Christen in der Alternative für Deutschland (ChrAfD) – zum zehnjährigen Bestehen

Festschrift


Joachim Kuhs veröffentlichte eine Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Christen in der AfD mit Beiträgen von Prof. Dr. David Engels, Beatrix von Storch MdB, Erika Steinbach, Dr. Lothar Gassmann, Prof. Dr. Max Otte u. v. a.
Joachim Kuhs veröffentlichte eine Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Christen in der AfD mit Beiträgen von Prof. Dr. David Engels, Beatrix von Storch MdB, Erika Steinbach, Dr. Lothar Gassmann, Prof. Dr. Max Otte u. v. a.

Von Wolf­ram Schrems*

Wer sich in der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) enga­giert, muß mit dem Schlimm­sten rech­nen. AfD-Poli­ti­ker ris­kie­ren Ruf und bür­ger­li­che Exi­stenz, manch­mal buch­stäb­lich Leib und Leben. Die meist­ge­haß­te Par­la­ments­par­tei Deutsch­lands wird von den ande­ren Frak­tio­nen geäch­tet, vom Geheim­dienst (aus­ge­rech­net „Ver­fas­sungs­schutz“ genannt) infil­triert, von den Medi­en als „Nazis“ dämo­ni­siert und von Stra­ßen­schlä­gern phy­sisch bedroht. Funk­ti­ons­trä­ger der AfD wur­den auch schon bei Über­fäl­len schwer ver­letzt.1

Zu allem Über­fluß hal­ten es katho­li­sche und pro­te­stan­ti­sche Amts­trä­ger für not­wen­dig, die Par­tei immer wie­der scharf zu kri­ti­sie­ren und Mit­glie­der von Kir­chen­äm­tern auszuschließen.

Nichts­de­sto­trotz enga­gie­ren sich Men­schen, die offen­kun­dig bonae vol­un­ta­tis sind, in die­ser Par­tei. Nicht weni­ge von ihnen sind gläu­bi­ge Chri­sten. Man kann die gegen sie gerich­te­ten Haß­erup­tio­nen aus den Rei­hen der ande­ren Par­tei­en in den Land­ta­gen und im Bun­des­tag, die dem Beob­ach­ter par­tei­isch erschei­nen­de Vor­sitz­füh­rung und die häu­fi­gen Ord­nungs­ru­fe, und beson­ders die von Medi­en und „NGOs“ geschaf­fe­ne Pogrom­stim­mung ohne wei­te­res als „Wei­ßes Mar­ty­ri­um“ bezeichnen.

Eini­ge von die­sen, allem Anschein nach mehr­heit­lich evan­ge­li­ka­le und luthe­ri­sche, sodann katho­li­sche und eini­ge ortho­do­xe, sind mitt­ler­wei­le in einer eige­nen Ver­ei­ni­gung namens Chri­sten in der AfD, kurz ChrAfD, zusam­men­ge­schlos­sen. Bereits vor acht Jah­ren erschien auf die­ser Sei­te mei­ne Vor­stel­lung der Publi­ka­ti­on Bekennt­nis­se von Chri­sten in der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land.

Die ChrAfD ent­wickel­ten sich zwi­schen­zeit­lich wei­ter und nah­men Ein­fluß auf die Linie der Par­tei und auf den par­la­men­ta­ri­schen Betrieb. Mitt­ler­wei­le fei­er­ten sie am 10. Okto­ber des Vor­jah­res ihr zehn­jäh­ri­ges Bestehen. Aus die­sem Anlaß wur­de vom Vor­sit­zen­den Joa­chim Kuhs eine sym­pa­thi­sche Fest­schrift her­aus­ge­ge­ben und von Vol­ker Münz, MdB a. D. und eben­falls Funk­tio­när bei ChrAfD, verlegt.

Weil das auch für die Leser einer tra­di­ti­ons­ori­en­tier­ten katho­li­schen Netz­sei­te inter­es­sant ist, hier eini­ge Wor­te dazu:

Prominente Gewährsleute: David Engels, Beatrix von Storch, Erika Steinbach

Pro­fes­sor David Engels, den Lesern die­ser Sei­te wohl­be­kann­ter deutsch­bel­gi­scher Histo­ri­ker (Was tun?, Euro­pa aeter­na), steu­er­te ein gewohnt gehalt­vol­les Vor­wort bei, das die zen­tra­len The­men anreißt: uni­ver­sa­ler Glau­be und par­ti­ku­la­re Natio­nen, Stre­ben nach See­len­heil und irdi­sche Auf­ga­ben, ordo cari­ta­tis und Näch­sten­lie­be, Gott­ge­wollt­heit der Völ­ker und Völ­ke­ren­gel (Dan 10, 20ff), Isla­mi­sie­rung, Welt­staat und „dop­pel­te Beru­fung“: „den Him­mel als Ziel, die Hei­mat als Rahmen“.

