Kardinal Zen: „Unsere Diplomaten gehen vor Peking in die Knie“

Kardinal Zen liest Kardinalstaatssekretär Parolin die Leviten.
Kardinal Zen liest Kardinalstaatssekretär Parolin die Leviten.

(Hong Kong) Kar­di­nal Zen, der eme­ri­tier­ter Bischof von Hong Kong und graue Emi­nenz der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che, läßt nicht locker. Auf sei­nem Blog ver­öf­fent­lich­te er heu­te mor­gen eine neue Stel­lung­nah­me – auf chi­ne­sisch und auf ita­lie­nisch, damit sie auch im Vati­kan ver­stan­den wird. Asia­News ver­öf­fent­lich­te inzwi­schen auch eine eng­li­sche Über­set­zung. Dar­in liest er Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin die Levi­ten und rech­net mit einer fal­schen „Ost­po­li­tik“ des Vati­kans ab.

Mit sei­ner neu­en Stel­lung­nah­me ant­wor­tet Kar­di­nal Joseph Zen auf das Inter­view von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin, das am 1. Febru­ar unter dem Titel „War­um wir mit Chi­na reden“ in der Tages­zei­tung La Stam­pa erschie­nen ist. Msgr. Zen bekräf­tigt den Ein­druck, daß es sich dabei um ein bestell­tes und abge­spro­che­nes Inter­view han­del­te. Er habe es bereits mehr­fach gele­sen, um dar­auf ant­wor­ten zu kön­nen, obwohl es ihn „absto­ße“.

Er sei dem Kar­di­nal­staats­se­kre­tär jeden­falls dank­bar, daß er dar­in aner­kennt, daß „es legi­tim ist, unter­schied­li­che Mei­nun­gen zu haben“. Die Ant­wort von Kar­di­nal Zen auf die Aus­sa­gen von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin im Wort­laut:

Ich habe noch nicht verstanden, wofür sie mit China reden

1.

Zunächst fällt der Nach­druck auf, mit dem Sei­ne Emi­nenz erklärt, daß sein Blick­win­kel und der Zweck sei­ner Akti­vi­tä­ten pasto­ra­ler, geist­li­cher, evan­ge­li­scher und gläu­bi­ger Natur sind, wäh­rend unser Den­ken und Han­deln nur poli­ti­scher Natur sei.

Was wir sehen, ist hin­ge­gen, daß er die Diplo­ma­tie der Ost­po­li­tik sei­nes Lehr­mei­sters Casa­ro­li ver­ehrt und den genui­nen Glau­ben jener ver­ach­tet, die mit Festig­keit die von Chri­stus auf den Apo­steln gegrün­de­te Kir­che vor jeder Ein­mi­schung durch die welt­li­che Macht ver­tei­di­gen.

Ich kann mein Stau­nen nicht ver­ges­sen, als ich vor eini­gen Jah­ren eine im Osser­va­to­re Roma­no ver­öf­fent­lich­te Rede von ihm las, in der er die Glau­bens­hel­den im öst­li­chen Mit­tel­eu­ro­pa unter kom­mu­ni­sti­scher Herr­schaft (Kar­di­nal Wyszyn­sky, Kar­di­nal Mindszen­ty und Kar­di­nal Beran, wenn auch ohne sie nament­lich zu nen­nen) als „Gla­dia­to­ren“ beschrieb, als „Leu­te, die kate­go­risch gegen die Regie­rung waren“ und „nach der poli­ti­schen Büh­ne gier­ten“.

2.

Es fällt eben­so die wie­der­hol­te Erwäh­nung sei­nes Mit­leids für das Lei­den unse­rer Brü­der in Chi­na auf. Kro­ko­dils­trä­nen! Von wel­chem Lei­den spricht er? Er weiß genau, daß sie weder die Armut noch die Ein­schrän­kung der Frei­heit fürch­ten, auch nicht den Frei­heits­ent­zug und nicht ein­mal, das Leben zu ver­lie­ren. Er schätzt das alles aber kei­nes­wegs (es sind „Gla­dia­to­ren“!).

Er spricht auch von noch offe­nen Wun­den, und um sie zu hei­len, will er den „Bal­sam der Barm­her­zig­keit“ ein­set­zen. Aber von wel­chen Wun­den spricht er?

