Der neue Tisch im Heiligen Haus von Loreto

Loreto
Die Lauretanische Basilika des Heiligen Hauses in Loreto: erneuter Eingriff.

(Lore­to) „Was macht man nur alles, um nicht ad ori­en­tem zele­brie­ren zu müs­sen!“ Mit die­sen Wor­ten kom­men­tier­te die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Inter­net­sei­te Mes­sa in Lati­no den „Tisch“, der in der San­ta Casa, im Hei­li­gen Haus der Ver­kün­di­gung des Engels an Maria auf­ge­stellt wur­de.

Auf die­se Wei­se wird die Zele­bra­ti­on des Novus Ordo mit dem Rücken nach Osten und zum Gna­den­bild mög­lich.

„So etwas hat es im Hei­li­gen Haus noch nie gege­ben!“

Als Grund für die Umge­stal­tung wur­den „Not­wen­dig­kei­ten“ für die Meß­über­tra­gun­gen im Fern­seh­sen­der TV2000 genannt, der sich im Besitz der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz befin­det.

„Was es so skan­da­lös für die Gläu­bi­gen von TV2000, ihnen die Zele­bra­ti­ons­rich­tung zu zei­gen, wie sie seit Jahr­hun­der­ten im Hei­li­gen Haus gilt?“

Bis­her sei kei­ne dies­be­züg­li­che Kri­tik von Gläu­bi­gen bekannt­ge­wor­den. Es sei­en daher viel­mehr die Ver­ant­wort­li­chen von TV2000, „die es nicht mögen, daß im Hei­li­gen Haus in Lore­to die lehr­amt­li­chen Bestim­mun­gen zur Zele­bra­ti­ons­rich­tung ein­ge­hal­ten wur­den“, so Mes­sa in Lati­no.

Unter ande­rem zele­brier­te Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, der spä­te­re Papst Bene­dikt XVI., mehr­fach (1988, 1991, 1999…) in der San­ta Casa und jeweils ad ori­en­tem“. Im Jahr 2000 hat­te die römi­sche Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung klar­ge­stellt:

„Es wäre ein schwer­wie­gen­der Irr­tum zu mei­nen, daß die Haupt­rich­tung der Opfer­hand­lung die Gemein­schaft sei …, die geist­li­che Hal­tung (des zele­brie­ren­den Prie­sters) muß als Ver­tre­ter der gesam­ten Kir­che immer ver­sus Deum per Iesum Chri­stum sein“.

Tabernakel und Kniebänke entfernt

Der neue "Tisch" im Heiligen Haus von Loreto
Der neue „Tisch“ im Hei­li­gen Haus von Lore­to

Der neue „Tisch“ im Hei­li­gen Haus ist nicht der erste Ein­griff in die berühm­te Wall­fahrts­kir­che. 2010 war der Taber­na­kel und das Aller­hei­lig­ste aus der San­ta Casa ent­fernt wor­den. Begrün­det wur­de der Schritt wegen der wach­sen­den Zahl schau­lu­sti­ger Tou­ri­sten, die das Haus nicht als Pil­ger betre­ten wür­den. Damit wur­de das Haus Mari­ens aller­dings zu einer Art „Muse­um“ gemacht.

Zudem wur­den zum Jah­res­wech­sel 2017/2018 in der Basi­li­ka die Kir­chen­bän­ke aus­ge­tauscht. Der Sinn die­ser Akti­on erklärt sich für die Gläu­bi­gen nur mit „Umbau­wut“. Kir­chen­bän­ke gab es davor näm­lich auch schon. Der Unter­schied zwi­schen den alten und neu­en Kir­chen­bän­ken besteht dar­in, daß die neu­en kei­ne Knie­bän­ke mehr haben. Dem gläu­bi­gen Volk, das sich vor allem um die Wall­fahrts­or­te schart, soll das Knien „aus­ge­trie­ben“ wer­den, wie Mes­sa in Lati­no damals kom­men­tier­te. Eine Unter­schrif­ten­samm­lung von Gläu­bi­gen zei­tig­te kei­nen Erfolg. Der amtie­ren­de Prä­lat der Basi­li­ka ver­weist dar­auf, daß die Ent­schei­dung zur Anschaf­fung der neu­en Kir­chen­bän­ke bereits kurz vor sei­ner Ernen­nung im Mai 2017 getrof­fen wor­den sei. Nun sei­en sie eben da, und man kön­ne das nicht mehr ändern.

