Sind Heiligsprechungen unfehlbar? War Papst Paul VI. ein heiliger Papst? – Neue Einsichten (3. Teil/​Schluß)

Die Heiligkeit ist die Berufung eines jeden

Die beiden Konzilspäpste: Johannes XXIII. mit Kardinal Giovanni Battista Montini, der als Paul VI. sein Nachfolger wurde
Die beiden Konzilspäpste: Johannes XXIII. mit Kardinal Giovanni Battista Montini, der als Paul VI. sein Nachfolger wurde

Die­ser Teil schließt unmit­tel­bar an den 2. Teil vom 19.08.26 an. –

Von Wolf­ram Schrems*

Zur Klä­rung eines all­fäl­li­gen Mißverständnisses:

Pro­fes­sor Kwas­niew­ski zitier­te in sei­nem Arti­kel Animadver­si­ons on the Cano­nizati­on of Paul VI (Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zur Hei­lig­spre­chung von Paul VI.) im Sam­mel­band Are Cano­nizati­ons Infal­lible? einen anony­men Prie­ster, der u. a. geschrie­ben hat­te:
„Viel­leicht ver­dient ein Kon­zil, das ‚pasto­ral‘ und nicht dog­ma­tisch war, Hei­lig­spre­chun­gen, die ‚pasto­ral‘ und nicht dog­ma­tisch sind.“

Es wur­de die Fra­ge gestellt: „Wie unter­schei­det sich eine pasto­ra­le Hei­lig­spre­chung von einer dogmatischen?“

Nun, die poin­tier­te Aus­sa­ge die­ses Prie­sters kann nur bit­ter-iro­nisch gemeint sein. Sie nimmt die Selbst­be­zeich­nung des II. Vati­can­ums als „pasto­ral“ auf und ver­wen­det sie in ver­frem­de­ter Form. Der Aus­druck „pasto­ral“ erleb­te bekannt­lich seit den 1960er Jah­ren einen kome­ten­haf­ten Auf­stieg. Er ist meist ein ter­mi­no­lo­gi­scher Deck­man­tel für Ver­wäs­se­run­gen des Glau­bens­gu­tes, für Ver­wir­run­gen und Häre­si­en. Der anony­me Prie­ster mein­te offen­sicht­lich, daß eine Kir­chen­hier­ar­chie, die kei­ne Dog­men mehr ver­kün­den und ver­tei­di­gen will, unver­ständ­lich und selbst­wi­der­sprüch­lich han­delt, wenn sie gleich­sam gewalt­tä­tig Hei­lig­spre­chun­gen oktroy­iert (und viel­leicht sogar deren Bezweif­lung mit Kir­chen­stra­fen sank­tio­niert, was m. W. frei­lich noch nicht vor­ge­kom­men ist). –

In die­sem letz­ten Teil soll der Bei­trag des 2017 ver­stor­be­nen, emi­nen­ten Theo­lo­gen Bru­ne­ro Gherar­di­ni (des­sen Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – ein aus­ste­hen­der Dis­kurs hier bereits im Jahr 2014 vor­ge­stellt wur­de) auf­be­rei­tet und eini­ge Schluß­fol­ge­run­gen gezo­gen werden.

Msgr. Gherar­di­ni galt als Reprä­sen­tant der sog. römi­schen Schu­le der Theo­lo­gie, mit­hin als „kon­ser­va­ti­ver“ Scho­la­sti­ker mit höch­sten wis­sen­schaft­li­chen Ansprü­chen. Er war Schü­ler des – gemäß Robert Lazu Kmi­ta in Msgr. Gherar­di­ni on the SSPX auf One­Pe­ter­Fi­ve – „unver­gleich­li­chen tho­mi­sti­schen Neu­pla­to­ni­kers Cor­ne­lio Fab­ro OP“ (1911–1995). Gherar­di­nis Aus­sa­gen haben also Gewicht.

