Von Cristina Siccardi*
Der Dialog kann nur dann wahrhaft christlich sein, wenn er zur Wahrheit und zur Bekehrung führt. Wenn er darauf verzichtet, Christus als den einzigen Weg zum Heil zu verkünden, verwandelt sich die Öffnung zur Welt in eine fruchtlose Übung, die die Seelen verwirrt und die übernatürliche Sendung der Kirche verdunkelt. Um eine wahre Gemeinschaft aufzubauen, bedarf es derselben Grundsätze, derselben Lehre und desselben Glaubens; andernfalls läuft man Gefahr, in einer unfruchtbaren Heuchelei zu enden. Die heutige westliche Welt – sowohl in ihren religiösen als auch in ihren staatlichen Autoritäten – lebt inmitten vielfältiger Widersprüche, weil sie eine vernünftige Sicht auf Leben und Tod verloren hat. Man denke nur an die Entscheidung der italienischen Regierung, für Emma Bonino ein Staatsbegräbnis abzuhalten. Sie war auf philosophischer und politischer Ebene eine unermüdliche Verfechterin einer Kultur des Todes. Als erklärte Atheistin und Antiklerikale wurde sie von jenem Teil der heutigen Welt verherrlicht, der in seinem Denken geradezu wahnsinnig nietzscheanisch geworden ist – wegen ihrer Kämpfe zugunsten der Tötung von Kindern, die sich noch im Mutterleib befinden, sowie zugunsten all jener Verwerflichkeiten, die sich häufig unter dem Begriff der sogenannten „Bürgerrechte“ finden.
Und doch hatte Papst Franziskus zu Emma Bonino ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, das durch Begegnungen und Telefongespräche gepflegt und von den Medien umfassend hervorgehoben wurde. Eine ähnliche Beziehung war auch zu Marco Pannella entstanden. Diese Verbindungen schienen jedoch nicht darauf ausgerichtet zu sein, den beiden Gesprächspartnern den Weg zur Bekehrung und zum Heil zu weisen, sondern vielmehr einen Dialog um seiner selbst willen zu fördern, dem sichtbare übernatürliche Früchte fehlten.
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die menschlich geprägte Kirche Millionen von Dialogen und Gesprächen mit den „Fernstehenden“ geführt: sowohl mit der atheistischen Welt als auch mit den Protestanten (Ökumene) und mit den unterschiedlichsten Religionen (interreligiöse Bestrebungen) … Und welche Ergebnisse hat dies hervorgebracht? Utopien, die für alle eine größtmögliche Verwirrung geschaffen haben und die Kirche ihrer wichtigsten Aufgaben berauben: die alleinige Wahrheit Christi zu verkünden, die Seelen im einzigen Glauben zu stärken und die wahren und ewigen Lehren des einen Schafstalls weiterzugeben.
Die Worte des Evangeliums wurden für obsolet erklärt und durch billige Gutmenschlichkeit ersetzt – die ebenso trügerisch wie fruchtlos ist. Ein übertriebener, auf menschliche Anerkennung ausgerichteter Respekt – einschließlich feministischer Forderungen, wie sie etwa Ludovica Eugenio, die Herausgeberin von „Adista“ (einer Wochenzeitschrift über die katholische Welt und die religiösen Wirklichkeiten), vertritt, die sich für die Abschaffung des Zölibats der Priester und für die Präsenz von Frauen in den kirchlichen Hierarchien ausspricht – hat den Respekt vor den unantastbaren Lehren Gottes verdrängt.
Nach den Maßstäben der modernen Kirche gibt es letztlich nicht mehr den einen Schafstall: Man hört die Meinungen aller mit Ehrerbietung und Wohlwollen an – mit Ausnahme jener, die weiterhin die Tradition der Kirche lieben. Wie ist diese Blindheit und Taubheit angesichts dessen möglich, was Jesus Christus über die Kirche gesagt hat, als er sie mit einem unteilbaren Schafstall verglich?
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: […] Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“
Die Schafe, die durch Jesus Christus in den Schafstall eintreten, sind vor den Mietlingen sicher. Er ist der unerläßliche Zugang zum Heil und zur Gemeinschaft mit Gott, und seine Diener sind dazu berufen, die „anderen Schafe“, also die „Fernstehenden“ – an die sich die moderne Kirche wendet, indem sie Kompromisse eingeht und sich bisweilen sogar an sie verkauft –, in die „eine Herde“ und zum „einen Hirten“ des Schafstalls zu führen, der der mystische Leib Jesu Christi ist.
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit will das Heil aller Menschen, wie Jesaja sagt:
„Ich mache dich zum Licht der Nationen, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“ (Jes 49,6)
Der heilige Thomas von Aquin sagt:
„Jesus wurde gesandt, um leibhaftig nur zu den Schafen des Hauses Israel zu predigen, gemäß den Worten des Apostels Paulus: ‚Ich sage, daß Christus um der Wahrhaftigkeit Gottes willen ein Diener der Beschnittenen geworden ist, um die Verheißungen an die Väter zu erfüllen‘ (Röm 15,8). Die Heiden hingegen hat er durch die Apostel gesammelt, gemäß den Worten des Jesaja: ‚Sie werden meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden‘ (Jes 66,19).“
Deshalb befahl der gekreuzigte Erlöser, der für die Sünden der Menschheit sein Leben hingab und durch den die Möglichkeit eröffnet wird, in die ewige Seligkeit einzutreten, den Aposteln vor seiner Himmelfahrt:
„Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Mt 28,19)
Er sagte nicht: Laßt sie in der Finsternis ihrer Sünden und ihrer Schändlichkeiten, sondern: „Macht alle Völker zu meinen Jüngern.“
Alle jene in der Kirche, die dieser vom Guten Hirten aufgetragenen Sendung gefolgt sind und ihr auch weiterhin treu, heilig und verantwortungsvoll folgen, schließen sich dem eindringlichen Wort des heiligen Paulus an:
„Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9,16)
*Cristina Siccardi, Historikerin und Publizistin, zu ihren jüngsten Buchpublikationen gehören „L’inverno della Chiesa dopo il Concilio Vaticano II“ (Der Winter der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Veränderungen und Ursachen, 2013); „San Pio X“ („Der heilige Pius X. Das Leben des Papstes, der die Kirche geordnet und erneuert hat“, 2014), „San Francesco“ („Heiliger Franziskus. Eine der am meisten verzerrten Gestalten der Geschichte“, 2019), „Quella messa così martoriata e perseguitata, eppur così viva!“ „Diese so geschlagene und verfolgte und dennoch so lebendige Messe“ zusammen mit P. Davide Pagliarani, 2021), „Santa Chiara senza filtri“ („Die heilige Klara ungefiltert. Ihre Worte, ihre Handlungen, ihr Blick“, 2024),
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana
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