„Die Welt steht in Flammen“

Plakat: Die Welt steht in Flammen
Plakat: Die Welt steht in Flammen

von Wolf­ram Schrems*

Der­zeit fin­det in der Wie­ner Fran­zis­ka­ner­kir­che eine aus­sa­ge­kräf­ti­ge und gut gestal­te­te Aus­stel­lung über öster­rei­chi­sche bzw. in Öster­reich wir­ken­de Prie­ster und Ordens­leu­te statt, die auf irgend­ei­ne Wei­se zu Opfern des NS-Regimes wur­den. Der Titel lau­tet Die Welt steht in Flam­men — Geist­li­che Schwe­stern und Brü­der als Opfer des NS-Regimes. Trä­ger der Aus­stel­lung sind der Tere­sia­ni­sche Kar­mel in Öster­reich, das Jahr der Orden 2015, die
Edith Stein Gesell­schaft Öster­reich und die Wie­ner Fran­zis­ka­ner. Kura­to­ren sind der Pro­vin­zi­al der Unbe­schuh­ten Kar­me­li­ten in Öster­reich, P. Dr. Rober­to Maria Pira­stu OCD, und der Lin­zer Histo­ri­ker DDr. Hel­mut Wag­ner.

Es lohnt sich, die Aus­stel­lung genau­er zu stu­die­ren.

Der erste Grund dafür ist fol­gen­der: Es gibt zwar seit gut drei­ßig Jah­ren eine Flut an Ver­an­stal­tun­gen, Schul­pro­jek­ten und Publi­ka­tio­nen zur NS-Zeit. Auf­grund derer meist mar­xis­mus­af­fi­nen Aus­rich­tung ist es aber kaum im öffent­li­chen Bewußt­sein ver­an­kert (schon gar nicht bei Schü­lern und Jugend­li­chen), daß vie­le Prie­ster und Ordens­leu­te auf die eine oder ande­re Wei­se im Wider­stand gegen Ideo­lo­gie und Regime des Natio­nal­so­zia­lis­mus gestan­den sind. Es ist auch weit­ge­hend unbe­kannt, daß es eine gewal­ti­ge Zahl an Mär­ty­rern unter Geweih­ten und Lai­en gab.

Es wäre daher eine wün­schens­wer­te Wir­kung der Aus­stel­lung, die Pro­por­tio­nen in der Dar­stel­lung der Geschich­te des Wider­stan­des etwas zurecht zu rücken.

Glaubenszeugnis gegen falsche Ideologien aller Art

"Die Welt steht in Flammen" - Gedächtnisausstellung für Opfer der NS-Zeit
„Die Welt steht in Flam­men“ — Gedächt­nis­aus­stel­lung für Opfer der NS-Zeit

Der ande­re Grund, sich die Aus­stel­lung anzu­se­hen, ist, daß man sich in Zei­ten eines sich radi­ka­li­sie­ren­den Kon­for­mi­täts­drucks mit der Gesin­nung des „Zeug­nis­ses“ (grie­chisch mar­t཭r­i­on) näher aus­ein­an­der­set­zen soll­te. Es war ja bei wei­tem nicht nur der deut­sche Natio­nal­so­zia­lis­mus, der mit sei­ner mili­tant heid­nisch-anti­christ­li­chen Ideo­lo­gie die Kir­che und die Chri­sten ver­folg­te. Heu­te geht die Ver­fol­gung in Euro­pa und im Ori­ent und an vie­len ande­ren Orten von ande­rer Sei­te aus.

Ver­schie­de­ne Ideo­lo­gien sind aber bekannt­lich häu­fig nur ver­schie­de­ne For­men immer der­sel­ben dia­bo­li­schen Grund­sät­ze: Radi­ka­le Ableh­nung des Chri­sten­tums, radi­ka­ler Rela­ti­vis­mus zugun­sten par­ti­ku­la­rer Wer­te und Zie­le (Klas­se, Ras­se, Nati­on, Par­tei u. dgl.), radi­ka­le Bestrei­tung des Sit­ten­ge­set­zes und Abschaf­fung eines gerech­ten Rechts­sy­stems.

Genau die­se Din­ge kom­men heu­te wie­der in ande­ren Far­ben und unter ande­ren Vor­zei­chen auf uns zu.