Historisch bedeutendster Wallfahrtsort der katholischen Welt

Die Wall­fahrts­kir­che Unse­rer Lie­ben Frau von Lore­to, bekannt auch als Lau­re­ta­ni­sche Basi­li­ka, befin­det sich in den ita­lie­ni­schen Mar­ken und ist der histo­risch bedeu­tend­ste Mari­en­wall­fahrts­ort der katho­li­schen Welt. Seit dem Ende der Kreuz­zü­ge befin­det sich dort das Haus der Hei­li­gen Fami­lie von Naza­reth. In die­sem Haus wur­de Maria vom Engel die Flei­sch­wer­dung Got­tes ver­kün­det. Wäh­rend sich das Haus seit etwa 750 Jah­ren in Lore­to befin­det, kann man in der Ver­kün­di­gungs­ba­si­li­ka von Naza­reth die Fun­da­men­te des Hau­ses sehen.

Das Heilige Haus vor der Entfernung des Tabernakels
Das Hei­li­ge Haus vor der Ent­fer­nung des Taber­na­kels (2010)

Die heu­ti­ge Wall­fahrts­kir­che thront wie eine Got­tes­burg auf einem Berg­rücken und bie­tet einen beein­drucken­den Blick auf das Adria­ti­sche Meer. Sie stammt aus dem 15. Jahr­hun­dert. Die präch­ti­ge Fas­sa­de wur­de 1571 begon­nen. Ein Schick­sals­jahr. In der See­schlacht von Lepan­to süd­lich der Adria konn­ten die Chri­sten die tür­ki­sche Flot­te besie­gen und damit den isla­mi­schen Vor­marsch auf Euro­pa zumin­dest zur See stop­pen. Zum Dank für den Sieg lie­ßen die christ­li­chen Ober­be­fehls­ha­ber, Johann von Öster­reich (Don Juan d’Au­stria), Marcan­to­nio Colon­na und Seba­stia­no Veni­er, ihre Galee­ren­häft­lin­ge frei, die wegen Straf­ta­ten zum Ruder­dienst auf den Schif­fen ver­ur­teilt wor­den waren. Die­se pil­ger­ten ihrer­seits dan­kend nach Maria Lore­to und brach­ten der Got­tes­mut­ter ihre Galee­ren­ket­ten als Gabe. Aus ihnen wur­den die gro­ßen Kir­chen­git­ter geschmie­det, die noch heu­te in der Basi­li­ka bewun­dert wer­den kön­nen.

Der Ort ist von sol­cher Bedeu­tung, daß die gro­ßen Natio­nen und Sprach­räu­me dar­in Kapel­len stif­te­ten, so gibt es eine Fran­zö­si­sche, Sla­wi­sche, Ame­ri­ka­ni­sche, Pol­ni­sche, Spa­ni­sche und auch eine Deut­sche Kapel­le.

Päp­ste und Hei­li­ge haben das Hei­lig­tum auf­ge­sucht, unter den jün­ge­ren die hei­li­ge The­re­se von Lisieux und die hei­li­ge Gian­na Beret­ta Mol­la.

Vor der Neue­rungs­wut scheint aber nichts sicher zu sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. Mit dem „mis­sio­na­risch“ ver­kün­de­ten Geist des Kon­zils bra­chen revo­luz­ze­ri­sche Ideen in die Kir­che ein und ram­po­nier­ten sie.
    Jeder könn­te wis­sen, daß es in der Kir­che nichts Neu­es gibt.
    Neu­es ist Revo­lu­ti­on.

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