Die Strafen Gottes in der Zeit des Unglaubens

Es ist, als stünden wir vor einer Finsternis Gottes…

Piero della Francesca, zentraler Teil des Polyptychons der Barmherzigkeit (ca. 1444–1464)
Piero della Francesca, zentraler Teil des Polyptychons der Barmherzigkeit (ca. 1444–1464)

Von Cri­sti­na Siccardi*

Es war Sams­tag­mit­tag (ein Mari­en­tag), der 13. Okto­ber 1917, als Tau­sen­de von Men­schen, die sich in der Cova da Iria in Por­tu­gal ver­sam­melt hat­ten, sahen, wie die Son­ne etwa zehn Minu­ten lang ihre Far­be, Grö­ße und Posi­ti­on ver­än­der­te und sich anschlie­ßend immer wei­ter der Erde zu nähern schien, als wür­de sie auf sie her­ab­stür­zen – doch sie stürz­te nicht her­ab. Eine Ankün­di­gung mög­li­cher künf­ti­ger Strafen?

Es war ein aus­ge­spro­chen gött­li­ches Gesche­hen, auf das der Mensch kei­ner­lei Ein­fluß hat­te und das von Gott selbst gewollt war, um die Erschei­nun­gen Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma zu besie­geln. Sie war gekom­men, um zur Bekeh­rung auf­zu­ru­fen und um zu Opfern, zum Gebet und zum Rosen­kranz für die Sün­der ein­zu­la­den und dabei an die Wirk­lich­keit der Höl­le zu erin­nern, die den Ver­damm­ten bestimmt ist.

Heu­te lau­tet die gän­gi­ge Auf­fas­sung, daß wir für die Ver­än­de­run­gen des Kli­mas ver­ant­wort­lich sei­en und die­se daher auch steu­ern könn­ten. Die­se Para­noia nennt sich Über­mensch: Nietz­sches Über­mensch, der die tra­di­tio­nel­le Moral über­schrei­tet, den Tod Got­tes akzep­tiert und sich in der Lage sieht, die Kräf­te des Uni­ver­sums, ein­schließ­lich des Kli­mas, zu ver­än­dern. Die­ses Über­schrei­ten führt ihn jedoch dazu, gegen die Mau­er der Wirk­lich­keit zu pral­len, die nicht nur hori­zon­tal, son­dern auch ver­ti­kal ist.

Der ungläu­bi­ge, selbst­ge­fäl­li­ge, von Anma­ßung erfüll­te Mensch, der allein an die Macht der Wis­sen­schaft ohne Weis­heit glaubt und über das Natur­recht und das gött­li­che Recht hin­aus­geht, hat sich so sehr über­schätzt, daß er nicht mehr zulas­sen will, daß es Stra­fen Got­tes gibt – eine ver­nünf­ti­ge Wirk­lich­keit, die im katho­li­schen Den­ken ver­an­kert ist, sofern die­ses frei von ideo­lo­gi­schen Ver­fäl­schun­gen bleibt.

Bis­lang ist das tra­gi­sche 20. Jahr­hun­dert, in dem Satan ent­fes­selt zu sein schien und die Got­tes­mut­ter die Mensch­heit vor der Gefahr schwe­rer welt­wei­ter Stra­fen warn­te, falls die Men­schen sich nicht bekeh­ren wür­den, jenes Jahr­hun­dert, in dem es in der gesam­ten Geschich­te die mei­sten Opfer von Krie­gen und Ideo­lo­gien gab: die bol­sche­wi­sti­sche Revo­lu­ti­on, der Erste und der Zwei­te Welt­krieg, der Viet­nam­krieg, der Völ­ker­mord an den Arme­ni­ern, das Mas­sa­ker in Kam­bo­dscha, die grau­sa­men Ver­fol­gun­gen und Mas­sen­mor­de der Natio­nal­so­zia­li­sten, Sowjets und Maoisten.