Der­zeit gibt es hier­zu­lan­de kei­ne KZs, in die Dis­si­den­ten gebracht wer­den. Die Dro­hung des Ver­lu­stes der Arbeits­stel­le oder die sozia­le Iso­la­ti­on bringt jedoch vie­le zum Schwei­gen. Auch die sich stän­dig ändern­de Geset­zes­la­ge („Anti­dis­kri­mi­nie­rung“, „Ver­het­zungs­pa­ra­graph“) tut das Ihri­ge, wohl­mei­nen­de Men­schen ein­zu­schüch­tern.

Der Charakter des Glaubenszeugen und die verschiedenen Lebensgeschichten

Wenn man sich die in der Fran­zis­ka­ner­kir­che vor­ge­stell­ten Per­so­nen ansieht, wird man sowohl lau­te­ren Cha­rak­ter als auch ein festes Glau­bens­fun­da­ment erken­nen. Alle waren sie bereit, einer staat­li­chen Macht zu trot­zen, die das Unrecht zum Gesetz gemacht hat­te. Eini­ge von ihnen hat­ten einen kom­pli­zier­ten per­sön­li­chen Weg hin­ter sich, min­de­stens einer sym­pa­thi­sier­te zunächst mit der neu­en, „moder­nen“ Ideo­lo­gie des Natio­nal­so­zia­lis­mus.

Die bekann­te­sten der prä­sen­tier­ten Per­so­nen sind die seli­ge Sr. Maria Resti­tu­ta Kaf­ka (Hart­mann­schwe­ster), der seli­ge Franz Jäger­stät­ter (St. Rade­gund, Ober­öster­reich), der seli­ge Otto Neuru­rer (Pfar­rer von Göt­zens, Tirol), der seli­ge Pro­vi­kar Carl Lam­pert (Inns­bruck-Feld­kirch), Sr. Ange­la Maria Autsch (Tri­ni­ta­rie­rin, der „Engel von Ausch­witz“), P. Titus Hel­de (Sal­va­to­ria­ner), DDr. Hein­rich Mai­er (Kaplan von Gerst­hof, Wien XVIII.) und Roman Karl Scholz (Klo­ster­neu­bur­ger Augu­sti­ner Chor­herr). Sodann wer­den Zister­zi­en­ser der Stif­te Hei­li­gen­kreuz und Wil­he­ring (Abt Bern­hard Burg­stal­ler), Kar­me­li­ten, Jesui­ten und Diö­ze­san­prie­ster vor­ge­stellt. Bemer­kens­wert ist auch das Leben der Barm­her­zi­gen Schwe­ster Anna Ber­tha Grä­fin zu König­segg-Aulen­dorf (die das Regime über­leb­te und 1948 ver­starb), die sich gegen Zwangs­ste­ri­li­sa­ti­on und „Eutha­na­sie“ ein­setz­te.

Schließ­lich ist die hebräi­sche Katho­li­kin und Ange­hö­ri­ge des III. Ordens des Kar­mel, Sr. Maria Regi­na Fuhr­mann, zu nen­nen.

Kritik

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber müs­sen auch zwei Kri­tik­punk­te genannt wer­den.

Unver­meid­li­cher­wei­se wer­den erstens heut­zu­ta­ge auch katho­li­sche Blut­zeu­gen des Natio­nal­so­zia­lis­mus für die all­ge­gen­wär­ti­ge kon­for­me Geschichts­deu­tung her­an­ge­zo­gen. Gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus zu sein, ist der­zeit bekannt­lich wohl­feil.

Auf der Schau­ta­fel, die Hw. Alo­is Por­anzl, den Pfar­rer von Arbing (Ober­öster­reich, 1943 im Gefäng­nis in Linz ver­stor­ben), zeigt, wer­den zwei sei­ner Aus­sa­gen zitiert. Die eine lau­tet, daß für ihn Hit­ler und Mus­so­li­ni „die größ­ten Ver­bre­cher des Jahr­hun­derts“ sei­en, die ande­re: „Zehn Kom­mu­ni­sten sind mir lie­ber als so eine brau­ne Bestie.“ Pfar­rer Por­anzl hat bei­des so gese­hen und daß er es im Macht­ge­biet der Kri­ti­sier­ten und nicht im siche­ren Exil aus­ge­spro­chen hat, unter­schei­det ihn von so man­chem Maul­hel­den.

Da es aber hier um sub­jek­ti­ve Ein­schät­zun­gen geht, wird man sagen müs­sen: Hät­te er in Ruß­land oder der Ukrai­ne gelebt oder hät­te er unser heu­ti­ges Wis­sen gehabt, hät­te er sich wohl anders aus­ge­drückt.

