Migranten und Flüchtlinge — Papst Franziskus, Teilhard de Chardin, Kosmogenese und die neue Weltordnung

"Migranten und Flüchtlingen" soll "holistisch" geholfen werden. Die seltsame Sprache einer von Papst Franziskus persönlich geleiteten Abteilung der Römischen Kurie.
"Migranten und Flüchtlingen" soll "holistisch" geholfen werden. Die seltsame Sprache einer von Papst Franziskus persönlich geleiteten Abteilung der Römischen Kurie.

(Rom) Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag ging die neue Inter­net­sei­te der Abtei­lung Migran­ten und Flücht­lin­ge des neu­en Dikaste­ri­ums für die ganz­heit­li­che Ent­wick­lung des Men­schen ins Netz. Die Abtei­lung wird als ein­zi­ge im Vati­kan von Papst Fran­zis­kus per­sön­lich gelei­tet. Wel­ches Den­ken bewegt Fran­zis­kus? Reha­bi­li­tiert er die Leh­re von Teil­hard de Char­din? Was ist unter „Uni­ver­sal­kir­che“ und „holi­sti­scher“ Hil­fe für die Migran­ten zu ver­ste­hen?

„Allen Migranten und Füchtlingen holistisch helfen“

"Migranten und Flüchtlinge", neue Internetseite im Vatikan
„Migran­ten und Flücht­lin­ge“, neue Inter­net­sei­te im Vati­kan

Das neue Dikaste­ri­um wur­de von Papst Fran­zis­kus im Som­mer 2016 errich­tet. Die Adres­se der neu­en Inter­net­sei­te lau­tet: www.migrants-refugees.org. Das Sym­bol der Abtei­lung ist eine oran­ge Ret­tungs­we­ste, die dem Papst im Mai 2016 bei einer Gene­ral­au­di­enz von einem „Hel­fer“ geschenkt wor­den war. Sie habe einem „Flücht­lings­kind“ gehört, das „ertrun­ken“ sei. Beim ersten Tref­fen mit den bei­den, zum 1. Janu­ar 2017 ernann­ten Unter­se­kre­tä­ren des Dikaste­ri­ums, Pater Fabio Bag­gio (Sca­la­b­ri­ni-Mis­sio­nar) und Pater Micha­el Czer­ny (Jesu­it), hat­te ihnen der Papst die Ret­tungs­we­ste über­las­sen. „Ich habe es nicht geschafft“, habe der Mann, der sie dem Papst schenk­te, zu ihm gesagt. „Da war ein Mäd­chen auf den Wel­len, aber ich habe es nicht geschafft, sie zu ret­ten. Es ist nur ihre Ret­tungs­we­ste geblie­ben.“

Die in meh­re­ren Spra­chen, aber nicht auf deutsch gestal­te­te Sei­te prä­sen­tiert sich als „Abtei­lung des Pap­stes“. „Flücht­lings­hil­fe online“ begei­ster­te sich am Sonn­tag der deut­sche Jesu­it, Bernd Hagen­kord, Lei­ter der Deut­schen Sek­ti­on von Radio Vati­kan.

In der Selbst­dar­stel­lung sticht der spa­ni­sche Text unter den ande­ren Spra­chen (Eng­lisch, Ita­lie­nisch, Fran­zö­sisch und Por­tu­gie­sisch) her­vor. Es ist die Mut­ter­spra­che des Pap­stes. Es darf ange­nom­men wer­den, daß es sich dabei um die von ihm per­sön­lich begut­ach­te­te und geneh­mig­te Fas­sung han­delt.

