Alles, was wir über das Konsistorium Leos XIV. noch nicht wußten

Der eisige Wind aus Rom


Papst Leo XIV. mit Kardinälen bei den Arbeiten des Konsistoriums in der großen Audienzhalle
Papst Leo XIV. mit Kardinälen bei den Arbeiten des Konsistoriums in der großen Audienzhalle

Die Tages­zei­tung Il Giorn­a­le ver­öf­fent­lich­te aus der Feder von Nico Spun­to­ni eini­ge Hin­ter­grün­de rund um das Kon­si­sto­ri­um, das am 7./8. Janu­ar im Vati­kan statt­fand. Wir doku­men­tie­ren die­sen Bericht vollinhaltlich:

Alles, was wir über das Konsistorium Leos bislang noch nicht wußten

Fast eine Woche ist seit dem außer­or­dent­li­chen Kon­si­sto­ri­um ver­gan­gen, und die Neu­gier dar­über, was der Papst und die Kar­di­nä­le hin­ter ver­schlos­se­nen Türen im neu­en Syn­oden­saal mit­ein­an­der bespro­chen haben, ist ungebrochen.

Wie Il Giorn­a­le am 16. Dezem­ber vor­weg­ge­nom­men hat­te, soll­ten an zwan­zig Arbeits­ti­schen vier The­men behan­delt wer­den: eine erneu­te Lek­tü­re des Apo­sto­li­schen Schrei­bens Evan­ge­lii gau­di­um, Syn­ode und Syn­oda­li­tät, eine ver­tief­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on Prae­di­ca­te Evan­ge­li­um sowie die Lit­ur­gie. Im Mit­tel­punkt der Arbei­ten des Kon­si­sto­ri­ums stan­den dann jedoch nur die ersten bei­den The­men. Der Grund dafür war, daß die Kar­di­nä­le in der ersten Sit­zung auf­grund der begrenz­ten zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit gebe­ten wur­den, eine Aus­wahl zu treffen.

So wur­den die bei­den Sit­zun­gen des Abschluß­ta­ges durch die Berich­te von Kar­di­nal Víc­tor Manu­el Fernán­dez, Prä­fekt des Dik­aste­ri­ums für die Glau­bens­leh­re, und von Kar­di­nal Mario Grech, Gene­ral­se­kre­tär des Gene­ral­se­kre­ta­ri­ats der Syn­ode, ein­ge­lei­tet. Sie spra­chen jeweils über Evan­ge­lii gau­di­um und über die Syn­oda­li­tät. Il Giorn­a­le kann den Inhalt die­ser Tex­te offen­le­gen, die in gewis­ser Wei­se ein Regie­rungs­pro­gramm umreißen.

Nein zur obsessiven Verkündigung der Lehre

Fernán­dez, einer der eng­sten Ver­trau­ten von Fran­zis­kus, schrieb – und trug im Saal vor –, daß es „sicher­lich Ver­än­de­run­gen im Ver­gleich zum vor­her­ge­hen­den Pon­ti­fi­kat geben kann, die Her­aus­for­de­rung von Evan­ge­lii gau­di­um jedoch nicht begra­ben wer­den darf“. Der Appell des Lei­ters des ehe­ma­li­gen Hei­li­gen Offi­zi­ums lau­tet, das erste Apo­sto­li­sche Schrei­ben neu zu lesen, wonach die Ver­kün­di­gung kei­ne „obses­si­ve Pro­kla­ma­ti­on aller Leh­ren und Nor­men der Kir­che“ sei.

Nach Auf­fas­sung des argen­ti­ni­schen Prä­fek­ten bedarf es für die Evan­ge­li­sie­rung „Krea­ti­vi­tät“. Die Refle­xi­on über das Evan­ge­li­um brin­ge „zwei kon­kre­te Anfor­de­run­gen“ mit sich: erstens „die Not­wen­dig­keit, für die Reform unse­rer Prak­ti­ken, Sti­le und Orga­ni­sa­ti­ons­for­men offen zu blei­ben, in dem Bewußt­sein, daß unse­re bis­he­ri­gen Muster oft nicht die besten sind“, und zwei­tens „die Not­wen­dig­keit, den Inhalt unse­rer Pre­dig­ten und Wort­mel­dun­gen regel­mä­ßig zu über­prü­fen“, um nicht „immer wie­der über die­sel­ben dok­tri­nä­ren, mora­li­schen, bio­ethi­schen oder poli­ti­schen The­men zu sprechen“.

