Kein Platz für die Tradition

Vatikan verweigert Wallfahrt die Alte Messe

Die Pilger der internationalen Wallfahrt Ad Petri Sedem wurden an der Grenze zum Vatikan abgewiesen. Die Tradition muß draußen bleiben.
Die Pilger der internationalen Wallfahrt Ad Petri Sedem wurden an der Grenze zum Vatikan abgewiesen. Die Tradition muß draußen bleiben.

Von Titus*

Der Vati­kan ver­wei­gert der Wall­fahrt „Ad Petri Sedem“ nicht nur die Meß­fei­er im Peters­dom, son­dern auch den gemein­sa­men Ein­zug zum Apo­stel­grab. Die Orga­ni­sa­to­ren wider­spre­chen Spe­ku­la­tio­nen und beto­nen ihre Treue zum Papst. Doch die Fra­ge nach der lit­ur­gi­schen Gleich­be­rech­ti­gung erhielt durch die Ableh­nung eine ein­deu­ti­ge Antwort.

Die jähr­li­che Wall­fahrt der Freun­de der über­lie­fer­ten römi­schen Lit­ur­gie nach Rom soll­te ein sicht­ba­res Zei­chen der Ver­bun­den­heit mit dem Nach­fol­ger Petri sein. Das war der Grund, war­um die inter­na­tio­na­le Wall­fahrt seit 2012 statt­fin­det. Statt des­sen wur­de sie am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de zum Gegen­stand einer kir­chen­po­li­ti­schen Kon­tro­ver­se. Den Teil­neh­mern der Wall­fahrt „Ad Petri Sedem“ wur­de die Fei­er der hei­li­gen Mes­se im Peters­dom ver­wei­gert. Auch der anschlie­ßen­de Ver­such, gemein­sam in die Basi­li­ka ein­zu­zie­hen, um am Apo­stel­grab für den Papst zu beten und das Aller­hei­lig­ste anzu­be­ten, schei­ter­te am Nein des vati­ka­ni­schen Staatssekretariats.

Wes­halb wur­de einer seit fünf­zehn Jah­ren bestehen­den Initia­ti­ve die gewohn­te Mög­lich­keit genom­men, ihren geist­li­chen Höhe­punkt am Grab des Apo­stel­für­sten zu bege­hen? Wes­halb erfolg­te die Absa­ge ohne eine nach­voll­zieh­ba­re Begrün­dung? Und was bedeu­tet es für die kirch­li­che Ein­heit, wenn Gläu­bi­ge, die aus­drück­lich ihre Treue zum Papst bekun­den wol­len, sich im Zen­trum der katho­li­schen Chri­sten­heit zurück­ge­wie­sen fühlen?

Eine Wallfahrt mit langer Tradition

Die Wall­fahrt „Ad Petri Sedem“, auch als Wall­fahrt „Sum­morum Pon­ti­fi­cum“ bekannt, ver­sam­melt all­jähr­lich Prie­ster, Ordens­leu­te und Lai­en aus ver­schie­de­nen Län­dern, die der über­lie­fer­ten römi­schen Lit­ur­gie ver­bun­den sind. Vom 23. bis 25. Okto­ber kamen die Teil­neh­mer in Rom zusam­men, um gemein­sam zu beten, die hei­li­ge Mes­se nach dem alten Mis­sa­le Roma­num zu fei­ern und ihre Ver­bun­den­heit mit dem Apo­sto­li­schen Stuhl zu bekunden.

Orga­ni­siert wird die Wall­fahrt vom Coe­tus Inter­na­tio­na­lis Sum­morum Pon­ti­fi­cum (CISP), einem Zusam­men­schluß tra­di­tio­nell ori­en­tier­ter katho­li­scher Ver­ei­ni­gun­gen. Die Inter­na­tio­na­le Föde­ra­ti­on Una Voce (FIUV) gehört dem Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee an.

Der Name „Ad Petri Sedem“ – zum Stuhl Petri – bringt das Anlie­gen zum Aus­druck: Die tra­di­tio­nel­le Lit­ur­gie soll nicht als Aus­druck einer Abkehr von Rom ver­stan­den wer­den, son­dern als Teil des geist­li­chen Erbes der Kir­che, das sei­ne Anhän­ger gera­de in Gemein­schaft mit dem Papst bewah­ren wollen.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren gehör­ten der gemein­sa­me Zug zum Peters­dom und die dor­ti­ge Fei­er bezie­hungs­wei­se das gemein­sa­me Gebet zu den Höhe­punk­ten der Wall­fahrt. Auch 2023 und 2024 war unter Papst Fran­zis­kus zwar kei­ne Meß­fei­er im Peters­dom gestat­tet wor­den, doch konn­ten die Pil­ger dort zumin­dest eine gemein­sa­me Andacht hal­ten. Im Jahr 2025, dem ersten Jahr des Pon­ti­fi­kats von Leo XIV., hat­te die Wall­fahrt ihren Höhe­punkt sogar mit einem fei­er­li­chen Pon­ti­fi­kal­amt im Peters­dom gefun­den, das Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke zelebrierte.