Msgr. Brunero Gherardini, Heiligsprechung und Unfehlbarkeit

Gherar­di­ni stellt in sei­nem Arti­kel zunächst das Offen­kun­di­ge fest: Weder der Den­zin­ger noch der CIC von 1983 noch der KKK defi­nier­ten den Sta­tus der Hei­lig­spre­chung. Das sei ein evi­den­tes Zei­chen, daß sie außer­halb des­sen liegt, was die Kir­che defi­ni­to­rio modo erklärt und pro­mul­giert. Frei­lich sei­en Hei­lig­spre­chun­gen mit theo­lo­gi­schen Zen­su­ren ver­se­hen, d. h. deren Ableh­nung wür­de etwa die Zen­sur „temerär“ (von teme­ri­tas, Toll­kühn­heit) und „skan­da­lös“ und „die Hei­li­gen belei­di­gend und die Häre­ti­ker begün­sti­gend“ ein­brin­gen. Denn die kirch­li­che Tra­di­ti­on sieht in Petrus und sei­nen legi­ti­men Nach­fol­gern sowie im Kol­le­gi­um der Apo­stel und von deren Nach­fol­gern die höch­ste Lehr­in­stanz in der Kirche.

Nach Gherar­di­ni sei das kirch­li­che Lehr­amt auf­grund gött­li­cher Hil­fe bei der „unre­for­mier­ba­ren Natur jeder authen­ti­schen lehr­amt­li­chen Inter­ven­ti­on in Fra­gen von Glau­ben und Moral“ (in rebus fidei et morum) unfehl­bar. Der Herr selbst hat sich hier ver­bürgt: durch Sein Gebet für die inde­fec­ti­bi­li­tas (Unzer­stör­bar­keit bzw. Unfehl­bar­keit) von Petrus und sei­ner Sen­dung als all­ge­mei­ner Leh­rer (Lk 22, 32); durch die Ver­si­che­rung bis zum Ende der Welt bei der Kir­che zu sein (Mt 28, 20); durch die Sen­dung des Gei­stes der Wahr­heit in die Kir­che, daß er sie in alle Wahr­heit füh­re (Joh 16, 13).

Es gehe aber bei der Unfehl­bar­keit des Pap­stes nicht um eine per­sön­li­che Erleuch­tung von oben noch um eine per­sön­li­che Offen­ba­rung, son­dern um den Auf­bau des Glau­bens (ad aedi­fi­ca­tio­nem fidei, Eph 4, 29).

Gherar­di­ni zitiert die Defi­ni­ti­on der Unfehl­bar­keit des I. Vati­can­ums (Pastor Aeter­nus), deren Wor­te „mit extre­mer Genau­ig­keit abge­wo­gen“ sei­en. Nicht alle päpst­li­chen Erklä­run­gen sei­en also unfehl­bar: Unfehl­ba­re Aus­sa­gen müs­sen ex cathe­dra vor­ge­nom­men wer­den und der Papst muß aus­drück­lich „omni­um Chri­stia­n­o­rum pasto­ris et doc­to­ris mune­re fun­gens“ sein, also „das Amt des Hir­ten und Leh­rers aller Chri­sten aus­üben“, und müs­se Inhal­te der Offen­ba­rung lehren.

Gherar­di­ni kommt dann auf die schwie­ri­ge Fra­ge des sog. „dog­ma­ti­schen Fak­tums“ zu spre­chen: Gemäß der Defi­ni­ti­on des Triden­ti­nums gehö­ren die­se Fak­ten zur Kon­kret­heit der Din­ge, zu ihrer fak­ti­schen Wirk­lich­keit und natür­li­chen Erkenn­bar­keit, wäh­rend sie ihre Bezie­hung zur Welt des Glau­bens behal­ten. Es gibt aber (para­do­xer­wei­se) nach Gherar­di­ni kei­ne genaue, unzwei­deu­ti­ge Defi­ni­ti­on der „dog­ma­ti­schen Fak­ten“. Nor­ma­ler­wei­se wer­de damit auf kon­kre­te Situa­tio­nen oder Ereig­nis­se refe­ren­ziert: daß bei­spiels­wei­se Petrus als Bischof in Rom anwe­send war oder die Geschich­te eines öku­me­ni­schen Kon­zils, der Zusam­men­stoß sei­ner inter­nen Strö­mun­gen und die Debat­ten über sei­ne Leh­ren. Dar­in sei dog­ma­ti­sche Bedeu­tung durch die logi­sche und not­wen­di­ge Ver­bin­dung mit Wahr­hei­ten gege­ben, die in der Offen­ba­rung ent­hal­ten sind.

