Unbekannte Drohne über dem Vatikan führt zu Terror-Alarm — Vatikan wiegelt ab

Italienische Polizei sichert Grenze zum Vatikanstadt. Eine nicht identifizierte Drohne sorgte am Samstag für Aufregung.
Italienische Polizei sichert Grenze zum Vatikanstadt. Eine nicht identifizierte Drohne sorgte am Samstag für Aufregung.

(Rom) In Ita­li­en, aber auch im Vati­kan herrscht eine hohe Sicher­heits­stu­fe. Die Gefahr eines isla­mi­sti­schen Ter­ror­an­griffs wird von den Sicher­heits­ex­per­ten sehr ernst genom­men. Am Sams­tag löste eine nicht iden­ti­fi­zier­te Droh­ne über dem Vati­kan Alarm aus.

Ein klei­nes Flug­ob­jekt, eigent­lich von der Grö­ße eines Spiel­zeugs, ließ in der Stadt am Tiber alle Anti­ter­ror-Sicher­heits­stu­fen auf Rot schal­ten. Den Alarm löste eine Cara­bi­nie­ri-Strei­fe am frü­hen Mor­gen aus. Sie hat­ten eine Droh­ne in der „no fly zone“ nahe dem Peters­dom gesich­tet. Die Anti­ter­ror-Alarm­stu­fen wur­den nach Pro­to­koll akti­viert. Ein Hub­schrau­ber der Poli­zei stieg auf, um den Stadt­teil Bor­go von oben zu sichern. Als die Droh­ne auf dem Dach eines Hau­ses inner­halb des Stadt­teils lan­de­te und Iden­ti­fi­zie­run­gen von Droh­nen-Besit­zer und Haus­be­sit­zer durch­ge­führt wer­den soll­ten, konn­te erste­rer nicht aus­fin­dig gemacht wer­den. Der Alarm wur­de den­noch been­det. Das Haus, wo die Droh­ne lan­de­te, liegt nur einen Stein­wurf vom Peters­platz ent­fernt. Die Ermitt­ler gehen von der Droh­ne eines Tou­ri­sten aus, der Pho­to- oder Film­auf­nah­me von St. Peter mach­te. Den­noch herrscht eine Pole­mik, da der Vor­fall zeigt, wie pro­blem­los ein poten­ti­ell gefähr­li­ches Flug­ob­jekt an sen­si­ble Objekt ange­nä­hert wer­den und auch wie­der ver­schwin­den kann. Rom wird der­zeit über­flu­tet von Droh­nen, um die Sehens­wür­dig­kei­ten von oben abzu­lich­ten. Ein neu­er Tou­ri­sten­spaß, der in Sicher­heits­krei­sen bereits zu hef­ti­gen Dis­kus­si­on geführt hat. Ein Droh­nen­flug­ver­bot wur­de für ein­zel­ne Stadt­tei­le bereits aus­ge­spro­chen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de ein 31jähriger US-Ame­ri­ka­ner zur Anzei­ge gebracht, weil er in einer ver­bo­te­nen Flug­zo­ne sei­ne Droh­ne auf­stei­gen hat­te las­sen.

Vatikansprecherin spielt Sache herunter — Kommandant der Schweizergarde sieht es anders

Im Vati­kan bemüh­te man sich, die Sache her­un­ter­zu­spie­len. Im Gegen­satz zur Poli­zei sprach die stell­ver­tre­ten­de Pres­se­amts­lei­te­rin Palo­ma Gar­cia Oveje­ro davon, daß es „kei­nen Alarm gege­ben“ habe. Für den Vati­kan habe sich die Sicher­heits­stu­fe weder seit dem Atten­tat von Bar­ce­lo­na noch durch die Dro­hun­gen gegen Papst Fran­zis­kus im jüng­sten Pro­pa­gan­da­vi­deo der Dschi­had-Miliz Isla­mi­scher  Staat (IS) nicht geän­dert, so die Spre­che­rin.

