„Im Namen des Papstes“: Abgesetzter Großmeister des Malteserordens darf nicht an Wahl seines Nachfolgers teilnehmen

Fahne des Souveränen Malteserorden
Fahne des Souveränen Malteserordens

(Rom) Für den kom­men­den 29. April wur­de der Gro­ße Staats­rat des Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­dens nach Rom ein­be­ru­fen. Die Wahl­män­ner des Ordens sol­len einen neu­en Groß­mei­ster und Für­sten des Ordens wäh­len.

Anfang Dezem­ber 2016 war ordens­in­tern ein Kon­flikt aus­ge­bro­chen. Der damals amtie­ren­de 79. Groß­mei­ster (Staats­ober­haupt), Fra Mat­thew Festing, fühl­te sich hin­ter­gan­gen und stell­te den Groß­kanz­ler (Regie­rungs­chef) des Ordens, Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger, zur Rede. Unter ande­rem ging es dabei um die Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln in Kri­sen­ge­bie­ten durch das Hilfs­werk des Ordens wäh­rend der Zeit, als Boe­sela­ger als Groß­ho­spi­ta­lier inter­na­tio­nal für die huma­ni­tä­ren Ein­sät­ze des Ordens zustän­dig war. Festing for­der­te Boe­sela­gers Rück­tritt, den die­ser ver­wei­ger­te, wes­halb ihn der Groß­mei­ster absetz­te. Der geschaß­te Groß­kanz­ler rief das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at und Papst Fran­zis­kus zu Hil­fe. Die Sou­ve­rä­ni­tät des Ordens miß­ach­tend, ver­lang­te der Papst von Festing die Wie­der­ein­set­zung Boe­sela­gers. Als der Groß­mei­ster die­se ver­wei­ger­te, for­der­te Fran­zis­kus sei­nen Rück­tritt. Das war am ver­gan­ge­nen 24. Janu­ar.

Gemäß Ordens­ver­fas­sung liegt die Ordens­lei­tung bis zur Wahl eines neu­en Groß­mei­sters in der Hand des Groß­kom­turs Fra Lud­wig Hoff­mann von Rumer­stein als inte­ri­mi­sti­scher Statt­hal­ter. Papst Fran­zis­kus ernann­te am 4. Febru­ar jedoch mit Kuri­en­erz­bi­schof Becciu, Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs, einen mit allen Voll­mach­ten aus­ge­stat­te­ten Apo­sto­li­schen Lega­ten. Seit­her steht der Orden fak­tisch unter kom­mis­sa­ri­scher Auf­sicht des Vati­kans.

Dar­über, wer die Macht im (Sou­ve­rä­nen) Mal­te­ser­or­den aus­übt, gibt ein Brief deut­li­che Aus­kunft, der heu­te vom Vati­ka­ni­sten San­dro Magi­ster ver­öf­fent­licht wur­de.

Erz­bi­schof Becciu erteilt dar­in, im Namen des Pap­stes, dem bis­he­ri­gen Groß­mei­ster und Pro­feß­rit­ter, Fra Mat­thew Festing, ein Ver­bot, an der Wahl des neu­en Groß­mei­sters teil­zu­neh­men. Mehr noch: Er erteilt ihm ein Ver­bot, zum Zeit­punkt der Wahl Rom zu betre­ten.

Die Anwei­sung stellt einen wei­te­ren schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Sou­ve­rä­ni­tät des Ordens und eine Ver­let­zung der Ordens­ver­fas­sung dar.

Der Brief des Sonderlegaten an den abgesetzten Großmeister

Der Brief Becci­us an Fra Festing datiert vom Kar­sams­tag und wur­de dem von Fran­zis­kus abge­setz­ten Groß­mei­ster nach Nor­thum­ber­land geschickt. Der Brief im Wort­laut:

Der Son­der­le­gat
beim Sou­ve­rä­ner Rit­ter- und Hospi­tal­or­den vom hei­li­gen Johan­nes von Jeru­sa­lem von Rho­dos und von Mal­ta
00120 Vati­kan­stadt

