Von Johannes Jakob*
Am 1. Juli 2026 weihte die Priesterbruderschaft St. Pius X. vier neue Bischöfe ohne die Erlaubnis des Papstes. Nach Ansicht des Vatikans stellte dies einen Akt des Ungehorsams dar und führte unmittelbar ins Schisma. Am kommenden Samstag, dem 25. Juli 2026, findet wieder eine unerlaubte Bischofsweihe statt und trotzdem unterscheidet sich dieses Ereignis fundamental von jenem der Piusbruderschaft.
Pater Michael Mary, der 72-jährige Generalobere und Gründer der „Transalpinen Redemptoristen“, wird von dem kanadischen Sedisvakantisten-Bischof Pierre Roy die Bischofsweihe erhalten. Mit-Konsekratoren sind die beiden sedisvakantistischen Bischöfe Rodrigo Ribeiro da Silva (Brasilien) und Fernando Altamira (Argentinien). Wie Pater Michael Mary verweigern diese Bischöfe dem römischen Papst die Anerkennung, ja sie lehnen Papst Leo XIV. als rechtmäßiges Oberhaupt der katholischen Kirche ab.
Das Domizil der „Transalpinen Redemptoristen“ ist ein abgelegenes, neu erbautes Kloster auf der Insel Papa Stronsay, einer Inselgruppe der Orkney-Inseln vor der Nordostküste Schottlands. Die Gemeinschaft gehört nicht zur weltweiten Kongregation der Redemptoristen (Kongregation des Heiligsten Erlösers – Congregatio Sanctissimi Redemptoris, CSsR), die 1732 vom heiligen Alfons von Liguori gegründet wurde. Sie gingen 1988 aus dem Umfeld der Priesterbruderschaft St. Pius X. hervor. Ihre Mitglieder verbanden die Zuwendung zur traditionellen lateinischen Messe mit der Spiritualität des heiligen Alfons.
Während des Pontifikates von Papst Benedikt XVI. versöhnten sich die Transalpinen Redemptoristen im Jahr 2008 mit dem Heiligen Stuhl und es entstand im Jahre 2012 die Gemeinschaft offiziell als klerikales Ordensinstitut diözesanen Rechts.
Unter Papst Franziskus entstanden erneut Zwistigkeiten mit dem Heiligen Stuhl, die sich weiter verschärften. Bald schien ein Bruch unvermeidlich. Im Oktober 2025 veröffentlichte die Gemeinschaft einen offenen Brief, in dem sie erklärte, mehrere wichtige vatikanische Dokumente abzulehnen: „Wir lehnen die Synodalkirche als von der göttlich eingesetzten katholischen Kirche unterschieden ab“. Am 26. Mai 2026 veröffentlichte die Gemeinschaft eine Erklärung, in der sie die nachkonziliaren Päpste als „päpstliche Prätendenten“ bezeichnet, was eine offene Ablehnung bedeutet und von Natur aus zu einem Schisma führt. Somit ist die Gemeinschaft eindeutig als sedivakantistisch zu bezeichnen.
Das Verhalten gegenüber der Hierarchie der katholischen Kirche seitens der Transalpinen Redemptoristen, zu der 27 Mitglieder zählen, unterscheidet sich im Grundsatz von jenem der Piusbruderschaft. Während diese weiterhin den Papst als Oberhaupt der Kirche betrachtet und für ihn betet, ist dies bei den sedisvakantischen Transalpinen Redemptoristen nicht der Fall. Die Piusbruderschaft dagegen kritisiert zwar Teile der Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils und erkennt einen Notstand, der sie zu Bischofsweihen bewogen hat, will aber weiterhin in der katholischen Kirche bleiben und versteht sich auch als Teil der Römisch-katholischen Kirche.
Die Verkündigung eines Schismas gegenüber der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eine Tragödie für die ganze Kirche. Man bedenke nur, dass die Piusbruderschaft, der sich rund 700.000 Gläubige für ihre geistliche Führung anvertrauen, derzeit 733 Priester zählt und 264 Seminaristen ausbildet. Wenn man bedenkt, dass die ultraprogressive deutsche katholische Kirche in diesem Jahr im gesamten Land nur 30 Priester weihen wird, wird der Ernst der Lage deutlich. Während auch die Anhänger Lefebvres vor erheblichen Schwierigkeiten stehen – einschließlich Herausforderungen im Bereich der Berufungen –, befinden sich progressive Bischöfe in einer Lage der Verzweiflung.
*Johannes Jakob ist Laie und in keiner Form Mitglied der FSSPX.
Bild: papastronsay.com (Screenshot)
Den einzigen nennenswerten Unterschied,sehe ich zwischen einem formellen und praktischen Sedisvakantismus (Lefebvrismus).
Während Ersteres eine zumindest innere Kohärenz aufzuweisen scheint, lebt Letzteres in einen inneren Spannungsverhältnis.
Die Krise der Kirche wird und kann nicht ausserhalb der sichtbaren Einheit mit der Kirche gelöst werden, ganz gleich welche Missstände das katholische Gemüt aufzuwühlen vermag.
Das Schisma der Lefebvrianer hat die traditionelle Bewegung geschwächt. Wenngleich die Piusbruderschaft Anteil am Überleben des überlieferten Ritus hat, ist sie nicht die Lösung der Krise, sondern ein Symptom.
Ihre Rolle ist eine Zweifache. Einerseits hatte sie Anteil – nicht alleinigen Antei, das wäre geschichtsvergessen) am Überleben und der heutigen Ausbreitung des alten Ritus, gleichzeitig hat ihr Wirken den alten Ritus zu einem Symbol des Widerstands gegen Hierarchie und Kirche gemacht.
Glücklicherweise beginnen selbst liberale Blätter hier zu unterscheiden.
Insgesamt ist das Schisma der Piusbruderschaft tot traurig. Vergeudetes Potential, das ausserhalb der sichtbaren Grenzen der kirchlichen Einheit, nicht zur vollen Entfaltung gelangen kann.
Sie haben vielleicht gemerkt, dass die Piusbruderschaft keine Rechtfertigung betreibt. Sie verkünden lediglich die Wahrheit. Es geht weder darum, Zustimmung in der Öffentlichkeit zu bekommen, einen Widerstand zu leisten, noch eine Rolle einzunehmen.
Was Sie da alles zu bewerten versuchen, ist überflüssig. Die Wahrheit steht außerhalb solcher Dinge. Eine eventuelle sedisvakantische Position gegenüber Rom hängt ja nicht von den beiden im Artikel besprochenen Gemeinschaften ab. Es geht letztendlich um Seelsorge. Wer hütet die Schafe, nachdem Rom ausgefallen ist.