Der Vatikan macht eine schlechte Figur

Wir steuern auf 2033 zu

Die diesjährige Wallfahrt Ad Petri Sedem auf dem Weg zum Petersdom
Die diesjährige Wallfahrt Ad Petri Sedem auf dem Weg zum Petersdom

Von Msgr. Dr. Mari­an Eleganti*

Die dies­jäh­ri­ge Zugangs­sper­re für die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Pil­ger „Ad Petri Sedem“ zum Peters­dom am 24. Okto­ber 2026 grenzt an Feind­se­lig­keit gegen­über papst­ver­bun­de­nen und recht­gläu­bi­gen Katho­li­ken und hat nichts zu tun mit der Sor­ge um die Ein­heit in der Kir­che oder mit ope­ra­tio­nel­len Schwie­rig­kei­ten bei der Orga­ni­sa­ti­on der lit­ur­gi­schen Fei­ern in der Peters­ba­si­li­ka. Die Riten, die es in der katho­li­schen Kir­che gibt, demon­strie­ren in ihrer fried­li­chen Koexi­stenz mit dem Novus Ordo, dass es auch so geht. Die unier­ten Ost­kir­chen sind sogar eigen­be­rech­tig­te (sui iuris) Teil­kir­chen inner­halb der katho­li­schen Uni­ver­sal­kir­che. Nie­mand sieht sie als Bedro­hung für die Ein­heit der Kir­che. Nie­mand wür­de ihnen einen Altar ver­wei­gern oder den Zutritt zu einer katho­li­schen Kir­che ver­weh­ren. Nie­mand ausser dem Vati­kan, der kon­ser­va­ti­ven, im Übri­gen papst­treu­en Katho­li­ken den Zutritt ver­wehrt. Die syn­oda­le Heu­che­lei (Inklu­si­vi­tät) hat sich damit zur Kennt­lich­keit ent­larvt. Die Pil­ger „Ad Petri Sedem“ sind nicht die FSSPX.

Aber wir wis­sen es schon lan­ge: Bestimm­te Leu­te sind nur so lan­ge inklu­siv, als es um ihre eige­nen Zie­le geht. Das ande­re Den­ken, den ande­ren Ansatz in Pasto­ral und Spi­ri­tua­li­tät gren­zen sie knall­hart und kalt­blü­tig aus. Das ist mei­ne durch­gän­gi­ge Erfah­rung. Wir erken­nen das glei­che Muster auch in der Politik.

Nun, die soge­nann­te Syn­oda­li­tät hat damit ihr wah­res Gesicht gezeigt. Sie wählt aus, wen oder was sie inklu­diert. „Todos, todos, todos“ meint eben nicht alle, son­dern Bestimmte.

Wir ken­nen die Bemü­hun­gen und Postu­la­te des soge­nann­ten Reform­ka­tho­li­zis­mus seit den 70er Jah­ren. Ihre Prot­ago­ni­sten haben sich in Staf­feln abge­löst und oft ihre Klei­der gewech­selt, ohne ihre immer glei­chen Zie­le fal­len zu las­sen. Das Ergeb­nis ist die Syn­oda­li­tät von heu­te, die nicht die Syn­oda­li­tät von gestern, näm­lich der Tra­di­ti­on ist. Es zeich­net sich ab, dass sie im End­ef­fekt eine nach­ge­hol­te, pro­te­stan­ti­sie­ren­de Struk­tur­re­form ist und die Kas­sie­rung von „Fami­lia­ris Con­sor­tio“ (1981) und „Veri­ta­tis Sple­ndor“ (1993). Der Wie­der­erken­nungs­wert für Kon­ver­ti­ten aus der angli­ka­ni­schen Kir­che ist gross.

Das inter­cul­tu­ral Lear­ning und Listening – ich bin Mis­si­ons­be­ne­dik­ti­ner – , das unse­re mis­sio­na­ri­sche Dyna­mik seit Jahr­zehn­ten para­ly­siert hat, ken­ne ich als Schlüs­sel­be­grif­fe seit den frü­hen 90er Jah­ren. Die Erklä­rung „Domi­nus Jesus“ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom 6. August 2000 war schon eine Reak­ti­on dar­auf, wur­de aber nicht rezi­piert, wes­halb wir heu­te den syn­oda­len Over­kill an Wor­ten und Pro­zes­sen haben. Dabei ist die Wahr­heit so ein­fach: DOMINUS JESUS! Der GEIST for­der­te uns also schon vor mehr als 25 Jah­ren auf, den Natio­nen (wie­der) CHRISTUS als die exklu­si­ve, abso­lu­te Wahr­heit vor­zu­stel­len, als die ein­zi­ge Tür zum VATER, als uni­ver­sa­len, immer gül­ti­gen Leh­rer und als ein­zi­gen Erlö­ser der Welt. Statt­des­sen sit­zen wir in Run­den und auf Stüh­len, um zu hören. Auf wen? Aber es kommt nichts. Ich mei­ne: Nichts Neu­es als die schritt­wei­se Imple­men­tie­rung der For­de­run­gen des Reform­ka­tho­li­zis­mus von gestern (Demo­kra­tie und Mit­be­stim­mung; Macht­kon­trol­le; Lai­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen; Frau­en in kirch­li­che Ämter; Revi­si­on der Sexu­al­mo­ral; Nor­ma­li­sie­rung von Schei­dung und Wie­der­ver­hei­ra­tung; Aner­ken­nung homo­se­xu­el­ler Lebens­sti­le und Part­ner­schaf­ten; Trans­gen­de­ris­mus; Bewah­rung der Schöp­fung bzw. Kli­ma; sozia­li­stisch inspi­rier­ter Uni­ver­sa­lis­mus: offe­ne Migra­ti­on und uni­ver­sa­le Brü­der­lich­keit; inter­re­li­giö­se Koexi­stenz statt Mis­si­on). Der Ele­fant im Raum: die Kor­re­la­ti­on von Miss­brauch und Homo­se­xua­li­tät im katho­li­schen Kle­rus (Dari­usz Oko; Paul Sul­lin) wird wei­ter­hin ignoriert.