Gruß­wor­te kom­men von der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Bea­trix von Storch und der ehe­ma­li­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Eri­ka Stein­bach, vor­mals CDU-Poli­ti­ke­rin und Prä­si­den­tin des Bun­des der Ver­trie­be­nen.

Einundzwanzig Beiträge, von Geschichte der ChrAfD bis zum christlichen Deutschlandlied

In drei Tei­len, Glau­be – Das Fun­da­ment „Wer­ke des Glau­bens“, Lie­be – der Auf­trag und Hoff­nung – Licht der Welt, wer­den ein­zel­ne The­men abge­han­delt, teils in sehr per­sön­lich gehal­te­nen Aus­füh­run­gen. Ein vier­ter Teil bie­tet Grün­dungs­do­ku­men­te, etwa die aktu­el­le Sat­zung der ChrAfD, Reso­lu­tio­nen des Pforz­hei­mer Krei­ses (eine Vor­gän­ger­initia­ti­ve zur ChrAfD, Initia­tor war der evan­ge­li­ka­le Theo­lo­ge Dr. Lothar Gas­smann, der in der Fest­schrift pro­mi­nent vor­kommt und des­sen Werk von mir für einen Bei­trag im Sam­mel­band von Prof. Dirsch, Der Gre­at Reset, berück­sich­tigt wur­de) und die 10-Punk­te-Reso­lu­ti­on zu Isra­el. Der fünf­te Teil ent­hält Per­so­nen­por­traits und eini­ge Illustrationen. –

Politische Forderungen – in grellem Kontrast zu den „Staatskirchen“

Schwer­punk­te der ChrAfD sind erwar­tungs­ge­mäß der Erhalt des Glau­bens und der christ­li­chen Prä­gung Deutsch­lands, der Schutz des unge­bo­re­nen Men­schen vor der Abtrei­bung und der Alten und Kran­ken vor der „Eutha­na­sie“, die Ver­tei­di­gung der Fami­lie und der Schutz der Kin­der vor sexu­el­ler Indok­tri­nie­rung und Bre­chung. Gegen­über der Homo­se­xua­li­tät wird eher ver­hal­ten auf­ge­tre­ten, klar abge­lehnt wird aber staat­li­che oder öffent­li­che Propaganda.

Im poin­tiert for­mu­lier­ten Bei­trag von Bernd Laub (evan­ge­lisch-frei­kirch­lich), der das Ver­hal­ten der „Kir­chen“ bzw. „Staats­kir­chen“ kri­ti­siert, wer­den auch das Recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit gegen­über der Migran­ten­ge­walt und das Recht auf Eigen­tum gegen­über der „Umver­tei­lungs­ma­schi­ne“ Staat ein­ge­mahnt und „Remi­gra­ti­on“ als anzu­stre­ben­de Maß­nah­me erwähnt (99f).

Evi­den­ter­wei­se ste­hen die ChrAfD damit im Wider­spruch zur Poli­tik der katho­li­schen Bischofs­kon­fe­renz und der luthe­ri­schen EKD.

Konfessioneller Proporz und Nichtangriffspakt innerhalb der ChrAfD

Wie funk­tio­niert die deli­ka­te Zusam­men­ar­beit von Pro­te­stan­ten und evan­ge­li­ka­len Chri­sten mit Katho­li­ken und neu­er­dings auch Ortho­do­xen? Wie ver­mei­det man Kon­tro­ver­sen, die die Außen­wir­kung läh­men? Eine ver­stän­di­ge und – rebus sic stan­ti­bus – rea­li­täts­na­he Ant­wort dazu gibt der Katho­lik Har­di Schumny:

„Die Spal­tung der Chri­sten­heit in Deutsch­land ist eine trau­ri­ge Tat­sa­che. Die damit zusam­men­hän­gen­den Pro­ble­me kön­nen ganz sicher nicht im Rah­men der ChrAfD gelöst wer­den. Inso­fern sind die Klä­rung gegen­sätz­li­cher theo­lo­gi­scher Stand­punk­te zwi­schen Pro­te­stan­ten und Katho­li­ken auch nicht Gegen­stand der Dis­kus­si­on in der ChrAfD. Gele­gent­li­che ‚Nadel­sti­che‘ von der einen oder ande­ren Sei­te wer­den sofort unter­bun­den“ (50).

