Der Vatikan stellte am vergangenen Samstag klar: Wer sich heute Templer nennt, ist deshalb noch lange kein anerkannter Ritterorden. Zwischen mittelalterlicher Geschichte, kirchlicher Legitimität und modernen Neugründungen – oder schlechten Imitationen – liegen Welten.
Es gibt manchmal Namen, die mehr versprechen, als sie halten können. die Bezeichnung „Templer“ gehört heute nicht selten dazu. Der Name weckt Erinnerungen an die Kreuzzüge, an Ritterlichkeit und Opferbereitschaft, an den Kampf um das Heilige Land und an einen Orden, dessen dramatisches Ende bis heute die Phantasie beflügelt. Doch aus einer großen Vergangenheit folgt kein Anspruch auf die Gegenwart, schon gar nicht auf eine ebenso große Gegenwart.
Das vatikanische Staatssekretariat stellte am 10. Oktober seine Haltung zu den Ritterorden klar: Der Heilige Stuhl erkennt neben seinen eigenen päpstlichen Ritterorden ausschließlich den Souveränen Malteserorden und den Ritterorden vom Heiligen Grabe zu Jerusalem an. Alle anderen Ritterorden, gleich ob neu gegründet oder aus mittelalterlichen Vorbildern abgeleitet, werden nicht anerkannt. Rom übernimmt weder Gewähr für ihre historische und rechtliche Legitimität noch für ihre Ziele und Organisationsformen.
Und der Deutsche Orden?
Manche werden sich nun fragen, warum der Deutsche Orden in der römischen Klarstellung nicht genannt wird. Der Deutsche Orden gehörte in der Kreuzzugszeit zu den drei großen Kreuzritterorden, den Tempelherren, den Johannitern (seit der Reformation Malteser) und eben den Deutschherren. Die Geschichte der drei Orden verlief aber sehr unterschiedlich.
Während der Templerorden beseitigt wurde und die Malteser ununterbrochen bis heute fortexistieren, war die Geschichte des Deutschen Ordens etwas durchwachsen, weil ihm in der Reformationszeit seine Grundlage weitgehend entzogen wurde. Er verfügte über zwei Ordensstaaten, Preußen und Livland.
Der Deutschordensstaaat Preußen, er lag im heutigen Polen und Rußland und ein kleiner Teil auch in Litauen, ging 1526 verloren, als er damalige Hochmeister und Landmeister von Preußen vom katholischen Glauben abfiel, Protestant wurde und sich selbst zum weltlichen Herrscher über den bisherigen Ordensstaat erhob.
Der Deutschordensstaat Livland lag im heutigen Lettland und Estland. Er ging 1561 verloren. Innerlich durch die Refomation zerrissen, von außen durch das orthodoxe Rußland und das lutherische Schweden bedrängt, fiel der dortige Landmeister ebenfalls vom katholischen Glauben ab und wurde Protestant, trat aber die Oberhoheit über das Land an die katholische litauisch-polnische Union ab.
Der Deutsche Orden existierte als Ritterorden weiter, eng verbunden mit dem Haus Habsburg. Mit dem Untergang der Habsburgermonarchie Ende des Ersten Weltkrieges wurden keine Ritter mehr aufgenommen. 1923 trat der letzte Ritter-Hochmeister zurück. Der Ritterorden wurde in ein klerikales Ordensinstitut päpstlichen Rechts umgewandelt und wird seither von einem Priester als Hochmeister geleitet. Parallel dazu gibt es die Familiaren des Deutschen Ordens, die kirchenrechtlich als öffentliche Vereinigung von Gläubigen anerkannt sind.
Die römische Erklärung
Klarstellung des Staatssekretariats
Der Heilige Stuhl und die Ritterorden
Angesichts zahlreicher Bitten um Auskunft bezüglich der Haltung des Heiligen Stuhls gegenüber Ritterorden, die sich nach Heiligen benannt haben oder religiöse Namen tragen, sieht sich dieses Staatssekretariat veranlasst, erneut zu bestätigen, was bereits in der Vergangenheit veröffentlicht wurde:
Außer den eigenen Ritterorden (Christusorden, Orden vom Golden Sporn, Piusorden, Orden des heiligen Gregor des Großen und Orden des heiligen Papstes Silvester) anerkennt und schützt der Heilige Stuhl nur den Souveränen Malteserorden – oder Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta – und den Ritteroden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Es besteht nicht die Absicht, diesbezüglich etwas zu ändern.
