Vom gegenwärtigen Niedergang des Papsttums, den aktuellen Schismen und der Kirche aller Zeiten

Die Vorzeichen, die wir gegenwärtig sehen, sprechen eine klare Sprache


Der heilige Franz von Assisi stützt die Kirche, die er erneuert – so erschien er vor 800 Jahren Papst Innozenz III. im Traum. Ein Sinnbild für eine Situation, in der der Papst schläft? Doch ein schlafender Papst kann nicht in Häresie fallen. Taugt dieser Vergleich für heute? Sicher ist: Unsere Zeit braucht einen neuen heiligen Franziskus.
Der heilige Franz von Assisi stützt die Kirche, die er erneuert – so erschien er vor 800 Jahren Papst Innozenz III. im Traum. Ein Sinnbild für eine Situation, in der der Papst schläft? Doch ein schlafender Papst kann nicht in Häresie fallen. Taugt dieser Vergleich für heute? Sicher ist: Unsere Zeit braucht einen neuen heiligen Franziskus. Sinnbild und Vorwegnahme einer Situation, in welcher der Papst schläft? Ein schlafender Papst kann aber nicht in die Häresie fallen. Taugt der Vergleich also für die heutige Zeit. Sicher ist, daß sie eines neuen heiligen Franzikus bedarf. Sinnbild und Vorwegnahme einer Situation, in welcher der Papst schläft? Ein schlafender Papst kann aber nicht in die Häresie fallen. Der Vergleich taugt für das Pontifikat von Papst Franziskus nicht.


Von P. Joa­chim Heim­erl von Heimthal*

Über die Jahr­hun­der­te war die inne­re Ein­heit das Wesens­merk­mal der römi­schen Kir­che, mit dem sie sich von ande­ren Glau­bens­ge­mein­schaf­ten unterschied.

Äußer­lich wur­de die­se Ein­heit an zwei Din­gen sicht­bar: am über­lie­fer­ten Mess­ri­tus und der latei­ni­schen Spra­che. Doch 1969 war es dar­um gesche­hen: Das Junk­tim, das alle Katho­li­ken mit­ein­an­der ver­band, zer­brach; ihre Ein­heit in Spra­che und Lit­ur­gie ging verloren.

Rasch folg­te der neu­en Plu­ra­li­tät der Lit­ur­gie­spra­che eine wir­re Plu­ra­li­tät „katho­li­scher“ Lehr­mei­nun­gen nach, die sich ihrer­seits in einer plu­ra­len Zele­bra­ti­on der Mes­se nie­der­schlu­gen. Nie­mand hielt sich mehr an die Vor­schrif­ten des Mess­buchs, eben­so wenig an die Leh­ren des Kate­chis­mus. Die Ein­heit der Kir­che war dem Moder­nis­mus und Indi­vi­dua­lis­mus zum Opfer gefal­len, und besten­falls besteht sie seit­dem in einem all­ge­mei­nen Zer­ber­sten: Was „katho­lisch“ sein soll, bestim­men fehl­ge­lei­te­te Bischö­fe, bei der Fei­er der Hei­li­gen Mes­se herrscht weit­ge­hend Anarchie.

In Deutsch­land nennt man die­ses Phä­no­men „anders katho­lisch“, und gera­de der „Syn­oda­le Weg“ der Deut­schen hat die Ein­heit der Kir­che als Fik­ti­on ent­larvt: Die katho­li­sche Kir­che gibt es heu­te so wenig wie den katho­li­schen Glau­ben oder die Ein­heit mit dem Papst, auch wenn man sie gebets­müh­len­ar­tig über­all beschwört. – Sehen wir uns um: Wer glaubt denn noch, was alle Päp­ste gelehrt haben und was bis heu­te im Kate­chis­mus steht? Und wer ist in die­sem Sinn katholisch?

Geht man unter die­sem Gesichts­punkt die Bischofs­er­nen­nun­gen unter Fran­zis­kus und Leo XIV. durch, fällt eine Über­ein­stim­mung auf: Fast alle Neu­ernann­ten stel­len den Kate­chis­mus in ent­schei­den­den Punk­ten in Fra­ge. – Kann man das tun und mit dem Papst in „Ein­heit“ sein oder besteht die­se Ein­heit am Ende in der Auf­wei­chung des Glau­bens? Und: Kön­nen es wirk­lich nur päpst­li­che Fehl­grif­fe sein, die sol­che Leu­te ins Amt brin­gen? – Gewiss: Hier tut sich eine Fra­ge über dem Abgrund auf: Ist das Amt der Ein­heit auch ein Werk­zeug der Spal­tung? Und ist der Papst womög­lich (auch) jene dop­pel­deu­ti­ge Figur, die einst schon Simon Petrus war?

