Papst Franziskus und die ewige Bestimmung der Seelen

Papst Franziskus
Papst Franziskus und Eugenio Scalfari: Was Scalfari als Aussage von Franziskus zur Hölle wiedergibt, ist eine Häresie. Eine alte Häresie.

Von Rober­to de Mattei*

Der Zweck der Kir­che ist die Ver­eh­rung Got­tes und die Ret­tung der See­len. Ret­tung aber wovor? Vor der ewi­gen Ver­damm­nis, die das Schick­sal der Men­schen ist, die in einer Tod­sün­de ster­ben. Für das Heil der Men­schen hat Unser Herr sein erlö­sen­des Lei­den auf sich genommen. 

Die Got­tes­mut­ter hat in Fati­ma dar­an erin­nert: Das erste Geheim­nis, das sie den drei Hir­ten­kin­dern anver­trau­te, jenes vom 13. Juli 1917, beginnt mit einer erschüt­tern­den Höl­len­vi­si­on. Hät­te die Got­tes­mut­ter ihnen nicht ver­si­chert, sie in den Him­mel zu brin­gen – schreibt Sr. Lucia –, wären die Seher­kin­der vor Auf­re­gung und Angst gestor­ben. Die Wor­te der Got­tes­mut­ter sind trau­rig und streng:

„Ihr habt die Höl­le gese­hen, wohin die Sün­der gehen. Um sie zu ret­ten, will Gott die Andacht zu mei­nem Unbe­fleck­ten Her­zen in der Welt begründen.“

Ein Jahr zuvor hat­te der Engel von Fati­ma die drei Hir­ten­kin­der die­ses Gebet gelehrt:

„O mein Jesus, ver­zeih uns unse­re Sün­den, bewah­re uns vor dem Feu­er der Höl­le, füh­re alle See­len in den Him­mel, beson­ders jene, die Dei­ner Barm­her­zig­keit am mei­sten bedürfen.“

Höllenfeuer
Höl­len­feu­er

Jesus spricht wie­der­holt von „Gehin­nom“ und vom unaus­lösch­li­chen „Feu­er der Höl­le“ (Mt 5,22; 13,42; Mk 9,43–49), das jenen bestimmt ist, die sich am Ende des Lebens wei­gern, sich zu bekeh­ren. Das erste Feu­er, das spi­ri­tu­el­le, ist die Gott­fer­ne. Sie stellt die schreck­lich­ste Stra­fe dar, die im wesent­li­chen die Höl­le aus­macht, denn durch den Tod wird die See­le von ihren irdi­schen Bin­dun­gen gelöst und strebt mit aller Kraft danach, sich mit Gott zu ver­ei­nen, aber es ist ihr nicht mög­lich, wenn der Mensch zu Leb­zei­ten sich aus frei­en Stücken durch die Sün­de dafür ent­schie­den hat, sich von Gott zu trennen.

Die zwei­te Stra­fe ist jene geheim­nis­vol­le, durch die die See­le das wirk­li­che Feu­er spürt, nicht nur ein meta­pho­ri­sches, das unaus­lösch­lich dem geist­li­chen Feu­er des Ver­lu­stes von Gott folgt. Da die See­le unsterb­lich ist, dau­ert auch die Stra­fe, die auf die reue­lo­se Tod­sün­de folgt, solan­ge wie das Leben der See­le dau­ert, näm­lich end­los, für die Ewig­keit. Die­se Leh­re wur­de vom Vier­ten Later­an­kon­zil, dem Zwei­ten Kon­zil von Lyon, dem Kon­zil von Flo­renz und dem Kon­zil von Tri­ent defi­niert. In der Kon­sti­tu­ti­on Bene­dic­tus Deus vom 29. Janu­ar 1336, mit der die Irr­leh­re der selig­ma­chen­de Schau sei­nes Vor­gän­gers Johan­nes XXII. ver­ur­teilt wur­de, bekräf­tig­te Papst Bene­dikt XII.:

„Wir defi­nie­ren zudem, daß nach all­ge­mei­ner Anord­nung Got­tes die See­len der in einer aktu­el­len Tod­sün­de Dahin­schei­den­den sogleich nach ihrem Tod zur Höl­le hin­ab­stei­gen, wo sie mit den Qua­len der Höl­le gepei­nigt wer­den“ (DH 1002).

