Eduard Habsburg: Abenteuer „Alte Messe“ – ein Reiseführer für Neugierige

Das Interesse an der Alten Messe wächst unaufhaltsam


Eduard von Habsburg-Lothringen verfaßte einen Reiseführer zum Abenteuer Alte Messe
Eduard von Habsburg-Lothringen verfaßte einen Reiseführer zum Abenteuer Alte Messe

Von Wolf­ram Schrems*

Nach der erfolg­rei­chen Ver­öf­fent­li­chung von Spre­chen Sie Habs­bur­gisch? brach­te der Reno­va­men-Ver­lag nun­mehr aber­mals eine Schrift von Erz­her­zog Edu­ard von Habs­burg-Loth­rin­gen her­aus, dies­mal zum The­ma Lit­ur­gie. Das war eine gute Idee.

Der Autor war bis vor weni­gen Wochen unga­ri­scher Bot­schaf­ter am Hei­li­gen Stuhl und beim Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­rit­ter­or­den. Nun­mehr ist er Son­der­bot­schaf­ter Ungarns für Kir­che, Fami­lie und Pro-Life. Es ist sehr schön, daß die unga­ri­sche Regie­rung eine sol­che Mis­si­on betreibt. –

Vor­lie­gen­de, per­sön­lich, ja auto­bio­gra­phisch gehal­te­ne Schrift ist für Anfän­ger in der Tra­di­ti­on gedacht, gleich­sam eine freund­li­che Ein­la­dung. Sie erhebt daher nicht den Anspruch eines theo­lo­gi­schen Traktates.

Weil die Schrift wich­tig ist, sol­len eini­ge Punk­te hier dar­ge­stellt werden:

Terminologie und persönlichen Zugang zur „Alten Messe“

Der Autor erklärt in einem ersten Schritt die Ter­mi­no­lo­gie zur „Alten“ und zur „Neu­en Messe“.

Habs­burg erklärt dann, „keiner­lei Aggres­sio­nen oder Vor­ur­tei­le gegen die heu­ti­ge Mes­se“ zu haben, „wel­che auch mein Zuhau­se war und mich geprägt hat, bevor ich, eher spät, die Alte Mes­se ent­deckt habe“. Er fre­quen­tie­re auch immer wie­der den Novus Ordo. Die Moti­va­ti­on zur Abfas­sung die­ser Schrift erklärt der Autor so:

Der neue Habs­burg: Aben­teu­er „Alte Messe“

„Ganz ein­fach des­we­gen, weil ich gewünscht hät­te, so ein Büch­lein zu haben, als ich zum ersten Mal völ­lig unvor­be­rei­tet in eine Alte Mes­se hin­ein­stol­per­te. Ich bin der Mei­nung, daß es für die mei­sten norma­len Katho­li­ken von heu­te eine gro­ße Hil­fe bedeu­ten kann, ihre erste Begeg­nung mit der Alten Mes­se nach einer klei­nen Hin­füh­rung zu haben.“

Denn bei allen ver­trau­ten Ele­men­ten sei die Alte Mes­se doch auch „fremd­ar­tig“. Dazu kom­men Vor­ur­tei­le durch die­je­ni­gen, die ihm von der alten Lit­ur­gie und den dor­ti­gen Meß­teil­neh­mern erzähl­ten (9).

Der Grund, daß uns die Lit­ur­gie aller gro­ßen Hei­li­gen über die Jahr­hun­der­te so fremd erscheint, liegt nach dem Autor dar­an, „daß wir durch Jahr­zehn­te vom Novus Ordo auf die neue Form der Lit­ur­gie kon­di­tio­niert wur­den.“ Das ist gut for­mu­liert, denn der lit­ur­gi­sche Unter­richt ab den sieb­zi­ger Jah­ren (oder was man dafür hal­ten kann) war ja weni­ger eine Hin­füh­rung zur Lit­ur­gie, son­dern eben eine Kon­di­tio­nie­rung, eine Dres­sur, eine Manipulation.