Um so grö­ßer war der Kon­trast zum dies­jäh­ri­gen Ablauf.

Die Absage kam aus dem Staatssekretariat

Die Orga­ni­sa­to­ren hat­ten früh­zei­tig um die Erlaub­nis ersucht, die Wall­fahrts­mes­se im Peters­dom fei­ern zu dür­fen. Bischof Atha­na­si­us Schnei­der über­gab Papst Leo XIV. das ent­spre­chen­de Anlie­gen bei einer Pri­vat­au­di­enz am 18. Dezem­ber 2025. Der Antrag lag damit mehr als zehn Mona­te vor der Wall­fahrt vor.

Die Absa­ge erfolg­te am 7. August 2026. Das Staats­se­kre­ta­ri­at teil­te mit, daß die Fei­er der Mes­se in die­sem Jahr nicht geneh­migt wer­de. Auch eine alter­na­ti­ve Ter­min­mög­lich­keit wur­de nach Anga­ben der Orga­ni­sa­to­ren nicht vor­ge­schla­gen. Eine inhalt­li­che Begrün­dung ent­hielt die Mit­tei­lung nicht.

Zunächst rech­ne­te das Komi­tee damit, wenig­stens die gemein­sa­me Andacht im Peters­dom durch­füh­ren zu kön­nen. Da dies in den Jah­ren 2023 und 2024 trotz Meß­ver­bots mög­lich gewe­sen war.

Am 8. Sep­tem­ber wand­te sich der Wall­fahrts­ka­plan, Abbé Clau­de Bar­the, des­halb schrift­lich an das Staats­se­kre­ta­ri­at. Er frag­te an, ob die Pil­ger am 24. Okto­ber gemein­sam in die Basi­li­ka ein­zie­hen, am Con­fes­sio-Altar über dem Petrus­grab für den Papst beten und am Kathe­dr­aal­tar das Aller­hei­lig­ste anbe­ten dürf­ten. Die Sakri­stei des Peters­doms hat­te dem­nach den frü­hen Nach­mit­tag als grund­sätz­lich mög­li­chen Zeit­punkt genannt, vor­be­halt­lich der erfor­der­li­chen Genehmigung.

Die Ant­wort des Staats­se­kre­ta­ri­ats datiert vom 30. Sep­tem­ber. Erz­bi­schof Pao­lo Rudel­li, Sub­sti­tut für die all­ge­mei­nen Ange­le­gen­hei­ten, teil­te Abbé Bar­the mit, daß dem Ersu­chen nicht ent­spro­chen wer­den kön­ne. Auch in die­sem Fall wur­de in dem Schrei­ben kei­ne nähe­re Begrün­dung für die Abwei­sung gegeben.

Die Ant­wort wur­de auf dem Post­weg über die Apo­sto­li­sche Nun­tia­tur in Paris wei­ter­ge­lei­tet und erreich­te den Kaplan nach Anga­ben von Pater João Sil­vei­ra erst am 12. Okto­ber, weni­ger als zwei Wochen vor der Wallfahrt.

Warum die Absage erst so spät bekannt wurde

Da die Ein­schrän­kun­gen öffent­lich erst unmit­tel­bar vor der Wall­fahrt bekannt wur­den, ent­stand der Ein­druck, die Orga­ni­sa­to­ren hät­ten die Pil­ger bis zuletzt im unkla­ren gelas­sen. In den sozia­len Medi­en wur­de dar­aus teil­wei­se der Vor­wurf abge­lei­tet, sie hät­ten die Vor­gän­ge falsch dargestellt.

Pater Sil­vei­ra wider­sprach die­ser Dar­stel­lung. Die Ver­ant­wort­li­chen hät­ten die nega­ti­ve Ant­wort nicht sofort öffent­lich gemacht, weil sie wei­ter­hin ver­such­ten, eine Geneh­mi­gung für den gemein­sa­men Ein­zug zu erlan­gen, da es eine so radi­ka­le Abwei­sung der Tra­di­ti­on zuvor noch nicht gege­ben hat­te. Die Bedeu­tung die­ses Vor­gangs für die Teil­neh­mer sei groß gewe­sen; eine end­gül­ti­ge Absa­ge hät­te zudem, so die Ein­schät­zung der Orga­ni­sa­to­ren, für die Pil­ger und vie­le ande­re Katho­li­ken ein erheb­li­ches Ärger­nis bedeu­tet. Doch der­glei­chen Befind­lich­kei­ten inter­es­sier­ten im Staats­se­kre­ta­ri­at offen­sicht­lich nicht.

