Zornige Reaktion des päpstlichen Hausvatikanisten auf Zurechtweisung (Correctio filialis)

Zornige Reaktion des päpstlichen Hausvatikanisten, Andrea Tornielli, auf die Zurechtweisung des Papstes wegen der Verbreitung von Häresien
Zornige Reaktion des päpstlichen Hausvatikanisten, Andrea Tornielli, auf die Zurechtweisung des Papstes wegen der Verbreitung von Häresien

(Rom) Die Cor­rec­tio filia­lis de hae­re­si­bus pro­pa­ga­tis, auf deutsch, die Zurecht­wei­sung [von Papst Fran­zis­kus] wegen der Ver­brei­tung von Häre­si­en, zieht Krei­se. Die erste inter­na­tio­na­le Reak­ti­on erfolg­te durch die inter­na­tio­na­le Pres­se­agen­tur Asso­cia­ted Press (USA), die die Zurecht­wei­sung des Pap­stes im Titel „Kon­ser­va­ti­ven“ und im wei­te­ren Text „Tra­di­tio­na­li­sten“ zuschreibt. Zor­ni­ge Reak­tio­nen gab es auf Ber­go­glia­ni­schen Inter­net­sei­ten, unter denen eine Reak­ti­on an Bedeu­tung her­vor­sticht, weil sie aus dem direk­ten päpst­li­chen Umfeld kommt.

Der päpst­li­che Haus- und Hof­va­ti­ka­nist Andrea Tor­ni­el­li mach­te bereits den Titel sei­nes Arti­kels auf Vati­can Insi­der zum zor­ni­gen Abwehr­feu­er mit Griff zu klas­sen­kämp­fe­ri­schen Sprach­chif­fren: „Der Ban­ker Got­ti Tede­schi (und wei­te­re 61) wirft dem Papst sie­ben Häre­si­en vor“. Hat­te nicht Papst Fran­zis­kus mehr­fach gera­de ein sol­ches Ver­hal­ten scharf kritisiert?

Tor­ni­el­li ver­fügt fak­tisch über frei­en und direk­ten Zugang zu Papst Fran­zis­kus. Sei­ne Arti­kel geben in der Regel die Posi­ti­on des Pap­stes wie­der und sol­len die­se jeden­falls unterstützen.

Tor­ni­el­li ver­sucht im kon­kre­ten Fall vor allem die Leser zu ver­wir­ren, indem er den Ein­druck erweckt, daß die Cor­rec­tio filia­lis, die Zurecht­wei­sung des Pap­stes durch katho­li­sche Kle­ri­ker und Lai­en, mit der Cor­rec­tio fra­ter­na durch die Kar­di­nä­le iden­tisch sei. Letz­te­re hat­te in der Ver­gan­gen­heit vor allem Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke, ein Unter­zeich­ner der Dubia (Zwei­fel) am umstrit­te­nen Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia ange­kün­digt. Die­se Cor­rec­tio ist aber noch nicht erfolgt.

Der päpst­li­che Haus­va­ti­ka­nist betont im Unter­ti­tel näm­lich, daß „kein Kar­di­nal und kein in vol­ler Ein­heit mit Rom ste­hen­der Bischof unter­schrie­ben“ habe. Die­sel­be Linie wur­de von katho​lisch​.de, der Inter­net­sei­te der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, über­nom­men und deu­tet den Ver­such einer ersten Sprach­re­ge­lung der Ber­go­glia­ner zur Zurecht­wei­sung an.

Die Unter­zeich­ner redu­ziert Tor­ni­el­li auf einen „Ban­ker“, einen Bischof, der „nicht in der Ein­heit mit Rom steht“ und „Betrei­ber von Anti-Fran­zis­kus-Blogs“, denen man, so die unter­schwel­li­ge Aus­sa­ge, kei­ne wei­te­re Auf­merk­sam­keit schen­ken müs­se. Die Reak­ti­on Tor­ni­el­lis folgt damit der Dia­log­ver­wei­ge­rung, in der sich Papst Fran­zis­kus seit 18 Mona­ten übt. Wer applau­diert, ist will­kom­men und in Audi­enz emp­fan­gen, wer Kri­tik übt, wird igno­riert und ausgegrenzt.

Die­se von Tor­ni­el­lo aus­ge­ge­be­ne Linie, wur­de von ande­ren Ber­go­glia­ni­schen Medi­en auf­ge­grif­fen. Dazu gehört neben dem Spie­gel im deut­schen Sprach­raum auch Alfa y Ome­ga in Spa­ni­en. Die offi­zi­el­le katho­li­sche Wochen­zei­tung des Lan­des läßt in ihrem Bericht ein gro­ßes Auf­at­men durch­klin­gen, daß sich „kein Kar­di­nal oder Bischof unter den Unter­zeich­nern der Cor­rec­tio filia­lis gegen­über dem Papst“ befin­de. Allen die­sen Berich­ten liegt der von Tor­ni­el­li gestreu­te Irr­tum zugrun­de, der absicht­lich die ange­kün­dig­te brü­der­li­che Zurecht­wei­sung des Pap­stes durch die Kar­di­nä­le mit die­ser Akti­on von Kle­ri­kern und Lai­en verwechselt.

Die staat­li­che, ita­lie­ni­sche Pres­se­agen­tur ANSA über­mit­tel­te ihren Abon­nen­ten einen Bericht mit der kurio­sen Behauptung:

„Das Doku­ment ist eine Bit­te von Theo­lo­gen. Es spricht nicht von Häresien.“

Auch am ANSA-Bericht fällt der Nach­druck auf, mit dem die Auf­merk­sam­keit auf den Namen des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten der Vati­kan­bank und ange­se­he­nen Finanz­wis­sen­schaft­lers Etto­re Got­ti Tede­schi gelenkt wird. Die Inten­ti­on scheint offen­kun­dig: Eine ver­brei­te­te Ableh­nung von „Ban­kern“, soll die Leser reflex­ar­tig gegen die Zurecht­wei­sung einnehmen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Vati­can Insi­der (Screen­shot)

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