„Die Abtei­lung Migran­ten und Flücht­lin­ge ermu­tigt die Welt­kir­che, allen auf­grund von Kon­flik­ten, Natur­ka­ta­stro­phen, Ver­fol­gun­gen und extre­mer Armut Ver­trie­be­nen holi­stisch zu hel­fen.“

„Dis­pla­ced“ heißt es in der eng­li­schen Fas­sung. Unter dem Sam­mel­be­griff Dis­pla­ced Per­sons (DP) faß­ten die alli­ier­ten Trup­pen am Ende des Zwei­ten Welt­krieg alle aus­län­di­schen Zivil­per­so­nen zusam­men, die nicht am Ort behei­ma­tet waren, an dem sie ange­trof­fen wur­den, unab­hän­gig davon, ob sie aus ihrer Hei­mat ver­trie­ben, ver­schleppt, geflo­hen oder frei­wil­lig fort­ge­gan­gen waren. Deut­sche Ver­trie­be­ne fie­len nicht dar­un­ter. Der Begriff wur­de 1944 vom Supre­me Head­quar­ters, Allied Expe­di­tio­na­ry For­ce (SHAEF) ein­ge­führt.

Unüber­hör­bar bedient sich der Vati­kan in die­sem Text der Kla­via­tur jener neu­en Sprach­re­ge­lung, die gera­de dabei ist, Migra­ti­on zum „Recht“ erhe­ben zu wol­len und dazu eine immer wei­ter gefaß­ten Defi­ni­ti­on von „Flücht­ling“ kre­iert.

Migration als Instrument zur Überwindung der heutigen Staaten

Die unter­schieds­lo­se Auf­for­de­rung kommt einer bedin­gungs­lo­sen Aner­ken­nung eines „Rech­tes“ auf Migra­ti­on gleich und damit einer Pflicht zur bedin­gungs­lo­sen Auf­nah­me und Akzep­tanz von Migran­ten. Da die Abtei­lung Migran­ten und Flücht­lin­ge auf eige­nen Wunsch als ein­zi­ger Bereich der Römi­schen Kurie von Papst Fran­zis­kus per­sön­lich gelei­tet wird, kommt der Aus­sa­ge beson­de­res Gewicht zu. Sie heißt bereits statt­fin­den­de und sich in weit grö­ße­rem Aus­maß bereits abzeich­nen­de Völ­ker­wan­de­run­gen letzt­lich gut und stellt damit, neben dem huma­ni­tä­ren Aspekt, einen offe­nen Angriff auf die Sou­ve­rä­ni­tät der Staa­ten über ihr Hoheits­ge­biet und für den Schutz ihrer Völ­ker und deren Inter­es­sen dar.

Eine sol­che Auf­for­de­rung legt die Mut­ma­ßung nahe, daß Papst Fran­zis­kus eine Über­win­dung staat­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät und die Schaf­fung neu­er supra­na­tio­na­ler Staa­ten oder sogar eines Welt­ein­heits­staa­tes wünscht und anstrebt, jeden­falls unter­stützt. Da die Gren­zen zwi­schen einer Reak­ti­on auf Migra­ti­on und der För­de­rung von Migra­ti­on dabei ver­schwim­men, geht es nicht nur um ein Phä­no­men Migra­ti­on, son­dern auch um ein Instru­ment Migra­ti­on, das zur Über­win­dung der heu­ti­gen Staa­ten und ihrer Sou­ve­rä­ni­tät ein­ge­setzt wird.

