Der ‚Frevler‘ lebt, als ob es Gott nicht gäbe

Mittwochsaudienz mit Papst Franziskus

Papst Franziskus bei der heutigen Generalaudienz.
Papst Franziskus bei der heutigen Generalaudienz.

Lie­be Brü­der und Schwestern, 

in den Psal­men begeg­net uns das Gebet als die grund­le­gen­de Wirk­lich­keit des Lebens. Der Bezug auf das Abso­lu­te und Tran­szen­den­te hin – die Leh­rer des geist­li­chen Lebens spre­chen von der „Ehr­furcht vor Gott“ – macht uns erst wirk­lich menschlich. 

Der „Frev­ler“, das Gegen­bild zum Beter in den Psal­men, lebt hin­ge­gen so, als ob es Gott nicht gäbe, und kennt kei­ne Zügel für sei­ne Über­heb­lich­keit. Das Gebet ist die Mit­te des Lebens. Wenn wir beten, gewinnt alles an Bedeu­tung, wird der Bru­der, die Schwe­ster wich­tig. Beten lässt das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein wach­sen. Wer zu Gott betet, liebt des­sen Kin­der und ach­tet die Men­schen. Wer den Armen in sei­ner Not miss­ach­tet, kann dem Herrn nicht begeg­nen, weil er Got­tes Abbild im Mit­men­schen nicht sieht. Der Psal­ter ist eine gro­ße Schu­le des Betens. Das per­sön­li­che Gebet schöpft aus dem Beten des gläu­bi­gen Vol­kes Got­tes. Die Bit­ten des Ein­zel­nen ver­bin­den sich mit den Anlie­gen der Gemein­schaft und kön­nen von allen und für alle vor den Herrn gebracht wer­den. Beten voll­zieht sich in einer geist­li­chen Span­nung in zwei­fa­cher Rich­tung: Das Gebet zu Hau­se oder in der Kir­che geht hin­aus auf die Stra­ßen und wird dort frucht­bar; umge­kehrt keimt es unter den Sor­gen des täg­li­chen Lebens auf und fin­det sei­ne Erfül­lung in der Liturgie.

Sehr herz­lich hei­ße ich die Pil­ger deut­scher Spra­che will­kom­men. Der Mis­si­ons­mo­nat Okto­ber erin­nert uns dar­an, dass im Gebet die Welt immer zuge­gen sein muss. Die erste Mis­si­on ist das Gebet, unse­re Bezie­hung zum Herrn, die unse­ren Ein­satz für das Evan­ge­li­um und für das Heil der Men­schen, vor allem der Armen, erst frucht­bar macht. Bit­ten wir den Herrn, dass wir wirk­lich mis­sio­na­ri­sche Jün­ger sind.

Bild: Vatican.va (Screen­shot)