Nun sind unter den „dog­ma­ti­schen Fak­ten“ auch die Hei­lig­spre­chun­gen ein­ge­ord­net. Nach Gherar­di­ni sei hier die Unfehl­bar­keit im stren­gen Sinn nie­mals defi­niert wor­den. Für ihn ist die Hei­lig­spre­chung die­ser oder jener Per­son nicht zwangs­läu­fig auf die Offen­ba­rung zurückführbar.

Gherar­di­ni führt dann kon­kre­te Ein­sprü­che gegen die Unfehl­bar­keit aus: Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. zöge sie in Zwei­fel nur auf­grund kon­tin­gen­ter Grün­de: Die­ser oder jener Hei­lig­spre­chungs­kan­di­dat sei zwei­fel­haft. Ande­re Theo­lo­gen hat­ten schon zuvor grund­sätz­li­che Zwei­fel for­mu­liert: Pater De Vooght beklagt das pro­ble­ma­ti­sche Niveau histo­ri­scher Veri­fi­ka­ti­on und das Fak­tum, daß das christ­li­che Volk Hei­li­ge ver­ehr­te, von denen wir heu­te wis­sen, daß sie nie­mals exi­stier­ten.1

In jün­ge­rer Zeit äußer­te sich Dani­el Ols OP zum The­ma: „Da eine Hei­lig­spre­chung nicht zur Siche­rung und Ver­tei­di­gung des Glau­bens not­wen­dig ist, sieht es nicht so aus, daß sie unter die Unfehl­bar­keit fällt.“ Ande­re Theo­lo­gen hät­ten sich aller­dings, gemein­sam mit der Mehr­heit in der Geschich­te, zugun­sten der Unfehl­bar­keit der Hei­lig­spre­chun­gen aus­ge­spro­chen, unter ihnen F. Ricos­sa und E. Piacentini.

Gherar­di­ni erin­nert, daß man in der Theo­lo­gie zwi­schen den pri­mä­ren und sekun­dä­ren Objek­ten der Unfehl­bar­keit unter­schei­det. Kla­rer­wei­se kann die Hei­lig­spre­chung nicht zu den pri­mä­ren Objek­ten der Unfehl­bar­keit gehö­ren, weil sie nicht der direk­te und expli­zi­te Inhalt der Offen­ba­rung sind. Daher sind sie zu den sekun­dä­ren Objek­ten zu rech­nen, zu den soge­nann­ten „ver­bun­de­nen Wahr­hei­ten“. Eine „theo­lo­gi­sche Kon­klu­si­on“ wür­de eine sol­che Zurech­nung legitimieren.

Auf die­se Wei­se wäre die Hei­lig­spre­chung vom Cha­ris­ma der päpst­li­chen Unfehl­bar­keit abge­deckt, wie eben auch die „dog­ma­ti­schen Tat­sa­chen“ und die kirch­li­che Gesetz­ge­bung. Denn sie ist mit der Offen­ba­rung durch zwei Wahr­hei­ten des Glau­bens „ver­bun­den“: durch den bestehen­den cul­tus und die Gemein­schaft der Hei­li­gen. Da sie auf die­se Wei­se mit der Offen­ba­rung ver­bun­den sei, erhal­te sie uni­ver­sel­le Kraft, die der Papst selbst wäh­rend des Ritus wie­der­gibt: Durch die Hei­lig­spre­chung eines Seli­gen stellt er die Vor­bild­haf­tig­keit der gesam­ten Kir­che vor und auto­ri­siert bzw. ver­langt die Ver­eh­rung des Betref­fen­den überall.

