Verheiratete Priester „ein neuer Grund für Polemiken, Spannungen und Zwietracht“

Zölibatsabschaffung Papst Franziskus mit Santiago Martin
Papst Franziskus mit P. Santiago Martin im Dezember 2013.

(Rom) P. Sant­ia­go Mar­tín, ein bekann­ter spa­ni­scher Prie­ster und Grün­der der Fran­zis­ka­ner Mari­ens, spricht in sei­ner aktu­el­len Wochen­an­spra­che auf Magnificat.tv die Fra­ge nach ver­hei­ra­te­ten Prie­stern an. Die Kir­che lei­de an der „Wun­de“ der Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten, so der Prie­ster, und schon wol­le man mit der Zöli­bats­ab­schaf­fung den näch­sten Grund für Pole­mi­ken, Span­nun­gen und Zwie­tracht schaffen.

P. Mar­tín, Jahr­gang 1954 grün­de­te die Fran­zis­ka­ner Mari­ens 1988. Dabei han­delt es sich um eine Ver­ei­ni­gung von Gläu­bi­gen, die 1993 vom Erz­bi­schof von Madrid kano­nisch errich­tet und 2007 von Papst Bene­dikt XVI. aner­kannt wur­de. Die Ver­ei­ni­gung ist heu­te in drei Kon­ti­nen­ten und mehr als 30 Staa­ten aktiv. Ihr gehö­ren heu­te mehr als 10.000 Gläu­bi­ge an.

Neben der geist­li­chen Arbeit in der „Schu­le der Dank­bar­keit“ und durch ein eige­nes Semi­nar zur Prie­ster­aus­bil­dung, sind die Fran­zis­ka­ner Mari­ens im Inter­net durch eine aktu­el­le Nach­rich­ten­sei­te und Magnificat.tv aktiv.

In dem vor zwei Tagen ver­öf­fent­li­chen Wochen­kom­men­tar „Die Stun­de der ver­hei­ra­te­ten Prie­ster“ geht P. Sant­ia­go Mar­tín auf die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in Rich­tung Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats ein.

P. Mar­tín läßt die jüng­sten Ereig­nis­se rund um die Papst-Rei­se nach Chi­le und Peru Revue pas­sie­ren. Er berich­tet von der „Pola­ri­sie­rung“ wegen der päpst­li­chen Unter­stüt­zung für Bischof Bar­ros und die Vor­wür­fe, die die­sem im Zusam­men­hang mit dem Prie­ster Fer­nan­do Kara­di­ma gemacht wer­den, der von der Kir­che des sexu­el­len Miß­brauchs schul­dig gespro­chen wurde.

P. Mar­tín nennt zudem die deut­li­che Kri­tik von Kar­di­nal O’Mal­ley an der Hal­tung des Pap­stes und erwähnt einen Arti­kel der New York Times, der „sehr hart mit dem Hei­li­gen Vater war“. P. Mar­tín sieht dar­in einen „Wen­de­punkt in der Unter­stüt­zung, die bestimm­te libe­ra­le Medi­en“ dem regie­ren­den Papst seit sei­ner Wahl zukom­men hat­ten lassen.

Für Kirche wichtige Ankündigung unbeachtet geblieben

Wegen der Pole­mi­ken sei­en Aus­sa­gen von Kar­di­nal Stel­la, Prä­fekt der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on, die für die Kir­che von größ­ter Bedeu­tung sind, unbe­ach­tet geblie­ben. Der Kar­di­nal hat­te bekanntgegeben,

„daß bereits über die Mög­lich­keit gespro­chen wird, ver­hei­ra­te­te Män­ner zu Prie­stern zu weihen“.

Und wei­ter:

„Auch wenn sie, laut dem Kar­di­nal, in Gegen­den mit gro­ßem Prie­ster­man­gel wie in bestimm­ten Regio­nen Bra­si­li­ens oder eini­gen Pazi­fik­in­seln ange­wandt wer­den soll, sehen eini­ge dar­in den Anfang vom Ende des ver­pflich­ten­den Zöli­bats für den katho­li­schen Klerus.“

Der Prie­ster führt aus, daß die Neue­rung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster, wie es sie bei den Unier­ten und den angli­ka­ni­schen Per­so­nal­or­di­na­ria­ten bereits gibt, die fast neben­bei bekannt­ge­ge­ben wird, von man­chen Katho­li­ken akzep­tiert oder sogar „begei­stert“ auf­ge­nom­men wer­den wird. Daß sie für ande­re aber ein Ärger­nis sein wird.

Zölibatsabschaffung?

„Vie­le sind durch den Zeit­punkt die­ses Schrit­tes erstaunt“, nach­dem erst „eine Wun­de“ auf­ge­ris­sen wur­de mit der Zulas­sung in bestimm­ten Fäl­len von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten, ohne daß sie auf sexu­el­len Ver­kehr ver­zich­ten müßten.

Nun wol­le man schon „ein neu­es Motiv für Pole­mi­ken“ hin­zu­fü­gen. „Eine Gemein­schaft wie die katho­li­sche, mit 1,3 Mil­li­ar­den Men­schen auf der gan­zen Welt, in allen Kul­tu­ren und sozia­len Schich­ten, ist sehr plu­ral und komplex“.

„Erstar­rung ist nicht gut, aber eben­so­we­nig auf das Gas­pe­dal zu drücken. Es herrscht zuviel Ver­wir­rung, zuviel Span­nung in die­sem Moment in der Kir­che, um eine neue Quel­le von Dis­kus­sio­nen zu schaffen.“

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild:  fma­riaar­gen­ti­na (Screen­shot)

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