Erst nach­dem die wei­te­ren Bemü­hun­gen erfolg­los geblie­ben waren, wur­den die Teil­neh­mer am Frei­tag­abend, dem 23. Okto­ber, über die Ein­schrän­kun­gen infor­miert. Am fol­gen­den Tag soll­te die Pro­zes­si­on stattfinden.

Die­se zeit­li­che Abfol­ge ist für die Beur­tei­lung des Vor­gangs ent­schei­dend. Die Orga­ni­sa­to­ren kann­ten die Ableh­nung der Meß­fei­er seit August. Die Absa­ge des gemein­sa­men Ein­zugs wur­de ihnen dage­gen erst Mit­te Okto­ber offi­zi­ell zuge­stellt. Bis zuletzt bemüh­ten sie sich unter gro­ßem Ein­satz, doch noch eine Erlaub­nis zu erhal­ten. Erfolg­los. Am Abend vor der Pro­zes­si­on stand engül­tig fest, daß alle Ver­su­che geschei­tert waren, wes­halb nichts ande­res übrig­blieb, als die Pil­ger über die vati­ka­ni­sche Unfreund­lich­keit in Kennt­nis zu setzen.

Vor­wür­fe, die Orga­ni­sa­to­ren hät­te durch die spä­te Bekannt­ga­be die Pil­ger absicht­lich getäuscht, ist Kri­tik an den fal­schen Adres­sa­ten. Ver­ant­wort­lich für die Zurück­wei­sung der Tra­di­ti­on ist das Staats­se­kre­ta­ri­at und damit der Hei­li­ge Stuhl.

Halt am Obelisken

Am Sams­tag, dem 24. Okto­ber, ver­sam­mel­ten sich die Pil­ger zum Rosen­kranz­ge­bet und zogen anschlie­ßend durch die Stra­ßen in Rich­tung Peters­platz. Die ita­lie­ni­sche Poli­zei beglei­te­te den Zug bis zum Vati­kan. Dort wur­de den Teil­neh­mern bedeu­tet, nicht wei­ter­zu­ge­hen. Die Pro­zes­si­on ende­te somit im Bereich des Obe­lis­ken auf dem Peters­platz. Der Tra­di­ti­on wur­de demon­stra­tiv beschei­den, daß sie im Vati­kan uner­wünscht ist.

Bil­der von den Pil­gern vor Absper­run­gen ver­brei­te­ten sich anschlie­ßend im Inter­net. Eini­ge Kom­men­ta­to­ren erweck­ten den Ein­druck, eigens für die Wall­fahrt sei eine Sperr­mau­er errich­tet wor­den, um den tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken den Zugang zu ver­weh­ren. Die tuch­be­spann­ten Absper­run­gen befin­den sich jedoch wegen der Vor­be­rei­tun­gen für die Weih­nachts­krip­pe auf dem Peters­platz. Da die Pro­zes­si­on von den Sicher­heits­kräf­ten an die­ser Stel­le ange­hal­ten wur­de, waren die Absper­run­gen auf zahl­rei­chen Auf­nah­men im Hin­ter­grund zu sehen. Wenn die­se Wän­de auch nicht der Wall­fahrt der Tra­di­ti­on gal­ten, so brin­gen sie den­noch sym­bo­lisch die Zurück­wei­sung zum Ausdruck.

Die Stellungnahme des Vatikans

Am 26. Okto­ber wur­de die Kon­tro­ver­se durch eine Erklä­rung des vati­ka­ni­schen Pres­se­spre­chers Matteo Bruni gegen­über dem US-Por­tal The Pil­lar ergänzt. Dem­nach habe sich das Schrei­ben des Staats­se­kre­ta­ri­ats aus­schließ­lich auf die Pro­zes­si­on bezo­gen. Ein sol­cher gemein­sa­mer Ein­zug sei nor­ma­ler­wei­se nicht gestat­tet, auch nicht bei Pil­ger­grup­pen aus Diö­ze­sen. Wenn die Orga­ni­sa­to­ren eine ande­re gemein­schaft­li­che Hand­lung, etwa eucha­ri­sti­sche Anbe­tung oder Gebet, hät­ten durch­füh­ren wol­len, hät­ten sie die­se aus­drück­lich bean­tra­gen müssen.