Den­noch sieht Gherar­di­ni klei­ne Spiel­räu­me zum Wider­spruch gegen die Unfehl­bar­keit, damit bestrei­tet er auch, daß die Zen­su­ren „temerär und skan­da­lös“ u. a., wie oben erwähnt, bei jedem Wider­spruch ein­tre­ten müß­ten. Denn Tho­mas von Aquin beschrän­ke sich selbst auf die Aus­sa­ge, daß die päpst­li­che Unfehl­bar­keit bei der Hei­lig­spre­chung Gegen­stand eines „from­men Glau­bens“ (pie cre­dit­ur) sei, da die Hei­lig­spre­chung selbst quaedam pro­fes­sio fidei est … ad glo­ri­am Sanc­torum, also „ein gewis­ses Bekennt­nis des Glau­bens … an die Herr­lich­keit der Hei­li­gen“, sei.

Nach Gherar­di­ni sei nichts gegen die­se Ver­bin­dung von Hei­lig­spre­chung und des Bekennt­nis­ses des Glau­bens an die Ver­herr­li­chung der Hei­li­gen ein­zu­wen­den. Frei­lich sei die­se Ver­bin­dung nicht der­ge­stalt, daß sie ein päpst­li­ches Urteil über die unge­wöhn­li­che, ja heroi­sche Qua­li­tät eines christ­li­chen Zeu­gen in eine gött­lich, wenn auch impli­zit und indi­rekt, geof­fen­bar­te Wahr­heit verwandelt.

Die ent­schei­den­de Rol­le des Wil­lens des Pap­stes bei Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen sei gut bekannt: Er beschränkt Selig­spre­chun­gen auf Teil­kir­chen oder genau defi­nier­te Grup­pen des Got­tes­vol­kes, und er stat­te Hei­lig­spre­chun­gen mit all­ge­mei­ner Wirk­sam­keit aus. Alle Katho­li­ken wür­den aner­ken­nen, daß das mit der Voll­macht der Schlüs­sel (pote­stas cla­vi­um) ver­bun­den ist. Das bedeu­te aber nicht, daß das Cha­ris­ma der Unfehl­bar­keit damit gege­ben sei. Es sei auch nicht erklär­lich, war­um die­ses Cha­ris­ma im Fall der Hei­lig­spre­chung und nicht der Selig­spre­chung gege­ben sein soll.

Gherar­di­ni sagt dann, daß es in der Kir­chen­ge­schich­te, auch in rezen­ter Zeit, frag­wür­di­ge Hei­li­ge gebe, die kri­tisch bewer­tet wer­den. Ande­re hät­ten nicht ein­mal exi­stiert. Nie­mand, nicht ein­mal der Papst, sei auto­ri­siert, jeman­den als Hei­li­gen in die Wirk­lich­keit der Geschich­te ein­zu­fü­gen, der nicht als Hei­li­ger gelebt hat, und noch weni­ger die­je­ni­gen, die gar nicht gelebt haben, weil sie nie gebo­ren wur­den. Daß das Triden­ti­num den cul­tus der Hei­li­gen aner­kann­te, sei unleug­bar. Die­se Aner­ken­nung zei­ge die pote­stas sanc­ti­fi­can­di (Voll­macht der Hei­li­gung). Aber daß das Triden­ti­num die­se Voll­macht als streng unfehl­bar betrach­te­te, müß­te erst bewie­sen werden. –

Soweit eini­ge aka­de­mi­sche und zurück­hal­ten­de Gedan­ken eines gro­ßen Theo­lo­gen der jüng­sten Vergangenheit.

In eige­ner Para­phra­se gesagt: Gherar­di­ni woll­te bestimmt nicht alle histo­ri­schen Hei­lig­spre­chun­gen neu auf­rol­len. Sie gehö­ren zur kirch­li­chen Tra­di­ti­on. Im ganz stren­gen Sinn gesteht er ihnen aber nicht die­sel­be Unfehl­bar­keit zu wie den defi­nier­ten Dog­men und Moral­vor­schrif­ten. Da er gemäß dem oben ver­link­ten Arti­kel auf One­Pe­ter­Fi­ve die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. und deren Begriff von Tra­di­ti­on gegen das Motu­pro­prio Eccle­sia Dei (1988) in Schutz nimmt und gleich­zei­tig den „Geist von Assi­si“ kri­tisch erwähnt, wird man anneh­men dür­fen, daß er mit den Ent­wick­lun­gen nach dem II. Vati­ca­num, ein­schließ­lich der Hei­lig­spre­chun­gen jener Epo­che, daher auch der von Paul VI., nicht glück­lich gewe­sen sein kann. Gherar­di­nis roma­ni­tà hin­der­te ihn wohl an dra­sti­sche­ren Formulierungen. –

