Das Zweite Vatikanische Konzil – Ein ausstehender Diskurs

Das Zweite Vatikanische Konzil - ein ausstehender Diskurs
Das Zweite Vatikanische Konzil - ein ausstehender Diskurs

von Wolf­ram Schrems*

Viel­leicht bedeu­tet es wie­der­um, Eulen nach Athen zu tra­gen, wenn auf die­ser Sei­te ein Buch über das Zwei­te Vati­ca­num vor­ge­stellt wird. Man kann davon aus­ge­hen, daß eine ein­schlä­gig ver­sier­te Leser­schaft das Buch bereits kennt. Aber nach­dem es mir wich­tig erscheint, sei es hier aus­führ­lich gewür­digt.

Typische Umstände unserer Zeit

Sym­pto­ma­tisch für unse­re Zeit ist, daß die deut­sche Über­set­zung die­ses hoch­in­ter­es­san­ten Wer­kes in einem sehr jun­gen und klei­nen Ver­lag erschei­nen muß­te. Offen­sicht­lich will man in den eta­blier­ten Ver­lags­häu­sern die Wahr­heit nicht hören – und noch viel weni­ger drucken. Mit dem Car­t­hu­sia­nus-Ver­lag und des­sen schma­lem, aber exqui­si­tem Buch­pro­gramm ist dem Initia­tor Peter Bar­thold aber ein sehr schö­nes Pro­jekt gelun­gen.

Sym­pto­ma­tisch für unse­re Epo­che der Kir­chen­ge­schich­te ist, daß der Ver­fas­ser des Geleit­wor­tes, Msgr. Mario Oli­ve­ri, Bischof von Alben­ga-Impe­ria, kürz­lich von Papst Fran­zis­kus einen Koad­ju­tor mit Nach­fol­ge­recht auf­ge­nö­tigt bekam. Der Ver­fas­ser des Vor­wor­tes, Msgr. Albert Mal­colm Ran­jith, Erz­bi­schof von Colom­bo, ist im neu­en Pon­ti­fi­kat auch nicht mehr Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung. Der Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­cu­la­ta, der das Ver­lags­haus betreibt, in dem die ita­lie­ni­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be erschien, steht unter einer unver­hält­nis­mä­ßig bru­ta­len kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung. Kar­di­nä­le, Bischö­fe und Ordens­leu­te, die sich zum über­lie­fer­ten Glau­ben und zur klas­si­schen Lit­ur­gie beken­nen, haben es der­zeit in der Kir­che sehr schwer. Die­se Tat­sa­chen sind den regel­mä­ßi­gen Lesern die­ser Sei­te natür­lich wohl­ver­traut.

Sym­pto­ma­tisch ist es schließ­lich, daß sich vie­le Men­schen, die etwas zu sagen hät­ten, erst gegen Ende ihrer Berufs­lauf­bahn oder danach zu arti­ku­lie­ren wagen. Das gilt für Poli­ti­ker, Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne, Intel­lek­tu­el­le und Mili­tärs genau­so wie für Kir­chen­leu­te. Inso­fern fin­det man es bedau­er­lich, daß Bru­ne­ro Gher­ar­di­ni, gebo­ren 1925, Pro­fes­sor an der Late­ran-Uni­ver­si­tät, Pro­te­stan­tis­mus-Spe­zia­list, Kano­ni­ker der Päpst­li­chen Basi­li­ka St. Peter, Kon­sul­tor der Kon­gre­ga­ti­on für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­pro­zes­se und Mit­glied der Päpst­li­chen Aka­de­mie für die Theo­lo­gie, erst spät im Leben mit sei­nem Wider­spruch zur „offi­zi­el­len“ Bewer­tung des Zwei­ten Vati­can­ums an die Öffent­lich­keit getre­ten ist.

Das Buch

Es behan­delt in neun Kapi­teln grund­sätz­li­che Fra­gen zu Bedeu­tung und Gren­zen des Kon­zils, zu sei­ner Inter­pre­ta­ti­on und zur Gesamt­be­wer­tung, und geht auf vier Ein­zel­the­men (gemäß den betref­fen­den Kon­zils­tex­ten) genau­er ein: Lit­ur­gie, Reli­gi­ons­frei­heit, Öku­me­ne und Kir­che.

Dem Autor gelingt es, sein gro­ßes Wis­sen inter­es­sant, geist­reich, gele­gent­lich iro­nisch, mit tie­fem Glau­bens­sinn und schar­fem Ver­stand auf­zu­be­rei­ten.

Ein hohes Pro­blem­be­wußt­sein und eine gewis­se theo­lo­gi­sche Vor­bil­dung sind beim Leser vor­aus­ge­setzt.

Der Verständnisschlüssel: Die „Flucht vor Gott“ und das Wirken des Bösen

Um die eupho­risch for­mu­lier­ten und gleich­zei­tig zutiefst ver­wir­ren­den Tex­te des Kon­zils rich­tig zu ver­ste­hen, bringt Gher­ar­di­ni den bewuß­ten Abfall von Gott und den ver­füh­re­ri­schen Rausch des „Moder­nen“ ins Spiel:

„Vor­herr­schend war tat­säch­lich das fort­schrei­ten­de Schwä­cher­wer­den des katho­li­schen Selbst­be­wusst­seins unter dem Druck einer Kul­tur, die sich unauf­halt­sam auf der Flucht vor dem Über­na­tür­li­chen befand. Ihm gegen­über nahm, in Theo­rie wie Pra­xis, die Per­spek­ti­ve der Com­mu­nio-Kir­che Gestalt an und wur­de wirk­lich vor­herr­schend. Nicht jene der wun­der­ba­ren com­mu­nio sanc­torum, die an die klas­si­sche Theo­lo­gie gebun­den war, son­dern jene, die sich im Ant­litz einer end­lich moder­nen Kir­che erken­nen ließ. Ein end­lich gemein­sa­mes Haus, wo alle end­lich Zugang hat­ten“ (45f).

Damit ver­bun­den war eine für die „Auf­klä­rung“ typi­sche völ­li­ge Fehl­ein­schät­zung der rea­len mensch­li­chen Ver­faßt­heit:

„[Das Kon­zil mach­te sich] dar­an, ohne eine ange­mes­se­ne Vor­be­rei­tung das Ide­al des erwach­se­nen und eman­zi­pier­ten Chri­sten ein­zu­sen­ken (…). Dar­aus konn­te nur eine Kri­se ent­ste­hen“ (46).

Und zum heu­te längst als Maku­la­tur erwie­se­nen Opti­mis­mus der „Zuwen­dung zur Welt“:

„Ich habe anläss­lich die­ses Anthro­po­zen­tris­mus schon auf das Inter­es­se hin­ge­wie­sen, das die Kon­sti­tu­ti­on [Gau­di­um et spes], viel­mehr das Zwei­te Vati­ka­num als sol­ches, dem Men­schen wid­met. Ein Inter­es­se, durch­so­gen von nai­vem und sozu­sa­gen blin­dem Wohl­wol­len, das die Fun­die­rung der Men­schen­wür­de und die Erhö­hung ihrer Frei­heit auf vor­wie­gend natu­ra­li­sti­schen Grund­la­gen vor­nimmt, um dar­aus Fol­ge­run­gen zu zie­hen, die sich (…) schlicht gesagt als ver­hee­rend erwei­sen“ (183).

Schließ­lich ging die Fehl­ent­wick­lung auch nicht „von selbst“ von­stat­ten, son­dern bedurf­te der Ent­schei­dun­gen einer Grup­pe von Män­nern, die aus wel­chen Grün­den auch immer in die Fuß­stap­fen des Ver­rä­ters des ersten Jün­ger­krei­ses getre­ten sind:

„Es besteht eine gewis­se Logik sogar in der Orga­ni­sa­ti­on eines teuf­li­schen intel­li­gence ser­vice im Zen­trum der Kir­che selbst, der vor ‚Intri­gen, Mor­den, Kom­plot­ten‘ nicht zurück­schreckt (es sind Fak­ten, die sich mei­ner Kon­trol­le ent­zie­hen und die ich ent­neh­me aus: E. Frat­ti­ni, L’entità , Roma, Fazi Ed. 2008)“ (88f).

Der berüchtigte „Geist des Konzils“ und die mirakulöse „Hermeneutik der Kontinuität“

Gher­ar­di­ni kri­ti­siert den „Geist des Kon­zils“, der als Recht­fer­ti­gung für alles und jedes her­hal­ten muß – der aber auch jede Kon­ti­nui­tät mit der Geschich­te vor dem Kon­zil pre­kär und eine „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ (Bene­dikt XVI.) schwer durch­führ­bar erschei­nen läßt:

„Die­ser Geist, der sogleich enthu­sia­sti­sche Zustim­mung erfuhr, wur­de von der nach­kon­zi­lia­ren Epo­che auf­ge­grif­fen, vor allem dank des Wer­kes der Pro­fes­so­ren Albe­ri­go und Mel­lo­ni aus Bolo­gna. Wie eine Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät in Anbe­tracht sol­cher Prä­mis­sen mög­lich ist, kann ich wirk­lich nicht begrei­fen“ (138).

Das Cha­os der Lit­ur­gie ist ein beson­ders aus­sa­ge­kräf­ti­ges Bei­spiel für den The­men­be­reich Kon­ti­nui­tät oder Dis­kon­ti­nui­tät:

„Auch wenn man zugibt, dass das Zwei­te Vati­ka­num für das nach­kon­zi­lia­re Cha­os im lit­ur­gi­schen Bereich nicht direkt ver­ant­wort­lich zeich­net, so tut es dies zumin­dest in indi­rek­ter Form, sowohl durch den zur Mode gewor­de­nen Ver­weis auf sei­ne Auto­ri­tät als auch durch die Anknüp­fung der lit­ur­gi­schen Neue­run­gen an den einen oder ande­ren Arti­kel [der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um] oder an die gesam­te Kon­sti­tu­ti­on“ (145).