„Universalkirche“ und „Holismus“

Die­ser ange­streb­ten Über­win­dung der histo­ri­schen Staa­ten, durch Schaf­fung neu­er supra­na­tio­na­ler Ein­heits­staa­ten und in logi­scher Kon­se­quenz eines Welt­ein­heits­staa­tes, scheint das in der spa­ni­schen Kurz­prä­sen­ta­ti­on auf der Inter­net­sei­te gebrauch­te Wort „Igle­sia Uni­ver­sal“ zu ent­spre­chen. Ist damit aber die katho­li­sche Kir­che gemeint? Der ver­wen­de­te Begriff läßt sich als „Welt­kir­che“ oder „Uni­ver­sal­kir­che“ ins Deut­sche über­set­zen. Der Begriff Welt­kir­che dient in der Regel der Unter­schei­dung von der Orts­kir­che. Eine Unter­schei­dung, die hier gera­de nicht gemeint ist. Eine Selbst­be­zeich­nung der Kir­che ist der Begriff jeden­falls nicht. Ein zu pin­ge­li­ges Nach­fra­gen? Im Gesamt­zu­sam­men­hang sind zwei­deu­ti­ge Begrif­fe und ambi­va­len­te For­mu­lie­run­gen zu hin­ter­fra­gen. Wer auf einer Ebe­ne, wie jener der Römi­schen Kurie, undeut­lich for­mu­liert, wo ein­deu­ti­ge Begrif­fe zur Ver­fü­gung ste­hen, muß sich Fra­gen nach der eigent­li­chen Absicht gefal­len las­sen. Das gilt auch für den übri­gen Text.

Die ande­ren Text­fas­sun­gen unter­schei­den sich deut­lich. Dar­in ist nicht die Rede von einer „Ermu­ti­gung“ an die „Welt­kir­che“. Die eng­li­sche Fas­sung bei­spiels­wei­se lau­tet: „Die Abtei­lung Migran­ten und Flücht­lin­ge hilft der Kir­che welt­weit jene zu unter­stüt­zen, die zwangs­wei­se ver­trie­ben […]“ wur­den.

Was aber ist unter „holi­stisch“ zu ver­ste­hen?

Um den Begriff in einem vati­ka­ni­schen Doku­ment zu fin­den, muß man lan­ge suchen. Fün­dig wird man in einem Doku­ment, das vor dem New Age warnt. Es han­delt sich um das 2003 vom Päpst­li­chen Rat für den inter­re­li­giö­sen Dia­log und dem Päpst­li­chen Rat für die Kul­tur gemein­sam ver­öf­fent­lich­ten Doku­ment „Jesus Chri­stus – Brin­ger des Was­sers des Lebens“ zum „New Age“. Eine offi­zi­el­le deut­sche Über­set­zung des Doku­ments durch den Vati­kan gibt es nicht. In einer pri­va­ten Über­set­zung heißt es:

Eines der zen­tra­len The­men des New Age ist die Suche nach Ganz­heit. Jede Form von Dua­lis­mus soll über­wun­den wer­den. Das betrifft die Unter­schei­dun­gen zwi­schen Schöp­fer und Geschöpf, zwi­schen Mensch und Natur, zwi­schen Geist und Mate­rie, die zu Unrecht als For­men von Dua­lis­mus und Fol­ge der jüdisch-christ­li­chen Wur­zeln unse­rer Zivi­li­sa­ti­on gese­hen wer­den. Tat­säch­lich gehen dua­li­sti­sche Sicht­wei­sen in die­sem Bereich eher auf den Gno­sti­zis­mus und Manichäis­mus zurück. Kri­ti­siert wird auch die moder­ne Wis­sen­schaft wegen ihrer Suche nach immer noch klei­ne­ren Ein­hei­ten, die soweit geht, dass selbst die gei­sti­ge Wirk­lich­keit aus mate­ri­el­len Pro­zes­sen erklärt wird. In all die­sen Berei­chen setzt New Age auf Ganz­heit­lich­keit. Ganz­heit­lich­keit prägt die gan­ze New Age-Bewe­gung, von der ganz­heit­li­chen Hei­lung über das öko­lo­gi­sche Bewusst­sein bis hin zur Idee einer glo­ba­len „Ver­net­zung“ (Kapi­tel 2.2.4. „Ganz­heit“: eine magi­sche Rei­se ins Unbe­kann­te). (1)

Was hier in den bei­den letz­ten Sät­zen als „ganz­heit­lich“ und „Ganz­heit­lich­keit“ über­setzt ist, liest sich in den offi­zi­ell vom Vati­kan ver­öf­fent­lich­ten Tex­ten fol­gen­der­ma­ßen:

„In all of the­se are­as, the New Age alter­na­ti­ves are cal­led «holi­stic». Holism per­va­des the New Age move­ment, from its con­cern with holi­stic health to its quest for uni­ti­ve con­scious­ness, and from eco­lo­gi­cal awa­reness to the idea of glo­bal «net­wor­king».“

„In tut­ti que­sti ambi­ti, le alter­na­ti­ve del New Age sono defi­ni­te «oli­sti­che». L’o­lis­mo per­va­de tut­to il movi­men­to New Age, dal­la sua preoc­cup­a­zio­ne per la salu­te oli­sti­ca alla sua ricer­ca di cosci­en­za uni­ti­va, dal­la sua cons­ape­vo­lez­za eco­lo­gi­ca all’idea di un «net­wor­king» glo­ba­le.“

“En todas estas áre­as, las alter­na­ti­vas de la Nue­va Era reci­ben el ape­la­tivo de «holí­sticas». El holis­mo imp­regna todo el movi­mi­en­to Nue­va Era, des­de su inte­rés por la salud holí­stica hasta la bús­que­da de la con­ci­en­cia uni­ti­va, y des­de la sen­si­bi­li­dad ecoló­gi­ca hasta la idea de un «ent­ra­ma­do» glo­bal.“

“Dans tous ces domai­nes, les alter­na­ti­ves Nou­vel âge sont «holi­sti­ques». Le holis­me imprè­g­ne tout le mou­ve­ment du Nou­vel àge, de son intérêt pour les trai­te­ments holi­sti­ques à  sa recher­che d’u­ne appro­che uni­ti­ve, sa con­sci­ence éco­lo­gi­que, ou encore l’i­dée d’u­ne «mise en réseau» glo­ba­le.

Die­se Stel­le des vati­ka­ni­schen Doku­ments soll­te daher auch im Deut­schen so gele­sen wer­den:

„In all die­sen Berei­chen wer­den die Alter­na­ti­ven des New Age als ‚holi­stisch‘ bezeich­net. Der Holis­mus prägt die gan­ze New Age-Bewe­gung, von sei­ner Sor­ge für die holi­sti­sche Gesund­heit bis zur Suche eines eini­gen­den Bewußt­seins, vom öko­lo­gi­schen Bewußt­sein bis hin zur Idee einer glo­ba­len ‚Ver­net­zung‘.“

Das Adjek­tiv holi­stisch und das Sub­stan­tiv Holis­mus kom­men vom grie­chi­schen Wort hólos, „ganz“ und mei­nen „das Gan­ze betref­fend“, „ganz­heit­lich“, aber auch eine Phi­lo­so­phie des Holis­mus. Nach die­ser Leh­re wei­sen alle Daseins­for­men (phy­si­ka­li­sche, bio­lo­gi­sche, kul­tu­rel­le) die Ten­denz auf, sich zu höher inte­grier­ten Ein­hei­ten zusam­men­zu­schlie­ßen. Daher lau­tet der Kern­satz des Holis­mus: „Das Gan­ze ist mehr als die Sum­me sei­ner Tei­le“ und postu­liert einen Pri­mat des Gan­zen über sei­ne Tei­le.

Die bedeu­tend­sten Ver­tre­ter des Holis­mus fin­den sich in der Bio­lo­gie und der Anthro­po­lo­gie: John Scott Haldane (The phi­lo­so­phi­cal Basis of Bio­lo­gy, 1931) und Pierre Teil­hard de Char­din (Der Mensch im Kos­mos, 1955).