Zustimmung durch die Synode

Der zwei­te im Ple­num ver­le­se­ne Bericht war jener von Kar­di­nal Grech, der der Syn­ode gewid­met war. Der mal­te­si­sche Kar­di­nal erklär­te, daß es „stets dem Bischof von Rom obliegt, den syn­oda­len Pro­zeß ein­zu­be­ru­fen, zu beglei­ten, abzu­schlie­ßen und – falls not­wen­dig – aus­zu­set­zen. In kei­ner Wei­se schrän­ken die Bischofs­syn­ode und die Aus­übung der Syn­oda­li­tät die Aus­übung des Pri­mats ein.“

Für Grech, das sym­bo­li­sche Gesicht der syn­oda­len Kir­che des berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kats, sei es „auch denk­bar, eine mehr­stu­fi­ge Aus­übung der Syn­oda­li­tät anzu­neh­men, die je nach den zu behan­deln­den Fra­gen eine unter­schied­li­che Betei­li­gung der Akteu­re vor­sieht“. Er for­dert eine Art Ver­viel­fa­chung der Syn­oda­li­tät, zu der er auch die Ein­be­ru­fung des Kar­di­nals­kol­le­gi­ums selbst zählt, eben­so wie das „wün­schens­wer­te regel­mä­ßi­ge Tref­fen des Hei­li­gen Vaters mit den Prä­si­den­ten der Bischofskonferenzen“.

Nach Ansicht des Kar­di­nals soll­te die Syn­ode dem Bischof von Rom „einen Kon­sens zu der behan­del­ten Fra­ge anbie­ten“. Dar­über hin­aus spricht er sich für „eine infor­mel­le Form der Aus­übung der Syn­oda­li­tät“ aus und ver­tei­digt die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gelei­ste­te Arbeit mit dem Hin­weis, daß „die geord­ne­te Aus­übung der Syn­oda­li­tät bereits ihre Früch­te zeigt“, dar­un­ter – sei­ner Mei­nung nach – eine „offen­kun­di­ge Aus­wir­kung auf den mis­sio­na­ri­schen Schwung“.

Die nicht vorgetragenen Berichte

Da jedoch im Vor­feld nicht fest­stand, wel­ches der vier The­men aus­ge­wählt wer­den wür­de, lagen den Kar­di­nä­len auch die Berich­te zu Prae­di­ca­te Evan­ge­li­um und zur Lit­ur­gie vor, die von Kar­di­nal Fabio Bag­gio bezie­hungs­wei­se von Kar­di­nal Arthur Roche, Prä­fekt des Dik­aste­ri­ums für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, vor­be­rei­tet wor­den waren.

Im ersten Fall ist bemer­kens­wert, daß der Papst Bag­gio, der der­zeit ledig­lich Sekre­tär des Dik­aste­ri­ums für den Dienst an der ganz­heit­li­chen mensch­li­chen Ent­wick­lung ist, mit dem Bericht über die von Fran­zis­kus gewoll­te Kuri­en­re­form betraut hat. Eine Ent­schei­dung, die einem mög­li­chen Kar­rie­re­schritt für Kar­di­nal Bag­gio vor­grei­fen könn­te, der von Leo XIV. sehr geschätzt wird.

In dem von Il Giorn­a­le ein­ge­se­he­nen Text wird erneut eine „römi­sche Kurie im Dienst der Mis­si­on der Kir­che“ gefor­dert. Nach Bag­gio stat­tet die von Berg­o­glio gewünsch­te Reform „die Welt­kir­che mit einer Dienst­struk­tur aus, die auf die mis­sio­na­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit ange­mes­se­ner und wirk­sa­mer reagiert – eine erneu­er­te Aus­übung jenes Aggior­na­men­to, das vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil ange­sto­ßen wurde“.

Der Kar­di­nal betont jedoch, daß Prae­di­ca­te Evan­ge­li­um nicht nur besa­ge, daß die Kurie im Dienst des Pap­stes ste­he, son­dern daß sie „auch im Dienst der Bischö­fe steht – sowohl ein­zeln als auch gemein­sam – sowie der Bischofs­kon­fe­ren­zen“. Die Reform ver­wen­de als Kri­te­ri­um eine „heil­sa­me Dezen­tra­li­sie­rung“ und wol­le der Kurie abver­lan­gen, „den Bischö­fen die Zustän­dig­keit zu über­las­sen, jene Fra­gen zu lösen, die sie gut ken­nen und die die Ein­heit der Leh­re nicht berühren“.