Was klar gewor­den ist, ist, daß der dog­ma­ti­sche Grad von Hei­lig­spre­chun­gen sogar unter den Bedin­gun­gen der ursprüng­li­chen Pro­zeß­ord­nung (von Papst Bene­dikt XIV.) nicht ganz außer Dis­kus­si­on stand – wie­wohl das auf das prak­ti­sche kirch­li­che Leben wohl kei­ne unmit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen gehabt haben wird. Um wie­viel kri­ti­scher muß man daher die Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen sehen, die unter den Bedin­gun­gen einer stark ver­wäs­ser­ten Pro­zeß­ord­nung durch­ge­führt wur­den (sieht man von Mär­ty­rern, die frag­los in odi­um fidei ermor­det wur­den, ein­mal ab). Vor allem muß man die­je­ni­gen kri­tisch sehen, die offen­kun­dig ideo­lo­gisch-sub­ver­si­ven Cha­rak­ter im Sin­ne der Revo­lu­ti­on des II. Vati­can­ums haben.

Resümee

Bis zum Auf­tre­ten von Häre­si­en ver­stand sich das Glau­bens­gut immer sozu­sa­gen von selbst. Erst durch das ein­sei­ti­ge Her­vor­he­ben bzw. „Aus­wäh­len“ (griech. hai­reîn, davon haí­re­sis, Häre­sie) von Glau­bens­wahr­hei­ten auf Kosten ande­rer oder durch die direk­te Ableh­nung von Glau­bens­wahr­hei­ten ent­stand die Not­wen­dig­keit auf Sei­ten der kirch­li­chen Hier­ar­chie, die hin­ter­leg­te Leh­re, das depo­si­tum (1 Tim 6, 20), genau­er zu fas­sen und aus­zu­for­mu­lie­ren und gegen die Angrif­fe zu verteidigen.

Ana­log dazu könn­te man sagen, daß erst durch ideo­lo­gi­sche und kon­tra­fak­ti­sche Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen die Not­wen­dig­keit einer genaue­ren Ana­ly­se und Begrün­dung des Insti­tuts der Hei­lig­spre­chung an sich ent­stand. Nur war es dies­mal die kirch­li­che Hier­ar­chie selbst, die tra­gi­scher­wei­se den Anlaß zu die­ser genaue­ren Ana­ly­se und Begrün­dung bot. Die­se Hier­ar­chie ist spä­te­stens seit dem Tod von Papst Pius XII. in eine mas­si­ve Ver­wir­rung gera­ten, was die Ver­kün­di­gung des über­lie­fer­ten Glau­bens betrifft.

Mitt­ler­wei­le sieht die Kir­che in ihrem mensch­li­chen Ele­ment tat­säch­lich wie eine ideo­lo­gi­sche Zuträ­ger­or­ga­ni­sa­ti­on im Dienst der Welt­macht aus. Ein ent­wür­di­gen­der Anblick.

Oder anders gesagt: Papst Fran­zis­kus behaup­te­te vor knapp zwei Jah­ren aus­drück­lich, daß alle Reli­gio­nen ein Weg zu Gott wären (!). Damit hat er den gesam­ten christ­li­chen Glau­ben bewußt und über­legt zurück­ge­wie­sen. Das war nicht bloß Häre­sie, son­dern Apo­sta­sie, Abfall vom Glauben.

Papst Leo hat die­sen Scha­den des Petrus­am­tes bis dato nicht repa­riert. Berg­o­gli­os Skan­dal steht damit immer noch im Raum.

Was aber sol­len dann Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen durch sol­che Päp­ste noch bedeu­ten? Oder „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“?