Alle anderen Ritterorden – ob sie nun neuerer Gründung sind oder sich von den mittelalterlichen Orden ableiten – werden vom Heiligen Stuhl nicht anerkannt, da dieser nicht für ihre historische und rechtliche Legitimität, ihre Ziele und ihre Organisationsstrukturen bürgen kann.
Um Missverständnisse, die auch infolge unrechtmäßiger Ausstellung von Urkunden und unzulässiger Nutzung heiliger Stätten leider möglich sind, zu vermeiden und die Fortsetzung von Missbräuchen zu verhindern, die vielen gutgläubigen Personen schließlich zum Schaden gereichen, bekräftigt der Heilige Stuhl, dass er den von nicht anerkannten Vereinigungen ausgestellten ritterlichen Auszeichnungen und den dazugehörigen Insignien keinerlei Wert beimisst und die Nutzung von Kirchen und Kapellen für sogenannte „Investiturfeiern“ für nicht angebracht hält.
Die Erklärung vom 10. Oktober 2026 bekräftigt damit eine Position, die bereits 2012 ausdrücklich veröffentlicht worden war. Grund dafür sind eine kaum überschaubare Anzahl von weltweit vor allem in den vergangenen 50 Jahren erfolgten Gründungen allerlei Vereinigungen, die sich den Namen Templer zulegten.
Auch die Konsequenzen Roms sind eindeutig: Diplome und Insignien, die nicht anerkannte Vereinigungen verleihen, besitzen für den Heiligen Stuhl keinen Wert. Kirchen und Kapellen sollen nicht für sogenannte Investituren solcher Gemeinschaften zur Verfügung gestellt werden.
Der Grund liegt auf der Hand. Feierliche Gewänder, Kreuze, Titel und sakrale Räume können einen kirchlichen Status vortäuschen, der tatsächlich nicht besteht. Die Warnung Roms gilt deshalb auch dem Schutz jener Menschen, die sich in gutem Glauben von christlichen Idealen und ritterlicher Tradition angezogen fühlen. Siehe auch Der Templerorden und seine Wiederbelebung.
Der konkrete Hintergrund der römischen Klarstellung ist ein Rechtsstreit mit einer spanischen Vereinigung, die den Anspruch erhebt, Nachfolgerin des Templerordens zu sein. Sie versucht seit 2005 die Wiedererrichtung des Templerordens zu erstreiten. Ähnliche größere oder kleinere Probleme gibt es aber auch in anderen Ländern.
Vom Schutz der Pilger zum Ritterorden
Der historische Templerorden entstand um 1119 in Jerusalem. Unter Hugo von Payns schlossen sich Ritter zusammen, um Pilger auf den gefährlichen Wegen im Heiligen Land zu schützen. Aus dieser Gemeinschaft entwickelte sich ein religiöser Ritterorden, der das geistliche Leben mit dem bewaffneten Dienst verband.
Im Gegensatz zu den älteren Johannitern waren die Templer damit ursprünglich nicht ein Spitalsorden im engeren Sinne. Die Templer widmeten sich insbesondere dem Schutz der Pilger und dem Kampf zur Sicherung der christlichen Herrschaft im Heiligen Land.
Mit kirchlicher Anerkennung, Schenkungen und wachsendem Zulauf stieg der Orden zu einer bedeutenden europäischen Institution auf. Er verfügte über Niederlassungen und Besitzungen in zahlreichen Ländern, unterhielt ein weitreichendes Verwaltungsnetz und entwickelte beachtliche finanzielle Strukturen. Seine Mitglieder standen zugleich unter einer Ordensregel, die ihren religiösen und militärischen Dienst bestimmte.
Doch die Geschichte der Kreuzfahrerstaaten endete in einer Niederlage. Mit dem Fall Akkons im Jahre 1291 ging die letzte bedeutende Bastion der Kreuzfahrerherrschaft im Heiligen Land verloren. Bis 1302 verteidigten die Templer noch die vor der syrischen Küste gelegene Insel Aruad. Mit dem Rückzug nach Zypern hatte der Templerorden seine ursprüngliche strategische Grundlage weitgehend eingebüßt.
Das Ende und die offenen Fragen
Am 13. Oktober 1307 ließ der französische König Philipp IV. zahlreiche Templer verhaften. Es folgten Verhöre, Folter und erzwungene Geständnisse. Religiöse Anschuldigungen verbanden sich mit den Machtinteressen eines Königs, der den Einfluß des Ordens brechen wollte.
