Internationaler Aufruf von Priestern an die Bischöfe

Aufruf an die Bischöfe
Cura pastoralis: Internationaler Aufruf von Priestern an die Bischöfe.

Am 22. April, dem Sonn­tag des Guten Hir­ten, wur­de von Prie­stern aus ver­schie­de­nen Län­dern ein „Pasto­ra­ler Auf­ruf an die Bischö­fe“ ver­öf­fent­licht. Dar­in for­dern sie die Ober­hir­ten zur „apo­sto­li­schen Bekräf­ti­gung des Evan­ge­li­ums“ auf. Die Bischö­fe sol­len „Hil­fe“ bie­ten beim Umgang „mit einer irre­füh­ren­den Ein­stel­lung“ im Bereich der christ­li­chen Moral. Eine irre­füh­ren­de Ein­stel­lung sei häu­fig anzu­tref­fen und rich­te „schwe­ren Scha­den“ an. Im Auf­ruf, der unter Curapastoralis.org ver­öf­fent­licht wur­de, heißt es an die Bischö­fe gerichtet:

„Wir glau­ben, dass ein Groß­teil die­ses Scha­dens geheilt oder gemil­dert wer­den könn­te, wenn Sie die Leh­re Chri­sti bekräf­ti­gen und die­se Irr­tü­mer durch den Ein­satz der vol­len Auto­ri­tät Ihres apo­sto­li­schen Amtes kor­ri­gie­ren würden.“

Aufruf an die Bischöfe
Pasto­ra­ler Auf­ruf an die Bischöfe

Kon­kret geht es um die Bekräf­ti­gung der christ­li­chen Moral­leh­re, wie sie gegen­über den beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit in der Enzy­kli­ka Huma­nae vitae fest­ge­schrie­ben wur­de. Die Unter­zeich­ner wen­den sich vor allem auch gegen eine Aus­le­gung des umstrit­te­nen Apo­sto­li­schen Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia, die wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zu den Sakra­men­ten zuläßt. Kon­kret steht der Emp­fang der hei­li­gen Kom­mu­ni­on durch Per­so­nen im Stand der schwe­ren Sün­de im Mit­tel­punkt, die sich durch eine irre­füh­ren­de Ein­stel­lung sub­jek­tiv aber „als schuld­frei begrei­fen“. Die Prie­ster beto­nen, daß das Ver­ständ­nis von Gut und Böse ver­schwim­me und einer drin­gen­den Bekräf­ti­gung bedarf, um Men­schen nicht in die Irre zu führen.

Die Erst­un­ter­zeich­ner, Prie­ster aus ver­schie­de­nen Län­dern und Kon­ti­nen­ten, rufen die Prie­ster auf, den Auf­ruf an die Bischö­fe zu unter­zeich­nen, ihn aus­zu­drucken und als Appell ihrem Bischof zukom­men zu lassen.

„Wir sind uns als Prie­ster des­sen sehr bewusst, dass vie­le Kle­ri­ker und Lai­en von den welt­li­chen Denk­wei­sen und der fal­schen Moral­theo­lo­gie ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te so sehr beein­flusst sind, dass sie das apo­sto­li­sche Zeug­nis der Kir­che ledig­lich als ein Ide­al, als über­holt oder sogar grau­sam anse­hen. Daher neh­men sie oft fälsch­li­cher­wei­se pasto­ra­le Bekräf­ti­gun­gen die­ses Zeug­nis­ses als Abstrak­tio­nen, Akte des Lega­lis­mus oder per­sön­li­che Ver­ur­tei­lun­gen wahr. Das ist für alle Betei­lig­ten äußerst schmerz­haft. Die­se Erfah­rung kann auf Prie­ster ent­mu­ti­gend wir­ken, und könn­te uns dazu füh­ren, dass wir eine kla­re und authen­ti­sche Dar­le­gung des Evan­ge­li­ums scheuen.“

Und wei­ter:

„Wir sind jedoch geseg­net, vie­le Kle­ri­ker und Lai­en zu ken­nen, deren Leben durch die freu­di­ge Annah­me der Leh­re Chri­sti ver­än­dert wur­de, auch wenn dies mit Lei­den ver­bun­den war. Sie freu­en sich jetzt über das Zeug­nis der Kir­che, das ihnen einst unrea­li­stisch oder feind­lich erschien.“

Die „För­de­rung von Irr­tü­mern“, sie ein „Gefühl von Trau­er und Ver­rat“ aus­lö­sen, müß­ten jedoch ein Ende finden.