Nein, wir soll­ten uns nicht dumm stel­len. Hier herrscht ein histo­risch prä­ze­denz­lo­ser Not­stand von Glau­bens­ab­fall und Ver­wir­rung inner­halb der Hier­ar­chie und des Kle­rus. Er setz­te mit etwa 1960 ein, dem Jahr, in dem das Drit­te Geheim­nis von Fati­ma ver­öf­fent­licht hät­te wer­den sollen. –

Die Schluß­fol­ge­rung aus unse­ren Über­le­gun­gen kann nur sein, zwei­fel­haf­te, nach Ideo­lo­gie und Revo­lu­ti­on stin­ken­de Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen nicht mitzutragen.

Da aber die Hei­lig­keit die Beru­fung eines jeden ist, soll­ten wir die Zeit nüt­zen, wie schlimm sie auch ist, und nach Kräf­ten an der eige­nen Hei­li­gung arbei­ten – und an der Ret­tung der­je­ni­gen, die Gott uns über den Weg geschickt hat.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Life-Akti­vist, wun­dert sich sehr dar­über, daß sich so vie­le Katho­li­ken dumm stel­len, wenn es um Kon­zil, neue Mes­se und deren Adep­ten in der Hier­ar­chie geht.

Bild: Chies­adi­mila­no (Screen­shot)


1 Es wäre inter­es­sant zu wis­sen, wel­che das sind. Lei­der wer­den im Text kei­ne Bei­spie­le genannt.

6 Kommentare

  1. Der ille­gi­ti­me Papst Fran­zis­kus kann den Herrn Jesus Chri­stus defi­ni­tiv nicht gekannt haben, denn das ergibt sich aus sei­ner Aus­sa­ge, daß alle Reli­gio­nen gleich sei­en. Es ist ja bloß ein Bei­spiel von so vie­len (Gut­re­den des Ehe­bruchs und der Sodo­mie, Aus­he­be­lung des Zöli­bats, Ver­fol­gung der treu­en Hir­ten und der Gläu­bi­gen, Pacha­ma­ma usw.), die klar bezeu­gen, daß Berg­o­glio ein Gegen-Papst war, auch nach gel­ten­dem kano­ni­schen Recht 

    Und Papst Leo XIV. ist defi­ni­tiv sein Nach­fol­ger, wie Berg­o­glio nicht Nach­fol­ger des hl. Apo­stels Petrus. Es gab ein wei­te­res Kom­plott gegen die Kir­che bei die­sem Kon­kla­ve ver­gan­ge­nes Jahr, wo schon auf­grund der gro­ßen Zahl der Berg­o­glio-Kar­di­nä­le im Vor­feld alles klar war. Es ging nur dar­um, einen Kan­di­da­ten zu fin­den, der am besten geeig­net sein wür­de, den Men­schen Sand in die Augen zu streuen.

  2. Nach Ideo­lo­gie und Revo­lu­ti­on stin­kend, .…..ich fin­de, das ist für mich z.b. auch das im Doku­ment Nost­ra Aet­a­te beschrie­be­ne Ver­hält­nis zum Islam, in dem sug­ge­riert wird, daß der moham­me­da­ni­sche Allah irgend­et­was mit unse­rem Drei­ei­nen Gott zu tun habe. Hat er nicht. Jedes Klein­kind ver­steht, daß ein Gott mit einem Sohn nichts mit einem Gott ohne Sohn zu tun hat. Die Fol­gen die­ser ideo­lo­gi­schen Erklä­rung führ­ten zum Gebets­tref­fen in Assi­si, zum Küs­sen des Koran durch Päp­ste, zur Zuar­beit von 20 Punk­ten von Papst Fran­zis­kus zu dem mör­de­ri­schen Migra­ti­ons­pakt und zu Dubai mit den ver­schie­de­nen Reli­gio­nen, zur sog. Syn­oda­li­taet – alles ein Weg zur sata­ni­schen Welteinheitsreligion.