John Scott Haldane und Aldous Huxley

Der schot­ti­sche Phy­sio­lo­ge John Scott Haldane (1860–1936) ent­wickel­te als Fol­ge des sozio­lo­gi­schen Holis­mus einen metho­do­lo­gi­schen Holis­mus. Gemäß sozio­lo­gi­schem Holis­mus las­sen sich histo­ri­sche und gesell­schaft­li­che Phä­no­me­ne nicht durch die indi­vi­du­el­len Beson­der­hei­ten von Ein­zel­per­so­nen und ihr Han­deln erklä­ren. Dar­aus ent­wickel­te Haldane den metho­do­lo­gi­schen Holis­mus, laut dem Ganz­hei­ten auch als Gan­zes unter­sucht wer­den sol­len und nicht Hand­lun­gen von Ein­zel­per­so­nen. Kol­lek­tiv vor Indi­vi­du­um, das ent­sprach durch­aus dem vor­herr­schen­den Den­ken der Zwi­schen­kriegs­zeit, als Kom­mu­nis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus (Faschis­mus) ihre Mas­seb­re­gime auf­rich­te­ten.

Haldanes Freund Aldous Huxley
Hald­anes Freund Aldous Hux­ley

Haldane war nicht irgend­wer, son­dern Bru­der des bri­ti­schen Lord­kanz­lers. Zu sei­nen Freun­den zähl­te Aldous Hux­ley, der eine Zeit­lang bei Haldane wohn­te und ihn schrift­stel­le­risch ver­ewig­te. Hux­ley ver­öf­fent­lich­te 1931 den Zukunfts­ro­man „Bra­ve New World“ (Schö­ne neue Welt), der ein inter­na­tio­na­li­sti­sches poli­ti­sches Pro­gramm wie­der­gibt.

In der „schö­nen, neu­en Welt“, dem Welt­ein­heits­staat der Zukunft, herr­schen zwar „Sta­bi­li­tät, Frie­den und Frei­heit“, doch nur für eine rei­che Ober­schicht. Der Rest der Bevöl­ke­rung wird unter­drückt, mani­pu­liert und ghet­toi­siert. Mög­lich ist das durch Mani­pu­la­ti­on der Embryo­nen und durch Indok­tri­na­ti­on im Klein­kind­al­ter. Damit wer­den die Men­schen ihrer Kaste zuge­wie­sen. Die Ober­schicht gehört der Kaste Alpha-Plus an. Ihr sind alle ande­ren Kasten dienst­bar. Die gro­ße Mas­se muß in der unter­sten Kaste Epsi­lon-Minus leben und für die Ober­schicht arbei­ten.

Durch per­ma­nen­te Befrie­di­gung durch Kon­sum, Sex und eine Dro­ge wird kri­ti­sches Den­ken und jedes Hin­ter­fra­gen die­ser grau­sa­men Welt­ord­nung unter­bun­den. Die Regie­rung besteht aus­schließ­lich aus Alpha-Plus-Men­schen, die durch stän­di­ge Mani­pu­la­ti­on von den unter­drück­ten Mas­sen wie Ido­le (Göt­zen) ver­ehrt wer­den.

Hux­ley schrieb im Vor­wort zur zwei­ten Aus­ga­be 1949: „Nur eine ganz gro­ße, auf Dezen­tra­li­sie­rung und Selbst­hil­fe gerich­te­te Volks­be­we­gung könn­te den gegen­wär­ti­gen Zug zur Staats­all­macht auf­hal­ten.“ Eine tat­säch­li­che Distanz zu dem von ihm skiz­zier­ten poli­ti­schen Pro­gramm äußer­te er nicht. Sein Roman spie­gelt viel­mehr das Den­ken wider, das offen­bar so oder ähn­lich in dem Ober­schicht-Milieu ver­brei­tet war, dem er und Haldane ange­hör­ten. Sein Bru­der Juli­an Hux­ley, nach dem Zwei­ten Welt­krieg erster Prä­si­dent der UNESCO, war als Ver­tre­ter des Dar­wi­nis­mus ein Ver­fech­ter der Euge­nik. Das euge­ni­sche Den­ken von Selek­ti­on und Höher­züch­tung des Men­schen war in der Fami­lie fest ver­an­kert. Bereits der Groß­va­ter Tho­mas Hux­ley (1825–1895) war über­zeug­ter Dar­wi­nist.