„Um so mehr wür­de dann das per­sön­li­che, mit der Sor­ge um das Heil der See­len und der vol­len Auto­ri­tät eines Nach­fol­gers der Apo­stel gege­be­ne Zeug­nis eines Bischofs ein wirk­sa­mes Werk­zeug für Chri­stus sein, sein Volk zu sam­meln, zu unter­stüt­zen und zu führen.“

Als Ziele des Aufrufs

Als Prie­ster, die auf den Scha­den reagie­ren, den der fal­sche Ansatz in der Moral­theo­lo­gie mit sich bringt, wün­schen wir:

  1. öffent­lich Zeug­nis für Chri­stus und sei­ne Leh­ren zu geben und damit den­je­ni­gen, die zwei­feln oder irre­ge­führt wer­den, mit Rat bei­zu­ste­hen, Soli­da­ri­tät den­je­ni­gen aus­zu­drücken, die unter schwie­ri­gen Umstän­den dem Evan­ge­li­um treu blei­ben, und Ermu­ti­gung unse­ren Mit­brü­dern, den Prie­stern zu schen­ken, damit die­se mit Mit­ge­fühl, Aus­dau­er und dem authen­ti­schen Evan­ge­li­um wir­ken, stat­tUn­ge­duld, Pas­si­vi­tät oder absicht­li­cher Mehr­deu­tig­keit nachzugeben.

  2. auf die jahr­zehn­te­lan­gen pasto­ra­len Bemü­hun­gen der Kir­che auf­merk­sam zu machen, die sich müh­te, durch die Kor­rek­tur die­ser Feh­ler den Scha­den zu heilen.

  3. in Anbe­tracht der Unzu­läng­lich­keit die­ser ver­gan­ge­nen Bemü­hun­gen zu ver­lan­gen, dass jeder Bischof sei­ne vol­le apo­sto­li­sche Auto­ri­tät in Anspruch nimmt, um das Evan­ge­li­um zu bekräf­ti­gen und die Irr­tü­mer zu widerlegen.

  4. unse­re pasto­ra­len Anlie­gen dar­zu­le­gen und auf brü­der­li­che und kind­li­che Wei­se an unse­re Bischö­fe zu appellieren.

 

Zum Auf­ruf wur­de eine nähe­re Erläu­te­rung ver­öf­fent­licht, dazu der Auf­ruf in meh­re­ren Spra­chen: das eng­li­sche Ori­gi­nal und auto­ri­sier­te Über­set­zun­gen. Der Auf­ruf im Wortlaut:

Pastoraler Aufruf an die Bischöfe

Sonn­tag des Guten Hir­ten, 22. April 2018

Eminenz oder Exzellenz,

Als Prie­ster, die geweiht sind, um dem Volk Got­tes in der Seel­sor­ge zu die­nen, wen­den wir uns an Sie, um Ihre Hil­fe im Umgang mit einer irre­füh­ren­den Ein­stel­lung im Bereich der christ­li­chen Moral zu erbit­ten, einer Ein­stel­lung, der wir häu­fig begeg­nen und die den­je­ni­gen, die dadurch irre­ge­führt wer­den, schwe­ren Scha­den zufügt.

Wir glau­ben, dass ein Groß­teil die­ses Scha­dens geheilt oder gemil­dert wer­den könn­te, wenn Sie die Leh­re Chri­sti bekräf­ti­gen und die­se Irr­tü­mer durch den Ein­satz der vol­len Auto­ri­tät Ihres apo­sto­li­schen Amtes kor­ri­gie­ren würden.