Die falsch konzipierte „Menschenwürde“ als Grundlage einer falschen „Religionsfreiheit“

Brunero Gherardini
Bru­ne­ro Gher­ar­di­ni

Das The­ma der Reli­gi­ons­frei­heit, m. E. der wirk­mäch­tig­ste Punkt des Kon­zils, wur­de durch die Erklä­rung Digni­ta­tis huma­nae in ent­schei­den­der Wei­se ver­wirrt. Knapp fünf­zig Jah­re nach der Ver­ab­schie­dung die­ses ver­mut­lich schäd­lich­sten aller Kon­zils­do­ku­men­te sehen wir des­sen ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen allent­hal­ben. Sämt­li­che Ver­su­che, eine inhalt­li­che Kon­ti­nui­tät mit dem vor­her­ge­hen­den Lehr­amt zu kon­stru­ie­ren, über­zeu­gen nicht. Auch hoch­ge­bil­de­te Autoren dif­fe­rie­ren in der Ana­ly­se und Beur­tei­lung die­ses schil­lern­den Doku­ments erheb­lich (Andre­as Laun, Rober­to de Mattei, Tho­mas Pink, zuletzt — sehr sub­til — Edmund Wald­stein, um nur eini­ge zu nen­nen).

Man hat das Doku­ment in Kir­che und Welt ernst­ge­nom­men: Her­aus­ge­kom­men ist eine von der kirch­li­chen Füh­rung selbst (!) ver­ord­ne­ten Selbst­auf­ga­be der katho­lisch gepräg­ten Staa­ten und Völ­ker. Jeder Ver­such, die poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Sphä­re nach den Grund­sät­zen des Glau­bens und des Natur­rechts zu gestal­ten, wird mit Ver­weis auf das „Gewis­sen“ ande­rer, z. B. isla­mi­scher Ein­wan­de­rer, abge­schmet­tert bzw. auf­grund der erreich­ten Selbst­zen­sur von vorn­her­ein unter­las­sen. Dabei ist die uto­pisch kon­zi­pier­te „Gewis­sens­frei­heit“ das maß­geb­li­che Kri­te­ri­um. Gemäß die­ser Kon­zep­ti­on wür­den alle Men­schen auf­grund einer „Gewis­sens­ent­schei­dung“ ihre „Reli­gi­on“ aus­üben. Hier dür­fe man nicht inter­fe­rie­ren, schon gar nicht durch die welt­li­che Auto­ri­tät.

Nun, man muß nur betrach­ten, wel­che skur­ri­len, lach­haf­ten oder auch grau­sa­men Prak­ti­ken die nicht- und anti­christ­li­chen „Reli­gio­nen“ vor­schrei­ben – und die sol­len aus­ge­rech­net aus „Gewis­sens­grün­den“ prak­ti­ziert wer­den?

Das spot­tet jeder Lebens­er­fah­rung.

Und über­haupt: Wie­vie­le Zeit­ge­nos­sen leben denn wirk­lich — innen­ge­steu­ert — nach ihrem Gewis­sen? Doch kaum mehr als eine win­zi­ge Min­der­heit.

Nach­dem man aber gemäß Digni­ta­tis huma­nae jeg­li­chem Mum­pitz alle mög­li­chen Rech­te zuge­steht, ist damit der Weg der euro­päi­schen, christ­li­chen bzw. post­christ­li­chen Natio­nen auf ein Drit­te-Welt-Niveau vor­pro­gram­miert.

Gher­ar­di­ni meint, daß die­se Erklä­rung zwar „in abstrak­tem Sinn (…) ein­wand­frei“ sei (eine Ein­schät­zung, die der Rezen­sent nicht teilt), hält aber fest, daß es „kein abso­lut abstrak­tes Sub­jekt“ gibt, da jedes in kon­kre­ten Umstän­den und im Zusam­men­hang mit ande­ren steht.

Er weist dar­über hin­aus dar­auf hin, daß es gegen­über der geof­fen­bar­ten Wahr­heit kei­ne legi­ti­me Neu­tra­li­tät und kein Recht auf Igno­ranz gibt:

„Man möge sich unter­des­sen dar­an erin­nern, dass nie­mand gegen­über der Wahr­heit (Gott, der Offen­ba­rung, der wah­ren Reli­gi­on) mora­lisch frei ist. Ihre Unkennt­nis, wenn sie in direk­ter Wei­se frei­wil­lig ist, inso­fern sie die Ver­wei­ge­rung des­sen, was man zu wis­sen gehal­ten ist, beinhal­tet, stellt sogar eine der schwer­sten mora­li­schen Ver­ant­wort­lich­kei­ten dar – viel­mehr: die schwer­ste (…)“ (167).

A pro­pos Unkennt­nis: Da Papst Fran­zis­kus in einer sei­ner vie­len ver­un­glück­ten Stel­lung­nah­men den „Pro­se­ly­tis­mus“ ohne wei­te­re Spe­zi­fi­ka­ti­on als „Rie­sen­dumm­heit“ (solen­ne scioc­chez­za) ver­ur­teil­te, gleich­zei­tig aber zur — eben­falls nicht wei­ter spe­zi­fi­zier­ten — „Mis­si­on“ auf­rief, ist fol­gen­de Bemer­kung Gher­ar­di­nis von plötz­li­cher Dring­lich­keit:

„Es ist wahr, dass sich die Ver­ur­tei­lung des Pro­se­ly­tis­mus auf den­je­ni­gen erstreckt, der mit­tels Gel­des, Ver­spre­chun­gen, Ein­schüch­te­rung, Ver­leum­dung und Nöti­gung vor­geht. Es ist aber auch wahr, dass man heut­zu­ta­ge von allen Kan­zeln zum Pro­se­ly­tis­mus als sol­chem Nein sagt. Als ob er nicht zum Wesen der mis­sio­na­ri­schen Kir­che gehör­te“ (170).

Der Ökumenismus als Resultat schlampiger Analyse

Mas­siv kri­ti­siert wird die Ober­fläch­lich­keit des Öku­men­e­de­krets Uni­ta­tis red­in­te­gra­tio:

„Wel­cher ist also der Pro­te­stan­tis­mus von UR? (…) Die Rea­li­tät besteht dar­in, dass der Pro­te­stan­tis­mus heu­te kein ein­heit­li­ches Gesicht besitzt: er besitzt Dut­zen­de (…) In Ame­ri­ka gibt es ein gan­zes Gewim­mel von Sek­ten, die manch­mal mit der Hoch­fi­nanz und der berüch­tig­ten ‚ini­mi­ca vis‘ von Leo XIII. [gegen die Frei­mau­rer gerich­te­tes Schrei­ben vom 8. 12. 1892] in Ver­bin­dung ste­hen: Metho­di­sten, Bap­ti­sten, Quä­ker, Mor­mo­nen, Zeu­gen Jeho­vas, Zeu­gen des sieb­ten Tages. Ja, noch ein­mal stellt sich die Fra­ge: Wel­cher ist der Pro­te­stan­tis­mus von UR?“ (199)

Schlußfolgerung des Autors

Gher­ar­di­ni bekämpft den nicht zu recht­fer­ti­gen­den Ver­such, „DAS Kon­zil“ als letzt­maß­geb­li­che kirch­li­che Äuße­rung hin­zu­stel­len:

„[Die übli­che Mei­nung], nach der das Zwei­te Vati­ka­num alles und alles gut gesagt hät­te, führt zu der Kon­se­quenz, dass es für uns nichts mehr zu sagen gäbe und dass alles, was man sagen woll­te, ledig­lich eine getreue Wie­der­ga­be sei­ner kon­zi­lia­ren Bestim­mun­gen sein darf, mit dem ein­zi­gen Zweck, den Anfang zu einem neu­en Leben der Kir­che, wenn nicht gar zu einer neu­en Kir­che, zu bil­den (…) In Wirk­lich­keit hat die Beto­nung des Neu­en (…) den Effekt gehabt – manch einer hat dies jedoch beab­sich­tigt – dem letz­ten Kon­zil den Cha­rak­ter des gefürch­te­ten, unmög­li­chen und bekla­gens­wer­ten Neu­be­ginns zu ver­lei­hen“ (224).

Auch wenn Gher­ar­di­ni das Kon­zil nicht voll­stän­dig ver­wirft, sieht er doch klar den Zusam­men­hang der Kon­zils­tex­te mit den nach­kon­zi­lia­ren Ver­wir­run­gen und nennt Namen:

„Dass dann der libe­ra­le Geist der nach­kon­zi­lia­ren Epo­che Frei­räu­me für die Befrei­ungs­theo­lo­gien und die Theo­lo­gien ‚im Geni­tiv‘ eröff­net hat­te, stellt in der Tat kein Geheim­nis dar. (…) K. Rah­ner, H. Küng, E. Schillebe­eckx sind die­je­ni­gen Män­ner, die, wie ich schon öfter erwähnt habe, bahn­bre­chend waren, doch um sie her­um tum­melt sich die legio aus Mk 5,9“ (228f).

Gher­ar­di­ni sagt damit, daß die maß­geb­li­chen Kon­zils­theo­lo­gen vom Glau­ben abge­fal­len waren. Er rückt sie in die Nähe der „Legi­on“ von Dämo­nen, die der Herr aus dem Beses­se­nen von Gera­sa aus­trieb.

Kei­ne unan­ge­mes­se­ne Bewer­tung.

Resümee

Nach­dem heu­er Gedenk­ver­an­stal­tun­gen von infla­tio­nä­rem Aus­maß und ohne inhalt­li­cher Bedeut­sam­keit zum 50. Jah­res­tag des Abschlus­ses des Kon­zils (8. Dezem­ber 1965) zu erwar­ten sind, haben wir jeden Anlaß, die­ses wich­ti­ge Buch gründ­lich zu kon­sul­tie­ren und dar­aus Kon­se­quen­zen abzu­lei­ten. Beson­ders die öster­rei­chi­schen Bischö­fe soll­ten das tun. Es wäre für alle von Nut­zen.

Das Buch in deutscher Ausgabe
Das Buch in deut­scher Aus­ga­be

In Zei­ten enor­men Kon­for­mi­täts­drucks im Fal­schen und Revo­lu­tio­nä­ren hat ein sol­ches Buch gera­de­zu kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­res Poten­ti­al.

