Polens positive Wende: Zehn Prozent mehr Geburten

Beata Szydlo, Polens Ministerpräsidentin
Beata Szydlo, Polens Ministerpräsidentin

(War­schau) Polen erlebt einen deut­li­chen Anstieg bei den Gebur­ten, so daß bereits von einem „Baby-Boom“ die Rede ist. Ein Zei­chen dafür, daß die posi­ti­ven Ergeb­nis­se nicht aus­blei­ben, wo der Ein­satz für das Leben ernst­ge­meint wird.

Ein Anstieg der Gebur­ten­ra­te läßt sich in der Regel nicht auf eine Ein­zel­maß­nah­me zurück­füh­ren, son­dern viel­mehr auf ein gesell­schaft­li­ches Gesamt­kli­ma. Ent­schei­dend ist, ob Kin­der akzep­tiert und ob die Mut­ter­schaft gesell­schaft­lich aner­kannt wer­den. In die­sem Kon­text kön­nen dann geziel­te Maß­nah­men unter­stüt­zend wir­ken. Eine der pol­ni­schen Maß­nah­men besteht dar­in, daß Polen die Fami­li­en ab dem ersten Kind mit einem monat­li­chen Kin­der­geld von 500 Zlo­ty (das sind 115 Euro) unter­stützt. Im kon­kre­ten Fall bedeu­tet Unter­stüt­zung auch Aner­ken­nung der Erzie­hungs­lei­stung, der Mut­ter­schaft und Vater­schaft und der Tat­sa­che, daß Paa­re, die Kin­der zeu­gen, einem Volk und Gemein­we­sen eine Zukunft schen­ken und sichern.

Die fami­li­en- und kin­der­feind­li­che lin­ke Oppo­si­ti­on kri­ti­sier­te die Regie­rungs­maß­nah­me als „popu­li­stisch“. Die Zah­len spre­chen jedoch für sich. Im Janu­ar, neun Mona­te nach Inkraft­tre­ten der Maß­nah­me, wur­den laut amt­li­chen Anga­ben um zehn Pro­zent mehr Kin­der gebo­ren als im sel­ben Zeit­raum des Vor­jah­res.

Soll­te die­ser Trend anhal­ten, könn­te Polen in die­sem Jahr mit 400.000 Neu­ge­bo­re­nen rech­nen. Das wäre die höch­ste Zahl seit 2010. Die­se Zah­len betref­fen die öffent­li­chen Kran­ken­häu­ser, zu denen noch die Pri­vat­kli­ni­ken hin­zu­kom­men.

Ein hoff­nungs­vol­les Signal für Polen, das seit 1990 ein Gebur­ten­de­fi­zit auf­weist, also inter­es­san­ter­wei­se seit dem Ende der kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur. Der Ein­bruch wur­de zunächst mit den poli­ti­schen Umwäl­zun­gen und der damit ver­bun­de­nen Unsi­cher­heit erklärt. Offen­bar bedeu­te­ten die west­li­chen Seg­nun­gen nicht nur die Demo­kra­tie, son­dern par­al­lel auch in Anglei­chung an den Westen ein struk­tu­rel­les Gebur­ten­mi­nus. Dem ver­sucht die katho­lisch gepräg­te pol­ni­sche Regie­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Wider­stand wird ihr dabei nicht nur von der lin­ken Oppo­si­ti­on im eige­nen Land, son­dern auch von den Über­be­völ­ke­rungs­ideo­lo­gen wie Geor­ge Soros und deren wenig trans­pa­ren­tem Netz­werk der Mei­nungs­be­ein­flus­sung ent­ge­gen­ge­bracht.

Bundesrepublik Deutschland seit 46 Jahren im Geburtenminus

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land steu­ert 2017 bereits auf das 47. Jahr in Fol­ge mit einem ein­deu­ti­gen Gebur­ten­de­fi­zit zu. Das sind sta­ti­stisch gese­hen andert­halb Genera­tio­nen oder deut­lich mehr als die Hälf­te der sta­ti­sti­schen Durch­schnitts­le­bens­er­war­tung Lebend­ge­bo­re­ner. In den ersten 46 Jah­ren eines Lebens erfol­gen zudem die für die Fort­pflan­zung wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen (Grün­dung einer Fami­lie, Hoch­zeit, Gebur­ten).

