Das Soros-Kartell und der „investigative“ Journalismus

Dichtes Netzwerk der Meinungsbeeinflussung

George Soros und die Zusammenschlüsse "investigativer" Journalisten als neues Kampfinstrument.
George Soros und die Zusammenschlüsse "investigativer" Journalisten als neues Kampfinstrument.

Am 16. Novem­ber wur­de an der Fakul­tät für Sozi­al- und Gei­stes­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­da­de Nova de Lis­boa (Neue Uni­ver­si­tät Lis­sa­bon) die Grün­dung des soge­nann­ten „Con­sór­cio – Netz­werk von Inve­sti­ga­ti­v­jour­na­li­sten“ bekannt­ge­ge­ben. Wie vie­le ande­re ähn­li­che Orga­ni­sa­tio­nen des „unab­hän­gi­gen Jour­na­lis­mus“ ist auch das „erste por­tu­gie­si­sche Kon­sor­ti­um für inve­sti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus“ for­mal ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein und natür­lich eine Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on (NGO), obwohl die Grün­dung des Con­sór­cio auf der Inter­net­sei­te des por­tu­gie­si­schen Kul­tur­mi­ni­ste­ri­ums bekannt­ge­macht wurde.

Die erste jour­na­li­sti­sche Unter­su­chung des Con­sór­cio befaß­te sich mit angeb­li­chen „Haß­re­den“ bei Poli­zei und Mili­tär. Das The­ma ist im deut­schen Sprach­raum nicht unbe­kannt, wo auch seit eini­ger Zeit Poli­zei und Bun­des­wehr von ver­meint­lich unab­hän­gi­gen Auf­deckern ins Visier genom­men wer­den. Nicht bekannt dürf­te sein, daß es sich dabei nicht um ein deut­sches The­ma han­delt, son­dern um eine inter­na­tio­na­le gelenk­te Kam­pa­gne. In der por­tu­gie­si­schen „Unter­su­chung“ ging es vor allem um die Bezie­hung zwi­schen „Haß­re­den“ und der 2019 gegrün­de­ten EU-kri­ti­schen, natio­nal­kon­ser­va­ti­ven Par­tei Che­ga („Es reicht“). Auch dies­be­züg­lich kom­men einem Par­al­le­len in den Sinn. Der 2019 gegrün­de­ten Che­ga, die sich gegen Kul­tur­mar­xis­mus, Abtrei­bung und Gen­der-Ideo­lo­gie posi­tio­nier­te, gelang im ver­gan­ge­nen Janu­ar auf Anhieb der Ein­zug in das por­tu­gie­si­sche Par­la­ment als dritt­stärk­ster Kraft.

Der Zweck der „inve­sti­ga­ti­ven“ Kam­pa­gne? Che­ga wird mit brei­ter media­ler Unter­stüt­zung an den Pran­ger gestellt und soll dadurch in die Defen­si­ve gedrängt, iso­liert und geäch­tet werden. 

Und wer ist Mit­glied im Kon­sor­ti­um des „unab­hän­gi­gen“ Jour­na­lis­mus? Es sind: Pedro Coel­ho, Jour­na­list des Fern­seh­sen­ders SIC (Socie­dad Inde­pen­di­en­te de Comu­ni­ca­ción) und Lehr­be­auf­trag­ter an der Neu­en Uni­ver­si­tät Lis­sa­bon; Pau­lo Pena, Jour­na­list von Inve­sti­ga­te Euro­pe; Qua­t­ro Fili­pe Teles und Ricar­do Cabral Fer­nan­des, Jour­na­li­sten der Online-Zei­tung Seten­ta e Qua­t­ro; die unab­hän­gi­gen Jour­na­li­sten Clá­u­dia Mar­ques San­tos und Tia­go Car­ras­co; Pedro Miguel San­tos und Ricar­do Este­ves Ribei­ro, Jour­na­li­sten von Fuma­ça – Pod­cast des inve­sti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus; der Rechts­an­walt Ricar­do Cor­reia Afon­so und die Lehr­be­auf­trag­ten an der Neu­en Uni­ver­si­tät Lis­sa­bon Car­la Bap­ti­sta, Dora San­tos Sil­va, Mari­sa Tor­res da Sil­va sowie João Figuei­ra von der Uni­ver­si­tät Coim­bra und José Ricar­do Car­val­hei­ro von der Uni­ver­si­tät Bei­ra Inte­ri­or.