In einer kon­tex­tua­li­sie­ren­den Anmer­kung hät­ten die Kura­to­ren daher durch­aus auch auf die Opfer­zah­len des Sowjet­kom­mu­nis­mus, und zwar schon bis 1932/1933 (ukrai­ni­scher Holo­do­mor), hin­wei­sen kön­nen. Denn das hät­te auch den Erfolg des Natio­nal­so­zia­lis­mus als selbst­er­klär­tem „Geg­ner“ des Bol­sche­wis­mus (unter ande­rem) zu erklä­ren gehol­fen.

Der zwei­te Kri­tik­punkt ist, daß man die Aus­stel­lung nicht in einer Kir­che durch­füh­ren hät­te sol­len. Das stän­di­ge Her­um­ge­hen der Besu­cher und deren zwangs­läu­fi­ge Ori­en­tie­rung an der Aus­stel­lung und nicht an dem, für des­sen Ein­woh­nung die Kir­che gebaut ist, sind dem Sakral­raum unan­ge­mes­sen.

Die Ver­ewig­ten waren from­me Leu­te und hät­ten das wohl auch so gese­hen.

Im Kreuz­gang des Fran­zis­ka­ner­klo­sters wäre genug Platz gewe­sen.

Behält man bei­des im Hin­ter­kopf, kann die Aus­stel­lung ein über­aus wert­vol­ler geist­li­cher Impuls sein und zu per­sön­li­chen Resü­mees anre­gen:

Resümee für die Gegenwart

Machen wir ein Gedan­ken­ex­pe­ri­ment: Wie wür­de man heut­zu­ta­ge Katho­li­ken bezeich­nen, die sich aus katho­li­scher Über­zeu­gung mit einer gera­de „moder­nen“ anti­christ­li­chen Ideo­lo­gie bzw. einer auf die­ser Ideo­lo­gie beru­hen­den Staats­macht anle­gen? Wür­de man sagen „fana­tisch“? Oder „fun­da­men­ta­li­stisch“? „Unfä­hig zum Dia­log“? „Erken­nen die nicht die Zei­chen der Zeit“?

Allei­ne schon die­se Fra­gen zei­gen, wie sich die Zei­ten – trotz man­cher Unter­schie­de im Detail – ähneln. Denn die Mär­ty­rer wur­den damals auch mit sol­chen Vor­wür­fen kon­fron­tiert.

Und auch heu­te beob­ach­ten wir einen mas­si­ven Anschlag auf das mensch­li­che Leben und die Men­schen­wür­de durch den mas­sen­haf­ten, unbe­wein­ten und unge­sühn­ten Mord an den unge­bo­re­nen Kin­dern. Dazu kommt die immer lau­ter dis­ku­tier­te Eutha­na­sie an Alten und Kran­ken. Schließ­lich fin­det ein hun­dert­tau­send­fa­ches Mor­den im Namen eines bestimm­ten „Got­tes“ statt. Auch das kommt immer näher.

Kri­tik an all dem wird immer stär­ker kri­mi­na­li­siert.

Die Fra­gen sind:

Lohnt es sich über­haupt, sich dage­gen auf­zu­leh­nen? Bringt es etwas?

Genau die­se Fra­gen müs­sen sich die Glau­bens­zeu­gen der NS-Zeit auch gestellt haben. Sie haben sie rich­tig beant­wor­tet. Für man­che bedeu­te­te es das Todes­ur­teil.

So schwer das auch ist, muß man doch immer den Blick auf das Ende und auf die Ewig­keit öff­nen:

„Früh voll­endet, hat der Gerech­te doch ein vol­les Leben gehabt; da sei­ne See­le dem Herrn gefiel, ent­eil­te sie aus der Mit­te des Bösen“ (Weish 4,13f).

Von daher emp­fiehlt sich eine nähe­re Kon­sul­ta­ti­on der Aus­stel­lung.

Katho­li­ken, die um die Ver­bin­dung der pil­gern­den Kir­che mit der Kir­che in der Voll­endung wis­sen, wer­den sich die Ver­ewig­ten auch zu Freun­den und Für­spre­chern machen wol­len.

Dank und Aner­ken­nung gebührt den Kura­to­ren.

Die Aus­stel­lung ist bis 10. Novem­ber zu den Öff­nungs­zei­ten der Kir­che zu besich­ti­gen.

