Bischofsernennungen: Was hat das Bistum Linz mit dem Fall Ahiara zu tun?

Kathedrale von Ahiara: Hätte für das Bistum Linz nicht dasselbe gegolten, das nun für das Bistum Ahiara gilt, als die Ernennung von Weihbischof Wagner abgelehnt wurde?
Kathedrale von Ahiara: Hätte für das Bistum Linz nicht dasselbe gegolten, das nun für das Bistum Ahiara gilt, als die Ernennung von Weihbischof Wagner abgelehnt wurde?

Von Mar­tha Bur­ger-Weinzl

In der nige­ria­ni­schen Diö­ze­se Ahia­ra herrscht seit eini­gen Jah­ren ein unge­wöhn­li­cher Aus­nah­me­zu­stand. Das Bis­tum ist noch sehr jung. Es wur­de 1987 von Papst Johan­nes Paul II. errich­tet. Fast die gesam­te Bevöl­ke­rung, rund 600.000 Men­schen, ist katho­lisch. Die Kir­che erlebt, wie in ganz Schwarz­afri­ka, auch in die­ser Diö­ze­se ein star­kes Wachs­tum. Als das Bis­tum vor 30 Jah­ren gegrün­det wur­de, hat­te es weni­ger als 50 Prie­ster, heu­te sind es mehr als 130.

Die Bewoh­ner von Ahia­ra sind Mbai­se. Mbai­se war auch ihr erster Bischof, der von 1987–2012 regier­te. 2012 ernann­te Papst Bene­dikt XVI. dann einen aus­wär­ti­gen Prie­ster zum neu­en Bischof. Seit­her ist Feu­er am Dach. Die Mbai­se sind eine klei­ne, katho­li­sche Volks­grup­pe, die Teil des Vol­kes der Ibo (Igbo) sind. Der von Papst Bene­dikt XVI. ernann­te Bischof ist zwar auch ein Ibo, aber kein Mbai­se. Er stammt aus einem ande­ren Bis­tum, einem ande­ren Staat und einer ande­ren Eth­nie. Gläu­bi­ge und Prie­ster ver­wei­gern ihm seit­her, Besitz von sei­nem Bis­tum zu ergrei­fen. Im ver­gan­ge­nen Jahr stürm­te die Poli­zei sogar die Kathe­dra­le von Ahia­ra und ver­haf­te­te rebel­li­sche Prie­ster.

Papst Fran­zis­kus ließ nun eine Dele­ga­ti­on zu sich kom­men und stell­te ihr ein Ulti­ma­tum. Bis zum 8. Juli haben Gläu­bi­ge und Prie­ster den 2012 ernann­ten Bischof zu akzep­tie­ren, oder alle Prie­ster des Bis­tums wer­den a divi­nis sus­pen­diert. Die Ableh­nung eines vom Papst ernann­ten, recht­mä­ßi­gen Bischofs sei „inak­zep­ta­bel“, so Fran­zis­kus,

Der Kon­flikt ist nicht theo­lo­gi­scher, son­dern eth­ni­scher Natur, soviel steht fest. Der Papst hat natür­lich recht. Ein recht­mä­ßi­ger Bischof ist zu akzep­tie­ren. Man müß­te frei­lich die genau­en Hin­ter­grün­de ken­nen. In Gegen­den mit offe­nen oder laten­ten Kon­flik­ten, auch eth­ni­schen, ist bei Bischofs­er­nen­nun­gen mit der nöti­gen Sorg­falt und Sen­si­bi­li­tät vor­zu­ge­hen. Die Süd­ti­ro­ler bei­spiels­wei­se wären wahr­schein­lich nicht sehr froh, einen Ita­lie­ner als Bischof zu bekom­men. Mit dem Vor­schlag­ham­mer vor­zu­ge­hen, nach dem Mot­to: Katho­lisch ist katho­lisch, ihr habt zu akzep­tie­ren und Punkt, muß daher nicht immer der ange­mes­sen­ste Weg sein.

