In Irland hat die Kirche eine Niederlage erlitten

Abtreibung Irland
Abtreibungsbefürworter feiern den Sieg, künftig ungeborene Kinder töten zu dürfen.

(Dub­lin) „In Irland geht die Kir­che geschla­gen“ aus der Volks­ab­stim­mung über den Ver­fas­sungs­zu­satz zum Schutz des Lebens her­vor, so Ste­fa­no Fon­ta­na, der Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church (Kar­di­nal Van Thu­an Beob­ach­tungs­stel­le für die Sozi­al­leh­re der Kir­che) und Chef­re­dak­teur der Kir­chen­zei­tung des Erz­bis­tums Tri­est, das vom muti­gen Erz­bi­schof Giam­pao­lo Crepal­di gelei­tet wird, über den Volks­ent­scheid zugun­sten der Abtrei­bung.

In Irland ging die Kirche geschlagen hervor

Von Ste­fa­no Fon­ta­na

Das Ergeb­nis des iri­schen Refe­ren­dums über die Abtrei­bung ist eine tra­gi­sche Nie­der­la­ge für Irland, das begin­nen wird, syste­ma­tisch sei­ne Kin­der zu töten.

Die Annah­me einer Abtrei­bungs­ge­setz­ge­bung tötet eine Nati­on und ein Volk, weil die­se das Volk in einem der deli­ka­te­sten und wich­tig­sten Punk­te gegen die Natur han­deln läßt. Es beginnt zu den­ken, daß das gesetz­lich Erlaub­te auch gut ist, sodaß es dar­an gewöhnt wird, nicht mehr zwi­schen Hen­ker und Opfer zu unter­schei­den. Die recht­li­che Aner­ken­nung der Abtrei­bung ist für ein Volk ein gei­sti­ger Tod. Es wird sei­nes Gewis­sens beraubt. Es wird gezwun­gen, stän­dig mit einem schlech­ten Gewis­sen zu leben, ohne daß dies beim Namen genannt wird. Es zer­setzt das Volk, weil es nichts ursäch­lich Hei­li­ge­res gibt und das Unver­füg­ba­re in die Hand der Bür­ger legt. Wenn das Unver­füg­ba­re aber ver­füg­bar wird, ist alles ver­lo­ren.

In Irland hat das Leben eine Nie­der­la­ge erlit­ten, aber auch der gesun­de Men­schen­ver­stand, die natür­li­che Mensch­lich­keit, die Mut­ter­schaft und die Vater­schaft.

Der Aus­gang der iri­schen Volks­ab­stim­mung bestä­tigt drei Din­ge von gro­ßer Bedeu­tung, um die Geschich­te unse­rer Zeit zu ver­ste­hen.

Erstens

Die religiöse Säkularisierung bringt immer auch die ethische Säkularisierung mit sich

Irland hat als letz­tes west­eu­ro­päi­sches Land in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten einen unre­li­giö­sen Pro­zeß durch­ge­macht, der rasch jene Wüste aus­brei­ten ließ, die bereits in ande­ren Län­dern herrscht. Es han­delt sich um einen zer­stö­re­ri­schen Pro­zeß, der das Volk von sei­nem natür­li­chen und histo­ri­schen katho­li­schen Glau­ben ent­wur­zelt. Die Ver­tei­di­ger des Lai­zis­mus wer­den ein­wen­den, daß das für sich noch kei­ne Gefahr sei, denn das Land kön­ne ja wei­ter­hin die Wer­te des Lebens und der Fami­lie ver­tei­di­gen, nur eben ohne Unter­stüt­zung durch die Reli­gi­on. Das stimmt aber nicht, und die Volks­ab­stim­mung ist der Beweis dafür.

Das Natur­recht soll­te grund­sätz­lich auch ohne Bezug zur christ­li­chen Offen­ba­rung erkenn­bar sein, doch das gelingt in Wirk­lich­keit ohne die Unter­stüt­zung durch den katho­li­schen Glau­ben nicht. Gott woll­te, daß auch das Natur­ge­setz Gegen­stand der Offen­ba­rung ist, und hat auch dafür die Kir­che gestif­tet, damit es durch sie ver­deut­licht wird. Wenn die Offen­ba­rung und die Kir­che aus dem öffent­li­chen Leben ver­bannt wer­den, geht auch das Ver­ständ­nis vom Natur­ge­setz ver­lo­ren.