Nachtrag: eine Buchempfehlung

Es gibt eine her­vor­ra­gen­de Samm­lung von 18 Kurz­bio­gra­phien katho­li­scher Mär­ty­rer im Öster­reich der NS-Zeit bzw. der unmit­tel­ba­ren Fol­ge­zeit, auf die hier nach­drück­lich hin­ge­wie­sen wer­den soll:

Ilde­fons M. Fux, Für Chri­stus und Öster­reich – Men­schen, die Jesus Chri­stus und ihr Hei­mat­land lieb­ten. Ver­ein Per­fec­tae Cari­ta­tis, Wien 2001; erhält­lich ebd., Tel.: +43 01 799 23 76 (www.gottgeweiht.at)

*MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, Kate­chist, Grün­dungs­mit­glied der „Platt­form Soli­da­ri­tät mit ver­folg­ten Chri­sten“ (Wien)

Bild: Una Fides

13 Kommentare

  1. Glau­bens­zeu­gen in der Zeit des NS-Regimes ! Heut­zu­ta­ge wird immer wie­der ange­mahnt, dass
    es in Zeit des soge­nann­ten drit­ten Rei­ches, zu weni­ge auf­ge­stan­den sind und sich gegen die
    Staats­macht gewehrt haben. Alles nur Schein­ar­gu­men­te ohne Inhalt. Es mag ja sein, dass in der
    Tat zu weni­ge Wider­stand lei­ste­ten, aber Wider­stand war gleich­zu­set­zen mit Fol­ter, Gefäng­nis
    und Tod. Die heu­te so laut schrei­en, hät­ten sich damals in das klein­ste Mau­se­loch ver­kro­chen um
    nicht erkannt zu wer­den. Was aber sind die Zei­chen der Zeit ? Wo regt sich heu­te Wider­stand ge-
    gen unmensch­li­che Geset­ze, wie Abtrei­bung, Eutha­na­sie, Homo­wahn und Sit­ten­lo­sig­keit ? Heu­te
    könn­te man sich weh­ren, aber da ist es still gewor­den, obwohl nie­mand mit Kon­se­quen­zen zu
    rech­nen hät­te. Das alles wird mit­ge­tra­gen von unchrist­li­chen Poli­ti­kern und lei­der auch von soge-
    nann­ten christ­li­chen Auto­ri­tä­ten, die im Kanon mit­sin­gen. Die weni­gen Gemein­schaf­ten, Grup­pen
    und Ein­zel­per­so­nen, die sich weh­ren wol­len, wer­den beschimpft und als fun­da­men­ta­li­stisch, fana-
    tisch, mit­tel­al­ter­lich und rück­stän­dig bezeich­net. Der gro­be Unter­schied zur NS-Zeit ist, dass heu-
    te nie­mand ( noch nicht ) wegen sei­nem Pro­test oder Gegen­wehr bestraft wird.

    • @fredius
      „Die heu­te so laut schrei­en, hät­ten sich damals in das klein­ste Mau­se­loch ver­kro­chen um
      nicht erkannt zu wer­den.“
      Ich kann ihnen nur recht geben. Die mei­sten von die­sen zu spät gebo­re­nen Hel­den wären spätestens1933 dabei gewe­sen und hät­ten alle Lie­der mit­ge­sun­gen. Ja jede Zeit hat eben sei­ne Hel­den. Der Bischof Tebartz — van Elst kann ein Buch dar­über schrei­ben wie es ist wenn man mit denen zu tun hat und die sind auch noch alle ohne Schuld. So vie­le Stei­ne wie auf dem gepflo­gen sind damit könnt man gan­ze Kathe­dra­len bau­en. Es kostet ja nichts und der Bei­fall ist immer gra­tis dazu.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  2. Die­se Blut­zeu­gen brau­chen nicht den Bei­fall der Welt,denn Got­tes Wohl­ge­fal­len ist wich­ti­ger und so ist es bis heu­te.

  3. Hof­fent­lich hat man die aus­ge­stell­ten Mär­ty­rer in der Fran­zis­ka­ner­kir­che nicht auch noch ihrer Klei­der beraubt, wie man das mit Sr. Resti­tu­ta Kaf­ka in der Kryp­ta des Wie­ner Stef­fels gemacht hat! Die nack­te Büste die­ser hei­li­gen Ordens­frau in einem Dom, der dem ersten Blut­zeu­gen der Kir­che geweiht wur­de, ist bis heu­te ein öffent­li­ches Ärger­nis, das einer blas­phe­mi­schen Entsa­kra­li­sie­rung gleich­kommt!