Sym­pto­ma­tisch für unse­re Zeit ist es dem­zu­fol­ge auch, daß in unse­ren Tagen ein „ver­fehl­tes Kon­zil“ (un con­ci­lio man­ca­to, Rani­e­ro la Val­le) aus­ge­rech­net von einem Papst wie­der­auf­ge­grif­fen wird, der mit dem Jesui­ten­or­den einer Ordens­ge­mein­schaft ent­stammt, die in fünf­zig Jah­ren auf weni­ger als die Hälf­te der Mit­glie­der­an­zahl gefal­len ist (ca. 17.000).

Und die schon lan­ge nicht mehr als katho­li­sche Ver­ei­ni­gung erkenn­bar ist.

Auch die Gesell­schaft Jesu ist zugleich Täter und Opfer der Apost­asie in der kon­zi­lia­ren Kir­che. Wo der Glau­be ver­schwin­det, ver­schwin­den auch Ver­nunft und rech­tes Wol­len. Die (so gut wie) lee­re Hül­le des Ordens wird im Dienst der welt­lich Mäch­ti­gen für grün­dungs­frem­de Zwecke miß­braucht.

Der Nie­der­gang von Papst­tum und Jesui­ten­or­den, der­zeit in einer ein­zi­gen Per­son ver­sinn­bild­licht, ist tra­gisch.

Und da der Zustand der Kir­che sich unwei­ger­lich auf den Zustand der Welt aus­wir­ken muß, sind die Irrun­gen eines ver­rä­te­ri­schen Kon­ven­ti­kels von Kir­chen­füh­rern und Theo­lo­gen naht­los auf Poli­tik und Kul­tur über­ge­gan­gen.

Ein gro­ßes Lob geht an die Über­set­ze­rin, der eine sehr gut les­ba­re Text­ver­si­on gelun­gen ist. Sie hat sich auch die Mühe gemacht, zahl­rei­che wert­vol­le ergän­zen­de Erklä­run­gen als Fuß­no­ten anzu­fü­gen. Auch das Lek­to­rat hat her­vor­ra­gend gear­bei­tet.
Dank daher an Ver­le­ger und Über­set­ze­rin und beson­ders an den Autor, dem wir zum 90. Geburts­tag am 1. Febru­ar herz­lich gra­tu­lie­ren wol­len!

Bru­ne­ro Gher­ar­di­ni, Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – Ein aus­ste­hen­der Dis­kurs, Deutsch von Clau­dia Bar­thold, Car­t­hu­sia­nus-Ver­lag, Mühlheim/Mosel 2010, 239 S., 18.30 [A] (Orig. Con­ci­lio Ecu­me­ni­co Vati­ca­no II – UN DISCORSO DA FARE, Casa Maria­na Edit­ri­ce, Fri­gen­to 2009)

*MMag. Wolfram Schrems, Linz und Wien, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist

Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

34 Kommentare

  1. Der heu­ti­ge Kar­di­nal Ran­jith hat sei­ner­zeit als Erz­bi­schof und dama­li­ger Sekre­tär der vati­ka­ni­schen Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on bereits ein Vor­wort zu einem neu­en Buch über lit­ur­gi­sche Anlie­gen von Kar­di­nal Fer­nan­do Anto­nel­li­s…
    „EINE REFORM DER LITURGIEREFORM !“ geschrie­ben.

    Dies auf­grund der unfass­ba­ren lit­ur­gi­schen Miss­stän­de nach dem Vati­ca­num II.

    Er nann­te im Beson­de­ren eini­ge Prak­ti­ken, die nie­mals im Ein­klang mit dem Vati­ca­num II. stün­den wie z.B.:

    – die Mes­se ver­sus popu­lum
    – die Hand­kom­mu­ni­on (!)
    – das völ­li­ge Ver­schwin­den des Lateins und des gre­go­ri­an­si­chen Cho­rals
    – die völ­lig miss­ver­stan­den „täti­ge Teil­nah­me“ der Gläu­bi­gen an der hei­li­gen Eucha­ri­stie

    Wei­ter nennt er ekla­tan­te Ver­säum­nis­se:

    Ver­drän­gung von fun­da­men­ta­len Glau­bens­grund­la­gen wie
    – Opfer und Erlö­sung,
    – Mis­si­on,
    – Ver­kün­di­gung und Bekeh­rung,
    – Anbe­tung und
    – die Kir­che als Not­wen­dig­keit für die Ret­tun­g…

    statt­des­sen…
    „Dia­log“, Inkul­tu­ra­ti­on, Öku­me­ne, Eucha­ri­stie als Mahl, Evan­ge­li­sie­rung als Bezeugung…etc…

    Hw Pro­fes­sor May brach­te es in einem Inter­view mit der „Kirch­li­chen Umschau“ auf den Punkt:

    „Was immer man für oder gegen das Kon­zil sagen mag:
    Mit dem Kon­zil begann das Ende jeder Sicher­heit in Fra­gen der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re sowie der kirch­li­chen Ord­nung.
    Die nach­kon­zi­lia­re Bewe­gung ist nicht nur über das Kon­zil hin­aus­ge­schrit­ten, son­dern hat sich in gewich­ti­gen Punk­ten gegen das Kon­zil gestellt.“
    .
    „Was in die­ser Zeit vor sich gegan­gen ist, das ist die – ver­such­te – Selbst­zer­stö­rung.“
    .
    „Die Zer­stö­rung der kirch­li­chen Leh­re geht von den Theo­lo­gen aus.“
    .
    „Lie­ber Dut­zen­de von Pro­fes­so­ren und viel­leicht gan­ze Fakul­tä­ten ver­lie­ren als die­se Ein­falls­to­re der Häre­sie wei­ter offen hal­ten.“
    .
    „Das Schlimm­ste, was der Kir­che in der gegen­wär­ti­gen Kri­se pas­sie­ren könn­te, wäre die Nach­gie­big­keit gegen­über den For­de­run­gen des Pro­gres­sis­mus und des Zeit­gei­stes – was bei­des oft zusam­men­fällt.“
    .
    „Es ist offen­kun­dig, daß die Kri­se der Kir­che eine Kri­se der Bischö­fe ist.“

    Hw May for­dert wei­ter,
    dass die Aus­bil­dung der Prie­ster zu den Prin­zi­pi­en zurück­keh­ren müs­se, die vor dem Vati­ca­num II. gal­ten.

    Eine wei­te­re Ana­ly­se von Hw Sie­be­rer :
    -
    „In den Pfar­ren fin­det man immer wie­der älte­re Prie­ster, die sich selbst als „fru­strier­te Kon­zils­ge­nera­ti­on” bezeich­nen, und Jahr­zehn­te lang die Anthro­po­zen­trik bis zum Glau­bens­zwei­fel gelebt haben. Doch was ist aus dem ange­kün­dig­ten gro­ßen Auf­bruch nach dem Kon­zil gewor­den? War die Öff­nung zur Welt nicht häu­fig eine erstaun­lich ein­falls­lo­se Anbie­de­rung an den Zeit­geist? Wo sind die Mas­sen in die Kir­che geströmt, die man durch die „Moder­ni­sie­run­g” der Lit­ur­gie und Ver­kün­di­gung gewin­nen woll­te? 

    Zehn­tau­sen­de Prie­ster haben in der Zeit nach dem Kon­zil ihr Amt auf­ge­ge­ben, vie­le sind in ihrem Den­ken und Tun zum Pro­te­stan­tis­mus kon­ver­tiert und unzäh­li­ge haben vor lau­ter Ent­täu­schun­gen mit den Men­schen ihre Freu­de an Gott ver­lo­ren. “
    -

  2. Da ich theo­lo­gisch nicht all­zu gebil­det bin,kann ich mich natür­lich nur mehr oder weni­ger lai­en­haft ausdrücken,das bit­te ich zu ent­schul­di­gen.
    Trotz­dem hal­te ich das Argument,das heu­te auch sei­tens der Kir­che pau­sen­los ver­wen­det wird,das ALLE Reli­gio­nen Gott suchen wür­den für falsch.
    Das mag ja bis zum Auf­tre­ten von Jesus Chri­stus so gewe­sen sein,aber seit­dem Gott Mensch wurde,muß ihn nie­mand mehr suchen,zumal das Evan­ge­li­um nun in aller Welt ver­kün­det ist.
    Ganz zu schwei­gen von den elek­tro­ni­schen Medien,der sich doch die mei­sten Men­schen heu­te bedie­nen kön­nen.
    Es ist ja kei­ne Kunst,Menschen in einer Reli­gi­on zu halten,wenn man die „Abtrün­ni­gen“ mit dem Tode bedroht.
    Somit fällt das Argu­ment mit der „Got­tes­su­che“ in sich zusam­men und ist nur eine lee­re Aus­re­de.
    Das es von kirch­li­cher Sei­te ver­wen­det wird,ist aller­dings ver­hee­rend.
    Aber viel­leicht ist es ja so von Gott gewollt?

    • Gott hat nicht vie­le Wahr­hei­ten offen­bart, son­dern eine Wahr­heit. Alle Men­schen sind ver­pflich­tet, die­se Wahr­heit anzu­neh­men. Die Reli­gio­nen sind im besten Fall mensch­li­che ver­su­che, sich Gott zu nähern — ohne Ihn errei­chen zu kön­nen. Nur das Chri­sten­tum; der katho­li­sche Glau­be; ist von Gott geof­fen­bart. Gott wur­de Mensch in Jesus Chri­stus, um die Men­schen zu erlö­sen. Das ist der ein­zi­ge Weg.

    • Ich den­ke, Sie haben den Kern getrof­fen und das ohne theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung. Wer an Jesus Chri­stus glaubt, der hat den Glau­ben. Und damit ist alles gesagt.

      • Dan­ke !!
        In dem heu­ti­gen Wirr­war kommt man wahr­schein­lich nur noch mit dem „Bauch­ge­fühl“ wei­ter.

    • Es ist tat­säch­lich nicht wahr daß alle Reli­gio­nen Gott suchen:
      Geehr­te @Stella,
      Es gibt auch Reli­gio­nen und Phi­lo­so­phien die den Satan suchen (kommt übri­gens häu­fi­ger vor als man denkt), ande­re suchen den Men­schen und die Well­ness.