Anders wird es ver­mut­lich in einer Orga­ni­sa­ti­on wie die­ser nicht gehen (und die Wie­der­grün­dung einer katho­li­schen Zen­trums­par­tei liegt ange­sichts der Lage des deut­schen Katho­li­zis­mus ohne­hin völ­lig jen­seits des Denkbaren).

Es gibt auch einen fixen Pro­porz zwi­schen Protestanten/​Evangelikalen und Katholiken/​Orthodoxen bei Spre­cher- und Stell­ver­tre­ter­po­si­tio­nen im Vor­stand. (Übri­gens lie­fert gera­de der ortho­do­xe Klas­si­sche Phi­lo­lo­ge Janis Pas­qua­le Tor­to­ra einen lesens­wer­ten Bei­trag zur Not­wen­dig­keit der christ­li­chen Grund­la­ge der Poli­tik mit vie­len Fuß­no­ten. Er scheint sich bei den Kir­chen­vä­tern gut aus­zu­ken­nen und zitiert auch den bekann­ten eng­li­schen katho­li­schen Kon­ver­ti­ten G. K. Chesterton.) –

Ver­hält­nis­mä­ßig pro­mi­nent kom­men Bezug­nah­men auf Papst Bene­dikt XVI. vor (etwa mit sei­ner histo­ri­schen Bun­des­tags­re­de vom 22. Sep­tem­ber 2011), bei­spiels­wei­se durch Frau von Storch, die selbst luthe­risch ist. –

Juden in der AfD(JAfD) und die Haltung zu Israel – ein kritischer Punkt

Bemer­kens­wert ist der Bei­trag von Artur Abra­mo­vych, Vor­sit­zen­der der Juden in der AfD, mit dem Titel „Eine jüdi­sche Ver­tei­di­gung des Ober­haupts der Chri­sten­heit“ (218). Dar­in wer­den Angrif­fe auf das Anse­hen von Papst Pius XII. zurück­ge­wie­sen, beson­ders die Dif­fa­mie­rung durch Rolf Hoch­huth als „Hand­lan­ger Hit­lers“. Abra­mo­vych bezieht sich auf die rezen­te deut­sche Über­set­zung der Arbeit des Rab­bi­ners und Histo­ri­kers David G. Dalin, The Myth of Hitler’s Pope (Das Mär­chen von Hit­lers Papst). –

Einem Punkt im Selbst­ver­ständ­nis der ChrAfD wird man wider­spre­chen müs­sen. Es geht um die Posi­tio­nie­rung zu Isra­el (Erklä­rung des Pforz­hei­mer Krei­ses zur Isra­el-Poli­tik vom 14. Juli 2016 und die Aktu­el­le 10-Punk­te-Reso­lu­ti­on der ChrAfD zur deut­schen Isra­el-Poli­tik von 2025, 176ff).

Die aus­ge­präg­te pro-zio­ni­sti­sche Hal­tung der ChrAfD ist ein Schwach­punkt die­ser anson­sten erfreu­li­chen Initia­ti­ve. Von der Bal­four-Dekla­ra­ti­on über den Ter­ror gegen Ara­ber und Eng­län­der bis zur Ver­trei­bung gro­ßer Tei­le der auto­chtho­nen Bevöl­ke­rung, unter ihnen damals noch vie­le Chri­sten, ist am Staat Isra­el alles problematisch.

Aus theo­lo­gi­scher Sicht müß­te, beson­ders für die sich auf den Wort­laut der Schrift oder gar auf das Sola-Scrip­tu­ra-Prin­zip beru­fen­den Chri­sten, 1 Thess 2, 15f aus­rei­chend sein, um zio­ni­sti­sches Groß­machts­stre­ben zu dele­gi­ti­mie­ren.2

Prof. Dr. Max Otte, Men­no­nit, Öko­nom und Unter­neh­mer, bekann­ter Best­sel­ler-Autor, schreibt, mög­li­cher­wei­se als leich­te Kri­tik an der betref­fen­den Posi­ti­on der ChrAfD, daß man sich „zunächst um Deutsch­land zu küm­mern und sei­ne Sou­ve­rä­ni­tät gera­de auch gegen­über den USA und ihrem außen­po­li­ti­schen Arm NATO und gegen­über der EU zu stär­ken bzw. wie­der­her­zu­stel­len“ hät­te, und folgert:

„Der DEXIT wäre ein guter Schritt, Ger­ma­ny first, nicht Ukrai­ne first und nicht Isra­el first“ (113).