Auf­grund der Kom­ple­xi­tät der Berech­nun­gen, der Ver­nich­tung von Auf­zeich­nun­gen und der unter­schied­li­chen histo­rio­gra­phi­schen Ein­schät­zun­gen – ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der durch kom­mu­ni­sti­sche Regime her­bei­ge­führ­ten Hun­gers­nö­te – blei­ben genaue Zah­len unter Histo­ri­kern umstrit­ten. Addiert man daher die am mei­sten aner­kann­ten histo­ri­schen Schät­zun­gen, bewegt sich die Gesamt­zahl der Toten zwi­schen min­de­stens 140 Mil­lio­nen und mehr als 210 Millionen.

Als Erben die­ses ver­häng­nis­vol­len ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts, in dem sich auch die Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von 1968 voll­zog, wel­che die Grund­pfei­ler der Sta­bi­li­tät der Fami­lie zer­stör­te, leben wir in einer Zeit gro­ßer Umwäl­zun­gen und Kata­stro­phen: von der Covid-Zeit bis zu den welt­weit aus­ge­dehn­ten Krie­gen – gegen­wär­tig gibt es 56 bewaff­ne­te Kon­flik­te, ver­teilt auf den Nahen Osten, Euro­pa, Afri­ka, Asi­en und Ame­ri­ka; von der Dür­re infol­ge der gro­ßen Hit­ze, die von der Nach­rich­ten­agen­tur AGI als „höl­li­sche Hit­ze“ bezeich­net wur­de und erschrecken­de Brän­de ver­ur­sacht hat, bis hin zu Erd­be­ben in Vene­zue­la, Kolum­bi­en und Indonesien.

Der „Tod Got­tes“ in den west­li­chen Gesell­schaf­ten führt zu immer mehr Gewalt auf den Stra­ßen und in den Häu­sern; und in Euro­pa lei­det etwa jeder Sech­ste, rund 140 Mil­lio­nen Men­schen, an psy­chi­schen Stö­run­gen. Die Daten der WHO und der OECD zei­gen, daß neu­ro­psych­ia­tri­sche Erkran­kun­gen bei Jung und Alt die dritt­häu­fig­ste Todes­ur­sa­che auf dem Kon­ti­nent dar­stel­len. Man könn­te sagen: Der Mensch zer­stört sich selbst. Wenn man nicht mehr unter dem Blick unse­res Herrn steht, ver­liert die See­le den wirk­li­chen Weg.

Der Begriff der Stra­fe erschreckt die Lai­zi­sten. Den­noch sind die Stra­fen des­halb nicht vom Ange­sicht der Erde ver­schwun­den. Im weit ver­brei­te­ten Kli­ma des Glau­bens­ab­falls glaubt lei­der auch ein gro­ßer Teil des Kle­rus und der Ordens­leu­te nicht mehr dar­an, daß Gott die Men­schen schon in die­sem Leben und nach dem Tod bestra­fen kann, obwohl das Alte und das Neue Testa­ment dies mit Gewiß­heit bezeugen.

Die gegen­wär­tig in der Kir­che ergrif­fe­nen Initia­ti­ven sind gelin­de gesagt erschüt­ternd. So hat Bischof Rob Muts­aerts, Weih­bi­schof der nie­der­län­di­schen Diö­ze­se Her­zo­gen­busch, einen lan­gen und ein­dring­li­chen Appell an den Papst gerich­tet, in dem er schreibt:

„Die Kir­che exi­stiert in erster Linie nicht dazu, die Men­schen in dem zu bestä­ti­gen, was sie bereits sind. Sie exi­stiert, um sie zu Chri­stus zu füh­ren. Die ersten Wor­te der öffent­li­chen Ver­kün­di­gung Jesu lau­ten nicht: ‚Sagt mir zuerst, wie ihr euch ange­sichts der gegen­wär­ti­gen kirch­li­chen Struk­tu­ren fühlt.‘ Son­dern: ‚Kehrt um und glaubt an das Evangelium‘ […].