Gegen Ende des Inter­views sagt er: „Ehr­lich, … ich sage: Ich bin auch über­zeugt, daß ein Teil des von der Kir­che in Chi­na erlit­te­nen Lei­dens nicht dem Wil­len ein­zel­ner Per­so­nen geschul­det ist, son­dern der objek­ti­ven Kom­ple­xi­tät der Situa­ti­on.“

Er weiß also sehr gut, daß es sich in der Kir­che Chi­nas (außer in sel­te­nen Fäl­len) nicht um per­sön­li­che Beklei­dun­gen oder Res­sen­ti­ments han­delt, son­dern alle Opfer der Ver­fol­gung durch eine tota­li­tä­re, athe­isti­sche Macht sind. Den Bal­sam der Barm­her­zig­keit ein­set­zen? Es geht aber nicht dar­um, per­sön­li­che Ver­let­zun­gen zu ver­ge­ben. Es geht um eine Skla­ve­rei, aus der es sich zu befrei­en gilt.

Barm­her­zig­keit für die Ver­fol­ger? Für ihre Kom­pli­zen? Die Ver­rä­ter beloh­nen? Die Treu­en bestra­fen? Einen recht­mä­ßi­gen Bischof zwin­gen, sei­nen Platz einem exkom­mu­ni­zier­ten zu über­las­sen? Bedeu­tet das nicht viel­mehr, Salz in die Wun­den zu streu­en?

Schau­en wir uns die „objek­ti­ve Situa­ti­on“ an. Der schmerz­li­che Zustand wur­de nicht von uns geschaf­fen, son­dern vom Regime. Die Kom­mu­ni­sten wol­len die Kir­che ver­skla­ven. Es gibt sol­che, die sich die­ser Ver­skla­vung ver­wei­gern, sol­che, die sie erlei­den, und lei­der auch sol­che, die sich ihr bereit­wil­lig hin­ge­ben.

Ist es mög­lich, ange­sichts sol­cher Tat­sa­chen, nicht von „Macht, Wider­stand, Kon­flikt, Kom­pro­miß, Nach­ge­ben, Kapi­tu­la­ti­on und Ver­rat“ zu spre­chen?

Paro­lin will, daß wir von Gemein­schaft und Zusam­men­ar­beit spre­chen. Gibt es aber die Vor­aus­set­zun­gen dafür? Wo sol­len wir uns ver­ei­nen? Wie sol­len wir zusam­men­ar­bei­ten. Ana­ly­sie­ren wir die bei­den grund­le­gen­den Din­ge, die zu klä­ren sind.

3.

Wel­che Ein­heit kann erreicht wer­den?

a) Sei­ne Emi­nenz lobt die chi­ne­si­schen Chri­sten und erklärt, daß „es nicht zwei katho­li­sche Kir­chen in Chi­na gibt“. Wenn ich mich nicht irre, war ich der Erste, der das in einer Ver­samm­lung der Bischofs­syn­ode gesagt hat in dem Sinn, daß in der einen und in der ande­ren Gemein­schaft die Gläu­bi­gen in ihrem Her­zen dem Papst treu sind. (Heu­te wage ich die­se Aus­sa­ge aller­dings wegen der Zunah­me der Oppor­tu­ni­sten in der von der Regie­rung kon­trol­lier­ten Gemein­schaft nicht mehr für die gan­ze Kir­che in Chi­na zu wie­der­ho­len.)

Paro­lin kann aber zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht bestrei­ten, daß es zwei Gemein­schaf­ten mit zwei Struk­tu­ren gibt, die auf zwei unter­schied­li­chen, gegen­sätz­li­chen Grund­sät­zen beru­hen. Eine Struk­tur ist auf dem Grund­satz des Pri­mats des Petrus gegrün­det, auf dem Jesus sei­ne Kir­che gegrün­det hat. Die ande­re Struk­tur wur­de von einer athe­isti­schen Regie­rung auf­ge­zwun­gen in der Absicht, eine schis­ma­ti­sche Kir­che zu schaf­fen, die ihrer Macht unter­liegt.

b) Die­se Spal­tung zu besei­ti­gen und die Ein­heit wie­der­her­zu­stel­len, muß der Wunsch eines jeden Katho­li­ken sein, aber nicht, indem alles unter den Tisch gekehrt wird, und schon gar nicht, indem der Brief von Papst Bene­dikt an die chi­ne­si­schen Katho­li­ken mani­pu­liert wird.

