Heutiger Klerus glaubt nicht an böse Geister

Weltgericht von Stefan Lochner (um 1400 Meersburg - 1451 Köln).
Weltgericht von Stefan Lochner (um 1400 Meersburg - 1451 Köln).

(Dub­lin) Irlands bekann­te­ster Exor­zist, P. Patrick Col­lins, stell­te sich die Fra­ge, ob der heu­ti­ge Kle­rus an Satan und die bösen Gei­ster glaubt. Sei­ne Ant­wort: „Ich ver­mu­te, daß er das nicht tut“. Wäh­rend­des­sen nimmt die Nach­fra­ge nach dem Exor­zis­mus „expo­nen­ti­ell“ zu.

Stiefkind Exorzismus

P. Patrick Collins CM
P. Patrick Col­lins CM

The Irish Catho­lic, die größ­te katho­li­sche Wochen­zei­tung Irlands wid­me­te P. Col­lins, der dem Laza­ri­sten­or­den ange­hört, in der aktu­el­len Aus­ga­be einen aus­führ­li­chen Bericht. Bereits im Novem­ber des Vor­jah­res hat­te er für Auf­se­hen gesorgt, als er danach frag­te, wie vie­le Diö­ze­sen, wie es das Kir­chen­recht vor­schreibt, Exor­zi­sten aus­bil­den.

Obwohl „das Böse eine Rea­li­tät ist“, kom­men nur sehr weni­ge Diö­ze­sen ihren Pflich­ten in der Bekämp­fung des Bösen nach. Der Exor­zist warf der Kir­che vor, „die Scha­fe im Stich zu las­sen“, weil sich die Bischö­fe nicht um die Aus­bil­dung von Exor­zi­sten küm­mern wür­den. Die Bekämp­fung des Bösen sei eine der „zen­tra­len Auf­ga­ben eines Prie­sters“.

Die Nach­fra­ge nach Exor­zis­men wach­se „expo­nen­ti­ell“ in Irland, so P. Col­lins nun in The Irish Catho­lic.

Gegen­über Dub­lin­Li­ve sag­te er damals:

„Ich wür­de zu den Bischö­fen sagen: Wehe euch, die ihr die geist­li­che Für­sor­ge für das Volk ver­nach­läs­sigt.“

Heutiger Klerus glaubt nicht mehr an böse Geister

Nun wie­der­hol­te er sei­ne Kri­tik an den Kir­chen­füh­rern. Er sei „bestürzt“ über das man­geln­de Inter­es­se der Diö­ze­san­ver­ant­wort­li­chen, obwohl immer mehr Men­schen sagen, „Opfer dämo­ni­schen Han­delns“ zu wer­den. Der Exor­zist erklärt sich die­ses Phä­no­men auch durch die Zunah­men eines „unge­sun­den Inter­es­ses“ vie­ler Men­schen am Bösen.

„Erst in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die Nach­fra­ge nach Exor­zis­men expo­nen­ti­ell zu genom­men.“

Exorzismus: Kampf zwischen guten (Engeln) und bösen Geistern (Teufel) um die Seelen der Menschen.
Kampf zwi­schen guten (Engeln) und bösen Gei­stern (Teu­fel) um die See­len der Men­schen.

Er stel­le zu sei­ner Bestür­zung fest, wie vie­le Men­schen glau­ben, „ob begrün­det oder nicht, daß sie von einem bösen Geist beses­sen sind“.

„In vie­len Fäl­len irren sie sich. Wenn sie sich aber an die Kir­che wen­den, weiß die Kir­che nicht, was mit ihnen anfan­gen und schickt sie ein­fach zum Psy­cho­lo­gen.“ Das sei grund­sätz­lich rich­tig, aber das allei­ne kön­ne es nicht sein. Der Prie­ster habe in der Aus­übung sei­nes Dien­stes auch sei­ner­seits zu prü­fen, ob dämo­ni­sche Akti­vi­tä­ten eine Rol­le spie­len. Der­zeit wür­den sol­che Men­schen von der Kir­che kei­ne Hil­fe bekom­men.