      Beson­ders bri­sant wird es Hir­ten der Hl. Kir­che inner­lich vom Glau­ben abfal­len und ande­re Zie­le anvi­sie­ren; die Figur des gefal­le­nen Engels Luzi­fer ist dafür ein präch­ti­ges Bei­spiel.
      Nicht umsonst bedeu­tet der Name des Erz­engels St. Micha­el auf Hebrä­isch „Wer ist wie Gott?“- gera­de­zu suchend nach den Per­so­nen mit der Hybris sich gegen Gott zu erhe­ben.
      Das Bauch­ge­fühl ist übri­gens ein her­vor­ra­gen­des Ori­en­tie­rungs­or­gan.

  3. Ich ver­ste­he nach den Aus­füh­run­gen jedoch nicht, wie­so Gher­ar­di­ni dann das Kon­zil „nicht voll­stän­dig ver­wirft“ bei DER Bilanz, die sogar die Dämo­nen als Urhe­ber bemüht…

      • „Le style c’est l’hom­me „(Buf­fon)
        Es tut übri­gens gut zu sehen, daß es noch alte Gelehr­ten mit einer schö­nen Hand­bi­blio­thek gibt.

    • Die Fra­ge nach der Ver­wer­fung des Vati­ka­nums Zwei sehe ich auch. Wenn ich nur die Betrach­tun­gen zum Islam lese, da kann ich auch nicht zustim­men und in Ande­rem mehr.

    • Kann es sein, dass Sie bei­de den Ernst der Aus­sa­ge unter­schät­zen:

      Wenn auf dem Kon­zil tat­säch­lich dämo­nen gewirkt haben soll­ten, dann ist das GANZE Kon­zil zu ver­wer­fen.
      Denn die Kir­che hat stets gelehrt: ein Gan­zes kann nicht teils wahr und teils falsch sein. Wenn nur ein Teil falsch ist, ist das Gan­ze falsch.
      Das hand­habt selbst das welt­li­che Recht bis heu­te in vie­len Fäl­len so: wenn in einem Miet­ver­trag ein Geset­zes­bruch steckt, ist der gesam­te Ver­trag in allen Klau­seln ungül­tig — und das ist auch die allei­ne logi­sche Sicht­wei­se.
      Wer nicht im gan­zen geset­zes­treu, der ist nicht geschäfts­fä­hig.
      So auch in der Reli­gi­on.
      Es ist im übri­gen auch nicht Leh­re der Kir­che, sich mit in den Sand gesteck­tem Kopf („wer schläft, der sün­digt nicht“), aus eige­ner Kraft vor der Sün­de zu ret­ten. Im Gegen­teil: wer das Talent ver­gräbt, sün­digt schwer…

      • Der Gedan­ke hat zwar etwas fast Gru­se­li­ges aber wenn man alles kon­se­quent zuen­de denkt,nur logisch.
        Das wür­de dann aber auch auf den jet­zi­gen Papst zutreffen,das habe ich schon die gan­ze Zeit gedacht,wenn er mal fal­sches und mal wah­res sagt,dann.….siehe oben.
        Bon­ny Tyler singt gera­de: „total eclip­se of the heard“-passt irgend­wie…

      • @ zeit­schnur
        Mei­ne Ant­wort auf Ihren auf­rich­tig geschätz­ten Kom­men­tar war ernst­haf­ter als es den Anschein hat, nur ein wenig chif­friert.
        Es ver­geht kein Tag, wo ich nicht nach der Kir­che Chri­sti suche, wie jemand, dem in der Kind­heit die Mut­ter gekid­nappt wur­de und der trotz­dem an dem Gerücht hängt, dass sie noch irgend­wo am Leben ist, und es sich zur Auf­ga­be für ihm ver­blei­ben­de Erden­frist gemacht hat, sie zu fin­den. Die­ses Gleich­nis stammt übri­gens nicht von mir, son­dern aus die­sem Arti­kel einer ehren­wer­ten katho­li­schen Dame: http://betrayedcatholics.com/wpcms/articles/a‑catholics-course-of-study/introduction/where-is-the-church/
        Bit­te lesen Sie ihn ein­mal und, falls er Ihnen etwas zu sagen hat, durch­käm­men Sie die Web­site und las­sen Sie mich — und die Lei­dens­ge­fähr­ten auf die­sem Forum natür­lich auch — Ihre Mei­nung wis­sen.

      • @ stel­la

        Natür­lich den­ke ich das über F. — das weiß jeder, der mich hier kennt schon, seit­dem er die ersten selt­sa­men Sät­ze gesagt hat… Irgend­wie war mir das sofort klar. Aller­dings soll­te man nicht das Kind mit dem Bade aus­schüt­ten und nun alles, was er sagt, nun auch noch extra verwerfen…entweder es ist im Wider­spruch zur Leh­re der Kir­che, oder er sagt gera­de mal etwas, was rich­tig ist. Aber das ist unab­hän­gig davon, dass er es sagt, rich­tig.
        Im gan­zen aber ist er falsch.
        Auch der ehe­ma­li­ge „Engel des Lichts“, der zum Für­sten der Fin­ster­nis wur­de, flü­stert dem Men­schen so viel Wah­res ein, aber den­noch qua­li­fi­ziert ihn nur das Fal­sche als den Bösen. Auf die­se Mischung fiel sei­ner­zeit Eva her­ein und ließ sich täu­schen.
        Ihre Täu­schung soll­te uns alle war­nen — wer auch nur eine unwah­re Behaup­tung wider bes­se­res Wis­sen (das gilt also nicht für Ungläu­bi­ge, denn die wis­sen es nicht bes­ser!) auf­stellt, dem ist ins­ge­samt nicht zu fol­gen, auch wenn er man­ches ande­re sagt, das nicht falsch ist.
        Wären wir hier kon­se­quen­ter, blie­be uns man­ches erspart.

      • @ LL

        …dan­ke fürn Link. Das muss ich mir in Ruhe anse­hen. Über Home­aloners und das alles habe ich schon zuvor was gele­sen, aber ich muss mir das hier genau durch­le­sen.

        Das Titel­bild mit den Wor­ten der Maria Mag­da­le­na ist sehr ein­gän­gig, aller­dings ist ja die Kir­che nicht sein Grab und sie durf­te IHM ja gleich drau­ßen vor der Gra­be­stür begeg­nen … und erkann­te IHn erst nicht.
        Und sie erhielt den Auf­trag, den Jün­gern bescheid zu sagen…

        Das muss man dann dazu den­ken zu dem Bild.

        Also dann bis dem­nächst, wenn ich das gele­sen und durch­dacht habe…

      • Dann eben noch die­ser mE wich­ti­ge Arti­kel, an den man nur durch Suchen her­an­kommt, weil der Link nicht funk­tio­niert. Dar­in ist belegt, dass Apo­sto­li­zi­tät nicht nur gül­ti­ge Wei­he, son­dern unbe­dingt auch Juris­dik­ti­on vor­aus­setzt:
        „Apo­sto­lic Suc­ces­si­on: Are Schis­ma­tic Cler­gy And Lay­men Suc­ces­sors Of The Apost­les?“
        http://betrayedcatholics.com/wpcms/free-content/reference-links/1‑what-constitutes-the-papacy/apostolic-succession-are-schismatic-clergy-and-laymen/

      • @ LL

        Ich hab das mal über­flo­gen. Das scheint mir dar­an zu kran­ken, dass es die Juris­dik­ti­on höher bewer­tet als das real der Fall ist. Die Kir­che hat z.B. die Sakra­men­te der schis­ma­ti­schen und teil­wie­se auch häre­ti­schen Ortho­do­xie den­noch nicht für ungül­tig erklärt — obwohl doch die „von der Juris­dik­ti­on abge­schnit­ten“ sind. „Ex ope­re ope­ra­to“ heißt ja gera­de, dass die Bin­dung an die Inten­ti­on oder den behörd­li­chen Auf­trag­ge­ber geschwei­ge die per­sön­li­che Rein­heit des Spen­ders abso­lut unter­ge­ord­net zu sein schei­nen! Der von Ihnen genann­te Blog nimmt hier aber eine Posi­ti­on ein, die mög­li­cher­wei­se selbst häre­tisch ist. Zita­te, wie z.B. das von Tri­ent, pas­sen nicht auf unse­re Situa­ti­on und mei­nen eine sol­che auch nicht — das berück­sich­tigt sie über­haupt nicht.

        Rich­tig ist, dass jeder Kle­ri­ker gewis­ser­ma­ßen „gesandt“ sein muss von der Kir­che mit ihrem Papst an der Spit­ze. Das „funk­tio­niert“ z.Zt. nur noch theo­re­tisch — etwa so wie beim gro­ßen abend­län­di­schen Schis­ma, wobei dort kei­ne Häre­si­en in der Leh­re ver­kün­det wor­den sind, weder durch die eine noch die ande­re Sei­te. Den­noch konn­te es schwer­lich meh­re­re Päp­ste geben und einer/bzw. zwei oder sogar alle drei waren fal­sche Päp­ste — wie man ja sah, waren alle Päp­ste kei­ne zwei­fels­frei recht­mä­ßi­gen Päp­ste. Bei­de bzw. alle drei Sei­ten haben jedoch unbe­strit­te­ne kano­ni­sche Hei­li­ge und ihre Wei­hen und Sakra­men­te bwurden durch Mar­tin V. aner­kannt. Die­se histo­ri­schen und juri­sti­schen Fak­ten spre­chen gegen die The­sen die­ser Web­site.

        Der Arti­kel dürf­te hier also nicht ganz rich­tig lie­gen, den Sie ver­lin­ken.

      • Geehr­te @zeitschnur,
        Sie ver­ges­sen die sog. sal­va­to­ri­sche Klau­sel bei Geschäfts­ver­trä­gen.
        Die Ortho­do­xen nen­nen das die „oiko­no­mia“:
        man ver­sucht die Essenz zu behal­ten und zu ret­ten unter Inkauf­nah­me von Abwei­chun­gen bei nicht wich­ti­gen Details.
        Aber da gebe ich Ihnen recht: das gilt jedoch nicht für Kon­zils­tex­te oder ein Kon­zil.

