Templer ohne Anerkennung

Was vom alten Ritterorden geblieben ist

Der Templerorden, die Arme Ritterschaft Christi und des Salomonischen Tempels zu Jerusalem, existierte von 1118 bis 1312 und gehörte zu den faszinierendsten Gemeinschaften der Christenheit.
Der Templerorden, die Arme Ritterschaft Christi und des Salomonischen Tempels zu Jerusalem, existierte von 1118 bis 1312 und gehörte zu den faszinierendsten Gemeinschaften der Christenheit.

Der Vati­kan stell­te am ver­gan­ge­nen Sams­tag klar: Wer sich heu­te Temp­ler nennt, ist des­halb noch lan­ge kein aner­kann­ter Rit­ter­or­den. Zwi­schen mit­tel­al­ter­li­cher Geschich­te, kirch­li­cher Legi­ti­mi­tät und moder­nen Neu­grün­dun­gen – oder schlech­ten Imi­ta­tio­nen – lie­gen Welten.

Es gibt manch­mal Namen, die mehr ver­spre­chen, als sie hal­ten kön­nen. die Bezeich­nung „Temp­ler“ gehört heu­te nicht sel­ten dazu. Der Name weckt Erin­ne­run­gen an die Kreuz­zü­ge, an Rit­ter­lich­keit und Opfer­be­reit­schaft, an den Kampf um das Hei­li­ge Land und an einen Orden, des­sen dra­ma­ti­sches Ende bis heu­te die Phan­ta­sie beflü­gelt. Doch aus einer gro­ßen Ver­gan­gen­heit folgt kein Anspruch auf die Gegen­wart, schon gar nicht auf eine eben­so gro­ße Gegenwart.

Das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at stell­te am 10. Okto­ber sei­ne Hal­tung zu den Rit­ter­or­den klar: Der Hei­li­ge Stuhl erkennt neben sei­nen eige­nen päpst­li­chen Rit­ter­or­den aus­schließ­lich den Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­den und den Rit­ter­or­den vom Hei­li­gen Gra­be zu Jeru­sa­lem an. Alle ande­ren Rit­ter­or­den, gleich ob neu gegrün­det oder aus mit­tel­al­ter­li­chen Vor­bil­dern abge­lei­tet, wer­den nicht aner­kannt. Rom über­nimmt weder Gewähr für ihre histo­ri­sche und recht­li­che Legi­ti­mi­tät noch für ihre Zie­le und Organisationsformen.

Und der Deutsche Orden?

Man­che wer­den sich nun fra­gen, war­um der Deut­sche Orden in der römi­schen Klar­stel­lung nicht genannt wird. Der Deut­sche Orden gehör­te in der Kreuz­zugs­zeit zu den drei gro­ßen Kreuz­rit­ter­or­den, den Tem­pel­her­ren, den Johan­ni­tern (seit der Refor­ma­ti­on Mal­te­ser) und eben den Deutsch­her­ren. Die Geschich­te der drei Orden ver­lief aber sehr unterschiedlich. 

Wäh­rend der Temp­ler­or­den besei­tigt wur­de und die Mal­te­ser unun­ter­bro­chen bis heu­te fort­exi­stie­ren, war die Geschich­te des Deut­schen Ordens etwas durch­wach­sen, weil ihm in der Refor­ma­ti­ons­zeit sei­ne Grund­la­ge weit­ge­hend ent­zo­gen wur­de. Er ver­füg­te über zwei Ordens­staa­ten, Preu­ßen und Livland. 

Der Deutsch­or­dens­staaat Preu­ßen, er lag im heu­ti­gen Polen und Ruß­land und ein klei­ner Teil auch in Litau­en, ging 1526 ver­lo­ren, als er dama­li­ge Hoch­mei­ster und Land­mei­ster von Preu­ßen vom katho­li­schen Glau­ben abfiel, Pro­te­stant wur­de und sich selbst zum welt­li­chen Herr­scher über den bis­he­ri­gen Ordens­staat erhob. 