Die gro­ßen katho­li­schen Refor­men gin­gen fast nie von den Struk­tu­ren aus [in die­sem Fall bezieht sich der Bischof auf den syn­oda­len Pro­zeß, Anm. der Autorin]. Sie gin­gen von den Hei­li­gen aus. Nach Zei­ten der Kor­rup­ti­on kamen die Refor­mer: Bene­dikt, Bern­hard, Fran­zis­kus, Domi­ni­kus, Katha­ri­na von Sie­na, Igna­ti­us von Loyo­la, Tere­sa von Ávila, Karl Bor­ro­mä­us, Franz von Sales, Johan­nes Bos­co, The­re­se von Lisieux, Maxi­mi­li­an Kolbe […].

Die Ern­te ist groß. Der Arbei­ter sind weni­ge. Die Kir­chen des Westens lee­ren sich, wäh­rend zugleich die jün­ge­ren Gene­ra­tio­nen offen­bar wie­der nach Wahr­heit und Tran­szen­denz suchen. Gera­de jetzt brau­chen wir kei­ne zögern­de Kir­che, son­dern eine mis­sio­na­ri­sche Kir­che, die weiß, wor­in ihr Schatz besteht, und kei­ne Angst davor hat, ihn der Welt zu zeigen. […]

Des­halb bete ich dar­um, daß Ihr Pon­ti­fi­kat von einer erneu­er­ten Kon­zen­tra­ti­on auf das geprägt sein möge, was letzt­lich das Herz jeder wah­ren kirch­li­chen Reform aus­macht: Chri­stus, die Bekeh­rung, die Hei­lig­keit, die Eucha­ri­stie, die Evan­ge­li­sie­rung und das Heil der See­len. Denn wenn ein­mal alle Syn­oden been­det, alle Doku­men­te ver­faßt, alle Kom­mis­sio­nen auf­ge­löst und unse­re Namen ver­ges­sen sein wer­den, bleibt nur die Fra­ge, die wirk­lich zählt: Haben wir die uns anver­trau­ten Men­schen Jesus Chri­stus nähergebracht?“

Nichts wird wirk­lich unter­nom­men, um die Gewis­sen zu erneu­ern und sie – wie der hei­li­ge Pfar­rer von Ars – zu den himm­li­schen Zie­len zu füh­ren, indem man einen regel­rech­ten Kampf gegen die Sün­den der See­len führt, die einem anver­traut sind.

Sün­den gibt es auch in der Kir­che, vor allem durch schlech­te Leh­rer, denen alles erlaubt wird, ohne irgend­ei­ne Kor­rek­tur, weil dies alles unter das Schlag­wort unse­rer Zeit fällt: „Inklu­si­vi­tät“, ein­schließ­lich der Inklu­si­vi­tät gegen­über dem Irr­tum und gegen­über denen, die ihn verbreiten.

Eini­ge jün­ge­re Beispiele: 

  • Papst Leo emp­fing am ver­gan­ge­nen 31. Juli ehren­voll Pat­ti Smith (Jahr­gang 1946), die aus Chi­ca­go stam­men­de Abtrei­bungs­be­für­wor­te­rin, bekannt als die „ver­fluch­te Prie­ste­rin des Rock“, die einst sang: „Jesus starb für die Sün­den von jeman­dem, aber nicht für meine“; 
  • der Bischof von Mode­na, Erio Castel­luc­ci, schlug vor, den ersten Teil der Mes­se von einer Frau lei­ten zu lassen; 
  • der Erz­bi­schof von Brüs­sel, Luc Ter­lin­den, setzt sich im Namen der bel­gi­schen Bischö­fe für die Ein­füh­rung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster ein, die sei­ner Ansicht nach die Kir­che berei­chern würden; 
  • Pater James Mar­tin SJ for­dert, daß Homo­se­xu­el­le zu Prie­stern geweiht werden; 
  • Kar­di­nal Timo­thy Rad­clif­fe OP hielt eine Fei­er zum Jah­res­tag eines homo­se­xu­el­len Paares; 
  • in Los Ange­les wur­de eine „azte­ki­sche Mes­se“ mit heid­ni­schen Stam­mes­tän­zen gefeiert; 
  • die Kathe­dra­le von San Die­go in Kali­for­ni­en ver­an­stal­te­te eine Mes­se zum The­ma „LGBT“;
  • in Eich­stätt befür­wor­tet der neue Bischof Chri­sti­an Würtz offen Seg­nun­gen homo­se­xu­el­ler Paa­re in der Kirche; 
  • und um dem Anlie­gen einer „Kir­che im Auf­bruch“ nach­zu­kom­men, nahm Don Nico Pas­se­ro, Pfar­rer der St.-Josephs-Kirche in Grims­by, Kana­da, an der Hoch­zeit sei­nes Bru­ders mit des­sen Homo-Part­ner teil und bezeich­ne­te das Ereig­nis als „episch und außergewöhnlich“.