      • @ adri­en antoi­ne

        Nein, die sal­va­to­ri­sche Klau­sel habe ich kei­nes­wegs ver­ges­sen, aber sie ist in vie­len Fäl­len nicht nur unwirk­sam, son­dern sogar gefähr­lich — für den, der sie miss­braucht:
        Im deut­schen Miet­recht gilt längst, dass eine ein­zi­ge sit­ten­wid­ri­ge Klau­sel im ver­trag den gan­zen ver­trag unwirk­sam macht (nach BGH-Urteil), ein gro­ßes The­ma auch bei AGBs — z.B. hier: http://www.it-recht-kanzlei.de/salvatorische-klausel-abmahnung.html

  4. H/F @arthuis:
    1. Natür­lich will „man“ die Wahr­heit nicht hören.
    Kein Mensch hört ger­ne die lau­te Fest­stel­lung eines Deba­kels, wenn das durch die Ver­wirk­li­chung eines Jugendtraums/Lebensziels ent­stan­den ist.
    Man steht vor den Scher­ben einer fehl­ge­lau­fe­nen Ideo­lo­gie- und ist jetzt wahn­sin­nig fru­striert und ver­bit­tert (und auf die Fran­cis­ka­ner und Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­cu­la­ta wer­den die­se Frust und Wut los­ge­las­sen).
    2. Die Pro­gres­si­sten haben nicht erst „in zeit­li­chen abstand“ die Errun­gen­schaf­ten des 2. V.K. kri­tisch gese­hen: P. de Lub­ac SI hat schon in 1965 (also 1,5 Jah­ren bevor die­ses Kon­zil geschlos­sen wur­de) sehr deut­lich auf die Aberra­tio­nen hin­ge­wie­sen und auch pro­te­stiert; und Msgr. Phil­ips, trei­ben­de Kraft bei vie­len und den wich­tig­sten Kon­zils­tex­ten (und auch Ver­fas­ser über Nacht der berühm­te nota pra­e­via expli­ca­ti­va), hat schon 1970, mit der pasto­ra­len und lit­ur­gi­schen Ver­hee­run­gen vor Augen und mit offe­ner und sehr bis­si­ger Kri­tik von Treu­ka­tho­li­schen kon­fron­tiert, nur und stets wie­der­holt gestam­melt: „…Sed Deus est qui iudi­cat.“
    (Das ist 3 Jah­re nach dem Kon­zil, von 2zeitlichem Abstand gespro­chen; bei P. de Lub­ac SI wäre es dann ‑1, Jah­ren (minus!))
    3.Die Ver­tei­di­gung der Wahr­heit war noch nie an einer Mehr­heis­po­si­ti­on gebun­den.
    Das weiß das Chri­sten­tum spä­te­stens seit den Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem Aria­nis­mus.
    4.Wer jetzt Pro­te­stant ist, das ist in der Tat die Fra­ge. die EKD hat sich eini­ger­ma­ßen ver­sucht zu ret­ten durch die Aner­ken­nung der einen Tau­fe und das Glau­bens­be­kennt­nis (wobei dann natür­lich spä­te­stens bei „katholisch/christlich“ und „Kir­che“ die Pro­ble­me gewal­tig wer­den.
    Immer mehr wird der Pro­te­stan­tis­mus als „cloud“ ange­se­hen bzw. ent­wickelt sich dazu- die Mor­mo­nen und die Zeu­ge von Jeho­va gehö­ren sicher dazu)
    (Wobei Luthe­ra­ner, Kal­vi­ni­sten, Men­no­ni­ten, Täu­fer, Qua­ker, Hutter­rer usw. sich selbst kaum als „Pro­te­stie­ren­de“ sehen).
    5. Mit dem Vor­wurf v. „zwang­haf­tem Auf­tau­chen v. frei­mau­re­ri­schen Ver­bin­dun­gen“ soll­ten Sie Vor­sicht sein: es gab sehr vie­le Ver­bin­dun­gen, und wohl an der damals größ­ten katho­li­schen Uni­ver­si­tät in Löwen, beson­ders bei Kard. Mer­cier, auch im dor­ti­gen Insti­tut f. Moral­phi­lo­so­phie (wor­aus spä­ter vie­le Vor­den­ker und Prot­ago­ni­sten des 2. Vat. Kon­zils stamm­ten), sehr stark bei Sue­n­ens spä­ter bis in das Joh.XXIII-Seminar in Löwen unter Dan­neels ( mit einer gro­ßen Zahl an nicht­falsch­zu­in­ter­pre­tie­ren­den Fotos doku­men­tiert).
    God­fried Dan­neels ist übri­gens gut befreun­det mit dem frü­he­ren Vor­sit­zen­den d. Loge des Grand-Ori­ents (sie ver­su­chen gegen­sei­tig Rekla­me für ihre (zum Glück nicht gut ver­kau­fen­de) Bücher zu machen.
    Es ist noch viel schlim­mer als man gemein­hin denkt.
    (Übri­gens: ich bin ggb. Frei­mau­rer nicht zwang­haft: ich habe beruf­lich mit ihnen zu tun gehabt und bin per­sön­lich nie belä­stigt wor­den; um EB Ful­ton Sheen zu zitie­ren: Into­le­ranz bezieht sich immer auf Ideo­lo­gien, Tole­ranz immer auf Per­so­nen).

  5. Ihre Fra­gen sind berech­tigt, aller­dings kann ich Ihre Fol­ge­run­gen teil­wei­se nicht beja­hen.

    Es ist wie ein blin­der Fleck bei den Tra­di­tio­na­li­sten, dass sie sich die Kir­che vor dem Kon­zil wie einen mono­li­thi­schen, völ­lig star­ren Block vor­stel­len, in dem ALLES immer gleich und „sicher“ war.

    Es ist mir eben­falls unbe­greif­lich, wie man das so sehen kann — das geht eigent­lich nur, wenn man kei­ner­lei freie und quel­len­fun­dier­te Geschichts­kennt­nis­se hat… ich ken­ne sogar Tra­di­tio­na­li­sten, die bei allem Unlieb­sa­men, das die Geschich­te uns ver­mel­det, behaup­ten, das sei­en frei­mau­re­ri­sche Geschichts­klit­te­run­gen. Natür­lich ist es denk­bar und nie­mals unwahr­schein­lich, dass ein Geschichts­bild falsch oder bewusst gefälscht ist. Aber das soll­te man nach­wei­sen.
    Geschichts­wis­sen­schaft ist immer sowohl ein Rekon­struk­ti­ons­ver­such ver­gan­ge­ner kom­ple­xer Wirk­lich­keit und zugleich der Ver­such, dar­über in der Gemein­schaft, die sich dar­auf grün­det, eine Tra­di­ti­on zu bil­den.
    Ob die­se Rekon­struk­ti­ons­ver­su­che und Tra­di­tio­nen über­haupt so der Wahr­heit ent­spre­chen, ist eine Fra­ge, die immer wie­der und immer wie­der nue gestellt wer­den muss und gestellt wer­den darf.

    Der Tra­di­tio­na­lis­mus ver­wei­gert aber genau die­sen stän­di­gen Refle­xi­ons­pro­zess und ver­hin­dert damit auch jede Mis­si­on, jede Ent­fal­tung — also alles das, was die Kir­che dem Auf­trag Jesu gemäß und natür­lich in der Bezie­hung zu den jewei­li­gen Zei­ten und Kul­tu­ren getan hat. Her­aus­kommt dabei nur das­sel­be, was die Pro­te­stan­ten teil­wei­se in ihrer evan­ge­li­ka­len Aus­prä­gung schon erfolg­los prak­ti­zie­ren: die Erstar­rung in einem Moment der Geschich­te brin­ge gewis­ser­ma­ßen das Para­dies — welch ein Unsinn!

    Ich kann Ihnen aber nicht zustim­men, wenn Sie sagen, die kirch­li­che Ord­nung sei kein Garant für Sicher­heit gewe­sen. Nicht für abso­lu­te, rein dies­sei­tig ver­stan­de­ne Sicher­heit, aber für siche­ren Zugang zu den Sakra­men­ten und zur Auf­nah­me in den mysti­schen Leib Chri­sti. Sicher­heit auch inso­fern, als es eine regu­la fidei remo­ta gibt — den festen und unver­han­del­ba­ren Kern der Leh­re, für den Men­schen im Hier und jetzt aber die regu­la fidei pro­xi­ma, die allei­ne durch das Lehr­amt eben für die Gegen­wart gilt. So hat die Kir­che auch immer gelehrt, dass der Gläu­bi­ge zuerst die­se „pro­xi­ma“ aner­ken­nen soll und nicht etwa die „remo­ta“ gegen den Papst aus­spie­len darf. Der Papst (und Kon­zi­li­en unter sei­ner Füh­rung) aber darf sei­ner­seits nicht mit pro­xi­ma-Aus­le­gun­gen der remo­ta logisch wider­spre­chen. Nun ist aber genau das mas­siv gesche­hen!
    Was die „pro­xi­ma“ betrifft konn­te aber sehr wohl sein, dass in ihr eine bestimm­te „proxima“-Regel oder Pra­xis, wenn sie nicht zum dog­ma­ti­schen Glau­bens­gut gehör­te, sehr wohl einer frü­he­ren wider­spre­chen kann. Das war das, was vor dem Kon­zil galt. Rele­vant war stets die aktu­el­le Leh­re durch den Papst!
    Wenn also Tra­di­tio­na­li­sten UND Pro­gres­si­ve immer wie­der irgend­wel­che uralten Tex­te von gerin­ger Glau­bens­ge­wiss­heit her­vor­zer­ren und gegen jün­ge­re Pra­xis aus­spie­len, dann ist das tat­säch­lich eben­so häre­tisch.

