Franziskus: „Papst ist man auf Lebenszeit“

Die Klarstellung


Papst Franziskus stellte sich am 2. Februar im Kongo den Fragen seiner Mitbrüder im Jesuitenorden.
Papst Franziskus stellte sich am 2. Februar im Kongo den Fragen seiner Mitbrüder im Jesuitenorden.

(Rom) Papst Fran­zis­kus ver­wirft den Gedan­ken eines mög­li­chen Rück­tritts – falls er einen sol­chen je heg­te. Dabei war es Fran­zis­kus selbst, der am Beginn sei­ner Amts­zeit ein „kur­zes Pon­ti­fi­kat“ voraussagte. 

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Auf dem Rück­flug von Süd­ko­rea im August 2014 und in sei­nem ersten Inter­view, das er Valen­ti­na Alaz­ra­ki (Tele­vi­sa, Mexi­ko) gab, sprach er von „drei, vier Jah­ren“ und deu­te­te damit die Mög­lich­keit an, wie sein Vor­gän­ger Bene­dikt XVI. zurück­zu­tre­ten. In den fol­gen­den Jah­ren kor­ri­gier­te Fran­zis­kus die­ses Ansicht schritt­wei­se durch klei­ne Andeu­tun­gen. Zunächst, indem ein mög­li­cher Rück­tritt kaum mehr ein The­ma war. Nun, da Bene­dikt XVI. ver­stor­ben ist, betont Fran­zis­kus sogar, was die Kir­che immer lehr­te: Die Wahl zum Papst ist eine Wahl auf Lebens­zeit. Anders aus­ge­drückt: Ein Papst tritt nicht zurück, son­dern stirbt im Amt.

Die Bekräf­ti­gung die­ses Amts­ver­ständ­nis­ses, wie sie gera­de von tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Katho­li­ken gefor­dert wur­de, war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch Fran­zis­kus nicht erfolgt. Nun, da Bene­dikt XVI. tot ist, scheint sich das geän­dert zu haben, da ihn die Beto­nung des Pon­ti­fi­kats auf Lebens­zeit auf­grund sei­ner eige­nen Ent­schei­dung nicht mehr bloß­stel­len kann.

Am Ende des zehn­ten Jah­res im Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus kann von einem „kur­zen Pon­ti­fi­kat“ kei­ne Rede mehr sein, und ein mög­li­cher Rück­tritt ist schon län­ger kein The­ma mehr. Im Gegen­teil: Bereits in sei­nem jüng­sten Inter­view, das Fran­zis­kus der mexi­ka­ni­schen Jour­na­li­stin Valen­ti­na Alaz­ra­ki im Juli 2022 gab, sag­te er: „Ich habe nicht die Absicht, zurück­zu­tre­ten, nicht für den Moment“.

Auch bei sei­ner jüng­sten Aus­lands­rei­se in den Kon­go und den Süd­su­dan traf sich Fran­zis­kus jeweils hin­ter ver­schlos­se­nen Türen mit der ört­li­chen Jesui­ten­ge­mein­schaft. Wie schon in der Ver­gan­gen­heit ver­öf­fent­lich­te sein Ver­trau­ter P. Anto­nio Spa­da­ro, Schrift­lei­ter der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà Cat­to­li­ca, die Fra­gen und Ant­wor­ten exklu­siv. Wie Spa­da­ro in der jüng­sten Aus­ga­be der Zeit­schrift berich­tet, wur­de Fran­zis­kus von sei­nen Mit­brü­dern gleich zwei­mal auf einen Rück­tritt ange­spro­chen, sowohl im Kon­go als auch im Südsudan.

Die Frage der Jesuiten im Kongo

Fra­ge: Es gab Gerüch­te über einen mög­li­chen Rück­tritt: Haben Sie wirk­lich die Absicht, das Petrus­amt zu ver­las­sen? Und soll­te Ihrer Mei­nung nach der Gene­ral der Gesell­schaft auf Lebens­zeit im Amt bleiben?

Papst Fran­zis­kus: Sehen Sie, es stimmt, daß ich mei­nen Rück­tritt zwei Mona­te nach der Wahl geschrie­ben und die­sen Brief Kar­di­nal Ber­to­ne über­ge­ben habe. Ich weiß nicht, wo der Brief ist. Ich habe es für den Fall getan, daß ich ein gesund­heit­li­ches Pro­blem habe, das mich an der Aus­übung mei­nes Amtes hin­dert, und ich mir nicht ganz bewußt bin, daß ich zurück­tre­ten muß. Das heißt aber kei­nes­wegs, daß der Rück­tritt von Päp­sten zu einer „Mode“, zu etwas Nor­ma­lem wer­den soll. Bene­dikt hat­te den Mut, dies zu tun, weil er aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr wei­ter­ma­chen woll­te. Das steht im Moment nicht auf mei­ner Tages­ord­nung. Ich glau­be, daß das Amt des Pap­stes ad vitam ist, und ich sehe kei­nen Grund, war­um es nicht so sein soll­te. Ich den­ke, daß das Amt der gro­ßen Patri­ar­chen immer auf Lebens­zeit ist. Und die histo­ri­sche Tra­di­ti­on ist wich­tig. Wenn wir dage­gen auf das „Geschwätz“ hören wür­den, dann müss­ten wir alle sechs Mona­te den Papst wechseln!

Was die Gesell­schaft Jesu betrifft: Ja, ich bin in die­ser Hin­sicht „kon­ser­va­tiv“. Es muß auf Lebens­zeit sein. Aber die glei­che Fra­ge stellt sich natür­lich auch in bezug auf den Papst. Pater Kol­ven­bach und Pater Nico­las, die bei­den vori­gen Gene­rä­le, sind aus gesund­heit­li­chen Grün­den zurück­ge­tre­ten. Ich den­ke, es ist auch wich­tig, sich dar­an zu erin­nern, daß einer der Grün­de, war­um das Gene­ra­lat in der Gesell­schaft auf Lebens­zeit ist, dar­in besteht, Wahl­kal­ku­la­tio­nen, Frak­tio­nen, Klatsch und Tratsch zu vermeiden.

Die Frage der Jesuiten im Südsudan

Am 4. Febru­ar traf sich Papst Fran­zis­kus mit den Jesui­ten im Süd­su­dan. Auch ihnen gegen­über wie­der­hol­te er, nicht an einen Rück­tritt zu denken.

Fra­ge: Den­ken Sie an einen Rücktritt?

Papst Fran­zis­kus: Nein, das ist mir nicht in den Sinn gekom­men. Ich habe aber einen Brief geschrie­ben und ihn an Kar­di­nal Ber­to­ne über­ge­ben. Er ent­hält mei­nen Rück­tritt für den Fall, daß ich nicht in der Lage sein soll­te, aus gesund­heit­li­chen oder Gewis­sens­grün­den zurück­zu­tre­ten. Pius XII. hat auch eine Ver­zichts­er­klä­rung ver­faßt, als Vor­sichts­maß­nah­me für den Fall, daß Hit­ler ihn nach Deutsch­land holt. Für die­sen Fall sag­te er, wür­den sie Euge­nio Pacel­li gefan­gen­neh­men und nicht den Papst.

Text/​Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: La Civil­tà Cat­to­li­ca (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. Der Papst ist doch bekannt dafür, dass er alle par Wochen oder manch­mal auch erst nach eini­gen Jah­ren, sei­ne Mei­nung ändert. Ein Chat jeden­falls, wie er das sel­ber zugibt. So einer, zumal auch sein Cha­rak­ter sehr zu wün­schen lässt (hin­ter­häl­tig) hät­te nie Papst wer­den dürfen.

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