Burke und Sarah rufen Papst Leo XIV. auf, auch einmal zu sagen: „Es reicht!“

Stefano Fontana verweist auf jüngste Stellungnahmen von Kardinal Robert Sarah (r.) und Kardinal Raymond Burke (l.), in denen sie Leo XIV. faktisch ersuchten, konkreter und deutlicher zu reagieren und in manchen Fragen auch einmal zu sagen: "Es reicht!"
Stefano Fontana verweist auf jüngste Stellungnahmen von Kardinal Robert Sarah (r.) und Kardinal Raymond Burke (l.), in denen sie Leo XIV. faktisch ersuchten, konkreter und deutlicher zu reagieren und in manchen Fragen auch einmal zu sagen: "Es reicht!"

Von Ste­fa­no Fontana*

Zwi­schen syn­oda­len Expe­ri­men­ten, Homo­se­xua­lis­mus, dem Kampf gegen den Zöli­bat und LGBTQ-Mes­sen sind die von Fran­zis­kus ein­ge­lei­te­ten Pro­zes­se außer Kon­trol­le gera­ten, und es ist an der Zeit, sie auf­zu­hal­ten. Die bei­den Kar­di­nä­le wen­den sich an Papst Leo XIV. und hof­fen auf eine Kurs­kor­rek­tur zum Wohl der Kirche.

In den ver­gan­ge­nen Tagen haben die Kar­di­nä­le Robert Sarah und Ray­mond Bur­ke eini­ge ihrer Ein­schät­zun­gen zu den heu­ti­gen Not­wen­dig­kei­ten der Kir­che öffent­lich gemacht und Papst Leo XIV. um bestimm­te not­wen­di­ge Ein­grif­fe gebe­ten. Es ist nicht das erste Mal, daß die bei­den Kar­di­nä­le zur Lage und zur Zukunft der Kir­che Stel­lung neh­men. Doch dies­mal war ein deut­lich stär­ke­rer Dring­lich­keits­ton wahr­zu­neh­men und zugleich – unaus­ge­spro­chen – die Ein­schät­zung, daß in eini­gen wich­ti­gen Fra­gen nur schlep­pend vor­an­ge­gan­gen wird.

Wenn bestimm­te Kno­ten nicht ent­schlos­sen gelöst wer­den, wer­den die ihnen zugrun­de lie­gen­den Pro­zes­se wei­ter­lau­fen, und eine Kurs­kor­rek­tur wäh­rend des lau­fen­den Ver­fah­rens wird unmög­lich wer­den. Mit die­sen bei­den Stel­lung­nah­men schei­nen die bei­den Kar­di­nä­le den Papst auf­ge­for­dert zu haben, auch ein­mal zu sagen: „Es reicht!“.

Kar­di­nal Bur­ke erklär­te in einem Inter­view, das er am ver­gan­ge­nen 28. Juni dem Col­lege of Car­di­nals Report gab, man müs­se „dar­auf bestehen, daß die­se gan­ze Geschich­te der Syn­oda­li­tät been­det wird“. Er äußer­te außer­dem den Wunsch, „daß eine sehr ernst­haf­te Unter­su­chung der gesam­ten Fra­ge durch­ge­führt wird, denn wir spre­chen über das eigent­li­che Leben der Kir­che und über das Heil der Seelen“.

Bur­ke hat­te bereits frü­her sei­ne Ableh­nung gegen­über der neu­en Syn­oda­li­tät zum Aus­druck gebracht; die­ser jüng­ste Appell hat jedoch einen deut­lich ein­dring­li­che­ren Ton ange­nom­men. Der Kar­di­nal erin­ner­te dar­an, was selbst die Syn­oden­do­ku­men­te aner­ken­nen, näm­lich daß die neue Syn­oda­li­tät kei­ne theo­lo­gi­schen Grund­la­gen besitzt, son­dern ein expe­ri­men­tel­les Aben­teu­er darstellt:

„Es gibt kei­ne Defi­ni­ti­on von Syn­oda­li­tät. Es gibt kei­ne Geschich­te der Syn­oda­li­tät in der Kirche.“

Der syn­oda­le Weg ver­sucht viel­mehr, den Begriff der Syn­oda­li­tät erst aus der syn­oda­len Pra­xis selbst her­vor­ge­hen zu lassen.

Wäh­rend des Beginns die­ses neu­en Pon­ti­fi­kats ist der von Fran­zis­kus ein­ge­lei­te­te Pro­zeß unge­hin­dert fort­ge­setzt wor­den: Die bei­den letz­ten Kon­si­sto­ri­en haben die­se neue Aus­rich­tung über­nom­men; der Bericht der Syn­oden­grup­pe 9 hat deut­lich gemacht, wohin die­se neue syn­oda­le Pra­xis führt; und Fidu­cia sup­pli­cans, eines der ver­häng­nis­voll­sten Ergeb­nis­se der neu­en Syn­oda­li­tät, wur­de in der Pra­xis durch die schein­bar geschick­te Unter­schei­dung bestä­tigt: for­mel­le Seg­nun­gen nein, infor­mel­le Seg­nun­gen ja.