In dem Brief des heu­te eme­ri­tier­ten Pap­stes steht die­ser Absatz (8.10):

„Eini­ge von ihnen, die einer wider­recht­li­chen, über das Leben der Kir­che aus­ge­üb­ten Kon­trol­le nicht unter­lie­gen woll­ten und wünsch­ten, eine vol­le Treue zum Nach­fol­ger Petri und zur katho­li­schen Leh­re zu bewah­ren, sahen sich gezwun­gen, sich im gehei­men wei­hen zu las­sen. Der Unter­grund fällt nicht in die Nor­ma­li­tät des Lebens der Kir­che, und die Geschich­te zeigt, daß Hir­ten und Gläu­bi­ge dazu nur mit dem mit Leid ver­bun­de­nen Wunsch grei­fen, den eige­nen Glau­ben unver­sehrt zu bewah­ren und kei­ne Ein­mi­schung von staat­li­chen Orga­nen in Din­gen zu dul­den, die das Inner­ste des Lebens der Kir­che berüh­ren.“

Pater Jer­oom Heynd­ricks riß den Satz „Der Unter­grund fällt nicht in die Nor­ma­li­tät des Lebens der Kir­che“ aus dem Zusam­men­hang und mach­te es sich zur Auf­ga­be, in ganz Chi­na (wo er gro­ße Bewe­gungs­frei­heit genoß) die Stim­me zu ver­brei­ten. „Nun darf es kei­ne Unter­grund­ge­mein­schaft mehr geben, alle müs­sen her­vor­kom­men und in die von der Regie­rung kon­trol­lier­te Gemein­schaft ein­tre­ten.“

In der vati­ka­ni­schen Kom­mis­si­on für die Kir­che in Chi­na haben wir auf die­sen gro­ßen Irr­tum hin­ge­wie­sen, aber sowohl das Staats­se­kre­ta­ri­at als auch die Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker hat die­se War­nung in den Wind geschla­gen und offen­sicht­lich die Idee von Pater Heynd­ricks unter­stützt.

Erst nach zwei Jah­ren, als die­ser Irr­tum bereits immensen Scha­den ange­rich­tet hat­te, ist es uns gelun­gen, in das „Kom­pen­di­um“ [zum Brief von Bene­dikt XVI. an Chi­nas Katho­li­ken] eini­ge Anmer­kun­gen ein­zu­fü­gen, die zwi­schen der Ver­söh­nung der Her­zen und der Ein­heit der Struk­tu­ren zu dif­fe­ren­zie­ren ver­su­chen.

c) Paro­lin sagt, daß man „nicht einen dau­er­haf­te Kon­flikt zwi­schen gegen­sätz­li­chen Grund­sät­zen und Struk­tu­ren auf­recht­erhal­ten“ dür­fe. Das aber hängt natür­lich nicht allein von uns ab, weil eine der bei­den Struk­tu­ren unter der Herr­schaft der Regie­rung steht, die sie kon­trol­liert und kei­ne Anstal­ten macht, dar­auf ver­zich­ten zu wol­len.

Papst Bene­dikt sagt, daß der Weg der Ein­heit „nicht leicht“ ist und „sich nicht von heu­te auf mor­gen erfül­len kön­nen wird“ (6.5, 6.6).

Unse­re Diplo­ma­ten aber wol­len sofort ein Wun­der ver­wirk­li­chen und beschul­di­gen die ande­ren, sich „an einen Geist des Wider­spruchs fest­zu­hal­ten, um den Bru­der zu ver­ur­tei­len“ und „die Ver­gan­gen­heit als Vor­wand zu benut­zen, um neue Res­sen­ti­ments und Abschot­tun­gen zu schü­ren“ und „nicht bereit zu sein, zu ver­ge­ben, das bedeu­tet, daß es ande­re Inter­es­sen zu ver­tei­di­gen gibt“.

Wie grau­sam ist die­ser Tadel, der sich gegen treue Glie­der der Kir­che rich­tet, die wegen ihrer Treue zur wah­ren Kir­che jede Form der Ver­fol­gung erlit­ten haben!