Für den Autor kam mit dem Über­lie­fer­ten Ritus – „weit jen­seits der 50“ – eine völ­lig neue Erfahrung:

„Es ist so, als sei mir ‚ein Licht auf­ge­gan­gen‘. Und nicht nur ich allein – auch für mei­ne Frau und alle mei­ne Kin­der war das der abso­lu­te Game-Chan­ger“ (15).

Er erlern­te sogar das Mini­strie­ren. Respekt.

Der Autor meint, daß die Alte Mes­se grund­sätz­lich schon „für jeden“ ist (18). Aber sie erfor­de­re eine Neuausrichtung:

„Man soll­te auch beden­ken, daß die Hl. Mes­se in erster Linie nicht eine zwi­schen­mensch­li­che Begeg­nung und ein Gemein­schafts­er­leb­nis ist, das wür­de dann eher ei­nem teils pro­te­stan­tisch frei­kirch­li­chen Ver­ständ­nis des öffent­li­chen Got­tes­dien­stes ent­spre­chen. Die er­ste und tief­ste Begeg­nung fin­det näm­lich mit Gott-Vater, mit dem Erlö­ser in sei­nem real gegen­wär­ti­gen Kreu­zes­op­fer und in der Hl. Kom­mu­ni­on statt“ (19f).

Entwicklung und Kontinuität

Der Autor zeich­net in gro­ben Stri­chen die Ent­wick­lung der römi­schen Lit­ur­gie nach, von Gre­gor dem Gro­ßen († 604), der „im Gehor­sam“ ord­ne­te, „was vor ihm gewach­sen war“, über Pius V. (Quo pri­mum, 1570) und Pius X. bis zu Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um des II. Vati­ka­nums, das der Autor aller­dings mit einem nicht mehr gerecht­fer­tig­ten Ver­trau­ens­vor­schuß behan­delt (28):

„Was das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil in Sacrosanc­tum Con­ci­li­um anstreb­te, war also eine erneu­er­te Ver­tie­fung des lit­ur­gi­schen Lebens: eine bewuß­te­re Teil­nah­me der Gläu­bi­gen, eine ver­ständ­li­che­re Zei­chenhaftigkeit, eine inni­ge­re Ver­bin­dung von Wort und Sakra­ment. Dabei soll­te jedoch die lit­ur­gi­sche Tra­di­ti­on nicht gebro­chen, son­dern in ihrem inne­ren Wesen zur Ent­fal­tung gebracht wer­den.“1

Sehr schön zum The­ma Geschich­te und Kon­ti­nui­tät schreibt Habs­burg, bekannt­lich selbst Reprä­sen­tant der abend­län­di­schen Geschichte:

„Für Karl den Gro­ßen im Jahr 800 war die Mes­se auf Latein genau­so ‚fremd‘ wie heu­te für Sie. Trotz­dem hat er sie wie selbstver­ständlich ange­nom­men und sich bemüht, sie zu ler­nen und ihr zu fol­gen. Und glau­ben Sie es mir, wenn man der Mes­se in der über­lie­fer­ten Form regelmä­ßig folgt, und für die jün­ge­ren unter uns sogar von Kind­heit auf, dann wer­den einem alle die­se Passa­gen ver­traut. Und dann pas­siert das Unglaub­li­che, daß näm­lich unser Geist und unse­re See­le von den Tex­ten berührt, ver­wan­delt wer­den, und die Mes­se zu unse­rer Trans­for­ma­ti­on und Hei­li­gung bei­trägt. Auch und beson­ders auf Latein“ (33).

