Dringende Notwendigkeit einer klaren Antwort der Kirche auf Mißbrauchsskandal












Kardinal O'Malley
Kardinal O'Malley, Vorsitzender der Päpstlichen Kinderschutzkommission, über deren Arbeit.

(Rom) VaticanNews, das Nachrichtenportal des Heiligen Stuhls veröffentlichte am Sonntagabend einen Bericht über ein Interview mit Kardinal Sean Patrick O’Malley in seiner Funktion als Vorsitzender der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Vom 7.–9. September fand im Vatikan die 9. Vollversammlung der Kommission statt. Dabei zog Kardinal O’Malley Bilanz über die Vollversammlung und nahm auch zu den jüngsten Skandalen und Anschuldigungen gegen Papst Franziskus Stellung. O’Malley selbst wird im sogenannten Viganò-Dossier, benannt nach dem ehemaligen Apostolischen Nuntius in den USA, Msgr. Carlo Maria Viganò, zu den Kardinälen gezählt, die über den sexuellen Mißbrauch von Untergebenen und Seminaristen durch Ex-Kardinal Theodore McCarrick informiert gewesen sei.

Wegen der Aktualität veröffentlichen wird den Bericht von Christine Seuss und Sergio Centofanti über das Interview mit dem Kardinal im Wortlaut:

„Sicherlich haben die jüngsten Ereignisse in der Kirche die Aufmerksamkeit von uns allen auf die dringende Notwendigkeit einer klaren Antwort seitens der Kirche auf den Missbrauch von Minderjährigen gelenkt“,

so der Bostoner Kardinal. Es sei zweifelsohne eine der „Hauptaufgaben“ der Kommission, Missbrauchsüberlebende selbst anzuhören, so der Kirchenmann weiter. Dies sei auch bei der aktuellen Vollversammlung geschehen, mit den Zeugnissen einer Frau aus Lateinamerika, die von einem Priester missbraucht worden sei, sowie einer Mutter zweier erwachsener Missbrauchsüberlebender aus den Vereinigten Staaten, gab er Einblick in die Arbeit der Kommission.

Auch neu ernannte Bischöfe, die jeweils zu ihrem Einführungskurs in den Vatikan kommen, würden durch Schilderungen von Missbrauchsopfern wie Marie Collins – die selbst Mitglied der Kinderschutzkommission war – für die Thematik sensibilisiert, betonte O´Malley. Die Führungspersönlichkeiten der Kirche müssten aus Sicht eines Missbrauchsüberlebenden erfahren, wie es sei, „diesen Horror im eigenen Leben zu erleiden“ und was dieser für Auswirkungen auf das Opfer, seine Familie und die gesamte Gemeinschaft sei. Zahlreiche Bischöfe kämen im Nachhinein auf ihn zu mit der Feststellung, dass diese Zeugnisse „die wichtigsten Beiträge des gesamten einwöchigen Seminars“ seien.

„Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, die Stimme der Opfer an die Spitze der Kirchenhierarchie zu tragen, so dass die Menschen verstehen, wie wichtig es für die Kirche ist, Antworten schnell und korrekt zu geben, jedes Mal, wenn eine Situation von Missbrauch aufgedeckt wird. Insbesondere mit Blick auf die aktuelle Situation sehen wir: wenn die Kirche sich unfähig zeigt, aus tiefem Herzen zu antworten und aus diesem Thema eine Priorität zu machen, dann werden all unsere anderen Aktivitäten wie Evangelisierung, Wohltätigkeit und Erziehung, darunter leiden. Das muss die Priorität sein, auf die wir uns heute konzentrieren.“

Dabei zähle die Kommission stark auf die Zusammenarbeit und die Selbstständigkeit in den Ortskirchen, betont der Kardinal weiter. Die Kommission habe zu diesem Zweck „unermüdlich“ Aufklärungsarbeit auf der ganzen Welt geleistet, insbesondere in Gegenden, in denen Missbrauch noch ein neues Thema sei und die lokale Kirche wenig eigene Ressourcen zu Verfügung habe, wie beispielsweise in Missionsgebieten. Man arbeite auch intensiv an neuen Richtlinien und Best Practise-Beispielen, genauso wie an Instrumenten, die es den einzelnen Bischofskonferenzen ermöglichen, zu messen, wie erfolgreich diese Richtlinien in ihrem Land eingeführt worden sind, erläutert der Kinderschutzfachmann.

