Angriff auf das Priestertum kommt in die „heiße Phase“

The Tablet über Kräutler und der Versuch der Zölibatsabschaffung über den Umweg Amazonas.

(Rom) Eine kon­zen­trier­ten Medi­en­be­richt­erstat­tung signa­li­siert, daß es in Sachen Zöli­bats­ab­schaf­fung ernst wird. Offi­zi­ell ist von der pana­ma­zo­ni­schen Son­der­syn­ode die Rede, die von Papst Fran­zis­kus für Okto­ber 2019 ein­be­ru­fen wur­de, doch jeder weiß wor­um es in Wirk­lich­keit geht — und man­che sagen es auch ganz offen. Wo auf einer Packung der­zeit Ama­zo­nas drauf­steht, sind ein neu­es, ver­hei­ra­te­tes Prie­ster­tum und das Frau­en­prie­ster­tum drin­nen. Wobei dem Frau­en­prie­ster­tum am Ende die­sel­be Rol­le wie der Homo­se­xua­li­tät bei der Fami­li­en­syn­ode zukom­men könn­te. Sie wird ange­deu­tet, aber dann fal­len­ge­las­sen, um das Haupt­ziel nicht zu gefähr­den.

Erwin Kräutler im The Tablet

Die pro­gres­si­ve bri­ti­sche Wochen­zei­tung The Tablet gab dem eme­ri­tier­ten, öster­rei­chi­schen Mis­si­ons­bi­schof Erwin Kräut­ler am 31. Okto­ber brei­ten Raum, um sein Lob auf Papst Ber­go­glio und die For­de­rung nach Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats aus­brei­ten zu kön­nen. Das, so Kräut­ler, sei das Ziel der pana­ma­zo­ni­schen Son­der­syn­ode, deren Ein­be­ru­fung Papst Fran­zis­kus ange­kün­digt hat.

Kräut­ler, ein Mis­sio­nar vom Kost­ba­ren Blut, seit vie­len Jah­ren ein Lieb­ling der poli­ti­schen Lin­ken und kir­chen­fer­nen Medi­en, äußer­te sei­ne „Hoff­nung“, daß die Son­der­syn­ode

„zur Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zum Prie­ster­tum und von Dia­ko­nin­nen führt“.

Bischof Kräutler bei Indios im Amazonas
Bischof Kräut­ler bei Indi­os im Ama­zo­nas

Der Arti­kel stammt von Chri­sta Pongratz-Lip­pitt, der in Wien ansäs­si­gen Öster­reich-Kor­re­spon­den­tin des Tablet, die aber auch in ande­ren pro­gres­si­ven Blät­tern publi­ziert.

Die Son­der­syn­ode für Ama­zo­ni­en „beweist die Ent­schlos­sen­heit von Fran­zis­kus, die bischöf­li­che Kol­le­gia­li­tät zu stär­ken“, so Kräut­ler, der von 1981 bis zu sei­ner Eme­ri­tie­rung 2015 Prä­lat der Ter­ri­to­ri­al­prä­la­tur Xin­gu in Ama­zo­ni­en war.

Kräut­ler kennt bereits das Ergeb­nis der Son­der­syn­ode und lie­fert auch schon die Argu­men­ta­ti­on, war­um die Syn­ode so und nicht anders ver­lau­fen kön­ne:

„Die Kir­che kann auf die Her­aus­for­de­run­gen für die Ama­zo­nas-Regi­on nicht von oben mit auto­ri­tä­ren Lösun­gen ant­wor­ten“.

Das kirch­li­che Lehr­amt habe nicht für jede Her­aus­for­de­rung „a prio­ri“ Ant­wor­ten parat, so der ehe­ma­li­ge Ter­ri­to­ri­al­prä­lat, der aller­dings mehr für sei­nen Ein­satz für den Regen­wald bekannt wur­de als für sei­ne Treue zu dem von ihm genann­ten kirch­li­chen Lehr­amt.