Der Autor betont die vor­ge­schrie­be­nen For­men der „Alten Mes­se“, denn „al­les dient dem Vor­an­schrei­ten der fei­er­li­chen Opfer­handlung, wel­che ja die Hei­li­ge Mes­se ist.“ Dar­um gibt es auch kei­ne Eigen­mäch­tig­kei­ten und kei­ne „Krea­ti­vi­tät“. –

Ein wich­ti­ger Gedan­ke des Autors soll beson­ders her­vor­ge­ho­ben wer­den. Es geht um die kras­se Ungleich­be­hand­lung der „Alten Mes­se“ und der Lit­ur­gien des Ostens (durch zeit­ge­nös­si­sche Katho­li­ken, Lai­en, Prie­ster, Funk­tio­nä­re, Ökumeniker):

„Letz­ter Gedan­ke – die mei­sten Men­schen sind unglaub­lich beein­druckt von ihrer ersten Begeg­nung mit Lit­ur­gie und Mystik, wenn sie ihre erste ost­kirch­li­che Lit­ur­gie erle­ben. Hier beschwert sich aber nie­mand dar­über, daß die­se ‚Lit­ur­gie anders als mei­ne gewohn­te Sonn­tags­mes­se ist‘. Viel­leicht soll­te man bei der Alten Mes­se eine ähn­li­che Gei­stes­hal­tung mit­brin­gen“ (50, Her­vor­he­bun­gen in den Zita­ten im Orig.).

Ja, wäre nicht schlecht.

Praktische Folgerungen

Edu­ard Habs­burg emp­fiehlt, ggf. auch wei­te Fahr­we­ge auf sich zu neh­men. Es lohnt sich jeden­falls unbe­dingt. Wich­tig sei auch die Häu­fig­keit der Teil­nah­me, da man sonst nicht „tie­fer in ihre Ge­heimnisse ein­zu­drin­gen“ vermag.

Und was in unse­ren Brei­ten kaum ein Prie­ster, geschwei­ge denn ein Bischof, aus­zu­spre­chen imstan­de ist:

„Oh ja, und wenn Sie vor­ha­ben, zur Kom­mu­ni­on zu gehen – prü­fen Sie, ob Sie im Stan­de der Gna­de sind, und gehen Sie gege­be­nen­falls zur Beich­te“ (57).

Ein sehr guter Rat folgt für die, die mit der Alten Mes­se noch nicht ver­traut sind:

„Füh­len wir uns also in tie­fer Ver­bin­dung mit un­seren Vor­fah­ren, ver­su­chen wir mög­lichst mit den Augen zu beten und die ein­zel­nen Tei­le der Mes­se visu­ell zu ver­fol­gen und so bes­ser ken­nen zu ler­nen. Trö­sten wir uns bei den ersten Malen damit, daß die Mes­se gül­tig und vol­ler Gna­den ist, auch wenn wir nicht genau wis­sen, wo wir jetzt in der Li­turgie sind“ (63).

Habs­burg beschreibt die Zen­tren des Alten Ritus als Orte, zu denen „Men­schen zum Teil aus gro­ßen Ent­fer­nun­gen kom­men“. Dar­um wür­den auch immer wie­der unbe­kann­te Gesich­ter auf­tau­chen, oft Men­schen, die ein­fach „neu­gie­rig“ sind. Es gebe einen Unter­schied zu den gewohn­ten Orts­pfar­ren. Habs­burg zückt die fei­ne Klin­ge gegen die Tri­via­li­sie­rung und Ent­wei­hung des Kir­chen­raums durch – auch gut­ge­mein­ten – pfarr­li­chen Akti­vis­mus im Stil der sieb­zi­ger Jahre:

„Wenn man nach der Mes­se [in den Kir­chen des Alten Ritus] nicht sofort ange­spro­chen und herz­lich begrüßt wird, liegt das nicht dar­an, daß kei­ne ech­te Gemein­schaft besteht, son­dern, daß die Men­schen […] noch beten“ (68).

Ja, hof­fent­lich.