Die Mit­glie­der, ange­führt von Pedro Coel­ho, sind der brei­ten Öffent­lich­keit zum größ­ten Teil unbe­kannt. Was sie ver­eint, ist eine lan­ge Geschich­te des poli­ti­schen Akti­vis­mus mit beson­de­rer Nähe zur radi­ka­len Lin­ken. Und: Sie wer­den von Geor­ge Sor­os gespon­sert. Offi­zi­ell ist das kein The­ma. Falls doch jemand hin­ter die Kulis­sen schaut, heißt es, Sor­os sei ein Spen­der. Der Sache näher kommt, daß es vie­le sol­cher und ähn­li­cher Zusam­men­schlüs­se nur wegen des finanz­kräf­ti­gen Ansto­ßes durch Sor­os und Co. gibt.

Sor­os spen­det für eine „offe­ne Gesell­schaft“, die genau den „Idea­len“ ent­spricht, die von der poli­ti­schen Lin­ken ver­tre­ten wer­den: Abtrei­bung, Homo­se­xua­li­tät, Gen­der-Ideo­lo­gie, offe­ne Gren­zen, Auf­lö­sung der Natio­nal­staa­ten, Über­tra­gung der Sou­ve­rä­ni­tät auf über­na­tio­na­le Insti­tu­tio­nen wie die EU, Kli­ma-Nar­ra­tiv usw.

Pau­lo Pena bei­spiels­wei­se ist nicht nur Mit­glied des neu­en „inve­sti­ga­ti­ven“ Kon­sor­ti­ums in Por­tu­gal, son­dern auch Teil eines inter­na­tio­na­len Jour­na­li­sten­kon­sor­ti­ums namens Inve­sti­ga­te Euro­pe, einer ande­ren Sor­os-gespon­ser­ten Orga­ni­sa­ti­on. Inve­sti­ga­te Euro­pe erhielt allein von der Bar­ce­lo­na Open Socie­ty Initia­ti­ve im Jahr 2019 153.000 Euro und 2020 124.000 Euro. Bei nähe­rer Betrach­tung las­sen sich auch Quer­fi­nan­zie­run­gen aus dem Sor­os-Kar­tell finden.

Die Jour­na­li­sten Fili­pe Teles und Ricar­do Cabral Fer­nan­des arbei­ten für die Online­zei­tung Seten­ta e Qua­t­ro, die sich als „digi­ta­les Infor­ma­ti­ons­pro­jekt“ prä­sen­tiert, das „demo­kra­ti­sche und fort­schritt­li­che Wer­te garan­tiert“ und von Ana Gomes, der Kan­di­da­tin der regie­ren­den Sozia­li­sti­schen Par­tei (PS) für die Prä­si­dent­schafts­wah­len, aus ihrem Wahl­kampf­bud­get gespon­sert wur­de. Ihre Wahl­kampf­kas­sa, so Gomes, habe aus Spen­den bestan­den. Ein Schelm, wer ver­mu­tet, unter den groß­zü­gig­sten Spen­dern fin­de sich auch das Sor­os-Impe­ri­um. Das Online­for­mat Fuma­ça, zu dem die Jour­na­li­sten Pedro Miguel San­tos und Ricar­do Este­ves Ribei­ro gehö­ren, die eben­falls Mit­glie­der des Con­sór­cio sind, hat seit 2018 von den Open Socie­ty Foun­da­ti­ons 509.000 Euro „zur För­de­rung des Jour­na­lis­mus“ erhalten.

Geor­ge Sor­os und die Open Socie­ty Foun­da­ti­ons, das Flagg­schiff des Sor­os-Impe­ri­ums, sind neben Orga­ni­sa­tio­nen, die mit der radi­ka­len Lin­ken und der por­tu­gie­si­schen Regie­rung ver­bun­den sind und sich ihrer­seits teils auf der Spen­den­li­ste von Sor­os fin­den, die Haupt­ak­teu­re bei der Finan­zie­rung der ver­schie­de­nen Medi­en, die das „Kon­sor­ti­um“ bil­den. Sor­os mischt also gleich auf meh­re­ren Ebe­nen mit.

Das Ver­hal­ten der „unab­hän­gi­gen“ Jour­na­li­sten des Con­sór­cio in den sozia­len Netz­wer­ken läßt kei­nen Zwei­fel an ihrer poli­ti­schen Gesin­nung. Der Jour­na­list Pedro Coel­ho, der mit dem Hin­weis, Lehr­be­auf­trag­ter an der Neu­en Uni­ver­si­tät Lis­sa­bon zu sein, die „Unter­su­chung“ über Haß­re­den bei den por­tu­gie­si­schen Sicher­heits- und Streit­kräf­ten durch­ge­führt hat, kennt wenig Hem­mun­gen, wenn es dar­um geht, Che­ga anzu­grei­fen, wobei er die Par­tei syste­ma­tisch als „rechts­extrem“ bezeich­net, was sich im lin­ken Uni­ver­sum viel­fach fort­pflanzt bis hin zum deut­schen Wiki­pe­dia-Ein­trag zur Par­tei. Auch zwi­schen der Neu­en Uni­ver­si­tät Lis­sa­bon und der Open Socie­ty gibt es eine Viel­zahl von Querverbindungen.