Dies wür­de nicht nur den­je­ni­gen zugu­te kom­men, die Ihnen als ihrem Diö­ze­san­bi­schof anver­traut sind, son­dern Sie wür­den als Nach­fol­ger der Apo­stel in hohem Maße zur Ein­heit und zum Wohl­erge­hen der Welt­kir­che beitragen.

Unse­re pasto­ra­le Sor­ge ist es, dass sich die gegen­wär­ti­ge nach­tei­li­ge Lage ohne eine sol­che Hil­fe erheb­lich ver­schlech­tern wird.

In ihrer Grund­form ent­hält die erwähn­te irre­füh­ren­de Ein­stel­lung die Behaup­tung, dass die­je­ni­gen, die objek­tiv böse Taten set­zen und sich sub­jek­tiv als schuld­frei begrei­fen, die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen dürfen.

In einer wei­ter­ent­wickel­ten Form wird bestrit­ten, dass bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen in sich böse sind, und behaup­tet, dass die­se Ver­hal­tens­wei­sen ent­we­der unter bestimm­ten Umstän­den das rea­li­sti­sche­re Gute sind, das erreicht wer­den kann, oder tat­säch­lich gut sind.

Eine noch extre­me­re Ver­si­on erklärt, dass Gott die­se Ver­hal­tens­wei­sen bil­li­gen oder gar dazu anre­gen könn­te. Chri­sti Leben und Moral­leh­re wer­den somit als abstrak­te Idea­le dar­ge­stellt, die an unse­re Umstän­de ange­passt wer­den müs­sen, und nicht als Rea­li­tä­ten, die bereits dar­auf gerich­tet sind, uns in jeder Situa­ti­on von der Sün­de und dem Bösem zu befreien.

Obwohl die­ser Ansatz den Anspruch erhebt, eine neue und legi­ti­me Ent­wick­lung zu sein, hat die Kir­che sei­ne Prin­zi­pi­en immer als dem Evan­ge­li­um wider­spre­chend ver­stan­den. Sie wider­setz­te sich die­sen Theo­rien im 20. Jahr­hun­dert, vor allem in den fünf­zig Jah­ren seit Huma­nae Vitae mit beson­ders ener­gi­scher und prä­zi­ser Leh­re. Das jüng­ste Auf­le­ben die­ser schäd­li­chen Ein­stel­lung trotz ent­spre­chen­der anhal­ten­der Bemü­hun­gen der Kir­che zeigt – wie wir glau­ben – deut­lich, dass eine wirk­sa­me­re pasto­ra­le Ant­wort erfor­der­lich ist, als sie Pfar­rer von sich aus lei­sten kön­nen oder die beschränk­te Auto­ri­tät kon­ven­tio­nel­ler diö­ze­saner und regio­na­ler Erklä­run­gen adäquat erbrin­gen kann.

Dar­um bit­ten wir Sie, die Aus­übung Ihrer vol­len apo­sto­li­schen Auto­ri­tät zu erwä­gen, indem Sie das Evan­ge­li­um förm­lich bekräf­ti­gen und die­se Irr­tü­mer kor­ri­gie­ren. Dies wür­de der gesam­ten Kir­che zum apo­sto­li­schen Zeug­nis, wel­ches allei­ne in der Lage ist, den Kle­rus und die Lai­en in der drin­gen­den Auf­ga­be zu unter­stüt­zen und zu lei­ten, den Geschä­dig­ten zu hel­fen und authen­ti­sche pasto­ra­le Initia­ti­ven zu ent­wickeln, um die gan­ze Welt zu erreichen.

Wir sind uns bewusst, dass die Aus­übung der apo­sto­li­schen Auto­ri­tät und die Art und Wei­se ihres Aus­drucks Ange­le­gen­hei­ten sind, die jeder Bischof für sich ent­schei­den muß.

Als Prie­ster wol­len wir Ihnen in einem brü­der­li­chen und kind­li­chen Gei­ste die fol­gen­den Leh­ren des Evan­ge­li­ums zur Betrach­tung vor­le­gen, die sich auf zehn ent­schei­den­de Punk­te kon­zen­trie­ren, von denen wir hof­fen, dass Sie sie ver­bind­lich anspre­chen wer­den. Bit­te neh­men Sie die­se Punk­te als Zeug­nis unse­res Glau­bens auf, den wir in Ein­heit mit dem Bischofs­kol­le­gi­um und sei­nem Ober­haupt, dem Bischof von Rom bekennen.