Am 29. März 2018, dem Grün­don­ners­tag, wur­de ein Inter­view von Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­licht, das die­ser der Tages­zei­tung La Repub­bli­ca gab. Sein inzwi­schen gewohn­ter Gesprächs­part­ner, Euge­nio Scal­fa­ri, frag­te ihn:

„Sie haben nie von See­len gespro­chen, die in der Sün­de gestor­ben sind und in die Höl­le fah­ren, um dort in alle Ewig­keit zu blei­ben. Sie haben mir hin­ge­gen von guten See­len gespro­chen, die zur Anschau­ung Got­tes gelan­gen. Aber die bösen See­len? Wo wer­den sie bestraft?“

Papst Fran­zis­kus ant­wor­te­te so:

„Sie wer­den nicht bestraft. Jene, die bereu­en, erhal­ten die Ver­ge­bung Got­tes und rei­hen sich unter die See­len, die ihn betrach­ten. Aber jene, die nicht bereu­en, denen kann nicht ver­ge­ben wer­den, und sie ver­schwin­den. Es gibt kei­ne Höl­le. Es gibt das Ver­schwin­den der sün­di­gen Seelen.“

Die­se Wor­te stel­len, so wie sie klin­gen, eine Häre­sie dar. Der Wir­bel setz­te bereits ein, als das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt mit einer Erklä­rung ein­griff, in der man lesen kann:

„Der Hei­li­ge Vater hat jüngst den Grün­der der Tages­zei­tung La Repub­bli­ca wegen Ostern zu einem Pri­vat­tref­fen emp­fan­gen, ohne ihm ein Inter­view gege­ben zu haben. Was vom Autor des heu­ti­gen Arti­kels berich­tet wird, ist das Ergeb­nis sei­ner Rekon­struk­ti­on, in der nicht das vom Papst wört­lich Gesag­te zitiert wird. Nichts vom genann­ten Arti­kel, das unter Anfüh­rungs­zei­chen steht, ist daher als getreue Wie­der­ga­be der Wor­te des Hei­li­gen Vaters zu verstehen.“

Es han­del­te sich also nicht um ein Inter­view, son­dern um ein pri­va­tes Gespräch, von dem der Papst aller­dings genau wuß­te, daß es sich in ein Inter­view ver­wan­deln wür­de, weil dies bereits bei den vier vor­he­ri­gen Gesprä­chen mit Scal­fa­ri der Fall war. Wenn er trotz der Kon­tro­ver­sen, die durch die vor­he­ri­gen Inter­views mit dem Jour­na­li­sten von La Repub­bli­ca ent­stan­den sind, dar­an fest­hält, die­sen als bevor­zug­ten Gesprächs­part­ner zu emp­fan­gen, bedeu­tet es, daß der Papst die Absicht hat, durch die­se Gesprä­che eine Art von Medi­en­lehr­amt aus­zu­üben – mit unver­meid­li­chen Konsequenzen.

Die letzten Dinge: das Gericht
Die letz­ten Din­ge: das Gericht

Kein Satz, sagt der Hei­li­ge Stuhl, ist als getreue Wie­der­ga­be zu betrach­ten, aber kein kon­kre­ter Inhalt des Inter­views wird demen­tiert, sodaß wir nicht wis­sen, ob und wel­cher Punkt des Ber­go­glia­ni­schen Den­kens ent­stellt wur­de. In fünf Jah­ren sei­nes Pon­ti­fi­kats äußer­te Fran­zis­kus nicht den gering­sten Hin­weis zur Höl­le als Ort der ewi­gen Ver­damm­nis der See­len, die in der Sün­de ster­ben. Um sein Den­ken klar­zu­stel­len, müß­ten der Papst – oder der Hei­li­ge Stuhl – öffent­lich die katho­li­sche Leh­re zu allen Punk­ten des Inter­views bekräf­ti­gen, in denen sie geleug­net wurde.

Das aber ist lei­der nicht gesche­hen, und man gewinnt den Ein­druck, daß das, was die Repub­bli­ca ver­öf­fent­lich­te, kei­ne Fake News ist, son­dern eine will­kür­li­che Initia­ti­ve, um die Ver­wir­rung unter den Gläu­bi­gen zu ver­grö­ßern. Die The­se, daß das ewi­ge Leben den See­len der Guten vor­be­hal­ten sei, wäh­rend jene der Bösen ver­schwin­den wür­den, ist eine alte Häre­sie. Sie leug­net nicht nur die Exi­stenz der Höl­le, son­dern auch die Unsterb­lich­keit der See­le, wie sie vom Fünf­te Later­an­kon­zil als Glau­bens­wahr­heit defi­niert wur­de (DH 1440).

Die­se extra­va­gan­te Mei­nung wur­de von den Sozi­nia­nern, den libe­ra­len Pro­te­stan­ten, eini­gen adven­ti­sti­schen Sek­ten und vom Wal­denser­pa­stor Ugo Jan­ni (1865–1938) ver­tre­ten, dem Theo­re­ti­ker des „Pan­chri­sten­tums“ und Groß­mei­ster der Frei­mau­rer­lo­ge Mazzi­ni von San­re­mo. Für sie ist die Unsterb­lich­keit ein Pri­vi­leg, das Gott nur den See­len der Guten gewährt.