Wenn die ande­re Sei­te kei­ne Absicht hat, die grund­le­gen­de Natur der Katho­li­schen Kir­che zu respek­tie­ren, und man auf unse­rer Sei­te um jeden Preis eine Eini­gung erzie­len will, dann gibt es nur einen mög­li­chen Weg: alle in den „Käfig“((Der Käfig ist ein Zitat von Kar­di­nal Zen. Ein nament­lich in einem Reu­ters-Arti­kel nicht genann­ter „hoher Vati­kan­ver­tre­ter“ sprach für eine Eini­gung mit Peking, denn die Kir­che wer­de dann zwar wei­ter­hin im „Käfig“ sit­zen, aber der Käfig wer­de „grö­ßer“ sein.)) zu zwin­gen.

d) Mit der Lösung „grö­ße­rer Käfig“ wird man gemein­sam gehen? Einen neu­en Weg? Ent­spannt? Mit Ver­trau­en?

Man sagt, es wird ein schritt­wei­ser Weg sein. Neh­men wir aber ein­mal an, daß die Archi­tek­ten des Plans bereits den näch­sten Schritt nach der Aner­ken­nung der unrecht­mä­ßi­gen Bischö­fe im Kopf haben.

Was wird aus den recht­mä­ßi­gen Bischö­fen laut den Geset­zen der Kir­che, die aber von der Regie­rung nicht aner­kannt sind? Wer­den sie „akzep­tiert“? Wer­den sie also auch in den Käfig hin­ein­ge­las­sen? Wird es end­lich „eine“ recht­mä­ßi­ge Bischofs­kon­fe­renz geben? Mit der Regie­rung, die den Käfig­schlüs­sel in der Hand hat?

Paro­lin und Gefähr­ten geste­hen ein, daß die­se Lösung nicht per­fekt ist, son­dern das klei­ne­re Übel. Man kann ein Übel erlei­den (Scha­den), aber man darf nie ein Übel tun (Sün­de). Egal ob groß oder klein.

Es zu erlei­den, daß ande­re eine schis­ma­ti­sche Kir­che schaf­fen, kann unver­meid­lich sein, aber wir kön­nen nicht dabei mit­hel­fen.

Im übri­gen ist eine von der Par­tei geschaf­fe­ne, schis­ma­ti­sche Kir­che nicht zu fürch­ten. Sie wird mit dem Sturz des Regimes ver­schwin­den. Eine schis­ma­ti­sche Kir­che mit dem Segen des Pap­stes wird hin­ge­gen etwas schreck­li­ches sein!

4.

Nach­dem die Natur der zu errei­chen­den Ein­heit geklärt ist, ist es ein leich­tes, das fol­gen­de Pro­blem zu betrach­ten: Wie soll die Ein­heit erreicht wer­den?

Durch Ver­söh­nung (ad intra) und Dia­log (mit der Regie­rung).

a) Die Ver­söh­nung ist nicht ohne Schwie­rig­kei­ten aber mög­lich, weil sie allein von unse­rem guten Wil­len abhängt. Der Dia­log mit der Regie­rung ist schwie­ri­ger.

b) Papst Fran­zis­kus hat in Seo­ul gesagt: „Die erste Vor­aus­set­zung für den Dia­log ist unse­re eige­ne Iden­ti­tät“.

Das ist eine Fra­ge der Ehr­lich­keit und der Gerech­tig­keit. Man muß wis­sen, wohin wir gelan­gen wol­len, was – laut unse­rem Gewis­sen – ein guter Aus­gang des Dia­logs ist. In unse­rem Fall ist es natür­lich „eine wah­re reli­giö­se Frei­heit, die das Wohl der Nati­on kei­nes­wegs schä­digt, son­dern das wirk­li­che Wohl begün­stigt“.

Wird uns die­ser Dia­log gelin­gen? Besteht Hoff­nung auf Erfolg? Gibt es zumin­dest eine mini­ma­le Grund­la­ge dafür in der der­zei­ti­gen Situa­ti­on, in der die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas mäch­ti­ger und arro­gan­ter denn je ist? Sowohl ihre Aktio­nen, wie auch ihre Erklä­run­gen gehen in Rich­tung einer noch stren­ge­ren Kon­trol­le jeder Reli­gi­on, beson­ders aber der soge­nann­ten „aus­län­di­schen“ Reli­gio­nen.

Die Kom­mu­ni­sten ver­spü­ren nicht ein­mal mehr die Not­wen­dig­keit, den Schein zu wah­ren. Foto­gra­fien zei­gen, daß der Staat die offi­zi­el­le katho­li­sche Kir­che in Chi­na lenkt, die nicht mehr katho­lisch ist, son­dern chi­ne­sisch und schis­ma­tisch. Ein Regie­rungs­be­am­ter lei­te­te die (immer) gemein­sa­men Ver­samm­lun­gen der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung und der soge­nann­ten „Bischofs­kon­fe­renz“. Die Päp­ste ver­mei­den es, das Wort „Schis­ma“ zu ver­wen­den, aus Mit­leid für jene, die sich nicht aus eige­nem Wil­len dar­in befin­den, son­dern nur unter gro­ßem Druck.