Die konstruierte „Herausforderung“

Kräut­ler argu­men­tiert mit zu weni­gen Prie­stern für ein zu gro­ßes Gebiet. Sei­ne Ter­ri­to­ri­al­prä­la­tur gilt als größ­te Diö­ze­se der Welt, aller­dings nur der Flä­che nach. Ama­zo­ni­en ist zwar groß, aber sehr dünn besie­delt. Auf einem Gebiet, das fast der Grö­ße der alten Bun­des­re­pu­blik ent­spricht, sind nur 330.000 Katho­li­ken zu betreu­en. Dafür ste­hen 30 Prie­ster zur Ver­fü­gung.

  • Die Bereit­schaft von bra­si­lia­ni­schen Prie­stern. im Urwald zu wir­ken, hält sich sehr in Gren­zen.
  • Den Urwald-Indi­os fehlt der Zugang zum Prie­ster­tum, vor allem wegen der dafür not­wen­di­gen Ehe­lo­sig­keit.
  • Die Ver­tre­ter des „Kon­zils­gei­stes“ ste­hen Lösun­gen selbst im Weg, da sie eine natio­nal­ge­färb­te Evan­ge­li­sie­rung ohne Ein­satz von lan­des­frem­den Mis­sio­na­ren pro­pa­gie­ren.

So hat­te es Kar­di­nal Hum­mes im Spät­som­mer postu­liert, als ein ent­spre­chen­der Vor­schlag gemacht wur­de, das Prie­ster­pro­blem in Ama­zo­ni­en durch eine Bit­te an die Mis­si­ons­or­den der Kir­che zu lösen, je zwei Prie­ster zu ent­sen­den. „Nein, nein“, pol­ter­te Hum­mes, „das will der Papst nicht“, denn seit dem Zwei­ten Vati­ca­num müs­se jedes Land sich selbst evan­ge­li­sie­ren. Daß laut die­ser Logik Erwin Kräut­ler nie Bischof von Xin­gu wer­den hät­te dür­fen und schon vor Jahr­zehn­ten sei­ne Kof­fer packen und nach Öster­reich zurück­keh­ren hät­te müs­sen, wird weder vom Kar­di­nal noch von Kräut­ler the­ma­ti­siert. Von Hum­mes wur­de der­glei­chen natür­lich auch nie gefor­dert. Kräut­ler ist Hum­mes bester Ver­bün­de­ten im Kampf gegen den Zöli­bat. Bei­de sind trei­ben­de Kräf­te der „Ama­zo­nas-Werk­statt“, wo nach „alter­na­ti­ven“ For­men für das Prie­ster­tum gesucht wird. Die Haupt­stich­wor­te lau­ten „indi­ge­ner Kle­rus“ und „Gemein­schafts­prie­ster“. Wer trotz der zahl­rei­chen, gezün­de­ten Nebel­ker­zen durch­blickt, erkennt, daß sich alle Bemü­hun­gen auf zwei Alt-68er-For­de­run­gen redu­zie­ren, egal wie ver­packt und kaschiert sie vor­ge­tra­gen wer­den: die Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats und das Frau­en­prie­ster­tum.

Progressive suchen nicht nur falsche Lösungen, sondern sind Teil des Problems

Noch ein Punkt ist zu erwäh­nen. Die Ver­tre­ter des soge­nann­ten „Gei­stes des Kon­zils“ suchen nicht nur fal­sche Lösun­gen für ein Pro­blem, son­dern sind selbst Teil des Pro­blems. Papst Bene­dikt XVI. hat­te es Kräut­ler 2012 gesagt, was die­sen aber nicht zu einem Nach­den­ken anreg­te, son­dern ledig­lich empör­te. Bene­dikt XVI. for­der­te den damals noch amtie­ren­den Mis­si­ons­bi­schof auf, auf den von ihm beklag­ten Prie­ster­man­gel mit Gebet um Prie­ster­be­ru­fun­gen zu reagie­ren. „Nicht mit mir“, empör­te sich Kräut­ler noch zwei Jah­re spä­ter in einem Inter­view mit den Salz­bur­ger Nach­rich­ten.

