Am 1. August veröffentlichte die Tageszeitung Il Foglio ein ausführliches Gespräch mit Kardinal Robert Sarah, dem emeritierten Präfekten der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Das Gespräch führte Chefredakteur Matteo Matzuzzi. Darin bezeichnet der Kardinal aus Afrika den liturgischen Streit als schweres Übel. Niemand könne nach Belieben über die Liturgie verfügen. Der Kardinal plädiert für die Wiederaufnahme der Linie von Summorum Pontificum von Benedikt XVI. Die Liturgie sei kein Feld persönlicher oder ideologischer Auseinandersetzungen, sondern ein heiliger Schatz der Kirche, der ehrfürchtig, treu und im Geist der Einheit bewahrt und gefeiert werden müsse. Wir dokumentieren einige zentrale Passagen des Gesprächs.
Auszug aus dem Artikel: „Eine Welt, in der Gott irrelevant ist“:
Über Einheit zu sprechen, wenn es um die Liturgie geht, scheint schwierig zu sein. Es handelt sich um ein spaltendes Thema, bei dem sich zwei gegensätzliche Lager gegenüberstehen. Auf der einen Seite stehen jene, die den Gebrauch des Vetus Ordo als eine Errungenschaft verteidigen; auf der anderen Seite gibt es eine ideologisch geprägte Haltung, die diese Katholiken nahezu als eine „Sekte“ betrachtet, die verschwinden müsse. Der Papst hat erklärt, er wolle die Situation gründlich verstehen sowie allen begegnen und mit ihnen in Dialog treten.
Nach Ansicht von Kardinal Robert Sarah „ist es ein Drama, ja eine wirkliche Sünde, daß es gerade bei einem so wesentlichen Thema wie der Liturgie eine Art Krieg gibt. Die Liturgie ist die Quelle der kirchlichen Gemeinschaft, und es ist unvorstellbar, daß es aus liturgischen – oder genauer gesagt: rituellen – Fragen zu einer derart scharfen Konfrontation und zu so erbitterten Gegensätzen kommt. Niemand hat Macht über die Riten, die aus der jahrhundertelangen Geschichte der Kirche hervorgegangen sind. Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden, und niemand kann von einem Tag auf den anderen erklären, ein bestimmter Ritus existiere nicht mehr.
Ich bin der Überzeugung, daß diese Frage ernsthaft aufgegriffen werden muß, indem man zu der ausgewogenen, pastoral klugen und theologisch fundierten Position Benedikts XVI. zurückkehrt. Er ermöglichte es, daß beide Formen des lateinischen Ritus nebeneinander bestehen, sich gegenseitig bereichern und vom heiligen Volk Gottes kennengelernt werden konnten, so daß dieses im Laufe der Zeit entscheiden kann, welche Form seinem Bedürfnis nach Glauben, Stille und Spiritualität besser entspricht.
Einige Überreaktionen derjenigen, die an der außerordentlichen Form festhalten, lassen sich zumindest teilweise durch die schwerwiegenden und weitverbreiteten Mißbräuche bei der Feier der ordentlichen Form erklären. Diese wird bis heute häufig weder so gefeiert, wie es das Konzil gewollt hat, noch so, wie es die Liturgiereform selbst vorsieht. Die Liturgie ist nicht Eigentum des Zelebranten – ganz gleich, ob er Priester, Bischof oder Kardinal ist. Die Liturgie gehört Gott. Man tritt in sie ein, und niemand ist ihr Herr.“
Vielleicht liegt das Problem jedoch noch tiefer. Man denke nur an die Qualität vieler Predigten, die oft unzureichend vorbereitet sind und nur selten Herz und Verstand der Gläubigen nachhaltig berühren. Ganz zu schweigen von den Gottesdiensten, in denen der Bezug auf das Transzendente häufig nur noch eine Randerscheinung ist. Was ist zu tun?