Der Auf­ruf, die Ruhe zu bewah­ren, steht im ver­meint­li­chen Kon­trast zu den jüng­sten Aus­sa­gen des Kom­man­dan­ten der Schwei­zer­gar­de Chri­stoph Graf, der sehr wohl von mög­li­chen isla­mi­sti­schen Ter­ror­an­grif­fen auf den Vati­kan aus­geht. Das sei „nur eine Fra­ge der Zeit“, so der Oberst, der hin­zu­füg­te, daß die Schwei­zer­gar­de durch lau­fen­de Anpas­sung ihrer Aus­bil­dungs­me­tho­den auch auf „ter­ro­ri­sti­sche Bedro­hun­gen“ vor­be­rei­tet sei­en.

Die Droh­nen tra­gen zu erhöh­ter Span­nung bei den Sicher­heits­kräf­ten bei, die – meist unnö­tig – ihre Auf­merk­sam­keit auch nicht iden­ti­fi­zier­te „Spiel­zeu­ge“ rich­ten müs­sen. Im ver­gan­ge­nen Win­ter hat­te der ita­lie­ni­sche Geheim­dienst allen Sicher­heits­kräf­ten eine Nach­richt zukom­men las­sen, in der vor Angrif­fen aus der Luft gewarnt wur­de. Dar­in hieß es unter ande­rem:

„Die israe­li­schen Behör­den haben in den ver­gan­ge­nen Wochen an der Gren­ze zu Jor­da­ni­en zwei Män­ner ver­haf­tet, die in einem Fahr­zeug eini­ge selbst­steu­ern­de Droh­nen trans­por­tier­ten (Mar­ke Par­rot), die modi­fi­ziert wor­den waren – ver­stärk­te Bat­te­rie – mit einer Trans­port­ka­pa­zi­tät von bis zu 3 kg. Die bei­den Män­ner sol­len anschlie­ßend von einem Ein­satz der Droh­nen für nicht näher benann­te ter­ro­ri­sti­sche Akti­vi­tä­ten berich­tet haben.“

Im Zusam­men­hang mit Infor­ma­tio­nen der ita­lie­ni­schen Ter­ror­ein­heit der Cara­bi­nie­ri von Rom sei für für die Zeit vom 2.–6. Janu­ar 2017 ein Ter­ror­an­griff geplant gewe­sen. In Rom, so die Quel­le wei­ter, hät­ten Isla­mi­sten Kon­takt zu einer bis­her unbe­kann­ten Stel­le, die dis­kret und anonym Modi­fi­ka­tio­nen an Droh­nen der Mar­ke Par­rot durch­füh­re.

Die ita­lie­ni­schen Sicher­heits­kräf­te sind auch des­halb besorgt, weil isla­mi­sche Ter­ro­ri­sten nach­weis­lich Kon­takt zu mus­li­mi­schen Krei­sen in Ita­li­en hat­ten und sich teil­wei­se auch auf ita­lie­ni­schem Staats­ge­biet auf­ge­hal­ten haben. Dazu gehört Anis Amri, der Atten­tä­ter vom Breit­scheid­platz in Ber­lin. Er war mit einem LKW-in einen Weih­nachts­markt gerast und töte­te dabei rund 60 Per­so­nen. Anschlie­ßend flüch­te­te er bis Ita­li­en, wo er bei einem Schuß­wech­sel mit der Poli­zei getö­tet wur­de. Auch Amris Bru­der, Sou­fia­ne Amri (Pseud­onym Aka Abu Dharr) hielt sich zeit­wei­se in Ita­li­en auf.

Die Brü­der sol­len sich zwei Wochen vor dem Atten­tat in Ber­lin in der ita­lie­ni­schen Hafen­stadt Anco­na an der mitt­le­ren Adria in einem Hotel ein­quar­tiert und mit wei­te­ren Per­so­nen getrof­fen haben. Was sie dort mach­ten, ist bis heu­te unbe­kannt. Anco­na ist ein wich­ti­ger Hafen für Fähr­schif­fe. Er ver­bin­det Grie­chen­land und den Bal­kan mit Ita­li­en. Dabei han­delt es sich um eine wich­ti­ge Ein­wan­de­rungs­rou­te aus dem Nahen Osten.

Text: Andre­as Becker
Bild: MiL