Claudio Hummes, wie Kräutler im politischen Einsatz
Clau­dio Hum­mes, wie Kräut­ler im poli­ti­schen Ein­satz

Daß die Gesamt­fra­ge im Zusam­men­hang mit dem Ama­zo­nas-Becken auf­ge­rollt wird, ist dabei nur zufäl­li­ge Deko­ra­ti­on. Mit der Gesamt­fra­ge hat sie nicht wirk­lich zu tun. Der Prie­ster­man­gel Ama­zo­ni­ens ist viel­schich­tig, im kon­kre­ten Fall aber kon­stru­iert. Ama­zo­ni­en wird miß­braucht, um einen welt­wei­ten Vor­wand zu haben. Die Fra­ge wird ent­spre­chend auch nicht von Urwald-Indi­os vor­ge­bracht, son­dern von pro­gres­si­ven, west­li­chen Kir­chen­krei­sen, die durch die Wahl von Papst Fran­zis­kus ihre Stun­de spät, aber doch noch gekom­men sehen. Die Haupt­agi­ta­ti­on erfolgt aus dem deut­schen Sprach­raum. Kräut­ler ist Öster­rei­cher, Fritz Lobin­ger ist Bay­er, Clau­dio Hum­mes ist der Enkel deut­scher Ein­wan­de­rer. Im deut­schen Sprach­raum fin­den sich die mei­sten kirch­li­chen Hier­ar­chen, die lie­ber heu­te als mor­gen den Zöli­bat im Orkus ver­sen­ken wür­den. Das Spek­trum reicht vom Vor­sit­zen­den der Supe­rio­ren­kon­fe­renz der männ­li­chen Ordens­ge­mein­schaf­ten Öster­reichs, Alt-Abt Chri­sti­an Hei­din­ger, bis zum Erz­bi­schof von Brüs­sel, Jozef de Kesel.

Verzerrte Darstellung und verkürzte Argumentation

Das Lamen­to, das Chri­sta Pongratz-Lip­pitt Kräut­ler im Tablet anstim­men läßt, ist aus sei­nem Mund seit Jah­ren bekannt. Die Urwald-Indi­os wür­den der Eucha­ri­stie „beraubt“, weil die weni­gen Prie­ster die ver­streu­ten, klei­nen Dorf­ge­mein­schaf­ten nur sel­ten besu­chen könn­ten. Kräut­ler kon­stru­iert eine Art von „Dis­kri­mi­nie­rung“. Impli­zit, so darf man anneh­men, sei „böse“ „kon­ser­va­ti­ve“ und „reak­tio­nä­re“ Katho­li­ken und Kir­chen­krei­se schuld, daß die Urwald-Indi­os nur sel­ten den Leib Chri­sti emp­fan­gen kön­nen.

Daß das kapil­la­re Pfarr­netz in Kräut­lers Öster­reich sich auch erst in vie­len Jahr­hun­der­ten ent­wickel­te und sei­nen Höhe­punkt erst im 19. Jahr­hun­dert erreich­te, ver­schweigt er. Vie­le Jahr­hun­der­te war es für die Chri­sten Euro­pas selbst­ver­ständ­lich, daß sie wei­te Wege zu einem Meß­ort zurück­le­gen muß­ten. Der Luxus, in jedem Ort einen Prie­ster zu haben, ist ein Phä­no­men der Neu­zeit und umfaß­te nur einen ver­hält­nis­mä­ßig kur­zer Zeit­raum der gesam­ten Kir­chen­ge­schich­te. Die Kir­che gebot daher zu kei­ner Zeit mehr, als zumin­dest ein­mal im Jahr die hei­li­ge Eucha­ri­stie zu emp­fan­gen.