Sehr wich­tig ist der Hin­weis des Autors auf die Anwe­sen­heit jun­ger Fami­li­en „oft mit vie­len Kin­dern“ in der Alten Mes­se. Das über Jahr­zehn­te ver­mit­tel­te Bild von aus­schließ­lich unbe­lehr­ba­ren, ewig­gest­ri­gen Älte­ren und „Son­der­lin­gen“ in der Alten Mes­se sei durch die Tat­sa­chen – von Dal­las bis Wien, von Lon­don bis Ber­lin und Rom – wider­legt. Übri­gens sei­en die Kin­der meist „über­ra­schend brav“, sehr wahr­schein­lich eine Fol­ge der Gewöh­nung an „rei­che und schö­ne Lit­ur­gien“ (70).

Der Autor spricht das Offen­kun­di­ge aus: Die Alte Mes­se kann „ein Ein­gangs­tor zu einer ech­ten Ver­tie­fung des Glau­bens sein“. Die kon­tem­pla­ti­ve Natur die­ser Lit­ur­gie för­dert die Annä­he­rung an das gro­ße Geheim­nis der Eucha­ri­stie. Die Stil­le sei heut­zu­ta­ge unge­wohnt und tue der See­le gut.

Habs­burg bringt noch etwas Auto­bio­gra­phie zu einem wich­ti­gen The­ma ein:

„Schon in mei­ner Zeit im Novus Ordo war die Oster­lit­ur­gie der Höhe­punkt mei­nes lit­ur­gi­schen Lebens. Alle Ele­men­te spra­chen mich an, und rühr­ten mich oft zu Trä­nen. Ich kann nur sagen, daß die Oster­lit­ur­gie im Alten Ritus wirk­lich noch ein­mal ein Stock­werk auf­setzt und ein völ­lig unver­geß­li­ches Erleb­nis ist“ (75f).2

Resümee

Edu­ard Habs­burg erwirbt sich mit die­ser sym­pa­thi­schen Klein­schrift gro­ße Ver­dien­ste um die Über­lie­fer­te Lit­ur­gie und damit um die Hei­li­gung der See­len. Daß ein Reprä­sen­tant eines über ein­tau­send Jah­re alten Geschlechts, das über acht Jahr­hun­der­te Mit­tel­eu­ro­pa ent­schei­dend geprägt hat, und gleich­zei­tig Diplo­mat des Staa­tes Ungarn, sei­nen Namen für die Über­lie­fer­te Lit­ur­gie ein­setzt, ist groß­ar­tig und gera­de­zu geschichts­träch­tig. Vie­le Gläu­bi­ge und mög­li­cher­wei­se auch Suchen­de wer­den dafür sehr dank­bar sein. –

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei­en eini­ge Ein­wän­de und Ergän­zun­gen genannt, nicht um an einer auto­bio­gra­phisch gehal­te­nen Klein­schrift her­um­zu­kri­ti­sie­ren, son­dern um dem Leser wei­te­re Ori­en­tie­run­gen in ver­wor­re­ner Zeit zu bieten.

Der Autor schreibt in der Einleitung:

„Das unter­schei­det sie [die Über­lie­fer­te Mes­se] von der heu­ti­gen Mes­se, die auch die ‚Ordent­li­che Form‘ genannt wird, oder Novus Ordo“ (5).

Die­se – ohne­hin unglück­li­che – Ter­mi­no­lo­gie von „Außer­or­dent­li­cher“ und „Ordent­li­cher“ Form ist eigent­lich bereits abro­giert, weil sie im jetzt maß­geb­li­chen Motu­pro­prio Tra­di­tio­nis cus­to­des (2021) nicht mehr vor­kommt (nur in Fuß­no­te 7, die aber zwei Dekre­te aus 2020 zitiert). Papst Fran­zis­kus erklär­te (münd­lich), daß die Erlaub­nis für die Zele­bra­ti­on des Meß­buchs von 1962 mit der Erlaub­nis zur Zele­bra­ti­on eines öst­li­chen Ritus ver­gleich­bar sei („Biri­tua­lis­mus“). Damit impli­zier­te Fran­zis­kus (ohne es deut­lich aus­zu­spre­chen oder gar for­mal zu defi­nie­ren), daß alter und neu­er Ritus zwei ver­schie­de­ne Riten sind und nicht „zwei For­men ein und des­sel­ben Ritus“ (was ohne­hin mehr von den Umstän­den erzwun­ge­ne Rhe­to­rik als theo­lo­gi­sche Prä­zi­si­on war).3

Der Autor ist zu vor­sich­tig, wenn er die Vor­ge­schich­te der Pro­mul­ga­ti­on des Novus Ordo Mis­sae erwähnt (27ff). Hier wur­de mas­siv intri­giert und gelo­gen – wie übri­gens auch im Vor­feld der Pro­mul­ga­ti­on von Tra­di­tio­nis cus­to­des.