Auch Kar­di­nal Robert Sarah äußer­te in einem Inter­view mit Dia­ne Mon­tagna vom ver­gan­ge­nen 16. Juli schar­fe Kri­tik an der neu­en Syn­oda­li­tät. Sei­ner Auf­fas­sung nach sei die Syn­oda­li­tät in der Tra­di­ti­on der Kir­che nicht vor­han­den; ihr Sinn sei nicht ver­ständ­lich. Viel­mehr habe man stets ver­hin­dert, daß die Bischofs­syn­ode sich in eine Ver­samm­lung ver­wand­le, wie es heu­te offen­bar geschehe.

Wie Bur­ke ver­tritt auch Sarah die Ansicht, daß es kei­ne Defi­ni­ti­on der Syn­oda­li­tät gibt. Zudem sei der Begriff selbst in vie­le afri­ka­ni­sche Spra­chen nicht über­setz­bar, auch des­halb, weil die Erklä­rung als „Kir­che, die gemein­sam unter­wegs ist“, kei­ne wirk­li­che Bedeu­tung habe. Die Kir­che sei näm­lich ihrem Wesen nach missionarisch.

Im Hin­blick auf den Bericht der Syn­oden­grup­pe 9 for­der­te Kar­di­nal Sarah Leo XIV. außer­dem auf, die­sen per­sön­lich zu prü­fen, sei­ne Ver­brei­tung in den Diö­ze­sen der Welt ohne eine ange­mes­se­ne Unter­su­chung nicht zuzu­las­sen, die Hal­tung der Kir­che zur Homo­se­xua­li­tät klar­zu­stel­len und die Schä­den, die der Ver­öf­fent­li­chung von Fidu­cia sup­pli­cans gefolgt sei­en, nicht zu wiederholen.

*Ste­fa­no Fon­ta­na, Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church; zu sei­nen jüng­sten Publi­ka­tio­nen gehö­ren „La nuo­va Chie­sa di Karl Rah­ner“ („Die neue Kir­che von Karl Rah­ner. Der Theo­lo­ge, der die Kapi­tu­la­ti­on vor der Welt lehr­te“, 2017), gemein­sam mit Erz­bi­schof Pao­lo Cre­pal­di „Le chia­vi del­la que­stio­ne socia­le“ („Die Schlüs­sel der sozia­len Fra­ge. Gemein­wohl und Sub­si­dia­ri­tät: Die Geschich­te eines Miß­ver­ständ­nis­ses“, 2019), „La filoso­fia cri­stia­na“ („Die christ­li­che Phi­lo­so­phie. Eine Gesamt­schau auf die Berei­che des Den­kens“, 2021); alle erschie­nen im Ver­lag Fede & Cul­tu­ra, Vero­na. Die Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser Stel­lung­nah­me erfolg­te bei La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: van​t​huan​ob​ser​va​to​ry​.com (Screen­shot)

6 Kommentare

  1. [Ich spen­de monat­lich zwei hl. Mes­sen um Schutz und Hil­fe für alle red­li­chen Jour­na­li­sten und Blog­ger, nur ist mir deren Schutz­hei­li­ger nicht bekannt.]

    • Der hei­li­ge Franz von Sales ist der Patron der katho­li­schen Pres­se, der Jour­na­li­sten und auch der Schrift­stel­ler. Und ein Vergelt’s Gott sei dazu gesagt.

  2. Der Papst Leo kann oder will das Ruder nicht her­um­wer­fen. Für das Gute ist er offen­bar zu schwach oder unwil­lig, aber für das weni­ger Gute und Schlech­te ist er stark. Das zeigt unter vie­len Bei­spie­len die Ernen­nung eines Zöli­bats­geg­ners zum Bischof von Eich­stätt. Das hat das Bis­tum Eich­stätt nicht ver­dient! Es hät­te geeig­ne­te Geist­li­che dafür gegeben.
    Die Kar­di­nä­le Bur­ke und Sarah in allen Ehren, aber es wird ihnen mit ihren Anlie­gen kaum bes­ser erge­hen als es bei Papst Fran­zis­kus der Fall war.

  3. Die Bezeich­nung „Zöli­bats­geg­ner“ ist unan­ge­bracht. Zur idea­len prie­ster­li­chen Lebens­form der Ehe­lo­sig­keit muss genau­so eine Beru­fung gege­ben sein wie zum prie­ster­li­chen Dienst am Altar und in der Seel­sor­ge. Alles zwang­haft mit­ein­an­der zu ver­bin­den erfor­dert einen mul­ti­ta­len­tier­ten Men­schen. Wir alle wis­sen aber, dass unse­re Prie­ster auch nur Men­schen sind – und es „men­schelt“.

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