    • @ zeit­schnur
      Die Fra­ge aller Fra­gen ist: Ent­hält das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil Häre­si­en, ja oder nein.
      Wenn ja, dann hat am 8. Dezem­ber 1965, dem Tag des fei­er­li­chen Kon­zils­ab­schlus­ses, off­zi­ell eine neue Kon­fes­si­on begon­nen. Alle Päp­ste seit­her, ein­schließ­lich des­sen, der es ein­be­rief, sind dann Häre­ti­ker und folg­lich nicht Päp­ste der römisch-katho­li­schen Kir­che und ist der apo­sto­li­sche Stuhl in Wirk­lich­keit seit dem 9. Okto­ber 1958 ( † Papst Pius XII.) vakant. Was die tra­di­to­na­li­sti­schen Grup­pen aber nicht wahr­ha­ben wol­len: dann gibt es seit­her aber auch kei­ne Juris­dik­ti­on mehr und alle ihre Bischö­fe und Prie­ster, von der FSSPX über den „Wider­stand“ bis zu den Kon­kla­vi­sten und Sedis­va­kan­ti­sten, han­deln ohne Juris­dik­ti­on, ohne kirch­li­chen Auf­trag, im Unge­hor­sam gegen gel­ten­des Recht (das Recht bis 9.10.58), ohne apo­sto­li­schen Auf­trag, im eige­nen Namen und auf eige­ne Rech­nung, im Unge­hor­sam gegen Gott. Es gibt kei­ne Sakra­men­te mehr, die nur vom Kle­rus gespen­det wer­den kön­nen, da es kei­nen römisch-katho­li­schen Kle­rus mehr gibt; nur noch Tau­fe und Ehe­schlie­ßung sind gül­tig und erlaubt.
      Wenn nein, wenn das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil kei­ne Häre­si­en ent­hält, dann sind auch die zweit­va­ti­ka­ni­schen Päp­ste gül­tig und recht­mä­ßig im Amt, und dann ist ihnen Gehor­sam geschul­det — wie Sie zurecht sagen: als regu­la fidei pro­xi­ma. Katho­li­zis­mus ist essen­zi­ell defi­niert durch Gehor­sam gegen den Papst! Dann ist der ein­zi­ge legi­ti­me Tra­di­tio­na­lis­mus der­je­ni­ge der Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten. Dann aber, o zeit­schnur, dann ist Kor­anküs­sen, gemein­sa­mes Beten mit afri­ka­ni­schen Hexen­prie­stern, Ehr­furcht für ein sata­ni­sches „hei­li­ges“ Buch und des­sen sexo­ma­nen, pädo­phi­len und geno­zi­di­schen Pro­phe­ten … (um nur ein aktu­el­les, beson­ders dra­sti­sches und schwer­wie­gen­des Bei­spiel zu nen­nen), dann ist das, nach­dem es 1.900 Jah­re lang ein tod­sünd­li­cher Ver­stoß gegen das 1. Gebot war, plötz­lich, von einem Tag auf den andern, gut !?!?

    • @ LL

      Ich gehe von der ersten Lösung aus, fol­ge Ihnen aber nicht, was die Juris­dik­ti­on betrifft, inso­fern die­sel­be ja durch eine Sedis­va­kanz nicht ein­fach ver­schwin­det. Sie hat auch in einer Sedis­va­kanz Gel­tung — solan­ge, bis wie­der ein recht­mä­ßi­ger Papst kommt. Das wur­de nie anders gehand­habt! Und die Kir­che hat lan­ge Sedis­va­kanz­zei­ten mit fal­schen Gegen­päp­sten, Gegen­bi­schö­fen und man­geln­den Inten­tio­nen bei kor­rekt gespen­de­ten Sakra­men­ten über­stan­den!
      Es kön­nen alles Sakra­men­te wei­ter gespen­det wer­den: ein gül­tig geweih­ter Bischof kann Bischö­fe wei­hen (Msgr. Thuc hat­te sogar die aus­drück­li­che und schrift­li­che Geneh­mi­gung von Pius XI. dazu, dies ohne Rück­spra­che mit dem Papst zu tun!), ein Prie­ster darf seit Pius XII. auch fir­men ohne Rück­spra­che mit dem Bischof, falls ein Not­fall vor­liegt. Ein Prie­ster kann immer gül­tig das Hl. Mess­op­fer fei­ern und die Kran­ken­sal­bung voll­zie­hen.

      Tau­fe und Ehe kön­nen aller­dings von jedem Lai­en und jeder Lai­in gespen­det wer­den. Das macht sie am „unpro­ble­ma­tisch­sten“.
      Sie haben aber recht hin­sicht­lich aller Tra­di­tio­na­li­sten, die sich wei­gern eine Sedis­va­kanz anzu­neh­men. Wie ich schon oft sag­te, haben sie sich in einen absur­den Wider­spruch ver­strickt und sind nach ihrem eige­nen Bekennt­nis schis­ma­tisch. Pro­ble­ma­tisch ist bei ihnen auch, dass sie ver­su­chen, das Lehr­amt zu „erset­zen“ oder zu „beleh­ren“. Die FSSPX hat defi­ni­tiv nichts zu leh­ren und auch nichts zu ver­lan­gen von den Gläu­bi­gen! Sie kann nur im War­te­stand, sofern sie den Papst nicht für den Papst hält, Sakra­men­te spen­den. Sie kann (öffent­lich) kon­tem­plie­ren — so wie jeder Katho­lik das bei Beru­fung kann, man­che® sogar inspi­riert.

      Die Fra­ge, wo also die Kir­che ist, ist schwer, aber doch ein­deu­tig zu beant­wor­ten: da, wo noch gül­ti­ge Sakra­men­te gespen­det wer­den.
      Aber sie ist so deso­lat, dass ich mir nicht vor­stel­len kann, wie das noch ein­mal geheilt wer­den soll. Schon die vori­gen Kir­chen­spal­tun­gen und Schis­men oder Ver­kom­men­hei­ten in Rom haben die Kir­che an den Rand des Zer­bruchs geführt. Aber immer war noch soviel Sub­stanz da, dass es gera­de noch mal ging. Heu­te?

      All die­se Vor­komm­nis­se, die gan­ze Zeit der Kir­che steht unter dem Wort „Bald!“ Da war nie was ide­al und das Böse hat immer ver­sucht, in der Kir­che Raum zu gewin­nen, mit teil­wei­se gro­ßem Erfolg, aller­dings nie unter Auf­he­bung der Leh­re. das ist fun­da­men­tal ver­schie­den zur heu­ti­gen Lage. Alles steht unter dem Zei­chen des „Bald!“
      Wenn Jesus sag­te: „Bald!“ mein­te er ein „Bald!“, das auch ein nor­ma­ler Mensch noch als „Bald!“ ver­ste­hen kann.
      „Bald“ war schon zu Zei­ten der Apo­stel. „Bald“ war auch zu Zei­ten der Kon­stan­ti­ni­schen Wen­de. „Bald“ war in der gesam­ten Zeit des auf­stei­gen­den Pap­ttums, das mit der Welt um die Macht rang. „Bald“ war aber auch, als es die­se Macht wie­der ver­lor. „Bald“ war leben­dig in den Hei­li­gen und Mär­ty­rern.

      Nur wir unter­schät­zen heu­te das „Bald“ und wol­len eine hei­le katho­li­sche Welt „wie­der­ha­ben“, die es nie gab und nie geben wird, denn ER kommt doch bald!

    • @ zeit­schnur
      Dann fra­gen Sie ein­mal die tra­di­tio­na­li­sti­schen Bischö­fe der Lef­eb­v­re- und der Thuc-Linie, in wel­chem Auf­trag ihre Wei­he erfolg­te (was sich natür­lich auch auf die von die­sen Bischö­fen ohne Juris­dik­ti­on auf die von ihnen geweih­ten Prie­ster erstreckt)? Der Name des Pap­stes muss näm­lich im Ritus der Bischofs­wei­he erwähnt wer­den…
      Nein, zeit­schnur, das ist (nach mei­nem jet­zi­gen Kennt­nis­stand) der Schwach­punkt der gan­zen tra­di­tio­na­li­sti­schen Grup­pen, und die­ser Punkt ist sehr ernst, denn Amts­aus­übung ohne päpst­li­ches Man­dat ist schis­ma­tisch und schließt aus der Katho­li­schen Kir­che aus — außer­halb derer kein Heil ist.

    • @ LL

      Ich habe ja nicht behaup­tet, dass die gan­ze Ange­le­gen­heit, je län­ger sie sich hin­zieht, nicht immer mehr geschwächt wird! Das ist wohl wahr!

      Den­noch muss der Papst­na­me nur dann erwähnt wer­den, wenn es einen Papst gibt. Wenn eine Wei­he zur Zeit einer Sedis­va­kanz statt­fin­det, kann nun mal kein Papst­na­me genannt wer­den. Es wird die ent­spre­chen­de Rubrik ja dann auch beim Hl. Mess­op­fer weg­ge­las­sen und es gilt trotz­dem!
      Das geht ja gar nicht anders.
      Wäh­rend einer Sedis­va­kanz wird von einer grund­sätz­li­chen Sen­dung durch die Kir­che aus­ge­gan­gen.
      Wenn wir auch davon aus­ge­hen, dass die Kir­che sicht­bar sein muss, ist sie den­noch in ihrer Drei­tei­lung nie­mals als „total“ sicht­bar auf­ge­fasst wor­den (mili­tans etc.). Ihr größ­ter Teil ist unsicht­bar.
      Wie gesagt — die Kir­che hat immer wie­der jah­re­lan­ge Sedis­va­kan­zen aus­hal­ten müs­sen, auch jahre‑, sogar jahr­zehn­te­lan­ge Schis­men und den­noch gül­tig Sakra­men­te gespen­det — zumin­dest wur­den sie auch nach­träg­lich aner­kannt!

      Ihr Begriff von „schis­ma­tisch“ ist unlo­gisch: Schis­ma­tisch ist der, der sich durch Häre­sie von der Kir­che trennt.
      Sie wis­sen genau, dass es dies­mal die nach­kon­zi­lia­re Kir­che war, die sich von der Leh­re getrennt hat und nicht die, die an der über­lie­fer­ten Leh­re fest­ge­hal­ten haben.

      Andern­falls müss­te man ja einem Häre­ti­ker, nur weil er ein Amt inne­hat, in die Höl­le fol­gen, nur um nicht als „schis­ma­tisch“ bezeich­net zu wer­den.

      Den­noch ist Lef­eb­v­re ein Schis­ma­ti­ker gewe­sen. Denn er hat hat einer­seits den Papst aner­kannt, ihm gleich­zei­tig aber den Gehor­sam ver­wei­gert. Bischof Thuc hat das nicht getan: für ihn war der Papst nicht der Papst, und so han­del­te er auch fol­ge­rich­tig.