    • Die Büste von Alfred Hrdlicka, der zeit­le­bens Kom­mu­nist geblie­ben ist, ist ein wei­te­rer Nach­weis, wie die „Mysterien„schulen in den rein äußer­lich katho­li­schen Kle­rus hin­ein­wir­ken. Hät­te Chri­stoph Schön­born die Instal­la­ti­on der Büste ver­wei­gert, wäre das Mach­werk nicht in den Ste­phans­dom gelangt. Wie irre ist das denn? Ein Ableh­ner Got­tes fer­tigt eine Büste an, die den Anfor­de­run­gen sakra­ler Kunst nicht gerecht wird, doch das Ding gelangt in die wich­tig­ste Kathe­dra­le Öster­reichs. Beklopp­ter geht’s nim­mer!

  4. Zwei Anmer­kun­gen. Jäger­stät­ter war ein Deser­teur, der selbst im NS-Staat jah­re­lang geschont wur­de und erst 1943, als jeder Mann gebraucht wur­de, defi­ni­tiv zum Wehr­dienst ein­ge­zo­gen wur­de. Sein Pro­zeß dau­er­te ein hal­bes Jahr, und man müh­te sich red­lich, ihm ein Aus­stiegs­sze­na­rio zu bie­ten. Selbst der Bischof von Linz, alles ande­re als ein Nazi­freund, rede­te ihm gut zu, sei­ne Sol­da­ten­pflicht zu lei­sten. In Sta­lins Ruß­land hät­te man ihn sofort mit Genick­schuß erle­digt und ver­mut­lich sei­ne gan­ze Fami­lie dazu. Auch in den west­li­chen Demo­kra­tien hät­te man einen Deser­teur nicht viel anders behan­delt als in Hit­lers Reich. — Roman Karl Scholz war ein typi­scher Que­ru­lant. Der aus Süd­mäh­ren stam­men­de Klo­ster­neu­bur­ger Chor­herr fei­er­te allen Ern­stes sei­ne Hei­mat­pri­miz im Jah­re 1934 (!!!) in SA-Uni­form unter den Para­men­ten. Als die erwar­te­te Aner­ken­nung durch den NS-Staat nach dem Anschluß 1938 aus­blieb, wur­de der fru­strier­te Polit­prie­ster Wider­ständ­ler und damit zum Schmied sei­nes eige­nen Unheils. Kein Mensch hät­te ihm wegen sei­nes Prie­ster­tums ein Haar gekrümmt! Wer weiß, wie sich die­ser irre­ge­lei­te­te Mann in der Zeit der sowjet­rus­si­schen Besat­zung benom­men hät­te, wäre er zu die­ser Zeit noch am Leben gewe­sen. Wahr­schein­lich als Denun­zi­ant und Berufs­an­ti­fa­schist. Eine nach­ah­mens­wer­te Prie­ster­per­sön­lich­keit wie etwa bei Hw. Neuruh­r­er ist hier sicher nicht zu fin­den!

    • Tja, aber war­um wur­de denn 1943 „jeder Mann gebraucht“?

      Doch nur, weil der „Größ­te Feld­herr aller Zei­ten“ und sei­ne Gene­ra­le sich ver­kal­ku­liert hat­ten, und der sowj­ti­sche „Koloß auf töner­nen Füßen“ sich mit den­sel­ben auf den Weg nach Deutsch­land gemacht hat­te.

      Ich betrei­te nicht, daß damals vie­le glaub­ten, dar­auf­hin einen gerech­ten Krieg zum Schutz der Hei­mat zu füh­ren. Viel­leicht gehör­te auch der Bischof von Linz dazu. Aber wenn Jäger­stet­ter das anders gese­hen hat, kann man ihm das mei­ner Ansicht nach nicht vor­wer­fen.

      Um kei­ne Miß­ver­ständ­nis­se her­vor­zu­ru­fen: Ich bin kein Anhän­ger die­ser heu­te übli­chen pau­scha­len Ver­herr­li­chung aller Deser­teu­re als „Wider­stand­kämp­fer“. Und ich mag auch Hein­rich Böll nicht. Aber daß der bei Kriegs­en­de sein Leben ret­ten woll­te, anstatt sich sinn­los zu opfern, kann ich ver­ste­hen.