Auch in die­sem Bericht ist von einer „Reform (…), die der Kir­che das Gesicht der Syn­oda­li­tät ver­lei­hen will“ die Rede, und es wird gefor­dert, daß „die Dik­aste­ri­en und Ämter der römi­schen Kurie vor allem als ‚Zen­tren des Zuhö­rens‘ wirken“.

Roche und die tridentinische Messe

Der Bericht von Roche hin­ge­gen sorg­te für Dis­kus­sio­nen, obwohl er letzt­lich nur auf dem Papier vor­ge­legt wur­de. Ein anony­mer Kar­di­nal erklär­te gegen­über Niwa Lim­bu von The Catho­lic Herald, das Doku­ment des Prä­fek­ten sei „ziem­lich nega­tiv gegen­über der tra­di­tio­nel­len Mes­se“. Die­se Wor­te weck­ten gro­ße Neu­gier auf den bis­lang offi­zi­ell nicht ver­öf­fent­lich­ten Text.

Auch in die­sem Fall kann Il Giorn­a­le bestä­ti­gen, daß er der soge­nann­ten alten Lit­ur­gie kei­nes­wegs wohl­ge­son­nen ist. Der Text stellt fest, daß „der vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil gewoll­te Ein­griff zur Liti­ur­gie­re­form nicht nur voll­kom­men im Ein­klang mit dem eigent­li­chen Sinn der Tra­di­ti­on steht, son­dern einen erha­be­nen Dienst an der Tra­di­ti­on dar­stellt, damit die­se – wie ein gro­ßer Strom – die Kir­che zum Hafen der Ewig­keit führt“.

Der bri­ti­sche Kar­di­nal fügt hin­zu, daß „ohne einen legi­ti­men Fort­schritt die Tra­di­ti­on zu einer Samm­lung toter Din­ge wür­de, die nicht immer alle gesund sind; ohne eine gesun­de Tra­di­ti­on hin­ge­gen droht der Fort­schritt zu einer patho­lo­gi­schen Suche nach Neu­em zu wer­den, die kein Leben her­vor­brin­gen kann“.

Schar­fe Angrif­fe gegen die Anhän­ger der soge­nann­ten triden­ti­ni­schen Mes­se fol­gen im Schluß­teil. Roche erkennt an, daß „die Umset­zung der Reform unter einem Man­gel an Aus­bil­dung gelit­ten hat und wei­ter­hin lei­det – und daß dies die drin­gend anzu­ge­hen­de Auf­ga­be ist, begin­nend bei den Semi­na­ren“. Anschlie­ßend jedoch ver­tei­digt er die von ihm ver­häng­ten Ein­schrän­kun­gen der Fei­er in der außer­or­dent­li­chen Form.

Er ver­weist hier­zu auf den Apo­sto­li­schen Brief Desi­de­rio desi­dera­vi von Fran­zis­kus, der 2022 die von Bene­dikt XVI. im Jahr 2007 gewähr­te Libe­ra­li­sie­rung noch wei­ter zurück­ge­nom­men hat­te, und schreibt: „Wir kön­nen nicht zu jener ritu­el­len Form zurück­keh­ren, von der die Kon­zils­vä­ter cum Petro et sub Petro die Not­wen­dig­keit ver­spürt haben, sie zu refor­mie­ren, indem sie – unter der Füh­rung des Hei­li­gen Gei­stes und gemäß ihrem Hir­ten­ge­wis­sen – die Prin­zi­pi­en bil­lig­ten, aus denen die Reform her­vor­ge­gan­gen ist.“

Dar­aus folgt die Ver­tei­di­gung jenes Doku­ments, das Sum­morum Pon­ti­fi­cum von Bene­dikt XVI. end­gül­tig zu den Akten gelegt hat: „Ich habe Tra­di­tio­nis cus­to­des [2021] geschrie­ben, damit die Kir­che in der Viel­falt der Spra­chen ein ein­zi­ges und iden­ti­sches Gebet erhe­ben kann, das ihre Ein­heit zum Aus­druck bringt.“

In sei­nem Bericht zur Lit­ur­gie geht Roche somit über die Ein­schrän­kun­gen von Fran­zis­kus hin­aus und schreibt:

„Der Gebrauch der lit­ur­gi­schen Bücher, die das Kon­zil refor­mie­ren woll­te, war von Johan­nes Paul II. bis Fran­zis­kus eine Kon­zes­si­on, die in kei­ner Wei­se eine För­de­rung vor­sah. Papst Fran­zis­kus hat – obwohl er gemäß Tra­di­tio­nis cus­to­des die Ver­wen­dung des Mis­sa­le Roma­num von 1962 erlaubt – den Weg der Ein­heit im Gebrauch der von den hei­li­gen Päp­sten Paul VI. und Johan­nes Paul II. pro­mul­gier­ten lit­ur­gi­schen Bücher gewie­sen, in Über­ein­stim­mung mit den Dekre­ten des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, als ein­zi­gem Aus­druck der lex oran­di des römi­schen Ritus.“