„Auf diese Weise können die Bischöfe, wenn sie zu ihren Ad-limina-Besuchen in den Vatikan kommen, zeigen, inwieweit es ihnen gelungen ist, die Richtlinien umzusetzen, die jede Bischofskonferenz, auf Ersuchen des Heiligen Stuhles und des Papstes selbst, erstellen sollte,“ nimmt O´Malley die Kollegen aus den Ortskirchen in die Pflicht.

Eine Hilfe für die einzelnen Bischofskonferenzen solle dabei durch die neue Initiative der „Survivors‘ Advisory Panels” (Beratungsgruppen, die aus Missbrauchsüberlebenden zusammengesetzt sind) gegeben werden, kündigt der Kardinal an. Diese sollten in den verschiedenen Kontinenten tätig werden (zunächst in Brasilien, anschließend in Afrika und Asien) und die lokalen Bischofskonferenzen beraten, aber auch die Arbeit der Kommission selbst unterstützen.

Keineswegs hilfreich sei das Missverständnis, die Kommission arbeite bereits geschehene Missbrauchsfälle auf, so der Kardinal weiter. Denn deren Arbeit ziele vor allem auf die Prävention von Missbrauch, erläutert er:

„Wir sind kein Gremium, das sich um bereits geschehene Missbrauchsfälle oder spezielle Situationen von Missbrauch kümmert. Wir versuchen, die Zukunft zu ändern, so dass sich diese traurigen Geschichten nicht wiederholen; und wir nehmen diese Aufgabe mit der Erstellung von Empfehlungen wahr, die wir dem Heiligen Vater vorlegen. Unsere Aufgabe ist es sicherlich auch, Best Practises und Richtlinien zu fördern, die den Schutz und die Prävention im Fokus haben. Außerdem realisieren wir Ausbildungsprogramme für diejenigen, die an der Spitze der Kirche stehen, so dass unsere Bischöfe, Priester und Ordensleute sich des Ernstes des Problems bewusstwerden und die Mittel an der Hand haben, darauf so zu antworten, dass sie dem Schutz Minderjähriger und der pastoralen Sorge um die Opfer absolute Priorität einräumen.“

Andere Dikasterien des Heiligen Stuhls hätten wiederum die Aufgabe, die einzelnen Fälle von Missbrauch und damit zusammenhängende Versäumnisse zu untersuchen und zu ahnden, so der Kardinal, der betont, dass seine Kommission nicht für die Arbeit anderer Dikasterien in die Pflicht genommen werden könne: „Wir haben unsere Zuständigkeiten, und ich denke, dass sie sehr wichtig sind,“ so O´Malley.

„Unsere Arbeit betrifft die Verhütung von Missbrauch, und den Versuch, die Kirche zum sichersten Platz für Kinder und gefährdete Erwachsene zu machen,“ umreißt er die Ziele der Kommission.

Dabei komme auch der Zusammenarbeit mit anderen Kurieneinrichtungen eine wichtige Stellung zu, betont der Erzbischof von Boston. Viele Schulungen und Konferenzen seien bereits in den einzelnen Dikasterien organisiert worden, wo über das Thema gesprochen worden sei:

„Bei diesen Gelegenheiten begleitet mich immer ein Missbrauchsüberlebender und ich spreche über die Mission der Kirche, Schutz zu bieten. Ich denke, dass diese Treffen ein großer Erfolg gewesen sind. In dieser Woche treffen wir die wichtigsten Vertreter der Italienischen Bischofskonferenz und der Glaubenskongregation.“

Einleitung: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanNews (Screenshot)

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1 Kommentar

  1. Malloney hat sich nicht für Unzucht zwischen erwachsenen Männer zuständig gefühlt und alle entsprechenden Beschwerden abgewiegelt. Pikanterweise war er aber der Ansprechpartner für Missbrauchsfälle an Jugendlichen. Ma, quanto é cadutta la chiesa!

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