Der Deutsch­or­dens­staat Liv­land lag im heu­ti­gen Lett­land und Est­land. Er ging 1561 ver­lo­ren. Inner­lich durch die Refo­ma­ti­on zer­ris­sen, von außen durch das ortho­do­xe Ruß­land und das luthe­ri­sche Schwe­den bedrängt, fiel der dor­ti­ge Land­mei­ster eben­falls vom katho­li­schen Glau­ben ab und wur­de Pro­te­stant, trat aber die Ober­ho­heit über das Land an die katho­li­sche litau­isch-pol­ni­sche Uni­on ab.

Der Deut­sche Orden exi­stier­te als Rit­ter­or­den wei­ter, eng ver­bun­den mit dem Haus Habs­burg. Mit dem Unter­gang der Habs­bur­ger­mon­ar­chie Ende des Ersten Welt­krie­ges wur­den kei­ne Rit­ter mehr auf­ge­nom­men. 1923 trat der letz­te Rit­ter-Hoch­mei­ster zurück. Der Rit­ter­or­den wur­de in ein kle­ri­ka­les Ordens­in­sti­tut päpst­li­chen Rechts umge­wan­delt und wird seit­her von einem Prie­ster als Hoch­mei­ster gelei­tet. Par­al­lel dazu gibt es die Fami­lia­ren des Deut­schen Ordens, die kir­chen­recht­lich als öffent­li­che Ver­ei­ni­gung von Gläu­bi­gen aner­kannt sind.

Die römische Erklärung

Klar­stel­lung des Staatssekretariats

Der Hei­li­ge Stuhl und die Ritterorden

Ange­sichts zahl­rei­cher Bit­ten um Aus­kunft bezüg­lich der Hal­tung des Hei­li­gen Stuhls gegen­über Rit­ter­or­den, die sich nach Hei­li­gen benannt haben oder reli­giö­se Namen tra­gen, sieht sich die­ses Staats­se­kre­ta­ri­at ver­an­lasst, erneut zu bestä­ti­gen, was bereits in der Ver­gan­gen­heit ver­öf­fent­licht wurde:

Außer den eige­nen Rit­ter­or­den (Chri­stus­or­den, Orden vom Gol­den Sporn, Pius­or­den, Orden des hei­li­gen Gre­gor des Gro­ßen und Orden des hei­li­gen Pap­stes Sil­ve­ster) aner­kennt und schützt der Hei­li­ge Stuhl nur den Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­den – oder Sou­ve­rä­nen Rit­ter- und Hos­pi­tal­or­den vom hl. Johan­nes zu Jeru­sa­lem von Rho­dos und von Mal­ta – und den Rit­ter­oden vom Hei­li­gen Grab zu Jeru­sa­lem. Es besteht nicht die Absicht, dies­be­züg­lich etwas zu ändern.

Alle ande­ren Rit­ter­or­den – ob sie nun neue­rer Grün­dung sind oder sich von den mit­tel­al­ter­li­chen Orden ablei­ten – wer­den vom Hei­li­gen Stuhl nicht aner­kannt, da die­ser nicht für ihre histo­ri­sche und recht­li­che Legi­ti­mi­tät, ihre Zie­le und ihre Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren bür­gen kann.

Um Miss­ver­ständ­nis­se, die auch infol­ge unrecht­mä­ßi­ger Aus­stel­lung von Urkun­den und unzu­läs­si­ger Nut­zung hei­li­ger Stät­ten lei­der mög­lich sind, zu ver­mei­den und die Fort­set­zung von Miss­bräu­chen zu ver­hin­dern, die vie­len gut­gläu­bi­gen Per­so­nen schließ­lich zum Scha­den gerei­chen, bekräf­tigt der Hei­li­ge Stuhl, dass er den von nicht aner­kann­ten Ver­ei­ni­gun­gen aus­ge­stell­ten rit­ter­li­chen Aus­zeich­nun­gen und den dazu­ge­hö­ri­gen Insi­gni­en kei­ner­lei Wert bei­misst und die Nut­zung von Kir­chen und Kapel­len für soge­nann­te „Inve­sti­tur­fei­ern“ für nicht ange­bracht hält.