      Liegt viel­leicht dar­an, daß es mich mög­li­cher­wei­se gar nicht gäbe, wenn nicht glück­li­che Umstän­de ver­hin­dert haben, daß mein bei der Mari­ne die­nen­der und für „Erd­kampf“ völ­lig unzu­rei­chend aus­ge­bil­de­ter Vater im April 45 nach Ber­lin geschickt wur­de, um „den Füh­rer raus­zu­hau­en“. Das hät­te er ver­mut­lich wie die mei­sten sei­ner dort ver­heiz­ten Mari­ne­ka­me­ra­den nicht über­lebt.

      • @ Cor­bisch
        Regi­strie­ren Sie bit­te, dass Franz Jäger­stät­ter kein „Deser­teur“ war. Das habe ich unten mit der kriegs­ge­richt­li­chen Begrün­dung sei­ne Todes­ur­teils als „Wehr­kraft­zer­set­zer“ wegen Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung mit der Waf­fe in der Hand aus­rei­chend deut­lich belegt. Sie brau­chen also bezüg­lich Jäger­stät­ter nicht den Tat­be­stand der Deser­ta­ti­on als den Zeit­um­stän­den ent­spre­chend mora­lisch ver­ständ­lich zu ver­tei­di­gen.

    • @ catho­li­cus
      Sie behaup­ten Ver­leum­de­ri­sches, wenn Sie sagen: „Jäger­stät­ter war ein Deser­teur“. Franz Jäger­stät­ter ver­wei­ger­te den Wehr­dienst mit der Waf­fe in der Hand, was in Hit­lers Dik­ta­tur den Tat­be­stand der Wehr­kraft­zer­set­zung erfüll­te, zu der neben Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung, defä­ti­sti­sche Äuße­run­gen und Selbst­ver­stüm­me­lung gehör­ten – aber nicht Deser­ta­ti­on. Jäger­stät­ter wur­de am 6. Juli vom Reichs­kriegs­ge­richt in Ber­lin-Char­lot­ten­burg nur wegen Zer­set­zung der Wehr­kraft zum Tode ver­ur­teilt – obwohl er bereit gewe­sen war, Sani­täts­dienst zu lei­sten, wor­auf das Gericht jedoch nicht ein­ge­gan­gen war. Am 9. August 1943 wur­de er durch das Fall­beil hin­ge­rich­tet. Wenn Sie nicht als Ver­leum­der Franz Jäger­stät­ters ange­se­hen und behan­delt wer­den wol­len, ent­schul­di­gen Sie sich gefäl­ligst und erklä­ren Sie, wie Sie zu Ihrem ehr­ab­schnei­den­den Der­ser­teur-Vor­wurf kom­men konn­ten. Dar­über hin­aus ver­bie­tet sich jeder Ver­gleich mit der Kriegs­ge­richts­bar­keit in der NS-Dik­ta­tur mit der in west­li­chen Demo­kra­tien von selbst.
      Im Gesetz zur Auf­he­bung natio­nal­so­zia­li­sti­scher Unrechts­ur­tei­le in der Straf­rechts­pfle­ge (NS-Auf­hG) vom 25. August 1998 (BGBl I, S. 2501)[23] unter Bezug­nah­me auf die Kriegs­son­der­straf­rechts­ver­ord­nung heißt es: „Als „ver­ur­tei­len­de straf­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen, die unter Ver­stoß gegen ele­men­ta­re Gedan­ken der Gerech­tig­keit“ ergan­gen sind, wur­den somit alle Urtei­le wegen „Zer­set­zung der Wehr­kraft“ pau­schal auf­ge­ho­ben“.
      Neh­men Sie also zur Kennt­nis: Franz Jäger­stät­ter war kein Deser­teur, sein Todes­ur­teil wegen Wehr­krafts­zer­set­zung durch Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung wur­de indi­vi­du­ell am 7. Mai 1997 durch das Land­ge­richt Ber­lin auf­ge­ho­ben.

  5. Bei sol­chen Aus­stel­lun­gen bekom­me ich immer leich­tes Bauch­grim­men.
    Fest­steht, dass es die­se Hel­den und Hel­din­nen für den katho­li­schen Glau­ben gab!
    Fest steht aber auch, dass sie nicht die Expo­nen­ten einer heh­ren Mär­ty­rer­kir­che waren, son­dern oft zusätz­lich zur Ver­fol­gung durch das poli­ti­sche Regime auch noch den Intri­gen von Mit­brü­dern ‑und schwe­stern oder der man­geln­den Beglei­tung durch die Kir­che aus­ge­setzt waren.