Kurz vor den Par­la­ments­wah­len im Janu­ar 2022 schrieb Coel­ho über Che­ga auf Twit­ter: „Als Jour­na­list kann ich in der Woche vor den Par­la­ments­wah­len öffent­lich nicht viel schrei­ben. Nur so viel: Im Novem­ber 2020 und April 2021 sen­de­te SIC fünf gro­ße Berich­te über die extre­me Rech­te in Euro­pa, ein­schließ­lich Por­tu­gal. Rechts­extrem. Das ist ‚alles‘, was sie ist.“

Ricar­do Cabral Fer­nan­des von Seten­ta e Qua­t­ro, der Name des Medi­ums bezieht sich auf die Revo­lu­ti­on von 1974, twit­ter­te am 30. Janu­ar zu den Ergeb­nis­sen der Par­la­ments­wah­len: „Wir ahn­ten, daß es nur eine Fra­ge der Zeit war, und heu­te ist es pas­siert: Die extre­me Rech­te hat ihre Posi­ti­on im Par­la­ment gefe­stigt. Die Nor­ma­li­sie­rung des Has­ses wird sich beschleu­ni­gen. Wir soll­ten uns dar­auf vorbereiten.“

Wie in vie­len ande­ren Fäl­len hat das soge­nann­te Con­sór­cio – Netz­werk inve­sti­ga­ti­ver Jour­na­li­sten nichts mit „unab­hän­gi­gem Jour­na­lis­mus“ zu tun. Es ist viel­mehr eine Ansamm­lung radi­ka­ler lin­ker Polit­ak­ti­vi­sten, deren Jour­na­lis­mus den Inter­es­sen glo­ba­li­sti­scher Orga­ni­sa­tio­nen wie den Open Socie­ty Foun­da­ti­ons dient, die sie groß­zü­gig finanzieren.

Unpar­tei­lich­keit und Fair­ness, Eigen­schaf­ten, die die Arbeit, die sie zu lei­sten vor­ge­ben, prä­gen soll­ten, gehö­ren gera­de nicht zu den Wer­ten der Open Socie­ty und ihrem kaum mehr über­schau­ba­ren Netz­werk abhän­gi­ger Hel­fers­hel­fer und Hand­lan­ger. Am neu­en Kon­sor­ti­um in Por­tu­gal, mit dem Ein­fluß auf die öffent­li­che Mei­nung genom­men wer­den soll, wir­ken lin­ke Orga­ni­sa­tio­nen, Por­tu­gals Regie­rung und Open Socie­ty mit, wobei letz­te­re auf ver­schie­de­ne Wei­se erste­re spon­sert. Die Ver­schrän­kung von Hoch­fi­nanz, Staat und pri­va­ten Orga­ni­sa­tio­nen schafft das Netz­werk, mit dem ein Land und sei­ne öffent­li­che Mei­nung kon­trol­liert wer­den soll.

Da trifft es sich, daß Por­tu­gals Kul­tur­mi­ni­ste­rin Gra­ça Fon­se­ca von der Sozia­li­sti­schen Par­tei beken­nen­de Homo­se­xu­el­le ist. Für ihr „Outing“ wur­de sie vom inter­na­tio­na­len Homo-Lob­by­isten ILGA mit dem Rain­bow Award aus­ge­zeich­net. ILGA wie­der­um wird von den Open Socie­ty Foun­da­ti­ons von Sor­os gespon­sert. Damit wären wir bei der Rekru­tie­rung des poli­ti­schen Per­so­nals, aber das ist ein ande­res gro­ßes The­ma im glei­chen Spiel…

Die Kon­si­stenz der orga­ni­sier­ten Ein­fluß­nah­me, wie sie durch soge­nann­te Zusam­men­schlüs­se „inve­sti­ga­ti­ver“ Jour­na­li­sten erfolgt, zeig­te sich bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len in Bra­si­li­en. Die glo­ba­li­sti­sche Len­kung sichert, daß Pro­pa­gan­da­in­stru­men­te von ganz neu­er Qua­li­tät geschaf­fen wer­den, die zeit­gleich in einer gan­zen Rei­he von wich­ti­gen Län­dern im glei­chen Sinn aktiv wer­den kön­nen, um bei­spiels­wei­se Kan­di­da­ten zu dis­kre­di­tie­ren, wie es im Fal­le von Jair Bol­so­n­a­ro der Fall war.

Text: Andre­as Becker
Bild: Wiki­com­mons

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