Laut dem, was wir der­zeit erle­ben, akzep­tiert der Hei­li­ge Stuhl aber genau die­se inak­zep­ta­ble Rea­li­tät. Ist er sicher, damit zum Wohl der Kir­che zu han­deln?

Der Dia­log muß, will er authen­tisch sein, von einer Posi­ti­on auf Augen­hö­he aus­ge­hen. Es gibt kei­nen wirk­li­chen Dia­log zwi­schen einem Ker­ker­mei­ster und Gefan­ge­nen, zwi­schen Sie­gern und Besieg­ten. Unse­re aber schei­nen wirk­lich aus einer Posi­ti­on der Schwä­che zu han­deln. Glaub­wür­di­ge Quel­len sagen, daß die vati­ka­ni­sche Dele­ga­ti­on nicht über den Fall von Bischof Jakob Su Zhi Min spre­chen durf­te, der sich seit mehr als 20 Jah­ren im Gewahr­sam der Regie­rung befin­det, weil es ihnen ver­wei­gert wur­de. Mir scheint, daß die Unse­ren auf­ste­hen und den Ver­hand­lungs­tisch ver­las­sen hät­ten sol­len. Eine sol­che Ver­wei­ge­rung zu akzep­tie­ren, bedeu­tet, von Anfang an auf die Knie zu fal­len.

Den­noch: Wir sind nicht die Besieg­ten. Wis­sen unse­re Diplo­ma­ten nicht, daß die Gläu­bi­gen der Unter­grund­kir­che die Mehr­heit dar­stel­len? Wis­sen sie nicht, daß sie in ver­schie­de­nen Orten Kir­chen und sogar Kathe­dra­len haben? Daß sie in Städ­ten, in denen sie kei­ne Kir­chen haben dür­fen, die Mes­se in Pri­vat­häu­sern zele­brie­ren, wo sie von der Poli­zei nicht gestört wer­den, obwohl die­se alles weiß? Lei­der müs­sen wir seit Febru­ar 2018 mit ver­schärf­ten Kon­trol­len rech­nen, auch des­halb, weil die Regie­rung nun weiß, daß sie auch die Zustim­mung des Hei­li­gen Stuhls hat.

Wäh­rend er nach außen die Not­wen­dig­keit des Dia­logs mit der Regie­rung behaup­tet, hat der Vati­kan den Dia­log inner­halb der Kir­che abge­würgt. Mit einer äußerst unhöf­li­chen Geste hat er ohne ein Wort die von Papst Bene­dikt geschaf­fe­ne Päpst­li­che Chi­na-Kom­mis­si­on besei­tigt. Er hat sich der ein­zi­gen kom­pe­ten­ten, chi­ne­si­schen Stim­me im Vati­kan, Kuri­en­erz­bi­schof Savio Hon, ent­le­digt, indem er ihn als Nun­ti­us nach Grie­chen­land ver­schick­te. Von wegen „eine Syn­the­se der Wahr­heit fin­den“! Von wegen „gemein­sam den Plan Got­tes ent­decken“! Sie sind sicher, „alles ange­mes­sen in Betracht gezo­gen zu haben“.

5.

Die absto­ßend­ste Sache, die ich in der gan­zen Ant­wort fin­de, ist ein unehr­li­cher Miß­brauch von Aus­sa­gen aus dem Brief von Papst Bene­dikt, womit der Ein­druck erzeugt wer­den soll, als wäre Paro­lin der treue Unter­stüt­zer des eme­ri­tier­ten Pap­stes, wäh­rend er und der Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker in Wirk­lich­keit alle Bemü­hun­gen von Papst Ratz­in­ger zunich­te gemacht haben, die Kir­che in Chi­na wie­der auf den rich­ti­gen Weg zu brin­gen.