Die Erklä­rung vom 10. Okto­ber 2026 bekräf­tigt damit eine Posi­ti­on, die bereits 2012 aus­drück­lich ver­öf­fent­licht wor­den war. Grund dafür sind eine kaum über­schau­ba­re Anzahl von welt­weit vor allem in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren erfolg­ten Grün­dun­gen aller­lei Ver­ei­ni­gun­gen, die sich den Namen Temp­ler zulegten.

Auch die Kon­se­quen­zen Roms sind ein­deu­tig: Diplo­me und Insi­gni­en, die nicht aner­kann­te Ver­ei­ni­gun­gen ver­lei­hen, besit­zen für den Hei­li­gen Stuhl kei­nen Wert. Kir­chen und Kapel­len sol­len nicht für soge­nann­te Inve­sti­tu­ren sol­cher Gemein­schaf­ten zur Ver­fü­gung gestellt werden.

Der Grund liegt auf der Hand. Fei­er­li­che Gewän­der, Kreu­ze, Titel und sakra­le Räu­me kön­nen einen kirch­li­chen Sta­tus vor­täu­schen, der tat­säch­lich nicht besteht. Die War­nung Roms gilt des­halb auch dem Schutz jener Men­schen, die sich in gutem Glau­ben von christ­li­chen Idea­len und rit­ter­li­cher Tra­di­ti­on ange­zo­gen füh­len. Sie­he auch Der Temp­ler­or­den und sei­ne Wie­der­be­le­bung.

Der kon­kre­te Hin­ter­grund der römi­schen Klar­stel­lung ist ein Rechts­streit mit einer spa­ni­schen Ver­ei­ni­gung, die den Anspruch erhebt, Nach­fol­ge­rin des Temp­ler­or­dens zu sein. Sie ver­sucht seit 2005 die Wie­der­errich­tung des Temp­ler­or­dens zu erstrei­ten. Ähn­li­che grö­ße­re oder klei­ne­re Pro­ble­me gibt es aber auch in ande­ren Ländern.

Vom Schutz der Pilger zum Ritterorden

Der histo­ri­sche Temp­ler­or­den ent­stand um 1119 in Jeru­sa­lem. Unter Hugo von Payns schlos­sen sich Rit­ter zusam­men, um Pil­ger auf den gefähr­li­chen Wegen im Hei­li­gen Land zu schüt­zen. Aus die­ser Gemein­schaft ent­wickel­te sich ein reli­giö­ser Rit­ter­or­den, der das geist­li­che Leben mit dem bewaff­ne­ten Dienst verband.

Im Gegen­satz zu den älte­ren Johan­ni­tern waren die Temp­ler damit ursprüng­lich nicht ein Spi­tal­s­or­den im enge­ren Sin­ne. Die Temp­ler wid­me­ten sich ins­be­son­de­re dem Schutz der Pil­ger und dem Kampf zur Siche­rung der christ­li­chen Herr­schaft im Hei­li­gen Land.

Mit kirch­li­cher Aner­ken­nung, Schen­kun­gen und wach­sen­dem Zulauf stieg der Orden zu einer bedeu­ten­den euro­päi­schen Insti­tu­ti­on auf. Er ver­füg­te über Nie­der­las­sun­gen und Besit­zun­gen in zahl­rei­chen Län­dern, unter­hielt ein weit­rei­chen­des Ver­wal­tungs­netz und ent­wickel­te beacht­li­che finan­zi­el­le Struk­tu­ren. Sei­ne Mit­glie­der stan­den zugleich unter einer Ordens­re­gel, die ihren reli­giö­sen und mili­tä­ri­schen Dienst bestimmte.

Doch die Geschich­te der Kreuz­fah­rer­staa­ten ende­te in einer Nie­der­la­ge. Mit dem Fall Akkons im Jah­re 1291 ging die letz­te bedeu­ten­de Basti­on der Kreuz­fah­rer­herr­schaft im Hei­li­gen Land ver­lo­ren. Bis 1302 ver­tei­dig­ten die Temp­ler noch die vor der syri­schen Küste gele­ge­ne Insel Aruad. Mit dem Rück­zug nach Zypern hat­te der Temp­ler­or­den sei­ne ursprüng­li­che stra­te­gi­sche Grund­la­ge weit­ge­hend eingebüßt.