    Wenn man da erst mal genau­er nach­bohrt, gerät man sehr oft in erschüt­tern­den Morast.
    Und die Pro­ble­ma­tik taucht auch nicht erst mit dem NS-Regime, son­dern viel, viel frü­her auf. Eigent­lich von Anfang der Kir­che an…

    Daher hal­te ich die Ana­lo­gi­sie­rung des Autors gegen Ende für naiv — die Ent­spre­chun­gen zu die­sen Hel­den sind nicht Leu­te, die heu­te, wo es immer noch nur wenig kostet, die „Zei­chen der Zeit“ nicht erken­nen.

    Die ana­lo­ge Situa­ti­on hat sich viel­mehr heu­te noch gar nicht so recht gezeigt.
    Die Fra­ge ist auch nicht: „Wie wer­de ich ein heh­rer Wider­stands­kämp­fer“, son­dern: „Was willst Du, Herr, das ich tun soll?“
    Mög­li­cher­wei­se fal­len die Sem­meln dann für die mei­sten erheb­lich klei­ner aus, und wir müs­sen alle sehen, ob wir nicht im Wahn, Gott einen Dienst zu erwei­sen, die Sei­nen mit der Meu­te ver­fol­gen.

  6. Die Kon­ver­ti­tin und Schrift­stel­le­rin Gabrie­le Kuby umriss in ihrem Vor­trag beim Tref­fen „Deutsch­land pro Papa“ im Jah­re 2010 das ver­ba­le Waf­fen­ar­se­nal der „huma­ni­sti­schen“ Ideo­lo­gen:

    -
    [.…]
    „Heu­te haben sich die Wor­te ver­än­dert, 
    mit denen Chri­sten dif­fa­miert wer­den: 
    sie hei­ßen 
    „fun­da­men­ta­li­stisch“, 
    „dog­ma­tisch“, 
    „mora­lisch“, 
    „into­le­rant“ 
    „ewig gest­rig“, 
    ja, wenn es irgend­wie aus der ideo­lo­gi­schen Trick­ki­ste gezau­bert wer­den kann: 
    „rechts­ra­di­kal“. 
    Die­se Vor­wür­fe tref­fen alle Chri­sten, die dem Evan­ge­li­um treu sind.

    Manch einen ver­schreckt das ver­ba­le Waf­fen­ar­se­nal, 
    und sie las­sen mög­lichst nie­man­den mer­ken, dass sie Chri­sten sind. 
    Aber war­um eigent­lich? 
    Bewährt sich die gro­ße Abkehr von Gott? 
    Sind wir in Deutsch­land, in Euro­pa, auf unse­rer Erde auf einem guten Weg? 
    Ihr, die ihr euch so sicher auf der rich­ti­gen Sei­te der Mehr­heit wisst, 
    zeigt uns doch, dass es sich bewährt, 
    der Fami­lie die mora­li­schen und mate­ri­el­len Exi­stenz­be­din­gun­gen zu ent­zie­hen, 
    die Wirt­schaft der hem­mungs­lo­sen Gier aus­zu­lie­fern, 
    das Lebens­recht und die Wür­de des Men­schen dem Recht des Stär­ke­ren zu unter­wer­fen! 
    Zeigt uns, dass es sich bewährt, die Zehn Gebo­te zum alten Eisen der Geschich­te zu wer­fen! “
    [.…]
    -

