Die Spannungen innerhalb der katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland über die Segnung von Homo-Paaren bleiben ein explosives Thema im Verhältnis zwischen Rom und dem woken Teil des deutschen Episkopats. Nun sorgte der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin für Aufmerksamkeit. Am Rande eines Termins in Rom erklärte er gestern, es sei „verfrüht“, über mögliche Sanktionen gegen deutsche Bischöfe zu sprechen. Die Äußerung fiel im Kontext der anhaltenden Debatte um die Umsetzung eigenmächtiger Segnungsinitiativen in bundesdeutschen Diözesen, die seit Jahren für Kontroversen sorgt. Einige deutsche Bischöfe, darin unterstützt von Teilen des Kirchenapparats, wollen eine himmelschreiende Sünde anerkennen und segnen.
Kardinal Parolin äußerte sich gegenüber Journalisten nach einer Veranstaltung im römischen Augustinianum, wo er ein Buch präsentierte. Auf die Frage, wie der Heilige Stuhl reagieren werde, falls deutsche Bischöfe den eingeschlagenen Weg fortsetzen, verwies der Kardinalstaatssekretär auf den laufenden Dialog mit der Deutschen Bischofskonferenz. Es sei „verfrüht“, über Disziplinarmaßnahmen zu sprechen. Vielmehr gehe es darum, die Gespräche fortzusetzen und eine kirchlich tragfähige Lösung zu finden.
Diese Haltung steht in einer Reihe ähnlicher vatikanischer Stellungnahmen der vergangenen Jahre, in denen Rom zwar wiederholt auf die formalen Grenzen kirchlicher Lehre verwies, zugleich jedoch auf direkte Konfrontationen verzichtete. Inhaltlich wurde die Frage gemieden, weshalb die kirchliche Lehre zur Homosexualität seit Jahrzehnten kaum mehr verkündet, erklärt und begründet wird. Seit dem sogenannten „Synodalen Weg“ in der Bundesrepublik Deutschland kommt es regelmäßig zu Spannungen über Fragen der Sexualmoral, der Ekklesiologie und der Autorität der Weltkirche gegenüber eigemächtigen Reformprojekten.
Dauerstreit seit Jahren
Die Diskussion um Segnungen von Homo-Paaren hat sich seit mindestens 2018 entwickelt und wurde durch den „Synodalen Weg“ weiter verstärkt. Dabei geht es nur formal um die Segnung von Homo-Paaren, in Wirklichkeit aber um die Anerkennung der Homosexualität und damit um einen Umsturz der kirchlichen Morallehre. Teile der deutschen Kirche vertreten dabei offensiv die Homo-Agenda auf ideologischer Grundlage, wodurch auch kirchlicherseits Homosexualität unte dem Vorwand einer behaupteten „Diskriminierung“ wie etwas Höherrangiges präsentiert wird.
Mit dem Dokument „Segen für Paare, die sich lieben“ sowie späteren pastoralen Handreichungen einzelner Diözesen wurden faktisch neue Segnungsformen eingeführt, die in Rom jedoch auf Vorbehalte stoßen, weil sie den von Papst Franziskus angestoßenen Kurs einer Öffnung gegenüber der Homosexualität beschleunigen wollen.
Der Vatikan stellte zuletzt mehrfach klar, daß eine formelle Gleichsetzung solcher Segnungen mit der sakramentalen Ehe nicht möglich sei. Zugleich wurde aber versucht, den Konflikt nicht durch sofortige Disziplinarmaßnahmen zu eskalieren, sondern durch Gespräche einzugrenzen. Parolins aktuelle Äußerung reiht sich genau in diese Linie ein: keine Sanktionen als erstes Mittel, sondern Fortsetzung des Dialogs.
Grund für diese Zurückhaltung ist, wie Kritiker betonen, daß Rom unter Papst Franziskus auf die Homo-Agenda eingeschwänkt ist, sich also grundsätzlich in der Homo-Frage mit den woken deutschen Bischöfen einig ist, aber ein zurückhaltenderes Tempo will, um einen zu großen Konflikt mit konservativen Teilen der Weltkirche zu vermeiden.
Wenn aber viel nur taktisches Spiel ist, erklärt sich die geringe Durchschlagskraft des römischen Handelns. Hauptmerkmal dieser inhaltlichen Übereinstimmung ist die Tatsache, daß die kirchliche Lehre zur Homosexualität nie in den Mund genommen, geschweigedenn verteidigt und begründet wird.
Rom setzt auf Gespräch statt Sanktion
Der Kardinalstaatssekretär betonte erneut die Bedeutung der kirchlichen Einheit und der Orientierung an der Tradition. Entscheidungen müßten im Einklang mit dem Kirchenrecht, dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der überlieferten Lehre stehen. Zugleich äußerte er die Hoffnung, daß Konflikte innerhalb der Kirche „friedlich“ gelöst werden könnten.
Bemerkenswert ist dabei weniger die inhaltliche Aussage als die wiederholte Wortwahl: „verfrüht“. Schon in früheren vatikanischen Stellungnahmen wurde dieser Begriff verwendet, wenn es um mögliche disziplinarische Schritte gegen deutsche Bischöfe ging. Kritiker sehen darin ein Zeichen anhaltender Unentschlossenheit Roms gegenüber nationalen Sonderwegen, deren Ursprung jedoch in einem heimlichen Seitenwechsel von Teilen selbst höchster kirchlicher Amtsträger zu suchen ist.
Papst Franziskus setzte in seinem Pontifikat eine endlose Reihe von demonstrativen homophilen Gesten, während er Verteidiger der kirchlichen Morallehre ebenso demonstrativ links liegenließ – und die kirchliche Lehre zur Homosexualität nie verkündete.
Kardinalstaatssekretär Parolin, ein Repräsentant der bergoglianischen Ära, setzt die Betonung formaler Fragen zur Erreichung eines gemeinsamen Tempos fort.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanNews (Screenshot)
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