Die­se Erklä­rung scheint Öl ins Feu­er zu gie­ßen. Zum Scha­den beka­men die Pil­ger auch noch den Spott. Gemein­sa­me Ein­zü­ge waren im Vor­jahr, dem Hei­li­gen Jahr 2025, die Nor­ma­li­tät. Die Begrün­dung des Staats­se­kre­ta­ri­ats klingt will­kür­lich. Win­kel­ad­vo­ka­ten lie­ben soche Schach­zü­ge. Für eine zen­tra­le Behör­de des Hei­li­gen Stuhls erscheint sie unwürdig.

Die Orga­ni­sa­to­ren hat­ten näm­lich in ihrem Schrei­ben vom 8. Sep­tem­ber aus­drück­lich um das gemein­sa­me Gebet an der Con­fes­sio und die Eucha­ri­sti­sche Anbe­tung am Kathe­dr­aal­tar ange­sucht. Die nach­träg­li­che Erklä­rung des Pres­se­spre­chers prä­zi­siert nicht und besei­tigt auch nicht die offe­nen Fra­gen zur Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Betei­lig­ten. Sie setzt ein­fach nur die Unfreund­lich­keit fort.

Eine per­sön­li­che Inter­ven­ti­on Papst Leos XIV. gegen die Wall­fahrt ist zwar nicht belegt, doch scheint ein völ­lig eigen­mäch­ti­ges Han­deln des Staats­se­kre­ta­ri­ats schwer vor­stell­bar. Die doku­men­tier­ten Ent­schei­dun­gen wur­den durch das Staats­se­kre­ta­ri­at mit­ge­teilt, doch alle Ent­schei­dun­gen fal­len im Namen des Papstes.

Ein Vergleich, der Fragen aufwirft

Im Zusam­men­hang mit den Ein­schrän­kun­gen wur­de auch auf die im Sep­tem­ber 2025 im Rah­men des Hei­li­gen Jah­res durch­ge­führ­te Homo-Wall­fahrt ver­wie­sen, bei der Teil­neh­mer mit Sym­bo­len der Homo-Bewe­gung in einer Pro­zes­si­on in den Vati­kan ein­zie­hen konnten. 

Die Win­ke­la­do­vak­ten wür­den sicher auch dafür eine win­di­ge Erklä­run­gen fin­den. Die Fak­ten sind jedoch offen­sicht­lich und der Ein­druck, der damit ver­mit­telt wird auch. Und offen­sicht­lich soll die­ser Ein­druck auch ver­mit­telt. Die Ereig­nis­se vom Sams­tag spie­geln die offi­zi­el­le Kir­chen­po­li­tik gegen­über der Tra­di­ti­on wider. Nicht durch Fran­zis­kus, son­dern durch Leo XIV.

Treue zum Papst ist keine Einbahnstraße

Die FIUV und die Ver­ant­wort­li­chen des CISP haben deut­lich gemacht, daß sie an der Wall­fahrt fest­hal­ten wol­len. Sie beto­nen, daß die Initia­ti­ve von der Lie­be zum Papst und zur katho­li­schen Kir­che getra­gen wer­de. Die Vor­be­rei­tun­gen für die Wall­fahrt des Jah­res 2027 sol­len trotz der Abwei­sung fort­ge­setzt werden.

Die Fra­ge, wie die Kir­che mit den Gläu­bi­gen umgeht, die an die­ser Form fest­hal­ten, berührt auch ihr Ver­ständ­nis von Tra­di­ti­on und kirch­li­cher Gemein­schaft. Wer Ein­heit for­dert, muß zugleich erklä­ren kön­nen, wie berech­tig­te Bin­dun­gen an das lit­ur­gi­sche Erbe inner­halb die­ser Ein­heit fort­ge­sto­ßen werden. 

Die Tra­di­ti­on ist uner­wünscht. Ihre Ver­tre­ter wer­den als unge­woll­te Kin­der behan­delt. Sie sind lästig, und man läßt sie es bei sich bie­ten­der Gele­gen­heit auch spüren.

Von einem lit­ur­gi­schen Frie­den, dem man unter Bene­dikt XVI. näher­ge­kom­men schien, ist die Kir­che wie­der weit entfernt.

*Titus, ist ein mit einer ehe­ma­li­gen Eccle­sia-Dei-Gemein­schaft ver­bund­e­rer Prie­ster.

Bild: Micha­el Haynes/​X (Screen­shot)

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