Öster­reich gau­kelt sich selbst einen „posi­ti­ven Trend“ vor. Die­ser wird aller­dings allein durch die höhe­re Gebur­ten­ra­te von Migran­tin­nen erreicht. Die Fer­ti­li­täts­ra­te ein­hei­mi­scher öster­rei­chi­scher Frau­en liegt, nicht anders als in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, seit Jahr­zehn­ten im kras­sen Minus. Im gesam­ten deut­schen Sprach­raum wer­den jähr­lich um ein Drit­tel zu weni­ge Kin­der gebo­ren, um den Bevöl­ke­rungs­be­stand zu sichern. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land rutsch­te 1970 ins Minus, die Schweiz 1971 und Öster­reich 1973. Kei­ner der drei Staa­ten konn­te sich seit­her aus dem Tief erho­len. Die Regie­run­gen unter­nah­men auch kei­ne kon­se­quen­ten Anstren­gun­gen dazu. Statt­des­sen wur­de staat­lich und gesell­schaft­lich eine Abtrei­bungs- und Ver­hü­tungs­men­ta­li­tät geför­dert.

Ruß­land ist der­zeit das ein­zi­ge euro­päi­sche Land, das aus eige­ner Kraft (ohne die Kaschie­rung durch Mas­sen­ein­wan­de­rung) die Gebur­ten­ra­te deut­lich ver­bes­sern konn­te. Am Ende der Amts­zeit von Staats­prä­si­dent Jel­zin lag die Fer­ti­li­täts­ra­te rus­si­scher Frau­en 1999 bei 1,17 Kin­dern je Frau. Unter Staats- und Regie­rungs­chef Putin konn­te die Fer­ti­li­täts­ra­te wie­der auf 1,7 Kin­der gestei­gert wer­den, was immer noch ein Defi­zit von etwa 18 Pro­zent bedeu­tet. Die Rich­tung stimmt aber, so wie sie in Polen stimmt.

Ein Plus von zehn Pro­zent kann das Signal für eine posi­ti­ve Trend­um­kehr sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

3 Kommentare

  1. hört sich gut an, da ja im J. 2015 in Polen die Fer­ti­li­täts­ra­te bloß 1,32 Kin­der per Frau betrug (Deutsch­land 1,50, Tsche­chi­en 1,57, Slo­wa­kei 1,40, Litau­en 1,70…)

    • Das evan­ge­li­ka­le Web­por­tal von Schwei­zer Chri­sten „livenet“ hat dies­be­züg­lich einen sehr inter­es­san­ten und auf­schluss­rei­chen Arti­kel ver­öf­fent­licht „Glau­be und Gebur­ten­ra­te ‑Reli­gi­on hält eine Gesell­schaft am Leben“ (vom 28.08.2014), der eine zehn­jäh­ri­ge Stu­die des deut­schen Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­lers Micha­el Blu­me auf­greift. Der Arti­kel ist rasch gele­sen.
      PS: Ich bin der Ste­pha­nus mit gro­ssem Anfangs­buch­sta­ben)

  2. Dan­ke für die­se gute Neu­ig­keit!
    Und dan­ke der pol­ni­schen Regie­rung für die rich­ti­ge Wei­chen­stel­lung! DziÄ™kujÄ™!

    Aller­dings sei ange­fügt, daß dane­ben offen­bar nicht nur Ruß­land son­dern auch Ungarn die Gebur­ten­ra­te ver­bes­sern konn­te, zumin­dest konn­te man die Abtrei­bungs­zah­len sen­ken (wenn schon nicht die Abtrei­bung ver­bie­ten):
    http://hungarytoday.hu/news/number-abortions-hungary-drops-quarter-since-orban-government-took-office-78127

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