Das The­ma der Stra­fen Got­tes – mit dem auch die Fra­ge ver­bun­den ist, war­um Unser Herr das Böse in der Welt zuläßt –, das in den Bereich der Theo­di­zee gehört, also eines Zwei­ges der Theo­lo­gie, der das Ver­hält­nis zwi­schen der Gerech­tig­keit Got­tes und der Exi­stenz des Bösen in der Welt unter­sucht, ist ein wesent­li­cher Bestand­teil der Tra­di­ti­on der Kir­che. Dar­an erin­nert das Schuld­be­kennt­nis bzw. der Reue­akt, ein unver­zicht­ba­res Gebet beim Sakra­ment der Beichte:

„O mein Gott, ich bereue von gan­zem Her­zen alle mei­ne Sün­den, weil ich durch sie Dei­ne Stra­fe ver­dient habe…“

Die­ses The­ma stand vor eini­gen Jah­ren dank der Über­le­gun­gen des Histo­ri­kers Rober­to de Mat­tei im Mit­tel­punkt des kul­tu­rel­len Inter­es­ses. Anlaß war das Erd­be­ben in Japan im Jahr 2011. Sei­ne Über­le­gun­gen lösten Dis­kus­sio­nen und hef­ti­ge Kon­tro­ver­sen aus, die anschlie­ßend in dem vom Ver­lag Fede & Cul­tu­ra im Novem­ber des­sel­ben Jah­res ver­öf­fent­lich­ten Buch „Il miste­ro del male e i castighi di Dio“ („Das Geheim­nis des Bösen und die Stra­fen Got­tes“) gesam­melt wur­den. Im Jahr 2020 wur­de das Werk unter dem Titel „Dio casti­ga il mon­do? La fede di fron­te al miste­ro del male“ („Bestraft Gott die Welt? Der Glau­be ange­sichts des Geheim­nis­ses des Bösen“) erneut her­aus­ge­ge­ben und um Bei­trä­ge wei­te­rer katho­li­scher Autoren ergänzt.

Ein wich­ti­ges und wei­ter­hin gül­ti­ges Buch – frei von modi­schen Ideen.

Der Begriff der Stra­fe, wie gesagt, macht Angst. Obwohl die mensch­li­che Men­ta­li­tät sehr zynisch gewor­den ist und dar­an gewöhnt, in Kino­fil­men mit Kata­stro­phen oder bei­spiel­lo­ser Gewalt nach Adre­na­lin zu suchen, ist das The­ma der gött­li­chen Stra­fe ver­bannt. Denn die­se moder­ne Welt, in der der All­mäch­ti­ge und All­wis­sen­de auf unver­nünf­ti­ge und bar­ba­ri­sche Wei­se besei­tigt wor­den ist, ist der­art dei­stisch-ratio­nal gewor­den, daß sie die nicht bere­chen­ba­ren und über­na­tür­li­chen Ele­men­te nicht mehr berücksichtigt.

Der Pro­phet Zefan­ja spricht von Stra­fen, und zwar aus­drück­lich – nicht um Angst ein­zu­ja­gen, son­dern um zu war­nen, wie es die hei­lig­ste Maria in Fati­ma und bei ande­ren Erschei­nun­gen getan hat, vor den Gefah­ren, zu denen die mensch­li­che Unge­rech­tig­keit füh­ren kann, wenn sie die Got­tes­furcht ver­gißt. Got­tes­furcht bedeu­tet dabei ehr­fürch­ti­ge Lie­be und das Bewußt­sein von der Grö­ße Got­tes und ist die sieb­te Gabe des Hei­li­gen Geistes.