Der Fall Ahia­ra lehrt aber noch eini­ges mehr. Er zeigt zum Bei­spiel, daß es durch­aus geht, not­falls mit dra­ko­ni­schen Maß­nah­men für Ord­nung in der Kir­che zu sor­gen. Im deut­schen Sprach­raum gilt in der Regel ein Lais­sez-fai­re-Prin­zip. Der Bischof ist zuwei­len ein ziem­lich farb- und kan­ten­lo­ser Kom­pro­miß­kan­di­dat, der nach kir­chen­po­li­ti­schen Kri­te­ri­en aus­ge­wählt wur­de, um eine omi­nö­se „Mit­te“ zwi­schen dem „kon­ser­va­ti­ven“ und „pro­gres­si­ven“ Lager zu bil­den. So oder ähn­lich lau­ten jeden­falls die Begrün­dun­gen. Vor Ver­stö­ßen gegen die kirch­li­che Ord­nung und Leh­re wer­den die Augen gera­de­zu syste­ma­tisch ver­schlos­sen. Nie­mand hört, sieht und sagt etwas. Der größ­te Eifer wird, wenn schon, an den Tag gelegt, um glau­bens­treue Initia­ti­ven hint­an­zu­stel­len.

Die Ernennung von Weihbischof Wagner im Bistum Linz

Wie war das doch im Bis­tum Linz? Da hat­te auch Papst Bene­dikt XVI. mit dem Dog­ma­ti­ker Ger­hard Maria Wag­ner einen Weih­bi­schof ernannt – dem Ver­neh­men nach – mit Nach­fol­ge­recht. 2009 wur­de Wag­ner vom Papst ernannt. Seit 2015, als Bischof Lud­wig Schwarz eme­ri­tiert wur­de, könn­te er also Bischof der Diö­ze­se sein.

1719, als Linz noch zum Bistum Passau gehörte
1719, als Linz noch zum Bis­tum Pas­sau gehör­te

Als sei­ne Ernen­nung bekannt­ge­ge­ben wur­de, kam es zu einem Sturm der Empö­rung. An der Spit­ze stan­den pro­gres­si­ve „Berufs­ka­tho­li­ken“, kir­chen­fer­ne Mas­sen­me­di­en und „abge­hau­ste“ Prie­ster (Ger­hard M. Wag­ner), die um ihr locke­res Leben und ihre lege­re Theo­lo­gie bang­ten. Natür­lich auch um die Kon­ku­bi­ne (oder den Lust­kna­ben) im Bett. Wie der libe­ra­le Lin­zer Kle­rus „haust“, soll an die­ser Stel­le nicht wie­der­holt wer­den. Wer es wis­sen will, kann es in Erfah­rung brin­gen.

Die­ser Kle­rus bang­te um sei­ne Pri­vi­le­gi­en und Pfrün­de. Und da einem das eige­ne Hemd bekannt­lich näher ist, wehr­ten sie sich mit Hän­den und Füßen gegen den intel­lek­tu­ell bril­lan­ten Dog­ma­ti­ker und vor­bild­haf­ten Seel­sor­ger Wag­ner, den man zuerst in Rom stu­die­ren ließ, dann aber in die „Peri­phe­rie“ schick­te — mög­lichst weit weg vom Bischofs­sitz.

Täg­lich wur­den 2009 grö­ße­re Schlamm­kü­bel über den ernann­ten Weih­bi­schof aus­ge­schüt­tet, täg­lich die von der „Qua­li­täts­pres­se“ kol­por­tier­ten Fake News drei­ster. Am Ende ging es nur mehr um einen blan­ken Macht­kampf der unhei­li­gen Alli­anz: Die Kir­che soll­te in die­ser Per­so­nal­fra­ge in die Knie gezwun­gen wer­den. Als ein Wie­ner Kar­di­nal, um des lie­ben Frie­dens wil­len, auch noch „ver­mit­tel­te“, war die Sache ent­schie­den. Rom knick­te ein.