Die­se Lücken in der Dar­stel­lung sind kein Zufall, son­dern cha­rak­te­ri­stisch. Alles was dem ange­streb­ten Ziel wider­spricht, wird unter­schla­gen. Und noch ein­mal: Das eigent­li­che Ziel ist weit euro­päi­scher als bra­si­lia­nisch: Es geht dar­um, den in libe­ra­len Krei­sen ver­haß­ten Zöli­bat abzu­schüt­teln.

Zölibat: Wesensmerkmal des Priestertums und Beweis für die wahre Kirche Jesu Christi

Dabei stellt der Prie­ster­z­ö­li­bat, auch das wird von Kräut­ler ver­schwie­gen, einen Beweis dar, daß die römisch-katho­li­sche Kir­che, die wah­re Kir­che Jesu Chri­sti ist. Moder­ni­sti­sche Krei­se kön­nen auf die­sen Anspruch frei­lich ger­ne ver­zich­ten, da ihnen der Öku­me­ne wegen nichts dar­an gele­gen ist. Ganz im Gegen­teil.

Für die Wahr­heits­fra­ge ist die­ser Punkt aber durch­aus von Bedeu­tung. Die römisch-katho­li­sche Kir­che ist die ein­zi­ge Rea­li­tät, die das Prie­ster­tum in der rein­sten Form erhal­ten hat. Dabei geht es auch hier um das geleb­te Bei­spiel Jesu Chri­sti, der eben unver­hei­ra­tet blieb und die beson­de­re Bedeu­tung des Zöli­bats sogar aus­drück­lich her­vor­hob: „Wer es fas­sen kann, der fas­se es.“

Die ori­en­ta­li­schen und ortho­do­xen Kir­chen haben zwar das Wei­he­sa­kra­ment bewahrt, konn­ten den für das Prie­ster­tum kon­sti­tu­ti­ven Zöli­bat aber nur teil­wei­se durch­hal­ten. Bischö­fe und Mön­che leben zöli­ba­tär. Wer schon vor sei­ner Wei­he hei­ra­tet, kann zumin­dest für das Welt­prie­ster­tum zur Prie­ster­wei­he zuge­las­sen wer­den. Bischof kann so jemand aller­dings nicht wer­den. Stirbt die Frau oder ver­läßt sie den Mann, kann auch ein Welt­prie­ster nicht mehr hei­ra­ten. Die Fol­ge ist, daß in der öst­li­chen Kir­che der Weltk­le­rus fast durch­ge­hend ver­hei­ra­tet ist. Grup­pen­zwang umge­kehrt.

Die Pro­te­stan­ten aller Deno­mi­na­tio­nen haben das Wei­he­prie­ster­tum ganz ver­wor­fen. Um so absur­der ist es, daß gera­de sie Vor­bild der Alt-68er-Bewe­gung in der katho­li­schen Kir­che sind. Dar­aus folgt, daß es weni­ger um Pro­te­stan­ten oder Ortho­do­xe geht, son­dern um die Sexua­li­tät. Seit der Sexu­el­len Revo­lu­ti­on ist die Sexua­li­sie­rung gesell­schafts­be­herr­schend. Keusch­heit und Zöli­bat wer­den als Ana­chro­nis­men dar­ge­stellt. In der Kir­che selbst lei­den man­che unter die­sem Druck der Welt, anstatt dar­in eine Chan­ce zu erken­nen, das „ganz ande­re“ des Chri­sten­tums gegen­über der Welt her­aus­zu­strei­chen.

Die Sexua­li­tät an sich stellt natür­lich eine per­ma­nen­te Her­aus­for­de­rung für den Men­schen dar. Das ist kein Pro­blem des heu­ti­gen Men­schen. Die Kir­che hat­te immer wie­der mit Strö­mun­gen zu rin­gen, die offen oder ver­steckt den Zöli­bat besei­ti­gen woll­ten. Sie konn­te sich in den ver­gan­ge­nen 2000 Jah­ren jedoch immer wie­der behaup­ten.

