Wer wird neuer Päpstlicher Zeremonienmeister?

Papst Franziskus mit seinem amierenden und seinem künftigen Zeremonienmeister? Rechts Msgr. Guido Marini, links Msgr. Diego Ravelli.
Papst Franziskus mit seinem amierenden und seinem künftigen Zeremonienmeister? Rechts Msgr. Guido Marini, links Msgr. Diego Ravelli.

(Rom) Geht auch die Ära von Msgr. Gui­do Mari­ni als Päpst­li­cher Zer­mo­ni­en­mei­ster zu Ende? Dies behaup­ten Gerüch­te in Rom. Zehn Jah­re stand er den Päp­sten bei den päpst­li­chen Lit­ur­gi­en zur Sei­te. Sei­ne Abbe­ru­fung wur­de gleich nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus als sicher ange­nom­men, fand aber nicht statt. Nun soll es so weit sein.

2007 wur­de Msgr. Gui­do Mari­ni von Papst Bene­dikt XVI. nach Rom beru­fen. Zuvor hat­te der pro­mo­vier­te Jurist bei­der Rech­te und diplo­mier­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge als Sekre­tär der Erz­bi­schö­fe von Genua und am dor­ti­gen Ordi­na­ri­at gewirkt, zuletzt als Kanz­ler. Zudem war er Spi­ri­tu­al am erz­bi­schöf­li­chen Prie­ster­se­mi­nar, wo er auch lehr­te.

Guido Marini und Piero Marini

Bene­dikt XVI. hol­te Gui­do Mari­ni an die Römi­sche Kurie, um durch ihn des­sen Namens­vet­ter Pie­ro Mari­ni als Zere­mo­ni­en­mei­ster abzu­lö­sen.

Benedikt XVI. mit Msgr. Guido Marini Anfang 2013
Bene­dikt XVI. mit Msgr. Gui­do Mari­ni Anfang 2013

Wäh­rend Pie­ro Mari­ni Sekre­tär von Kuri­en­erz­bi­schof Anni­ba­le Bugni­ni war, dem „Erfin­der“ der radi­ka­len Lit­ur­gie­re­form von 1969, stammt Gui­do Mari­ni aus der Genue­ser Schu­le von Giu­sep­pe Kar­di­nal Siri. Ent­spre­chend unter­schied­lich ist das lit­ur­gi­sche Ver­ständ­nis zwi­schen den bei­den Mari­nis.

Bene­dikt XVI. war­te­te das Ende der regu­lä­ren Amts­zeit Pie­ro Mari­nis ab, der seit 1987 Zere­mo­ni­en­mei­ster von Papst Johan­nes Paul II. gewe­sen war. Mit Gui­do Mari­ni berief der deut­sche Papst einen Mann an sei­ne Sei­te, der sein „Reform der Reform“ in der Lit­ur­gie unter­stütz­te, und ver­län­ger­te im Herbst 2012 sein Man­dat um eine wei­te­re, fünf­jäh­ri­ge Amts­zeit.

Pie­ro Mari­ni hat Bene­dikt XVI. sei­ne Abbe­ru­fung bis heu­te nicht ver­zie­hen und äußer­te sich ent­spre­chend nach des­sen Amts­ver­zicht.

Mit der Wahl von Papst Fran­zis­kus war schnell klar, daß mit Bene­dikt XVI. auch sein Lit­ur­gie­ver­ständ­nis und sein Bemü­hen zur Wie­der­ge­win­nung der Sakra­li­tät in der Lit­ur­gie abge­tre­ten waren. Der Unter­schied zwi­schen den bei­den Päp­sten läßt sich in die­sem Punkt nicht allein mit dem Ver­weis auf die Zuge­hö­rig­keit von Papst Fran­zis­kus zum Jesui­ten­or­den erklä­ren.

Unterschiedliches Liturgieverständnis

Des­halb tauch­ten noch im März 2013 Gerüch­te auf, die von einer unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Ent­las­sung von Gui­do Mari­ni aus­gin­gen. Die Rede war sogar von einer Wie­der­ein­set­zung von Pie­ro Mari­ni zum Päpst­li­chen Zere­mo­ni­en­mei­ster. Dazu kam es nicht, aller­dings brach­te Fran­zis­kus sein Wohl­wol­len gegen­über Pie­ro Mari­ni durch die Beauf­tra­gung mit neu­en Auf­ga­ben zum Aus­druck. Wäh­rend Johan­nes Paul II. Pie­ro Mari­ni zum Titu­lar­erz­bi­schof mach­te, wur­de Gui­do Mari­ni von Bene­dikt XVI. am Beginn sei­ner Amts­zei­tung zum Ehren­prä­la­ten Sei­ner Hei­lig­keit ernannt, und das ist er bis heu­te auch geblie­ben.

Papst Fran­zis­kus lehn­te im Mai 2013 eine Ent­las­sung von Gui­do Mari­ni. Was zunächst bestä­tig­te, daß im päpst­li­chen Umfeld eine Ent­las­sung gefor­dert wor­den war. Die zahl­rei­chen Ver­än­de­run­gen, die Fran­zis­kus auf den Stuhl Petri mit­brach­te oder ein­führ­te, hat­ten gro­ße Unru­he aus­ge­löst. Die Bei­be­hal­tung von Gui­do Mari­ni soll­te im hoch­sen­si­blen Bereich der Lit­ur­gie soll­te in jenem Moment offen­kun­dig Kon­ti­nui­tät signa­li­sie­ren. Fran­zis­kus woll­te nicht zuviel Wider­stand auf ein­mal wecken. Statt­des­sen sprach der neue Papst davon, durch die Bei­be­hal­tung des Zere­mo­ni­en­mei­sters, von des­sen „tra­di­tio­nel­ler For­mung“ pro­fi­tie­ren zu wol­len, aber auch Mari­ni die Mög­lich­keit zu bie­ten, „von einer eman­zi­pier­te­ren For­mung pro­fi­tie­ren“ zu las­sen.