Vati­kan, 15. April 2017

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Lie­ber, ehr­wür­di­ger Bru­der,

seit dem Augen­blick, da ich die mir vom Hei­li­gen Vater als Sein Legat beim Sou­ve­rä­nen Rit­ter- und Hospi­tal­or­den vom hei­li­gen Johan­nes von Jeru­sa­lem von Rho­dos und von Mal­ta anver­trau­te Auf­ga­be akzep­tiert habe, ist es eine mei­ner Prio­ri­tä­ten, mei­ne Kennt­nis des Ordens zu ver­tie­fen, sei es durch per­sön­li­che Begeg­nun­gen mit sei­nen Mit­glie­dern, sei es mit­tels Kor­re­spon­denz. Auf die­se Wei­se war ich imstan­de, die Vita­li­tät des Ordens sowie die Kom­ple­xi­tät sei­ner Pro­ble­me abzu­wä­gen. Dabei ist auch eine gewis­se Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit sicht­bar gewor­den, die mit einem tie­fen Lei­den wegen der jüng­sten Kri­se ein­her­geht. Ins­ge­samt kann man den­noch den kla­ren Wunsch erken­nen, ein neu­es Kapi­tel auf­zu­schla­gen, indem für eine Ver­söh­nung der unter­schied­li­chen Ele­men­te gear­bei­tet und eine Über­ar­bei­tung der Ver­fas­sung ein­ge­lei­tet wird.

Jeden­falls haben vie­le mit Blick auf den Gro­ßen Staats­rat, der sich am 29. April ver­sam­meln wird, ihren Wunsch geäu­ßert, daß Sie nicht nach Rom kom­men und nicht an den Wahl­gän­gen teil­neh­men soll­ten. Ihre Anwe­sen­heit wür­de wie­der Wun­den auf­rei­ßen, die erst seit kur­zem geschlos­sen wer­den konn­ten, und wür­de es ver­hin­dern, daß das Ereig­nis in einer Atmo­sphä­re des Frie­dens und der wie­der­ge­won­ne­nen Har­mo­nie statt­fin­den kann.

In Anbe­tracht des oben Aus­ge­führ­ten, und da die Ent­schei­dung vom Hei­li­gen Vater geteilt wird, ersu­che ich Sie auf­grund mei­ner Voll­mach­ten als Son­der­le­gat, nicht am Gro­ßen Staats­rat teil­zu­neh­men und ihre Rei­se nach Rom zu die­sem Anlaß nicht anzu­tre­ten. Ich for­de­re dies als Akt des Gehor­sams, in dem sie ohne Zwei­fel ihr Opfer als eine Geste des Geschenks Ihrer­seits zum Wohl des Mal­te­ser­or­dens erken­nen wer­den.

Ich wün­sche Ihnen Fro­he Ostern und ver­si­che­re Sie, mich stän­dig Ihrer in mei­nem Gebet zu erin­nern.

Auf­rich­tig in Chri­sto Ihr
Erz­bi­schof Ange­lo Becciu
Son­der­le­gat

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Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Settimo Cie­lo

 

 

 

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3 Kommentare

  1. Soviel zum akti­ven Wahl­recht eines Man­nes in einem System. das die­ses offen­sicht­lich nicht mehr ach­tet. Es gäbe nur eine ver­ständ­li­che Ant­wort der Dele­gier­ten: Sie ehren den wider­recht­lich Aus­ge­schlos­se­nen Fra Festing durch das pas­si­ve Wahl­recht. Ver­ges­sen wir nicht, dass das „Ver­bot“ für Fra Festing die Ein­mi­schung eines sou­ve­rä­nen Völ­ke­rechts­sub­jek­tes (Vati­kan) in die inne­ren Ange­len­hei­ten eines ande­ren sou­ve­rä­nen Völ­ker­rechts­sub­jek­tes (Mal­the­ser) ist und damit gegen die sou­ve­rä­ne Gleich­heit der Uno — Mit­glie­der ver­stößt.

  2. Da die Stadt Rom weder zum Vati­kan noch zum Mal­te­ser­or­den gehört, frag ich mich ernst­haft wie Becciu sich recht­fer­tig ein Ver­bot für die Stadt Rom zu ertei­len. Mei­ner Mei­nung nach hat er sei­ne Kom­pe­ten­zen mas­siv über­schrit­ten!

  3. „Fro­he Ostern!“

    „…Die mit den Brü­dern geteil­te Lie­be Got­tes sorgt dafür, daß wir sie unter­ein­an­der tei­len und uns gegen­sei­tig hel­fen.“( Ori­gi­nal­zi­tat papst Fran­zis­kus, offi­zi­ell geneh­migt und gedruckt in em Fran­zis­kus­sprü­chen­ka­len­der dd.6. Novem­ber 2016)

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