Spä­te­stens das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus stellt hier eine Zäsur in der Geschich­te dar: Erst­mals wich ein Papst von der bis­he­ri­gen Leh­re ab und ver­folg­te die­je­ni­gen, die ihr treu blie­ben, mit offe­ner Feind­se­lig­keit. Die Ein­heit die Kir­che wur­de zur Qua­dra­tur des Krei­ses: Wer den katho­li­schen Glau­ben ver­tei­dig­te, konn­te mit Fran­zis­kus nicht über­ein­stim­men. In bestem Fall blieb es bei Lip­pen­be­kennt­nis­sen oder „theo­lo­gi­schen“ Pur­zel­bäu­men; die „Ein­heit“ mit dem Papst wur­de zur Parodie.

An die­sem Punkt sind wir auf der Rück­sei­te des Pro­blems ange­langt: Wo kei­ne Ein­heit mit dem Papst besteht, besteht ein Schis­ma, und man ist geneigt zu sagen, dass die Kir­che heu­te mehr von Schis­men durch­zo­gen als in Ein­heit ver­bun­den ist.

Fran­zis­kus hat dies in dem Maße sicht­bar gemacht, in dem er selbst in Wider­spruch zu sei­nem Amt geriet, und ersetz­te die Ein­heit im Glau­ben durch sei­ne „syn­oda­le Häresie“.

Letzt­lich ver­folg­te er damit die glei­che Agen­da wie der deut­sche „Syn­oda­le Weg“.

Was in Deutsch­land jedoch das Vor­ha­ben einer glau­bens­lo­sen „Eli­te“ blieb, ent­glei­ste unter Fran­zis­kus ins Pseu­do-Spi­ri­tu­el­le: Seit­dem wird das „syn­oda­le“ Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes offi­zi­ell gegen die Leh­re der Kir­che aus­ge­spielt; der von vie­len ver­ehr­te Kar­di­nal Zen (Hong­kong) nann­te dies zu Recht eine unge­heu­re „Blas­phe­mie“.

Fran­zis­kus hat damit nichts weni­ger ein laten­tes Schis­ma pro­vo­ziert, und Leo XIV. setzt sei­nen Weg unbe­irrt fort. Offen­sicht­lich ist der Zustand des Schis­mas in der Kir­che inzwi­schen so selbst­ver­ständ­lich gewor­den, dass sich ein­schließ­lich des Pap­stes nie­mand mehr dar­an stört. – Kein Wun­der, wenn man das „syn­oda­le“ Schis­ma der Deut­schen in Rom gar nicht als „Schis­ma“ ver­ste­hen will, son­dern als „Ungleich­zei­tig­keit“ auf einem gemein­sa­men „Weg“.

Dass die Ein­heit im Glau­ben und in der Wahr­heit nie eine „ungleich­zei­ti­ge“ sein kann, ver­steht sich jedoch von selbst, und nur eine „Ein­heit“ im Unglau­ben kann der­ar­ti­gen Unsinn hervorbringen.

Wie die Din­ge lie­gen, will und kann der Papst die Ein­heit inmit­ten der Kir­che nicht mehr gewähr­lei­sten; der Nie­der­gang des Papst­tums ist damit im vol­len Gange.

Dem­entspre­chend wer­den Häre­si­en und Schis­men nicht mehr sank­tio­niert, zumin­dest dann nicht, wenn sie von jenem Main­stream des Moder­nis­mus getra­gen sind, der heu­te in der „syn­oda­len Kir­che“ en vogue ist .

Katho­li­ken, die auf die über­lie­fer­te Mes­se und den bis­he­ri­gen Glau­ben bestehen, wer­den dage­gen mit viel­fäl­ti­gen Repres­sio­nen ver­folgt. – Was der Kir­che zu allen Zei­ten hei­lig war, gilt heu­te als „schis­ma­ti­sche“ Gefahr.

Deut­li­cher könn­te sich der Geist des­sen nicht zei­gen, der alles ins Gegen­teil ver­kehrt – ja, ich mei­ne den Geist des „Dia­bo­los“, jenen Ungeist, der nach Goe­the „stets ver­neint“. Er hat die Kir­che geka­pert und ver­folgt jene uner­bitt­lich, die treu zum Glau­ben stehen.

Am deut­lich­sten wird dies an der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. , die jüngst mit ihrer Ankün­di­gung, Bischö­fe ohne Erlaub­nis des Pap­stes zu wei­hen, Auf­se­hen erregt hat.

Natür­lich wäre eine sol­che Wei­he ein schis­ma­ti­scher Akt; so sagt es das Kir­chen­recht glasklar.