  6. Ich pflich­te Ihnen ein­deu­tig bei: Es gibt doch kei­ne „pro­te­stan­ti­sche Cloud“! Es gibt den klas­si­schen Pro­te­stan­tis­mus (ist aber übri­gens nie eine Selbst­be­zeich­nung der Evan­ge­li­schen gewe­sen!), der im 16. Jh ent­stand und immer wie­der Erneue­rung fand wie z.B. den Metho­dis­mus etc. All die­sen Grup­pen ist gemein­sam, dass sie sich auf die Hl. Schrift als ein­zi­ge wah­re „Tra­di­ti­on“ zurück­zie­hen. Sie machen sich inso­fern dar­über etwas vor, als die Bibel ja nicht vor der Kir­che, son­dern in der Kir­che und durch das Lehr­amt kano­ni­siert wur­de. Auch blen­den sie aus, dass auch sie sich auf wei­te­re Tra­di­tio­nen fest­ge­legt haben (z.B. das Augs­bur­gi­sche Bekennt­nis u. dergl.). Das alles kreist aber um den „Bibli­zis­mus“) und eine bestimm­te inter­pre­ta­to­ri­sche Ideo­lo­gie (sola fide, sola gra­tia).
    Merk­wür­dig ist bei dem Bibli­zis­mus, dass er eini­ges in der Bibel Ste­hen­de ablehnt — z.B. die Beauf­tra­gung des Petrus oder die Behaup­tung, die Wer­ke sei­en nicht heils­stif­tend (Luther: der Jako­bus­brief sei eine „stro­her­ne Epi­stel“) etc.

    Das hat aber nichts zu tun mit dem zu tun, was die Zeu­gen Jeho­vas, die Mor­mo­nen oder die Neu­apo­sto­li­schen leh­ren: sie alle haben ein wei­te­res, angeb­lich geof­fen­bar­tes Wis­sen oder Buch hin­zu­ge­setzt zur Hl. Schrift, das der Schrift teil­wei­se fun­da­men­tal wider­spricht. Die Mor­mo­nen leh­ren z.B. die Poly­ga­mie — ent­ge­gen der har­ten Ableh­nung Jesu der­sel­ben — und haben nur des­we­gen in der Pra­xis klein bei­gege­ben, weil sie sonst nicht in den Ver­bund der US auf­ge­nom­men wor­den wären.

    Aber gera­de die Mor­mo­nen haben erheb­li­chen Ein­fluss im Staats­we­sen der USA gewon­nen und zie­hen vie­le Strip­pen. Es sind ein­fach viel viel mehr anti­christ­li­che Kräf­te, die wir­ken wol­len als bloß die Frei­mau­rer.
    Der Pro­te­stan­tis­mus, sofern er evan­ge­li­kal ist, steht der Frei­mau­re­rei eben­so kri­tisch gegen­über wie die ehe­ma­li­ge Katho­li­sche Kir­che.
    Man muss aber dazu sagen, dass im 18. Jh vie­le der hohen Geist­lich­keit Logen­mit­glie­der waren. Es waren eher klei­ne Prie­ster, die sich da ver­wei­ger­ten. Die Frei­mau­rer waren auf die­se Mit­glied­schaf­ten der hohen Geist­li­chen sehr stolz und berich­ten die­ses Fak­tum bis heu­te!
    Eine Ver­wer­fung durch die Päp­ste erfolg­te im 19. Jh, als sich erst voll­ends klär­te, was eigent­lich vor­geht und wel­che Stoß­rich­tung die Frei­mau­re­rei über­haupt annimmt.

    Letzt­end­lich hat sich an die­ser Tat­sa­che nichts geän­dert: selbst die guten „kon­ser­va­ti­ven“ Bischö­fe gehö­ren bis heu­te frei­mau­re­ri­schen bzw. frei­mau­rer-ähn­li­chen Ver­bün­den (wie dem Rota­ry-Club) an. Man weiß das von vie­len, z.B. auch Bischof Mixa oder Kard. Marx. Con­nec­tions zur Frei­mau­re­rei sind mir auch über Pius­Leu­te zu Ohren gekom­men. Merk­wür­di­ge Rechts­sa­chen, Eigen­tums­sa­chen, die Emp­feh­lung eines eso­te­risch-frei­mau­re­ri­schen Gelehr­ten des 19. Jh (z.B. de Maist­re — offen­bar genügt es dem Tra­di­tio­na­lis­mus, wenn einer nur kräf­tig reak­tio­när ist — https://www.katholisches.info/2011/03/10/gegenrevolution-die-geschichtstheologie-joseph-de-maistres/)…

    Puh.

  7. @arthuis @zeitschnur
    Es ist bezeich­nend daß Katho­li­ken dis­ku­tie­ren wer jetzt „pro­te­stan­tisch“ (oder „evan­ge­lisch“ oder „refor­miert“ usw.) ist:
    Die Pro­te­stan­ten sind sich da selbst nicht einig- Wer will das denn über­haupt ent­schei­den?
    In Deutsch­land fast kom­plett ver­drängt: die christ­lich-refor­ma­to­ri­sche und/oder revo­lu­tio­nä­re Bewe­gun­gen waren schon frü­her anders­wo in Euro­pa viru­lent und bil­de­ten teils den Anfang der Rfor­ma­ti­on bzw. ver­schmol­zen sich mit die­sen Ten­den­zen:
    ‑Die Wal­den­ser in Ita­li­en nah­men bei den Refor­ma­ti­ons­wir­ren sehr viel von den Luthe­ra­nern, den Kal­vi­ni­sten, v. Zwing­li und Bucer über und ver­schmol­zen dann sehr viel spä­ter mit den Metho­di­sten in Ita­li­en.
    — Die Hus­si­ten /Taboriten und Beth­le­he­mi­ten (M. Luther refe­rier­te nach J. Hus und des­sen Ver­ur­tei­lung mit Tod auf dem Schei­ter­hau­fen vor sei­nem Erschei­nen auf dem Reichs­tag) asso­zier­ten sich mit den Pro­te­stan­ten; als „Böh­mi­sche Brü­der“ beein­fluß­ten sie spä­ter die Herrn­hu­ter Brü­der­ge­mei­ne; die tsche­cho­slo­wa­ki­sche hus­si­ti­sche Kir­che sieht sich bis jetzt noch, ähn­lich wie die Angli­ka­ner, als eine Abspal­tung der Kath. Kir­che.
    ‑In Eng­land ent­stand schon im Hun­dert­jäh­ri­gen Krieg die Bewe­gung um Wycliff und John Knox mit den Lol­lar­den, deren Ein­fluß und Anhän­ger einen zah­len­mä­ßig klei­nen aber wich­ti­gen Boden für den Angli­ka­nis­mus bil­de­ten.

    Es gibt zehn­tau­sen­de pro­te­stan­ti­sche Sek­ten und Glau­bens­rich­tun­gen: die deut­sche Lan­des­kir­chen haben im übri­gen sel­ber nicht sel­ten Zwei­fel ob der christ­li­chen Zuge­hö­rig­keit: z.B. die „Nor­we­ger“, eini­ge deutsch­na­tio­na­le „christ­li­che“ Grup­pen, aus Ame­ri­ka die „Wil­low Creek Mis­si­on“ (hier ver­schwin­det das Kru­zi­fix);
    die Neu­apo­sto­li­ker wer­den inzwi­schen v. offi­zi­el­ler Sei­te wohl dazu gerech­net.
    Was jetzt den Mor­mo­nen und den Zeu­gen von Jeho­va betrifft: die Pie­ti­sten haben die Pia Desi­de­ria, die Qua­ker ihre Schrif­ten und Erin­ne­run­gen, die Kim­ban­gu­isten die Schrif­ten von Kim­ban­gu (das ist erst recht inter­es­sant!); da wür­de ich nicht eng­gei­stig sein.
    Und Seher und Sehe­rin­nen und Ver­kün­di­ger hat es auch immer gege­ben.
    @zeitschnur, was die Poly­ga­mie betrifft:
    Es hat immer wie­der Män­ner gege­ben die dies ins Chri­sten­tum ein­füh­ren möch­ten: z.B. Ber­nar­di­no Och­i­no, drit­ter Gene­ral­vi­kar der Kapu­zi­ner, spä­ter Kal­vi­nist gewor­den (wegen des Vor­wurfs v. Poly­ga­mie aus Genf geflüch­tet); Graf Phil­ipp v. Hes­sen (Biga­mist, spä­ter „kuriert“ durch Melan­chthon); nicht zu ver­ges­sen Karl Barth, des­sen Ménage à trois von dem schwei­ze­ri­schen Pfar­rer­stu­dent und Kir­chen­hi­sto­ri­ker Wal­ter Nigg ver­blüfft und aus­führ­lich beschrie­ben wur­de; um von den vie­len Sek­ten in den USA zu schwei­gen (im Hin­ter­kopf habe ich noch eine Erin­ne­rung an etwas in Texas, wo König Kurhousch(Kyros) mit sei­nen vie­len Frau­en aus der Bibel bemüht wur­de- und am Ende in einer gro­ßen Feuer­brunst und in einem Pan­zer­an­griff durch das Heer zugrun­de ging.

    • Ich den­ke, mei­ne Defi­ni­ti­on trifft den­noch im wesent­li­chen zu. Bei den Mor­mo­nen basiert die Ein­füh­rung der Poly­ga­mie ja nicht auf unge­ord­ne­tem und indi­vi­du­ell schwerst sünd­haf­tem Trei­ben ein­zel­ner Män­ner, son­dern auf einer Son­der­leh­re — und das ist ana­ly­tisch was anders.
      Der „Angel Moro­ni“ — so behaup­tet es der Sek­ten­grün­der Joseph Smith — habe ihm das Buch Mor­mon über­ge­ben. Die­ses Buch ent­hält kras­se Zusät­ze zum Schrift­ka­non, die von ihm abwei­chen und einen höhe­ren Rang erhal­ten haben.