Für ihn steht das Exi­stenz­recht Isra­els außer Fra­ge, „aber das Töten in Gaza mit 95% + zivi­len Toten und dem Ziel der eth­ni­schen Säu­be­rung kann einen Chri­sten nicht kalt lassen.“

In der Tat.

Sicher wird man den ChrAfD ein Über­den­ken ihrer Posi­tio­nie­rung zu Isra­el nahe­le­gen müssen.

Resümee

Tra­di­ti­ons­ori­en­tier­te Katho­li­ken, und daher vie­le Leser von Katho​li​sches​.info, ste­hen der offi­zi­el­len „Öku­me­ne“ unter Beru­fung auf das über­lie­fer­te Lehr­amt (etwa Mor­ta­li­um ani­mos von Pius XI, 1928) bekannt­lich kri­tisch bis ableh­nend gegen­über. Ich schlie­ße mich die­ser Hal­tung grund­sätz­lich an, zumal die Fati­ma-Bot­schaft auch nicht im übli­chen Sinn „öku­me­nisch“ ist.

Inter­es­san­ter­wei­se dekla­rie­ren sich sowohl Dr. Gas­smann als auch Prof. Otte in ihren Por­traits selbst als „alli­anz- und ökumenefrei“ (!).

Nun ist es aber so, daß es seit Jahr­zehn­ten de fac­to ohne­hin eine inter­kon­fes­sio­nel­le Zusam­men­ar­beit im „meta­po­li­ti­schen“ Bereich gibt: Lebens­schutz, Marsch für die Fami­lie (sie­he etwa mei­nen Bericht vom beson­ders „öku­me­ni­schen“ Marsch 2020), Schutz der Kin­der, Erhal­tung der christ­lich-abend­län­di­schen Prä­gung Euro­pas, Alar­mie­rung zur welt­wei­ten Chri­sten­ver­fol­gung.

Prof. Peter Bey­er­haus († 2020), pro­te­stan­ti­scher Theo­lo­ge ohne anti­ka­tho­li­sche Aver­sio­nen, Refe­rent bei der Theo­lo­gi­schen Som­mer­aka­de­mie des Lin­zer Prie­st­er­krei­ses in Aigen/​OÖ im Jahr 1999 und Dok­tor­va­ter von Lothar Gas­smann, präg­te unter Rück­griff auf Wla­di­mir Solo­wjews Kur­zer Erzäh­lung vom Anti­christ (1900) den Begriff der „Bekennt­nis-Öku­me­ne“ und wur­de in die­sem Sinn selbst aktiv. Ohne das jetzt über­trei­ben zu wol­len, ist die­ser Ansatz für die Arbeit von Chri­sten ver­schie­de­ner Kon­fes­sio­nen in einer poli­ti­schen Par­tei doch ver­nünf­tig und realitätsbezogen.

Dabei darf das Letz­te Ziel nicht aus dem Auge gera­ten: Prof. Engels wies in sei­nem Vor­wort auf den abso­lu­ten Vor­rang des Stre­bens nach dem See­len­heil hin (18f, 23). In die­sem Rah­men steht nun ein­mal so und anders unser gan­zes Tun und Lassen. –

Dank und Gra­tu­la­ti­on an die Initia­to­ren der ChrAfD und an die Autoren und Pro­du­zen­ten der vor­lie­gen­den Schrift! Möge das Wir­ken der Chri­sten in der AfD Ad Maio­rem Dei Glo­ri­am allen nützen.

Fest­schrift zum 10-jäh­ri­gen Jubi­lä­um Chri­sten in der AfD, Glau­be – Lie­be – Hoff­nung, hrsg. von Joa­chim Kuhs, Ger­hard Hess Ver­lag, Uhin­gen 2025, 214 S.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro Lifer, ver­folgt seit Jah­ren immer wie­der die oft bril­lan­ten Bei­trä­ge der Abge­ord­ne­ten der AfD im deut­schen Bundestag.


1 Für 2025 sie­he die Anfra­ge­be­ant­wor­tung der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge der AfD.

2 Für Katho­li­ken soll­te dar­über hin­aus Papst St. Pius X. maß­geb­lich sein, der im Jahr 1904 Theo­dor Herzl emp­fing und ihm sag­te, er kön­ne das zio­ni­sti­sche Pro­jekt nicht seg­nen. Es wür­den aber Mis­sio­na­re im Hei­li­gen Land bereit­ste­hen, um zu pre­di­gen und zu tau­fen. Hier ein Bericht aus der Sicht Herzls.

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