Das Schick­sal der See­len, die hart­näckig in der Sün­de ver­har­ren, sei nicht die ewi­ge Stra­fe, son­dern der völ­li­ge Exi­stenz­ver­lust. Die­se Leh­re ist auch bekannt als „fakul­ta­ti­ve Unsterb­lich­keit“ oder „Kon­di­tio­nie­rung“, weil sie die The­se ver­tritt, daß die Unsterb­lich­keit durch das mora­li­sche Ver­hal­ten kon­di­tio­niert sei. Das Ende des tugend­haf­ten Lebens ist die Fort­dau­er des Seins, das Ende des schuld­haf­ten Lebens aber die Selbstauslöschung.

Die Leh­re von der „fakul­ta­ti­ven Unsterb­lich­keit“ ver­bin­det sich mit dem Evo­lu­tio­nis­mus, weil sie behaup­tet, daß die Unsterb­lich­keit eine Errun­gen­schaft der See­le sei, eine Art von mensch­li­cher Höher­ent­wick­lung ver­gleich­bar der „natür­li­chen Selek­ti­on“, die nie­de­re Orga­nis­men dazu ver­an­laßt, sich in höhe­re Orga­nis­men zu ver­wan­deln. Wir ste­hen hier einem zumin­dest impli­zit mate­ria­li­sti­schen Ver­ständ­nis gegen­über. Der Grund der Unsterb­lich­keit der See­le ist ihre Spi­ri­tua­li­tät: Was spi­ri­tu­ell ist, kann sich nicht auf­lö­sen. Wer die Mög­lich­keit die­ser Auf­lö­sung ver­tritt, schreibt der See­le hin­ge­gen eine mate­ri­el­le Natur zu.

Eine spi­ri­tu­el­le Sub­stanz wie die See­le könn­te ihre Natur nur durch das Ein­grei­fen Got­tes ver­lie­ren, ein sol­ches wird von den Kon­di­tio­na­li­sten aber bestrit­ten. Es hie­ße näm­lich, die Stra­fe eines gerech­ten Got­tes zuzu­ge­ben, der belohnt und bestraft in Zeit und Ewig­keit. Ihr Ver­ständ­nis von einem aus­schließ­lich barm­her­zi­gen Gott schreibt dem Wil­len des Men­schen die Fähig­keit zu, sich selbst zu bestim­men, indem der Mensch ent­schei­det, ob er ein Fun­ke wer­den will, der im gött­li­chen Feu­er auf­geht, oder ob er sich ins abso­lu­te Nichts auflöst.

Pan­the­is­mus und Nihi­lis­mus sind die Optio­nen, die dem Men­schen in die­ser Kos­mo­lo­gie zukom­men, die nichts mit dem katho­li­schen Glau­ben und dem gesun­den Men­schen­ver­stand zu tun hat. Der Athe­ist, der über­zeugt ist, daß es nach dem Tod nichts gibt, wird durch die Kon­di­tio­nie­rungs­the­se der Mög­lich­keit der Bekeh­rung beraubt, die durch den Timor Domi­ni aus­ge­löst wer­den könn­te: durch die „Furcht des Herrn, der Anfang der Weis­heit“ (Ps 111,10), des­sen Gericht nie­mand ent­kommt. Nur indem wir an die unfehl­ba­re Gerech­tig­keit Got­tes glau­ben, kön­nen wir uns Sei­ner unend­li­chen Barm­her­zig­keit anheimstellen.

Nie war es not­wen­di­ger als heu­te, über die letz­te Bestim­mung der See­len zu pre­di­gen, über das, was die Kir­che in den vier letz­ten Din­gen, den quat­tu­or novis­si­ma, zusam­men­ge­faßt hat: Tod, Gericht, Him­mel und Höl­le. Die Got­tes­mut­ter per­sön­lich woll­te uns in Fati­ma dar­an erin­nern, indem sie die Abtrün­nig­keit der Hir­ten vor­her­sag­te, aber uns zugleich ver­si­cher­te, daß uns der Bei­stand vom Him­mel nie feh­len wird.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana/Wikicommons

1 Kommentar

  1. Eine ähn­lich ver­wir­rend-dia­bo­li­sche Dis­kus­si­ons­kul­tur gesagt-nicht gesagt, gemeint- anders gemeint ken­nen wir von den Moham­me­da­nern. Jeder weiß was im Koran steht und trotz­dem wird alles zer­re­det mit dem Hin­weis auf die „unge­fäh­re“ Übersetzung.

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