  1. Gott ist Lie­be. Er hat alles zu unse­rem Besten arran­giert und er hat uns geru­fen, sein gött­li­ches Leben in Chri­stus zu tei­len. Folg­lich Gott ist völ­lig gegen das Böse, die Sün­de (d. h. die bewuss­te und wil­lent­li­che Hin­wen­dung zum Bösen) und den Scha­den, der dadurch ver­ur­sacht wird. Obwohl sich Gott ent­schlie­ßen mag, die Gegen­wart des Bösen und der Sün­de zu tole­rie­ren, regt er nie­mals dazu an und bil­ligt die­se Rea­li­tä­ten nicht.
  2. Christ­gläu­bi­ge, die an der ihnen inne­woh­nen­den Gemein­schaft mit Gott teil­ha­ben (d. h. sich im Zustand der Gna­de befin­den), sind unter allen Umstän­den von Chri­stus befä­higt, treu zu blei­ben, indem sie die bewuss­te und wil­lent­li­che Aus­übung des Bösen ver­mei­den. Des­halb sind sie ver­ant­wort­lich für alle Sün­den, die sie bege­hen (vgl. 1 Joh 5,18 und Jak 1,13–15). Das gilt selbst dann, wenn die Hal­tung der Treue Leid, Ent­beh­rung oder Tod for­dert, weil das, was mensch­lich unmög­lich ist, durch Got­tes Gna­de mög­lich ist (vgl. Mt 19,26 und Sir 15,15). Daher ist die Treue zu Chri­stus und sei­ner Leh­re rea­li­stisch und erreich­bar, sie ist kein abstrak­tes Ide­al, wel­ches an die Umstän­de des Lebens ange­passt wer­den müsste.
  3. Chri­sten, die sich der Gemein­schaft mit Gott erfreu­en, kön­nen in einem gewis­sen Maße an Unwis­sen­heit oder einem Man­gel an Frei­heit lei­den, was die Schuld­haf­tig­keit einer bestimm­ten bösen Tat min­dert oder gänz­lich auf­hebt. Obwohl das, was sie tun, tat­säch­lich (d. h. objek­tiv) böse ist und daher auf ver­schie­de­ne Wei­se für sie selbst und für ande­re schäd­lich, kön­nen sie per­sön­lich (d.h. sub­jek­tiv) kei­ne Schuld tra­gen und blei­ben daher mora­lisch schuldlos.
  4. Chri­sten, die böse Akte ohne Schuld aus­üben, ver­blei­ben in Gemein­schaft mit Gott, sind aber in Situa­tio­nen gefan­gen, die tat­säch­lich schäd­lich sind und sie dar­an hin­dern, an der Fül­le des Lebens, das Jesus brach­te, voll­stän­dig teil­zu­ha­ben. Die Auf­ga­be der Kir­che ist es, sich für ihre Hei­lung und Befrei­ung ein­zu­set­zen, indem sie die Gna­de und Wahr­heit des Evan­ge­li­ums Chri­sti gedul­dig ausspendet.
  5. Das Gewis­sen ist die unmit­tel­ba­re Ver­hal­tens­norm, aber nicht die unfehl­ba­re Stim­me Got­tes. Es kann auf­grund unver­schul­de­ter Fehl­bil­dung oder Ver­zer­run­gen infol­ge frü­he­rer Sün­den falsch urtei­len. Gleich­wohl kann jemand, der sei­nem Gewis­sen folgt oder sich selbst für frei von Schuld hält, den­noch der Sün­de schul­dig sein. In Anbe­tracht die­ser Ein­schrän­kun­gen müs­sen die sub­jek­ti­ven Gewis­sen­s­ur­tei­le mit dem von Chri­stus geof­fen­bar­ten Evan­ge­li­um in Ein­klang gebracht wer­den, wel­ches er selbst durch das authen­ti­sche apo­sto­li­sche Zeug­nis der Kir­che (z. B. das ordent­li­che und außer­or­dent­li­che Lehr­amt) stän­dig verkündet.
  6. Die Ehe ist ein Bund, der von einem Mann und einer Frau, die frei von Hin­der­nis­sen sind, wis­sent­lich und wil­lent­lich mit der nöti­gen Über­le­gung und Rei­fe geschlos­sen wird. Die Ehe ist eine exklu­si­ve Ver­bin­dung, die durch kei­ne mensch­li­che Macht oder aus irgend­ei­nem Grund auf­ge­löst wer­den kann, außer dem Tod eines der Ehe­gat­ten. Die bräut­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Chri­stus und der Kir­che ist die Grund­la­ge die­ses ehe­li­chen Ban­des sowohl in der mensch­li­chen Natur als auch im Sakra­ment der Ehe (vgl. Gen 2,24; Mt 19,3–6; Eph 5,32; und 2 Tim 2,13).