Zweitens

Wenn ein Volk sich „modernisiert“ wird Gott aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen

Erfolgt die Ver­drän­gung Got­tes aus dem öffent­li­chen Leben, wer­den auch die natür­lich­sten Wer­te in Fra­ge gestellt und auf­ge­löst. Es scheint kei­ne histo­ri­schen Bei­spie­le zu geben, die das Gegen­teil bele­gen könn­ten. Das bedeu­tet, daß im Wesen der Moder­ne etwas ange­krän­kelt und ansteckend ist.

Unter Moder­ne ver­ste­he ich hier nicht eine chro­no­lo­gi­sche Epo­che, son­dern eine kul­tu­rel­le Kate­go­rie, die die Natur durch die Geschich­te ersetzt, die Wahr­heit durch die Frei­heit, die Intel­li­genz durch den Wil­len, den Wil­len durch die Pra­xis, die Pflich­ten durch die Rech­te, die Rech­te durch die Wün­sche, die Wirk­lich­keit durch das Gewis­sen, das Gewis­sen durch die Inter­pre­ta­ti­on. Der Ein­tritt in die Moder­ne bedeu­tet daher immer geist­li­chen Scha­den und einen Zer­fall von Sinn und Ver­ständ­nis, wie er in vor­her­ge­hen­den Epo­chen noch soli­de und kom­pakt gege­ben war. In der Denk­wei­se der Moder­ne im Sin­ne von Men­ta­li­tät gibt es grund­le­gen­de Irr­tü­mer, deren Ein­fluß ein­zu­däm­men und zu bekämp­fen ist, andern­falls sind Ergeb­nis­se wie jenes von Irland unver­meid­lich.

Drittens

Die Modernisierung eines Volkes birgt die Gefahr, daß auch die Kirche hineingedrängt wird

Tritt ein Volk in den Moder­ni­sie­rungs­pro­zeß ein, ist die Gefahr rea­li­stisch, daß auch die Kir­che in einen sol­chen hin­ein­ge­drängt wird, indem man meint, nur auf die­se Wei­se pasto­ral den zeit­ge­nös­si­schen Men­schen errei­chen zu kön­nen. Nur: In der Illu­si­on, dem heu­ti­gen Men­schen nur dadurch zu begeg­nen, indem sich die Kir­che selbst auf des­sen Hori­zont der Moder­ne begibt, endet sie damit, selbst die Moder­ne als Kate­go­rie des Den­kens und der Moral zu akzep­tie­ren. Die Moder­ne im chro­no­lo­gi­schen Sinn (Begeg­nung mit dem heu­ti­gen Men­schen) wird mit der Moder­ne im kul­tu­rel­len und mora­li­schen Sinn ver­wech­selt (mit allen ihren Irr­tü­mern). Die Kir­che ver­liert so die Tran­szen­denz gegen­über ihrer eige­nen Zeit und assi­mi­liert die welt­li­chen Kate­go­rien und sogar deren Spra­che. Am Ende hört sie auf zu kämp­fen, weil sie die eige­ne Zeit nicht mehr aus dem Blick­win­kel der Ewig­keit ver­steht, und auch nicht mehr das, was sich ändert, aus dem Blick­win­kel des Unver­än­der­li­chen betrach­tet.

Indem die Kir­che die Moder­ne aus pasto­ra­len Grün­den akzep­tiert, akzep­tiert sie schließ­lich auch deren Leh­re. Im kon­kre­ten Bei­spiel der iri­schen Volks­ab­stim­mung glänz­te die Kir­che durch Sprach­schwä­che und Abwe­sen­heit.  Es gab von ihr kei­ne Mobi­li­sie­rung des Vol­kes. Es gab kei­ne wirk­li­che Stel­lung­nah­me Roms. Es gab kei­ne Hil­fe durch die euro­päi­schen Epi­sko­pa­te, obwohl es sich um das letz­te Land unse­res Kon­ti­nents han­del­te, das bis­her der Staats­tö­tung wider­stan­den hat­te.

Vor aller Augen hat die Kir­che schon seit eini­ger Zeit auf­ge­hört, für das Leben zu kämp­fen und die Gewis­sen syste­ma­tisch gegen die Abtrei­bung zu mobi­li­sie­ren. Das bedeu­tet, daß die intel­lek­tu­el­len Kate­go­rien der Moder­ne tief in die Kir­che ein­ge­drun­gen sind, und sie ver­welt­licht und zahn­los gemacht haben.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na