Durch Luthers Refor­ma­ti­on gab es auch in katho­li­schen deut­schen Diö­ze­sen kaum mehr zöli­ba­tär leben­de Prie­ster. Auch die­se Tat­sa­che dürf­te zur schnel­len Ver­brei­tung der Refor­ma­ti­on bei­getra­gen haben, da es an gei­sti­gen Abwehr­kräf­ten fehl­te. Durch die katho­li­sche Erneue­rung und eine ver­bes­ser­te Prie­ster­aus­bil­dung wur­de das Pro­blem aber inner­halb von 40 Jah­re gera­de­zu völ­lig besei­tigt.

Schwache Verteidigung des Priesterzölibats

Im deut­schen Sprach­raum wirkt die Kir­che in die­sem Punkt wenig glaub­wür­dig, weil die Pro­gres­si­ven unge­niert die Abschaf­fung die­ses kon­sti­tu­ti­ven Ele­ments des Prie­ster­tums for­dern, wäh­rend jene, allen vor­an die Bischö­fe, die den Zöli­bat ver­tei­di­gen müß­ten, dies wenig über­zeu­gend und noch weni­ger ent­schlos­sen tun. Auch Papst Fran­zis­kus sprach in der Ver­gan­gen­heit schon die ver­schwom­me­ne Spra­che die­ser wenig moti­vier­ten und viel­leicht auch wenig über­zeug­ten Ober­hir­ten. Die Aus­sa­ge aus sei­nem Mund, für ihn per­sön­lich sei der Zöli­bat kein Pro­blem, gibt nur eine per­sön­li­che Erfah­rung wie­der, sagt aber nichts über die Rich­tig­keit der Sache aus. Der Prie­ster­z­ö­li­bat wür­de drin­gend eine deut­li­che­re Ver­tei­di­gung ver­die­nen, die auf sein Wesen ein­geht.

Kräut­ler bleibt auch im hohen Alter, wie sei­ne gehäuf­ten Stel­lung­nah­men in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren zei­gen, alten Denk­mu­stern der kirch­li­chen 68er-Bewe­gung ver­haf­tet und Argu­men­ten gegen­über resi­stent. Domi­nant scheint ein typisch lin­kes Den­ken, das auf vor­han­de­ne „Her­aus­for­de­run­gen“ „struk­tu­rel­le“ Ant­wor­ten sucht. Die­se lin­ke Metho­de, gepaart mit pro­gres­si­vem Den­ken, läßt auf die Her­aus­for­de­rung Prie­ster­man­gel nur eine Ant­wort zu, die Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats und die Zulas­sung von Frau­en zum Wei­he­sa­kra­ment. Damit wür­de zugleich der Sexu­el­len Revo­lu­ti­on und dem Femi­nis­mus Genü­ge getan. Die Suche nach der Wahr­heit, die immer eine Suche nach dem Wesen der Din­ge ist, erfor­dert aber mehr als die für den Augen­blick angeb­lich zweck­mä­ßig­ste Ant­wort.

Auf die Ehe folgt der Zölibat: Franziskus und die Wiederholung des Szenarios

Fest steht, daß Papst Fran­zis­kus die Ama­zo­nas-Werk­statt von Kräut­ler und Hum­mes unter­stützt. Wie bereits zum Ehe­sa­kra­ment wur­de von ihm ein „Pro­zeß“ in Bewe­gung gesetzt, der nach dem­sel­ben Muster abge­wickelt wer­den soll. Die Rol­le von Kar­di­nal Kas­per über­neh­men in der Neu­auf­la­ge Kar­di­nal Hum­mes und Bischof Kräut­ler. Die Syn­ode ist erneut das Vehi­kel, mit dem eine „freie“ Dis­kus­si­on (hin­ter ver­schlos­se­nen Türen) vor­ge­täuscht wer­den soll, wäh­rend in Wirk­lich­keit das Ergeb­nis längst fest­steht. Am Ende wird, je nach­dem wie stark der Wider­stand sein wird, ein zwei­deu­ti­ges nach­syn­oda­les Doku­ment fol­gen, das von pro­gres­si­ven und papi­sti­schen Kir­chen­krei­sen auf die vom Papst gewünsch­te, aber nicht aus­ge­spro­che­ne Wei­se umge­setzt wird. Die Fol­ge wird das näch­ste Inter­pre­ta­ti­ons­cha­os sein, wie es die Kir­che bereits durch Amo­ris lae­ti­tia erlebt.