Ein Grund dafür sei, so P. Col­lins, weil die Kir­chen­ver­ant­wort­li­chen „kei­nen Kon­takt zur Wirk­lich­keit“ hät­ten. Des­halb sei­en sie der Mei­nung, es bestehe kein Bedarf nach Exor­zi­sten. Des­halb fra­ge er sich, ob der Kle­rus von heu­te über­haupt an die Exi­stenz böser Gei­ster glau­be: „Ich ver­mu­te, daß er das nicht tut“, so sei­ne Ant­wort.

Der Apostasie geht „offenkundige Zunahme an Aktivität des Bösen“ voraus

Col­lins ver­faß­te daher einen Offe­nen Brief an die Hier­ar­chie der iri­schen Kir­che. Dar­in beklagt er auch eine wach­sen­de Apost­asie inner­halb der Kir­che. Im Offe­nen Brief schreibt er dazu:

„In dem Maß, in dem das geschieht, gab es eine offen­kun­di­ge Zunah­me an Akti­vi­tät des Bösen.“

Der Laza­rist erin­nert die Bischö­fe dar­an, daß jedes Bis­tum laut Kir­chen­recht ver­pflich­tet ist, Exor­zi­sten aus­zu­bil­den und zu beauf­tra­gen.

The Irish Catho­lic frag­te bei der Pres­se­stel­le der Iri­schen Bischofs­kon­fe­renz nach und erhielt die Ant­wort:

„Exor­zis­men sind eine gro­ße Sel­ten­heit und die­se Pres­se­stel­le hat kei­ne Kennt­nis davon, daß in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in Irland ein Exor­zis­mus statt­ge­fun­den habe.“

Pater Pat Col­lins dürf­te sich bestä­tigt füh­len.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: patcollinscm.webs.com/Wikicommons (Screen­shots)

3 Kommentare

  1. Wer nicht an die Exi­stenz böser Gei­ster glaubt, ist ihnen längst auf den Leim gegan­gen!
    Man braucht sich also über die inner­kirch­li­chen Zustän­de nicht zu wun­dern!

  2. Liest man die Ant­wort der Pres­se­stel­le der iri­schen Bischofs­kon­fe­renz, so könn­te man mei­nen, dass der Teu­fel per­sön­lich die Ant­wort gege­ben hat.
    Jeden­falls ist die Ant­wort in sei­nem Inter­es­se (rein­ste Mar­gi­na­li­sie­rung).
    Muß man jetzt Angst um Patrick Col­lins haben ?
    Er hat da sicher in ein Wes­pen­nest gesto­chen.

  3. Das Bemer­kens­wer­te und höchst Erstaun­li­che bei die­sem The­ma ist aller­dings: Der Ober­ste des Kle­rus glaubt, so wie man ihn immer wie­der wahr­nimmt, durch­aus an „böse Gei­ster“. Seit sei­nem Amts­an­tritt vor bald fünf Jah­ren lässt er ja fast schon kei­ne Gele­gen­heit aus, bei sei­nen spon­ta­nen Äuße­run­gen und Anspra­chen, dar­un­ter auch an Prie­ster und Ordens­leu­te, expres­sis ver­bis vor dem Teu­fel zu war­nen – ver­mut­lich so häu­fig wie kei­ner sei­ner Vor­gän­ger der letz­ten 50 Jah­re. Man müss­te mal nach­zäh­len, wie häu­fig Papst Fran­zis­kus das Wort „Teu­fel“ im Mund geführt hat, und das nicht etwa als Meta­pher für „das Böse“ schlecht­hin, son­dern in erkenn­bar rea­lem Sinn. Eigent­lich müss­ten sich da ja gewal­ti­ge Grä­ben auf­tun zwi­schen ihm und sei­nem zumeist „ungläu­bi­gen“ Kle­rus.

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