Am 8. April 2026 berichtete die Nachrichtenagentur AICA der Argentinischen Bischofskonferenz von einer wichtigen Entscheidung, die den Seligsprechungsprozeß von Msgr. Jorge Novak, dem ersten Bischof von Quilmes, betrifft. Der Widerruf des Nihil Obstat für seinen Seligsprechungsprozeß durch das römische Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse unterbricht den 2017 unter Papst Franziskus begonnenen Prozeß.
Ein unterbrochener Weg
Der Seligsprechungsprozeß für Msgr. Novak begann offiziell am 11. Dezember 2017, als er das Nihil Obstat des Vatikans erhielt, das es ermöglichte, in die diözesane Phase des Verfahrens einzutreten. Seitdem wurden Zeugenaussagen und Dokumente zu seinem Leben und seiner pastoralen Arbeit gesammelt, die besonders unter dem Blickwinkel „seines entschlossenen Eintretens für die Menschenrechte und seiner tiefen Hingabe an die Armen“ geprägt war. Besonders während der Militärdiktatur in Argentinien galt Novak als eine herausragende Figur der Befreiungstheologie, eines sozialreligiösen Ansatzes, der in Anlehnung an das marxistische Denken die Bedürfnisse der sozial Benachteiligten in den Mittelpunkt stellte.
Nun wurde der Seligsprechungsprozeß durch die Entscheidung des römischen Dikasteriums gestoppt. In einem offiziellen Kommuniqué vom 13. Oktober 2025 erklärte Kardinal Marcelo Semeraro, der Präfekt des Dikasteriums, daß der Widerruf des Nihil Obstat vorgenommen wurde. Der Grund hierfür sei ein möglicher kanonischer Verfahrensfehler, den Msgr. Novak im Zusammenhang mit dem Verhalten eines Priesters in seiner Diözese nicht ordnungsgemäß durchgeführt habe. Das Dikasterium stellte jedoch klar, daß diese Entscheidung kein moralisches Urteil über das Leben und die pastorale Tätigkeit des Bischofs darstelle. Er behält weiterhin den Status eines „Dieners Gottes“, was bedeutet, daß die Tür für eine mögliche Wiederaufnahme des Verfahrens offen bleibt.
Konkret gesagt geht es um Bedenken, daß Novaks Umgang mit Mißbrauchsfällen nicht den moralischen oder ethischen Standards entsprachen, die für die Seligsprechung erforderlich sind. Vertuschung oder mangelnde Reaktion auf Mißbrauchsfälle durch Kleriker unter seiner Aufsicht gaben den Ausschlag, daß seine Seligsprechung in Frage gestellt wird.
Trauer über die Entscheidung
Die Nachricht vom Widerruf des Nihil Obstat stieß auf große Trauer sowohl im Bistum Quilmes als auch bei der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (SVD, Steyler Missionare), der Ordensgemeinschaft von Msgr. Novak. Beide Institutionen, die den Seligsprechungsprozeß seit Beginn begleitet haben, äußerten ihr Bedauern über die Entscheidung, gleichzeitig aber auch ihr Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit. In ihrem gemeinsamen Kommuniqué, das von Bischof Carlos Tissera und Pater Jerzy Faliszek SVD, dem Provinzial der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, unterzeichnet wurde, betonten sie, daß sie weiterhin Msgr. Novak anrufen wollen, auch wenn er nicht offiziell als Seliger oder Heiliger in den Kirchenkalender aufgenommen wird.
Ein umstrittenes Erbe
Die Figur von Msgr. Jorge Novak war immer von Kontroversen begleitet. Sein Bekenntnis zur Befreiungstheologie und seine „Option für die Armen“ prägten sein gesamtes pastorales Handeln. Diese Haltung führte dazu, daß er linken Kräften als ein Symbol für sozialen Einsatz und Gerechtigkeit galt, während andere seine Nähe zu radikalen, oft kirchenfernen politischen Strömungen kritisch hinterfragten.
In seinem Testament von Dezember 1986 schrieb Msgr. Novak:
„Ich habe mein Leben gegeben und gebe es weiterhin, damit meine Option für die Armen, erleuchtet durch die Theologie der Befreiung, immer mehr zur Realität wird…“.
Dieses Bekenntnis, so Kritiker, erklärt, warum das Seligsprechungsverfahren unter Papst Franziskus zügig vorangetrieben wurde.
Ausblick auf die Zukunft
Der Widerruf des Nihil Obstat stellt einen bemerkenswerten Einschnitt im Seligsprechungsprozeß dar, wenn er auch nicht das endgültige Ende desselben bedeutet. Die Entscheidung hindere nicht daran, wie seine Anhänger sofort verlautbarten, daß „sein Erbe als Verteidiger der Menschenrechte und als Hirte für die Armen weiter gewürdigt“ werde. Das Heiligsprechungsdikasterium betonte ausdrücklich, daß die Entscheidung kein Urteil vorwegnehme.
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Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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