Norma McCorvey alias Jane Roe tot: Von der Abtreibungsaktivistin zur Lebensschützerin

Norma McCorvey (links vom Priester): Gebet gegen die Abtreibungspolitik von Barack Obama (2009)
Norma McCorvey (links vom Priester): Gebet gegen die Abtreibungspolitik von Barack Obama (2009)

(Washing­ton) Gestern starb „das aller­er­ste Opfer der Abtrei­bungs­le­ga­li­sie­rung in den USA“, so Bene­det­ta Fri­ge­rio. Am Sonn­tag ist Nor­ma McCor­vey im Alter von 69 Jah­ren, eine welt­wei­te Sym­bol­fi­gur für den Kampf um die Abtrei­bungs­frei­ga­be, gestor­ben. McCor­vey war als Jane Roe durch das berühmt-berüch­tig­te Urteil Roe gegen Wade des Ober­sten Gerichts­ho­fes der USA bekannt­ge­wor­den, mit dem 1973 die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der erlaubt wur­de, obwohl es dafür bis heu­te kei­ne Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers gibt.

McCor­vey erkann­te den fata­len Feh­ler, den sie damals began­gen hat­te bzw. für den sie sich von der femi­ni­sti­schen Bewe­gung miß­brau­chen hat­te las­sen. Seit­her trug sie die schwe­re Last mit sich, sich für den Tod von Mil­lio­nen unschul­di­ger Kin­der ver­ant­wort­lich zu wis­sen. 1995 ließ sie sich tau­fen und wur­de in der Lebens­rechts­be­we­gung aktiv. Sie ent­hüll­te zahl­rei­che Hin­ter­grün­de der Machen­schaf­ten und Lügen der Abtrei­bungs­lob­by, mit der das Urteil von 1973 unter Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen erschli­chen wor­den war.

Urteil Roe gegen Wade war der Dammbruch

Das Urteil Roe gegen Wade bedeu­te­te nicht nur einen Damm­bruch in den USA. Bis dahin war die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der fak­tisch nur in kom­mu­ni­sti­schen Staa­ten erlaubt. Die Sowjet­uni­on war 1920 das erste Land, das im Geist des bol­sche­wi­sti­schen Revo­lu­ti­ons­mor­dens auch die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der erlaub­te. Auf den Damm­bruch in den USA folg­te der Damm­bruch in zahl­rei­chen wei­te­ren Staa­ten, beson­ders in West­eu­ro­pa.

McCorvey als Abtreibungsaktivistin in den 80er Jahren
McCor­vey als Abtrei­bungs­ak­ti­vi­stin in den 80er Jah­ren

Durch das Urteil Roe gegen Wade, Jane Roe war das Pseud­onym unter dem Rechts­an­wäl­te den Ein­spruch Nor­ma McCor­veys gegen ein Abtrei­bungs­ver­bot ein­ge­bracht hat­ten, wur­den seit­her allein in den USA mehr als 60 Mil­lio­nen Kin­der getö­tet. McCor­vey war damals 22 Jah­re alt und ein „Kind“ der sexu­el­len Revo­lu­ti­on. Sie hat­te sexu­el­le Bezie­hun­gen zu Män­nern und Frau­en und war schwan­ger. Ihr Les­ben­tum mach­te sie für die femi­ni­sti­schen Paro­len beson­ders anfäl­lig. Ihre per­sön­li­che Lebens­ge­schich­te bestä­tigt, wie zahl­rei­che ande­re Bio­gra­phien, daß beson­ders Les­ben sich für die Abtrei­bung enga­gie­ren (eben­so gegen Ehe, Fami­lie und für Früh­se­xua­li­sie­rung).

In ihrem Ein­spruch gegen das Abtrei­bungs­ver­bot mach­te sie ihre Armut, ihre Dro­gen­pro­ble­me gel­tend, und daß sie ver­ge­wal­tigt wor­den sei. Die Ein­ga­be hat­te nicht sie auf­ge­setzt. Als Ver­tre­ter der Frau­en­be­we­gung sie dazu über­re­de­ten, konn­te sie nicht ahnen, daß drei Jah­re spä­ter sie­ben von neu­en Höchst­rich­tern der USA ihr recht geben wür­den. Den Boden dazu hat­ten die Frau­en­be­we­gung, die Abtrei­bungs- und Über­be­völ­ke­rungs­lob­by und nicht gerin­ge männ­li­che Inter­es­sen vor­be­rei­tet. Es fehl­te nur der „Extrem­fall“, jener Fall, der all­ge­mei­nes Ver­ständ­nis, Mit­leid und Mit­ge­fühl aus­lö­sen wür­de, jener berühm­te Ein­zel­fall, der nicht reprä­sen­ta­tiv für die Gesamt­fra­ge ist, aber als emo­tio­na­les Brech­ei­sen dient, um das gewünsch­te Ziel zu errei­chen.

Urteil durch Vortäuschung falscher Tatsachen erschlichen

"Ich habe Roe gegen Wade überlegt"
„Ich habe Roe gegen Wade über­lebt“

Nach ihrer Bekeh­rung ent­hüll­te McCor­vey, daß die poli­ti­schen Akti­vi­sten, denen sie in die Hän­de gefal­len war, sie gedrängt hat­ten, zu behaup­ten, sie sei ver­ge­wal­tigt wor­den. Eine glat­te Lüge. Genau die brauch­te man aber, denn bei Ver­ge­wal­ti­gung ist Par­tei­nah­me für das Opfer garan­tiert. „Es war alles eine Lüge“, soll­te sie spä­ter oft und oft wie­der­ho­len. Doch die Abtrei­bungs­lob­by nahm das nicht zur Kennt­nis. Für die war McCor­vey ali­as Jane Roe nur der Mohr, der sei­ne Schul­dig­keit getan hat­te. Des­halb war McCor­vey das aller­er­ste Opfer der Abtrei­bungs­le­ga­li­sie­rung in den USA.