1307 ging der französische König Philipp IV. aus bis heute undurchsichtigen Gründen gegen den nun aufgabenlosen Orden vor. Unter dem Druck des Königs hob Papst Clemens V. den Orden 1312 auf. 1314 wurden der letzte Großmeister Jacques de Molay in Paris hingerichtet.
Damit endete die Geschichte der glorreichen Templer als eigenständige Institution. Die Umstände dieses Endes werfen bis heute Fragen auf. Die politischen Hintergründe, die juristischen Verfahren und die gegen den Orden erhobenen Vorwürfe müssen historisch differenziert beurteilt werden.
Eines aber ist festzuhalten: Der Orden erfüllte bis zu seiner Auflösung seine Aufgaben als religiöse und militärische Gemeinschaft. Seine Geschichte war nicht frei von den Widersprüchen ihrer Zeit; sie bedarf deshalb weder einer Verklärung noch nachträglicher Verdächtigungen. Die historischen Templer verdienen es, nach den Quellen beurteilt zu werden – nicht nach den Legenden, die später um sie entstanden.
Mit ihrer Aufhebung verschwanden die Templer aus der Geschichte als lebendige Ordensgemeinschaft. Was blieb, war die Erinnerung. Über Jahrhunderte hinweg war sie fern und verblaßt, bis die Gestalt des Tempelritters in einer ganz anderen Epoche zu neuem Leben erweckt wurde.
Die Wiederentdeckung: Freimaurer, Romantik und konstruierte Traditionen
Im 18. Jahrhundert entdeckten freimaurerische Kreise den Templernamen für sich. Das Zeitalter der Aufklärung war keineswegs nur von nüchterner Vernunft geprägt. Es begeisterte sich ebenso für Geheimorden, verschollene Überlieferungen, symbolische Rituale, Magie und vermeintliches Geheimwissen. Der unter dramatischen Umständen untergegangene Ritterorden bot dafür reichlich Stoff.
In bestimmten freimaurerischen Systemen entstanden Templergrade, die mit dem einstigen Orden in keinem Zusammenhang standen, aber sich mit deren Namen schmckten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen Organisationen hinzu, die ausdrücklich beanspruchten, die Tradition der Templer wiederzubeleben.
Im 19. Jahrhundert verstärkten die romantische Mittelalterbegeisterung und die Kreuzzugsliteratur die Faszination für die Templer. Im 20. Jahrhundert entstanden weitere Gemeinschaften, darunter christliche Laienvereinigungen, ökumenische Zusammenschlüsse und esoterisch geprägte Gruppen. Sie alle beriefen sich auf unterschiedliche Weise auf das Erbe des alten Ordens. Sie zum Beispiel die Fridericianischen Templer, verschiedene andere gnostische und freimaurerische Neo-Templer. Siehe auch: Amazonas-Bischof zelebriert Messe für Freimaurer der obskuren Templer-Malteser.
Dabei wäre es falsch, sämtliche modernen Templervereinigungen über einen Kamm zu scheren. Es gibt kirchenrechtlich anerkannte katholische Gemeinschaften, wie die Militia Templi, einer altrituellen Laienvereinigung diözesanen Rechts in der Toskana, die mit der Katholischen Pfadfinderschft Europas verbunden ist.
Der Heilige Stuhl verweigert bisher aber jede direkte Wiederbelegung des alten Ordens. Eine solche wäre jederzeit möglich, sofern der Papst seine Erlaubnis dazu erteilt, denn jeder aufgehobene Orden gilt nur als ruhend gestellt. Er existiert durch die verstorbenen Mitglieder im Himmel weiter, weshalb er auch auf Erden jederzeit in direkter Kontinuität wiederbelebt werden könnte.
Ohne diese Erlaubnis schafft die bloße Übernahme eines Namens noch keine historische Kontinuität.
Templer ist nicht gleich Templer
Da die Bezeichnung des vor über 700 Jahren untergegangenen Ordens icht geschützt ist, begegnet man heute unter dem Namen „Templer“ höchst unterschiedlichen Vereinigungen. Ihre Ziele, ihre religiöse Ausrichtung und ihre tatsächliche Rechtsstellung unterscheiden sich erheblich.