Aller­dings ist es nicht ein­zu­se­hen, wes­halb die­ses „Schis­ma“ gra­vie­ren­der sein soll­te als die ande­ren Schis­men, die der Papst still­schwei­gend akzeptiert!

Wir erin­nern uns: In Deutsch­land haben sich die Bischö­fe offi­zi­ell von maß­geb­li­chen Punk­ten des katho­li­schen Glau­bens ver­ab­schie­det und eine lai­ka­le „Reform­kir­che“ geschaf­fen, in der vor­zugs­wei­se – weib­li­che – Lai­en die Prie­ster erset­zen (Tau­fe, Predigt).

Dar­über hin­aus gibt es „Got­tes­dien­ste“ zur „Seg­nung“ homo­se­xu­el­ler und ehe­bre­che­ri­scher Paa­re; wei­te Tei­le der katho­li­schen Moral und Anthro­po­lo­gie wer­den offi­zi­ell ins Gegen­teil verkehrt.

Deut­li­cher könn­te ein Schis­ma nicht sein. Eine wirk­sa­me Inter­ven­ti­on des Pap­stes blieb jedoch aus und jeder deut­sche Bischof wei­ter im Amt. Dage­gen wird der päpst­li­che Bann­strahl die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. mit aller Här­te treffen.

Spä­te­stens hier stellt sich uns die Fra­ge nach der Wahr­heit, die in die­sem Fall die Fra­ge nach der wah­ren Kir­che ist. Dabei sieht es jedoch nicht danach aus, dass die Glei­chung „Kir­che = Papst“ heu­te so sim­pel auf­geht wie früher.

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. hat für die­ses Pro­blem eine sym­pa­thi­sche Lösung: Sie aner­kennt den jewei­li­gen Papst, distan­ziert sich aber von den Irr­tü­mern, die in der Kir­che Fuß gefasst haben, und beruft sich statt­des­sen auf die „Kir­che aller Zeiten“.

Das ist zwei­fel­los rich­tig, und zutiefst katho­lisch ist es auch. Den­noch bleibt eine Schwie­rig­keit: Die „Kir­che aller Zei­ten“ steht kon­trär zu vie­lem, was Päp­ste wie Fran­zis­kus und Leo XIV. ver­kün­den, und spä­te­stens hier stellt sich die Lösung der Bru­der­schaft als (begrün­de­te) Not­lö­sung her­aus; die „Ein­heit“ mit dem Papst kann kein fort­dau­ern­der For­ma­lis­mus sein.

Ich gebe zu: Eine bes­se­re Lösung habe ich auch nicht. Gleich­zei­tig kann es aber so, wie es jetzt ist, nicht län­ger wei­ter­ge­hen. Wenn der Papst nur eine Sym­bol­fi­gur bleibt und die Ein­heit im Glau­ben nicht wie­der­her­stellt, wird die katho­li­sche Kir­che so sicher dar­an zer­bre­chen, wie sie jetzt schon gespal­ten ist.

Die „Kir­che aller Zei­ten“ wird dies über­ste­hen, müss­te sich dann aber in ihrem Ver­hält­nis zum Papst­amt und in der Per­son des Pap­stes neu orientieren.

Das klingt nach mit­tel­al­ter­li­chen Zustän­den, nach Papst und Gegen­papst und allem, was schein­bar hin­ter uns liegt. – Vor­bei die Zeit, in der man glaub­te, die Kir­che habe sich in der Neu­zeit (end­lich) konsolidiert.

Statt­des­sen scheint sie in jene äußer­ste Ver­wir­rung zu gera­ten, die der Wie­der­kehr des Herrn vor­aus­ge­hen soll. Nur ER wird am Ende über­win­den, was kein Papst mehr über­win­den kann, und dies allein wird unse­re Hoff­nung sein, wenn sich erfüllt, was die Seli­ge Jung­frau in La Salet­te vor­aus­ge­sagt hat: „Rom wird den Glau­ben ver­lie­ren und Sitz des Anti­christs werden.“

Ich selbst neh­me die­se War­nung sehr ernst, mögen sie „from­me“ Spöt­ter auch belä­cheln. Die Vor­zei­chen, die wir gegen­wär­tig sehen, spre­chen dage­gen eine kla­re Sprache.

*Joa­chim Heim­erl von Heim­thal, Prie­ster der Erz­diö­ze­se Wien, stu­dier­te Ger­ma­ni­stik, Geschich­te, Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie. Er ist pro­mo­vier­ter Ger­ma­nist und war Lehr­be­auf­trag­ter an der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen. Neben lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten ist er Autor zahl­rei­cher Auf­sät­ze und Kom­men­ta­re zu kirch­li­chen The­men in in- und aus­län­di­schen Medien.

Bild: MiL