McCor­vey wand­te sich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren vor allem gegen jene „Heuch­ler“, wie sie sag­te, die behaup­ten, „per­sön­lich“ gegen Abtrei­bung zu sein, aber jeden sel­ber dar­über ent­schei­den zu las­sen. Das sei­en die Pseu­do­ab­trei­bungs­geg­ner oder bes­ser, die fei­gen Abtrei­bungs­be­für­wor­ter, die sich hin­ter einem pseu­do­mo­ra­li­schen Vor­wand ver­ber­gen. Sie fal­len den Lebens­schüt­zern meist in den Rücken und distan­zie­ren sich von deren Initia­ti­ven.

„Von der Liebe besiegt“ — McCorvey Bekehrung

Autobiograhie "Won by Love"
Auto­bio­gra­phie „Won by Love“

1998 wur­de McCor­veys Auto­bio­gra­phie Won by Love (Von der Lie­be besiegt) ver­öf­fent­licht. Dar­in schrieb sie, daß unzäh­li­ge Men­schen, wie sie erst spä­ter erfuhr, nach dem Abtrei­bungs­ur­teil von 1973 für sie zu beten began­nen. Tat­säch­lich begann 17 Jah­re nach dem Urteil ihre Bekeh­rung zu Chri­stus.

„Ich saß in einem Büro, als ich an der Wand ein Poster über die Ent­wick­lung eines Fötus ent­deck­te. Das Wachs­tum des Fötus war so offen­sicht­lich, die Augen waren so sanft. Mein Herz tat mir weh, allein beim Anschau­en. Ich bin aus dem Raum gerannt und habe zu mir selbst gesagt: ‚Nor­ma, sie haben recht.‘“

Gemeint waren damit die Lebens­schüt­zer, die den Abtrei­bungs­be­für­wor­tern ent­ge­gen­hiel­ten, daß das unge­bo­re­ne Kind nicht ein „Etwas“, ein „Zell­klum­pen“ ist, son­dern ein voll­kom­me­ner Mensch an sei­nem Lebens­be­ginn.

„Ich sah danach stän­dig das Bild die­ses klei­nen Embry­os von 10 Wochen vor mei­nen Augen und konn­te gar nicht anders als sagen: Das ist ein Kind. Es war, als wür­de es mir wie Schup­pen von den Augen fal­len. Mit einem Schlag war mir die Wahr­heit bewußt: Es ist ein Kind! Ich fühl­te mich von die­ser Wahr­heit erdrückt. Ich muß­te mich einer schreck­li­chen Wahr­heit stel­len: Abtrei­bung ist die Tötung von Kin­dern im Mut­ter­leib. Die gan­zen Jah­re hin­durch hat­te ich mich geirrt. Mei­ne gan­ze Arbeit in den Abtrei­bungs­kli­ni­ken war falsch. Das wur­de mir bewußt, schmerz­lich bewußt.“

Von der Abtreibungsaktivistin und Lebensschützerin

Rede McCorveys vor dem Obersten Gerichtshof, von dem sie die Revision des Urteils Roe gegen Wade forderte
Rede McCor­veys vor dem Ober­sten Gerichts­hof, von dem sie die Revi­si­on des Urteils Roe gegen Wade for­der­te

McCor­vey wech­sel­te die Bar­ri­ka­den und begann nun über das wah­re Gesicht der Abtrei­bung auf­zu­klä­ren. Sie wur­de zur uner­müd­li­chen Bot­schaf­te­rin des Lebens­rechts unge­bo­re­ner Kin­der. Die mei­sten der Medi­en, die ihr zuvor offen­stan­den, blie­ben nun aber für sie ver­schlos­sen. Ihre Par­tei­nah­me für die Abtrei­bung woll­te man hören. Ihre Par­tei­nah­me für das Leben aber nicht. Mit ihrer Bekeh­rung gab sie in den 90er Jah­ren auch ihre Homo­se­xua­li­tät auf.

2003 leg­te sie beim Ober­sten Gerichts­hof der USA Ein­spruch gegen das Urteil Roe gegen Wade ein. Sie for­ma­li­sier­te, daß das dama­li­ge Urteil unter Vor­täu­schung fal­scher Tat­sa­chen zustan­de­ge­kom­men war, weil sie nie ver­ge­wal­tigt wor­den war. Viel­mehr sei sie miß­braucht wor­den auf­grund ihrer Armut und Igno­ranz. Der Antrag wur­de jedoch abge­lehnt.

„Ich war­te auf den Tag, an dem Gerech­tig­keit geschaf­fen und die Last all die­ser Toten von mei­nen Schul­tern genom­men wer­den wird.“

So McCor­vey. Auf Erden hat sie die­sen Tag nicht mehr erlebt. Sie selbst ver­stand die letz­te Zeit ihres Lebens als Süh­nelei­stung für das Abtrei­bungs­ver­bre­chen, das mit ihrer Hil­fe sein welt­wei­tes Mor­den begin­nen konn­te. McCor­vey beweg­te vor allem ein Satz von Mut­ter Tere­sa von Kal­kut­ta, die gesagt hat­te:

„Eine Gesell­schaft, in der die Müt­ter soweit kom­men, ihre Kin­der zu töten, kann nur voll Haß sein.“

Requie­scat in pace.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: LSN/KAL/BornforUnborns (Screen­shots)