Der Bericht schließt mit einem wei­te­ren Zitat aus dem umstrit­te­nen Desi­de­rio desi­dera­vi und der Fest­stel­lung, es sei „banal, die lei­der vor­han­de­nen Span­nun­gen rund um die Fei­er ledig­lich als ein­fa­che Diver­genz unter­schied­li­cher Sen­si­bi­li­tä­ten gegen­über einer ritu­el­len Form zu deu­ten. Das Pro­blem ist in erster Linie ekkle­sio­lo­gi­scher Natur. Ich sehe nicht, wie man die Gül­tig­keit des Kon­zils aner­ken­nen (…) und zugleich die aus Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um her­vor­ge­gan­ge­ne Lit­ur­gie­re­form nicht anneh­men kann.“

Eine Posi­ti­on, die von den an die triden­ti­ni­sche Mes­se gebun­de­nen Gemein­schaf­ten, die Rom stets treu geblie­ben sind, nicht geteilt wird, da sie immer die Gül­tig­keit des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on aner­kannt haben, jedoch bean­stan­den, daß die Vor­ga­ben von Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um nach dem Kon­zil nicht ein­ge­hal­ten wor­den seien.

Wie aus dem Schrei­ben des Pap­stes an die Kar­di­nä­le, über das wir am 16. Dezem­ber berich­tet haben, zu erwar­ten war, hät­te daher auch die triden­ti­ni­sche Mes­se in die Dis­kus­si­on des Kon­si­sto­ri­ums über die Lit­ur­gie ein­be­zo­gen wer­den sol­len. Der Text von Roche wider­legt somit die Deu­tung eini­ger ultra­pro­gres­si­ver Beob­ach­ter, wonach es die kon­ser­va­ti­ven Kar­di­nä­le gewe­sen sei­en, die die­ses The­ma in den Saal ein­ge­bracht hätten.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. »…zwei­tens „die Not­wen­dig­keit, den Inhalt unse­rer Pre­dig­ten und Wort­mel­dun­gen regel­mä­ßig zu über­prü­fen“, um nicht „immer wie­der über die­sel­ben dok­tri­nä­ren, mora­li­schen, bio­ethi­schen oder poli­ti­schen The­men zu sprechen“.«

    Uns blei­ben also wei­te­re lang­wei­li­ge Debat­ten zu dem The­men Zöli­bats­ab­schaf­fung, Frau­en­wei­he und Kli­ma­wan­del end­lich erspart? Wie wunderbar.

  2. Jeder von uns hat die Pha­se am eige­nen Leib erlebt, die sich Puber­tät nennt. Davor spre­chen wir vom Kind, danach vom Erwach­se­nen. Die Puber­tät dau­ert etwa sie­ben Jah­re. Aus Sicht des Erwach­se­nen wird das Ver­hal­ten ger­ne mit her­um­lüm­meln oder revol­tie­ren beschrie­ben. Aus Sicht des Kin­des ist es ein Fremd­wer­den der leicht Älte­ren. Die Puber­tie­ren­den schei­nen Kin­dern das Wesent­li­che zu ver­lie­ren, was sie vor­her mit ihnen ver­bun­den hat. Kin­der sehen an ihnen eine nicht nach­voll­zieh­ba­re anfäng­li­che Scham­haf­tig­keit die dann zu einer Ver­här­tung wird. In Sum­ma ergibt sich ein Zustand, der weder mit dem Vor­her­ge­hen­den noch mit dem Nach­fol­gen­den in Kohä­renz steht. Nun ist es von vor­ran­gi­gem Belang, wie sich die Puber­tie­ren­den selbst wahr­neh­men. Es tritt näm­lich etwas Neu­es für sie ein, was ein Hand­lungs­be­geh­ren aus­löst und so stark ist, daß es gleich­zei­tig blind macht für das, was vor­her war und blind für das, was nach­her kom­men mag. Das Leben wird zu einem Gau­di­um. Wenn sich nach etwa sie­ben Jah­ren die Gewäs­ser beru­higt haben, ist es der Geist des Men­schen, der sou­ve­rän die Füh­rung im Innern über­neh­men kann. In Fami­li­en ergibt sich zeit­lich über­grei­fend ein Pro­zeß, der den Sohn als Kind den Vater nach­ah­men läßt, dann gegen ihn revol­tiert, um schließ­lich einen erwach­se­nen Mann her­vor­zu­brin­gen, der Schwä­chen des Vaters krea­tiv über­wun­den hat und gleich­zei­tig ein ganz eige­nes Indi­vi­du­um ist. 