Die Tisch­run­den sind gelenkt. Die Kom­mis­sio­nen lie­fern hete­ro­do­xe Vor­schlä­ge. Von Rom kom­men kei­ne val­ablen Ant­wor­ten auf die durch den libe­ra­len Pro­gres­sis­mus aus­ge­lö­sten Pro­ble­me in der Kir­che. Eine ehr­li­che, sach­li­che Eva­lua­ti­on der lit­ur­gi­schen Erneue­rung, ohne in die Zeit vor 1965 zurück­keh­ren zu wol­len, bleibt aus. Die Hin­kehr jun­ger Men­schen zu kon­ser­va­ti­ven Hal­tun­gen auch in der Kir­che wird als Zei­chen der Zeit nicht sach­lich reflektiert.

Unter­des­sen sehen wir auf den Stra­ssen der Städ­te Euro­pas isla­mo-lin­ke, migran­ti­sche und chao­ti­sche Kräf­te am Werk, die sym­pto­ma­tisch zei­gen, wie es aus­sieht, wenn die her­kömm­lich christ­li­che Ord­nung zer­fällt und der wert­neu­tra­le säku­la­re Staat schei­tert. Sei­ne füh­ren­den Poli­ti­ker ver­fü­gen weder über Glaub­wür­dig­keit noch Wer­te bzw. Tugen­den; sie haben post­christ­lich ein­fach nichts zu bie­ten. Unver­ständ­lich, dass eben erst ein Papst die Jugend noch auf­ge­for­dert hat, Cha­os zu stif­ten. Cha­os war noch nie eine Kate­go­rie des GEISTES, wohl aber dämo­ni­scher, revo­lu­tio­nä­rer Kräf­te. Der GEIST ist bekannt­lich jener, der schon im Anfang das Cha­os ord­ne­te. Wo es über­hand­nimmt, regiert der Teufel.

Zer­falls­er­schei­nun­gen in Gesell­schaft und Kir­che unse­rer Brei­ten­gra­de sind unüber­seh­bar. Die erste­re (Gesell­schaft) hat mei­ner Mei­nung nach ohne das Chri­sten­tum kei­ne Chan­ce zu bestehen, die letz­te­re (Kir­che) wird zwar von Gott gehal­ten, ver­säumt es aber, die Exklu­si­vi­tät (im dop­pel­ten Sinn!) JESU CHRISTI zu ver­kün­den (Weg, Wahr­heit und Leben). Er dient nur noch als Steig­bü­gel­hal­ter für Mensch­lich­keit, was man gern mit dem Begriff „Offen­heit“ umschreibt. Die Kate­go­rie der Sün­de wird durch jene der Zer­brech­lich­keit ersetzt. Es geht vor allem um Nähe. Häre­sie und Irr­tum wer­den nicht benannt. Dafür blüht der Dia­log. Die Kir­che gleicht seit Jah­ren einem nicht enden wol­len­den Work­shop von Stuhl­krei­sen und Tisch­run­den ohne trag­fä­hi­ge Ergeb­nis­se zu lie­fern ausser jenen, die ihre Leh­re, ihre Ver­kün­di­gung und ihre hier­ar­chisch-sakra­men­ta­le Struk­tur in Tat und Wahr­heit, aber auch seman­tisch unterminieren.

Zum Schluss das Erfreuliche:

Wir steu­ern auf 2033 zu. Es wird nach 2000 Jah­ren ein beson­de­res Jahr wer­den. JESUS CHRISTUS ist der­sel­be gestern und heu­te. ER bleibt die Ant­wort des VATERS auf all unse­re Pro­ble­me und die Süh­ne für unse­re Sün­den. Vor allem Letz­te­res gilt es zu erin­nern. Wo ER in ein Herz ein­zieht, wird alles neu! ER ist die Per­le, wel­che die Kir­che den Völ­kern anzu­bie­ten hat. Wer ihren Wert erkannt hat, will nichts ande­res mehr. Er kann JESUS CHRISTUS auch nicht mit ande­ren in eine Rei­he stel­len. Die Freu­de, IHN gefun­den zu haben, stellt alles in den Schat­ten. Der mensch­ge­wor­de­ne GOTT ist eben eine Sin­gu­la­ri­tät! Für alle!

*Msgr. Mari­an Ele­gan­ti OSB, pro­mo­vier­ter Theo­lo­ge, war von 1999 bis 2009 Abt der Bene­dik­ti­ner­ab­tei St. Otmars­berg im Kan­ton Sankt Gal­len, dann von 2009 bis 2021 Weih­bi­schof der Diö­ze­se Chur. Bischof Ele­gan­ti betreibt einen eige­nen Blog.

Bild: Micha­el Haynes/​X

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