Am ver­gan­ge­nen 1. Okto­ber war Gui­do Mari­ni zehn Jah­re im Amt. Im Herbst ist sei­ne zwei­te Amts­zeit abge­lau­fen. Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler war von Fran­zis­kus bis zum Ende des regu­lä­ren Man­dats im Amt belas­sen wor­den, aber kei­ne Tag län­ger. Inner­halb von „einer Minu­te“ setz­te er den Glau­bens­prä­fek­ten ohne Nen­nung von Grün­den vor die Tür.

Das neue Gerücht

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag berich­te­te der Vati­ka­nist Fran­ces­co Anto­nio Gra­na (Il Fat­to Quo­ti­dia­no), daß es Msgr. Gui­do Mari­ni ähn­lich erge­hen wer­de. Auf Twit­ter schrieb Gra­na über­zeugt:

Granas Tweet
Gra­nas Tweet

„Glück­wün­sche an Msgr. Die­go Ravel­li, den neu­en Zere­mo­ni­en­mei­ster für die päpst­li­chen Lit­ur­gi­en. Die Ernen­nung erfolgt am 6. Dezem­ber, die Amts­über­ga­be am 6. Janu­ar.“

Die Mel­dung wur­de vom bra­si­lia­ni­schen Blog O Povo demen­tiert. Die­ser berief sich auf eine Stel­lung­nah­me des in Rom täti­gen, bra­si­lia­ni­schen Prie­sters Arnal­do Rodri­gues. Die­ser habe auf eini­ge auf­ge­reg­te Anfra­gen in den sozia­len Netz­wer­ken mit den Wor­ten geant­wor­tet:

„Er selbst [Gui­do Mari­ni] hat mich infor­miert, daß alles falsch ist, daß das alles nur ein Geschicht­chen ist.“

Tat­sa­che ist, daß Arnal­do Rodri­gues auf Insta­gram zu den Ent­las­sungs­ge­rüch­ten Stel­lung nahm, aller­dings nicht ganz in der geschil­der­ten Art und Wei­se. Auf Insta­gram schrieb der Prie­ster:

„Ach­tung: Falsch­mel­dun­gen infor­mie­ren, daß Msgr. Gui­do Mari­ni von Papst Fran­zis­kus abge­setzt wor­den sei. FAKE/FALSCH.“

Wer ist Msgr. Diego Ravelli?

Msgr. Diego Ravelli bei seinem 25. Priesterjubiläum 2016
Msgr. Die­go Ravel­li bei sei­nem 25. Prie­ster­ju­bi­lä­um 2016

Wer aber ist Msgr. Die­go Ravel­li? Don Ravel­li stammt aus der Lom­bar­dei und ist Prie­ster des Bis­tums Vel­le­tri-Seg­ni. Im Febru­ar 2006 wur­de er von Papst Bene­dikt XVI. als Zere­mo­ni­är an das Amt für die Lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes beru­fen und 2011 von Bene­dikt für eine wei­te­re Amts­zeit bestä­tigt.

Fran­zis­kus beließ Msgr. Gui­do Mari­ni an der Spit­ze, nahm aber einen deut­li­chen Umbau des Amtes vor. Er ent­ließ sämt­li­che Con­sul­to­ren, die Bene­dikt XVI. ernannt hat­te und nahm unter ande­rem Weg­be­för­de­run­gen ande­rer Zere­mo­niä­re vor.

Am 3. August 2013 ernann­te Fran­zis­kus Msgr. Kon­rad Kra­jew­ski, der seit 1998 päpst­li­cher Zere­mo­ni­är war, zum neu­en Apo­sto­li­schen Almo­se­ni­er, und erhob ihn zum Titu­lar­erz­bi­schof. Am 12. Okto­ber ver­schob er auch Msgr. Ravel­li aus dem Zere­mo­nienamt in die Apo­sto­li­sche Almo­sen­ver­wal­tung, wo er Büro­lei­ter von Msgr. Kra­jew­ski wur­de.

2012 ver­öf­fent­lich­te Ravel­li im Vati­kan­ver­lag ein Buch über den Stuhl Petri in der Vati­kan­ba­si­li­ka. Eine Arbeit zur Lit­ur­gie­ge­schich­te der lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes, die von Papst Bene­dikt XVI. gewür­digt wur­de.

Der­zeit bro­delt die Gerüch­te­kü­che in Rom wie­der ein­mal sehr stark. Mit ent­spre­chen­der Vor­sicht sind Gerüch­te zu genie­ßen. In zwei Tagen wird Klar­heit herr­schen, was von die­sem Gerücht zu hal­ten ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/Twitter/Instagram (Screen­shots)




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2 Kommentare

  1. Da wär es am klüg­sten, stil­le zu sein, und kei­ne Gerüch­te in die Welt zu set­zen.
    So etwas kann man doch der Tages­pres­se über­las­sen, oder?

  2. Ich ver­mu­te, dass Papst Fran­zis­kus im Gehei­men sämt­li­che Per­so­nal­ent­schei­dun­gen bei den Posten die aus­lau­fen längst gefällt hat. Am Tag der Wahl von Ber­go­glio hat er zu Mari­ni gesagt, da erin­ne­re ich mich noch weil Katho­li­sches dar­über berich­te­te, „die Zeit der Kar­ni­va­lia­den ist vor­bei“. Man wird sehen, wen er aller absetzt und wann.

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