Wirk­lich erschreckend soll­te viel­mehr die Tod­sün­de sein, die als fort­dau­ern­de Ursa­che all die­ser Übel jene Stra­fen her­vor­ru­fen kann.

Die Päp­ste unse­rer Zeit bemü­hen sich unauf­hör­lich um Appel­le für den Frie­den in der Welt, jedoch ohne kon­kre­te Ergeb­nis­se. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wie kann man Unse­ren Herrn, den Gott der Heer­scha­ren – im sakra­len Sprach­ge­brauch Deus Sabaoth, eine Bezeich­nung, die in der moder­nen Spra­che durch „Herr, Gott des Uni­ver­sums“ ersetzt wur­de – und den Gott der Gerech­tig­keit um Frie­den bit­ten, wenn die ehe­mals christ­li­che Welt mit „Men­schen bösen Wil­lens“ hart­näckig in Lastern und schreck­li­chen Sün­den lebt, die in gro­ßem Maß­stab ein­ge­führt, geför­dert und gesetz­lich legi­ti­miert wur­den, die vor sei­nem Ange­sicht zum Him­mel schrei­en und unter dem Namen „Bür­ger­rech­te“ auftreten?

Der ame­ri­ka­ni­sche Erz­bi­schof und Theo­lo­ge Ful­ton John Sheen (1895–1979) hin­ter­läßt uns eine unwi­der­leg­ba­re Lehre:

„Im all­ge­mei­nen leug­net der Stolz die per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung für das Böse. Die Men­schen leug­nen zumeist, Sün­der zu sein. Die Tra­gö­die die­ser Leug­nung besteht dar­in, daß sie nie­mals das Bedürf­nis nach einem Erlö­ser emp­fin­den. Ein Blin­der, der leug­net, blind zu sein, wird nie­mals den Wunsch haben zu sehen.

Zwei Sozio­lo­gen leug­ne­ten die per­sön­li­che Schuld. Wäh­rend sie den Fall eines Ver­bre­chers dis­ku­tier­ten, gestand einer von ihnen: ‚Ich weiß, daß er einen Mord began­gen und eine Bank aus­ge­raubt hat, aber denk dar­an, daß er Wai­se war.‘ Der ande­re Sozio­lo­ge erwi­der­te: ‚Ja, aber er war Wai­se, weil er im Alter von neun Jah­ren sei­ne Eltern getö­tet hat­te.‘ Der erste Sozio­lo­ge ant­wor­te­te: ‚Ich weiß, aber es geschah aus Notwehr.‘

Der moder­ne Gott kann das Ego sein, also das eige­ne Ich. […] Der Stolz, indem er die Füg­sam­keit tötet, bringt den Men­schen in einen Zustand, in dem ihm nie­mals von Gott gehol­fen wer­den kann.

Die begrenz­te Erkennt­nis des beschränk­ten Gei­stes bean­sprucht, über alles das letz­te Wort zu haben […]. Wenn der Stolz unbe­wußt ist, wird er bei­na­he unheil­bar, weil er die Wahr­heit mit sei­ner eige­nen Wahr­heit gleich­setzt. Stolz ist ein Ein­ge­ständ­nis von Schwä­che und fürch­tet ins­ge­heim jeden Wett­be­werb und jeden mög­li­chen Riva­len. Sel­ten wird er geheilt, wenn ein Mensch auf­recht steht, das heißt gesund und erfolg­reich ist; er kann jedoch geheilt wer­den, wenn der Pati­ent hori­zon­tal liegt, also krank und ent­täuscht ist. Des­halb sind in einem Zeit­al­ter vol­ler Stolz Kata­stro­phen not­wen­dig, um die Men­schen zu Gott und zum Heil ihrer See­len zurückzuführen.“