      Im übri­gen ist das Kru­zi­fix vom gesam­ten Pro­te­stan­tis­mus der klas­si­schen Prä­gung ver­wor­fen oder ver­drängt wor­den durch das lee­re Kreuz.
      Von Shake­speares Vater wird berich­tet, er sei als Sym­pa­thi­sant der Katho­li­schen Kir­che ver­folgt wor­den und die staats­kirch­lich-pro­te­stan­ti­schen Häscher such­ten in den Häu­sern gezielt nach „katho­li­schen“ Gegen­stän­den, wie zum Bei­spiel … Kru­zi­fi­xen.

      Dass der pro­te­stan­ti­sche Durch­bruch des 16. Jh nicht aus dem Nichts kam und durch vie­le ein­zel­ne Män­ner und Bewe­gun­gen (Val­desi, Hus, Savo­na­ro­la, Wycliff, etc. etc.) vor­be­rei­tet wor­den war, wider­spricht der grund­sätz­li­chen Defi­ni­ti­on ja nicht.

      Das Kri­te­ri­um ist, ob eine sol­che Grup­pe noch eine wei­te­re Son­der­leh­re hin­zu­nimmt, die von der Schrift abweicht.
      Aller­dings ist die Tat­sa­che, dass nun jeder sei­ne Bibel nach gusto aus­legt, ein Gewirr an „bibli­schen“ Leh­ren ent­stan­den, deren Ver­tre­ter ein­fach nicht wahr­ha­ben wol­len, dass es kei­ne siche­re Aus­le­gung gibt, auf die jeder mal ganz neben­bei und ohne Tra­di­ti­on kom­men kann.

  8. @arthuis
    „Wenn eine Kir­che zen­tral von weni­gen geführt wird , darf man sich über lan­ge
    Gesich­ter hin­ter­her wun­dern . Immer­hin hat Vati­ka­num 2 die Kir­che aus ihrer unfrucht­ba­ren Iso­la­ti­on befreit und Din­ge abge­seg­net , die längst selbst­ver­ständ­lich waren , und die die
    über­wie­gen­de Mehr­heit der Katho­li­ken begrüßt (Gewis­sens- und Reli­gi­ons­frei­heit .)“
    Ich hof­fe doch das sie die Reli­gi­ons­frei­heit auch der Kir­che Satans zubil­li­gen. Wenn schon denn schon. Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Katho­li­ken weiß gar nicht das es das 2. Vati­ca­num gege­ben hat und schon gar nicht was dort abge­lau­fen ist . Sie soll­ten ihre per­sön­li­chen Vor­lie­ben bit­te für sich adres­sie­ren und nicht behaup­ten sie stän­den für alle oder die mei­sten. Unfrucht­ba­re Iso­la­ti­on? Damals in der Iso­la­ti­on waren die Kir­chen noch voll und heu­te müs­sen sie Kir­chen schon schlie­ßen oder ver­kau­fen weil selbst die größ­ten Lang­wei­ler kein Inter­es­se mehr haben. Schö­nen Gruß an das letz­te Kon­zil mit­samt sei­nem Geist.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Ich bin auch der Auf­fas­sung, dass das Zwei­te Vati­ka­num nichts als Scha­den für die Kir­che hin­ter­las­sen hat. wer von die­sem Kon­zil nichts gehört hat, dem wird die­ses Buch auch nicht wei­ter­hel­fen, befürch­te ich. Kir­che inter­ses­siert ihn dann über­haupt nicht.

  9. Sehr geehr­ter Herr @Leo Lämm­lein,
    Für die Mit­tei­lung der 2 inter­es­san­ten Links sei­en Sie herz­lich gedankt.
    Nicht als Kri­tik zu ver­ste­hen son­dern als fun­da­men­ta­le Bemer­kung:
    Man soll­te stets auf­pas­sen die All­macht Got­tes nicht ein­zu­schrän­ken und beson­ders bei in mensch­li­chen Augen äusserst schwie­ri­gen und fast hoff­nungs­lo­sen Situa­tio­nen das Wir­ken des Hl. Gei­stes nicht wahr­zu­neh­men.
    Bei den sehr vie­len und lan­gen Kla­gen (die übri­gens geschicht­lich voll­kom­men berech­tigt sind) mei­ne ich daß man sich viel mehr ein Bei­spiel an die Hl. Drei Köni­ge neh­men soll­te:
    Sie such­ten (daß tun sehr vie­le Men­schen, teil­wei­se extrem aus­ge­prägt und mit sehr viel Tem­pe­ra­ment), sie mach­ten sich auf den Weg (es ist äusserst wich­tig und christ­lich-tat­kräf­tig die Wor­te des Her­ren nicht nur anzu­hö­ren son­dern auch in Taten zu ver­wirk­li­chen (Ori­gi­nes)), sie fan­den (das ist äusserst wich­tig!) und dann das Aller­wich­tig­ste (das doch so häu­fig fehlt, gera­de bei sehr lan­gen Trak­ta­ten): sie freu­ten sich sehr.
    Die­se tie­fe Freu­de, basiert auf Unse­rem Herrn Jesus Chri­stus, auf Sein Erschei­nen, Sein Leben und Leid und Tod und vor allem in Sei­ner Auf­er­ste­hung, neh­me ich lei­der bei vie­len Trak­ta­ten viel zu wenig wahr.

    • Sehr geehr­ter Herr Adri­en Antoi­ne,
      herz­li­chen Dank für Ihren freund­li­chen Zuspruch.
      Sehr bewusst ist mir das Wort des hl. Apo­stels Jako­bus: „Seid aber Voll­brin­ger des Wor­tes und nicht allein Hörer, indem ihr euch selbst betrügt“ (Jak 1,22) und dass wir dar­an ein­mal gemes­sen wer­den, und dass ich ein­mal dar­an gemes­sen wer­de. Und sehr schön und ker­nig drücken Sie es aus: christ­lich- t a t k r ä f t i g.
      Das Fin­den ist mir zur Zeit nicht beschert.
      Es wäre gelo­gen, wenn ich sagen wür­de, dass ich Unse­ren Herrn Jesus Chri­stus nicht gefun­den habe. Dank sei Gott! Aber wo ist heu­te Sei­ne Kir­che, sei­ne s i c h t b a r e Kir­che, die doch unter ande­rem dar­an zu erken­nen ist, dass sie den e i n e n katho­li­schen Glau­ben hat, den­sel­ben aller Jahr­hun­der­te?
      Die gei­sti­ge Freu­de ist in der Tat ein Grad­mes­ser, ob man in der Gna­de und in der Wahr­heit ist. Und auch die Quel­le der Gna­de benen­nen Sie gut. Nur ist Unser Herr Jesus Chri­stus nicht nur Er mit der himm­li­schen Kir­che, Er ist doch auch Sei­ne strei­ten­de Kir­che, Sein mysti­scher Leib auf Erden! Und h i e r steht die Fra­ge: wo haben sie Ihn hin­ge­legt?

      Ja, von die­sen Links kann man eini­ges ler­nen. Frei­lich ist auch Frau Tere­sa Stan­fill Ben­ns nicht die Ret­te­rin.
      Aber kon­kret: Was soll man für Kon­se­quen­zen zie­hen, wenn man zur Erkennt­nis gekom­men ist, dass das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil (von Papst Paul VI. fei­er­lich als Äuße­rung des außer­or­dent­li­chen Lehr­amts dekla­riert !) unbe­streit­bar Häre­si­en ent­hält? Es gibt da umfang­rei­che Auf­zäh­lun­gen, aber neh­men wir nur eine ein­zi­ge. Eine ein­zi­ge unzwei­fel­haf­te Häre­sie des Super-Kon­zils genügt, um alle sei­ne Päp­ste und die gan­ze Hier­ar­chie, die es seit 50 Jah­ren eisern fest­hal­ten und umset­zen, als Häre­ti­ker aus der römisch-katho­li­schen Kir­che aus­zu­schlie­ßen. Neh­men Sie zum Bei­spiel den neu­en Kir­chen­be­griff in Uni­ta­tis red­in­te­gra­tio 3, der dem über­lie­fer­ten, de fide defi­nier­ten Begriff der Kir­che dreist wider­spricht (sie­he zB das Video Vati­can II’s Pro­te­stant Here­sy http://youtu.be/PHVXurgxtR8). Wie mit die­ser Erkennt­nis umge­hen, wel­che Kon­se­quen­zen aus ihr zie­hen?

  10. Ich will gar nichts gegen die­ses Buch sagen. Wer aber immer noch nicht gemerkt hat, was es mit die­sem Kon­zil und den sich aus ihm erge­ben­den Ver­hält­nis­sen auf sich hat, beschäf­tigt sich wohl nicht gera­de mit der Kir­che. Wem die heu­ti­gen Zustän­de gefal­len mögen, wird das Buch wohl auch nicht ver­ste­hen. Die Sach­ver­hal­te drän­gen sich doch so auf.

  11. @arthuis
    Wir gehen doch davon aus das Jesus Chri­stus der Sohn Got­tes und das Zen­trum unse­res Glau­bens ist? Oder?
    Die 68ziger Kul­tur­re­vo­lu­ti­on kam nach dem Kon­zil und die sexu­el­le Revo­lu­ti­on auch. Es muß vor unse­rem Gott etwas pas­siert sein. Wer hat wen getrof­fen? Übri­gens hat der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Ratz­in­ger in einem sei­ner Bücher geschrie­ben (ich glau­be es war „Salz der Erde“) das Kon­zil hat die 68ziger befeu­ert. Das ande­re christ­li­che Gemein­schaf­ten auch in der Kri­se stecken ist jawohl das min­de­ste was pas­sie­ren muß wenn es der Hei­li­gen Kir­che schlecht geht. Aber schau­en sie mal nach Bra­si­li­en, da stür­men die Evan­ge­li­ka­len mas­sen­haft katho­li­sche Bastio­nen. Die Leu­te haben die Nase voll von der Kon­zils­kir­che und das zurecht. Ihr Myste­ri­um haben sie kaputt gemacht.
    Sexu­al­mo­ral? Soll die Kir­che nicht mehr sagen „Selig die rei­nen Her­zens sind denn sie wer­den Gott schau­en“ oder wie soll ich das ver­ste­hen?
    Per Mari­am ad Chri­stum.

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