Am Beginn und am Ende des Inter­views fin­den sich zwei Zita­te.

a) „Im Lich­te die­ser unver­zicht­ba­ren Grund­sät­ze kann die Lösung der bestehen­den Pro­ble­me nicht durch einen andau­ern­den Kon­flikt mit den legi­ti­men zivi­len Auto­ri­tä­ten ange­strebt wer­den; zugleich ist aber eine Füg­sam­keit gegen­über den­sel­ben nicht annehm­bar, wenn die­se sich unrecht­mä­ßig in Ange­le­gen­hei­ten ein­mi­schen, die den Glau­ben und die Dis­zi­plin der Kir­che betref­fen“ (Brief an die Bischö­fe, Prie­ster, Per­so­nen des gott­ge­weih­ten Lebens und gläu­bi­gen Lai­en der katho­li­schen Kir­che in der Volks­re­pu­blik Chi­na, 4.7).

b) Die Kir­che „kann und darf nicht sich an die Stel­le des Staa­tes set­zen. Aber sie kann und darf im Rin­gen um Gerech­tig­keit auch nicht abseits blei­ben“ (Brief an die Katho­li­ken in Chi­na, 4.6).

Von bei­den Zita­ten nütz­te Paro­lin den ersten Teil und ließ den zwei­ten Teil aus, wodurch das Gleich­ge­wicht im Gedan­ken von Papst Bene­dikt ver­lo­ren­geht.

6.

Wegen der jüng­sten Kon­tro­ver­sen möch­te ich bei die­ser Gele­gen­heit auch Klar­heit zu mei­nem Ver­hält­nis zu Papst Fran­zis­kus schaf­fen, der mir bei jedem Zusam­men­tref­fen mit Mil­de begeg­net.

Es stimmt, daß mei­ne Ent­hül­lun­gen der pri­va­ten Gesprä­che ihn in Ver­le­gen­heit gebracht haben kön­nen. Das tut mir leid. Ich bin den­noch über­zeugt, daß es einen Unter­schied zwi­schen dem Den­ken Sei­ner Hei­lig­keit und dem Den­ken sei­ner Mit­ar­bei­ter gibt, die den Opti­mis­mus des Pap­stes aus­nüt­zen, um ihre Zie­le zu ver­fol­gen. Bis zum Beweis des Gegen­teils bin ich über­zeugt, den guten Ruf des Pap­stes gegen die Ver­ant­wor­tung für ver­fehl­te Din­ge ver­tei­digt zu haben, die von sei­nen Mit­ar­bei­tern kom­men, und indem ich sei­ne Ermu­ti­gun­gen mei­nen Brü­dern in Chi­na mit­ge­teilt habe, die sich, wie wir in Chi­na sagen, im „bren­nen­den Feu­er und tie­fen Gewäs­sern“ befin­den.“

Soll­te eines Tages ein schlech­tes Abkom­men mit Chi­na unter­zeich­net wer­den, natür­lich mit Zustim­mung des Pap­stes, wer­de ich mich schwei­gend in ein „mona­sti­sches Leben“ zurück­zie­hen. Als wenn auch unwür­di­ger Sohn von Don Bos­co wer­de ich nicht der Anfüh­rer einer Rebel­li­on gegen den römi­schen Pon­ti­fex, den Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden sein.

Laßt uns beten für unse­ren Papst Fran­zis­kus. Der Herr erhal­te ihn und stär­ke ihn und mache ihn glück­lich auf Erden und über­ge­be ihn nicht in die Hän­de sei­ner Fein­de!

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: AsiaNews(Screenshot)

1 Kommentar

  1. Viel­leicht ist geschmei­dig-welt­klu­gen Kle­ri­kern das ein­fa­che Bekennt­nis der „Ein­fäl­ti­gen“ zu Chri­stus etwas pein­lich? Wenn der Blick in den Spie­gel zu unan­ge­nehm wird, in wel­chem man sich selbst in pracht­vol­lem Ornat mit pom­pö­sen Titeln glanz­voll betrach­tet, wäh­rend ande­re – in jeder Hin­sicht „arm“ — nur ihren Glau­ben als ein­zi­gen Reich­tum haben, dann beginnt man eben bereits aus Selbst­schutz, die­se und ihre Moti­ve her­ab­zu­set­zen. Wenn man die eige­nen Pfrün­de nicht durch frei­mü­ti­ges Glau­bens­zeug­nis gefähr­den will, dann ver­leum­det man Glau­bens­treue lie­ber als Fun­da­men­ta­li­sten, Fana­ti­ker und „Ultra­ka­tho­li­ken“.
    Das ist bei­lei­be nicht nur in Rom so, son­dern auch anders­wo…

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