Das Ende und die offenen Fragen

Am 13. Okto­ber 1307 ließ der fran­zö­si­sche König Phil­ipp IV. zahl­rei­che Temp­ler ver­haf­ten. Es folg­ten Ver­hö­re, Fol­ter und erzwun­ge­ne Geständ­nis­se. Reli­giö­se Anschul­di­gun­gen ver­ban­den sich mit den Macht­in­ter­es­sen eines Königs, der den Ein­fluß des Ordens bre­chen wollte.

1307 ging der fran­zö­si­sche König Phil­ipp IV. aus bis heu­te undurch­sich­ti­gen Grün­den gegen den nun auf­ga­ben­lo­sen Orden vor. Unter dem Druck des Königs hob Papst Cle­mens V. den Orden 1312 auf. 1314 wur­den der letz­te Groß­mei­ster Jac­ques de Molay in Paris hingerichtet.

Damit ende­te die Geschich­te der glor­rei­chen Temp­ler als eigen­stän­di­ge Insti­tu­ti­on. Die Umstän­de die­ses Endes wer­fen bis heu­te Fra­gen auf. Die poli­ti­schen Hin­ter­grün­de, die juri­sti­schen Ver­fah­ren und die gegen den Orden erho­be­nen Vor­wür­fe müs­sen histo­risch dif­fe­ren­ziert beur­teilt werden.

Eines aber ist fest­zu­hal­ten: Der Orden erfüll­te bis zu sei­ner Auf­lö­sung sei­ne Auf­ga­ben als reli­giö­se und mili­tä­ri­sche Gemein­schaft. Sei­ne Geschich­te war nicht frei von den Wider­sprü­chen ihrer Zeit; sie bedarf des­halb weder einer Ver­klä­rung noch nach­träg­li­cher Ver­däch­ti­gun­gen. Die histo­ri­schen Temp­ler ver­die­nen es, nach den Quel­len beur­teilt zu wer­den – nicht nach den Legen­den, die spä­ter um sie entstanden.

Mit ihrer Auf­he­bung ver­schwan­den die Temp­ler aus der Geschich­te als leben­di­ge Ordens­ge­mein­schaft. Was blieb, war die Erin­ne­rung. Über Jahr­hun­der­te hin­weg war sie fern und ver­blaßt, bis die Gestalt des Tem­pel­rit­ters in einer ganz ande­ren Epo­che zu neu­em Leben erweckt wurde.

Die Wiederentdeckung: Freimaurer, Romantik und konstruierte Traditionen

Im 18. Jahr­hun­dert ent­deck­ten frei­mau­re­ri­sche Krei­se den Temp­ler­na­men für sich. Das Zeit­al­ter der Auf­klä­rung war kei­nes­wegs nur von nüch­ter­ner Ver­nunft geprägt. Es begei­ster­te sich eben­so für Geheim­or­den, ver­schol­le­ne Über­lie­fe­run­gen, sym­bo­li­sche Ritua­le, Magie und ver­meint­li­ches Geheim­wis­sen. Der unter dra­ma­ti­schen Umstän­den unter­ge­gan­ge­ne Rit­ter­or­den bot dafür reich­lich Stoff.

In bestimm­ten frei­mau­re­ri­schen Syste­men ent­stan­den Temp­ler­gra­de, die mit dem ein­sti­gen Orden in kei­nem Zusam­men­hang stan­den, aber sich mit deren Namen schmck­ten. Zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts kamen Orga­ni­sa­tio­nen hin­zu, die aus­drück­lich bean­spruch­ten, die Tra­di­ti­on der Temp­ler wiederzubeleben.

Im 19. Jahr­hun­dert ver­stärk­ten die roman­ti­sche Mit­tel­al­ter­be­gei­ste­rung und die Kreuz­zugs­li­te­ra­tur die Fas­zi­na­ti­on für die Temp­ler. Im 20. Jahr­hun­dert ent­stan­den wei­te­re Gemein­schaf­ten, dar­un­ter christ­li­che Lai­en­ver­ei­ni­gun­gen, öku­me­ni­sche Zusam­men­schlüs­se und eso­te­risch gepräg­te Grup­pen. Sie alle berie­fen sich auf unter­schied­li­che Wei­se auf das Erbe des alten Ordens. Sie zum Bei­spiel die Fri­de­ri­cia­ni­schen Temp­ler, ver­schie­de­ne ande­re gno­sti­sche und frei­mau­re­ri­sche Neo-Temp­ler. Sie­he auch: Ama­zo­nas-Bischof zele­briert Mes­se für Frei­mau­rer der obsku­ren Templer-Malteser.