„Auf diese Frage habe ich zum Teil bereits geantwortet. Der Schlüssel liegt in der liturgischen Bildung: Bildung, Bildung und nochmals Bildung – für Bischöfe, Priester und Laien gleichermaßen. Die Wiedergewinnung des Sinnes für das Heilige in einer säkularisierten Gesellschaft, die Gott aus ihrem Leben verdrängt hat, kann nur durch die Verkündigung der Wahrheit, durch eine überzeugte und beständige Katechese sowie durch konkrete Erfahrungen von Stille und Spiritualität innerhalb der liturgischen Feier gelingen.
Die Ehrfurcht, die Gott gebührt, und die Demut des Menschen selbst sind grundlegende Voraussetzungen, um den Sinn für das Heilige und die Treue zur Liturgie, wie die Kirche sie feiern will, wiederzugewinnen. Schließlich würde niemand auf die Idee kommen, die Sixtinische Kapelle zu betreten und Michelangelos Jüngstes Gericht zu korrigieren. Das Meßbuch ist ungleich bedeutender, ungleich älter und ungleich verbindlicher als Michelangelos Jüngstes Gericht. Deshalb darf niemand am Ritus, wie ihn die Kirche den Gläubigen vorlegt, etwas berichtigen, streichen, hinzufügen oder verändern. Und die Gläubigen haben das unveräußerliche Recht, an heiligen Messen teilzunehmen, die nach dem Willen der Kirche gefeiert werden – und nicht nach den persönlichen Launen eines einzelnen Priesters.“
Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Il Foglio (Screenshot)
Das Kriterium liefert der Römerbrief. Paulus schreibt an „alle in Rom, die von Gott geliebt sind“. Er schreibt über die Zeit vor dem Zorn Gottes. Es ist eine Zeit der Verdrehung und Sünde. Die heutige Gegenwart.
1,18: „Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn es ist ihnen offenbar, was man von Gott erkennen kann; Gott hat es ihnen offenbart.“
1,25: „Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers. […] Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen. 32 Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt, verdient den Tod. Trotzdem tun sie es nicht nur selbst, sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln.“
Wir sehen hier den kompletten Regenbogen, unter dem Rom heute steht. Die hörende synodale Kirche betet das Geschöpf an. Sie verleumden und beschuldigen die Gottesfürchtigen. Sie sind ohne Liebe und Erbarmen. Sie ermutigen die Menschen, weiter die Sünden auszuleben. Und Paulus sagt klar: Sie sind unentschuldbar.
Kardinal Sarah ist einer der letzten verbliebenen konservativen Kurienmitglieder. Er vertritt nicht die Regenbogenideologie. In Rom herrscht ein unvereinbarer Gegensatz zwischen den beiden Lagern. Was schlägt Sarah vor? Den Kompromiss. Sarah betrachtet die Synodalen als Teil der Kirche, mit denen man sich arrangieren kann. Er betrachtet ihren Meßritus, den Novus Ordo, als einen angemessenen Ritus, weil dieser zur Einheit beiträgt. Zur Einheit mit den unentschuldbaren Synodalen.
Klare Haltung und vernünftig von einem der wenigen verbliebenen wahrhaften Hirten der Kirche.
Bei der Katechese darf es nicht um die Frage gehen, ob Jesus zwiegenähte Sandalen getragen hat.
Die Predigten sind in der Regel eine Verdoppelung des Evangeliums und viel Gerede drum herum.
Geht alle zur FSSPX,dort ist die Wahrheit Und betet täglich den Rosenkranz / Psalter
Der Kardinal ist einer der Konservativen der Konzilskirche, das ist richtig, daher auch seine folgerichtigen Einlassungen.
Mit der Kirche ohne Konzil hat das allerdings nichts zu tun.
Er behandelt, wie so viele Konservative die Probleme, die es ohne das Konzil niemals geben würde.
Das kann man nicht als Richtschnur nehmen.
Daniele da Volterra erhielt nach dem Konzil von Trient den Auftrag das Jüngste Gericht wegen zuviel Nacktheit zu übermalen – sognenannte Hosenmalerei. Dies wurde nie wieder entfernt. Nur so zum Nachdenken…