Der Wider­stand könn­te in die­sem Fall sogar deut­lich gerin­ger sein, weil an der Syn­ode nur die Bis­tü­mer betei­ligt sind, die Anteil am Ama­zo­nas-Becken habe. Dar­an haben zwar vie­le Län­der Anteil, doch der Groß­teil liegt in Bra­si­li­en. Bekannt­lich ist der bra­si­lia­ni­sche Epi­sko­pat in einem ziem­lich bedau­er­li­chen Zustand – ange­sie­delt irgend­wo zwi­schen teils man­gel­haf­ter Aus­bil­dung, pro­gres­si­vem Den­ken und befrei­ungs­theo­lo­gi­scher Zer­set­zung.

Die bun­des­deut­sche Wochen­zei­tung Die Zeit rühr­te am 26. Okto­ber die Wer­be­trom­mel für die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster. Eine ent­spre­chen­de Peti­ti­on lie­ge auf dem Schreib­tisch von Papst Fran­zis­kus. Bischof Kräut­ler sei einer ihrer Unter­zeich­ner.

Die vorhergesagte Choreographie

Messaggero-Artikel von Giansoldati
Mess­ag­ge­ro-Arti­kel von Gian­sol­da­ti

Die­se Cho­reo­gra­phie sag­ten die bei­den Vati­ka­ni­sten San­dro Magi­ster und Mar­co Tosat­ti bereits 2016 vor­aus. Die Peti­ti­on lie­fe­re Fran­zis­kus die Recht­fer­ti­gung, behaup­ten zu kön­nen, nur auf einen „Ruf aus dem Volk“ zu reagie­ren. Die glei­che Melo­dra­ma­tik hat­te der Papst bereits am Beginn der ersten Bischofs­syn­ode in Sze­ne gesetzt, als er in sei­ner Anspra­che am Vor­abend der Syn­ode die Syn­oda­len auf­for­der­te, den „Schrei“ des Vol­kes zu hören, der da besa­gen soll­te, daß die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den soll­ten.

Gestern folg­te die ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Il Mess­ag­ge­ro mit einem aus­führ­li­chen Arti­kel zugun­sten der Zöli­bats­ab­schaf­fung. In der Tages­zei­tung sitzt mit Fran­ca Gian­sol­da­ti eine sym­pa­thi­sche, aber geeich­te Ber­go­glia­ne­rin. Sie bestä­tig­te den Zeit-Bericht, daß „auf dem Tisch von Ber­go­glio“ die For­de­rung der bra­si­lia­ni­schen Bischö­fe liegt, die Tore „für ver­hei­ra­te­te Prie­ster zu öff­nen“. Gian­sol­da­ti beruft sich nicht auf Kräut­ler, dafür aber auf den ande­ren „gro­ßen“ Pro­po­nen­ten der Zöli­bats­ab­schaf­fung: Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes. Hum­mes gehört auch zu den Ver­fech­tern des Frau­en­prie­ster­tums und zu jenen, die sich unter Bene­dikt XVI., nach einem vati­ka­ni­schen Rüf­fel, gut zu ver­stel­len wuß­ten. Im Kon­kla­ve 2013 war er ein laut­star­ker Unter­stüt­zer von Kar­di­nal Ber­go­glio, dem er – laut des­sen eige­ner Anga­be – den Namen Fran­zis­kus emp­foh­len habe.