  3. Die­ser Teil der Rei­he fin­det mei­ne ein­deu­tig­ste Zustim­mung. Ich hat­te mich gefreut, daß Schrems dies­mal aus­zu­kom­men schien, ohne Fati­ma und des­sen „Drit­tes Geheim­nis“ zu erwäh­nen, indes kann ich es auch ver­schmer­zen, kurz vor Schluß dies­be­züg­lich doch noch bezie­hungs­wei­se wie­der ent­täuscht wor­den zu sein.

  4. „Con­dem­na­mus et omni­no reji­ci­mus“: so wage ich es, als Laie amt­li­che Wor­te zu gebrau­chen, aber auf bestem amt­li­chen Grund. Und zwar zu gebrau­chen ganz, ganz ent­schie­den gegen das in die­ser Rei­he Vor­ge­tra­ge­ne. Pfui Teu­fel, im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes. Hier frisst das Res­sen­ti­ment sich selbst auf, ein Res­sen­ti­ment, das sich für Glau­ben hält.
    Mir gefällt auch eini­ges nicht, zumal seit dem 13.03.2013, und die Prü­fung ist bis zur Stun­de groß. Aber das eine ist, Anfech­tung zu spü­ren, das ande­re, den Glau­ben in Zwei­fel zu zie­hen oder wenig­stens gefähr­li­che The­sen auf­zu­stel­len, die mit dem Blei­ben der Kir­che in der Wahr­heit unver­ein­bar sind.
    Ja, die Wahr­heit ist in Bedräng­nis, aber von allen Sei­ten, links und rechts. Aber Chri­sti Ver­hei­ßung gilt für alle Zei­ten, und nicht bis 1958 oder 1965 oder 2013 oder was weiß ich wie.
    Nicht umsonst ist er am Fest der Ver­klä­rung gestor­ben, und so: Hei­li­ger Papst Paul VI, bit­te für uns!

    • Wir wer­den gera­de alle aus der Kir­che ver­trie­ben. Dabei sind wir gezwun­gen, unse­re Per­spek­ti­ve neu zu fin­den. Fakt ist, irgend­wo ist die Kir­che als Hüte­rin des Glau­bens verlorengegangen. 

      Dar­aus ergibt sich die Pflicht, den Stand­punkt der wah­ren Kir­che neu zu fin­den. Und es müs­sen tief­ste Über­zeu­gun­gen über Bord gewor­fen wer­den. Herr Schrems ist einer derer, die am Wein­berg arbeiten. 

      Um Ihre Wor­te zu gebrau­chen, ist die Wahr­heit nicht in Bedräng­nis. Die Wahr­heit ist weg. Der Pro­zess des Fin­dens, der jetzt abläuft, ist zwangs­läu­fig feh­ler­be­haf­tet und die Gemü­ter sind bewegt. 

      Lie­bet die Brü­der, ist das Gebot.

  5. Ich kann die Kri­tik von Doz. Oben­au­er nicht nach­voll­zie­hen. Es gibt ja auch sonst Dis­kus­sio­nen über den Stel­len­wert und die Ver­bind­lich­keit ver­schie­de­ner Arten von päpst­li­chen Äuße­run­gen. Wolf­ram Schrems schließt mit sei­nen wich­ti­gen und ver­dienst­vol­len Aus­füh­run­gen eine Lücke zu einem The­ma, über das wenig zu lesen ist, aber den­noch vie­le beschäf­tigt. Vie­len Dank!
    Schrems bringt aus­führ­lich und schlüs­sig die gedie­ge­nen und gut nach­voll­zieh­ba­ren Über­le­gun­gen von Prof. Bru­ne­ro Gherar­di­ni. Die­sem wirk­lich im besten Sin­ne des Wor­tes päpst­lich gehor­sa­men lang­jäh­ri­gen Ordi­na­ri­us an der päpstl. Late­ran­uni­ver­si­tät indi­rekt „Res­sen­ti­ment, das sich für Glau­ben hält“ zu unter­stel­len ist gro­tesk und von unsach­li­cher Emo­ti­on bestimmt. Dazu, dass Oben­au­er für sei­ne nicht­amt­li­che Ableh­nung amt­li­che Wor­te benutzt, mag sich jeder sein eige­nes Urteil bilden…

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