Die Natio­nal­so­zia­li­sten spra­chen zwar nicht von Klas­sen- son­dern „Ras­sen­rei­ner­hal­tung“, was die angel­säch­si­schen Euge­ni­ker kei­nes­wegs davon abhielt, gute Kon­tak­te mit ihnen zu unter­hal­ten. Als durch die natio­nal­so­zia­li­sti­sche Nie­der­la­ge im Zwei­ten Welt­krieg die Euge­nik des­avou­iert war, trat mit dem­sel­ben Zweck der Natur- und Umwelt­schutz an ihre Stel­le. Der Klei­der­wech­sel war nur äußer­lich, wie sich anhand der Bio­gra­phien füh­ren­der Euge­ni­ker, Abtrei­bungs- und Über­be­völ­ke­rungs­ideo­lo­gen nach­wei­sen läßt. Zu ihnen zählt auch Juli­an Hux­ley, auf des­sen Idee 1961 die Grün­dung des WWF zurück­geht.

Die Ober­schicht, so Hux­leys Zukunfts­schau von 1931, sucht nach Mit­teln und Mög­lich­kei­ten, die Mas­sen zu kon­trol­lie­ren und auch deren Zahl nach Bedarf zu regu­lie­ren. Ob das durch Mas­sen­ste­ri­li­sa­ti­on der Unter­schich­ten, Euge­nik oder im Namen des Kli­ma­wan­dels geschieht, ist nur ein Detail.

Unter Papst Fran­zis­kus erlebt die Kir­che einen radi­ka­len Para­dig­men­wech­sel durch Neu­aus­rich­tung auf die glo­ba­li­sti­sche Agen­da. Dazu gehört der Ver­zicht, das The­ma Abtrei­bung zu the­ma­ti­sie­ren und gesell­schafts­po­li­ti­schen Fehl­ent­wick­lun­gen ent­ge­gen­zu­tre­ten, aber auch Über­be­völ­ke­rungs­ideo­lo­gen der UNO in den Vati­kan ein­zu­la­den und in vati­ka­ni­sche Gre­mi­en zu beru­fen.

Teilhard de Chardins „Kosmogenese“ – Primat des Ganzen über seine Teile

Pierre Teil­hard de Char­din (1881–1955) war ein fran­zö­si­scher Jesu­it, der die Evo­lu­ti­ons­theo­rie mit der christ­li­chen Heils­leh­re in Ein­klang zu brin­gen ver­such­te. Dabei postu­lier­te er eine Kos­mo­ge­ne­se, ein Grund­stre­ben zu einem immer kom­ple­xe­ren Gebil­de mit einer größt­mög­li­chen Kon­ver­genz.

"Der Mensch im Kosmos" von Teilhard de Chardin
„Der Mensch im Kos­mos“ von Teil­hard de Char­din

Die Kos­mo­ge­ne­se erfolgt, laut Teil­hard de Char­din, in drei Pha­sen von der Hylo­sphä­re (dem Bereich des Leb­lo­sen) über die Bio­sphä­re (dem Bereich des Leben­di­gen) zur Noo­späh­re (dem Bereich des Gei­stes). Die letz­te der drei Pha­sen, deren Ent­wick­lung er als Noo­ge­ne­se bezeich­ne­te, unter­teil­te er in zwei Strö­mun­gen: eine Strö­mung der Diver­genz, des Aus­ein­an­der­stre­bens und des Kon­flik­tes, und eine Strö­mung der Kon­ver­genz, des Auf­ein­an­der-Zuge­hens und der Ein­tracht, die ent­schei­dend durch die Mensch­wer­dung Got­tes in Jesus Chri­stus zum Tra­gen kom­me. Die bei­den Strö­mun­gen exi­stie­ren par­al­lel. Das Chri­sten­tum sei Trä­ger der Kon­ver­genz und Voll­ender der Kos­mo­ge­ne­se durch Errei­chung des Punk­tes Ome­ga (dem Ziel der Evo­lu­ti­on): in der Chri­sto­ge­ne­se oder Theo­ge­ne­se kom­me es zur Gott­wer­dung der Gesamt­wirk­lich­keit. Teil­hard de Char­din gilt daher als Haupt­ver­tre­ter des Holis­mus.