Der ernann­te Weih­bi­schof hat­te um sei­ne Ent­bin­dung von der Ernen­nung anzu­su­chen. Der abge­hau­ste Kle­rus und die häre­ti­schen „Berufs­ka­tho­li­ken“ wie der Oberg­schaft­ler Bert Brand­stet­ter, Prä­si­dent der Katho­li­schen Akti­on Ober­öster­reich, der soeben, pünkt­lich zum Fest Chri­sti Him­mel­fahrt, die Auf­er­ste­hung Jesu Chri­sti leug­ne­te, lehn­ten sich zufrie­den zurück. Der Abbruch der Kir­che konn­te frisch-fröh­lich wei­ter­ge­hen. Glau­bens­treue „Inter­fe­ren­zen“ im spie­ßi­gen Getrie­be der kirch­li­chen Alt-68er mit ihrer lin­ken Pseu­do­mo­ral waren nicht mehr zu befürch­ten.

Ahiara ist nicht Linz — Linz ist nicht Ahiara. Oder doch?

Papst Fran­zis­kus zeigt nun, daß im Fall Wag­ner ein ganz ande­rer Weg mög­lich gewe­sen wäre. Ja sogar, daß laut Fran­zis­kus die­ser ande­re Weg sogar zwin­gend gewe­sen wäre, näm­lich dem rebel­li­schen Kle­rus der Diö­ze­se Linz ein Ulti­ma­tum zu stel­len. Ent­we­der ihr akzep­tiert „vor­be­halt­los“ den ernann­ten, recht­mä­ßi­gen Bischof oder ihr wer­det alle a divi­nis sus­pen­diert. So hat es Fran­zis­kus nun dem Kle­rus des Bis­tums Ahia­ra gesagt.

Oder gilt das nur für ein afri­ka­ni­sches Bis­tum, in alter Kolo­ni­al­her­ren­ma­nier, nicht aber für ein post­mo­der­nes Bis­tum in Mit­tel­eu­ro­pa?

Man könn­te nun begrün­det ein­wen­den, daß Papst Fran­zis­kus kaum Gefahr lau­fen dürf­te, einen Pfar­rer Ger­hard Maria Wag­ner zum Bischof ernen­nen zu wol­len. Auch dar­aus darf man etwas schlie­ßen: Es ist alles eine Fra­ge der Kom­bi­na­ti­on und der Per­spek­ti­ve. Der „stren­ge“ Bene­dikt ernann­te den rich­ti­gen Bischof, war aber zu sanft, für die nöti­ge Durch­set­zung zu sor­gen. Der „gute“ Fran­zis­kus zeigt pro­blem­los Här­te und Durch­set­zungs­ver­mö­gen, ernennt aber … Wie schrieb 2016 der Fran­ko­ka­na­di­er Alain Pron­kin: Papst Fran­zis­kus ist immer auf der Suche nach „den pro­gres­siv­sten Kan­di­da­ten“.

In Mit­tel­eu­ro­pa scheint trau­ri­ger­wei­se  unterm Strich, 2009 wie heu­te, das­sel­be her­aus­zu­kom­men: die fort­schrei­ten­de Dekon­struk­ti­on der Kir­che.

Zur Situa­ti­on im Bis­tum Linz sie­he auch:

Bild: NNP (Screenshot)/Wikicommons

1 Kommentar

  1. Es ist wirk­lich trau­rig mit­an­se­hen zu müs­sen, wie die guten und treu­en Die­ner Got­tes mit Füßen getre­ten wer­den.
    Und die­je­ni­gen, die die katho­li­sche Leh­re zu zer­stö­ren suchen, gefei­ert und in den Him­mel hin­auf gelobt wer­den.
    Hab Erbar­men, Herr!

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