Habs­burg schreibt dann:

„In der Fol­ge­zeit ver­schwand die soge­nann­te Alte Mes­se über Jahr­zehn­te weit­ge­hend aus dem Be­wußtsein und aus den Kir­chen. Sie über­leb­te jedoch in klei­nen Bio­to­pen welt­weit und in gewis­sen Gemeinschaften.“

Der Aus­druck „ver­schwand“ ist ange­sichts der tyran­ni­schen Bru­ta­li­tät der Umset­zung der „Reform“ in den 1970er Jah­ren irre­füh­rend, weil kraß unter­trie­ben.4

Was die „klei­nen Bio­to­pe“ betrifft, so hät­te der Autor durch­aus das hel­den­haf­te Wir­ken von Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re und sei­ner Prie­ster­bru­der­schaft erwäh­nen kön­nen.5

Das aber nur aus Grün­den der Vollständigkeit. –

Edu­ard Habs­burg leg­te eine sehr schö­ne, sym­pa­thi­sche, gläu­bi­gen Geist atmen­de Klein­schrift vor. Der Kon­trast zur offi­zi­el­len kirch­li­chen Publi­zi­stik im deut­schen Sprach­raum, ob diö­ze­sa­ne Kir­chen­zei­tung oder bischöf­li­che Ver­laut­ba­rung, ist gera­de­zu kreischend.

Die Schrift zeigt uns vor allem: Unter den prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken wächst das Inter­es­se an der Alten Mes­se unauf­halt­sam – allen Ver­leum­dun­gen und Schi­ka­nen zum Trotz, Habs­burg spricht selbst von einem „gro­ßen Andrang, wel­cher der­zeit spe­zi­ell bei der Jugend in Rich­tung Alter Mes­se herrscht“ (56).

Bemer­kens­wert ist, daß ein noch recht jun­ger tra­di­ti­ons­ori­en­tier­ter katho­li­scher Ver­lag Titel um Titel von hoher Qua­li­tät pro­du­ziert und dafür offen­bar auch einen Markt findet.

Der Ver­lag stellt die Klein­schrift als PDF kosten­los zur Ver­fü­gung, die Druck­aus­ga­be ist sehr günstig.

Dank und Aner­ken­nung dem Autor und dem Verleger.

Edu­ard Habs­burg-Loth­rin­gen, Aben­teu­er »Alte Mes­se« – Ein Rei­se­füh­rer für Neu­gie­ri­ge, Reno­va­men-Ver­lag, Bad Schmie­de­berg 2026, 83 S.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Lifer, Ver­tre­ter der „Osmo­se“ zwi­schen den Gemein­schaf­ten der Latei­ni­schen Messe.


1 Mög­lich, daß man­che Kon­zils­vä­ter das anstreb­ten, das gan­ze Doku­ment hat aber – etwa mit sei­ner uner­hör­ten, begrün­dungs­lo­sen und sakri­le­gi­schen Abschaf­fung der Prim – einen revo­lu­tio­nä­ren Cha­rak­ter, m. a. W., die im Ver­bor­ge­nen agie­ren­den Revo­lu­tio­nä­re hat­ten Übles im Sinn.

2 Hier darf man ergän­zen, daß an der Lit­ur­gie der Kar­wo­che bereits 1955 Ände­run­gen gemacht wor­den sind, die in sich kaum als not­wen­dig ver­stan­den wer­den kön­nen und wohl unnö­tig und ver­mut­lich als Vor­be­rei­tung für schwer­wie­gen­de­re Umwäl­zun­gen gedacht waren.