    Beim Kon­si­sto­ri­um wird sehr gut erkannt, daß Evan­ge­li­um Gau­di­um nicht begra­ben wer­den darf. Es muss aus Krea­ti­vi­tät wir­ken. Die­se Krea­ti­vi­tät refor­miert das Bis­he­ri­ge. Es refor­miert Prak­ti­ken, Sti­le und Orga­ni­sa­ti­ons­for­men. Bis­he­ri­ge Muster und eige­ne Aus­sa­gen sei­en immer wie­der zu über­prü­fen, so Fer­nan­dez. Kar­di­nal Grech ver­steht das im Sin­ne von Prae­di­ca­te Evan­ge­li­um so, daß die Reform sich mit dem eigent­li­chen Sinn der Tra­di­ti­on in Ein­klang brin­gen soll, weil neu­es Leben her­vor­ge­bracht wer­den soll. 

    Das wah­re Evan­ge­li­um sagt: Wenn ihr nicht wer­det wie die Kin­der. Evan­ge­li­um Gau­di­um scheint sich hin­ge­gen auf die spä­te­re Pha­se zu bezie­hen. Wer­den wir also wie die Puber­tie­ren­den. Damit ver­wan­deln wir das Vor­her­ge­hen­de. „Desi­de­rio desi­dera­vi“ deu­tet dabei dar­auf hin, auf der Ebe­ne des Begeh­rens blei­ben zu wol­len. Die Ebe­ne der Krea­ti­vi­tät, der Leben­dig­keit. Die Kon­zils­vä­ter haben ein „Desi­de­rio desi­dera­vi“ ver­spürt. Eine Not­wen­dig­keit, das Alte zu reformieren. 

    So kann es von gro­ßem Nut­zen sein, sich in das Wesent­li­che der syn­oda­len Kir­che hin­ein­zu­ver­set­zen. Die­se Kir­che för­dert Krea­ti­vi­tät aus dem Begeh­ren. Das Begeh­ren ist immer per­sön­lich und des­halb setzt sich die­se Kir­che an run­de Tische. In der demo­kra­ti­schen Gleich­be­rech­ti­gung der Ein­zel­be­geh­ren kann die Krea­ti­vi­tät sich dann entfalten.

  3. Die über­lie­fer­te hl. Mes­se gehört wesent­lich zum Katho­lisch­sein. Sie ist ja bereits Teil der himm­li­schen Lit­ur­gie und kann nicht zur Dis­po­si­ti­on gestellt wer­den. Ohne die­se Lit­ur­gie in ihrer latei­ni­schen Spra­che ist die Kir­che nicht mehr wirk­lich katho­lisch: das ist Tat­sa­che. Und wenn Kar­di­nal Roche einen engen Zusam­men­hang zwi­schen Kon­zil und der „neu­en“ Lit­ur­gie postu­liert, die ihm so wich­tig ist, ist das inter­es­sant. Er macht dann das, was er ande­ren vor­hält: er selbst stellt das Kon­zil in Frage.

    In Wahr­heit ver­hält es sich so:
    Papst Bene­dikt XVI. hat­te mit Sum­morum Pon­ti­fi­ci­um wohl nicht nur der immer gül­ti­gen hl. Lit­ur­gie ihr ange­stamm­tes Bür­ger­recht zurück­ge­ge­ben, son­dern damit auch das Kon­zil aner­kannt und geret­tet, das er in Kon­ti­nui­tät zu den ande­ren Kon­zi­li­en ver­or­tet sieht. Das bedeu­te­te nicht, jedem Satz und jeder Aus­sa­ge die­ses Kon­zils den Segen zu ertei­len so wie das auch bei vori­gen Kon­zi­li­en nicht der Fall war. Auch da war nicht jeder Satz in Stein gemei­ßelt. Also: die hl. über­lie­fer­te Mes­se ist ein Garant auch für die­ses 2. Vat. Kon­zil, aber wie gesagt nicht für jede ein­zel­ne Aus­sa­ge, wäh­rend die­ser „neue“ Ritus eine Abkehr vom Kon­zil bedeu­tet. War­um drang der „Rauch Satans“ in die Kir­che ein wie Papst Paul VI. es for­mu­lier­te? – Ja, gera­de wegen der Abkehr von der triden­ti­ni­schen Messe.

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