„Testlauf in Brasilien könnte Wende für den Klerus vorwegnehmen“

Die kon­zen­trier­te Medi­en­be­richt­erstat­tung signa­li­siert, daß die hei­ße Pha­se begon­nen hat. In der Spra­che fällt dabei auf, daß der Zöli­bat bewußt in den Hin­ter­grund tritt. Er wird kaum erwähnt. Dabei scheint es sich um eine stra­te­gi­sche Ent­schei­dung zu han­deln. Statt­des­sen ist bevor­zugt von „ver­hei­ra­te­ten Prie­stern“ die Rede. Offen­sicht­lich sol­len damit reflex­ar­ti­ge Wider­stän­de mini­miert wer­den.

Ganz offen schrieb Gian­sol­da­ti gestern zu Ama­zo­ni­en und der bra­si­lia­ni­schen For­de­rung:

„Der Test­lauf im latein­ame­ri­ka­ni­schen Land könn­te eine Wen­de für den Kle­rus vor­weg­neh­men.“

Der Weg wird klar skiz­ziert und mög­lichst wohl­klin­gend prä­sen­tiert:

„Die For­mel, an die gedacht wird, ist die der ‚viri pro­ba­ti‘: ver­hei­ra­te­te Män­ner von siche­rem Glau­ben.“

Zur Abwehr von Kri­tik wer­den zwei Argu­men­ten ins Feld geführt. Gian­sol­da­ti zitiert dazu Gia­co­mo Cano­bio, den Vor­sit­zen­den der Ita­lie­ni­schen Theo­lo­gen­ver­ei­ni­gung. Die Argu­men­te sind aller­dings so alt wie die nach­kon­zi­lia­re Dis­kus­si­on selbst:

  • Der Prie­ster­z­ö­li­bat, der nicht erwähnt wird, aber gemeint ist, „ist kein dok­tri­nel­les Dog­ma“. Damit glaubt man die Fra­ge nach den Wesens­merk­ma­len des Prie­ster­tums bereits abha­ken zu kön­nen, mit der man sich erst gar nicht beschäf­ti­gen will.
  • Der Prie­ster­z­ö­li­bat wer­de gar nicht abge­schafft. Jeder, der das wol­le, kön­ne sich wei­ter­hin für ein zöli­ba­tä­res Leben ent­schei­den.

Schließ­lich wird von Cano­bio – unbe­wie­sen – behaup­tet:

„In Latein­ame­ri­ka und in Afri­ka haben vie­le Prie­ster eine Fami­lie. Sie könn­ten dann aus der Ille­ga­li­tät her­aus­tre­ten.“

Das Argu­ment ist per­fid, weil es belie­big ein­ge­setzt wer­den kann. Inter­es­sant ist dar­an der Hin­weis auf Latein­ame­ri­ka und Afri­ka, wo es ehr­li­cher wäre, auf Euro­pa zu ver­wei­sen – zumin­dest im deut­schen Sprach­raum. Die Pro­po­nen­ten der Zöli­bats­ab­schaf­fung wol­len aber lie­ber von sich sel­ber ablen­ken, weil sie selbst angreif­ba­rer sind. Zudem wür­de das Wis­sen um die wirk­li­chen, trei­ben­den Kräf­te im Hin­ter­grund, das gan­ze Spek­ta­kel leich­ter durch­schau­bar sein las­sen. Die Ver­la­ge­rung in das in jeder Hin­sicht fer­ne Ama­zo­ni­en soll wie eine Objek­ti­vie­rung wir­ken, die es aber nicht ist.