  7. Sexu­el­le Hand­lun­gen außer­halb der Ehe sind unter allen Umstän­den ein schwe­res Übel. Die schuld­haf­te Wil­lens­zu­stim­mung zu die­sem schwe­ren Übel stellt eine Tod­sün­de dar, die, wie jede Tod­sün­de, die Gemein­schaft mit Gott beendet.
  8. Um die hei­li­ge Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen, müs­sen Chri­sten, die erken­nen, dass sie eine Tod­sün­de began­gen haben, ihre Sün­den wirk­lich bereu­en und den Vor­satz haben, in Zukunft jede Sün­de zu mei­den. Zudem müs­sen sie nor­ma­ler­wei­se zuerst das Buß­sa­kra­ment empfangen.
  9. Der Emp­fang der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on kann nicht auf einen pri­va­ten Akt redu­ziert wer­den, der auf einem sub­jek­ti­ven Urteil über die eige­ne Unschuld beruht. Der Kom­mu­nion­emp­fang ist näm­lich ein öffent­li­ches Zeug­nis dafür, dass der Gläu­bi­ge am gemein­schaft­li­chen Glau­ben und dem Leben der Kir­che fest­hält. Unab­hän­gig von der per­sön­li­chen Schuld kann von den­je­ni­gen, die wei­ter­hin objek­tiv schwer sün­di­gen, nach­dem sie erfah­ren hat­ten, daß ihr Glau­be oder Ver­hal­ten gegen das apo­sto­li­sche Zeug­nis der Kir­che ver­stößt, zu Recht erwar­tet oder – gele­gent­lich – gefor­dert wer­den, dass sie sich der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on ent­hal­ten. Die­se kirch­li­che Dis­zi­plin ist ein pasto­ra­les Mit­tel, um sie dazu zu bewe­gen, das Böse zu erken­nen und ihm zu ent­sa­gen, damit sie von ihm befreit wer­den und an dem rei­chen Leben Chri­sti grö­ße­ren Anteil haben. Ein sol­cher Ansatz spie­gelt die Leh­re Jesu und der Apo­stel wider, die die kirch­li­che Dis­zi­plin auf das objek­ti­ve Ver­sa­gen mit dem Leben der Kir­che über­ein­zu­stim­men und nicht auf ein Urteil über Schuld­haf­tig­keit bezog (vgl. Mt 18,17; 1 Kor 5,11–13; Gal 1,9 und 1 Joh 4,6). Die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on kann auch vor­ent­hal­ten wer­den, um zu ver­mei­den, dass ande­re in Bezug auf den Glau­ben und das Leben ent­spre­chend den For­de­run­gen des Evan­ge­li­ums irre­ge­führt wer­den (d. h. einen Skan­dal ver­ur­sa­chen; vgl. Mt 18,6).
  10. Der Emp­fang der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on in bestimm­ten Fäl­len durch jene, die nach einer Ehe­schei­dung wie­der gehei­ra­tet haben, hängt vom objek­ti­ven Dasein des Ehe­ban­des ihrer ersten Ehe und von der Ver­mei­dung von Sün­de und öffent­li­chem Skan­dal ab, und nicht ledig­lich von ihrer pri­va­ten Absicht, künf­tig sexu­el­le Hand­lun­gen zu ver­mei­den, ihrer sub­jek­ti­ven Ein­schät­zung der gegen­wär­ti­gen Bezie­hung oder ihrer sub­jek­ti­ven Ansicht, dass sexu­el­le Akti­vi­tät in die­ser Bezie­hung mora­lisch gut sei (vgl. Mt 5,32). Durch unse­ren Auf­ruf möch­ten wir Sie ermu­ti­gen, den pasto­ra­len Wert der apo­sto­li­schen Unter­stüt­zung und der Rich­tung, die Sie der uni­ver­sa­len Kir­che auch als ein­zel­ner Bischof geben könn­ten, nicht zu unterschätzen.