Der katho­li­sche Phi­lo­soph Diet­rich von Hil­de­brand schrieb nach einem Vor­trag Teil­hard de Chardins, bei dem sie sich per­sön­lich ken­nen­lern­ten:

„Die Vor­le­sung war eine gro­ße Ent­täu­schung, denn sie bewies äußer­ste phi­lo­so­phi­sche Ver­wir­rung, beson­ders was Teil­hards Auf­fas­sung von der mensch­li­chen Per­son anging. Ich war damals aber noch mehr über sei­ne theo­lo­gi­sche Pri­mi­ti­vi­tät erregt, da er den ent­schei­den­den Unter­schied zwi­schen Natur und Über­na­tur völ­lig igno­rier­te. […] Aber erst nach dem Lesen eini­ger Wer­ke Teil­hards wur­de ich mir der kata­stro­pha­len Kon­se­quen­zen sei­ner phi­lo­so­phi­schen Ideen und der abso­lu­ten Unver­träg­lich­keit sei­ner Theo­lo­gie-Fik­ti­on […] mit der christ­li­chen Offen­ba­rung und der Leh­re der Kir­che völ­lig bewusst.“

1962 wur­den Teil­hard de Chardins Wer­ke vom Hei­li­gen Offi­zi­um (Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on) ver­ur­teilt:

„Unab­hän­gig von jedem Urteil, das den posi­ti­ven, wis­sen­schaft­li­chen Teil die­ses Wer­kes angeht, zeigt sich auf dem Gebiet der Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie klar, dass die­se Wer­ke der­ar­ti­ge Dop­pel­deu­tig­kei­ten ent­hal­ten, und dar­über hin­aus so schwe­re Irr­tü­mer, dass sie die katho­li­sche Leh­re ver­let­zen.“

Zugleich wur­den alle Bischö­fe, Ordens­obe­ren, Uni­ver­si­täts­rek­to­ren und Semi­nar­lei­ter auf­ge­for­dert, die Anver­trau­ten „vor den in den Wer­ken Pater Teil­hard de Chardins und sei­ner Anhän­ger ent­hal­te­nen Gefah­ren zu schüt­zen.“

Obwohl erst vor weni­gen Tagen ins Netz gegan­gen, ist die neue Sei­te der von Papst Fran­zis­kus gelei­te­ten Abtei­lung „Migran­ten und Flücht­lin­ge“ der­zeit nicht mehr auf­ruf­bar. Screen­shots der Sei­ten konn­ten gesi­chert wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: SSM/Radio Vati­kan (Screen­shots)

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(1) Über­set­zung von Wolf­gang Süt­ter­lin, www.stjsosef.at

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3 Kommentare

  1. Dan­ke für die­sen pro­fun­den Report.

    Teil­hard über­leb­te sozu­sa­gen im Unter­grund, beson­ders bei den Jesui­ten, und streut somit wie­der­um sei­ne gif­ti­ge Saat aus.
    Die Teil­hard­schen Ideo­lo­ge­me waren bereits in Evan­ge­lii gau­di­um und Lau­da­to si‘ deut­lich erkenn­bar.

