Man wird – und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – nicht im Kampf bestärkt, sondern eher noch zur Unkuschheit ermuntert, wenn man sich öffnet. An den richtigen Geistlichen zu geraten, gleich einer Lotterie. Die Ermunterung zur Unkeuschheit erfolgt zwar nie direkt, aber immer so, dass man eher geschwächt aus dem Beichtstuhl kommt, wenn man sich geöffnet haben sollte. Darum rate ich dazu an, nicht die Zusammenhänge bis auf die Wurzel zu nennen, sondern nur den einzelnen Gebotsverstoß. Gott sieht auf das Herz. Und ich möchte es noch einmal wiederholen: Wenn die Reue vollkommen ist – dann kann man sicher sein, sofern man nicht mehr sündigt – ist vollkommene Reue gegeben und die Sünde auch ohne Beichte verziehen. Nur muss der Vorsatz in die Richtung eines Gelöbisses gehen. Das ist keine Aussage gegen die Beichte!

    Bisweilen kann sogar der gute Kampf (bei einer mittelschweren Sünde gegen die Unkeuschheit) besser ausgefochten werden, wenn wir eine Sünde nicht sogleich beichten, sondern das schlechte Gewissen dazu nutzen, uns in der Enthaltsamkeit einzuüben. Wenn wird dann sehen, dass unser Vorsatz wirklich hält, sollten wir beichten gehen. Brüning hat auch die Erfahrung machen müssen, dass seine Beichten ein Fehler waren, da die Beichtväter Fehlbestzungen waren. Auf der anderen Seite hat ihn seine Chaosfahrt jedenfalls dazu geführt sicherzugehen, dass er keine Berufung hatte.

    Wenn wir ohne Reue beichten gehen, vermischen sich Sakrament und Sünde. Darum gilt auch: solange wir nicht gebeichtet haben, dürfen wir nicht kommunizieren.

    In der alten Kirche gab es lange Zeiten, um wieder zu den Sakramenten zugelassen zu werden.

    Das Fazit und der Aufruf des Autors sind grandios:

    „Und was muss ich nun erleben: Bischöfe, die dem Zeitgeist verfallen sind und ganz offenkundig nicht mehr die Unterscheidung der Geister besitzen. Ihnen ruf ich zu: Bekehrt Euch! Ja, als Bekehrter ruf ich Euch dies zu: Bekehrt Euch! Lasst ab von allen schlüpfrigen Wegen, die Lehre von der gottgewollten Sexualität zu verwässern und zu verfälschen. Nutzt bloß nicht die Vertuschungsverbrechen in Euren Reihen dazu, nun eine Legitimation für die Aufweichung der Sexualmoral zu treffen. Wenn ihr das tut, seid ihr auf dem Weg des Unheils, weil ihr Gottes gute Schöpfungsordnung durch Eure zeitgeistige Verkündigung verletzt.“

    Auf solche Zeugnisse, wie die Brünings, sollten die deutschen Bischöfe hören. Aber ich fürchte, man wird sie eher gegenteilig lesen, um darzustellen, dass der Zölibat nicht lebbar ist.

    Brunings Schlussfolgerung: „Ich hoffe und bete dafür, dass die Kirche befreit wird von den vielen verdorbenen Klerikern, die nun versuchen, den Weg des Irrtums zu gehen und dadurch viele Menschen in Versuchung bringen, ihr Seelenheil aufs Spiel zu setzen.“

    Die Kirche ist voll von diesen „verdorbenen Klerikern“, die auf welche Art auch immer in der Unzucht leben oder – falls sie diese aufgrund des Alters hinter sich gelassen haben – jetzt das Evangelium des freien Sexes predigen/bzw. ausstrahlen.

    Der ‚verdorbene‘ Kleriker verweist auf die ‚verdorrten‘ Geistfrüchte hin. Der Grund für den Mangel an den Gaben des heiligen Geistes liegt ganz klar an der Unheiligkeit des Klerus.

  2. „Sind das noch ‚Geistliche‘?“ Diese Frage stelle ich mir zunehmend. Oft habe ich den Eindruck, es wird dieser Begriff nicht einmal mehr verstanden. Und doch gibt es wirklich Geistliche, die spürbar in großer Liebe um Ihn wissen.

  3. Die Bischöfe prangern nicht die laxe Sexualmoral, auch innerhalb der Kirche, an, sondern sind einzig und allein daran interessiert, aus dieser Situation Nutzen zu ziehen.

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