Wer sich einer solchen Gemeinschaft anschließen möchte, sollte deshalb genau hinsehen. Ist sie kirchlich anerkannt? Welche Ziele verfolgt sie? Wie geht sie mit ihren Mitgliedern um? Und vor allem: Belegt sie ihre Geschichte, oder lebt sie von einer Vergangenheit, die sich nicht nachweisen läßt?
Eine katholische Laiengemeinschaft kann sich dem christlichen Glauben und dem Vorbild mittelalterlicher Ritterlichkeit verpflichtet wissen, ohne deshalb ein kirchlich anerkannter Ritterorden zu sein. Ebenso kann eine historische Vereinigung das Erbe der Templer erforschen, ohne deren Nachfolge zu beanspruchen. Das ist legitim – solange Anspruch und Wirklichkeit nicht miteinander verwechselt werden.
Problematisch wird es dort, wo selbst verliehene Titel, feierliche Investituren und kirchlich anmutende Insignien den Eindruck einer Anerkennung erwecken sollen, die nicht besteht. Ein Diplom ersetzt weder die kirchliche Autorität noch den historischen Beleg. So kommt es zu skurrilen Situationen wie jüngst in Österreich, wo eine in den Tratsch- und Klatschspalten der Gazetten präsente Gestalt, selbst kein Christ, in einen angeblichen Templerorden aufgenommen wurde. Dieser Orden behauptet zwar, mit allerlei Ritualen, Ordensketten und Gewändern in der Tradition der Templer zu stehen, erklärt zugleich aber, daß weder die Konfession noch überhaupt die Religion eine Rolle spiele. Das ist natürlich grotesk und spottet dem Erbe der historischen Templer.
Selbst der norwegische Amokläufer Breivik erwähnte in einem wirren Manifest, das er 2011 veröffentlichte, einer in England erfolgten Wiederbelegung des Templerordens anzugehören, die er als Knights Templar bezeichnete und als militärische Geheimorganisation charakterisierte, deren ranghoher Anführer er sei. Tatsächlich fand die ermittelnde Polizei keinerlei Hinweise auf die Existenz einer solchen Organisation, die offenbar allein in Breiviks Phantasie existierte. Nachgewiesenermaßen hingegen gehörte er einer Freimaurerloge in Norwegen an.
Ein Erbe, das keine Legenden braucht
Die Templer faszinieren bis heute, weil ihre Geschichte von Glauben, Dienst, Kampf und tragischem Untergang erzählt. Gerade deshalb sollte man sie nicht hinter Legenden verschwinden lassen. Deren erste entstanden, als der Freimaurer Andrew Michael Ramsay 1737 erstmals eine Abstammung zwischen den sich gerade entwickelnden Freimaurerlogen und den Templern behauptet. Belegen konnte er davon nichts. Es handelte sich um ein Produkt seiner Phantasie. Diese Verbindung wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch Friedrich Nicolai weiter ausgebaut. 1818 kam dann durch den österreichischen Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall der Baphomet-Mythos hinzu usw. Da die Kirche im frühen 14. Jahrhundert den Templerorden auf recht ungewöhnliche Weise preisgegeben hatte, bemächtigten sich ab dem 18. Jahrhundert außerkirchliche Kräfte seiner.
Der mittelalterliche Orden war eine konkrete religiöse Gemeinschaft mit einer klaren Aufgabe. Seine Mitglieder standen im Dienst einer Überzeugung, die ihr ganzes Leben bestimmte. Daß ihr Orden schließlich unterging, löscht seine Geschichte nicht aus. Es macht sie aber auch nicht zu einer Einladung, beliebige Nachfolgeansprüche und zu erheben und eigenwillige Narrative zu verbreiten.
Wer das Erbe der Templer ernst nimmt, muß sich nicht mit einem selbst verliehenen Rittertitel schmücken. Er muß weder Geheimwissen behaupten noch eine ununterbrochene Tradition erfinden. Historische Redlichkeit und ein glaubwürdiger Dienst für die Kirche in der Caritas wiegen schwerer als jedes Ordensgewand.
Daher die Botschaft aus Rom: Nicht jede Vereinigung, die sich auf einen mittelalterlichen Ritterorden beruft, ist auch dessen legitimer Nachfolger. Zwischen Faszination und Anerkennung liegt ein entscheidender Unterschied.
Der Name Templer ist schnell angenommen. Die Geschichte, auf die er sich beruft, läßt sich damit nicht vereinnahmen.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Katholisches.info
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