Seit lan­gem haben die hohen kirch­li­chen Hier­ar­chien beschlos­sen, ihre größ­te Auf­merk­sam­keit eher sozio­lo­gi­schen und poli­ti­schen Fra­gen als den über­na­tür­li­chen Wirk­lich­kei­ten zu wid­men. Aus die­sem Grund wird heu­te eine „öko­lo­gi­sche Bekeh­rung“ gefor­dert und nicht die Bekeh­rung von den Sün­den. Auf die­se Wei­se ent­steht eine weit­ge­hend anthro­po­zen­tri­sche, pro­te­stan­ti­sie­ren­de und neo­pa­ga­ni­sche Reli­gi­on, die uns die Stra­fen bringt – sicht­ba­res Ergeb­nis der inzwi­schen unauf­halt­sa­men Belei­di­gun­gen des Schöp­fers – und zwar als Fol­ge eines Lebens, das geführt wird, als ob Gott („Ich bin, der ich bin!“, Ex 3,14) nicht existierte.

Doch Gott exi­stiert – allen mög­li­chen mensch­li­chen Mei­nun­gen zum Trotz!

Es ist, als stün­den wir vor einer Fin­ster­nis Got­tes … Hin­ter der schwar­zen Schei­be, die durch fal­sche und trü­ge­ri­sche Vor­stel­lun­gen vor ihn gescho­ben wur­de, ist die Son­ne den­noch da.

*Cri­sti­na Sic­car­di, Histo­ri­ke­rin und Publi­zi­stin, zu ihren jüng­sten Buch­pu­bli­ka­tio­nen gehö­ren „L’inverno del­la Chie­sa dopo il Con­ci­lio Vati­ca­no II“ (Der Win­ter der Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Ver­än­de­run­gen und Ursa­chen, 2013); „San Pio X“ („Der hei­li­ge Pius X. Das Leben des Pap­stes, der die Kir­che geord­net und erneu­ert hat“, 2014), „San Fran­ces­co“ („Hei­li­ger Fran­zis­kus. Eine der am mei­sten ver­zerr­ten Gestal­ten der Geschich­te“, 2019), „Quella mes­sa così mar­to­ria­ta e per­se­gui­ta­ta, eppur così viva!“ „Die­se so geschla­ge­ne und ver­folg­te und den­noch so leben­di­ge Mes­se“ zusam­men mit P. Davi­de Pagli­a­ra­ni, 2021), „San­ta Chia­ra sen­za fil­tri“ („Die hei­li­ge Kla­ra unge­fil­tert. Ihre Wor­te, ihre Hand­lun­gen, ihr Blick“, 2024), 

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana 

3 Kommentare

  1. Viel zu spät habe ich an den eng­li­schen Gruß das Gebet von Amster­dam angehängt:
    „Herr Jesus Chri­stus, Sohn des Vaters, sen­de jetzt Dei­nen Geist in die Her­zen aller Völ­ker. damit sie bewahrt blei­ben mögen vor Ver­fall, Unheil und Krieg. Möge die Frau aller Völ­ker, die [einst Maria] Jung­frau Maria [war] unse­re Für­spre­che­rin sein.“
    Kar­di­nal Mül­ler hat >die einst Maria war< nicht gel­ten las­sen. Mir erscheint der Ein­spruch aber als nicht gerechtfertigt.
    Nur wegen der Fort­pflan­zung gibt es zwei Geschlech­ter, Mann und Weib. Die Wei­ber bekom­men Kin­der, Frau­en haben (viel­leicht) wel­che. Das Weib als Emp­fän­ge­rin ist für das Kind Mama, Mutter.
    Die Sozia­li­sten dis­kre­di­tier­ten den Begriff Weib und mach­ten die Frau­en men­tal zu Arbei­te­rin­nen. Die Fol­gen sind erschreckend, viel zu weni­ge Kin­der und 15 Mil­lio­nen Abge­trie­be­ne allein in Deutschland.
    Zurück zu Maria und ihre zwei Funk­tio­nen, Got­tes­ge­bä­re­rin und apo­ka­lyp­ti­sche Frau.
    Die eige­nen, oder die der Ande­ren sind die Ren­ten­zah­ler. Gerecht?