    • @ wer­ter defen­dor
      „Fin­ste­res Mit­tel­al­ter“ darf bei den Schlag­wör­tern aber nicht feh­len. Das ist einer mei­ner Lieb­lings­be­grif­fe denn die Zeit wo die Son­ne nur maxi­mal 1,5 h am Tag geschie­nen hat war echt gru­se­lig. Heu­te im auf­ge­klär­ten Zeit­al­ter von Atom­bom­ben und ande­ren Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen braucht nur einer auf den Knopf zu drücken und die Welt steht wirk­lich in Flam­men.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  7. Die Aus­stel­lung ist inso­fern auch wich­tig, als nach 1945 in Öster­reich eine Umdeu­tung der Geschich­te statt­fand. Die öster­rei­chi­sche Lin­ke, Sozia­li­sten wie Kom­mu­ni­sten haben sich ein raf­fi­nier­tes Buben­stück poli­ti­scher Erb­schlei­che­rei gelei­stet, indem sie sich als die anti­fa­schi­sti­schen Kämp­fer hoch­sti­li­siert haben. Es sol­len nur ein paar geschicht­li­che Tat­sa­chen in Erin­ne­rung geru­fen wer­den.
    ‑Als 1869 der Grün­dungs­kon­gress der S‑P-D in Eisen­ach statt­fand, gehör­ten selbst­ver­ständ­lich öster­rei­chi­sche und böh­mi­sche Dele­gier­te der Tagung an. Die SPD ver­stand sich als Gross­deutsch. Erst die Reichs­grün­dung Bis­marcks 1870 erzwang eine orga­ni­sa­to­ri­sche Tren­nung. Den­noch blie­ben SPD und die SDAP Öster­reichs eng ver­bun­den.
    Nach der Auf­lö­sung Öster­reichs-Ungarns 1919, woll­te der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Bun­des­kanz­ler Karl Ren­ner eine Ver­ei­ni­gung Deutsch­lands mit Öster­reich was von den Sie­ger­mäch­ten ver­bo­ten wur­de. Der Anschluss war ursprüng­lich ein sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Gedan­ke, der auch von Tei­len der öster­rei­chi­schen Rech­ten geteilt war. Ver­tei­di­ger der Eigen­staa­lich­keit Öster­reichs waren die katho­li­sche Kir­che, die christ­lich-sozia­le Par­tei des spä­te­ren Bun­des­kanz­ler Dr. Engel­bert Dol­lfus und der alte öster­rei­chi­sche Adel.
    Nach­dem im Janu­ar 1933 Hit­ler in Deutsch­land an die Macht gekom­men war ver­such­te Karl Ren­ner in sei­ner Eigen­schaft als Natio­nal­rats­vor­sit­zen­de am 4.März 1933 die christ­lich-sozia­le Regie­rung Dol­lfus durch kon­zer­tier­ten Rück­tritt der Par­la­ments­prä­si­den­ten und einer Selbst­aus­schal­tung des Par­la­ments zu stür­zen, was die Unab­hän­gig­keit Öster­reichs in höch­ste Gefahr brach­te. Die­ses poli­ti­sche Ver­sa­gen des Par­la­men­ta­ris­mus nutz­te Dr. Dol­lfus zum Umbau Öster­reichs zu einem katho­li­schen Stän­de­staat. Nach der Nie­der­schla­gung eines sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bewaff­ne­ten Auf­stand im Febru­ar 1934 liess Dol­lfuss Aus­tromar­xi­sten und Natio­nal­so­zia­li­sten glei­cher­ma­ssen ver­haf­ten. Zu die­sem Zeit­punkt war das klei­ne Öster­reich der ein­zi­ge Staat in Euro­pa der die Ver­tre­ter der zwei tota­li­tä­ren Bewe­gun­gen die eine Blut­spur in Euro­pa gezo­gen hat­ten dort hin­schick­te wo sie über­all in Euro­pa hin­ge­hört hät­ten. Ins Gefäng­nis oder Zucht­haus. Im Som­mer des glei­chen Jah­res wur­de Dol­lfus wäh­rend eines Natio­nal­so­zia­li­sti­schen Putsch­ver­such ermor­det.
    Die gemein­sa­me Inhaf­tie­rung der Sozi­al­de­mo­kra­ten und Natio­nal­so­zia­li­sten führ­te zu uner­war­te­ten Soli­da­ri­sie­run­gen. Bei­de Rich­tun­gen teil­ten schliess­lich einen gemein­sa­men Hass auf das alte Öster­reich, die Christ­lich­so­zia­len und die katho­li­sche Kir­che. Als der Nach­fol­ger Dr. Dol­lfuss, der frü­he­re Justiz­mi­ni­ster Kurt von Schus­schnig, 1938 gestürzt wur­de, befür­wor­te­te Karl Ren­ner öffent­lich den Anschluss. Als der Erz­bi­schof von Wien Kar­di­nal Theo­dor Innit­zer am 7. Okto­ber 1938 ein Rosen­kranz­fest ver­an­stal­te­te und vor 9000 Jugend­li­che beton­te allein Chri­stus wäre der Füh­rer, wur­de das erz­bi­schöf­li­che Palais am näch­sten Tag durch die Hit­ler­ju­gend gestürmt und geplün­dert. Nach dem Krieg prä­sen­tier­ten sich die Lin­ken als die Opfer!
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