Dabei wäre es falsch, sämt­li­che moder­nen Temp­ler­ver­ei­ni­gun­gen über einen Kamm zu sche­ren. Es gibt kir­chen­recht­lich aner­kann­te katho­li­sche Gemein­schaf­ten, wie die Militia Templi, einer alt­ri­tu­el­len Lai­en­ver­ei­ni­gung diö­ze­sa­nen Rechts in der Tos­ka­na, die mit der Katho­li­schen Pfad­fin­derschft Euro­pas ver­bun­den ist.

Der Hei­li­ge Stuhl ver­wei­gert bis­her aber jede direk­te Wie­der­be­le­gung des alten Ordens. Eine sol­che wäre jeder­zeit mög­lich, sofern der Papst sei­ne Erlaub­nis dazu erteilt, denn jeder auf­ge­ho­be­ne Orden gilt nur als ruhend gestellt. Er exi­stiert durch die ver­stor­be­nen Mit­glie­der im Him­mel wei­ter, wes­halb er auch auf Erden jeder­zeit in direk­ter Kon­ti­nui­tät wie­der­be­lebt wer­den könnte. 

Ohne die­se Erlaub­nis schafft die blo­ße Über­nah­me eines Namens noch kei­ne histo­ri­sche Kontinuität.

Templer ist nicht gleich Templer

Da die Bezeich­nung des vor über 700 Jah­ren unter­ge­gan­ge­nen Ordens icht geschützt ist, begeg­net man heu­te unter dem Namen „Temp­ler“ höchst unter­schied­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen. Ihre Zie­le, ihre reli­giö­se Aus­rich­tung und ihre tat­säch­li­che Rechts­stel­lung unter­schei­den sich erheblich.

Wer sich einer sol­chen Gemein­schaft anschlie­ßen möch­te, soll­te des­halb genau hin­se­hen. Ist sie kirch­lich aner­kannt? Wel­che Zie­le ver­folgt sie? Wie geht sie mit ihren Mit­glie­dern um? Und vor allem: Belegt sie ihre Geschich­te, oder lebt sie von einer Ver­gan­gen­heit, die sich nicht nach­wei­sen läßt?

Eine katho­li­sche Lai­en­ge­mein­schaft kann sich dem christ­li­chen Glau­ben und dem Vor­bild mit­tel­al­ter­li­cher Rit­ter­lich­keit ver­pflich­tet wis­sen, ohne des­halb ein kirch­lich aner­kann­ter Rit­ter­or­den zu sein. Eben­so kann eine histo­ri­sche Ver­ei­ni­gung das Erbe der Temp­ler erfor­schen, ohne deren Nach­fol­ge zu bean­spru­chen. Das ist legi­tim – solan­ge Anspruch und Wirk­lich­keit nicht mit­ein­an­der ver­wech­selt werden.

Pro­ble­ma­tisch wird es dort, wo selbst ver­lie­he­ne Titel, fei­er­li­che Inve­sti­tu­ren und kirch­lich anmu­ten­de Insi­gni­en den Ein­druck einer Aner­ken­nung erwecken sol­len, die nicht besteht. Ein Diplom ersetzt weder die kirch­li­che Auto­ri­tät noch den histo­ri­schen Beleg. So kommt es zu skur­ri­len Situa­tio­nen wie jüngst in Öster­reich, wo eine in den Tratsch- und Klatsch­spal­ten der Gazet­ten prä­sen­te Gestalt, selbst kein Christ, in einen angeb­li­chen Temp­ler­or­den auf­ge­nom­men wur­de. Die­ser Orden behaup­tet zwar, mit aller­lei Ritua­len, Ordens­ket­ten und Gewän­dern in der Tra­di­ti­on der Temp­ler zu ste­hen, erklärt zugleich aber, daß weder die Kon­fes­si­on noch über­haupt die Reli­gi­on eine Rol­le spie­le. Das ist natür­lich gro­tesk und spot­tet dem Erbe der histo­ri­schen Templer.