Wir sind uns als Prie­ster des­sen sehr bewusst, dass vie­le Kle­ri­ker und Lai­en von den welt­li­chen Denk­wei­sen und der fal­schen Moral­theo­lo­gie ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te so sehr beein­flusst sind, dass sie das apo­sto­li­sche Zeug­nis der Kir­che ledig­lich als ein Ide­al, als über­holt oder sogar grau­sam anse­hen. Daher neh­men sie oft fälsch­li­cher­wei­se pasto­ra­le Bekräf­ti­gun­gen die­ses Zeug­nis­ses als Abstrak­tio­nen, Akte des Lega­lis­mus oder per­sön­li­che Ver­ur­tei­lun­gen wahr. Das ist für alle Betei­lig­ten äußerst schmerz­haft. Die­se Erfah­rung kann auf Prie­ster ent­mu­ti­gend wir­ken, und könn­te uns dazu füh­ren, dass wir eine kla­re und authen­ti­sche Dar­le­gung des Evan­ge­li­ums scheuen.

Wir sind jedoch geseg­net, vie­le Kle­ri­ker und Lai­en zu ken­nen, deren Leben durch die freu­di­ge Annah­me der Leh­re Chri­sti ver­än­dert wur­de, auch wenn dies mit Lei­den ver­bun­den war. Sie freu­en sich jetzt über das Zeug­nis der Kir­che, das ihnen einst unrea­li­stisch oder feind­lich erschien.

Gleich­zei­tig erle­ben sie die För­de­rung von Irr­tü­mern, die ande­re in schäd­li­chen Situa­tio­nen gefan­gen­hal­ten, ähn­lich denen, die sie selbst erlebt haben, mit einem tie­fen Gefühl von Trau­er und Ver­rat. Den­noch fin­den sie Hoff­nung und ermu­ti­gen uns, indem sie uns ins Gedächt­nis rufen, dass sie selbst befreit wur­den durch die Kraft der Gna­de und der Wahr­heit Chri­sti, die im ein­deu­ti­gen und lie­be­vol­len Zeug­nis eines bestimm­ten Prie­sters oder Lai­en wirkte.

Um so mehr wür­de dann das per­sön­li­che, mit der Sor­ge um das Heil der See­len und der vol­len Auto­ri­tät eines Nach­fol­gers der Apo­stel gege­be­ne Zeug­nis eines Bischofs ein wirk­sa­mes Werk­zeug für Chri­stus sein, sein Volk zu sam­meln, zu unter­stüt­zen und zu führen.

Wir dan­ken Ihnen für Ihre freund­li­che Berück­sich­ti­gung die­ses Auf­rufs. Gott möge Sie in sei­nem Dienst stärken!

Mit der Bit­te um Ihren Segen.

Ihre Brü­der im prie­ster­li­chen und apo­sto­li­schen Dienst

Der Auf­ruf und die Erläu­te­rung zum Auf­ruf, jeweils in ver­schie­de­nen Spra­chen, fin­den sich auf der dazu ein­ge­rich­te­ten Inter­net­sei­te Cura pasto­ra­lis. Dort besteht auch die Mög­lich­keit für Prie­ster, den Auf­ruf zu unter­zeich­nen und her­un­ter­zu­la­den, um ihn dem eige­nen Bischof zukom­men zu lassen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cura pasto­ra­lis (Screen­shots)