Benedikt XVI. wollte schon im April 2012 zurücktreten

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. geschildert von seinem Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.
Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. geschildert von seinem Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

(Rom) Plante Papst Benedikt XVI. bereits im April 2012 seinen Rücktritt? Dies schreibt dessen Staatssekretär, Tarcisio Kardinal Bertone, in seinem neuen Buch „Meine Päpste“.

Benedikt XVI. habe bereits im April 2012, zehn Monate vor seiner Rücktrittsankündigung am Rosenmontag 2013, die feste Absicht gehabt, zurückzutreten. Bekanntgeben wollte er seine „revolutionäre Entscheidung“ noch vor Weihnachten 2012.

Bertone: „Meine Päpste“
Kardinal Bertone: „Meine Päpste“

Diese Enthüllung machte Tarcisio Bertone, der Benedikt XVI. als Kardinalstaatssekretär gedient hatte, in einem Vorabdruck in der Tageszeitung Il Giornale, der genau zwischen dem fünften Jahrestag des Amtsverzichts am 28. Februar und dem fünften Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus am 13. März erfolgte.

Wie die Tageszeitung Il Giornale in ihrer Samstagausgabe schrieb, sei in der jüngsten Vergangenheit zwar viel über den Gesundheitszustand von Benedikt XVI. geschrieben und geredet worden, doch gebe dieser keinen Anlaß zur Sorge.

Eine Information, die nicht ohne Bedeutung ist, da der deutsche Papst mit dem Gesundheitszustand seinen Rücktritt begründet hatte, und da sich morgen zum fünften Mal der Tag der Erwählung seines Nachfolgers jährt. Urbs et Orbis erleben seit fünf Jahren das kirchengeschichtlich neue Phänomen zweier Päpste im Vatikan.

Der einst ranghöchste und damit engste Mitarbeiter von Benedikt XVI. enthüllt sein Wissen in seinem neuen Buch „Meine Päpste“ (I miei Papi, Elledici), das am 14. März in den Buchhandel kommt. Es enthält die persönlichen Erinnerungen des Purpurträgers an die Päpste von Pius XII. bis Franziskus.

Wörtlich schreibt Kardinal Bertone:

„Der Papst machte eine flüchtige Handbewegung zur eventuellen Möglichkeit eines Verzichts auf sein Petrusamt bereits in der Audienz vom 30. April 2012.“

Die Sache sei dann nicht mehr angesprochen worden bis zu einem vertraulichen Gespräch im August desselben Jahres, „während wir in Castel Gandolfo waren“.

Laut Bertones Darstellung habe Benedikt XVI. fast ein Jahr vor der offiziellen Bekanntgabe seines Amtsverzichts an Rücktritt gedacht. Die Bekanntgabe erfolgte am 11. Februar 2013 im Rahmen des Konsistoriums für die Heiligsprechung der Märtyrer von Otranto.

„Es fiel mir schwer, zu glauben, daß der Papst wirklich diese Entscheidung treffen würde, und respektvoll, aber energisch trug ich ihm eine Reihe von Überlegungen vor, die ich für das Wohl der Kirche für begründet hielt, und um eine allgemeine Niedergeschlagenheit des Volkes Gottes gegenüber seinem guten Hirten abzuwenden.“

Der Kardinalstaatssekretär versuchte zumindest einen Aufschub der Ankündigung dieser Entscheidung zu erreichen, „die ich für furchtbar hielt und die für mich ein großes Leiden bedeutete“.

Während Benedikts Pontifikat stand nicht nur der Papst unter Dauerbeschuß, sondern ebenso sein Kardinalstaatssekretär. Das hatte Methode. Alles, was mit dem deutschen Pontifikat zu tun hatte, sollte sturmreif geschossen und ranzig gemacht werden. Häufig hieß es, Benedikt XVI. sei „zu schwach“, und deshalb von seinem Staatssekretär abhängig gewesen. Bertone schildert in Sachen Rücktritt ein anderes Bild. Trotz aller Einwände sei Benedikt keinen Millimeter von seinem Entschluß abgewichen.

„Der Heilige Vater wich, je mehr Zeit verging, nicht zurück, sondern bestätigte sich in seiner Entscheidung, die er ganz nach seinem Gewissen vor dem Herrn getroffen hatte. Anfangs wollte er seine Verzichtserklärung vor Weihnachten veröffentlichen, aber ich sagte ihm, daß er uns zu Weihnachten sein Buch über die Kindheit von Jesus von Nazareth schenken wollte, seine Ankündigung aber die öffentliche Meinung erschüttern, das weihnachtliche Klima stören und die Früchte dieses Geschenks zerstreuen würde.“

Trotz aller Widerstände des Kardinalstaatssekretärs, der auf weiteren Aufschub drängte, entschied Benedikt XVI., im Februar seine Entscheidung publik zu machen.

„Nachdem die Entscheidung auf das neue Jahre verschoben war, versuchte ich weiterhin sie von Woche zu Woche hinauszuzögern, indem ich dem Papst das Ende des Jahres des Glaubens und die angekündigte Enzyklika über den Glauben in Erinnerung rief. Benedikt XVI. aber, der vor allem an die Verpflichtungen der Osterzelebrationen dachte und einen Blick auf den Weltjugendtag in Rio de Janeiro hatte, entschied unabwendbar, seinen Amtsverzicht am 11. Februar 2013 zu erklären. Die Formel wurde sub secreto ausgedacht und ausgearbeitet. Die handgeschriebene Fassung des Papstes trägt das Datum vom 7. Februar. Anschließend erfolgte eine kleine orthographische Korrektur des lateinischen Textes, und da die Notwendigkeit einer genauen Übersetzung ins Italienische und in andere Sprache bestand, trägt der endgültige Text das Datum des 10. Februar.“

Text: Giuseppe Nardi
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2 Kommentare

  1. Wen man das schlicht und einfach so liest, wie es dasteht, wie es der nicht bei jedermann beliebte, aber von Benedikt offensichtlich sehr geschätzte Tarcisio Bertone so schildert, kann man durchaus von Emotionen ergriffen werden. Traurig bis beinahe schon dramatisch. Vor allem, wenn man an die weitreichenden Folgen der damaligen Entscheidung denkt.

    • Papst Benedikt steuerte zum Schwindelbuch Kardinal Bertones über die Seherin von Fatima unverständlicherweise ein Vorwort bei. Es stinkt einiges zum Himmel.

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