Selbst der nor­we­gi­sche Amok­läu­fer Brei­vik erwähn­te in einem wir­ren Mani­fest, das er 2011 ver­öf­fent­lich­te, einer in Eng­land erfolg­ten Wie­der­be­le­gung des Temp­ler­or­dens anzu­ge­hö­ren, die er als Knights Tem­plar bezeich­ne­te und als mili­tä­ri­sche Geheim­or­ga­ni­sa­ti­on cha­rak­te­ri­sier­te, deren rang­ho­her Anfüh­rer er sei. Tat­säch­lich fand die ermit­teln­de Poli­zei kei­ner­lei Hin­wei­se auf die Exi­stenz einer sol­chen Orga­ni­sa­ti­on, die offen­bar allein in Brei­viks Phan­ta­sie exi­stier­te. Nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen hin­ge­gen gehör­te er einer Frei­mau­rer­lo­ge in Nor­we­gen an.

Ein Erbe, das keine Legenden braucht

Die Temp­ler fas­zi­nie­ren bis heu­te, weil ihre Geschich­te von Glau­ben, Dienst, Kampf und tra­gi­schem Unter­gang erzählt. Gera­de des­halb soll­te man sie nicht hin­ter Legen­den ver­schwin­den las­sen. Deren erste ent­stan­den, als der Frei­mau­rer Andrew Micha­el Ram­say 1737 erst­mals eine Abstam­mung zwi­schen den sich gera­de ent­wickeln­den Frei­mau­rer­lo­gen und den Temp­lern behaup­tet. Bele­gen konn­te er davon nichts. Es han­del­te sich um ein Pro­dukt sei­ner Phan­ta­sie. Die­se Ver­bin­dung wur­de Ende des 18. Jahr­hun­derts durch Fried­rich Nico­lai wei­ter aus­ge­baut. 1818 kam dann durch den öster­rei­chi­schen Ori­en­ta­li­sten Joseph von Ham­mer-Purgstall der Bapho­met-Mythos hin­zu usw. Da die Kir­che im frü­hen 14. Jahr­hun­dert den Temp­ler­or­den auf recht unge­wöhn­li­che Wei­se preis­ge­ge­ben hat­te, bemäch­tig­ten sich ab dem 18. Jahr­hun­dert außer­kirch­li­che Kräf­te seiner.

Der mit­tel­al­ter­li­che Orden war eine kon­kre­te reli­giö­se Gemein­schaft mit einer kla­ren Auf­ga­be. Sei­ne Mit­glie­der stan­den im Dienst einer Über­zeu­gung, die ihr gan­zes Leben bestimm­te. Daß ihr Orden schließ­lich unter­ging, löscht sei­ne Geschich­te nicht aus. Es macht sie aber auch nicht zu einer Ein­la­dung, belie­bi­ge Nach­fol­ge­an­sprü­che und zu erhe­ben und eigen­wil­li­ge Nar­ra­ti­ve zu verbreiten.

Wer das Erbe der Temp­ler ernst nimmt, muß sich nicht mit einem selbst ver­lie­he­nen Rit­ter­ti­tel schmücken. Er muß weder Geheim­wis­sen behaup­ten noch eine unun­ter­bro­che­ne Tra­di­ti­on erfin­den. Histo­ri­sche Red­lich­keit und ein glaub­wür­di­ger Dienst für die Kir­che in der Cari­tas wie­gen schwe­rer als jedes Ordensgewand.

Daher die Bot­schaft aus Rom: Nicht jede Ver­ei­ni­gung, die sich auf einen mit­tel­al­ter­li­chen Rit­ter­or­den beruft, ist auch des­sen legi­ti­mer Nach­fol­ger. Zwi­schen Fas­zi­na­ti­on und Aner­ken­nung liegt ein ent­schei­den­der Unterschied.

Der Name Temp­ler ist schnell ange­nom­men. Die Geschich­te, auf die er sich beruft, läßt sich damit nicht vereinnahmen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Katho​li​sches​.info

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