    Ich darf dazu auf mei­ne Aus­füh­run­gen vor zwei Jah­ren ver­wei­sen:
    https://www.katholisches.info/2015/03/der-jesuit-auf-dem-papstthron-1-exkurs-zum-60-todestag-von-pierre-teilhard-de-chardin-sj-1881–1955/

    Was bedeu­tet das für die Recht­gläu­big­keit von Papst Fran­zis­kus? Die­se wird bekannt­lich schon seit der ersten getürk­ten Fami­li­en­syn­ode mas­siv bezwei­felt. Wie man sieht, mit gutem Grund. Kar­di­nal Kas­per, des­sen Häre­si­en von Papst Fran­zis­kus freu­dig auf­ge­grif­fen wur­den, stammt selbst aus einer gno­stisch-hege­lia­ni­schen Denk­schu­le, die mit Teil­hard ganz und gar kom­pa­ti­bel ist.

    Es wird jetzt höch­ste Zeit, daß Papst eme­ri­tus und die Kar­di­nä­le der Dubia und alle ande­ren Kir­chen­füh­rer bonae volun­ta­tis ein deut­li­ches „Stop“ aus­ru­fen bzw. ein Anathe­ma!

  2. Mit dem Aktiv­wer­den die­ser # neu­en Abtei­lung Migran­ten und Flücht­lin­ge des neu­en Dikaste­ri­ums für die ganz­heit­li­che Ent­wick­lung des Men­schen # wird sicht­bar, wie weit fort­ge­schrit­ten die Umset­zung der Schrit­te für die NWO und damit ein­her­ge­hend die EineWelt­Re­li­gi­on/-Kir­che ist. Unheim­lich und doch nicht uner­war­tet, lei­der. Der Bei­trag ent­hält alle Stell­schrau­ben-Stich­wor­te für das Ein­gän­ge­me­nü, wel­ches der „Unter­schicht“ vor­ge­setzt wer­den wird.
    Die selbst­er­nann­te und sich selbst­er­mäch­ti­gen­de Eli­te werkt kraft ihrer All­machts­fan­ta­sien mit Con­cor­de­ge­schwin­dig­keit. Trotz­dem scheint fall­wei­se durch, dass es Franz­si­kus nicht rasch genug wei­ter geht. Unge­duld macht ihm Mühe, sei­ne Emo­tio­nen zu kon­trol­lie­ren.
    Unheim­lich fin­de ich auch, wie es gelingt, so vie­le Men­schen ihren All­machts­fan­ta­sien dienst­bar zu machen. Ein­her damit geht ein verblendet/blind wer­den der­sel­ben Men­schen für das, was sie tun und wel­chem Ziel das zusteu­ert. Erkennt­nis wird sehr spät oder zu spät ein­set­zen und schmer­zen.…

    Wir müs­sen uns glau­bens­stark, treu und mit festem Ver­trau­en an Chri­stus hin­ge­ben, dies am besten durch das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens.

    In die­sem Jahr kommt noch mehr an unheim­li­cher Ver­än­de­rung, als wir der­zeit alp­träu­men kön­nen.

  3. Ein äusserst wich­ti­ger Arti­kel.
    Es gibt inzwi­schen sehr vie­le Hin­wei­se auf fun­da­men­tal-heid­ni­sches Gedan­ken­gut in dem Umkreis der vati­ka­ni­schen Sit­ze, und wohl fast sofort ab dem Amts­an­tritt von P. Fran­zis­kus.
    Was „holos“ betrifft: hier sei ver­wie­sen nach dem sehr inter­es­san­ten Lem­ma im Wör­ter­buch zum Neu­en Testa­ment v. Wal­ter Bau­er (Kol. 1144–1145);
    Sehr inter­es­sant hier ‑Nr.5(Subst. Ntr. Pl.) „das Welt­all“ mit Anga­be in apo­kry­phen und para­bi­bli­schen Tex­ten und beson­ders inter­es­sant in dem Dio­gnet­brief 8,7 mit der Beschrei­bung „ho…despotes kai demiour­gos t~on hol~on“, wo nun wirk­lich pytha­go­räi­scher und pla­to­ni­scher Wort­schatz ange­wandt wird.

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