Gian­sol­da­ti gibt offen zu erken­nen, daß Ama­zo­ni­en nur der Vor­wand für eine viel grö­ße­re Ope­ra­ti­on ist und die eigent­li­chen Inter­es­sen­ten einer sol­chen Ent­wick­lung ganz woan­ders sit­zen. Wört­lich schreibt sie:

„Die mög­li­che Ent­schei­dung des Pap­stes für ‚viri pro­ba­ti ad expe­ri­men­tum‘ für die Regi­on, könn­te einen Prä­ze­denz­fall schaf­fen und ande­re, inter­es­sier­te Epi­sko­pa­te wie Deutsch­land, Bel­gi­en, Öster­reich, Tsche­chi­en ver­an­las­sen, sich eben­falls dar­um zu bewer­ben, und damit eine inner­kirch­li­che Debat­te aus­lö­sen.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: The Tablet/Il Mess­ag­ge­ro (Screen­shots)

4 Kommentare

  1. wenn man Beru­fung hat, kann man den Zoe­li­bat hal­ten, auch wenn man Bra­si­lia­ner ist. Oder Deut­scher oder was auch immer. Man wird doch frei­wil­lig Prie­ster.

  2. „Zöli­bat: Wesens­merk­mal des Prie­ster­tums und Beweis für die wah­re Kir­che Jesu Chri­sti“: und genau das ist die Kon­zils­kir­che nicht!

  3. Im August 1980 hielt Mut­ter Tere­sa vor eng­li­schen Prie­ster­stu­den­ten eine Anspra­che, in der sie sag­te: „Es berei­tet mir gro­ße Freu­de, zu euch zu spre­chen … Wisst ihr, was wir von euch erwar­ten? Dass Ihr uns das Brot des Lebens brecht – das Brot des Wor­tes Got­tes und das Brot der Eucha­ri­stie. Ich brau­che hei­li­ge Prie­ster, – Prie­ster, die gründ­lich bewan­dert sind in den gesun­den geist­li­chen Leh­ren der Kir­che, um mei­ne Schwe­stern auf den Wegen zu gelei­ten, die zu Gott füh­ren. Ihr seid Män­ner Got­tes, Män­ner des Gebe­tes.
    Das Gebet muss euer täg­li­ches Brot sein. Wenn ihr nicht beten wollt, könnt ihr nach Hau­se gehen … Die Arbeit des Prie­sters in der Gesell­schaft besteht dar­in, den Men­schen das Wort Got­tes und die Sakra­men­te zu geben. Nur er kann dies tun; das ist sein beson­de­res Cha­ris­ma, zu dem er von Gott beru­fen wur­de. Als Prie­ster soll­tet ihr fähig sein, aus der Über­ül­le eures Her­zens zu spre­chen. Es kommt immer dar­auf an, wie­viel Lie­be in dem steckt, was wir geben … Wie hei­lig müs­sen eure Hän­de sein, denn ihr bringt den Leib und das Blut Chri­sti dar. Eine jede eurer Hand­lun­gen muss hei­lig sein – eure Reden, eure Gedan­ken, eure gan­ze Per­son. Ihr müsst Chri­stus in euch wach­sen las­sen durch sei­ne Lie­be. Lasst Jesus euch als Werk­zeug benut­zen, ohne dass er euch fra­gen muss. Ihr bringt Jesus zu so vie­len Her­zen – wie nahe müsst ihr des­halb Jesus sein!“

    In die­sen weni­gen Wor­ten ist das gan­ze geist­li­che Lebens­pro­gramm des Prie­sters ent­hal­ten – das Bemü­hen, inner­lich fromm zu sein, im eif­ri­gen Gebet für sich und die ihm anver­trau­ten See­len; Jesus, dem gött­li­chen Hohen­prie­ster in voll­kom­me­ner Hin­ga­be zu die­nen, sein Evan­ge­li­um über­all unver­küzt zu ver­kün­den, ihn vor allem im hei­lig­sten Sakra­ment – und in den See­len – wirk­lich lie­ben, was nur durch das Leben in bewuss­ter Gott­ver­bun­den­heit mög­lich ist. Aber wie lässt sich eine solch‘ inni­ge Ver­ei­ni­gung errei­chen? Wenn der hei­li­ge Pfar­rer von Ars sagt: „Das Prie­ster­tum offen­bart uns die Lie­be des Her­zens Jesu!“ Dann kann nur die auf­rich­tig erwi­der­te Lie­be zu ihm die­se Gna­de erlan­gen.

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