3 Papst Fran­zis­kus nach einem Inter­view mit dem spa­ni­schen katho­li­schen Radio COPE, zitiert nach Rora­te cae­li “After this motu pro­prio, a priest who wants to cele­bra­te that is not in the same con­di­ti­on as before—that it was for nost­al­gia, for desi­re, &c.— and so he has to ask per­mis­si­on from Rome. A kind of per­mis­si­on for bi-ritua­lism, which is given only by Rome. [Like] a priest who cele­bra­tes in the Eastern Rite and the Latin Rite, he is bi-ritu­al but with the per­mis­si­on of Rome” (Her­vor­he­bung WS. „Nach die­sem Motu pro­prio befin­det sich ein Prie­ster, der das [im über­lie­fer­ten Ritus] zele­brie­ren möch­te, nicht mehr in der­sel­ben Lage wie zuvor – als es etwa aus Nost­al­gie oder aus per­sön­li­chem Wunsch her­aus geschah usw. Viel­mehr muß er nun in Rom um Erlaub­nis bit­ten. Es han­delt sich gewis­ser­ma­ßen um eine Art Geneh­mi­gung zum Bi-Ritua­lis­mus, die aus­schließ­lich von Rom erteilt wird. [So wie] ein Prie­ster, der im öst­li­chen Ritus und im latei­ni­schen Ritus zele­briert – er ist bi-ritu­ell, jedoch mit der Erlaub­nis Roms.“). Damit – das muß man aner­ken­nen – war er ehr­li­cher als Bene­dikt. Der katho­li­sche Phi­lo­soph Robert Spae­mann erklär­te schon vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert aus tra­di­ti­ons­freund­li­cher Sicht, daß es sich um zwei ver­schie­de­ne Riten han­delt (Vor­trag bei der Theo­lo­gi­schen Som­mer­aka­de­mie des Lin­zer Prie­st­er­krei­ses in Aigen i. M. im August 1997).

4 Zum Geist der so genann­ten Lit­ur­gie­re­for­mer und ‑exper­ten mit ihrem Fana­tis­mus und ihrer Unduld­sam­keit noch eine Anek­do­te: Die US-ame­ri­ka­ni­sche Pro-Life-Akti­vi­stin Don­na Stei­chen, Autorin von Ungod­ly Rage (1991) über Femi­nis­mus und Wic­ca-Kult inner­halb der Orden und kirch­li­chen Struk­tu­ren, wit­zel­te einst bei einem Vor­trag: „What is the dif­fe­rence bet­ween a lit­ur­gist and a ter­ro­rist? You can nego­tia­te with the ter­ro­rist.“ („Was ist der Unter­schied zwi­schen einem Lit­ur­gi­ker und einem Ter­ro­ri­sten? – Mit dem Ter­ro­ri­sten kann man verhandeln.“)

5 Heu­te muß allen klar sein, ob sie nun zur Pius­bru­der­schaft gehen oder nicht: Ohne die uner­laub­ten Bischofs­wei­hen von 1988 hät­te es nach mensch­li­chem Ermes­sen kein Motu­pro­prio Eccle­sia Dei, kei­ne Petrus­bru­der­schaft, kei­ne der ande­ren alt­ri­tu­el­len Gemein­schaf­ten, kein Sum­morum Pon­ti­fi­cum, kei­ne Pfingst­wall­fahrt nach Char­tres und über­haupt kei­ne Über­lie­fer­te Mes­se mehr gege­ben. Der Erhalt der Über­lie­fer­ten Lit­ur­gie wur­de – das sehen wir im Rück­blick deut­li­cher – durch den „Unge­hor­sam“ von 1988 regel­recht erzwun­gen. Was das über den Zustand der kirch­li­chen Hier­ar­chie sagt, braucht wohl nicht wei­ter aus­ge­führt zu werden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*