  2. Alles Geschaf­fe­ne, ein­schließ­lich Engel und Men­schen, unter­liegt der Ord­nung des Schöp­fers, des Drei­ei­ni­gen Got­tes. Bereits Luzi­fer hat­te ja gemeint, es bes­ser zu wis­sen und zu kön­nen. „We can do“ ist ja so ein geflü­gel­tes Schlag­wort. Aber die­se gute Ord­nung ist ste­tig und immer gül­tig zum Woh­le aller Geschaf­fe­nen. Der Mensch in sei­ner ihm vom lie­ben­den Schöp­fer gewähr­ten Frei­heit, wobei Frei­heit Aus­druck der Lie­be ist, erkennt zwar Gott oft so irgend­wie als ein unbe­stimm­tes über­ir­di­sches Wesen an, aber wei­gert sich, die ihm geschenk­te Offen­ba­rung der Hl.Schrift und auch die ins Herz eines jeden Men­schen geschrie­be­ne Offen­ba­rung Got­tes anzu­er­ken­nen und ent­spre­chend zu leben: man baut sich schließ­lich die Tür­me zu Babel.
    Die Ver­sto­ßung und Miß­ach­tung der gött­li­chen Ord­nung bringt die Sün­de aller Art mit sich und dar­auf folgt immer eine Rei­ni­gung, per­sön­lich und uni­ver­sal und hier­in zeigt sich ins­be­son­de­re die Lie­be Got­tes, der selbst die grau­sa­me Kreu­zi­gung und vie­les ande­re aus Lie­be auf sich nahm, der sei­ne Geschöp­fe nicht dem Unter­gang und der Höl­le über­las­sen will. Denn alles, was Gott aus tief­stem Her­zem will, ist doch unser aller Leben bei ihm in der ewi­gen Selig­keit. Und der Weg geht nur und allein über das lie­bend frei­wil­lig ange­nom­me­ne Kreuz. Die­se Zusam­men­hän­ge wer­den in der Tat zu wenig von Bischö­fen und Prie­stern deut­lich gemacht und den Men­schen ans Herz gelegt.

    Die Begrif­fe Stra­fe und Straf­ge­richt kön­nen im Zusam­men­hang mit Gott schnell miß­braucht wer­den. Wie wur­den da schon Men­schen gepei­nigt von jenen, die sich als Anwäl­te des Aller­höch­sten auf­ge­spielt hat­ten wie bei der hl. Jean­ne d‚Arc und so vie­len ande­ren. Die „Stra­fe Got­tes“ ist sein frei­wil­lig erlit­te­ner Kreu­zes­tod für unse­re Erlö­sung. Es ist allein der Mensch, der sich sel­ber straft. Adam und Eva konn­ten noch der Schlan­ge die Schuld geben; seit Chri­stus bzw. für Chri­sten ist das nicht mehr möglich.
    Der wah­re Gott straft nicht; das ist womög­lich die Sache des isla­mi­schen Allah, der aber nicht der wah­re Gott sein kann.

  3. „Bis­lang ist das tra­gi­sche 20. Jahr­hun­dert, in dem Satan ent­fes­selt zu sein schien und die Got­tes­mut­ter die Mensch­heit vor der Gefahr schwe­rer welt­wei­ter Stra­fen warnte,“

    Nun Satan hat dem Herrn unse­rem Gott in der Wüste alle Rei­che die­ser Welt gezeigt und hat sie ihm ange­bo­ten. Der Herr hat abge­lehnt denn sein Reich ist nicht von die­ser Welt. Die­ses Aggior­na­men­to hät­te bedeu­tet das der Herr sich mit die­ser Welt ins Bett gelegt hät­te und wer die Macht in die­ser Welt hat dürf­te klar sein. Him­mel und Erde wer­den ver­ge­hen aber sei­ne Wor­te nicht. Er ist bei uns alle Tage bis zum Ende die­ser Welt. Viel Spaß bei der Bewah­rung der Schöp­fung wenn die Kräf­te des Him­mels und der Sün­den die­ser Welt auf­ein­an­der kra­chen Werden.
    Per Mari­am ad Christum.

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